Christi Größe und Selbsterniedrigung
"Der Glaube Jesu Christi" Band 1+2
aus der Reihe „Christi unausspürbarer Reichtum“
von M. Jaegle 1981
Abschrift mit freundlicher Genehmigung von Gerhard Groß, Balingen
Als Schrift noch erhältlich
siehe weitere Abschriften
Inhaltsverzeichnis
Der Glaube Jesu Christi
Band II
5. Christi Größe und Selbsterniedrigung
Christi schwerste Glaubensprüfung
Nach all den Glaubenskämpfen, die der Her während seines Dienstes zu bestehen hatte - und diese auch siegreich bestand -, sehen wir Ihn jetzt vor seine allerschwerste Aufgabe gestellt. Das waren die sechs Stunden am Fluchholz, während derer Er, der Lebensfürst, der schrecklichen Vollmacht der Finsternis preisgegeben war, und dabei unter fortwährendem Hohn und Spott und den qualvollsten Leiden Seinen Tod vor Augen sah.
Wiederholt hatte Er den Jüngern Seinen schweren Opfergang ans Kreuz angekündigt. Nun aber stand Er unmittelbar vor diesem furchtbaren Ereignis. Zum vollen Verständnis dessen, was nun dort, am Kreuz, tatsächlich geschah, müssen wir den Gekreuzigten Selbst in Seiner aller übersteigenden Herrlichkeit und Stellung vor dem Dasein der Welt (Joh 17:5) genügend kennenlernen. Wie unfassbar groß wird Er uns darin von der biblischen Offenbarung enthüllt.
Christi vorweltliche Herrlichkeit
Christus ist das Bild des unsichtbaren Gottes - denn Gott ist Geist (Joh 4:24) - und der Erstgeborene einer jeden Schöpfung gemäß Kol 1:15 und 2Kor 4:4. In Offb 3:14b wird Er sogar "der Ursprung der Schöpfung Gottes" genannt, und weiter nennt Ihn Johannes in derselben Rolle "den Ursprung und die Vollendung" (Joh 21:6; Joh 22:13). Doch Seine höchste Kundgebung wird uns, da Er in der Gestalt Gottes das Dasein gehabt (Phil 2:6)! Damit ersteht der Sohn Gottes in unfassbarer Größe vor uns als die sichtbare Darstellung der Gottheit und die Ausstrahlung seiner Herrlichkeit und das Gepräge Seines Wesens (Hebr 1:3).
Als der Herr in der Gestalt Gottes das Dasein gehabt, war es Seine Ihm zukommende Ehre, ebenso wie Gott zu sein. Das bringt Gott damit zum Ausdruck, dass Er Ihn (den Sohn) mit Seinem eigenen hohen Titel "Gott" anredet. So sagt Er betreffs Seines Sohnes in Hebr 1:8: (... Dein Thron, o Gott, ist für den Äon des Äons." Doch Sein Wort enthüllt uns noch mehr von des Sohnes vorweltlicher Glorie. So hat Gott Seinem Sohn einen überaus großen Dienst übertragen: Die Erschaffung der gesamten Schöpfung. In Joh 1:1-3, wo Er bildlich das Wort Gottes genannt wird, wird Er uns als der Schöpfer des Universums vorgestellt: "Alles ward durch dasselbe, und ohne dasselbe ward auch nicht eines, das geworden ist." Gott erweiterte diese Offenbarung über Seinen Sohn durch den Apostel Paulus. Dieser sagt in Kol 1:16 sogar: "Denn in Ihm (dem Sohne) ist erschaffen das All..." Darauf wird das Universum in seinen großen Teilen aufgezählt: "...das in den Himmeln (alle himmlischen Wesen) und das auf der Erde (alle irdischen Wesen), das Sichtbare und das Unsichtbare, es seien Throne oder Herrschaften oder Fürstlichkeiten oder Obrigkeiten, das All ist durch Ihn und zu Ihm hin erschaffen, und Er ist vor allem, und das all besteht zusammen in Ihm. "Der Grund also, in den das All eingesenkt ist und seinen Bestand und Zusammenhang hat, ist Christus!
Was die Erschaffung all dessen für ein unbegreiflich großes Werk ist, erahnen wir an der Größe des Universums. Unsere Milchstraße , die wir in klaren Nächten am Himmel sehen, besteht aus ungefähr 1000 Milliarden Sternen. Es gibt jedoch weitere solcher Milchstraßen, die ungefähr ebenso groß sind wie die unsrige. Man rechnet mit rund zwei Milliarden solcher Systeme. Da hört das Begreifen auf ob solch unvorstellbaren Größen des Universums!
Alsdann kommt zu dieser materiellen Schöpfung n och das unzählbare Heer der in den Himmeln lebenden, auch durch den Sohn erschaffenen Geschöpfe hinzu. Von ihrer Zahl vermögen wir uns nur eine begrenzte Vorstellung zu machen. Andeutungsweise sagt der Prophet Daniel (Dan 7:10): tausend Tausende (1 Million) dienten dem auf dem Throne Sitzenden und zehntausend Zehntausende (100 Millionen) standen vor Ihm. Wenn schon die beim Thron versammelten himmlischen Wesen in solcher Zahl benannt werden, wie unfassbar groß ist dann das gesamte Heer der unergründlichen Himmelswelt!
Mit dieser Offenbarung wird uns die unauslotbare Tiefe und Erhabenheit des Universums so recht vor Augen gestellt. Dennoch beinhaltet die Erschaffung dieses unfasslichen Weltalls doch nicht alles.
Weiterhin muss es in seinen Bewegungen geplant und gelenkt werden. Aber auch diese alles menschliche verstehen übersteigende Aufgabe hat Gott Seinem Sohn übertragen. Gemäß Eph 1:11b bewirkt Gott durch Seinen Sohn auch den Gang des Alls!
Christi Selbsterniedrigung
Doch noch etwas Größeres als alles bis dahin gesagte geschah! Obwohl Er der Sohn Gottes ist, stieg Er aus Seiner überhimmlischen Hoheit und unvergleichlichen Glorie vor ungefähr zweitausend Jahren in die tiefsten Tiefen hinab. Er wurde Mensch und wie jedes andere neugeborene Kindlein in Windeln gewickelt und in eine Krippe gelegt, denn schon bei Seiner Geburt hatte man keinen Platzt für Ihn. So konnte Er Später sagen: "Die Schakale haben Baue und die Flügler des Himmels ihren Unterschlupf, der Sohn des Menschen aber hat nicht, wo Er das Haupt hinlege" (Mt 8:20). Ja Er, der in der Gestalt Gottes das Dasein seit unermesslichen Vorzeiten gehabt hatte, wird hier ein armes hilfsbedürftiges Menschlein, das nun sogar freiwillig die Gestalt eines rechtlosen Sklaven (Phil 2:7) annimmt! Der Kontrast, der uns hierin begegnet, übersteigt jedes menschliche Fassungsvermögen. Da kommen wir nicht mehr mit. Unsere Vorstellungskraft vermag solches nicht zu fassen. Aber noch eine andere gewaltige Veränderung trat in Jesu irdischem Leben ein; nun ging es bei Ihm vom Schauen. zum Glauben über. Droben lebte Er im Schauen. Vor allem sah Er nach Joh 1:18 den Vater, den niemand je gesehen hatte. Und die unzählbaren Scharen himmlischer Wesen, die Ihm dienten, hatte Er stets vor Augen.
Aber auf Erden fand für Ihn auf diesem Gebiet eine grundsätzliche Veränderung statt. Jetzt war Er fast ausschließlich auf den Glaubenspfad. gestellt. Anstelle von Myriaden von Engeln, die Ihm dienten, waren es auf Erden nur einige wenige unvollkommene, sterbliche Menschen, zu denen auch Seine zwölf Jünger zählten. Zwar wusste Er, dass Ihm einst droben jene große Heerschar wieder, und noch hingebender in Anbetung, zu Diensten stehen würde (Phil 2:10; Offb 5:11.13). Doch in Seinem Erdenwandel besaß Er Demütigungen und Anfeindungen von Menschen, auch durch das Unverständnis der Jünger und sein für Sterben am Kreuz, musste Er einen starken Glauben haben. Hierin war Er solche ein Glaubender, wie es zuvor und nach Ihm keinen mehr gegeben hat. Wenn wir nicht um den weiteren Fortgang Seiner Lebensgeschichte wüssten, so würden wir des Sohnes Menschwerdung als die letzte und tiefste Stufe betrachten. Aber Sein Abstieg führte nach Seine sVaters Willen noch tiefer.
Eine weitere Stufe Seiner Selbstentäußerung offenbart und der Apostel Paulus in Phil 2:8: "...und (Er) ward gehorsam bis zum Tod ...". Ist es nicht unerhört, dass der Sohn Gottes zum freiwilligen Sterben auf die Erde kam, wenn wir bedenken, dass Er als der. unsterbliche Gottessohn ins Grab sinken musste. Hierfür musste Er Sich ja sogar unserer menschlichen Sterblichkeit öffnen! Welch ein Abstieg für den Gottessohn!
Und nun macht uns Gottes Wort noch die allertiefste und grauenvollste Erniedrigung kund, in die der Herr und Erschaffer des Alls eingewilligt hatte, indem Er gehorsam ward bis "zum Tode des Kreuzes"! Dass der Sohn Gottes überhaupt wie ein gewöhnlich Sterblicher starb, das ist doch aufs schmerzlichste erschütternd, wenn man es vor allem so recht in seiner ganzen, grausigen Tiefe bedenkt! Kein Nachkomme Adams vermag dies ganz zu erfassen!
Der Mord der Geschöpfe an ihrem Schöpfer
Durch wen und an wem ist nun dies alles geschehen? Der Prophet Jesaja gibt uns die Antwort, wenn er sagt, dass Al (Gott), Jewe Aloheim, den Völkern auf der Erde den Odem gibt und geist denen, die auf ihr wandeln (Jes 42:5); und: "Ich habe die Erde gemacht und die Menschen darauf erschaffen" (Jes 45:12), "alle Atemholenden hab Ich gemacht" (Jes 57:16). Auch Paulus bezeugte den Athenern (Apg 17:25), dass Gott allen Menschen Leben und Odem gibt. Dies alles hat Gott durch Christus vollbracht.
Demzufolge ergibt sich aufgrund dieser Gottesworte das schauerliche Bild: Die Geschöpfe bringen ihrem Schöpfer und Erhalter auf die gräulichste Weise ums Leben! Die gemeinste Mordtat begehen diese Menschen, ohne sich Rechenschaft zu geben, dass sie ganz in Gottes Hand sind, so wie geschrieben steht: "Wenn Er Sein Herz nur auf Sich Selbst richtete, Seinen Geist und Seinen Odem an Sich zurückzöge, so würde alles Fleisch insgesamt verscheiden, und der Mensch. zum Erdreich zurückkehren." (Hi 34:14-15).
Welche Glaubensprüfung bedeutete das für den Herrn, von Seinen von Ihm geformten und von Ihm geliebten Geschöpfen verworfen und durch deren Hände erwürgt zu werden (Apg 2:23). An Ihm wurde die scheußlichste Verbrechertat begangen, die je auf Erden geschah. Seine Hinrichtung war der größte Justizmord aller Zeiten und Seine Kreuzigung die böseste alle bösen Taten!
Hier sollte man nun meinen, dass Sich Gott für Seinen also behandelten Sohn einsetzen und dazwischentreten würde. O nein, im Gegenteil! Er gibt Ihn dahin! anstatt die Mörder Seines Sohnes im Nu in den Tod zu geben, lässt Er sie Seinen Einziggezeugten kreuzigen, damit alle, auch sie, das wahre Leben erlangen sollten. - Doch geht es nun nicht an, ohne weiteres von der Kreuzigung sofort bis zur herrlichen Vollendung zu eilen. Zuerst müssen die durch die ungerechte Mordtat ausgelösten, schweren Gerichte stark betont werden!
Christi Kreuzestod war ja zur Aussöhnung des Alls geschehen. So erweist sich diese Tat als ein von Gottes Weisheit und Besonnenheit erwähltes Mittel in Seinem Heilsvorsatz. Die war jedoch noch nicht das Höchste. Der himmlische Vater hatten Seinem Sohn am Kreuz noch einen alles überragenden Auftrag gegeben. Der Herr musste während des ganzen Kreuzesgeschehens mit seinem unerschütterten Glauben die allumfassende Tatsache offenbaren:
Das All ist aus Gott
Während diese gewaltige Wahrheit allgemein erkannt wird, wird ihr andererseits mit einem enorm starken Bollwerk des Irrtums widerstanden. Dabei geht es um Ursprung und Herkunft des Bösen in Verbindung mit Satan als Verkörperung des Bösen. Die Offenbarung: "Das All ist aus Gott" (Röm 11:36), setzt aber voraus, dass absolut nichts außerhalb Gottes Vorsatz entstanden und geworden ist - auch nicht das geringste, geschweige denn etwas so Großes und Ausschlaggebendes wie das Dasein Satans und des Bösen! Gerade darum geht es aber hier bei der weit verbreiteten Lehre: Ein Engelfürst soll sich aus eigener Initiative aus Gottes Ordnung losgelöst und außerhalb Gottes Vorsatwz gestellt haben. In der Folge habe er ein eigenes Werk begonnen, das in der Bekäümpfung jeder göttlichen Wirksamkeit besteht. Mit einem solchen Grundsatz macht aber dieses Dogma einen gewaltigen Abstrich an der Offenbarung: Das All ist aus Gott. Dies geschieht dadurch, dass es lehrt: Die heute immer noch große Macht Satans und des Bösen wären nicht aus Gott!
Wenn wir die Wahrheit hervorheben: Das All ist aus Gott, so sagen wir aber keineswegs, dass das Böse und Üble, wie es in der Welt war und noch ist, dergestalt aus Gott sei. Wir vertreten lediglich den Standpunkt, dass Gott Sich vorgenommen hat, für eine gewisse Periode einen Widerwirker zu schaffen und Sich diesen für einen ganz. hohen Heilszweck in Seinen Dienst zu nehmen. Im Blick auf die unüberschaubar lange Dauer Seines Liebesplanes ist dem Bösen und der Wirksamkeit Satans innerhalb der äonischen Zeiten, im Vergleich zur unbegrenzten Ewigkeit, nur eine kurze Frist gegeben. Das Ziel, das Gott damit verfolgt, ist, den der Schöpfung zuvor ersehen Segen um ein Vielfaches zu vermehren. Und dieses hehre Endziel zum überaus vermehrten Wohle aller Seiner Geschöpfe rechtfertigt Gott vor dem gesamten All für das vorübergehende Dasein des Bösen.
Satans Geschichte
Schriftzeugnisse über Satans Anfang
Das wir die Wahrheiten dieses Abschnittes schon in früheren Schriften niederlegen, möchten wir die vorliegende mit den Worten einleiten, die Paulus an die Philipper richtete (Phil 3:1[[): "Euch dasselbe zu schreiben ist mir z war nicht verdrießlich, euch aber ist es etwas Gewisses." Diesen nun folgenden Zeugnissen der Schrift über Satan steht nämlich eines der gewaltigsten Bollwerke des Irrtums entgegen, und zwar das des "gefallenen Engelfürsten"! Dieses Bollwerk steht schon jahrhundertlang und wird immer noch mit Auslegungen verteidigt und damit die Wahrheit über Satan bekämpft. Dieser Sachlage entsprechend muss auch die Wahrheit der biblischen Aussagen immer wieder als mächtige geistliche und göttliche Waffe zum Einreißen dieses Bollwerkes eingesetzt werden
Ehe wir darlegen, auf welchem Wege der vermeintliche "Fall Satans" in die Christenheit eindringen konnte, wollen wir die Zeugnisse der Schrift über den wahren Anfang dieses Geisteswesens hören, d.h. erfahren, wie er von seinem Anfang an war. Die grundlegende Offenbarung über Satan und sein Werden ist das schon zitierte Gotteswort von Röm 11:33-36: "O Tiefe des Reichtums, sowohl der Weisheit als auch der Erkenntnis Gottes! Wie unausforschlich sind Seine Urteile und unausspürbar Seine Wege! Denn wer erkannte den Sinn des Herrn, oder wer ward Sein Ratgeber? Oder wer gibt Ihm etwas zuerst, und es wird ihm vergolten werden? Denn aus Ihm und durch Ihn und zu Ihm ist das All. Ihm sie die Herrlichkeit für die Äonen! Amen!" !Kor 8:6 bezeugt dieselbe Tatsache.
Gott belässt es aber nicht bei diesen grundsätzlichen Aussagen. Er gibt überdies in wenigen Worten den umnfassendsten Kommentar über das Werden Satans. So überliefert der Apostel Johannes die vom Herrn selbst gesprochenen Worte in Bezug auf den Widerwirker: "Derselbige war ein Menschentöter von Anfang an und hat nicht gestanden in der Wahrheit, denn Wahrheit ist nicht in ihm" (Joh 8:44).
MIt diesem zweideutigen Ausspruch beschreibt der Herr das Wesen und Sein Satans, wie es von Anfang an war. Alsdann ergänzt Johannes diese Aussage mit der Offenbarung, was Satan demzufolge von Urbeginn her tat: "... Denn von Anfang an sündigt der Widerwirker" (1Jo 3:8). Deutlicher und einfacher könnte uns Gott den Anfang und das Tun Satans nicht beschreiben. bei diesen inspirierten Aussagen ist auch zu beachten, mit welchen Namen dieses Geisteswesens von seinem Urbeginn an genannt wird. Nicht wird es mit einem hehren Engelsnamen angeredet, sondern ausdrücklich mit Widerwirker. denn von Anfang an war er ein Gott Entgegenwirker, weil er von Ihm
Als Widerwirker erschaffen
wurde. Dafür gibt es noch eine weitere Enthüllung in Gottes Wort. Es ist überraschend, wo sie zu finden ist: Im Buch Hiob (Hi 26:13b). Sie lautet, mit dem Grundtext übereinstimmende übersetzt: "Wehen litt seine (Gottes) Hand mit (oder: um) der flüchtigen Schlange." Wer diese flüchtige Schlange ist erfahren wir aus 1Mo 3:15; Jes 27:1; Offb 12:9; Offb 20:2. Satans Erschaffung ist ausführlich erläutert in unserem Heft 1: "Satans Ursprung, Werke und Ziel" Dieser Inhalt bezieht sich auf die tiefgründige Schrift "Das Böse, Ursprung, Zweck und Ziel" von A.E. Knoch (zu beziehen bei : Konkordanter Verlag). Der Drache oder die Schlange von der Hiob redet, ist niemand anders als Satan, der Widerwirker. Diese wenigen Worte geben uns Einblick in sein Werden. Wehen leiden bedeutet: etwas unter Schmerzen ins Dasein bringen oder unter Leiden ins Leben rufen. Tatsächlich hat Gott als erster bei der Erschaffung dieses Geisteswesens gelitten!
Bei Hiob wird wieder ein Name genannt, den Gott ihm gleich bei dessen Erschaffung beigelegt hat: "Schlange". So wird uns mit dem, was Joh 8:44; 1Jo 3:8 und Hi 26:13b über Satan offenbart wurde, auch gleich gesagt, mit welchen Namen dieses Wesen bei seiner Erschaffung in das göttliche Geburtsregister eingetragen wurde: Widerwirker und Schlange.
Mit diesen göttlichen Enthüllungen über Satans Anfang sind wir nun mit der rechten Erkenntnis gewappnet, um die Lehre prüfen zu können, die besagt, Satan wäre von Gott als makelloses Geisteswesen erschaffen worden, habe sich aber durch Ungehorsam und Hochmut selbstständig zu einem Widerwirker und Feind Gottes erhoben.
Eine unhaltbare Lehre
Treten wir zur Prüfung an diese Lehre heran, so verlangen wir als erstes, dass auch sie sich in ihrer Beweisführung direkt auf klare, unzweideutige Schriftzeugnisse über die Erschaffung Satans - gleich den erwähnten göttlichen Aussprüchen - abstützt. Aber schon bei dieser ersten Forderung wird ihre Haltlosigkeit offenbar. In Ermangelung eines unmittelbar zur Sache gegebenen biblischen Hinweises griff man zur Beweisführung der aufgestellten Lehre zu scheinbaren Mittelspersonen als Vorbilder für Satan. In Sonderheit will man mit zwei infolge ihres Hochmuts und ihrer Überheblichkeit gestürzten Königen, dem von Tyrus (Hes 28) und dem von Babel (Jes 14), den sogenannten Fall Satans begründen. Demnach - so wird gefolgert - wäre der Widerwirker ohne fehl von Gott erschaffen und als Engelfürst in hohe Würden eingesetzt worden. dAraufhin wäre Satan, gleich wie die beiden Könige, stolz geworden und hätte sich in seiner Überheblichkeit als Widerwirker gegen Seinen Schöpfer erhoben.
Die zur Beweisführung dieser Lehre herangeholten Argumente sind einige Aussprüche, welche in Gottes Wort über den König von Tyrus gemacht werden. So muss ihm der Gottesmann im Namen Jewes vorhalten: "Weil dein Herz sich erhebt und du sprichst: 'Ich bin ein Gott, ich sitze auf einem Gottessitze im Herzen der Meere!' (da du doch ein Mensch bist und nicht Gott) und hegst einen Sinn, wie eines Gottes Sinn" (Hes 28:2). Weiter muss der Abschnitt der Verse Hes 28:11-17 zur Begründung dieser Lehre dienen. Im Titel "schirmender Cherub" (Hes 28:14.16) sieht man einen Decknamen für Satan. Und wenn vorher (Hes 28:15) heißt, dass er vollkommen war, bis Unrecht an ihm gefunden wurde, so glaubt man, darin einen Beweis für Satans vormalige Vollkommenheit und seinen späteren Fall zu haben.
Ähnlich verhält es sich mit der über den König von Babel (Jes 14) gegebenen Deutung. Wie vermessen er sich überhob, lesen wir in Jes 14:13: "Aber du (König von Babel), du sagtest in deinem Herzen: 'Zu den Himmeln steige ich auf! Oben über die Sterne Als'Äs erhöhe ich meinen Thron!' Und Jes 14:14: "Sitzen will ich auf dem Berge der Zusammenkunft im äußersten Norden. Aufsteigen will ich zu den Weihehöhen des Gewölbes und mich gleichmachen dem Höchsten!" Aufgrund er zuvor in Jes 14:12 gemachten Feststellung: "Wie bist du gefallen vom Himmel! Heule, du Sohn des Frührots!" werden diese Aussagen sowohl mit Satans angeblich früheren hohen Stellung als auch mit seinem darauf folgenden Fall in Zusammenhang gebracht. damit haben wir kurz die Hauptstützen dieser Lehre skizziert.
Prüfung und Beurteilung
Wenn wir diese Art von Schriftauslegung aufrichtig prüfen, kommen wir zum Urteil, dass dies ein Überstrecken von Symbolen und Gleichnissen ist.
Gottes Wort beschreibe das Leben und Regieren dieser beiden genannten Könige nach orientalischer Art in lebhafter Bildersprache. Tatsächlich sind diese Machthaber in ihrem vermessenen Stolz Vorbilder eines in diesem sie noch Übertreffenden: dem Menschen der Gesetzlosigkeit, dem kommenden Antichristen, der sich überheben wird über alles, was Gott benannt wird (2Thes 2:4). Ja, auf diese abstoßend hochmütigen Regenten passt dasselbe Wort, das der Herr den stolzen und selbstbewussten Juden entgegenhielt. "... die Begierden eures Vaters (des Widerwirkers) wollt ihr tun" (Joh 8:44). Und in der Tat, die große Begierde Satans ist: sich selbst. zu erhöhen. Deshalb sind alle "Sich-Seilbst-Erhöhenden" Symbole und Schattenbilder des Widerwirders. Er hat die schroff gegensätzliche Gesinnung Christi; denn er ist stets bestrebt, sich größer zu machen als er ist, während Christus Sich Selbst erniedrigt.
In diesem Sinne kennen wir noch andere Menschen, die Satan in seinem Größenwahn und Großtun abschatten. So Sanherib, der assyrische Könige, der ein solcher Großsprecher und Ichmensch war (Jes 37:24.25). Ebenfalls sagte jener Simon (Apg 8:9) von sich, dass er ein Großer sei. Diesem gleich ist weitere Diotrephes (3Jo 1:9), der gern der erste sein möchte.
Oder wenn Daniel (Dan 2:37) den König von Babel mit König der Könige, als dem Titel Christi (1Tim 6:15) anredet und zu ihm sagt (Dan 4:22), seine Größe reiche bis an den Himmel, so ist damit die Regentschaft dieser Könige einfach mit eindrucksvollen Bildern beschrieben, aus denen aber niemals eine Lehre hergeleitet werden darf, noch viel weniger eine Offenbarung, die sich sonst nirgends in der Schrift findet.
Gleich den übrigen bringen auch der König von Tyrus und der von Babel Satans überhebliche, eigensinnige Art zum Ausdruck. Aber darüber haus zu folgern: Satan hätte sich aus eigenem Vermögen zu einem solchen gemacht - das geht zu weit. Mit dieser Lehre schießt man weit über das Ziel hinaus. Ein solches Umgehen mit Symbolen und Gleichnissen öffnet Fehlauslegungen Tür und Tor. Würde tatsächlich die Lehre vom gefallenen Engelfürsten stimmen, dann hätte Gott uns diesen katastrophalen Einbruch in Seinem Heilsvorsatz mit klaren und deutlichen Aussagen offenbart. Niemals würde Er ein solch gewaltiges Geschehen nur in Gleichnisbilder eingehüllt haben, bei welchen hinter großen, stolzen Persönlichkeiten ein gefallener Engelfürst zu suchen und zu finden wäre.
Gott, der allmächtige Gebieter
Die U n m ö g l i c h k e i t der eigenwilligen Selbsterhöhung eines himmlischen Fürsten gegen Gott und der Einführung der Sünde gegen Gottes Willen bezeugt auch der Prophet Jeremia in seinen Klagelidern (Kla 3:37.38). Dort schreibt er: "Wer ist, der da sprach, und es geschah, ohne dass der Herr es geboten? Das Böse und das Gute, geht es nicht aus dem Munde des Höchsten hervor?"
Mit dieser zweiteiligen zweiteiligen Aussage bezeugt Jeremia die große, unumstößliche Wahrheit, dass im gesamten All auch gar nichts geschehen kann, das nicht zuvor der Herr geboten hätte. Menschen und himmlische Mächtekönnen lange davon reden, was nach ihrem Willen geschehen sollte, aber ohne des Herrn Gebot geschieht nicht das Geringste davon, ihr Wort bleibt kraft- und wirkungslos. Es gibt genug Beispiele, die zeigen, wie Gott solches Vornehmen der Geschöpfe zunichte macht. Man lese. davon nur einiges: Jes 7:5-7; Jes 8:10; Jes 28:18; Jes 54:7 u.a.
Die Handlungsweise Gottes entlarvt vor allem die Lehre vom angeblich gefallenen Engelfürsten als Irrtum. Wenn ein solch hochgestelltes Geistwesen aus sich selbst den Gedanken hätte fassen können, sich gegen den Allerhöchsten zu erheben und Feindschaft gegen seinen alleinigen Gebieter unter die Geschöpfe zu bringen, so wäre die Ausführung dieses bösen Gedankens und Vorhabens - ohne Gottes Auftrag - unmöglich gewesen.
Böses aus Gottes Hand
Wohl benötigt Gott in Seinem Heilsvorsatz auch ein Geschöpf zum Widerwirken und zum Widerstehen. Über dessen Entstehen gibt uns die Frage des Propheten in Kla 3:38 Aufschluss: "Das Böse und das Gute, geht es nicht aus dem Munde des Höchsten hervor?" Mit der Frageform soll nur um so eindrücklicher gesagt werden, dass neben dem Guten auch das Böse aus Gottes Mund kommt. Als durch Sein alles bewirkendes Schöpferwort der Widerwirker geschaffen wurde, gig tatsächlich Böses aus Seinem Mund hervor.
Satan mag sich hernach eingebildet haben, dass er den Drang zum Widerstehen in sich selbst gefasst habe und sich somit die Rolle des Widerwirkers aneignete. Aber die Wahrheit holt ihn von seiner angemaßten Höhe herunter und macht ihn als Geschöpf offenbar, das wie jedes andere dem alleinigen Verfüger und Gebieter unterstellt ist. Da gemäß 1Tim 4:1 Dämonen falsche Lehren in die Herausgerufene hinein schmuggeln, die den Glauben an Gottes untrügliche Aussagen verderben, so ist unter diesen bestimmt auch die Lehre von einem gefallenen und sich selbst erhöhenden Engelfürsten zu finden. Wenn sich nun diese Dämonen rühmen könne, diese Lehre bis zu einem festen Bestandteil des christlichen Dogmas erhoben zu haben, so nützt dies alles nichts, denn es steht der Wahrheit entgegen, wonach nur geschieht, was Gott durch Sein Allmachtswort gesprochen und geboten hat.
Satans falsche Namen und Titel
Durch falsches Übersetzen von Bibelstellen wurden Satan auch noch falsche Namen und Titel beigelegt. Vergleichen wir zwei diesbezügliche Aussagen mit der wortgetreuen Konkordanten Übersetzung:
- 'Elberfelder: "Wie bist du vom Himmel gefallen, du Glanzstern, Sohn der Morgenröte!" (Jes 14:12).
- Miniatur: "Wie bist du vom Himmel herabgefallen du Morgenstern!"
- Konkordante: Wie bist du gefallen vom Himmel! ‘‘‘Heule, du Sohn des Frührots!"
Hier liegt ein starker Übersetszungsfehler vor, denn das Wort "heule", wie es im Grundtext steht, ist in "Glanzstern" und "Morgenstern" umgewandelt worden. Dasselbe Wort findet sich auch noch im Jes 14:31. Merkwürdigerweise wird es da von beiden erwähnten Übersetzungen richtig mit "heule" wiedergegeben! Warum geschah dies nicht auch in Jes 14:12? Ganz offensichtlich waren die Übersetzer vom falschen Dogma über Satans Erschaffung und Charakter beeinflusst und haben dementsprechend auch die fragliche Stelle falsch übersetzt, um die irrige Auffassung stützen zu können.
In manchen Bibelausgaben findet sich für "Morgenstern" der lateinische Name "Luzifer" welcher verdolmetscht "Lichtbringer" heißt. Mit dieser falschen Übersetzung wird Stan, der sonst die Finsternis verkörpert, zum Licht-. und Lebensbringer gestempelt, denn Licht und Leben stehen in einem Nahzusammenhang. Diese drei Namen: Glanzstern, Morgenstern und Luzifer (= Lichtbringer), werden heran geholt, um einen sogenannten Fall Satans zu beweisen. Eine Lehre, die mit solchen Mitteln gestützt und "bewiesen" werden muss, stellt sich selber als Irrtum bloß.
"Bestanden" oder "gestanden"?
Noch aus einem anderen unrichtig übersetzten Gotteswort will man den "Fall" Satans herleiten. Bei diesem Unternehmen geht es nur um einen einzigen Buchstaben. Wir lesen in Joh 8:44 vom Widerwirker, dem Menschentöter von Anfang an: "... und hat nicht gestanden in der Wahrheit, denn Wahrheit ist nicht in ihm." Damit ist unverkennbar gesagt, dass der Widerwirker nie in der Wahrheit stand, weil noch nie Wahrheit in ihm war. Deswegen wird er auch der Vater der Lüge genannt.
Da man den Widerspruch in der Auslegung zur bezeugten Tatsache: ""Denn Wahrheit ist nicht in ihm", wie er sich aufgrund der wörtlichen Wiedergabe ergibt, wohl erkannte, und deshalb ein Fall Satans nicht beweisen werden kann, so wurde das "g" mit einem "b" vertauscht. Daher lesen wir in den üblichen Bibelausgaben: "... und ist in der Wahrheit nicht bestanden." Diese Wort lässt sich, weil es für das Nicht-bestehen einer Prüfung gebraucht wird, auf Satan bezogen, so auslegen: dieser war einmal in der Wahrheit gestanden. Als er dann erprobt wurde - wovon die Schrift allerdings nichts weiß-, hat er die Prüfung nicht bestanden. Anstatt ein im gehorsam stehenden Engelfürst zu bleiben, entschied er sich für Betruf und Lüge und machte sich eigenmächtig zum "Fürsten des Vollmachtsgebietes der Luft" (Eph 2:2). Wir sehen, wo diese Lehre in das Licht der Heiligen Schrift gestellt wird, da fallen ihre Argumente in Nichts zusammen.
Ein weiteres Zeugnis für die Wahrheit enthält auch die Revidierte Elberfelder Übersetzung (Ausgabe 1975). Entgegen früheren Ausgaben wird die erörterte Stelle wie folgt wiedergegeben: "Jener war ein Menschentöter von Anfang an und stand nicht in der Wahrheit, weil keine Wahrheit in ihm ist."
Ein aufklärender Vergleich
Wenn wir das Dogma der Christenheit mit Jesu untrüglichem Zeugnis über die Entstehung und das Wesen des Widerwikers von Anfang an vergleichen, dann wird offenbar, dass diese gar nicht in Betracht gezogen wird. Aus des Herrn Aussagen ist nicht das Geringste zu entnehmen, wonach der Widerwirker ein gefallener Engelfürst wäre. Seine Worte besagen vielmehr das Gegenteil.
Das Schlimmste an dieser Lehre ist: sie korrigiert den Herrn! Er sagt: "Der Widerwirker war ein Menschentöter von Anfang an und hat nicht in der Wahrheit gestanden, weil keine Wahrheit in ihm ist." Das falsche Dogma sagt: Nein, von Anfang an war er ein Engelfürst der in der Wahrheit gestanden, dann aber die Prüfung nicht bestanden hat. Damit wird der Herr des Irrtums bezichtigt, denn die Verteidiger dieser Lehr verkehren Christi Aussage über den Widerwirker und auch die des Apostel Johannes (1Jo 3:8) ins Gegenteil. Daran kann nur einer Interesse haben - der Widerwirker selbst!
Göttliche Bevollmächtigungen
Ein gewichtiger Zeuge
Zur Beantwortung der wichtigen Frage, ob eine ehemaliger Botenfürst sich dermaßen gegen Gott zu erheben vermochte und es überdies verstand, sich eine derart gewaltige Vollmacht anzueignen, dafür lässt die Bibel einen wichtigen Zeugen für die Unmöglichkeit solchen Handelns sprechen. Danach vermag ein Geschöpf Gottes im Alleingang gar nichts zu tun. Der Kronzeuge für diese Tatsache ist niemand anders als Satan selbst. Er machte dieses äußerst wichtige Zugeständnis dem Herrn gegenüber in der Versuchung, als er Ihm die vollmacht über sämtliche Königreiche der Wohnerde anbot. Die Worte dieser aussage überliefert uns Lukas (Lk 4:6): "Dir (Jesus) werde ich dies sämtliche Vollmacht geben, und ihre Herrlichkeit, denn mir ist sie übergeben, und wem ich will, gebe ich sie." Welch ein erstaunliches Zugeständnis macht hier der Satan dem Herrn! Dieses Mal spricht der Vater der Lüge die Wahrheit, denn vor dem Sohn Gottes konnte er nicht anders. Unverhohlen sagt er, dass ihm die Vollmacht übergeben wurde, um dem Herrn die Königreiche der Welt anbieten zu können. Und wer dieser Vollmachtgeber ist, steht außer Zweifel; denn nur ein Höherstehender kann Untergeordneten Vollmachten erteilen. In diesem Fall war es offensichtlich Gott, der Satan diese Vollmacht zuteilte!
Erteilung von weiteren Vollmachten
Ein weiteres Zeugnis für diese von Satan eröffnete Wahrheit finden wir in Offb 13. Hier ist nun nicht von der vollmacht die Rede, die Gott Satan zugewiesen, sondern von der, die der Drache dem wilden Tier (=Antichrist) anvertraut: "Und der Drache (= Satan) gibt ihm seine Macht und seinen Thron und große Vollmacht" (Offb 13:2b). Jetzt hat Satan endlich im Antichristen oder Gesetzlosen den gefunden, der bereit ist, das vom Herrn in der Versuchung verweigerte Angebot willig anzunehmen. Dennoch reicht aber diese vom Drachen übertragene Vollmacht nicht aus, damit das wilde Tier das verüben kann, was es gerne möchte. Dafür muss es eine zusätzliche Machtbefugnis erhalten, die ihm Gott mit den Worten zuteilen wird: "Und es ward ihm Vollmacht gegeben, zu tun was es will" (Offb 13:5). Bei dieser Bevollmächtigung steht aber nicht, dass sie vom Drachen sei, denn eine den Willen des Antichristen freilegende Vollmacht besitzt er selber nicht. Folglich kann das wilde Tier diese Vollmacht nur von Gott erhalten haben. damit offenbart Gott, dass Er in seiner Weisheit und Allmacht Seinem Geschöpf Satan nur eine beschränkte Gewalt gegeben hat. Wenn er. und sein Antichrist schon den Drag in sich haben, böses zu tun, so können sie dies trotzdem nicht ausführen, ehe sie von Gott dazu bevollmächtigt sind. Und selbst dann sind beiden für ihre Taten Grenzen gezogen, die sie nicht überschreiten dürfen noch können. Dafür haben wir in Offb 13:5 gleich einen Beweis, denn nur 42 Monate darf das wilde Tier tun, was es will. Gewiss möchte der Gesetzlose seinem Willen entsprechend noch vielmehr Frevel verüben und wenn möglich alle Glaubenden ausrotten und so das Zeugnis des lebendigen Gottes und Seines Christus auf Erden auslöschen. Aber dazu gibt ihm Gott nicht die notwendige Gewalt, und somit ist es dem welchen Tier verwehrt, die ihm gesetzte Schranke zu durchbrechen.
Diese Beschränkung der Machtbefugnis in der Ausführung böser Taten gilt nicht nur für Satan und den Antichristen, sondern ebenso für alle übrigen Mächte der Finsternis und deren Tun, weil Gott si enicht dahingehend bevollmächtigt.
Da nun der Drache dasselbe Geschöpf ist, das den Herrn in der Wildnis erprobte (Lk 4) und das sich vor Ihm mit seiner verliehenen Vollmacht brüstete, so dürfen wir glauben, dass ihm damit noch keineswegs alle Befugnis gegeben ist, um zu tun, was immer es will. Vielmehr ist auch seine ihm übertragene Gewalt zeitlich und räumlich begrenzt. Denn nur EINER; Christus, kann sagen: "Mir ward a l l e Vollmacht (uneingeschränkt) im Himmel und auf Erden gegeben" (Mt 28:18).
Das sechsmalig göttliche Geben
Betrachen wir nochmals in Offb 13 die Verse Offb 13:5-7, so stellen wir fest, dass in Bezug auf das wilde Tier sogar viermal betont wird: "es ward ihm gegeben", ein Maul, das Großes und Lästerungen spricht; Vollmacht, zu tun, was es will 42 Monate lang; zu streiten mit den Heiligen und sie zu überwinden; und Vollmacht über jeden Stamm und Volk und Zunge und Nation. Auch vom zweiten wilden Tier, dem falschen Propheten (Offb 13:11 ff), bezeugt die Schrift zweimal (Offb 13:14.15) dass ihm gegeben ward zu tun die Wunderzeichen zur Irreführung der Menschheit. In diesem Kapitel wird zusammen sechsmal gesagt: "Es ward ihm gegeben". Das ist bezeichnend, da sechs die Zahl des Menschen in seiner Unvollkommenheit und seinem Zukurzkommen ist. Daher ist die Zahl 18 mit der Zahl 666 der völlige menschliche Zusammenbruch angezeigt. Demnach hat Gott mit Absicht nur sechsmal "gegeben"; denn in jener Zeit des Ablaufs dürfen diese Mächte der Bosheit nicht Gottes Machtvollkommenheit - wie dies mit der Zahl Sieben bekundet wird, demonstrieren, sondern ausschließlich menschlichen Übelstand, gepaart mit geistlichen Einflüssen der Finsternis.
Eingeschränkte Vollmachten
Ein wichtiges Lehrkapitel dafür bilden die Fälle, wo uns in besonderer Weise Einblick in die begrenzte Machtbefugnis der von Gott erteilten Vollmachten gegeben wird. Ein solches Beispiel findet sich in der Geschichte Hiobs. Satans Begehren war die völliger Vernichtung des ihm verhassten Hiob; aber nach Gottes Willen musste er dessen Seele schonen (Hi 2:6). Immerhin musste Satan mit seinem Tun mithelfen, dass Gott Hiob nach der Prüfung überaus mehr segnen konnte als im Anfang.
Zur Geschichte Hiobs ist die Opferszene auf dem Karmel (1Kö 18:17-39) ein Gegenbild. Wie gerne hätte doch Satan seinen Baalspriestern zu deren Beglaubigung vor dem abtrünnigen Volk Feuer von oben gesandt, so wie es nachher Gott auf das Gebet seines Ihm dienenden Propheten Elias getan hatte. Außerdem war vormals der Widerwirker bei Hiob dazu bevollmächtigt (Hi 1:16), und er wird es wieder in der kommenden Endzeit sein (Offb 13:13), welche Gott dazu dient, damit sein Wort in 2Thes 2:10-12 in Erfüllung geht. Doch bei jenem geschehen auf dem Karmel hatte Gott dem Satan diese Vollmacht entzogen. Auch gegen die Priester Josua führte er Böses im Schilde und musste sich deswegen von Jewe schelten lassen (Sach 3:1-2). Und wieviel uns nicht mitgeteilter Fälle mag es noch geben, in denen sich Satan, -. gleich den erwähnten Beispielen - nur in den ihm gewiesenen Schranken bewegen durfte, aber niemals seinem Willen gemäß darüber hinaus.
Gott reicht aber bösen Mächten nicht nur die Kraft dar Übles zu vollbringen, sondern sendet sie sogar zur Ausführung böser Aufträge. Man lese nur 1Kö 22:19-23; Jes 19:14 u.a.
Gott erbringt mit all diesen Begebenheiten den zwingenden Nachweis, dass Satan sich mit seiner Finsternismacht ausnahmslos ganz in Gottes Hand und Abhängigkeit befindet. Auch tragen dies Beispiele alle gemeinsam den einen Zug: Gottes erteilte Vollmachten sind Einschränkungen und Begrenzungen unterworfen.
Wie steht es nun mit dem freien Willen Satans und seiner ihm nächststehenden Helfershelfer? Würde nicht Gott ihnen "geben" und sie zu ihren Taten bevollmächtigen, so wären sie andernfalls mit ihren geweissagten, künftigen Taten kalt gestellt. Und selbst wenn Gott sie dazu mit Gewalt ausrüstest, so sind ihnen ganz enge Grenzen gesetzt. Wir haben dafür ein geschehen, das zu deutlich enthüllt, dass ein sogenannter freier, unabhängiger Wille eines der größten Trugbilder ist, denn Gott allein hat einen souveränen, freien, unumschränkten Willen. Er allein vermag auch all Seinen Willen in die Tat umzusetzen.
Dieses souveräne Walten Gottes ist besonders bei Satans letzter Tat stark ausgeprägt.
Satans Bevollmächtigung für seine letzte Tat
Wie alle anderen Taten Satans ist auch seine letzte, klar und deutlich geweissagt. In Offb 20:7-10 ist eine erstaunliche Prophezeiung zu lesen: Tausend Jahre lang wird der Widerwirker gebunden im Abgrund liegen, "Auf dass er nicht mehr irreführe die Nationen" (Offb 20:3).
Nachdem die Nationen eine so lange Zeit von Satan unbehelligt geblieben waren, sollte man meinen, Gott würde darauf seinen Widerwirker für immer im Abgrund in sicherem Gewahrsam festhalten. Aber dem ist nicht so. Statt dessen lesen wir, dass er nach den tausend Jahren aus seiner Kerkerhaft wieder gelöst wird! Würde es sich dabei nur um einen versuch und eine Probe handeln, ob sich Satan durch diese lange Kerkerhaft gebessert habe, so wäre eine solche Annahme eingewaltiger Fehlschluss. denn in der Tat beginnt er auch sofort wieder mit seinem widerstand gegen Gott in einem gewaltig großen Ausmaß. Ja es gelingt ihm, die Nationen an den vier Ecken der Erde gegen Gott zu mobilisieren und das Lager der Heiligen und die geliebte Stadt zu umzingeln. Diesem Aufstand wir jedoch vom Himmel fallendes Feuer ein schnelles Ende bereiten.
Wenn wir nun aber bestürzt fragen, wer denn dem Satan sofort wieder die vorher gehabte Freiheit geben wird, so könne, ja müssen wir darin niemand anders als Gott selbst sehen! Ja, Gott wird dann noch weit mehr tun. Wie wir aus früheren Offenbarungen schon sahen, vermag der Widerwirker ohne göttliche Ermächtigung überhaupt nichts zu tun (Offb 13). So wird er nach seiner Befreiung, - wie zuvor - diese weltweite Mobilisation ebenfalls nur ausführen können, nachdem er dazu göttliche vollmacht erhalten hat. Doch wirft dieses ganze Geschehen wieder neue Fragen auf, die gleichfalls von der Schrift her beantwortet werden können. Zuerst fragen wir uns, aus welchem Beweggrund Gott wohl diese so überaus böse Tat Satans in die Wege geleitet habe. Hierauf gibt uns der Herr Selbst eine erste Antwort mit seiner Gleichnisrede in Mt 13:24-30. Darin finden wir den Hauptgedanken: Das Böse muss ausreifen! Das hat der Herr ausgesprochen im blick auf das antichristliche Reich, das dem Königreich Christi vorausgeht. dazu gehört eben noch Satans Aufstand am ende der tausend Jahre. doch ist dies nicht der einzige Beweggrund des göttlichen Handelns. Er verfolgt damit noch erzieherische Absichten.
Weil im Millenium die Menschheit noch nicht neu geschaffen ist und sie vorwiegend seelische Segnungen genießt, müssen die Völker nochmals in eine Prüfung geführt werden. durch diese wird die Menschheit davon überführt, dass Herzen, die nicht durch Gottes Geist die Auferstehungskraft Christei empfangen haben, dem bösen nicht widerstehen können! (Ausführlich dargelegt in unserer Schrift "Wer ist Satan?" Heft 2).
Dieses letzte menschliche versagen ist für Gottes Erziehung der Völker notwendig. Sie müssen von ihrem Unvermögen und ihrer Verdorbenheit so gründlich überführt werden, dass sie noch alle Gott recht geben für sein für Sein gerichtsmäßiges Handeln und erkennen, dass dies zu ihrer Zurechtbringung unumgänglich war. Ja, sie werden Gott noch dafür preisen, wenn sie erkannt haben, dass auch des Widerwirkers letzte Irreführung ein Teil Seiner väterlichen Fürsorge ist.
Zu den Belehrungen über Satans letzt Wirksamkeit gewährt uns eine Wort noch
Einblick in Satans erste Tat
Beide Taten Satans - seine erste und seine letzte - stehen in einer Beziehung zueinander, durch die sich beide gegenseitig erklären. Diese Verbindung wird durch Vorfälle erhellt, die in Gottes Wort verzeichnet sind, bei denen Satan von Gott beauftragt und bevollmächtigt wurde. Diese Tatsache bezeugen folgende Bibelstellen:
- 1Kö 22:21-23: Gott sendet Satan als Lügengeist in falsche Propheten
- Hi 1:12; Hi 2:5: Gott bevollmächtigt Satan, um an Hiob böse Taten auszuführzen
- Mt 4:1-11; Lk 4:1-13: Gott bevollmächtigt Satan, Seinen Sohn zu versuchen
- 2Kor 4:4: Gott bevollmächtig Satan, Seinen Sohn zu kreuzigen
- Offb 13:5a: Gott gibt ihm ein Maul, um Lästerungen auszustoßen
- Offb 13:5b: Gott gibt ihm Vollmacht, 42 Monate lang seinen Willen auszuführen
- Offb 20:7-9: Gott lässt Satan aus dem Kerker befreien und gibt ihm Vollmacht zur Irreführung der Völkerwelt.
Diese Zeugnisse der Heiligen Schrift zeigen uns, dass Gott Satan zu Taten gebraucht, die, obwohl sie böse und leidvoll sind, zur Verwirklichung Seiner Vorsätze dienen. Ferner wird uns auch eindrücklich vor Augen geführt, dass der Feind diese Taten nur aufgrund göttlicher Bevollmächtigung ausführen kann. Das lässt uns den göttlichen Grundsatz erkennen, wonach der Widerwirker für seine Wirksamkeit und die Ausführung seiner bösen Taten von Gott Vollmachten erhält. Ohne Ihn kann der Widerwirker nichts tun! Dazu muss auch gesagt werden, dass jede Tat Satans auf irgend eine Weise der Vorwärtsentwicklung des göttlichen Heilsplanes dient. Deshalb ist Gott auch für Seine Handlungsweise an und mit diesem Geistwesen in den Augen der gesamten Schöpfung noch einmal vollkommen gerechtfertigt. Nun wollen wir m it diesen aus der Schrift gesammelten Erkenntnissen Satans erste Tat beleuchten.
Nachdem die Heilige Schrift den Widerwirker so ganz in Gottes Hand zeigte, muss doch jeder denkende Leser mit Zweifel gegen die Lehre erfüllt werden, die besagst, dass sich Satan mit seiner ersten Tat der Hand Gottes entwunden habe, und nun selbständig seine eigenen Wege gehe.
Wir erkannten, dass der Feind für jede seiner Taten von Gott bevollmächtigt wurde. Nun sollte er außerhalb dieser Grundregel taten aus sich erfunden und durchgeführt haben? Das ist doch ganz unmöglich! Noch fraglicher wird aber die erste Tat Satans, wenn wir bedenken, dass d i e s e von allen seinen taten die gewaltigste Auswirkung hatte: die Durchsetzung von Gottes Schöpfung mit der Sünder. Und dies alles sollte Gott nicht gewollt haben? Also hätte Satan es verstanden, seinen Willen durchzusetzten!
Hält man an dieser abwegigen Schlussfolgerung fest, so ergeben sich
Probleme der falschen Lehre
Hätte Satan zunächst tatsächlich wider Gottes Willen gehandelt, so müsste man doch folgern, Gott wäre durch den Ihm überraschend zugefügten Schaden zur Erkenntnis gekommen, dass Er Sich ein überaus gefährliches Geschöpf geschaffen habe, das Er fortan fest in Seine Hand nehmen müsse, um dessen Freiheit und unberechenbare Wirksamkeit auch wirksam zu beschneiden! Aber ein zweites Problem reiht sich sofort an dieses erste. Wenn Gott die Sünde tatsächlich nicht in seiner Schöpfung haben wollte, weshalb bevollmächtigte Er dann seither Satan fortgesetzt zum Vollbringen weitere böser Taten, die ja alle schon an sich Sünde waren? Wenn Er aber die Sünde grundsätzlich nicht gewollt hätte, wozu gab Er dann dem Satan den Weg frei, die Sünde in die Schöpfung zu tragen und damit auch die Menschheit mit ihr zu verseuchen?
Gehen wir nun weiter vom berechtigten Gedanken aus, dass Gott Seinen Heilsvorsatz gefasst hatte, bevor die himmlischen Wesen und auch Satan geschaffen waren. Würde sich in der Folge der Widerwiker selbst aus dem göttlichen Plan und seiner ihn betreffenden Bestimmung eigenmächtig gelöst haben, so hätte er demzufolge Gott genötigt Seinen Heilsvorsatz von Grund aus umzuändern, d. h. Sich der Wirksamkeit Satans anzupassen und gar einen ganz neuen Plan aufzustellen, wobei Er immer damit rechnen müsste, dass Satan Ihm diesen von neuem durchkreuzen könnte! Damit würde ja Satan der Verursacher der seither laufenden Heilsgeschichte und der Ersthandelnde in ihr sein. Dem gemäß könnte Kott überhaupt keinen Heilsvorsatz mehr fassen, denn Er müsste Sich dauernd der Wirksamkeit Satans anpassen! Damit wäre Gott, als dem alles nach dem Ratschluss Seines Willens Bewirkenden, die Ehre geraubt! (Eph 1:11).
Betrachten wir nun aufgrund dieser falschen Voraussetzung das Geschehen im garten Eden, so ergibt sich dasselbe fragwürdige Bild. Denn wäre auch dieses Geschehen nicht in Gottes Vorsatz gelegen, so hätte Er einfach dem Satan keine vollmacht zum Eintritt ins Paradies gegeben. Überhaupt wäre es dem Allmächtigen ein Leichtes gewesen, die Quelle der Sünde gleich an ihrem Ursprung aufzuhalten, und somit hätte es für den Sündenstrom überhaupt keinen Eintritt mehr in die Menschheit gegeben! Gott tut doch dasselbe zu Beginn des Tausendjahrreichs, wenn Er Satan im Abgrund sicher verschließt (Offb 20:2). Da hätte Er doch so handeln können, wie ein betagter Bruder seinem Prediger sagte: "Gott hätte den Satan vernichten sollen, bevor Er die Menschen schuf!" Befassen wir uns weiter mit dem Problemen, die sich aus der Lehre eines gefallenen Engelfürsten ergeben. Gott wäre in Seinem Handeln nicht mehr zu verstehen, wollten wir ein solch universales Geschehen, wie das Dasein Satans und der Sünde, aus dem Leben von nur zwei Königen herleiten, dem Fürsten von Tyrus (Hes 28) und dem König von Babel (Jes 14). Eine solche ganz oberflächliche, von gründlicher Schriftauslegung weit entfernte Schlussfolgerung kann sich auch nur da halten, wo sie nicht gründlich geprüft wird. Wo diese Prüfung geschieht, wird sie, wie in diesem Fall, als größte Satanslüge offenbar.
Tatsächlich ist es dem Erzlügner von Anfang gelungen, die ihn betreffende Lüge vom gefallenen Engelfürsten weltweit an den Mann zu bringen und damit sich selbst zu erhöhen und Gott maßlos zu erniedrigen! Und wenn hat er vor allem mit dieser Lüge überlistet? Gottesmänner, und unter diesen sogar solche, welche die tieferen Wahrheiten verkündigen. Er verleitete diese gar dazu, dass sie diejenigen, welche diese Lüge ans Licht ziehen, der Gotteslästerung bezichtigten!
Doch Gott sei Dank! Es gibt einen sehr einfachen Weg, an dieser Lügenklippe vorbeizukommen, das ist der kindliche Glaube an die Offenbarungen in Joh 8:44 und 1Jo 3:8. Die umfassendste Enthüllung steht in Kol 1:16-17: "... das All besteht zusammen in Ihm (Christus)." Hier sehen wir Satan in seinem Anfang und Werden so fest in Christus verpflanzt, dass ihm jede eigenmächtige Wirksamkeit unmöglich gemacht ist. Im Lichte dieser Schriftworte vermögen wir zwei grundlegende Gottestaten an diesem Geschöpf zu erkennen:
- Eingebung eines Geistes des Widerstandes bei seiner Erschaffung
- Bevollmächtigung in der Kraft des Geistes wirken zu dürfen.
Aufgrund dieser Tatsache sehen wir den Widerwirker bei Beginn der Heilsgeschichte nicht mehr als den Allein-Wirkenden, sondern Gott. Ja, Gott ist nicht nur der Anfang der Heilsgeschichte, sondern auch der ihrem gesamten Lauf und Ausgang Bestimmende. Er hatte Anfang und Ziel Seiner Handlungen längst zuvor festgelegt, bevor Satan erschaffen war. Als Gott ihm diesen vorgezeichneten Weg zum Wirken böser Taten freigab, war er letztlich nicht nur der Zerstörende in Gottes Heilsvorsatz, sondern bei allem Niederreißen auch der Förderer und Erfüller der großen Heilsgedanken Gottes. Denn gerade er, Satan, musste dem Sohn Gottes den Weg bereiten, um uns den Vater in Seiner unerschöpflichen Liebesfülle zu offenbaren. Der Widerwirker war die Ursache, dass Christus am Kreuz den größten Glaubenssieg erringen konnte, worauf Ihn Sein Vater übererhöhte!
Da die irrige Lehre vom "Abfall eines Großen Seiner Geschöpfe" Gott verunehrt, muss jeder Schriftausleger, die dieses Geschehen wahrheitsgemäß richtigstellt, erquickend und Gott wohlgefällig sein.
Die bisherigen DArlegungen haben uns vor Augen geführt, welch große Vollmachten Gott dem Satan im verlauf der Heilsgeschichte gegeben hat. Sie haben uns ferner gezeigt, dass der Feind ohne diese überhaupt nichts. häätte vollbringen können. Doch um jene Zeit stand für Satan die weitreichendste Tat noch bevor. das war die Generalvollmacht, die Gott dem Widerwirker über Seinen Sohn gab, während dieser sechs Stunden lang am Kreuz hing. Diese Machtbefugnis war so umfassend, dass sie folgendermaßen betitel werden kann:
Satans Vollmacht über den Gekreuzigten
Der gewaltigste Kampf
Der größte Kampf, der je auf Erden ausgefochten und durchgekämpft wurde, war derjenige des Gottessohnes vor der Kreuzigung und am Marterpfahl von Golgatha, da Er als Mensch mit Satan, dem Haupt der Finsternis, rang. Hier prallten die beiden größten Mächte aufeinander. dAbei ging es für beide um Sein oder Nichtsein.
Wenn es unter verfeindeten Weltmächten zu einem solchen Entscheidungskampf kommt, dann fährt jede Partei mit ihrer größten Macht auf. Was jedoch am Kreuz ausgefochten wurde, war - nach außen gesehen - der ungleichste Kampf, den es je gab oder noch gibt.
Satans großes Machtaufgebot
Welche Kampfverbände er gegen den Herrn am Kreuz aufgeboten hat, und wie furchtbar sich diese über den Herrn hergemacht haben, darüber gewährt uns Kol 2:15 einen erschüternden Einblick: "Oberherrschaften und Obrigkeiten abstreifend, hat Er sie öffentlich zur Schau gestellt und in demselben (dem Kreuz) im Triumph einhergeführt." Die Streitkräfte, die Satan gegen den Herrn ins Feld führte waren Fürstlichkeiten und Obrigkeiten. Es handelte sich also nicht um gewöhnliche Geister und Dämonen, die der feind gegen den Herrn einsetzte, wiewohl auch diese mitgewirkt haben, sondern um seine höchsten Mächte.
In Ps 22 sind diese Mächte der Finsternis bildlich mit den stärksten wilden Tieren verglichen. Ps 22:13: "... gleich einem reißenden und brüllenden Löwen."Ps 22:21: "Rette mich aus dem Rachen des Löwen und von den Hörnern der Wildochsen". In Ps 22:12 werden diese Gewaltigen mit großem und mächtigen Farren verglichen, mit stieren oder Starken von Basan. Und in Ps 22:16 sieht der Psalmist Hunde, die Ihn umkreisen.
Diese Bilder aus der Tierwelt vermitteln uns Einblicke in das grauenvolle Vorspiel der Abstreifung dieser Mächte der Bosheit und der Finsternis. Diese Autoritäten hatten sich derart über den Herrn hergemacht - und in welch einer Unzahl mag das geschehen sein -, dass Er von ihnen wie mit ehernen Fesseln umklammert war. So konnte der Feind in der ihm gegebenen Vollmacht all seinen grenzenlosen Hass am Sohn Gottes voll und ganz austoben.
Die dem Herrn bereitstehende Macht
Dieser feindlichen Macht gegenüber ließ Gott Seinen Sohn nicht ohne jede Aussicht auf Hilfe, denn Er stellte Ihm eingewaltiges Heer zur Verfügung. Nach Mt 26:53 hätte Ihm der Vater auf Seine Bitte hin mehr als zwölkf Legionen himmlischer Boten gesandt! Dieses himmlische Heer hätte den Herrn nicht nur von der irdischen Macht befreit, sondern darüber hinaus auch noch von den satanischen Mächten. Das wäre ein noch größerer Sieg über Satan gewesen als der noch zukünftige, gemäß Offb 20:2.
Des Herrn Verzicht
Doch auf dieses. zur Verfügung stehende Heer des Himmels verzichtete der Herr freiwillig. Jesus rang um den höchsten Sieg im ganzen All - aber mit anderen Waffen! Dazu ließ Er Sich in größter Schwachheit ans Fluchholz schlagen (2Kor 13:4) und in völliger Hilflosigkeit zwischen Himmel und Erde hängen. Nach Phil 2:7ff entäußerte Er Sich Selbst, die Gestalt eines Sklaven annehmend und in der Gleichgestalt der Menschen werdend. Ja, Er erniedrigte Sich Selbst noch tiefer und ward gehorsam bis z um schmachvollen Tode am Kreuz, an dem Er wie ein gemeiner Verbrecher starb! Willig hat der Sohn Gottes alles dahingegeben und ertragen, so dass Ihm nichts mehr verblieb als der nackte Glaube. Dieser erfuhr nun am Kreuz die größte Probe durch übermenschliche Belastung.
Bevor Jesus gekreuzigt wurde, stellte sich die Frage, ob Er in solcher Bedrängnis im Glauben werde aus- und durchhalten können. Denn unter dieser Belastung waren dem Sohn vom Vater die allerschwersten und größten Aufgaben gestellt worden. Mit deren Erfüllung musste Er Seinem Gott und der ganzen Schöpfung
Die höchsten Heilsziele Gottes
erkämpfen. So musste Er, überein mit Röm 5:19 eine Gehorsamstat vollbringen, durch die noch alle Menschen als gerechte zu unvergänglichem Leben eingesetzt werden sollten, die zuvor durch Adams Ungehorsamstat zu Sündern gemacht wurden.
Hierin erkennen wir, dass Christus mit der Kreuzestat der Menschheit ein unvergleichlich herrlicheres Paradies erworben hat als das, welches durch Adams Ungehorsam der Menschheit verloren ging. Und selbst wenn unsere Ureltern gehorsam geblieben wären, so ist dennoch gut zu verstehen, dass der aus Erdreich geformte Mensch niemals die Seinen auf eine solche Höhe gebracht, noch ihnen ein gleichwertiges Heil hätte erwerben können, wie es der von oben gekommene Sohn Gottes mit Seinem Gehorsam tat. Und selbst wenn Adam für seine Nachkommen sein Leben in den Tod gegeben u nd durch Auferstehung ein neues Leben erhalten hätte, so wäre er trotzdem nicht zu einem lebendigmachenden, d.h. unsterblies Leben verleihenden Geist geworden.
Auch wäre Adam, wenn er gehorsam geblieben wäre, weit davon entfernt gewesen , die zuvor in der Himmelswelt Gott entfremdeten Geschöpfe wieder in das rechte Verhältnis zu Gott zurückzuführen. Weiter hätte er niemals mit seiner Lebensdahingabe als von Gott geschaffenes Geschöpf vermocht, Gottes unergründliche Liebe der Schöpfung zu offenbaren, wie dies Gott in. unvergleichlicher Weise möglich war mit der Dahingabe Seines einziggezeugten Sohnes. Denn an der Größe des Opfers wird auch die der Liebe offenbar! Und an die. Opferung Seines gleibten Sohnes reichtkein anderes Opfer!
Alle diese positiven Auswirkungen sind ein Beweis dafür, dass Satan nicht eigenwillig oder eigenmächtig gegen Gottes Willen in das Paradies eindrang und dort einen nie wieder gutzumachenden Schaden anrichtete, sondern sie beweisen vielmehr das Gegenteil! Indem der Feind den ersten Menschen, Adam, und mit diesem alle Menschen zu Sündern machte, hat er aber dem Sohne Gottes den Weg eröffnet zur Erfüllung des Willen Gottes, alle Geschöpfe Gott dem Vater willig unterzuordnen und in eine Liebesgemeinschaft mit Ihm zu führen, wie es vor dem Fallen-in-Sünde nicht möglich gewesen wäre. Der Gedanke an eine sündlose Schöpfung lag Gott gänzlich fern. Der Eintritt der Sünde geschah ganz nach Seinem weisheitsvollen Vorsatz. Dort, auf dem dunklen Hintergrund tiefsten menschlichen satanischen Hasses konnte Gottes Liebe erst am hellsten aufstrahlen und ihre vollkommenste Darstellung finden (1Kor 13:4-7).
Hier allein konnte es offenbar werden, dass Gottes Liebe im Sohn nicht das Ihre sucht, und auch der Sohn in dieser Liebe alles aushält. und alles glaubt. Diese übermenschlich große Aufgabe konnte der Sohn nur mit einem standhaften, unerschütterten Glauben vollbringen. Von Seinem Glauben hing alles ab. Auch durfte Sein Glaube nicht den geringsten Zweifel an Seiner Gottessohnschaft noch an Seiner Königswürde aufkommen lassen (Mk 15:39).
Doch ging es bei Christi schmählichem Kreuzessterben noch um ein weiteres Großes. Mit Christi Glaubenstreue am Kreuz musste offenbar werden, ob Gott ein großes Geisteswesen als Seinen Widerwirker erschaffen hat oder ob sich ein solches aus eigener Kraft und Entscheidung zu Gottes Feind gemacht hat. Das war für Christus die allergrößte Aufgabe, die Er durch Seinen Glauben am Kreuz zu erfüllen hatte. Hat aber Satan um dieses gewusst, so kann man sich wohl denken, dass er alles einsetzte, um die falsche Lehre, dass er ein gefallener Engelfürst sei, zu stützen. Damit kommen wir zu Satans Kampfeszielen.
Satans Kampfesziele
Was der Widerwirker mit der Bekämpfung des Gekreuzigten erreichen wollte, war, dem Sohn die Hinausführung des göttlichen Liebesratschlusses zu ermöglichen. Vor allem wollte er Seinen Gauben erschüttern und mit Zweifeln erfüllen.
Während Seiner Verurteilun g hat Jesus bezeugt, dass Er der König der Juden (Joh 18:37) und Gottes Sohn (Mt 26:63-64) sei. Daraus muss Satan gefolgert haben: Wenn Christus am Kreuz den Tod eines gemeinen Verbrechers stirbt, muss ihm die Gewissheit Seiner Königswürde und Gottessohnschaft genommen sein. Daran muss Sein Glaube zusammenbrechen.
Weiter hat Satan wohl auch um die Wahrheit gewusst, dass Vater und Sohn (Joh 10:30) ein, also unzertrennbar miteinander verbunden sind. Diese Einheit hatte der Herr ebenfalls im Joh 8:29 bezeugt, wo Er sagt, dass der Vater mit Ihm ist und Ihn nicht allein lässt. Und noch bestimmter hob der Sohn das Bei-Ihm-Bleiben des Vaters hervor, als Er den Jüngern voraussagte, sie würden Ihn verlassen, jedoch: "Ich bin nicht allein, denn der Vater ist bei Mir" (Joh 16:32).
Wenn es nun aber Stan gelänge, Beide zu trennen, oder gar zu entfremden, so würde der Sohn ohne den Beistand des Vaters so geschwächt, dass er, der Feind, den Sieg über Ihn erringen könnte. Aber es muss Satan auch bewusst gewesen sein, dass ihm jeder Trennungsversuch misslingen werde und er sich dabei die größte Niederlage holen würde. Doch, trotz der erkannten Übermacht, die Ihm in der Vereinigung vom Vater und Sohn gegenüberstand, war der Widerwirker nicht verlegen, denn in seiner ausgeklügelten Kriegslist sah er eine andere Möglichkeit, den Sohn zu Fall zu bringen. Dazu stand ihm die ganze Macht der Finsternis zur Verfügung, die er mit der ihm zugeordneten Vollmacht gegen Christus einsetzen konnte. Und dies mit welchem Ziel? Der Feind wollte mit diesen Mächten der Finsternis den Sohn dermaßen in Dunkelheit stürzen und die Einsamkeit drängen, dass Er Sich von Seinem Gott verlassen fühlen und zu einem Schrei der dermaßen fühlen und zu einem Schrei der Verzweiflung gebracht werden sollte. Würde der Feind dies erreichen, so wäre der Sieg auf seiner Seite gewesen.
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