2026-04 - Andachten vom April 2026

Aus Bibelwissen
Version vom 18. April 2026, 06:42 Uhr von DM (Diskussion | Beiträge) (Samstag, 18. April 2026)
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)

Hier geht es zur Übersichtstabelle

Mittwoch, 1. April 2026

🎵 Anhören


Ich will dir danken in großer Gemeinde; unter vielem Volk will ich dich rühmen.

Psalm 35,18

Alle Zungen sollen bekennen, dass Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters.

Philipper 2,11

Gottes rettendes Handeln führt zu einem universalen Bekenntnis

In Psalm 35 bittet David den HERRN, ihm beizustehen, indem er gegen seine Feinde kämpft (Ps 35,1). Das klingt nicht gerade nach Feindesliebe (Mt 5,44). Jeder Bibelleser, der auch die Bergpredigt Jesu kennt, würde von einem „Mann nach dem Herzen Gottes“ vielleicht etwas anderes erwarten (1Sam 13,14 / Apg 13,22).

Doch dieser einseitige Eindruck, David habe sich das Unglück seiner Feinde gewünscht, täuscht. In den Versen 12–14 schreibt er:

Sie vergelten mir Böses für Gutes; vereinsamt ist meine Seele. Ich aber, als sie krank waren, kleidete mich in Sacktuch; ich demütigte meine Seele mit Fasten. Ach, dass mein Gebet in meine Brust zurückkehrte! Als wäre es mir ein Freund, ein Bruder gewesen, so bin ich einhergegangen; wie leidtragend um die Mutter habe ich mich trauernd niedergebeugt.“

Diese Aussagen zeigen, wie betroffen David war, als es seinen Feinden schlecht ging, und wie sehr er mitgelitten hatte, als sie krank waren (Spr 24,17). Das „Kleiden in Sacktuch“ und das „Fasten“ zeigen zudem, wie intensiv er für seine Feinde betete. Anschließend wurden sie vermutlich gesund, denn erst nachdem sie genesen waren, konnten sie wieder gegen David kämpfen und waren darauf aus, ihn ins Verderben zu stürzen und umzubringen (Ps 35,15).

Als David den HERRN bat, gegen seine Feinde zu kämpfen, tat er das nicht unbedingt aus Hass, sondern eher, weil er von Gott gerettet werden wollte.

In diesem Zusammenhang klingt der Losungsvers wie ein Gelübde: David will den HERRN öffentlich preisen – als Antwort auf seine Rettung. Sein Lob ist keine Pflicht, sondern die Folge dessen, was er mit Gott erlebt hat.

David wollte den HERRN als Retter ehren und bekennen, um auch andere zu ermutigen, ihm zu vertrauen.

Ein Bekenntnis, das sich nicht nur auf ein zahlreiches Volk erstreckt, sondern eines Tages jeden Menschen betreffen wird, verheißt Gott sowohl durch den Propheten Jesaja als auch durch den Apostel Paulus. In Jesaja 45:23-24 spricht der HERR:

“Ich habe bei mir selbst geschworen, aus meinem Mund ist Gerechtigkeit hervorgegangen, ein Wort, das nicht zurückkehrt: Ja, jedes Knie wird sich vor mir beugen, jede Zunge ⟨mir⟩ schwören und sagen: Nur in dem HERRN ist Gerechtigkeit und Stärke.”

Paulus präzisiert dies in Philipper 2:9-11:

“Darum hat Gott ihn (d.h. Christus) auch hoch erhoben und ihm den Namen verliehen, der über jeden Namen ist, damit in dem Namen Jesu jedes Knie sich beugt, der Himmlischen und Irdischen und Unterirdischen, und jede Zunge bekennt, dass Jesus Christus Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters.”

Das griechische Wort für „bekennen“ lautet *homologeo* und bedeutet wörtlich: „gleiche Worte (sagen)", „übereinstimmen" oder „zustimmen". Es beschreibt also nicht nur ein inneres Gefühl, sondern ein übereinstimmendes Zeugnis über das, was der Wahrheit entspricht.

Doch wie kommt dieses universale Bekenntnis zustande? Ist es erzwungen? (Phil 2,10)

Der biblische Zusammenhang legt eine andere Spur nahe: Es entsteht als Antwort auf Gottes Handeln. So wie David Gott nach erfahrener Rettung preist, so wird auch das endgültige Bekenntnis zu Christus nicht bloß auferlegt sein, sondern aus der Erkenntnis seiner Wahrheit und Gnade hervorgehen (vgl. 1Tim 4,10; Röm 11,32).

Dieses Bekenntnis ist also nicht in erster Linie ein Druckmittel („Du musst…“), sondern die Frucht von Gottes Handeln. In Psalm 35 ist das Lob die Antwort auf Rettung; im Philipperbrief ist das Bekenntnis die Antwort auf Gottes Erhöhung Christi.

So verbindet der heutige Tag zwei Linien:

  • Gott rettet und hilft konkret – und das führt zu Dank.
  • Gott erhöht Christus endgültig – und das führt zu Anbetung.

Beides mündet darin, dass Gott geehrt wird.

Gebet: Herr Jesus Christus, du bist der Herr. Ich will dir nicht nur im Stillen danken, sondern dich bekennen. Gib mir Mut und Demut, dass mein Leben dich ehrt und der Vater verherrlicht wird. Amen.

Donnerstag, 2. April 2026

🎵 Anhören


Wohl dem, dessen Hilfe der Gott Jakobs ist, der seine Hoffnung setzt auf den HERRN.

Psalm 146,5

Jesus nahm den Kelch und dankte, gab ihnen den und sprach: Trinket alle daraus; das ist mein Blut des Bundes, das vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden.

Matthäus 26,27 –28

Hoffnung auf Hilfe und Vergebung der Sünden

Nach dem Fall der Berliner Mauer 1989 und der Unterzeichnung des START-I-Vertrags zur Reduzierung strategischer Atomwaffen 1991 entstand große Zuversicht und die Hoffnung, dass die Menschheit von nun an stetig vernünftiger würde und endlich damit aufhören würde, sich gegenseitig „die Köpfe einzuschlagen“.

Und heute? Sind wir immer noch zuversichtlich, dass die Menschheit endlich zur Vernunft kommt? Hoffen wir weiterhin darauf, dass die Menschheit endlich etwas aus der Geschichte gelernt hat, oder bestätigt sich erneut das Zitat des Philosophen Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770–1831), der sinngemäß sagte:

„Die Geschichte lehrt, dass die Menschheit aus der Geschichte nichts lernt!“

Der Autor von Psalm 146 mahnte in den Versen 3 und 4:

„Vertraut nicht auf Edle, auf einen Menschensohn, bei dem keine Rettung ist! Sein Geist geht aus, er kehrt wieder zu seiner Erde: am selben Tag gehen seine Pläne verloren.“

Wer darauf vertraut, dass Menschen alle anstehenden Probleme lösen können, setzt automatisch seine Hoffnung auf sie und erwartet von ihnen die nötige Hilfe (Jer 17:5). Es ist zwar wichtig, einander zu helfen und sich in Treue und Zuverlässigkeit zu üben (Gal 6:2), doch aufgrund unserer Fehlerhaftigkeit und begrenzten Möglichkeiten sind wir nicht in der Lage, alle Erwartungen an eine umfassende Hilfe zu erfüllen.

Wenn ich von Menschen eine allumfassende Hilfe erwarte, überfordere ich sie. Sie sind auch nicht in der Lage, mich von meiner Schuld zu befreien (Ps 49:8). Nur der allmächtige Gott, der seinen Sohn aus den Toten auferweckt und ihm einen neuen, unverweslichen Leib gegeben hat, kann mir umfassend helfen (Apg 2:24 / 1Kor 15:42). Und mehr noch: Er ist der Einzige, dem nichts unmöglich ist und der alle meine Erwartungen bei Weitem übertreffen wird (Mk 10:27 / Eph 3:20).

Doch der Allmächtige ist im Gegensatz zu den Menschen unsichtbar (2Kor 5:7). Darum neigen wir dazu, eher Menschen als ihm zu vertrauen. Gott ist für uns heute zwar nicht sichtbar, doch er hat durch sein Wort zu uns geredet, und wir können jederzeit nachlesen, was er uns zu sagen hat. Er wünscht sich, dass wir seinen Worten vertrauen (Ps 33:4). Wer das tut, darf immer wieder neu seine Hilfe erfahren, auch wenn sie manchmal anders aussieht, als erwartet. Das Vertrauen und die Hoffnung auf den HERRN werden nicht beschämt werden (Röm 5:5). Darum preist der Psalmist auch all jene glücklich, die alle Hilfe von Gott erwarten. Denn wahre Hoffnung ruht nicht auf Stimmung oder Umständen, sondern auf Gottes Charakter (Hebr 6:19).

Gottes Charakter zeigt sich in seiner Liebe, Barmherzigkeit und Treue (2Mo 34:6). Weil er sein Volk liebte, schloss er mit ihm am Berg Sinai einen Bund. Diesen bestätigte er mit dem Blut eines Opfertieres. In 2. Mose 24,8 lesen wir:

„Darauf nahm Mose das Blut, besprengte damit das Volk und sagte: Siehe, das Blut des Bundes, den der HERR auf all diese Worte mit euch geschlossen hat!“

Dieser Bund wurde vollzogen, nachdem Gott seinem Volk die Zehn Gebote gegeben hatte. Doch weil Israel diesen Bund nicht einhalten konnte, verhieß Gott durch Jeremia einen neuen Bund (Jer 31:31). Diesen neuen Bund setzte Jesus unmittelbar vor dem Passahfest ein, weil er an Passah als das Lamm Gottes geschlachtet wurde, das die Sünde der ganzen Welt wegtrug und so umfassende Vergebung ermöglichte (Joh 1:29 / 1Kor 5:7 / Eph 1:7). In Lukas 22,20 sagte Jesus:

„Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird.“

Obwohl Jesus wusste, dass dieser Weinkelch ein Symbol für sein unsagbares Leiden ist (Jes 53:5), dankte er dafür (Mt 26:27). Denn er wusste, dass genau dieses Leiden die heilsgeschichtliche Wende einleiten würde (Jes 53:10–11), durch die Sünder nicht nur umfassende Vergebung empfangen (Kol 1:14), sondern auch mit göttlicher Gerechtigkeit beschenkt und gerechtfertigt werden (2Kor 5:21 / Röm 5:1). An dieses göttliche Wunder dürfen wir uns an diesem Tag erinnern und Gott dafür die Ehre geben.

Karfreitag, 3. April 2026

🎵 Anhören | 🎥 Anschauen


„Lobt den HERRN, alle Völker! Rühmt ihn, ihr Nationen alle!“

Psalm 117,1

„Das Lamm, das geschlachtet ist, ist würdig, zu nehmen Kraft und Reichtum und Weisheit und Stärke und Ehre und Preis und Lob.“

Offenbarung 5,12

Klein und unscheinbar – und doch mit großer Wirkung

Zwei Kapitel vor dem längsten Kapitel der Bibel steht das kürzeste: Während Psalm 119 aus 176 Versen besteht, umfasst Psalm 117 gerade einmal zwei Verse. In der Elberfelder Bibel wird der Psalm wie folgt übersetzt:

“Lobt den HERRN, alle Nationen! Rühmt ihn, alle Völker! Denn mächtig über uns ist seine Gnade! Die Treue des HERRN währt ewig! Halleluja!”

Dieser Psalm beginnt mit „Lobt den HERRN“ (hebräisch: halelu et jahweh) und endet mit halelujah, was „Lobt Jah“ bedeutet. Alle Völker und Nationen werden zum Lob aufgefordert und dazu motiviert, weil Gottes Gnade (oder Güte) so mächtig über seinem Volk ist und weil seine Treue beziehungsweise Wahrheit ewig währt. (Ps 117,1)

Dieser universale Aufruf ist bemerkenswert: Im Alten Testament war Israel kaum missionarisch ausgerichtet. Und doch ruft dieser Psalm bereits alle Nationen zum Lob Gottes auf. Er weist damit über sich hinaus, hin zu dem Moment, in dem Gottes Heil allen Völkern verkündet wird. (Ps 67,4 / Jes 49,6) Erst nachdem Jesus Christus von den Toten auferstanden war, gab er seinen Jüngern den Auftrag, das Evangelium allen Völkern zu verkündigen. (Mt 28,19 / Mk 16,15 / Apg 1,8)

Das kleinste Kapitel der Bibel bezeugt allen Nationen die Güte, Gnade, Wahrheit und Treue des HERRN, die es zu loben gilt. Denn diese wunderbaren Eigenschaften des HERRN wurden in Jesus Christus offenbar, der als sanftmütiger und demütiger Wanderprediger zu uns Menschen kam. Johannes schreibt dazu:

“Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns, und wir haben seine Herrlichkeit angeschaut, eine Herrlichkeit als eines Einzigen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.” (Joh 1,14)

Trotz seiner unendlichen Liebe zu uns Menschen wurde er wie ein Schwerverbrecher verurteilt und am Kreuz hingerichtet. Darum gedenken heute viele Christen weltweit seines Opfertods. Seine bedingungslose Liebe, die bereit war, sich in voller Hingabe zu opfern, ist auch der Grund, warum er als einziger würdig ist, von Gott alle Ehre und Macht zu empfangen.

Als Jesus am Kreuz hing, sah es aus, als wäre er der größte Verlierer aller Zeiten. Viele verspotteten ihn, und kaum jemand schenkte ihm Beachtung. Hilflos, ohnmächtig und ohne jede Bewegungsfreiheit hing er dort. Freiwillig ließ er sich zu einem „Stein“ machen, den die Bauleute nicht verwenden wollten, wie es im nächsten Psalm bezeugt wird.

Unter den Tieren zählt das Lamm zu den wehrlosesten. Es kann sich nicht tarnen wie andere Beutetiere, ist zu langsam, um einem Wolf zu entkommen, und findet keinen Schutz in einer Höhle. Es verfügt weder über Warnsignale noch über Stacheln, besitzt keinen schützenden Panzer und kann auch keine abschreckenden Gerüche absondern. Kurz gesagt: Ihm fehlt nahezu jede Form der Verteidigung. Ohne einen Hirten ist es fast schutzlos – und steht damit sinnbildlich für das genaue Gegenteil von Macht und Stärke.

Ausgerechnet das „geschlachtete Lamm“ ist als einziges würdig, von Gott alles zu empfangen und als ultimativer Herrscher über das ganze Universum zu regieren. Nur dieses Lamm bekommt Kraft, Reichtum, Weisheit, Stärke, Ehre, Preis und Lob! Derjenige, der ohnmächtig am Kreuz hing, erhält die größte Kraft und Stärke. Derjenige, der arm und bloß war, wird mit größtem Reichtum beschenkt, und jener, der den Menschen wie ein großer Tor erschien, wird mit umfassender Weisheit ausgestattet. Der Verachtete wird von Gott mit höchsten Ehren geehrt, und der Verspottete empfängt von allen Preis, Lob und Anbetung. Gerade darin zeigt sich Gottes Wesen: Stärke in der Schwachheit, Herrlichkeit im Leiden. Deshalb ist das Lamm würdig – und ihm gebühren Ehre, Lob und Anbetung.

Samstag, 4. April 2026

🎵 Anhören


Wie lieblich sind deine Wohnungen, HERR Zebaoth!

Psalm 84,2

In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen. Wenn's nicht so wäre, hätte ich dann zu euch gesagt: Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten?

Johannes 14,2

Die Wohnungen im Vaterhaus

Wer schon einmal ein Haus oder eine Wohnung geplant hat, weiß, wie viel Freude darin liegen kann. Man gestaltet Räume nach den eigenen Bedürfnissen und wählt Materialien und Farben nach persönlichem Geschmack. Das kann allerdings auch Stress bedeuten, wenn einen die riesige Auswahl überfordert. Sehr wohlhabende Bauherren können sich zusätzlich einen bekannten Innenarchitekten leisten, der es versteht, die Räume so einzurichten, dass eine ganz besondere Atmosphäre entsteht. Wenn dann der Tag kommt, an dem man einziehen kann und zum ersten Mal in den fertig eingerichteten Räumen steht, ist die Freude besonders groß. So mancher sagt dann: „Wow! Ist das schön geworden!“

Psalm 84 ist ein Wallfahrtslied, das die Sehnsucht nach Gottes Gegenwart und dem Tempel ausdrückt (Ps 84:2-5). Für den Psalmisten ist der Tempel nicht in erster Linie ein religiöses Gebäude, sondern der Ort, an dem Gott zu finden ist: ein Ort des Gebets, der Anbetung und der Zuflucht. Der Psalm bringt die Freude darüber zum Ausdruck, Gott nahe zu sein, und beschreibt die Pilgerreise als geistliche Stärkung. Fast hat man den Eindruck, der oder die Liederdichter beneiden die Schwalbe, die an den Tempelmauern ihr Nest gefunden hat und dort immer wohnen darf.

Was der Psalmist nur erahnt, wird in den Worten Jesu konkret. Wie viel schöner muss es sein, wenn der Schöpfer des Himmels und der Erde unsere ewige Wohnstätte bereitet (Hebr 11:10), wenn er für uns eine Bleibestätte gestaltet, die genau zu uns passt und alle unsere Vorstellungen bei Weitem übertrifft? Dann werden wir noch viel mehr sagen als: „Wow, ist das schön geworden!“ Die Wohnungen des HERRN sind lieblich, weil sie von seiner Gegenwart erfüllt sind (Offb 21:3) – voller Liebe, Licht und Herrlichkeit, die alles Irdische übersteigt (2Kor 4:17).

Als Jesus den Jüngern zusagte, ihnen eine Wohnung zu bereiten, griff er ein geläufiges Bild auf, das möglicherweise den damaligen Gepflogenheiten entsprach: Nachdem Braut und Bräutigam sich verlobt hatten, ging der Bräutigam nach Hause und baute für sich und seine zukünftige Frau eine Wohnung. Erst wenn diese fertig war und der Vater des Bräutigams sie abgenommen und seine Zustimmung gegeben hatte, durfte der Bräutigam seine Braut zur Hochzeit heimholen. Bis dahin musste die Braut auf den Bräutigam warten (vgl. Mt 25:1-13).

Da in Johannes 14 Jesu Weggang unmittelbar bevorstand und er wusste, dass die Jünger durch das, was sie in den nächsten Tagen erleben würden, zutiefst erschüttert werden würden, wollte er ihnen Mut zusprechen, indem er sagte:

„Euer Herz werde nicht bestürzt. Ihr glaubt an Gott, glaubt auch an mich! Im Hause meines Vaters sind viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich dann zu euch gesagt: Ich gehe hin, euch eine Stätte zu bereiten?“ (Joh 14:1-2)

Jesus bestätigte den Jüngern ihren Glauben an den Gott Israels. Doch jetzt, da sie miterleben würden, wie Jesus sich verhaften und töten lässt, würde ihr Glaube an ihn besonders auf die Probe gestellt werden. Es würde schwer werden, an Jesus zu glauben und ihm zu vertrauen, dass er „alles im Griff“ hat. In dieser Situation war es äußerst anspruchsvoll, darauf zu vertrauen, dass nichts geschah, was Vater und Sohn nicht zuvor geplant hatten (Apg 2:23).

Das Opfer des Sohnes und damit unsere Befreiung von aller Schuld war zwingend notwendig (Röm 3:24-25), damit sowohl die Jünger als auch wir in nicht allzu ferner Zukunft in das Haus des Vaters einziehen können (Joh 14:3) – in die unbeschreiblich schönen Wohnungen, die Jesus für uns bereitet hat.

Das Wort „Wohnungen“ (gr. monai) hat denselben Wortstamm wie „bleiben“ (Joh 15:4). Es geht nicht nur um „Räume“, sondern um bleibende Gemeinschaft. Jesus bereitet nicht einfach Immobilien vor, sondern einen Ort des Bleibens bei Gott – und letztlich ein Bleiben Gottes bei uns (Joh 14:23). Das Ziel der Erlösung ist nicht, dass wir irgendwo „untergebracht“ werden, sondern dass wir bei dem sind, der uns liebt (Joh 17:24).

Darum dürfen wir heute beten:
HERR Zebaoth, du bist der Gott der Heerscharen und doch zugleich der Vater, der seine Kinder aufnimmt. Schenke uns ein Herz, das nach deiner Gegenwart verlangt. Tröste uns, wenn wir unruhig sind. Stärke uns, wenn der Weg durch ein „Tal des Weinens“ führt. Und richte unseren Blick auf das Vaterhaus, das du durch Christus geöffnet hast. Amen.

Sonntag, 5. April 2026 - Auferstehungsfest

🎵 Anhören | 🎥 Anschauen - von Daniel Muhl


Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.

Psalm 23,5

Der letzte Feind, der vernichtet wird, ist der Tod.

1. Korinther 15,26

Der letzte Feind wurde besiegt und wird weggetan

Was ist das für eine seltsame Situation: Zwei feindliche Parteien stehen sich gegenüber, und vielleicht weiß niemand, was als Nächstes passiert. Und dann kommt der HERR und bereitet dazwischen – vor David und im Angesicht seiner Feinde – einen Tisch. Ob David dabei an eine konkrete Situation in seinem Leben dachte, lässt sich nicht genau sagen. Aber mit dieser Aussage wollte er auf jeden Fall etwas ganz Besonderes zum Ausdruck bringen.

Der vom HERRN bereitete Tisch ist ein Bild für den „Schutz durch den Gastgeber“. Wer am Tisch des HERRN sitzt, steht unter seiner Ehre und Garantie, und die Feinde dürfen nicht angreifen. Der „Tisch“ steht für Fülle, Reichtum, Frieden und Gemeinschaft, während die „Feinde“ eine reale Bedrohung darstellen. Die Verbindung beider Bilder deutet auf eine unerwartete Ruhe mitten im Chaos hin. Man könnte sagen: Frieden gibt es nicht erst nach dem Sieg, sondern mitten in der Bedrohung.

Nachdem der HERR einen gedeckten Tisch bereitet hatte, salbte er Davids Haupt mit Öl und schenkte ihm voll ein. Diese Aussage erinnert ein wenig an Davids Salbung durch Samuel (1Sam 16:13). Damals war er zwar nicht von Feinden umringt, aber von seinen Brüdern, die ihm ebenfalls nicht besonders wohlgesinnt waren.

Im Alten Bund wurden Priester, Propheten und Könige mit Öl gesalbt, um öffentlich zu zeigen: Diese Person ist von Gott beauftragt, geschützt und für einen besonderen Dienst ausgesondert (2Mo 30:30). Die Salbung bedeutete nicht, dass der Weg von nun an leicht würde, sondern dass Gott Verantwortung und Würde zuspricht.

So liegt in Psalm 23:5 ein erstaunlicher Trost: Der HERR deckt nicht nur einen Tisch. Er lässt David Platz nehmen, ehrt ihn, stärkt ihn und schenkt ihm „voll ein“. Es ist, als ob Gott sagt:

*„Du bist kein Opfer deiner Umstände. Du bist mein Gast. Und ich kümmere mich um dich – mitten im Kampf.“*

Dieses Bild der Salbung bleibt nicht auf das Alte Testament beschränkt. Im Neuen Testament greift Johannes dieses Bild auf, wenn er schreibt, dass die Gläubigen eine „Salbung von dem Heiligen“ haben (1Jo 2:20 / 1Jo 2:27). Damit meint er kein äußeres Ritual, sondern ein unsichtbares Wirken Gottes: Er erfüllt die wiedergeborenen Christen mit seinem Heiligen Geist (vgl. Röm 8:9). Christus macht die Seinen zu Menschen, die zu ihm gehören, bewahrt werden und mit seiner Liebe erfüllt sind (vgl. Eph 1:13 / Röm 5:5). So wird die Salbung zu einem Zeichen der Zugehörigkeit, der Bewahrung und der Bevollmächtigung – gerade in Zeiten von Verführung, Angst und innerem Kampf.

Doch dann kommt der Lehrtext hinzu und weitet den Blick: Paulus nennt den Tod den „letzten Feind“ (1Kor 15:26). Er ist derjenige, der durch Misstrauen Gott gegenüber und durch die Sünde alle Menschen vom wahren Leben trennen konnte (vgl. 1Mo 3:1 / Röm 5:12). Er hatte die ungeheure Kraft, die Schöpfung unter seinen Machtbereich zu bringen. Doch schon Salomo durfte erkennen, dass es noch eine andere Kraft gibt, die diesen Vorgang umkehren wird, als er im Lied der Lieder schrieb (Hl 8:6):

“Leg mich wie ein Siegel an dein Herz, wie ein Siegel an deinen Arm! Denn stark wie der Tod ist die Liebe, hart wie der Scheol (das Totenreich) die Leidenschaft. Ihre Gluten sind Feuergluten, eine Flamme des HERRN. Mächtige Wasser sind nicht in der Lage, die Liebe auszulöschen, und Ströme schwemmen sie nicht fort.”

Alle finsteren Mächte dieser Welt versuchten, die Liebe des Sohnes Gottes auszulöschen, als sie ihn voller Hass und Verachtung ans Kreuz schlugen. Sie hofften, er würde dabei von Bitterkeit erfüllt und seine Feinde voller Hass verfluchen. Stattdessen schrie er :

“Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!” (vgl. Lk 23:34)

Damit besiegte er den Hass mit Liebe und legte die Grundlage dafür, dass alle, die durch die Macht des Todes vom Leben getrennt wurden, wieder zum wahren Leben zurückgeführt werden können.

An dem Tag, als Jesus Christus von den Toten auferstanden ist – ein Tag, den Christen heute feiern – wurde der Tod ein für alle Mal besiegt (vgl. Apg 2:24), auch wenn seine Folgen bis heute spürbar sind. Aber es kommt der Tag, an dem er endgültig weggetan wird und sich erfüllt, was Jesaja, Paulus und Johannes prophezeien durften: dass der Tod nicht mehr sein wird (Jes 25:8 / Offb 21:4), dass jede Träne abgetrocknet wird (Offb 21:4) und dass Gott alles neu macht (Offb 21:5).

Was für eine hoffnungsvolle Verheißung und was für eine ultimative Heilsperspektive! Dem HERRN aller Herren gebührt dafür allein Dank und Anbetung!


Montag, 6. April 2026

🎵 Anhörenvon Daniel Muhl


Er behütete sein Volk wie seinen Augapfel.

5.Mose 32,10

Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch irgendeine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.

Römer 8,38 -39

Behütet wie der Augapfel und untrennbar geliebt

An unserem Leib gibt es wohl kaum ein Körperteil, auf das wir mehr achten, als auf unseren Augapfel. Einerseits ist das Auge äußerst sensibel, andererseits lassen sich schwere Verletzungen kaum noch heilen. Für viele ist schon die Vorstellung, das Augenlicht zu verlieren, bedrückend.

Wenn der Allmächtige sein auserwähltes Volk wie seinen Augapfel schützt, beschreibt das keine distanzierte Fürsorge, sondern eine wache, zärtliche und zugleich entschlossene Bewahrung. Gott ist nicht nur ein Begleiter am Rand, sondern der Hüter, der sofort reagiert, wenn Gefahr naht. (Ps 121:3)

Gerade dann, wenn wir uns klein, verletzlich oder überfordert fühlen, ist dieses Bild vom „Augapfel“ so tröstlich. Wer sein Auge schützt, zögert nicht. So ist Gott nicht gleichgültig gegenüber dem, was dich trifft. Seine Liebe ist wachsam und umgibt dich. Er bleibt nicht fern, wenn du leidest. Seine Nähe ist real — auch dann, wenn deine Umstände etwas anderes zu sagen scheinen. (Ps 34:19 / Jes 41:10)

Das ist eine Wahrheit, die man nicht nur einmal im Kopf „abhakt“, sondern die immer wieder ins Herz sinken darf. Manchmal erleben wir Bewahrung sichtbar: Türen öffnen sich, Gefahren bleiben aus, Hilfe kommt zur rechten Zeit. Und manchmal erleben wir Bewahrung verborgen: Gott führt durch schwere Wege, gibt Kraft zum Ausharren, schenkt Trost im Innern und bewahrt den Glauben, wenn alles wankt. (Ps 46:2 / 2Kor 4:16)

Die innige Verbundenheit, die Paulus gegen Ende von Römer 8 beschreibt, zeichnet ein ähnliches Bild. In 1. Korinther 12 macht er zudem deutlich, dass die Gläubigen Glieder am Leib des Christus sein dürfen. Aus dieser Zugehörigkeit zum Herrn der Herrlichkeit darf jede und jeder Gläubige wissen: Auf nichts gibt Gott zurzeit mehr Acht als auf seine Kinder und sein Volk. (1Kor 12:12)

Doch genau hier entsteht eine Spannung, die wir nicht übersehen dürfen: Wenn wir den Zustand der Christen weltweit betrachten, die derzeit zu Hunderten von Millionen unter Diskriminierung und Verfolgung leiden, scheint sich die Tatsache, dass Gott seine Kinder beschützt, nicht unbedingt zu bestätigen. Ähnliches gilt, wenn wir den Antisemitismus betrachten, der seit fast viertausend Jahren mehr oder weniger stark präsent ist. (Joh 16:33 / 2Tim 3:12)

Der Apostel Paulus war sowohl Jude als auch Christ, und seine Lebensgeschichte war – was die äußeren Umstände betrifft – vermutlich deutlich schwerer als unsere. Er wurde häufig verfolgt. Zeitweise litt er unter Hunger und Kälte, wurde verleumdet und geschlagen. Nicht selten war er auch von Traurigkeit und Verzweiflung geprägt. (2Kor 11:23)

Stellt man sich so ein „Behütetsein“ vor? Wie kam Paulus zu der Überzeugung, dass ihn nichts von der Liebe Gottes trennen konnte? Warum konnte er angesichts dieser Nöte dennoch schreiben: „Freut euch allezeit“? Weshalb wusste sich Jesus von seinem Vater unendlich geliebt, als er in Johannes 17 betete und ihm zugleich klar war, welch leidvoller Weg ihm bevorstand?

Da Jesus bereits existierte, bevor er von Maria geboren wurde, und die unendliche Liebe seines Vaters für ihn die Kraft war, die ihn aus der Ewigkeit heraus trug, spielten die zeitlich begrenzten Leiden eine untergeordnete Rolle. Zugleich war ihm klar, dass gerade durch dieses Leid eine unfassbare Herrlichkeit entstehen würde. (Hebr 12:2)

Auch Paulus durfte die tiefe Liebe Gottes erkennen und immer wieder neu erfahren – trotz und inmitten seiner Bedrängnisse. Deshalb konnte er schreiben:

„Wer wird uns scheiden von der Liebe Christi? Bedrängnis oder Angst oder Verfolgung oder Hungersnot oder Blöße oder Gefahr oder Schwert?“ (Röm 8:35)

Der Apostel war sich absolut gewiss: Gott ist für uns — und deshalb gibt es keine Kraft im ganzen Universum, die uns von ihm und seiner Liebe trennen kann.

Gottes Liebe lässt sich nicht an unserem momentanen Wohlbefinden messen. Sie trägt gerade dort, wo wir am wenigsten „Beweise“ dafür sehen.

Paulus konnte sogar in die Zukunft blicken und sagen:

„Denn ich denke, dass die Leiden der jetzigen Zeit nicht ins Gewicht fallen gegenüber der zukünftigen Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll.“ (Röm 8:18)

Mit anderen Worten: Das Leid ist real — aber es ist nicht das Letzte. Die Liebe Gottes ist nicht an die Wetterlage unseres Lebens gebunden. Sie ist ein fester Anker, der in Christus selbst verankert ist. (Hebr 6:19)

Die Liebe Gottes bleibt: still, unerschütterlich und untrennbar — selbst dann, wenn wir sie kaum noch spüren.


Dienstag, 7. April 2026

🎵 Anhören


Der HERR schafft Recht den Waisen und Witwen und hat Fremdlinge lieb, dass er ihnen Speise und Kleider gibt. Drum sollt ihr auch die Fremdlinge lieben.

5.Mose 10,18 -19

Da wird dann der König sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt! Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich gekleidet.

Matthäus 25,34 +36

Lieben, helfen und Würde schenken

In manchen Situationen spricht man vom sogenannten „Helfersyndrom“. Gemeint ist ein Drang, anderen übermäßig zu helfen – oft auf Kosten der eigenen Bedürfnisse. Häufig entspringt dieser Drang nicht mehr aus Liebe und Freiheit, sondern aus innerem Druck: Man fühlt sich nur dann wertvoll, wenn man gebraucht wird oder „gut dasteht“. Dadurch fällt es schwer, Nein zu sagen; man übernimmt Verantwortung, die Gott einem gar nicht zugedacht hat und überfordert sich. Am Ende brennt man aus. (Mt 11:28-30 / Ps 127:2)

Haben nun alle hilfsbereiten Menschen ein Helfersyndrom, und worin unterscheidet sich dieses von einer liebenden Fürsorge? Dass sich Nächstenliebe auch in praktischer Hilfsbereitschaft zeigt, dürfte unbestritten sein. Jeder, der der Not seines Nächsten gleichgültig gegenübersteht – obwohl er die Möglichkeit hätte, ihn zu unterstützen –, wird zu Recht als lieblos bezeichnet. (1Jo 3:17-18 / Jak 2:15-16)

Tätige Liebe hängt mit dem höchsten Gebot zusammen und darf gemäß Gottes Wort nicht vernachlässigt werden. Wie aber kann diese Liebe konkret gelebt werden – ohne dass wir dabei ausbrennen oder uns verlieren? (Mt 22:37-39 / Gal 6:2)

Bevor ich dazu ein paar Gedanken weitergeben möchte, will ich noch auf den Textzusammenhang hinweisen. In 5. Mose 10 zeigt sich Gott als einer, der sich um Arme und Rechtlose kümmert. Er erinnert die Israeliten daran, dass auch sie einst Fremdlinge waren und unter Unterdrückung zu leiden hatten. Gottes gütiges Wesen und ihre leidvolle Vergangenheit sollten sie dazu motivieren, wie ihr Gott aus Mitleid und Barmherzigkeit zu leben. In Matthäus 25 identifiziert sich Jesus mit den Hungernden, Kranken, Bedürftigen und Gefangenen und belohnt alle, die sich um sie gekümmert haben.

Paulus schreibt in 1. Korinther 13 sinngemäß, dass Hilfsbereitschaft ohne Liebe vor Gott keinen wirklichen Wert hat. Darum ist ein Herz, das von Gottes Liebe erfüllt ist, die unverzichtbare Grundlage für einen praktischen Hilfsdienst, der wirklich gut ist. Wer aus einer vertrauensvollen Beziehung zu Gott lebt, lernt zunehmend dort zu helfen, wo Gott es aufs Herz legt. Gott führt uns dabei sowohl durch sein inneres Reden als auch durch die konkreten Situationen, die er uns anvertraut.

Ein einfaches Beispiel kann das verdeutlichen: Wenn ein Angestellter in einer Firma nicht das tut, was sein Arbeitgeber von ihm erwartet, sondern stattdessen allen Mitarbeitenden dient, indem er ihnen „Gutes“ tut, zum Beispiel Kaffee an den Arbeitsplatz bringt, dann ist er dennoch mehr oder weniger „unbrauchbar“. Wenn ich immer dort helfe, wo ich es für gut halte, ohne es im Gebet mit dem HERRN zu besprechen, also ohne bewusst zu fragen: ‚Herr, ist das jetzt mein Auftrag?‘, gleiche ich einem solchen Arbeitnehmer. Ich habe mich selbst bei diesem Verhalten immer wieder ertappt, oft erst dann, wenn mir jede Kraft zum Weitermachen fehlte.

Wir können letztlich nur dann ohne Helfersyndrom beistehen, wenn wir von Gottes Liebe erfüllt sind und uns von ihm führen lassen. Richtiges Helfen lernt man in kleinen Schritten, das heißt in kleinen Aktionen, die uns der HERR „vor die Füße legt“. Wir müssen nicht meinen, sofort mit einem Großprojekt starten zu müssen, ohne zuvor im Kleinen gelernt zu haben. Wenn ein junger Mensch denkt, ab sofort die Hilfe leisten zu müssen, die zum Beispiel der Waisenhausvater Georg Müller erst nach Jahrzehnten geleistet hat, ist ein Burnout vorprogrammiert.

Je größer unsere Hilfsbereitschaft wird und je mehr wir uns in tätiger Liebe üben, desto deutlicher wird, dass auch unser Vertrauen auf Gott wachsen muss – auf den, der uns die Kraft dazu schenkt. Tätige Liebe wächst parallel zum Glauben, also zum Vertrauen auf Gott. Nicht zuletzt schreibt Paulus, wie dankbar er für die Thessalonicher ist, die im Glauben wachsen und stetig an Liebe zunehmen. Ich schließe mit den Worten aus 1Jo 3:18:

“Kinder, lasst uns nicht lieben mit Worten noch mit der Zunge, sondern in Tat und Wahrheit.”

Tätige Liebe wächst aus der Beziehung zu Gott – nicht aus Druck, sondern aus seiner Kraft.

Gebet: Herr, danke, dass du gerecht bist und dich den Schwachen zuwendest. Du siehst die, die leicht übersehen werden, und du versorgst sie. Öffne mir die Augen für Menschen, die Hilfe brauchen, und schenke mir ein barmherziges Herz, das gern teilt. Lass meine Liebe konkret werden – ohne Druck, sondern aus deiner Gnade. Jesus, lehre mich, dich im Nächsten zu erkennen und dir mit meinem Leben zu dienen. Amen.


Mittwoch, 8. April 2026

🎵 Anhören


Bedrückt nicht die Witwen, Waisen, Fremdlinge und Armen!

Sacharja 7,10

Da wird dann der König sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt! Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen.

Matthäus 25,34 -35

Die Liebe zum Fremdling und zum König

Vielleicht denkst du heute: „Hatten wir diesen Text nicht gerade gestern auch schon?“ Tatsächlich waren der gestrige Losungs- und Lehrtext sehr ähnlich: Es ging ebenfalls um Witwen, Waisen, Fremdlinge und um den König, der im Gericht die Fürsorglichen belohnt.

Der gestrige Losungstext stammte jedoch aus dem fünften Buch, der heutige aus dem zweitletzten Buch des Alten Testaments. Während Mose zu den ersten Propheten gehört, war Sacharja einer der letzten. Das zeigt: Die Fürsorge für Schwache und Benachteiligte ist ein wiederkehrendes Thema der Bibel (5Mo 10:18 / Sach 7:10). Zugleich verweist es auf ein latentes Problem innerhalb der menschlichen Gesellschaft.

Aber warum ist das so? Die Elenden und Rechtlosen gehören zu jenen, die leicht übervorteilt werden können. Darum werden sie leider allzu oft unterdrückt, statt dass man ihnen besondere Aufmerksamkeit und liebevolle Wertschätzung zukommen lässt (Spr 14:31).

Doch der allmächtige Gott richtet sein Auge ganz besonders auf jene, die in der menschlichen Gesellschaft vernachlässigt werden. Er steht ihnen auf besondere Weise bei, und Jesus erwähnt sie nicht nur im Endgericht von Matthäus 25, sondern auch im fünften Kapitel, wo er sie glückselig nennt, weil sie von Gott einen besonderen Segen empfangen (Mt 5:3-6).

In Sacharja 7 geht es um die Frage nach dem rechten Gottesdienst. Die heimgekehrten Juden wollten wissen, welche Regeln sie befolgen müssen, um Gott wohlgefällig zu sein. Daraufhin ließ Gott ihnen durch den Propheten sagen:

„So spricht der HERR der Heerscharen und sagt: Übt ein wahrhaftiges Gericht und erweist Güte und Barmherzigkeit einer dem anderen; und bedrückt nicht die Witwe und die Waise, den Fremden und den Elenden; und sinnt keiner auf das Unglück seines Bruders in euren Herzen.“ (Sach 7:9)

Für Gott sind eine perfekte Gottesdienstliturgie und das Einhalten religiöser Regeln wertlos, wenn zugleich Menschen, die am Rand der Gesellschaft stehen, unterdrückt werden (Jes 1:17 / Jak 1:27). Gott empfindet es geradezu als widerlich, wenn jemand meint, besonders fromm zu sein, weil ein vorbildlicher Gottesdienst zelebriert wird, zugleich aber weder wahrhaftiges Gericht noch Güte und Barmherzigkeit praktiziert werden.

Wahrhaftigkeit, Treue, Gnade und Barmherzigkeit sind Eigenschaften, die aus einem liebenden Herzen entspringen (Spr 21:3). Genau das wünscht sich Gott. Wer Gottesdienst feiert und zugleich aus der Liebe lebt, indem Güte und Barmherzigkeit praktisch werden, steht unter Gottes Wohlgefallen (Mi 6:8).

Alle, die liebevoll jene Fremden aufnehmen, in denen Jesus Christus wohnt, nehmen damit auch ihn selbst auf: den König, der am Ende dieses Zeitalters auf seinem Thron sitzt und die Menschen für ihr barmherziges Handeln belohnt. Sie erben das Reich, das Gott für sie von Anbeginn der Welt bereitet hat.

Gelebte Barmherzigkeit kostet oft Zeit, Kraft und Geld. Zugleich schenkt sie schon in der Gegenwart viel Freude und wird in der Zukunft reich belohnt (Spr 19:17 / Gal 6:9). Wer liebt und Barmherzigkeit übt, erfährt tiefe Lebenserfüllung und investiert in die Ewigkeit (Mt 6:20).

Donnerstag, 9. April 2026

🎵 Anhören


Sei nicht schnell mit deinem Munde und lass dein Herz nicht eilen, etwas zu reden vor Gott; denn Gott ist im Himmel und du auf Erden; darum lass deiner Worte wenig sein.

Prediger 5,1

Jesus spricht: Euer Vater weiß, was ihr braucht, noch ehe ihr ihn bittet.

Matthäus 6,8

Stille, die Gott ehrt, und das Gebet, das atmet

Manchmal ertappe ich mich beim Beten dabei, dass ich Gott über dieses oder jenes informieren müsse. Dann frage ich mich: „Habe ich wirklich gelernt, auf Gott zu hören und ihm zu gehorchen (Joh 10:27 / Jak 1:22)? Oder kann es sein, dass mir zwischenzeitlich die Hörbereitschaft abhandengekommen ist?“

Während ich mir diese Fragen stelle, wird mir wieder neu bewusst, wie oft meine Gedanken von meiner „To-do-Liste“ bestimmt sind und wie sehr ich sie ins Gebet mitnehme. Die Folge: Ich „informiere“ Gott über meine vermeintlichen Aufgaben und bitte ihn inständig um die nötige Kraft und Weisheit. Dann beschreibe ich ihm in vielen Worten meine Probleme. Natürlich fallen mir dabei auch etliche Lösungen ein, die ich ihm ebenfalls mitteile, damit er schon einmal Vorschläge bekommt, wie er die Sache für mich lösen könnte – was für eine Torheit!

Weil meine Gedanken von Problembeschreibungen und der Suche nach Lösungsvorschlägen belegt sind, fehlt mir die Zeit und die Stille, dieses innere Zur-Ruhe-Kommen, um auf Gott zu hören. Das dürfte einer der Gründe sein, warum Jakobus schreibt:

„Jeder Mensch sei schnell zum Hören und langsam zum Reden!“ (Jak 1:19)

Unsere Gebetszeit sollte mehr vom Hören und weniger vom Reden geprägt sein. Aber wie komme ich in dieses Hören hinein, und wie praktiziere ich eine Stille, die Gott ehrt?

Eigentlich solltest du jetzt nicht mehr weiterlesen oder weiterhören. Lege diese Andacht auf die Seite oder drücke auf die Pause-Taste, damit du dir selbst die Frage stellen kannst: „Wie kann ich innerlich still werden und zur Ruhe kommen, um wirklich auf Gott zu hören?“ (Ps 62:2 / Joh 10:27)

Mache jetzt eine Lesepause oder drücke auf die Pause-Taste und bete!

——

Wir brauchen Gebete, die nicht nur ausatmen, sondern auch tief einatmen. So wie nur durch das Einatmen Sauerstoff in meinen Körper gelangt, so kommt durch das Hören auf Gott der Geist Gottes in mein Leben hinein (Joh 20:22).

Doch was bedeutet das ganz praktisch? Heißt „Stillwerden“, nichts zu denken? Kann man überhaupt nichts denken, und ist das überhaupt erstrebenswert? Ich glaube nicht, dass das im Sinne Gottes ist, denn die Bibel fordert uns immer wieder zum Umdenken und Mitdenken auf (Röm 12:2).

In der Stille vor Gott geht es nicht um Gedankenlosigkeit, sondern um einen Fokuswechsel: Ich wende mich ganz bewusst ab von meinen Aufgaben, von der Suche nach Lösungen, von den Nachrichten und von all den Informationen. So komme ich zur Ruhe von meinen eigenen Werken, wie es uns in Hebräer 4:10 beschrieben wird. Ich richte meinen Blick allein auf meinen wunderbaren HERRN, der für alles eine Lösung hat, die tausendmal besser ist, als ich sie mir in meinen kühnsten Träumen ausdenken könnte (Eph 3:20).

Natürlich kann ich mit den Augen meines Herzens nur dann auf den HERRN schauen, wenn ich ihn kenne. Kennen lerne ich ihn jedoch nur, wenn ich betend sein Wort, die Bibel, lese und mich beim Lesen immer wieder frage: „Lieber Vater, was willst du mir damit sagen? Was sagt das Gelesene über dich und über mich, und was bedeutet das für mein Leben?“ (2Tim 3:16 / Ps 119:105)

Selbstverständlich dürfen wir im Gebet Gott sagen, was uns beschäftigt und wie wir uns fühlen (Phil 4:6), aber zwei oder drei Sätze reichen oft aus; und dann dürfen wir auf das schauen, was er getan hat, ihn für seine Liebe und Güte anbeten und ihm bereits dafür danken, dass er auch jetzt wieder eine wunderbare Lösung bereithält – eine Lösung, die oft anders aussieht, als wir gedacht haben (Röm 8:28)!

Freitag, 10. April 2026

🎵 Anhören


Der HERR sprach zu Jakob: Siehe, ich bin mit dir und will dich behüten, wo du hinziehst, und will dich wieder herbringen in dies Land.

1.Mose 28,15

Jesus sprach zu den Jüngern: Als ich euch ausgesandt habe ohne Geldbeutel, ohne Tasche und ohne Schuhe, habt ihr je Mangel gehabt? Sie sprachen: Nein, keinen.

Lukas 22,35

Eine traumhaft schöne Zusage und Gottes treue Versorgung

Manche Träume sind so nebulös und verschwommen, dass man kaum sagen kann, worum es eigentlich ging. Andere wiederum wirken so real, dass man sich an fast jedes Detail erinnert. Neulich legte ich mich noch kurz hin, um mich auszuruhen, und schlief dabei ein. Ich träumte, dass Personen in mein Zimmer kamen und mich in eine stressige Situation brachten. Alles wirkte so „real“, dass ich zunächst gar nicht merkte, dass ich träumte. Erst als mir ein Detail unserer Wohnung auffiel, von dem ich wusste, dass es in Wirklichkeit gar nicht existiert, wurde mir klar: Ich träume – und will jetzt aufwachen. Tatsächlich wachte ich dann auch auf – was eher selten der Fall ist. (Hi 33:14-16)

Eine ganz andere Kategorie von Träumen ist die, in der Gott oder ein Engel zu jemandem spricht, wie es die Bibel an manchen Stellen berichtet. Ich selbst kann mich nicht erinnern, je einen solchen Traum gehabt zu haben. Meine erste Schwiegermutter erzählte jedoch, dass sie Mitte der achtziger Jahre einmal einen solchen Traum hatte. Damals war sie an Krebs erkrankt, und die Ärzte stellten ihr die niederschmetternde Diagnose, dass sie vermutlich nicht mehr lange leben würde. In dieser Zeit erschien ihr der Herr Jesus im Traum und fragte sie: „Willst du, dass ich dich gesund mache, oder willst du sterben, um zu mir zu kommen …?“ (Mt 1:20 / Mt 2:12)

Sofort dachte sie über die erste Option nach: Ja, ich will gesund werden. Dann aber wurde sie unsicher und überlegte: Zu Jesus zu gehen, wäre eigentlich auch ganz schön. Doch da gab es noch eine dritte Möglichkeit. Während sie über die beiden ersten Optionen nachdachte, überhörte sie diese. Dann wurde sie jedoch daran erinnert, was das Letzte war, das der HERR zu ihr sagte: „… oder willst du mich machen lassen?“ Da wurde ihr klar: Wenn der HERR das entscheidet, ist das die beste Wahl. Tatsächlich schenkte ihr der HERR noch einmal fast 20 Jahre, sodass sie erst Ende Februar 2005 starb – drei Tage vor Beginn meiner Tätigkeit als vollzeitlicher Prediger.

Die wunderbare Zusage aus dem heutigen Losungsvers erhielt Jakob, als der HERR ihm im Traum begegnete. Zuvor legte er seinen Kopf auf einen Stein, weil er vor seinem Zwillingsbruder Esau fliehen musste und draußen übernachtete. Ab Vers 12 heißt es dann:

“Und er träumte: Und siehe, eine Leiter war auf die Erde gestellt, und ihre Spitze berührte den Himmel; und siehe, Engel Gottes stiegen darauf auf und nieder. Und siehe, der HERR stand über ihr und sprach: Ich bin der HERR, der Gott deines Vaters Abraham und der Gott Isaaks; das Land, auf dem du liegst, dir will ich es geben und deiner Nachkommenschaft … Und siehe, ich bin mit dir, und ich will dich behüten überall, wohin du gehst, und dich in dieses Land zurückbringen; denn ich werde dich nicht verlassen, bis ich getan habe, was ich zu dir geredet habe.”

Das war nicht nur eine Zusage im Traum, sondern eine göttliche Verheißung, die man durchaus als „traumhaft schön“ bezeichnen kann. Wer von Gott die Zusage bekommt: „Ich bin mit dir!“, darf sich sicher fühlen. (Mt 28:20)

Auch uns hat Gott durch den Apostel Paulus zugesagt, dass Gott mit uns ist. Darum gibt es niemanden, der erfolgreich gegen uns sein könnte. (Röm 8:31)

Jakob stand unter dem persönlichen Schutz Gottes und durfte wissen, dass Gott ihn nicht verlassen und wieder in die Heimat zurückbringen würde. Das sind Zusagen, die Gott auch uns gemacht hat – und zwar schriftlich durch sein Wort! (Hebr 13:5)

Das Schönste dabei ist, dass einmal der Tag kommen wird, an dem der HERR uns in die himmlische Heimat führen wird – in das Haus des Vaters.

Jakob musste fliehen, wurde aber von Gott beschützt und wunderbar versorgt. Bei den Jüngern Jesu war es etwas anders: Jesus sandte sie aus – ohne Geldbeutel, ohne Tasche und ohne Schuhe. Das erforderte großes Vertrauen auf Gott, und vielleicht fragte sich der eine oder andere: „Wie werde ich diesen Auftrag überleben?“ Doch dann machten sie die wunderbare Erfahrung, dass sie in dieser Zeit überhaupt keinen Mangel hatten. (Lk 22:35)

Kurz vor seinem Sterben erinnerte Jesus sie daran, um ihnen die Zuversicht zu geben, dass Gott sie auch in Zukunft versorgen und durchtragen würde – auch wenn Jesus leiblich nicht mehr anwesend ist. Darum sagte Jesus im Johannesevangelium auch: „Euer Herz werde nicht bestürzt. Ihr glaubt an Gott, glaubt auch an mich! Im Hause meines Vaters sind viele Wohnungen.“ Daran dürfen auch wir uns festhalten und voller Zuversicht in die Zukunft blicken. (Joh 14:1-2)


Samstag, 11. April 2026

🎵 Anhören


Meine Schuld ist mir über den Kopf gewachsen; sie wiegt zu schwer, ich kann sie nicht mehr tragen.

Psalm 38,5

Der Übeltäter sprach: Jesus, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst! Und Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein.

Lukas 23,42 [Lk 23:43|-43]]

Gnade und Glaube sind stärker als Schuld

Als jemand, der bereits im 65. Lebensjahr steht, kenne ich mich mit der Sprache der Jugendlichen nicht so gut aus. Vielleicht würden sie Psalm 38 als einen echten „Depri-Psalm“ bezeichnen. Als ich diesen Psalm erneut las und versuchte, mich in Davids Gefühlszustand hineinzuversetzen, wurde mir ganz elend.

David empfand eine Schuld, die ihn zu erdrücken drohte und ihn völlig überforderte (Ps 38:5). Er war von Angst und tiefer Bedrängnis geplagt. Körperliche Schmerzen und seelische Niedergeschlagenheit belasteten ihn zugleich (Ps 38:4). Doch damit nicht genug: Er fürchtete, von Gottes Zorn getroffen zu werden, weil er die Ursache dieser Not mit seiner großen Schuld verband (Ps 38:2).

An welche Schuld dachte David hier? War es sein Ehebruch mit Bathseba und der geplante Mord an Uria (2Sam 11:2-17), oder etwas anderes? Wir wissen es nicht; es bleibt reine Spekulation.

Viel wichtiger als die konkrete Sünde ist das Thema dieses Psalms: Davids tiefes Schuldbewusstsein und der Glaube daran, dass Gott ihn trotz allem rettet (Ps 38:16 / Ps 38:23). David ignoriert seine Sünde nicht. Er beschönigt und bestreitet sie auch nicht, sondern bekennt sich dazu (Ps 51:5; Spr 28:13). Für David war klar: Ohne ein klares Schuldbekenntnis vor Gott hat Gottes Vergebung keine heilende Auswirkung auf die Seele (Ps 32:5; 1Jo 1:9).

Trotz dieses niederschmetternden Zustands hoffte und vertraute David auf Rettung aus Sünde und Strafe. Das ist bemerkenswert, denn viele hätten an diesem Punkt aufgegeben. Warum blieb David vor endgültiger Resignation bewahrt? Ich denke, es war eine Kombination aus Gottes Gnade und seinem Glauben – der letztlich ebenfalls ein Geschenk Gottes ist (Eph 2:8).

Auch beim Verbrecher, der mit Jesus gekreuzigt wurde, wissen wir nicht, weshalb er diese grausame Todesstrafe erleiden musste. Vielleicht war er ein Mörder oder ein Zelot, der einen Anschlag auf den römischen Machtapparat verübt hatte; wir können darüber nur Vermutungen anstellen. Doch eines ist klar: Er hielt seine Bestrafung nicht für unverdient. Er selbst bezeugte:

„Wir empfangen, was unsere Taten verdienen; dieser aber hat nichts Unrechtes getan.“ (Lk 23:41)

Damit ist der Verurteilte zum alles entscheidenden Punkt gekommen: Er versucht nicht, seine Schuld kleinzureden, er rechtfertigt sich nicht, und er verschiebt die Verantwortung nicht. Er steht zu dem, was war – und gerade deshalb kann er sich auch an Jesus wenden, ohne etwas vorweisen zu müssen (Hebr 4:16).

Und nun kommt das Erstaunliche: Seine Bitte ist äußerst schlicht. Er bittet nicht um Flucht vom Kreuz, nicht um ein Wunder und nicht um eine nachträgliche Wiedergutmachung. Er bittet nur:

„Jesus, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst!“ (Lk 23:42)

Mehr ist da nicht: kein langes Gebet, kein Gelöbnis, keine Leistung. Nur ein Vertrauen darauf, dass Jesus ein Reich hat – und dass Jesus Menschen in dieses Reich hineinnehmen kann. Jesus antwortet mit einer Zusage, die jedes Maß sprengt:

„Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein.“ (Lk 23:43)

Das ist Gnade in ihrer reinsten Form: nicht „wenn du dich bewährst“, nicht „wenn du es gutmachst“, nicht „wenn du erst einmal …“ – sondern: Heute. Mit mir. (Röm 5:8)

Wenn David in Psalm 38 unter der Last seiner Schuld zusammenzubrechen droht, dann sehen wir in Lukas 23: Schuld ist real – aber Gnade und Glaube sind stärker als Schuld.

  • Schuld sagt: Du bist zu weit gegangen. Das ist nicht mehr zu reparieren.
  • Gnade sagt: Ich trage dich, wo du dich selbst nicht mehr tragen kannst. (2Kor 12:9; Mt 11:28)
  • Glaube sagt: Jesus kann mich trotzdem aufnehmen. (Joh 6:37)

Vielleicht ist genau das die Not, die viele kennen: nicht nur die Tat an sich, sondern das Gefühl: Ich habe es verdorben. Ich habe es zu oft getan. Ich kann das nicht mehr tragen.

Psalm 38 gibt uns Worte für dieses Empfinden – und das Kreuz gibt uns Gottes Antwort darauf.

Denn am Kreuz ist Jesus nicht nur neben dem Schuldigen, sondern für Schuldige. Er trägt das, was uns zu schwer ist (Jes 53:4; 1Petr 2:24). Und er schenkt nicht nur Vergebung als „Freispruch“, sondern Gemeinschaft mit ihm (1Jo 1:7).

Wer wie David Schuld nicht verleugnet, sondern sie vor Gott ausspricht, und wer wie der Verbrecher Jesus anruft, der erfährt: Gottes Erbarmen ist nicht kleiner als unsere Schuld, sondern größer (Ps 103:10).

Darum: Lass dich nicht von Schuld wegtreiben – lass dich von Schuld zu Christus treiben. Dort ist nicht Verdammnis, sondern Rettung (Röm 8:1).

Sonntag, 12. April 2026

🎵 Anhören


Sei nun wieder zufrieden, meine Seele; denn der HERR tut dir Gutes.

Psalm 116,7

Jesus kam, obwohl die Türen verschlossen waren, und er trat in ihre Mitte und sprach: Friede sei mit euch!

Johannes 20,26

Selbstseelsorge - geht das?

Seelsorge hat in vielen Gemeinden einen hohen Stellenwert. Dennoch gibt es vereinzelt Gläubige, die behaupten, es brauche gar keine Seelsorge, sondern vielmehr eine „Geistsorge“. Wieder andere meinen, das Wort Gottes reiche völlig aus, um geistlich und seelisch gesund zu werden. Um diese Sichtweisen richtig einordnen zu können, ist es hilfreich, die Vertreter der jeweiligen Meinung zu fragen, wie sie ihre Aussage verstehen, was sie genau damit meinen und weshalb sie zu dieser Schlussfolgerung kommen. Anschliessend lassen sich diese Behauptungen am Wort Gottes prüfen (Apg 17:11). In der säkularen Welt spricht man im professionellen Bereich häufig von Psychotherapie. In bestimmten Fällen kann sie eine hilfreiche Ergänzung sein – etwa bei der Verarbeitung von Traumata oder bei festgefahrenen Denk- und Verhaltensmustern. Gleichzeitig ist zu bedenken, dass therapeutische Ansätze ohne Bezug zu Gott zentrale Fragen – wie Schuld, Vergebung und Versöhnung – anders beurteilen als die Bibel. Deshalb kann Psychotherapie biblische Seelsorge nicht ersetzen, sondern höchstens ergänzen. Das Wort „Seelsorge“ finden wir so nicht direkt in der Bibel. Dennoch finden wir viele Aussagen, in denen der Seele zugesprochen wird – sei es durch Gottes Wort und seinen Geist, durch Geschwister oder durch einen selbst (Kol 3:16 / Gal 6:2). Im heutigen Losungsvers spricht der Autor zu seiner eigenen Seele und ermutigt sie zur Zufriedenheit. Wörtlich übersetzt heisst es da:

“Kehre zurück, du, meine Seele, zu deiner Ruhe” Das Wort menuchah bezeichnet nicht nur Stille, sondern einen Ort der Sicherheit und des Friedens, den wir letztlich nur bei Jesus Christus finden. Ähnliche Stellen finden sich in Psalm 42:6 und 43:5. Dort spricht der Psalmist seine eigene Seele an und erinnert sich selbst daran, auf Gott zu hoffen. In der Elberfelder Bibel heisst es:

“Was bist du so aufgelöst, meine Seele, und stöhnst in mir? Harre auf Gott! – denn ich werde ihn noch preisen für die Heilstaten seines Angesichts.” Dieser Selbstzuspruch ermutigt die eigene Seele, auf Gott zu vertrauen, und erinnert sie daran, dass der HERR eine Rettung verheißen hat, die zum richtigen Zeitpunkt eintreffen wird – auch wenn es vielleicht später geschieht als erhofft. Hier sehen wir eine klare Form biblischer Selbstseelsorge. Sie bedeutet aber nicht, dass wir uns selbst retten oder uns aus eigener Kraft „heilen“. Es bedeutet vielmehr, dass wir unsere Seele bewusst unter Gottes Wahrheit stellen. Selbstseelsorge ersetzt jedoch nicht den Trost, den Zuspruch, die Ermutigung, die Erbauung und die Ermahnung durch unsere Glaubensgeschwister (Hebr 10:24-25). Paulus schreibt von gegenseitigem Trösten und Ermutigen (1Thes 4:18 / 1Thes 5:11). In Kolosser 3:16 geht es um ein gegenseitiges Lehren und Ermahnen. Solche Liebesdienste sprechen der Seele zu, die immer wieder einmal niedergeschlagen ist und vielleicht die Orientierung verloren hat (Spr 12:25). Dieser gegenseitige Zuspruch dient auch zur Erbauung unseres Geistes, also des inneren Menschen (2Kor 4:16). Hier darf man daher sowohl von biblischer Seelsorge als auch von einer Art „Geistsorge“ sprechen. Seelsorge ist letztlich immer eine Form von Hirtendienst: Eine Seele wird zum Herrn zurückgeführt (Jak 5:19-20). Wer sich vom Geist Gottes führen lässt, tut einen solchen Hirtendienst, auch wenn es der Person nicht einmal bewusst ist (Röm 8:14). Die Bibel nennt dies auch „prophetisches Reden“ (1Kor 14:3). Der beste Seelsorger ist natürlich unser Herr Jesus Christus (Joh 10:11). Doch oft hilft er auch durch seine Diener, die sich in den Gemeinden um andere kümmern und ihnen beistehen (Eph 4:11-12 / Gal 6:2). Der Apostel Thomas brauchte nach der Auferstehung Jesu besondere Seelsorge, weil er nicht glauben konnte, dass Jesus von den Toten auferstanden war (Joh 20:24-29). Die Aussagen seiner Geschwister genügten ihm nicht. Er wollte es mit eigenen Augen sehen und mit seinen Händen ertasten, dass dies wirklich Realität war. Thomas konnte sich in diesem Moment nicht selbst zur Ruhe bringen – er brauchte die Begegnung mit Jesus. Das zeigt: Selbstseelsorge hat ihre Grenzen. Jesus ließ ihn eine Woche warten und zeigte sich ihm nicht sofort. Diese Wartezeit war für ihn wichtig, weil genau in dieser Zeit ein Prozess stattfand, der ihn dann für die Begegnung mit Jesus reif werden ließ! Als Jesus dann erschien – obwohl die Türen verschlossen waren – verkündete er seinen Jüngern den “Schalom Gottes” und als Thomas seine Wundmale betasten durfte, sagte er: “Mein Herr und mein Gott!” Gottes Seelsorge geschieht nicht immer sofort, aber immer rechtzeitig und so, dass unser Herz bereit ist, wenn er kommt.

Montag, 13. April 2026

🎵 Anhören


Meine Zeit steht in deinen Händen.

Psalm 31,16

So seht nun sorgfältig darauf, wie ihr euer Leben führt, nicht als Unweise, sondern als Weise.

Epheser 5,15

Mit Gott in die Zukunft

von Ingo Mees

David schrieb den 31. Psalm in einer Situation äußerster Bedrängnis (Ps 31:10-14). Tiefe Traurigkeit hatte sich seiner bemächtigt, körperliche Schwachheit machte ihm zu schaffen, und den Spott seiner Feinde konnte er kaum ertragen. In dieser depressiven Phase seines Lebens kannte David nur einen Ausweg: Er änderte seine Blickrichtung – weg von seiner Not hin zu dem, der als einziger seine Not wenden konnte (Ps 31:6). David schrie zu Gott und sprach ihm sein volles Vertrauen aus (Ps 31:15 / Spr 3:5). Augenblicklich kam er zur Ruhe und begriff, dass seine Zukunft allein in Gottes Hand liegt: „In deiner Hand liegt mein Geschick“ (Ps 31:16). David konnte wieder klarer sehen und sich im Rückblick an die vielen Gnadenerweise seines Gottes erinnern (Ps 31:20-22). Diese Erfahrung hatte David so beeindruckt, dass er allen Menschen, die sich in einer ähnlichen Lebenssituation befinden, wie er sie durchlebt hatte, am Schluss seines Liedes den guten Ratschlag gab, es ihm gleichzutun und den Blick auf Gott zu richten: „Seid stark, und euer Herz fasse Mut, alle, die ihr auf den HERRN harrt!“ (Ps 31:25). Wer sich Gott ganz anvertraut und seine Zukunft in der Hand des himmlischen Vaters weiß, fasst Mut und kommt innerlich zur Ruhe – auch in Zeiten der Not und der Bedrängnis. Diese Erfahrung hat großen Einfluss auf den eigenen Lebensstil: Der Wunsch, dem himmlischen Vater Ehre zu bereiten, wird stärker – denn dazu sind wir als Gotteskinder berufen (Eph 1:6 / Eph 1:12). Und doch haben wir es immer wieder nötig, daran erinnert zu werden. Der Apostel Paulus ermuntert uns, unseren Lebensstil mit Bedacht und weise zu gestalten: „So seht nun sorgfältig darauf, wie ihr euer Leben führt, nicht als Unweise, sondern als Weise.“ (Eph 5:15 / Eph 5:16). Aus eigener Kraft ist das nicht zu stemmen – allein Gottes Geist befähigt uns dazu. Diese Kraftquelle steht allen Kindern Gottes zur Verfügung, denn der Geist Gottes ist uns bei unserer geistlichen Neugeburt als Siegel der Gotteskindschaft geschenkt worden (Eph 1:13-14). Die entscheidende Frage für einen weisen Lebenswandel ist, welchen Raum wir dem Geist Gottes in unserem Herzen einräumen. Welche Priorität hat der Heilige Geist in deinem Leben? (Gal 5:25 / Kol 3:15) Ein Gradmesser zur Beantwortung dieser Frage ist, wie wir unsere freie Zeit ausfüllen. Beschäftigen wir uns hauptsächlich mit den Dingen, die diese Welt uns anbietet, oder pflegen wir unsere Beziehung zu unserem himmlischen Vater (Mt 6:33 / Kol 3:2)? Paulus wusste, dass wir es immer wieder nötig haben, dem Geist Gottes bewusst neu Raum in uns zu geben. Es war sein Gebet für die Gemeindeglieder in Ephesus, dass sie mit dem „Geist der Weisheit“ erfüllt würden (Kol 1:9). Und er gab den Ephesern einen Hinweis, wie das geschehen kann:

„Werdet voller Geist, indem ihr zueinander in Psalmen und Lobliedern und geistlichen Liedern redet und dem Herrn in euren Herzen singt und spielt!“ (Eph 5:18b-19)

Den Kolossern empfiehlt Paulus darüber hinaus, sich so oft wie möglich mit dem Wort Gottes zu beschäftigen:

„Das Wort des Christus wohne reichlich in euch; in aller Weisheit lehrt und ermahnt euch gegenseitig! Mit Psalmen, Lobliedern und geistlichen Liedern singt Gott in euren Herzen in Gnade!“ (Kol 3:16)

Was die Zukunft bringt, wissen wir nicht. In einer Welt, in der Gott und sein Wort – das Evangelium von Christus – kaum mehr Gehör finden, kann es eigentlich nur abwärts gehen. Wer aber sein Geschick bewusst in die liebenden Hände des himmlischen Vaters legt und seinen Lebenswandel vom Geist Gottes prägen lässt, geht einer herrlichen Zukunft entgegen. Die Frucht des Geistes Gottes (Gal 5:22) wird zu einer Segensquelle werden – für uns selbst und für unsere Nächsten. Unserem Gott sei Lob und Dank dafür!

Dienstag, 14. April 2026

🎵 Anhören


David sprach zum HERRN: Ich habe schwer gesündigt, dass ich das getan habe. Und nun, HERR, nimm weg die Schuld deines Knechts.

2.Samuel 24,10

Wenn wir unsre Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit.

1.Johannes 1,9

Sünde bewirkt Schuld und Ungerechtigkeit – Gnade schenkt Vergebung und Reinigung

In 2Sam 24:1 geht es nicht um Davids bekannte Verfehlungen, sondern um die Volkszählung, die David zunächst für sinnvoll hält und später als Sünde erkennt (2Sam 24:10). Die Frage ist: Warum wurde diese Zählung für David zur Schuld, obwohl Volkszählungen auch bei anderen Herrschern vorkamen? Denken wir an Kaiser Augustus, der damit eine Steuererhebung durchführte (Lk 2:1), oder an andere, die die Anzahl wehrfähiger Männer erfassen wollten.

Grundsätzlich ist eine staatliche Volkszählung nicht automatisch sündhaft, denn die Bibel nennt häufig Zahlen von Stämmen, Völkern und Heeren, ohne dies als Sünde zu bewerten (4Mo 1:2 / 4Mo 26:2).

Was war bei David anders? Warum hatte David plötzlich ein schlechtes Gewissen? In Vers 10 heißt es wörtlich: „Aber David schlug das Herz, nachdem er das Volk gezählt hatte.“ Dadurch wurde David innerlich sofort bewusst, dass er dies aus falschen Motiven tat. Er hatte Beweggründe, die Gott nicht gefielen (Spr 16:2). Im Kapitel zuvor werden die „beeindruckenden Helden“ aus Davids Armee aufgezählt (2Sam 23:8). Neben diesen überaus kampffähigen Leuten wusste David auch, dass er über eine große Anzahl wehrfähiger Männer verfügte. Nun wollte er für seine persönliche „Statistik“ auch noch die genaue Anzahl seiner Soldaten kennen (2Sam 24:2). Am Ende seines Lebens war es ganz anders als früher, als er oft allein war oder nur über eine sehr kleine Truppe verfügte. Die Qualität und die Größe seiner Armee weckten in ihm vermutlich auch einen gewissen Stolz und ein neues Sicherheitsgefühl, das weniger auf dem Vertrauen auf Gott beruhte und mehr auf menschlicher Stärke (Spr 28:26 / Jer 17:5).

Für David wurde die Volkszählung zur Schuld, weil es zu einer geistlichen Verschiebung kam: Seine Sicherheit beruhte mehr auf Zahlen als auf Gott. Statt weiter in Demut zu leben, schlich sich der Hochmut durch die „Hintertür“ ein. Er löste ein Machtbewusstsein aus, das die Abhängigkeit von Gott scheinbar verringerte (Spr 16:18). Zählen kann auch heißen: Kontrolle gewinnen, Besitz markieren, Menschen „verfügbar machen“. Gott aber erinnert David: Israel gehört nicht dir – es ist mein Volk. Bevor David den Befehl gab, das Volk zu zählen, fehlte es zudem an einer Rückfrage bei Gott: „HERR, soll ich mein Volk zählen lassen? Ist das jetzt dran?“ (Jak 4:13). In 2. Samuel 24:4 wirkt David getrieben. Später wird deutlich, wie der Weg der Sünde oft aussieht: Am Anfang wirkt eine Entscheidung plausibel, später erzeugt sie Bitterkeit (Jak 1:14).

Ein großes Machtbewusstsein empfinden viele Menschen als angenehm, weil man damit den eigenen Willen oft besser durchsetzen kann und es scheinbar mehr Unabhängigkeit vermittelt. Tatsächlich fördert es jedoch den eigenen Hochmut. Dieser führt immer zur Entwertung anderer Menschen, die ebenfalls im Bilde Gottes erschaffen wurden (1Mo 1:27). Wer hochmütig ist, steht nicht nur unter dem Missfallen Gottes, sondern macht sich Gott auch zum Gegner (Jak 4:6) – und das wünsche ich niemandem.

Macht zu besitzen, ohne sie zu missbrauchen, ist genauso schwer wie ein Leben ohne Sünde zu führen. Machtmissbrauch ist wie jede andere Sünde eine Ungerechtigkeit, die uns vor Gott verunreinigt, weil sie nicht aus Liebe entsteht (1Jo 3:4). Jede Sünde verfehlt das Ziel, Gott und den Mitmenschen zu lieben (Mt 22:37).

Sowohl Sünde als auch Ungerechtigkeit führen zu Schuld und geistlicher Verunreinigung, die unsere Seele krank machen kann (Ps 32:3). Weil aber alle Menschen sich durch Sünde und Ungerechtigkeit beschmutzt haben und schuldig geworden sind, brauchen wir Vergebung und Reinigung (Röm 3:23). Gott bietet uns beides in seiner unermesslichen Gnade in Fülle an. Doch Vergebung und Reinigung werden in unserem Leben erst wirksam, wenn wir zu unserer Schuld stehen und unsere Sünde bekennen (1Jo 1:9 / Spr 28:13).

Vergebung der Sünden und Reinigung von Ungerechtigkeit sind Gottes Sache (1Jo 1:9). Das Sündenbekenntnis dagegen muss von uns kommen (Ps 32:5). Dafür braucht es Demut, die uns oft fehlt, wenn wir andere Menschen verachten oder geringschätzen (Phil 2:3).

Wer bekennt, verliert nicht die Würde, sondern gewinnt Wahrheit. Und Wahrheit führt nicht in die Dunkelheit, sondern in das Licht der Gnade (Joh 8:32 / Joh 3:21). Demut ist und bleibt der Schlüssel zu Gottes Gnade (Jak 4:6 / 1Petr 5:5). Ich wünsche allen, dass sie diesen Schlüssel finden, denn er macht unendlich reich (Spr 22:4).

Mittwoch, 15. April 2026

🎵 Anhören


Vor dem HERRN her kam ein großer und gewaltiger Sturmwind, der Berge zerriss und Felsen zerbrach, in dem Sturmwind aber war der HERR nicht. Und nach dem Sturmwind kam ein Erdbeben, in dem Erdbeben aber war der HERR nicht. Und nach dem Erdbeben kam ein Feuer, in dem Feuer aber war der HERR nicht. Nach dem Feuer aber kam das Flüstern eines sanften Windhauchs.

1.Könige 19,11-12

Kein Mensch hat Gott jemals gesehen. Nur der Eine, der selbst Gott ist und mit dem Vater in engster Gemeinschaft steht, hat uns gesagt und gezeigt, wer Gott ist.

Johannes 1,18

Eine dünne Stille und das Reden Gottes

Während der Entstehung des Wortes Gottes hat der HERR auf unterschiedliche Weise zu den Menschen gesprochen, vielfach anders als erwartet und oft unerwartet. Zwar ist er derselbe gestern, heute und in Ewigkeit, und doch lässt er sich nicht festlegen oder berechnen (Hebr 13:8). Immer wieder entzieht er sich unseren Vorstellungen und zeigt sich auf überraschende Weise (Jes 55:8).

Trotz seiner Unfassbarkeit hat er sich stufenweise offenbart. Man könnte auch sagen: Er hat sein Wesen Schritt für Schritt entfaltet und uns alles gesagt, was für unser Menschsein sowie für unsere Beziehung zu ihm wichtig ist (2Tim 3:16). Allerdings können wir sein Reden ohne den Geist Gottes nicht verstehen (1Kor 2:14).

Neben Mose gehört Elia zu den herausragendsten Propheten des Alten Bundes. Wie Mose befand er sich am Horeb, wo Gott zu ihm sprach – jedoch anders als erwartet. Auch er stand auf „heiligem Boden“ (2Mo 3:5). Hier begegnete Gott Mose in einem brennenden Dornbusch, der nicht verbrannte (2Mo 3:2). Hier übermittelte Gott dem Volk Israel durch Mose seine Gebote (2Mo 20:1). Dabei zeigte er seine ehrfurchtgebietende Macht: Der Berg war in Rauch gehüllt, weil der HERR im Feuer auf ihn herabkam (2Mo 19:18). Es gab Donner, Blitze und ein dichtes Wolkendunkel (2Mo 19:16). Gleichzeitig ertönte ein immer lauter werdender, übernatürlicher Posaunenschall, und der ganze Berg bebte. Gott erschien in einer dichten, dunklen Wolke, sodass seine Gestalt nicht direkt sichtbar war. Das war tief beeindruckend, aber zugleich beängstigend, sodass das Volk sagte:

„Rede du mit uns, dann wollen wir hören; aber Gott soll nicht mit uns reden, damit wir nicht sterben.“ (2Mo 20:19)

Gottes Heiligkeit und Macht waren real – und doch war die Distanz ebenso real: Der Mensch spürt, dass er vor Gott nicht einfach bestehen kann. Genau hier wird verständlich, weshalb Gott sich später auch anders offenbart. Interessant ist: Der HERR weist Mose darauf hin, dass das Volk in seiner Furcht nicht einfach „unrecht“ hat. Als sie bitten, Mose solle stellvertretend für sie hören, sagt Gott sinngemäß: „Sie haben recht geredet“ (vgl. 5Mo 5:28). Warum? Denn der Mensch wird nicht allein durch spektakuläre Machtdemonstrationen verändert, sondern vor allem durch Gottes sanftes und liebevolles Herabneigen. Aus neutestamentlicher Sicht zeigt sich das im Herabkommen des Sohnes Gottes und in der Sendung des Heiligen Geistes in die Herzen der Menschen. Nachdem Elia auf dem Berg Karmel dem Volk Israel durch spektakuläre Zeichen und Wunder Gottes Allmacht demonstriert hatte und kurz darauf aus Angst vor Königin Isebel fliehen musste, stellte er am Horeb ernüchtert fest:

„Ich habe sehr geeifert für den HERRN, den Gott der Heerscharen. Deinen Bund haben die Söhne Israel verlassen, haben deine Altäre niedergerissen und deine Propheten mit dem Schwert umgebracht! Und ich allein bin übrig geblieben, ich allein, und nun trachten sie danach, auch mir das Leben zu nehmen.“ (1Kö 19:10)

Kaum hatte Elia das gesagt, erhielt er die Anweisung, hinauszugehen und sich auf dem Berg vor dem HERRN aufzustellen, wo der HERR an ihm vorüberzog. Zuerst kamen mächtige Naturgewalten: Sturmwind, Erdbeben und Feuer. Doch der HERR war nicht in diesen beeindruckenden Ereignissen, sondern erst im „Flüstern eines sanften Windhauchs“ (1Kö 19:12). Wörtlich könnte man auch von der „Stimme einer dünnen Stille“ sprechen.

Das wirkt zunächst widersprüchlich: Wie kann in einer „dünnen, sanften Stille“ überhaupt eine Stimme hörbar sein? Und doch liegt genau darin eine geistliche Wahrheit, die auch uns betrifft.

Vor Gott still zu werden ist alles andere als einfach. Es ist ein Zur-Ruhe-Kommen, bei dem man zunächst die eigenen, geschäftigen Gedanken ablegen muss, um das sanfte Reden Gottes im Herzen wahrnehmen zu können. Im betenden Lesen der Bibel spricht Gott zu uns: in der Stille und nicht mit einer akustisch hörbaren Stimme, auch wenn es in seltenen Ausnahmefällen dazu kommen kann.

Im Neuen Testament offenbarte sich Gott in seinem Sohn. Obwohl er unvergleichliche Wunder tat, blieb sein äußeres Erscheinungsbild unspektakulär. So lesen wir in Jes 53:2: „Er hatte keine Gestalt und keine Pracht. Und als wir ihn sahen, da hatte er kein Aussehen, dass wir Gefallen an ihm gefunden hätten.“ Und auch von großem Aufsehen ist nicht die Rede, wie Jes 42:2 es prophezeit:

„Er wird nicht schreien und ⟨die Stimme⟩ nicht erheben und seine Stimme nicht hören lassen auf der Straße.“

Doch ausgerechnet dieser unscheinbare Bauhandwerkersohn offenbarte uns den himmlischen Vater. Durch ihn redete der allmächtige Gott zu uns. Er ist es, der uns seinen Heiligen Geist sandte, damit wir heute in unseren Herzen die „Stimme einer dünnen Stille“ hören können (Joh 14:26 / Röm 8:16). Gott ist nicht fern, wenn es still ist. Manchmal ist die Stille gerade das Zeichen seiner Barmherzigkeit: Er kommt nicht, um zu überfahren, sondern um zu gewinnen. Wer Christus anschaut, findet in der „dünnen Stille“ nicht Leere, sondern den lebendigen Gott, der ruft, vergibt und führt (Joh 1:18). Gebet: Vater im Himmel, ich danke dir, dass du nicht fern und unnahbar bleibst. Bitte hilf mir, dein leises Reden wahrzunehmen, besonders wenn ich müde, unruhig oder enttäuscht bin. Herr Jesus Christus, danke, dass du mir zeigst, wie Gott wirklich ist: voller Gnade und Wahrheit. Richte mein Herz neu aus und gib mir Mut zu dem nächsten einfachen Schritt. Amen.

Donnerstag, 16. April 2026

🎵 Anhören


Der HERR sprach zu Jona: Meinst du, dass du mit Recht zürnst?

Jona 4,4

Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.

Lukas 6,36

Barmherzigkeit gegenüber Feinden? – Ja, wirklich!

Es gibt wohl kaum jemanden, der als Kind biblischen Unterricht erhielt und dabei nicht auch die Geschichte von Jona gehört hat (Jon 1:1). Viele Kinder fasziniert die Vorstellung, dass ein Prophet von einem großen Fisch verschluckt wird, drei Tage darin überlebt und anschließend wieder ausgespuckt wird (Mt 12:40). Ebenso beeindruckt sie, dass es da einen Mann gibt, der Gott einfach nicht gehorchen wollte (Jon 1:3). Vielleicht finden sie es auch tröstlich zu sehen, dass Erwachsene manchmal mit denselben Schwierigkeiten kämpfen wie sie selbst.

Bibelkritiker finden die Geschichte als Metapher vielleicht auch interessant. Gleichzeitig halten sie es für naiv, wörtlich zu glauben, dass ein Mann drei Tage im Bauch eines Fisches überlebt und anschließend wieder ausgespuckt wird (Jon 2:1). Natürlich ist das ein übernatürliches Wunder (Mt 19:26). Aber für den Erschaffer aller Lebewesen sind solche Wunder eine Kleinigkeit (Hebr 11:3). Für Jesus selbst entsprach das Schicksal Jonas auf jeden Fall der Realität (Mt 12:40 / Lk 11:30).

Die vier Kapitel des Propheten Jona sind jedoch nicht nur wegen Jonas Ungehorsam und seines Aufenthalts im Bauch des Fisches bemerkenswert, sondern auch wegen vieler anderer Aspekte (Jon 4:1). Diese Geschichte umfasst beinahe die gesamte Bandbreite menschlicher Emotionen und Verhaltensweisen. Sie zeigt Widerspenstigkeit und Glauben und schildert tiefste Verzweiflung, Todesnot, Ärger und Frust, aber auch Freude, göttliche Geduld, Liebe und Barmherzigkeit. Das Büchlein Jona ist nicht nur eine unterhaltsame „Sonntagschulgeschichte“, sondern ein literarisches Meisterwerk, das Jung und Alt gleichermaßen fasziniert.

Beim Lesen von Kapitel 4 kann ich mir ein Schmunzeln kaum verkneifen – irgendwie sehe ich darin auch eine Art Humor Gottes. Während jeder andere Evangelist in Jubel ausbrechen würde, wenn eine ganze Stadt aufgrund seiner Predigt Buße täte, war Jona zutiefst frustriert darüber, dass ausgerechnet seine „dürftige und lustlose Predigt“ dazu führte, dass 120.000 Menschen von ihren bösen Taten umkehrten und Gott sich über die Feinde Israels erbarmte.

Sein prophetischer Dienst in seinem eigenen Volk, das er so sehr liebte, blieb mehr oder weniger erfolglos. Währenddessen bewirkte sein göttlicher Auftrag bei den Feinden Israels genau das, was er sich nie gewünscht hatte: Gott erbarmt sich über die brutalen und götzendienerischen Assyrer. Jona war zutiefst frustriert und im wahrsten Sinne des Wortes „zu Tode betrübt“. In den ersten drei Versen von Kapitel vier heißt es:

“Und es missfiel Jona sehr, und er wurde zornig. Und er betete zum HERRN und sagte: Ach, HERR! War das nicht meine Rede, als ich noch in meinem Land war? Deshalb floh ich schnell nach Tarsis! Denn ich wusste, dass du ein gnädiger und barmherziger Gott bist, langsam zum Zorn und groß an Güte, und einer, der sich das Unheil gereuen lässt. Und nun, HERR, nimm doch meine Seele von mir! Denn es ist besser, dass ich sterbe, als dass ich lebe!”

Darauf folgt das heutige Losungswort, in dem Gott fragt: „Meinst du, dass du mit Recht zürnst?“ (Jon 4:4). Danach fand Jona keine Worte mehr. Er ging aus der Stadt und machte es sich östlich von Ninive bequem, um abzuwarten, was geschehen würde (Jon 4:5). Vielleicht hegte er immer noch die leise Hoffnung, dass Gott Ninive doch noch vernichten würde.

Manch eine Person fragt sich da: „Wie kann man sich darüber ärgern, dass Gott gnädig und barmherzig ist?“ Dabei ist es doch wunderbar, wenn Gott viel barmherziger ist, als wir vermuten (Jon 4:2). Jona würde vielleicht entgegnen: „Ja – aber nicht, wenn dadurch die Feinde des auserwählten Volkes gestärkt werden und am Ende sogar dazu beitragen, dass Israel vernichtet wird“ (2Kö 17:6).

Wie würden wir reagieren, wenn Gott sich über unsere Todfeinde erbarmen würde, während die Gebete für unsere geliebte Familie vorerst unerhört bleiben? Jesus lehrt uns die Feindesliebe (Lk 6:27 / Mt 5:44). Sie ist ein Ausdruck göttlicher Vollkommenheit und schließt auch das Erbarmen gegenüber Feinden ein, die Buße getan und umgekehrt sind. Jesus wurde zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt (Mt 15:24). Jesus liebte sein Volk und weinte über die Stadt Jerusalem (Lk 19:41). Aber die Seinen nahmen ihn nicht auf (Joh 1:11). Dafür taten viele von den unbeschnittenen Heiden Buße und kehrten um (Apg 13:46). So hat sich Gott auch über uns Heiden erbarmt (Röm 11:30). Doch Gott wird sich auch über sein Volk erbarmen. Deshalb sagte auch Paulus, dass ganz Israel gerettet wird (Röm 11:26). In Matthäus 5 sagt Jesus: „Ihr nun sollt vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist.“ Im heutigen Lehrtext heißt es: „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!“

Göttliche Vollkommenheit bedeutet nicht in erster Linie Perfektion, sondern bedingungslose Liebe, geprägt von Gnade und Barmherzigkeit. Darum gilt:

Barmherzigkeit ist hier nicht primär ‘Gefühl’, sondern gelebte Gnade im Umgang mit anderen – besonders dort, wo Menschen es nicht ‘verdient’ haben.”

Freitag, 17. April 2026

🎵 Anhören


Gott, du holst mich wieder herauf aus den Tiefen der Erde. Du machst mich sehr groß und tröstest mich wieder.

Psalm 71,20-21

Jesus sprach: Jüngling, ich sage dir, steh auf! Und der Tote richtete sich auf und fing an zu reden, und Jesus gab ihn seiner Mutter.

Lukas 7,14-15

Zurück ins Leben – aus der Tiefe heraus

In Psalm 90:12 betet Mose: „So lehre uns denn zählen unsere Tage, damit wir ein weises Herz erlangen!" Mein Computer hat mir eben ausgerechnet, dass ich heute 23.413 Tage alt bin. Wie viele Tage noch vor mir liegen, weiß ich nicht, aber es dürften deutlich weniger sein – zumindest, was mein Dasein in diesem vergänglichen Körper betrifft.

Habe ich nun das getan, worum Mose in diesem Vers gebeten hat? Nur zum Teil. In dieser Aussage geht es weniger darum, zu wissen, wie viele Tage alt ich bin, sondern vielmehr um das Bewusstsein, dass mein Leben zeitlich begrenzt ist und jederzeit zu Ende gehen könnte. Je älter wir werden, desto mehr sollten wir uns das vor Augen halten und fragen: Was hat der Schöpfer des Menschen über den Sinn unseres irdischen Lebens gesagt – und über das, was danach kommt?

Für die Autoren des Alten Testaments war klar, dass sie nach dem Sterben in das Totenreich (hebr. Scheol) kommen. In Daniel 12:2 wird es als ein „Land des Staubes" bezeichnet, in dem viele „schlafen" und aus dem am Ende der Zeit viele aufwachen werden. Der Hebräerbrief schreibt, dass es dem Menschen gesetzt ist, einmal zu sterben, und danach kommt das Gericht (Hebr 9:27). Was dort geschieht, wird u.a. sehr eindrücklich in Matthäus 25:31-46 berichtet. Daraus geht deutlich hervor, was entscheidend ist: Wurde aus der Liebe gelebt und Barmherzigkeit praktiziert – oder nicht. Oder kurz gesagt: Es geht um Beziehung – zu Gott und zu den Menschen (Mt 22:37 / Mt 22:39). Daraus ergibt sich auch der Sinn unseres Lebens: dass wir lernen, aus Liebesbeziehungen zu leben (1Jo 4:7 / 1Jo 4:8).

Der Liederdichter von Psalm 71 befand sich bereits im fortgeschrittenen Alter. Er wusste, dass seine eigene Kraft schwand, und zugleich wurde er von Gottlosen und Ungerechten bedroht. Das war eine äußerst bedrohliche Situation. Aus dem gesamten Psalm wird ersichtlich, wie wichtig ihm seine Vertrauensbeziehung zum HERRN ist. Dem Psalmisten war klar, dass er nur bei Gott Schutz und Hilfe finden kann (Ps 71:1).

Der heutige Losungsvers zeigt indirekt, dass er nach dem Sterben in die Tiefen der Erde und damit in den Scheol gelegt würde. Zugleich rechnete er damit, dass Gott ihn von dort wieder heraufholen würde. Er hatte also eine klare Auferstehungshoffnung. Diese beruhte nicht auf seinem Willen, sondern auf seiner Vertrauensbeziehung zum HERRN.

Der Psalmdichter rechnete auch damit, in ein neues Leben zurückgebracht zu werden, in dem Gott ihn tröstet und groß macht (Ps 71:20-21). Damit glaubte er bereits ansatzweise das, was Jesus zu Marta sagte:

„Ich bin die Auferstehung und das Leben; wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er gestorben ist" (Joh 11:25)

Doch nicht nur ältere Menschen müssen jederzeit mit dem Sterben rechnen, sondern auch junge. Das zeigt unsere Erfahrung und auch der Lehrtext aus Lukas 7: Dort starb ein Jüngling, der einzige Sohn einer Witwe (Lk 7:12).

Die Trauergemeinde war gerade dabei, den Leichnam aus der Stadt zu tragen, um ihn zu beerdigen. Jesus war innerlich so sehr bewegt, dass er zur Mutter des Verstorbenen sagte: "Weine nicht!" Wie soll man nicht weinen, wenn der einzige Sohn gestorben ist? Ist es nicht eine absolute Überforderung, wenn man sämtliche Trauergefühle unterdrücken soll? – Ja, das ist es! Aber wenn aus dieser Aufforderung eine Auferstehungshoffnung wächst, dann ist das möglich.

Vielleicht flammte diese Hoffnung auf, als die Witwe Jesus in die Augen schaute und seine Liebe und Vollmacht erkannte. Wir wissen es jedoch nicht. Jesus berührte die Bahre und sagte: "Jüngling, ich sage dir, steh auf!" Danach richtete sich der Tote auf und fing an zu reden (Lk 7:14).

Dieses „Ich-sage-dir" offenbarte Jesus als denjenigen, der durch sein schöpferisches Wort Tote ins Leben zurückrufen kann (Joh 5:28). Jesus ist der Einzige, der drei Tote auferweckt hat:

  1. Der tote Jüngling von Nain, der auf einer Bahre aus der Stadt getragen wurde (Lk 7:14).
  2. Die Tochter des Jairus, die vermutlich noch im Haus auf dem Bett lag (Mk 5:41).
  3. Lazarus von Bethanien, der bereits vier Tage in der Gruft lag und schon nach Verwesung roch (Joh 11:39).

Letzterer wurde tatsächlich aus den „Tiefen der Erde" herausgeholt – so, wie es der Liederdichter in Psalm 71 erwartete.

Wer an Jesus glaubt und in einer Vertrauensbeziehung zu dem lebt, der gesagt hat, er sei die Auferstehung und das Leben, darf auch wissen, dass er einmal 'auferstehen

Samstag, 18. April 2026

🎵 Anhören · 🎥 Anschauen


Der HERR, dein Gott, ist ein verzehrendes Feuer und ein eifernder Gott.

5.Mose 4,24

Darum, weil wir ein Reich empfangen, das nicht erschüttert wird, lasst uns dankbar sein und so Gott dienen mit Scheu und Furcht, wie es ihm gefällt.

Hebräer 12,28

Heiligkeit, die brennt und ein “eifersüchtiger” Gott

Stell dir einen Mann vor, der mit großer, leidenschaftlicher Liebe um eine junge Frau wirbt. Er begegnet ihr mit größter Wertschätzung und schenkt ihr seine ganze Aufmerksamkeit. Er tut alles, um sie zu beschenken und zu gewinnen. Und tatsächlich: Sie lässt sich auf sein Werben ein und stimmt einer Verlobung zu. Die beiden vereinbaren einen Hochzeitstermin, und der Bräutigam teilt seiner Braut mit, dass er zuvor das gemeinsame Zuhause fertigstellen müsse und dass sie sich bis zur Hochzeit nicht oft sehen würden. (Eph 5:25 / Offb 19:7)

Mit großer Freude und voller Motivation geht der Mann nach Hause, um das gemeinsame Heim für sie vorzubereiten. Währenddessen wird der Braut langweilig, und das Warten auf die Hochzeit erscheint ihr zu mühsam. Warum sollte sie sich in dieser Zeit nicht auch ein wenig Spaß gönnen und sich mit anderen Männern treffen? – Gedacht, getan. Doch es bleibt nicht bei harmlosen Treffen, sondern es kommt zu einer erotischen Affäre. Als der Bräutigam davon erfährt, empfindet er sofort eine schmerzhafte Eifersucht. (2Mo 34:14)

Ich denke, die meisten können diese Eifersucht nachempfinden. Es wäre eher befremdlich, wenn der Bräutigam gesagt hätte: „Ich liebe meine Braut, und warum sollte sie sich die Wartezeit nicht auch etwas versüßen?“ Wahre Liebe wünscht sich gegenseitige Treue, und darum ist eine solche Eifersucht die logische Folge. (Spr 6:34)

Dabei geht es nicht um einen Neid, der das begehrt, was einem anderen gehört, sondern um einen Schmerz, der aus der Zerstörung einer vertrauensvollen Liebesbeziehung entstanden ist. Es geht auch nicht um eine krankhafte Eifersucht, die schon so manche Beziehung zerstört hat, weil sie aus Misstrauen, Kontrollsucht oder verletztem Stolz geboren ist. (1Kor 13:4)

Gottes „Eifer“ ist keine krankhafte menschliche Eifersucht. Er entspringt seiner heiligen Liebe und seiner Bundestreue. Er richtet sich gegen alles, was seine Menschen an Götzen bindet und sie innerlich kaputtmacht. (2Mo 20:5 / 2Kor 11:2)

Darum kann man dieses „eifernd“ auch mit „eifersüchtig“ übersetzen, wie es zum Beispiel die Elberfelder an dieser Stelle tut. Damit wird deutlich: Es geht nicht um launische Besitzgier, sondern um die leidenschaftliche Treue Gottes, der seine Braut nicht verlieren will. Gottes „Eifersucht“ ist die schmerzhafte Reaktion seiner Liebe auf Untreue, weil Untreue zerstört, was im Bund Leben schenken soll. (Hos 2:21 / Jak 4:4)

Und genau darum ist er wie ein „verzehrendes Feuer“: nicht willkürlich zerstörend, sondern heilig reinigend. Was vor ihm nicht bestehen kann, ist nicht der Mensch, der zu ihm flieht, sondern die Lüge, die Ausrede, der Götze, das Doppelherz. Gottes Feuer brennt nicht gegen uns, sondern gegen das, was uns von ihm wegzieht – damit wir frei werden, um wirklich leben zu können. (1Petr 1:16)

Die Liebe Gottes ist ein verzehrendes Feuer, das alles verbrennt, was nicht Liebe ist!

Er liebt uns so sehr, dass er uns seinen Sohn geschenkt hat und mit ihm auch das Königreich Gottes. Paulus stellt sogar die rhetorische Frage:

„Er, der doch seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns alle hingegeben hat – wie wird er uns mit ihm nicht auch alles schenken?“ (Röm 8:32)

Wer diese Liebe zu würdigen weiß, wird unendlich dankbar sein. Voller Freude und Hingabe wird man diesem Gott der Liebe dienen, um ihm wohlzugefallen – wie eine liebende Braut, die sich auf die Hochzeit vorbereitet. (Kol 3:17 / Eph 5:27)

Die beiden letzten Verse aus Hebräer 12 lauten in der Elberfelder Bibel wie folgt:

Deshalb lasst uns, da wir ein unerschütterliches Reich empfangen, dankbar sein, wodurch wir Gott wohlgefällig dienen mit Scheu und Furcht! Denn auch unser Gott »ist ein verzehrendes Feuer«. (Hebr 12:28)

Scheu und Furcht lässt sich auch mit Schamhaftigkeit und Ehrfurcht wiedergeben. Wer die Liebe Gottes und seines Sohnes Jesus Christus wirklich erkannt hat, läuft keinem anderen Gott mehr nach, sondern dient ihm voller Vorfreude und wartet auf sein Wiederkommen! (1Petr 1:15 / Tit 2:13)


Hier geht es zur Übersichtstabelle