Das Problem der Versöhnung
Abschrift der Schrift "Versöhnung"
Baader F. H. - Pasedag W. J. (1982)
Die Schrift ist antiquarisch noch erhältlich
siehe weitere Abschriften:
Inhaltsverzeichnis:
III. Das Problem der Versöhnung
W. J. Pasedag
Das Wort Gottes an sich kennt keinerlei Probleme, wie sollte es auch! Das Wort selbst ist klar, durchsichtig und strahlend - aber unsere Herzen und Gedanken sind das nicht, sonderm üssen gereinigt und erleuchtet werden. Aus dem ungläubigen Herzen steigen die Probeleme auf wie schillernde Seifenblasen, nu r dass sie nicht so schnell wie dieser zerplat zen.
Wie alle tiefen Gotteswahrheiten, liegt auch die Botschaft von Gottes umfassender versöhn ung nicht an der Oberfläche. Sind schon Gottes Wunder w e g e oft so unbegreiflich. und u nausforschlich wie Seine Gereichte, wiefvielmehr wird es dann das Z i e l sein! Anstatt die Erwägungen. und Bedenken des Verstandes und unsere Vernunftschlüsse für entscheidend zu hlaten, sollten wir uns ganz auf Gottes Wort verlassen, Spr 3:5.
Alles was nur eine Teilversöhnung durch Gott gelten lassen will, beruht auf Missverständnissen, Übesetzungsfehlern und verkürzter Wortbeachtung. Und doch ist das Aufleuchten der Allaussöhnung nicht nur eine Erkenntnisfrage. Sie erfordert ein Eintauchen in Gottes Wesen, Seine Weisheit und Seine Liebe. Die Sünde der eigenen Unversöhnlickeit und Lieblosigkeit überträgt ihr falsches Abgrunddenken dann sogar auf Gott und versperrt damit den Weg zum Wort der Versöhnung und seinen vollständigen Sieg. Was in uns nicht geschah, halten wir dann auch in Gottes Regiment für unmöglich. In besonders hartnäckigen Fällen steckt hinter der Ablehnung des großen Gottessieges oftmals Sektiererei, Rechthaberei, Selbstgerechtigkeit Unglaube und Dummheit.
Es gibt aber auch ein aufrichtiges Fragen und Ringen, um alle Irrtümer zu überwinden. Solchen Wahrheitssuchern sei gesagt, dass es keine Einwände und Fragen bezüglich der Versöhnung des Alls gibt, die durch das Wort Gottes nicht alle befriedigend beantwortet, und ins Licht der Wahrheit gestellt werden könnten. Obwohl es bereits eine ganze Anzahl ausgezeichneter und schriftfundierter Werke gibt, wollen wir hier doch zum Erweis des Gesagten 14 solcher Einwände kurz untersuchen:
1. Wenn alle Menschen errettet werden, hätte Christus nicht sterben müssen müssen
Dies ist wohl der unsinnigste Einwand, der immer wieder gebracht wird, und wir haben ihn deshalb vorangestellt. Man sollte es nicht für möglich halten, dass solche Torheiten selbst von Dienern des Wortes öffentlich zu hören sind. Es ist umgekehrt, gerade weil Christus starb, ist Er der Weg zum Vater und zum Leben. Und wie Er für alle gestorben ist, so ist Er auch für alle zur Rettung geworden: 2Kor 5:14.15; 1Tim 2:6, denn "des Menschen Sohn ist gekommen, zu suchen und zu retten, was verloren ist", Lk 19:10. Weil alle verloren sind (Röm 3:10-12), deshalb ist Christus auch für alle gestorben (Hebr 2:9), und darum werden auch alle errettet, Joh 3:35; Joh 6:39; 1Tim 2:4; 2Petr 3:9.
Auf die Worte: "Gott will, dass niemand verloren geht, sondern dass allen Menschen geholfen werde", kann man des öfteren den anderen törichten Einwand hören: Gott will es schon, aber der Mensch nicht, und da Gott ihm einen freien Willen gab, kann Er ihm das Heil nicht aufzwingen. Wie grundfalsch sind doch solche Argumente, mit unbiblisch philosophischen Begriffen! "Alles, was Gott will, das tut Er auch!" Ps 135:6: "Der Ich spreche: Mein Ratschluss soll. zustande kommen, und all Mein Wohlgefallen werde Ich tun!" (Jes 46:10); "Nichts was Er Sich vorgenommen hat, ist Ihm. zu schwer!" (Hi 42:4). "Wer vermöchte da Gott zu trotzen?" Röm 9:20.21.
Sobald dem Menschen klar wird, dass Satan ihn betrog, bleibt nur noch der verzweifelte Schrei: Ich elender Mensch, wer wird mich erlösen? Röm 7:11, Röm 7:24; Joh 6:37. Der Mensch kann sich Gott nicht entziehen "denn von Ihm. und durch Ihn und zu Ihm sind sind alle" (gr. ta panta - die alle), Röm 11:36; Kol 1:16.
2. Das biblische "alle" ist nur in einem beschränkten Sinn gemeint
Es ist schon eigenartig, wie oft der Mensch Gottes tat verkleinern will; wie jedoch die Bibel "alle" verstanden wissen will, das sagt sie uns selbst durch die näheren Hinweise:
- "Wie in Adam alle sterben, genau so werden auch alle..." 1Kor 15:22
- "Alle Menschen, die in diese Welt kommen..." Joh 1:9
- Alle Fetten, und alle die kümmerlich leben..." Ps 22:30
- "Alle Knie im Himmel, auf Erden, unter der Erde und Im Meer..." Offb 5:13
- "Alles was Odem hat ..." Ps 150:6
- "Nicht allein für unsere Sünden, sondern auch für die 'der ganzen Welt'*" Joh 2:2.
Wenn nun der Herr, der für alle Menschen gestorben ist, uns auch sagt: Wenn Ich erhöht bin von der Erde, dann werde Ich a l l e zu Mir ziehen", Joh 12:32; ist es da wirklich so schwer zu glauben, dass Er auch alle meint?
Indem, dass Gott Ihm hat alles untergetan, hat Er nicht gelassen, das Ihm nicht untertan sei" - auch wenn wir's noch nicht sehen, Hebr 2:8.
Wenn Er sagt, dass alles untertan sein, dann ist's offenbar, dass nur ausgenommen ist, der Ihm alles untergetan hat! (Gott der Vater), 1Kor 15:27!
3. 1Kor 15:28 zeige nur, dass einmal alles unter die Herrschaft Gottes kommt
Damit will man sagen, dass es keine freudige Anerkennung, sondern eine gewaltsame Unterjochung sei, der sich der Gottlose zähneknirschend unterwerfen müsse. Wohl sprechen die Verse 1Kor 15:25-28 im Auferstehungskapitel von einem "Untertan-sein", wie es die Allmacht Gottes bewirkt, aber das ist noch n cht das Ziel der Liebe Gottes; darum schließt dieser 28. Vers nicht mit einer Herrschaft Gottes ü b e r allen, sondern sagt unmissverständlich: Gott alle IN allen (theos panta en pasin). Diese herrliche Wahrheit mit einer Ausführung wegerklären zu wollen, die besagt: "Auch die Verdammten bleiben. zwar unter der Herrschaft Gottes, sind aber aus dessen Gegenwart entfernt und davon ausgeschlossen", das ist ein Frevel am Worte Gottes! Offb 22:3 sagt klar und deutlich: "Es wird keine Verdammung (katathema, Luther: Verbanntes) mehr sein". Im Gegenteil, jeder kann dann sagen: "Im Herrn habe ich Gerechtigkeit und Stärke", Jes 45:23.24. Diese Wahrheit wird uns sogar durch einen Schwur Gottes bezeugt!
4. Mk 9:44-48 spricht Christus dreimal vom Wurm, der nicht stirbt und dem Feuer, das nicht verlischt
Wenn der Heiland sagt: Gehet nicht auf dem Weg der Nationen (Mt 10:5), so dürfen wir hier keineswegs ein "geht niemals" daraus machen, weil sich dieser Befehl laut Mt 28:19 sehr bald änderte. Darum steht auch das Markuswort in keinerlei Widerspruch mit den Aussagen der ganzen Schrift, und ist durchaus beherzigenswert. Es ist auch nicht im mindesten eine Bestätigung für "unaufhörliche Qual der Verdammten", sondern der rechte Sinn solcher Worte wird immer dann ersichtlich, wenn wir dabei zweierlei, den Zusammenhang und den Grundtext beachten.
Der Zusammenhang von Mk 9:42-50 ergibt einen erschütternd ernsten Hinweis des Herrn Jesu auf die Notwendigkeit der Ganzhingabe im Opfer, um damit jeden Skandal (Ärgernis - skandalon) zu vermeiden. Denn was wir nicht freiwillig opfern (Hand, Fuß, Auge, Leib), das muss uns genommen und dem Feuergericht) (gehenna, Luther: Hölle) übergeben werden. Und wer sich nicht selbst richtet, der muss gerichtet werden, 1Kor 1 1:31. Das geschieht dann in einem Gericht, welches keine Unterbrechung oder Milderung erfährt, bis alles geläutert ist, oder m it anderen Worten "bis dass Er ausführe das Gericht zum Sieg!", Mt 12:20. Wo also "der Wurm nicht ver-endet, und das Feuer nicht er-lischt, d e n n (griech.: gar, führt eine Begründung oder Beweisführung ein) j e d e r (nicht nur die Ungläubigen) wird mit Feuer gesalzen werden, und j e d e s Opfer wird mit Salz. gesalzen", Mk 9:48.49 wörtl.: Wir werden also entweder "in Gnaden mit Salz gewürzt" (Kol 4:6 Grundtext), oder wir werden durch das Gericht "mit Feuer gesalzen". Dabei bedeutet Feuer = Durchläuterung und Salz = Unverweslichmachung; Mit Feuer gesalzen meint also von Fäulnis befreit werden, wie auch der Wurm nur das Verwesliche vertilgen kann, Hi 7:5. Mit dem abschließenden Wort: "Habt Salz in euch" (Mk 9:50 Grundtext), meint somit der Herr, von innen heraus der Fäulnis entgegenzutreten, anstatt von außen her, durch Wurm und Feuer, von Fäulnis gereinigt werden zu müssen, was sicherlich viel schmerzlicher ist, Mt 8:12.
Aber selbst dort, wo das Fleisch verzehrt werden muss, bleibt Jesus Sieger. Denn wo alles Fleisch durch das Feuer der Trübsal geht, hört es auf zu sündigen (Apg 14:22; 1Petr 4:12.13 und 1Petr 4:1) und durch das Feuer des Gerichts gereinigt, kann es Gott als den GEWALTIGEN erkennen, Jes 49:46. Wer wäre da nicht bereit, Christus zur Tilgung seiner Sünde anzuerkennen? Siehe Apg 16:29-31. Und da Gott LIEBE ist, lesen wir ebenfalls bereits bei Jesaja: "Die Herrlichkeit des Herrn wird Sich offenbaren, und a l l e s Fleisch miteinander wird sie sehen; denn der Mund des Herrn hat's geredet", Jes 40:5. Darum sagt auch ein Hiob: "Ich aber, ich weiß, dass mein Erlöser lebt, und als letzter hier auf der Erde auftreten wird; und danach werde ich, mag auch meine Haut so ganz zerfetzt und ich ohne mein Fleisch sein, (dennoch) Gott schauen, den ich schauen werde, mir zum Heil und den meine Augen sehen werden, und zwar nicht mehr als Gegner!" Hi 19:25-27 nach Menge.
Und nun zum Grundtext. Die bezeichneten griechischen Worte in Mk 9:48 lauten: "hopou ho skooläx autoon ou teleuta kai to pyr ou sbennytai, pas gar ... " das heißt: "Wo dieser ihr Wurm nicht endet und das Feuer nicht erlöscht, denn jeder..." Das ist etwas ganz anderes als die Behauptung, dass der Wurm niemals stirbt, wodurch man, außer den Satzgegenstand alles im biblischen Text verfälscht hat. Die Bibel kennt keinen unsterblichen Wurm, denn nur Gott ist unsterblich (1Tim 6:16) und nur durch den Sieg in Christo wird Seinen Geschöpfen Unsterblichkeit zuteil, 1Kor 15:53-57.
"Wo ihr Wurm"..., schon das zeigt einen begrenzten Ort der Wirksamkeit an, dabei hat der Herr Jesus noch ausdrücklich auf das Wort "sterben" (thnesko) verzichtet, und es durch "teleuta" = teilvollenden ersetzt.
Wo die Schrift wirklich vom Nicht-sterben spricht, da heißt es:
- "kai mä apothanä" - un nicht stirbt ... Joh 6:50
- "ou mä apothamä" - nimmermehr sterben... Joh 11:25
- oder "ouchi apothneskei" - nicht mehr stirbt... Röm 6:9
Von alledem ist in Mk 9 nicht die Rede. Das vom Herrn gebrauchte "nicht" = ou ist jene gewöhnliche, unbetonte Verneinung, die auf Sachen bezogen ist. Hätte es "niemals" heißen sollen, dann müsste hier wie bei Mt 26:33 oder Lk 15:29 "oz depote" stehen. Aber nicht einmal das verstärkte, nachdrückliche "nicht" = ouchi, wie in Mt 20:13 oder das "ou gar" = keineswegs, von Apg 16:37 wird hier verwendet. Dabei ist weiterhin noch zu beachten, dass in Mk 9 nicht weniger als drei verschiedene Arten von "nicht" geb. raucht werden:
- ou = für Gegenständliches oder Tatsachen Mk 9:18.28.30.37.38.40.44.46 und 48
- mä = bei Persönlichem, das Gefühl betreffend, Mk 9:39 und 41
- Ou mä = "in keiner Weise", stärkste Verneinung in beiderlei Sinn wie Mk 9:1.
So liegt also in den Versen Mk 9:44.46 und 48 keinerlei bBetonung auf dem "nicht verenden" und "nicht verlöschen", sondern lediglich auf dem ununterbrochenen Läuterungsprozess mit Wurm und Feuer, bis das von Gott angestrebte Ziel erreicht ist.
5. Nur wer da glaubt, wird errettet, die anderen aber sind verdammt, Mk 16:16
Die mehrmals wiederholte Mahnung, dem Worte Gottes weder etwas zuzufügen, noch etwas fortzulassen, ist auch hier angebracht, 5Mo 4:2; Spr 20:54; Offb 22:18.19. Das "nur" ist hinzugemacht und der Unglaube versucht, diesen ganzen Text als einen nicht authentischen Zusatz zu streichen. Wir sehen aber keinerlei Veranlassung, diese Worte abzulehnen. Niemand allerdings sollte den hier genannten GLAUBEN als eine Leistung ansehen, "denn aus GNADE seid ihr errettet worden, durch den GLAUBEN - und das nicht aus euch: GOTTES GABE ist es!" Eph 2:8. Das übersehen viele "Frommen" so leicht, und dazu auch die andere Tatsache, dass Christus, als ER bei Seiner Himmelfahrt Gaben empfangen hat für und in Menschen, da auch Gaben für die Abtrünnigen erhielt. "Damit der Gott der Herr selbst unter Widerspenstigen Wohnung haben, denn Gott ist uns ein Gott der Rettungen, und bei Herrn stehen die Ausgänge vom Tode", ist die weitere Begründung dafür in Ps 68:18-20.
Das stimmt überein mit Tit 2:11: "Erschienen ist die rettende Gnade Gottes a l l e n Menschen, und erzieht uns...", dfas meint, mit uns hat sie den Anfang gemacht zur Aufnahme in die Gottesfamilie. Der Heilige Geist wird aber auch noch die ganze Welt überführen, betreffs Sünde, Gerechtigkeit und Gericht, denn das hat der Herr in Seinen Abschiedsreden deutlich vorhergesagt. Das dort in Joh 16:8 verwendete Wort "elegxoo" meint mit dem persönlichen Objekt, "jemanden widerlegen, überführen, und dadurch auch beschämen". In 1Kor 14:24.25 wird diesem elegxoo die Wirkung zugesprochen, dass es das Verborgene des Herzens ofenbare, so dass sie auf ihr Angesicht fallen, Gott anbeten und Ihn bekennen. Des Menschen Unglaube vermag Gottes Glauben und sieghaftes Wirken weder aufzuheben noch einzudämmen, lies bitte Röm 3:3.4; 2Tim 2:13; Gal 3:22-26. Wir sollten nicht vergessen, dass Gott den Menschen Sich zum Bilde und Gleichnis schuf. Wenn auch die Menschheit tief gefallen ist, sie trägt dennoch wie der verlorene Groschen das aufgeprägte Bildnis. Wir sehen das besonders an dem auserwählten Volk, aus dem vorerst nur eine Auswahl Errettung und eil in Christus findet. Aber Gott gibt Israel nicht auf! Die Erstlinge sind Angeld für alle Nachfolgenden. "Ist der Anbruch heilig, so ist auch die Masse heilig", Röm 11:16.
Allerdings geht Gottes Rettungs- und Umkehrweg durch schwere Gerichte: "Der Herr wird Sein Volk richten. Schrecklich ist's, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen" Hebr 10:30.31. Aber nicht nur furchtbar, sonder auch fruchtbar ist Sein Gericht. "Und also das ganze Israel errettet werde, wie geschrieben steht: Es wird kommen aus Zion, der da erlöse und abwende das gottlose Wesen von Jakob", Röm 11:26. Israel aber ist nur ein Musterbeispiel für das Heilswirken Gottes an der ganzen Menschheit. "Alle Welt soll durch Meines Eifers Feuer verzehrt werden; aber dann will Ich den Völkern reine Lippen geben, dass sie alle den Namen des Herrn anrufen sollen und Ihm einträchtig dienen". Zeph 3:8.9: "Denn wer den Namen des Herrn anrufen wird, der soll errettet werden". Joe 2:32: (Luther: Joe 3:5); (Apg 2:21; Röm 10:13. Hat Gott Seinen einzig gezeugten und geliebten Sohn geopfert, so ist Ihm auch die Errettung aller Menschen nicht zu teuer!
"Gottes Gaben und Berufung können Ihn nicht gereuen. Gleicherweise wie die Nationen dereinst nicht glaubten an Gott, nun aber Barmherzigkeit fanden durch den Unglauben der Juden, ebenso glauben auch diese nicht an deren Erbarmung, auf dass sie selber erfahren, was Barmherzigkeit ist. Denn Gott hat a l l e zusammen in den UNGLAUBEN eingeschlossen, auf dass Er Sich a l l e r erbarme" Röm 11:29-32.
6. Aber Joh 3:36 sagt, der Zorn Gottes BLEIBT über dem, der nicht glaubt
Dass dieses Bleiben nur ein begrenztes Verweilen andeutet, sehen wir an den beiden anderen Vorkommen des griech. "menoo" vor und nach Joh 3:36, nämlich Joh 2:12 und Joh 4:40.
Im Unglauben bleiben und damit im Zorn Gottes sein, ist gleich dem, was uns 1Jo 3:14 sagt: "Wer den Bruder nicht liebt, der BLEIBT im Tode". Nach dem Zeugnis der ganzen Heiligen Schrift gibt es weder einen unaufhörlichen Tod, noch einen immer währenden Zorn Gottes, und jemanden immerwährende Qualen anzudrohen, ist ein Vergehen an der Liebe und dem Glauben und bedeutete eine Verunglimpfung des Wortes Gottes. Weil der Tod verschlungen ist in den Sieg (1Kor 15:54), darum heißt es in der Apokalypse "und der Tod wird nicht mehr sein", Offb 21:4, siehe auch 1Kor 15:26. Vom Zorn lesen wir: Barmherzig und gnädig ist der Herr, langsam z um Zorn und groß an Güte. Er wird nicht immerdar rechten und nicht ewiglich nachtragen", Ps 103:8.9. Wie das Im-Tode-bleiben nur bis z um Gericht oder zur Auferstehung währt, ebenso bleibt auch der Zorn Gottes nur solange, bis der Mensch Buße tut, das heißt, bis er zu Christus als seinem Retter umkehrt. "Denn der Herr verstößt nicht ewiglich; sonder Er betrübt wohl, und erbarmt Sich wieder nach Seiner großen Güte", Kla 3:31.32.
"Der Herr tötet und macht lebendig; Er führt in den Scheol hinab und wieder heraus, 1Sam 2:6.
"Gott nimmt nicht das Leben weg, sondern Er sinnt darauf, dass der Verstoßene nicht von Ihm weg verstoßen bleibe". 2Sam 14:14. Siehe auch Hes 33:11 in Verbindung mit 5Mo 30:8.9.
"Ich bin barmherzig, spricht der Herr und will nicht ewiglich zürnen, allein erkenne deine Missetat...", das sagt der Herr zu seinem Israel, das am Ende "nicht mehr von Ihm wicht" und zu den Völkern "die nicht mehr nach den Gedanken ihres bösen Herzens wandenn werden", Jer 3:12-19.
Auch Gottes Zorn hat kein anderes Ziel, als die Gedanken Seines Herzens auszuführen, siehe Jer 23:20 und Jer 30:24. Diese Gedanken sind Gedanken des Friedens und nicht des Leides", Jer 29:11, Jes 55:8-21. Sein Herz ist von Liebe, und nicht von Rache oder Zorn erfüllt, darum spricht Eph 1:8-10 von"dem Reichtum Seiner Gnade, die Er uns durch Mitteilung aller Weisheit und Einsicht in überströmender Fülle hat zuteil werden lassen. Er hat uns ja das Geheimnis Seines Willens kundgetan, nach Seinem freien Ratschluss, dessen Ausführung Er Sich vorgenommen hatte, sobald die Zeiten zum Vollmaß der von Ihm geordneten Entwicklung gelängt wären: Er will in Christus als dem Haupt a l l e s einheitlich zusammenfassen, was in den Himmeln und was auf der Erde ist". (Menge).
7. Jak 2:13 spricht von einem unbarmherzigen Gericht
Gericht ist Not-wendig, denn es offenbart, wie wir Menschen sind, danach aber auch wie Gott ist. Michael Hahn (1758-1819) schrieb einmal von solchen, die mit dem Gericht unendliche Qualen oder gänzliche Vernichtung verbinden: "Es ist nicht möglich, dass sie den königlich-priesterlichen Sinn und Geist Jesu haben, und dass die Liebe Gottes in ihren Seelen ausgegossen ist; wie könnten sie sonst den Gedanken einer unendlichen Höllenstrafe auch nur e i n e n Tag ertragen. Müsste sie nicht das Erbarmen und Mitleiden ganz verzehren?" Wie müsste darum auch das Wort in Jak 2:13 gerade denen ins Herz fahren, die für alle noch Ungläubigen unaufhörliche Höllenstrafen androhen, "denn das Gericht ist unbarmherzig für den, der keine Barmherzigkeit walten ließ".
Gnade ohne Gericht ist der schwerwiegende Irrtum aller Gleichgültigen, doch Gericht ohne Gnade lautet die Irrlehre der selbstgerechten Fanatiker. Auch hier gilt das ernste Wort unseres Herrn: "Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, ihr Lasset dahinten das Schwerste (oder Gewichtigere) im Gesetz, das Gericht u n d die Barmherzigkeit und den Glauben!! Mt 23:23.
David, der Gott und Menschen kannte, wusste, was er wählte, wenn er sagt: "Mir ist sehr angst; doch ich will in die Hände des Herrn fallen, denn Seine Barmherzigkeit ist groß, und will nicht in Menschenhände fallen." 1Chr 21:13. Wie können und werden die unbarmherzigen Vertreter endloser Höllenqualen doch einmal froh sein, dass ihr Schicksal mit dem immer nur halb zitierten Vers Jak 2:13 nicht endet, sondern vielmehr noch die drei wunderbaren Worte folgen: "katakouchatai eleos kriseoos" = herunterrühmt Barmherzigkeit Gericht! Auch das Gericht ist eine Angelegenheit der Barmherzigkeit. Weil diese Barmherzigkeit nicht Böses mit Bösem vergilt, kann und will selbst das hohe Gericht, das mit gutem Recht die Unbarmherzigkeit zu ahnden hätte, sich nicht mehr behaupten. Wenn schon unsere menschlichen Wörterbücher jenes genannte "eleos" als "Mitleid, das man Unglücklichen erweist, mögen sie und desselben würdig sein oder nicht", bezeichnet, wieviel umfassender wird einmal Gott Sein "eleos" darstellen, denn Er ist trotz aller furchtbaren Gerichte viel barmherziger, als je ein Mensch es sein könnte.
8. Mt 25:46 sagt, sie werden in die ewige Pein gehen
Diese Pein muss unaufhörlich sein, so wird behauptet, weil sie in demselben Vers dem "ewigen Leben" gegenübergestellt wird. Da beide, Pein sowohl wie Leben, als "ewiglich" = aionion bezeichnet werden, kann das eine natürlich nicht unaufhörlich, und das andere nur begrenzt sein. Fünf Verse zuvor wird ebenso vom äonischen Feuer geredet, das dem Teufel und seinen Engeln bereitet ist (Mt 25:41). Auch der Judasbrief spricht von der Pein des ewigen Feuers (Jud 1:7) und gleicherweise von den ewigen Banden der gefallen Engel (Jud 1:6).
Untersuchen wir nun weiter, was die Schrift über diese Gerichte sagt, so sehen wir, dass sie alle genau begrenzt sind, denn äonisch = ewig, meint nicht unaufhörlich, sondern eine von Gott bestimmte Zeitlang während, weshalb das Hauptwort Aion von allen guten Bibelüberseztern mit Zeitalter oder Weltzeit übersetzt wird. Dadurch ist auch der Ausdruck "von Äon zu Äon" überhaupt erst verständlich, weil eine nicht aufhörende Ewigkeit niemals von einer nochmaligen ihr nachfolgenden Ewigkeit abgelöst werden könnte.
Die "ewigen Bande" in Jud 1:6 dauern, wie derselbe Vers selbst sagt, b i s zum Gericht des großen Tages. Ebenso das "ewige Feuer" derer von Sodom und Gomorra b i s zum jüngsten Gericht (Jud 1:7; Mt 11:24). Dann ergeht es ihnen sogar besser als den Städten, in denen des Herrn Jesu meiste Taten geschahen. Nach Hes 16:53-55 wird das Gefängnis dieses Sodom gänzlich gewendet.
Unser Text in Mt 25 spricht aber nicht einmal von dem letzten Gericht, sondern von dem Richteramt Jesu Christi bei Seiner Wiederkunft. Da wird dann über das Eingehen in den Äon des 1000-jährigen Reiches mit seinen Freuden und Segnungen, oder über das Ausgestoßensein während dieser Zeit entschieden, siehe Mt 25:31-34 u. 41.
Wieviel Erkenntnis über Gottes wunderbaren Liebesratschluss geht uns dadurch verloren, dass wir nicht auf dieses "ewig b i s" achten! Da lesen wir 5Mo 23:3: es soll kein Moabiter in die Gemeinde des Herrn kommen "ewiglich b i s in die 10. Generation". Als dann die 10 Generationen abgelaufen waren, war auch die bestimmte Ewigkeit um, und die Moabitin Ruth wird sogar gewürdigt, die Großmutter Davids zu sein und in dem Stammbaum des Menschensohns zu stehen Rt 4:14-17. Betrachten wir den Stammbaum des Herrn Jesu in Mt 1:1-5, so sind Boas und Ruth die 11. Generation des Gottesvolkes seit Abraham. Das Zeitalter des Fluches oder der "ewige Fluch" über Moab war abgelaufen. so geht es auch einmal mit der "ewigen Pein", denn das Letzte wird Herrlichkeit sein!
9. Die Gottlosen werden Ps 92:8 gemäß für immer und ewig vertilgt
Der Grundtext sagt ganz richtig: "für immer", das "und ewiglich" ist eine Zugabe Luthers. Dass es einmal keine Gottlosen (eigentlich Gesetzlosen) mehr geben wird, darüber wollen wir uns alle freuen. Das Gesetz zieht den Übertreter vor das Gericht (Spr 16:4). Da hört dann jede Gesetzesübertretung auf, von da an gibt es nur noch Verurteilte oder Begnadigte.
Die unerleuchtete Vernunft sieht den einzigen Weg, Gottlosigkeit und Sünde aus der Welt zu schaffen darin, dass alle der Vernichtung anheimfallen. Das aber wäre kein Weg, sondern ein Gewaltakt und damit eine Bankrotterklärung der Liebe, wie sie sich der Teufel nicht besser wünschen kann. Der Psalmsänger aber rühmt Gottes tiefe Gedanken, die nu r Toren nicht glauben und Narren nicht beachten, Ps 92:6.7. Alle diese Liebesgedanken Gottes sind in Christus zu finden, Er ist der WEG, die Wahrheit und das LEBEN, Joh 14:6.
Wie Gott mit aller Sünde und Gesetzlosigkeit fertig wird, sagt uns Gal 3:13 und 2Kor 5:21 sehr deutlich: "Christus hat uns erlöst von dem Fluch des Gesetzes, da ER unseretwegen zum Fluch wurde"; "denn Gott hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, auf dass wir Gottes Gerechtigkeit würden in Ihm". Ps 130:3.4 fragt und antwortet nun zugleich: "So der Herr Sünde zurechnen wollte, wer würde bestehen? Aber bei IHM ist die VERGEBUNG! Jesaja ergänzt sogar "viel Vergebung!" Das sind Seine Gedanken und Wege! Nicht die Sünder werden vertilgt, sondern die Sünde, denn wenn sie aufhört, dann gibt es auch keine Sündendiener mehr; ist die Gottlosigkeit selbst vernichtet, dann nehmen auch keine Gesetzlosen ein Ende. "Der Herr ist gut und fromm, darum unterweist Er die Sünder auf dem Wege", Ps 25:8. "Christus nimmt die Sünder an und isst mit ihnen", Lk 15:2. Welche unerforschlichen Wege Gottes! Da ist niemand, der Gott etwas zuvor gegeben hätte, wonach ihm die Errettung als Lohn zustände, Röm 11:33-35.
Wir sind als Sünder alle auf Gottes Liebesgabe und Gnade angewiesen. Diese Gnade verschmäht jetzt nur der, welcher von seiner Sündenschuld noch nicht überführt ist, weil er ja auch das Gesetz, durch das die Erkenntnis der Sünde kommt, ablehnt, und nach den Gelüsten seines bösen Herzens wandelt. Diesen Nachholunterricht werden aber einmal Gericht und Pein gründlich besorgen. Wie schmerzvoll werden diese Gerichte Gottes sein, aber auch wie heilsam. Man vergegenwärtige sich als Musterbild dafür doch einfach das Volk Israel. Wie viele Gesetzesübertreter und Sünder gibt es in diesem Volk, obwohl Gott sie vor allen Völkern auserwählte. Aber der schon zitierte Ps 130 sagt: "Israel hoffe auf den Herr! Denn bei IHM ist die GNADE und ERLÖSUNG und ER wird Israel aus allen seinen Sünden erlösen!" (Ps 130:7.8) Und die Weltvölker? Jesaja sagt: "Die Inseln werden auf Sein Gesetz warten" (Jes 42:4), das aber darf Matthäus übersetzen: "und die Nationen werden auf Seinen NAMEN hoffen!" Mt 12:21. Da ist also Hoffnung für alle, die nicht zuschanden werden lässt! Wohl haben alle gesündigt, Röm 5:12. ""Doch mit der GABE verhält sich's nicht wie mit der Sünde (paraptoma = Danebenwurf). So wegen der Sünde des Einen die Vielen gestorben sind, so ist noch viel mehr durch die GNADE des einen Menschen, Jesus Christus, Gottes Gnade und Gabe in den Vielen überfließend. Das Urteil kommt schon aus e i n e r Sünde zur Verdammnis; die Gabe aber hilft aus v i e l e n Sünden zur Gerechtigkeit. Wie es also durch e i n e Sünde für a l l e Menschen zur Verurteilung kam, ebenso ist auch durch e i n e Rechtstat für a l l e Menschen die Rechtfertigung zum Leben da", Röm 5:15-18.
10. Die Lästerung des Heiligen Geistes wird niemals vergeben, Mt 12:31
Das stimmt nicht ganz, denn wir haben nicht das Recht, jenes einfache auch hier gebrauchte "ouch" = n i c h t, zu einem unaufhörlichen "niemals" z u machen, das der Herr in Seiner Aussage absichtlich vermeidet. Aber vor allem sollten wir aufmerksam hinhören, was der Herr Jesus noch weiter zu diesem Fall sagt: Mt 12:32 führt nämlich näher aus, dass die Lästerung des Geistes "nicht vergeben wird in diesem noch in dem kommenden Äon (Einzahl). Das Wort Äon oder Weltzeit ist übrigens, wie wir uns erinnern, jenes Wort, das Luther so gerne mit Ewigkeit, hier aber sogar mit Welt übersetzt. Mit Bedacht spricht Christus gerade nur von zwei Äonen, nämlich diesem gegenwärtigen, und von dem nächsten, kommenden Äon, der die Vergebung noch ausschließen wird.
Die Zukunft besteht aber nicht. nur aus diesem einen kommenden Äon, in dem Gottes GERECHTIGKEIT sich offenbaren will (Ps 85:12-14; Ps 96:13) und dem darauffolgenden GERICHT (Offb 20:11f.), sondern Eph 2:7 weiß von einem überschwänglichen Reichtum Seiner GNADE durch GÜTE, die in den kommenden Äonen (Mehrzahl) in. Christo ebenso zur Schau stellt, wie zuvor an den Gefäßen des Zorns Seine Macht zur Schau gestellt wurde, Röm 9:22.23. Dann wandelt ER Fluch in Segen, 5Mo 23:5; Neh 13:2; Sach 8:13.
Den an der Lutherbibel Orientierten sei nur nebenher gesagt, dass in Eph 2:7 Luther das Wort Äonen wieder einmal nicht mit Ewigkeiten übersetzte (wovon ihn vielleicht die Mehrzahl abhielt), sondern es einfach mit Zeiten wiedergibt.
Die Lästerung wird also in dem nächsten Zeitalter, dem 1000-jährigen Reich, noch nicht erlassen, wohl aber wird diese schwere Sünde in dem dann folgenden Gerichtssäon zurechtgebracht. Äonisches Gericht in Hebr 6:4 übersetzt Luther allerdings wieder mit "ewigem Gericht.", woran wir sehen können, wie unkorrekte Übersetzungen viel zu den vorherrschenden Missverständnissen beitragen. Gelobt sei unser herrlicher Rettergott, dass nach den Gerichtszeiten Zeitalter der Gnade, Güte und Herrlichkeit folgen, in denen es weder Lästerung, noch Lästerer oder Verdammte, sondern nur noch wunderbar Begnadigte gibt.
11. Es unmöglich, die Abgefallenen wieder zur Buße zu bringen, Hebr 6:4-6
Der Hebräerbrief spricht hier von solchen, die einst das gütige Wort schmeckten, die dann aber "neben-fallen" (para-piptoo). Wenn es u n m ö g l i c h ist, sie zur Buße zu erneuern, was nützen dann alle Belehrungen und Gerichte? So deutlich, wie uns diese ernste Mahnung darüber belehrt, dass ein solcher Apostat von sich ausnicht mehr in der Lage ist, umzukehren, ebenso deutlich antwortet der Herr Jesus auf die Frage: "er kann dann selig (errettet) werden?" in Mt 19:26. "Bei den Menschen ist's u n m ö g l i c h, bei Gott aber ist alles möglich!" Siehe auch Jer 32:17. Weil bei IHM kein Wort kraftlos ist (Lk 1:37), so gilt auch hier Ps 145:14, "Der Herr erhält alle die da fallen".
Wie oft Gott das Menschenunmögliche dennoch möglich macht, weil es bei Ihm keine hoffnungslosen Fälle gibt, darüber noch zwei Schriftbeispiele:
In Jer 30:12f. lesen wir: "Denn so spricht der Herr: Deine Wunde ist u n h e i l b a r, tödlich ist dein Schlag, niemand führt deine Sache, für das Geschwür gibt es kein Heilmittel, da ist kein Pflaster für dich!" In Jer 30:17 aber spricht der Herr: "Doch ICH will dir einen Verband anlegen und dich von deinen Schlägen heilen, spricht der Herr, weil man dich eine Verstoßene nennt". Ebenso lesen wir im Galaterbrief (Gal 3:11): "Dass durch's Gesetz n i e m a n d gerecht wird vor Gott, ist offenbar"; Röm 8:3.4 jedoch ergänzt: "Was dem Gesetz u n m ö g l i c h war, weil es durch das Fleisch kraftlos ist, das tat Gott und sandte Seinen Sohn ... auf dass die Gerechtigkeit, vom Gesetz erfordert, in uns erfüllt würde."
So kann Gott auch "einen harten Knoten", wie Luther Hebr 6:4f nannte, Seinem Wohlgefallen gemäß lösen, denn Ihm ist nichts unmöglich oder zu schwer.
12. Von Judas heißt es: "besser nie geboren"! Mt 26:24
So heißt es tatsächlich nach Luther und anderen Übersetzern, aber nicht nach Christus. Wenn Luther den griechischen Ausdruck "kalos" mit"besser" wiedergibt, so meint das keineswegs, in der Zukunft ein besseres Los zu haben, sondern er wird von Personen und Sachen gebraucht, die hier in diesem Leben ihren Zweck in hervorragender Weise erfüllen und darum auch gefallen. Kalos hat also die Bedeutung von schön, angenehm, ausgezeichnet, köstlich, gut, tüchtig, trefflich, ehrenvoll und nach Luthers Übersetzung von Jak 2:3 sogar von bequem.
Nach dem Grundtext lauten die Worte: "Gott (schön oder ehrenvoll) wäre es ihm, wenn er n i c h t (wieder das ouch) geboren wäre, dieser Mensch". Durch die eigenartige Satzstellung erhebt sich die Frage, wem es gut, schön oder angenehm wäre, da das "ihm" sich sowohl auf unseren Herrn wie auch auf Judas beziehen könnte. Für den Herrn Jesus wäre ja der Weg ohne einen Judas sicher angenehmer, um nicht zu sagen "bequemer" gewesen, dann wäre es aber nicht zu der genau vorhergesagten Erlösung gekommen. Damit erkennen wir, dass von Judas gesagt ist, der durch seinen Eintritt in dieses Leben begonnene Lauf sei weder schön noch trefflich oder ehrenvoll.
Was das spätere Schicksal des Judas betrifft, sind nicht unsere Meinungen maßgebend, sondern nur, was uns die Schrift darüber sagt. Dabei ist bedeutungsvoll, dass Judas weder ausdrücklich von der Verheißung in Mt 19:28 ausgenommen wir, noch von der in Lk 22:28-30, was besonders die Zwölfzahl bestätigt; und das, obwohl der Herr doch im voraus von seinem Verrat wusste Joh 13:11. Wir wollen aber nicht verschweigen, dass auch für Judas, wie für jeden Sünder, der Weg zum Heil nur über die Buße führt, Mt 27:3-5.
13. Die Betonung des Allerbarmens Gottes hält Menschen von der Bekehrung ab und schwächt den Missionseifer
Für diese Behauptung ist nicht einmal ein falschverstandenes Bibelwort zu finden, denn die Schrift spricht entgegen solcher Befürchtung: "Wem viel vergeben wird, der liebt viel" (Lk 7:47). Wem Gott die Tiefen Seines herrlichen Wortes offenbart, in dessen Herz zieht ein Friede und eine Glückseligkeit, die nicht aufhören kann, gerade für die zu beten, die sich zwar "christlich" nennen, aber doch sehr unchristlich lehren und handeln. Paulus, dem der auferstandene und erhöhte Herr die Fülle Seiner Weisheit offenbarte, wurde dadurch nicht gleichgültig oder lässig, sondern im Gegenteil, er konnte sagen: "ich habe m e h r gearbeitet als sie alle" 1Kor 15:10. Wohlweislich aber fügt Paulus hinzu: "nicht aber ich, sondern Gottes Gnade, die in mir ist". Wäre es recht, der Gerichtsbotschaft (bei manchen sind es nur noch furchtbare Drohungen) mehr Durchschlagkraft zuzutrauen, als dieser rettenden Gnade?
14. Wenn alle selig würden, dann müsste auch der Teufel selig werden
Unsere eigenen Schlussfolgerungen vermögen dem Handeln Gottes nicht vorzugreifen, sondern bleiben immer Verirrungen. Selige Teufel gibt es ebensowenig wie selige Sünder, heilige Spötter, nüchterne Betrunkene oder reine Schmutzträger. Aber es gibt ein Freiwerden von Schmutz, Trunkenheit und Spott. Christus macht nicht Selig i n Schuld und Schande, sondern frei v o n jeder Sünde, Mt 1:21. Die Rettung geschieht durch reumütige Rückkehr zu Gott in der Anerkennung und Annahme Jesu Christi. Kann der Teufel seine Teufelei lassen, das meint, seine Feindschaft gegen Christus aufgeben? Wir könnten ebenso mit dem Propheten fragen: "Kann auch ein Mohr seine Haut wandeln oder ein Parder seine Flecken? Ebensowenig könnt ihr auch Gutes tun, die ihr des Bösen gewohnt seid" Jer 13:24. Nein, sie werden nicht anders und haben keine Gottesfurcht, wiewohl sie doch vor Gott zittern, Ps 55:20; Jak 2:19. Aber was sie nicht vermögen, das vermag Gott! "und der auf dem Stuhl saß, sprach: Siehe I C H mache a l l e s neu! Schreibe; denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiss!" Offb 21:5.
Gott Selbst ist es, der aller Feindschaft ein Ende macht; nicht durch Kerkermauern oder Grabsteine, sondern durch Seine Liebe, die alles überwindet. Wollen wir da noch fragen, ob Sein Licht auch die schwärzeste Finsternis zu durchdringen vermag, oder Seinem Liebeswirken eine Grenze setzen? Sein Wort zeigt uns mit Bestimmtheit, dass Gott Sich Seinen Triumph nicht nehmen lässt, sondern dass E r gerade die Starken zum Raube haben wird. Kol 2:15; Jes 53:12; vergl. auch 1Mo 41:44; Dan 4:34; 1Kor 2:8; 1Kor 15:55; Phil 2:12.
Die Schrift bezeugt: "Wenn ER (Gott) wiederum (oder zum zweitenmal) einführt den Erstgeborenen (Christus) in die Welt spricht ER: Und alle Engel Gottes sollen IHN anbeten!" Hebr 1:6. Dass Christus also einmal von allen Engeln angebetet wird, das ist Gottes unabänderlicher Befehl, und auf diesen kommt es an, nicht aber auf das, was Menschen dazu meinen. Das erstenmal versagte Luzifer dem Herrn Jesus die Anbetung, weil er selbst angebetet werden wollte; dadurch aber wurde er zum Gegner Gottes und Seines. Christus. Satan bedeutet auf deutsch "Feind"; aber aber Christus anbetet, ist von da ab nicht mehr sein Feind.
Weil Christus nach mehrmaligem Zeugnis der Bibel das volle und uneingeschränkte Wohlgefallen Gottes besitzt (Jes 42:1; Mt 3:17; Mt 17:5) bleibt es bei dem bereits zitierten Wort Salomos in Spr 16:7: "Wenn jemandes Wege dem Herrn wohlgefallen, so macht ER auch seine Feinde mit ihm zufrieden". Wir haben nicht das Recht, davon abzuweichen, am allerwenigsten aber, es bei Christus einzuschränken, sondern jedem Wort der Schrift Glauben schenkend, sollten wir darüber auch zur Anbetung gelangen. Selbst die Allaussöhnungsgegner können aufgrund von 1Kor 15:27 keinerlei Ausnahme machen, wir aber wollen es auch nicht, sondern singen dankbar mit Christus Blumhardt:
- Dass Jesus siegt, bleibt ewig ausgemacht,
- Sein wird die ganze Welt.
- Denn alles ist nach Seine Todes Nacht
- In Seine Hand gestellt.
- Nachdem am Kreuz Er ausgerungen
- Hat Er zum Thron sich aufgeschwungen.
- Ja, Jesus siegt!
- Ja Jesus siegt! Wir glauben es gewiss,
- Und glaubend kämpfen wir.
- Wie Du uns führst durch alle Finsternis,
- Wir folgen, Jesus Dir.
- Denn alles muss vor Dir sich beugen,
- Bis auch der letzte Feind wird schweigen.
- Ja, Jesus siegt!
Lies weiter:
IV. Die Verkündigung der Versöhnung (F. H.Baader)
