Die Herrlichkeit Christi in den Seinen

Aus Bibelwissen

Abschrift der Schrift:
Leiden und Herrlichkeit für den Christus
Baader F. H. - Pasedag W. J. (1975)

Schriftenmission Willy Pasedag
Die Schrift ist antiquarisch noch erhältlich

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Inhaltsverzeichnis

3. Die Herrlichkeit Christi in den Seinen

W. J. Pasedag

Wer nach Geist, Seele und Leib ein Eigentum Christi geworden ist, dem ist alle Selbstherrlichkeit vergangen, weil er nicht mehr seine Seele allein liebt, sondern Gott über alles und seinen Nächsten wie sich selbst. Damit hat das Leben des elenden Ichmenschen aufgehört, "denn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich im Glauben des Sohnes Gottes", Gal 2:20. Christus Jesus ist es, der nun in jedem glaubt, liebt und hofft. Damit manifestiert sich auch Christi Herrlichkeit in den Seinen, Gott zu einem Lobpreis.

Im Anfang war das Wort in und bei Gott, denn es ist der aus der Herrlichkeit Gottes herausgezeugte und eingeborene Sohn. Und dieses Wort wurde Fleisch. Zuerst in der Knechtsgestalt des Einzigeinen, dann aber auch in allen denen, die durch das Wort von neuem gezeugt und wiedergeboren sind Joh 1:13; 1Petr 1:23. Darum heißt es in 2Kor 1:20 mit eindeutiger Folgerichtigkeit: "So viele nun der Verheißungen Gottes auch sind, es ist Ja und so auch Amen i n C h r i s t o, Gott zu Herrlichkeit d u r c h u n s". Die erste Zeugung geschah a u s der Herrlichkeit Gottes, die nachfolgenden sind durch Christus wieder in die Gottesherrlichkeit h i n e i n.

Herrlichkeit als Gnadenziel

Christus in uns, die Hoffnung der Herrlichkeit (Kol 1:27), das ist Freudenkunde (Evangelium) von einer unzerbrechlichen Einheit zwischen Wort und Fleisch, Eckstein und Gemäuer, Wurzel und Baum, Haupt und Gliedern, Christus und Menschen. Diese Begegnung Gottes mit uns nennen wir Gnade. Gnade ab er bereitet Herrlichkeit. Dass Gnade und Herrlichkeit zusammengehören, das war bereits den Kinder Korah Ps 84 gemäß, bewusst. Ihr Vater hatte sich einst gegen Gottes Führung durch Moses empört, und so fuhren 250 Männer lebendig in den Erdeinsturz, den der Herr als Gericht sandte. Alle aber, die sich abgesondert hatte, fanden Gnade, und "die Herrlichkeit des Herrn erschien vor der ganzen Gemeinde", 4Mo 16:19. Erst nach der Auferstehung Christi und die dadurch gegebene Vollendung des Wortes, konnte dem Apostel Paulus das Evangelium der Gnade und der Herrlichkeit zur Verkündigung aufgetragen werden, Apg 20:24; 1Tim 1:11. Damit aber wurde sie kostbarster Besitz der ganzen Gemeinde, denn auch Petrus sagt: "Wenn ihr um Wohltat willen leidet und duldet, das ist G n a d e bei Gott ... So freuet euch, dass ihr der Leiden des Christus teilhaftig seid, auf dass ihr auch in der Offenbarung seiner H e r r l i c h k e i t Freude und Wonne haben möget. Glückselig seid ihr, wenn ihr geschmäht werdet über den Namen Christi, denn der Geist, der ein G e i s t der H e r r l i c h k e i t ist, ruht auf euch." 1Petr 2:20; 1Petr 4:13.14.

Pauli Schreiben an die Epheser (eigentlich ein Rundschreiben), auch Brief der Herrlichkeit des Leibes Christi genannt, verkündet in Eph 1:6, dass wir "zum Preise der H e r r l i c h k e i t Seiner G n a d e angenehm gemacht worden sind in dem Geliebten"..... Eph 1:12 sagt, "dass wir nun dienen zum Lob Seiner Herrlichkeit", und Eph 1:14, "dass wir Sein Eigentum sind zum Lob Seiner Herrlichkeit", denn "Gott ist der Vater der Herrlichkeit (Eph 1:17) Prof. Ströter erklärt, hier sei "kein müßiger Schmuck der Rede, sonder der bezeichnende Hinweis auf die einige, ewige Quelle, aus welcher alle Herrlichkeit fließt, die in Christo Jesu an der Gemeinde offenbar werden soll." Gott ist nur Vater durch den Sohn - des Sohnes Herrlichkeit ab er ist in den Seinen, damit der Vater der Herrlichkeit auch Kinder der Herrlichkeit habe!

Die Notwendigkeit der Herrlichkeit

Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern vom Worte Gottes, diesem Ausfluss der Herrlichkeit. Denn Gott hat Seinen Namen über alles herrlich gemacht durch Sein Wort Ps 138:2. Jedes Geschöpf dürstet nach dieser Herrlichkeit wie die Blume nach Sonnenschein, denn sie allein kann in Wahrheit alle Not wenden. "Wir sind allesamt wie die Unreinen (nämlich die Aussätzigen) und alle unsere Gerechtigkeit ist wie ein unflätig Kleid", Jes 64:5. Wenn schon unsere Gerechtigkeiten Unflat sind, oder wie Zunz übersetzt "ein Gewand der Befleckung alle unsere frommen Werke", welche Ausdrücke müssten dann für unsere Ungerechtigkeiten stehen? Solang wir in einem solchen Gewand umhergehen, das vom Mottenfraß der Sünde durchlöchert und mit Schandtaten besudelt ist, können wir nie recht froh werden, sondern müssen uns allerwege schämen. Und wer sich nicht mehr zu schämen vermag, der ist noch viel mehr zu bedauern.

Wir alle brauchen ein neues Kleid der Gerechtigkeit, um vor uns selbst und vor unserer Umwelt, vor allem aber um vor Gott bestehen zu können. Der Mensch ist im Bilde Gottes erschaffen, und er wird solange keine Ruhe finden, bis er wahrhaft göttlich ist. Hier ist ein unabdingbares göttliches "§Muss" sichtbar. Darum wurde unser Schöpfer auch zum Erlöser. Und als solcher ist Er es, der da spricht: "Weil du so wert bist vor meinen Augen geachtet, (nämlich durch das Blut Jesu), darum m u s s t du auch h e r r l i c h sein, denn Ich habe dich lieb! Jes 43:4.

Es war Mangel an Herrlichkeit, der Satan bewog, sich neidvoll zu rauben, was nur Liebe zu geben vermag. Zu einem innerlich verfinsterten Intriganten des Hasses geworden, nahm er Zuflucht zum Herrlichkeits-Ersatz: er schillert als Schlange und blendet als Engel des Lichts. Sobald das herrliche Wort durch Satans Zweifel beschmutzt war, denn der erste Satz der Schlage lautete: "Sollte Gott gesagt haben?", fing das Elend an, und dieses Elend wird solange bleiben, bis die Herrlichkeit des Wortes wieder hergestellt ist. Denn es ist, so sagt die Schrift, "kein Unterschied,; alle sündigten und und ermangeln der Herrlichkeit Gottes", Röm 3:23. So hat durch Untreue (Unglaube) alles Fleisch diese von Gott verliehene Herrlichkeit verderbt. Doch das göttliche Muss fand den Weg z u seiner Erneuerung: "Das Wort ward Fleisch und zeltete unter uns und wir schauten Seine Herrlichkeit", Joh 1:14. Wie wichtig wird hier das Wort unseres Herrn und Heilandes: "Ach, dass du glauben könntest, auch du würdest die Herrlichkeit Gottes sehen", Joh 11:40. Denn diese Freudenkunde von der wiedergebrachten Herrlichkeit durch Jesus Christus ist nur in den Ungläubigen verdeckt, "bei welchen der Gott dieser Weltzeit die Gedanken verblendet hat, damit nicht ausstrahle der Lichtglanz der frohen Botschaft der Herrlichkeit des Christus, welcher das Ebenbild Gottes ist", 2Kor 4:4.

Unglaube (diese Wort bedeutet immer zugleich auch Untreue und Misstrauen) bringt Finsternis; jeder ab er der glaubt, in dem wird Herrlichkeit gestaltet.

Was ist Herrlichkeit eigentlich?

Ernst Freiherr von Feuchtersleben sagte einmal in dem Schlusswort eines Lehrbuches: "Aber alles Herrliche ist schwierig und ist selten". Jeder, der ein Lexikon besitzt, kann feststellen, wir dürftig er bei dem Worte "Herrlichkeit" abgespeist wird, vorausgesetzt, dass es überhaupt zu dem vielbändigen Vokabular gehört. Ist das aber bei der bloßen Erwähnung eines Wortes schon so, um wieviel trauriger sieht es dann erst bei der Verwirklichung dieser Sache im Leben aus!

Herrlichkeit ist der höchste Berg der Menschheit, und dieser Gipfel ist so schwierig, dass ihn noch keiner in seiner natürlichen Beschaffenheit erzwungen hat, noch je ersteigen wird. Gewiss, der Mensch kann zu Ruhm und Anerkennung, zu Ämtern und zu hohen Ehren, ja zu höchsten Würden vor seinen Mitmenschen gelangen. Aber dadurch ist aus dem Wurm noch kein Adler, und aus der Menschenmade noch kein Gott geworden. Wie hoch der Mensch auch seine Technik bis zum Raketenflug entwickelt, zum Gipfel der göttlichen Herrlichkeit wird sie ihn nie bringen, wohl aber in den tiefsten Abgrund des Massenmordes stürzen, Ob 1:4.

Würdest du zu einer überaus einflussreichen und maßgebenden Person, so stiege damit nicht allein deine Verantwortlichkeit, sondern immer auch dein Schuldkonto. Das schon allein ist ein Grund, warum wir für a l l e Obrigkeit Fürbitte einlegen sollen bei Gott 1Tim 2:1.2. Vielleicht wärst du, sobald dir alle Rücksichtnahme überflüssig erscheint, sogar ein solche Tyran wie Stalin oder Hitler.

"Was hülfe es dem Menschen, so er die ganze Welt gewönne und näghme doch Schaden an Seiner Seele? Oder was kann der Mensch geben, damit er seine Seele wieder löse?", Mt 16:26. Doch angenommen, du könntest ein recht edler König oder gar ein mit allem Schein der Heiligkeit umgebener weiser Papst werden, auch dann noch würden dir dieselben Worte gelten, die jedem Papst bei seiner Krönig zugerufen werden: "Sic transit gloria mundi -. so geht die Herrlichkeit der Welt vorbei!" Alles irdische Gepränge ist der Eitelkeit und Vergänglichkeit unterworfen. Und der Sünder bleibt in der Niedrigkeit, so hoch er sich auch reckt.

Je höher erkommt, umso gefühlicher wird es, denn Gott widersteht dem Hoffärtigen und schenkt nur dem Demütigen Gnade. Weder Anmaßpung und Wahn, noch Anmut und Großzügigkeit, und nicht einmal das beste und wohtätigste Gesetz, mit irdischen Mitteln erzwungen, können zuzr Herrlichkeit werden, weil viel zu viel Unrecht, Blut und Tränen (sei es auch ungewollt) aran kleben. Eine einzige Stechmückie vermag darum auch die ganz6e angemaßte Herrlichkeit des Menschen in Moder zu verwandeln.

Klare Unendlichkeit

Herrlichkeit verträgt sich nicht mit bedrückender Begrenzung, herzloser Enge und undurchsichtigem Wesen.

Was von der Erde ist, kann sich keinen unbegrenzten Höhenflug leisten. Alles endet zwischen den 6 dünnen Brettern und in dem schmalen Schacht, den wir Grab nennen, und muss wieder Erde werden. Gottes Herrlichkeit aber endet nicht im Grab. Christus hat den Tod, diesen letzten Feind Gottes, besiegt!

Aber der Sohn Gottes ist nicht gekommen die werke des Teufels zu zerstören (wie man 1Jo 3:8 schlechthin übersetzt), denn das wäre dem König der Herrlichkeit viel zu gering. Er beantwortet nicht Gehässigkeit mit Bosheit und Zerstörung mit Vernichtung oder Schimpf mit Schande (1Petr 2:21-24), sondern er l ö s t die Werke Satans auf! Durch Ihn ist der Tod verschlungen in den Sieg, denn das Verwesliche hat Unverweslichkeit angezogen, 1Kor 15:54-56. Aus Asche ist durch. Christus Licht und aus Vergänglichkeit ist Unendlichkeit geworden. Es ist eine Ewigkeit voller Herrlichkeit und eine Herrlichkeit voller Ewigkeit.

Zur Endlichkeit gehört auch Undurchsichtigkeit, denn alles was zerfällt, hört auf herrlich zu sein. Der Unendlichkeit aber gebührt Klarheit. So kommt zu der unaufhörlichen Weite auch die ungetrübte Klarsicht.

Wer einmal bei schönstem Sonnenschein auf einem hohen Berggipfel stand, der wird diese strahlende Weite nie vergessen. Eines solchen Anblicks bediente sich der Versucher, um dem Sohn alle Herrlichkeit dieser Welt vorzuführen, Mt 4:8. Aber Jesus erkannte ihre Hohlheit und die hinter der frommen Fassade lauernde Selbstvergötterung.

Als Katharina II. wieder einmal ihr großes Reich besichtigten wollte, zeigte ihr der russische Fürst Grigorij Potemkin (sprich patjomkin) auf der Reise durch Südrussland Dörfer, die aus Attrappen bestanden. Solche Potemkinsche Dörfer ohne Fenster sind die Herrlichkeitsschöpfungen dieser Welt. Das gilt besonders von dem Betrug des Reichtums, der das Wort erstickt und die Augen blendet, Mt 13:22.

Um die Unzulänglichkeit aller menschlichen Schau auszudrücken (von seinem und vollkommenen Wesen ganz zu schweigen) sprechen wir zuweilen von der Frosch-Perspektive. Gerade diese menschlich allzu menschliche Schau, diese Froschperspektive, wird einmal das entscheidende Moment sein, bei der Verführung der ungöttlichen Trinität Offb 16:13. Nicht anders ist es aber auch mit der Maulwurfs- und Fledermaus-Perspektive. Was weiß der schon von Herrlichkeit, der nur Erde schaufelt oder in der Nacht herumflattert? Unser Augen finden einfach keinen Vergleich und unsere Zungen ermangeln der Worte, um das zu beschreiben, was Gott denen bereitet hat, die Ihn lieben - mit anderen Worten - um das auszudrücken, was Herrlichkeit ist. Uns aber, so fährt Gottes Wort in 1Kor 2:10 bei dieser Betrachtung fort, hat es der Geist offenbart. Denn nur der Geist Gottes kann Herrlichkeit, welche zu den Tiefen der Gottheit gehört, gebührend darlegen.

Alles, was ohne den Gottesgeist als herrlich bezeichnet wird, ist mehr als enttäuschend. Jes 2 zeigt, wie alles Hehre, Stolze, Erhabene und Hoffärtige, alle Höhe und jeder Glanz am Tage des Herrn so zusammenschrumpft, dass man sich bücken muss, um diese Herrlichkeit überhaupt zu erkennen. Es ist nichts als hohler, erbärmlicher Götzendienst gegenüber der majestätischen Herrlichkeit Gottes. An jenem Tage wird man allen Herrlichkeitsersatz dahin werfen, wohin er gehört, nämlich zu den Malwürfen und Fledermäusen, Jes 2:20.

Ein Strahlenbündel

Unser deutsches Wort Herrlichkeit ist abgeleitet von Herr, germanisch haira, was graues Haar bedeutet (vergleiche engl. hair - Haar). Graue Haare sind eine Krone der Ehren (Spr 16:31), wie auch dem Weibe eine Ehre (Herrlichkeit) ist, wenn sie langes Haar hat, 1Kor 11:15. Diese Benennungen hehr und herrlich, von Herr abgeleitet, sind fein empfunden, denn nur im HErrn liegt alle Herrlichkeit. Ein jeder durch Gottes Gnade aber geadelte Mann, ist Abbild der Herrlichkeit 1Kor 11:7.

Das neutestamentliche Wort für Herrlichkeit heißt doxa und hat es mit einer inneren Würde zu tun, die bis zum äußeren Ansehen (Erscheinung) gelangt. Luther hat diesem Weinen Wort doxa in seiner Übersetzung vielfältigen Ausdruck verschafft. So z.B. als

Klarheit - Lk 2:9
Ruhm - Röm 3:23
Ehre - Joh 5:44
Lob - 2Kor 1:20
verklären - Joh 17:1
Majestät - 2Petr 2:10
Preis - Offb 7:12

Der Hebräer hat eine ganze Anzahl Worte für Herrlichkeit. So wird in Jes 42:21 prophezeit, dass Christus das Gesetz herrlich machen wird, und dieses "adar" meint weit. Wer in Mt 5 vernimmt , was der Herr Jesus unter Mord und Ehebruch versteht, der sieht, welch eine Tiefe und Weite der Herr diesen Geboten gibt.

Das imAlten Testament am meisten gebrauchte Wort für Herrlichkeit, "kabod", ist von schwer abgeleitet; und auch 2Kor 4:17 spricht von einem äonischen Gewicht der Herrlichkeit.

Herrlichkeit, das ist ein ganzes Strahlenbündel erlesenster Begriffe, die uns erst dann einigermaßen einen Eindruck der unvergleichlichen Kostbarkeit, unvergänglichen Schönheit und heiligen Allgewalt vermitteln können, wenn wir sie uns alle zusammen in eins denken, nämlich Ansehen, Ehre und Erhabenheit, Hoheit, Glanz, Glorie und Großartigkeit, Lob und Preis, Pracht und Klarheit, Majestät, Ruhm und Verfügungsgewalt, Würde, Schmuck und Zierde. Wer aber hätte jemals auf dieser Erde etwas erschaut, dem alle diese 17 Eigenschaften zu eigen wären?

Wir sahen Seine Herrlichkeit

Und doch hat es Menschen gegeben, die da sagen konnten: Wir sahen die Herrlichkeit! Die das bezeugten waren keine dichter und Philosophen, weder Sonderlinge noch Schwärmer, sondern einfache, unverbildete Gesellen, in Wind und Wetter erprobt. Und einer dieser Fischer fasst das erlebte in zwei Merkmale: voll von Gnade und Wahrheit! Das alles sahen sie in dem Jesus von Nazareth. Scheinbar einer der ihren, und doch aus einer anderen Welt. Denn aus diesem jüdischen Rabbi leuchtete die Herrlichkeit des Einzigeinen, der Er vor Erschaffung der Welt war, und der uns allein vom Vater berichten kann. "Kein Mensch hat Gott jemals gesehen; der einzig gezeugte Gott, der am Busen des Vaters ist, der hat Ihn uns nahe gebracht." Joh 1:14 u. 18 nach dem Grundtext. Dieses Wort bezeugte durch den Heiligen Geist der Busenfreund Jesu. Gerade er sieht trotz allem vertraulichen Umgang den Gottessohn, dem als Einzigen im Vollsinn die Bezeichnung Menschensohn gebührt.

Und selbst als der Menschensohn in seiner tiefsten Erniedrigung vor dem römischen Prokurator als Angeklagter steht, muss dieser Vertreter der Weltmacht gestehen: "Ecce homo! - sehe d e r Mensch!" Joh 19:5. Welch eine Herrlichkeit muss das gewesen sein, die aus dem übel zugerichteten und geschändeten Jesus dennoch herausstrahlte! Skrupellose Fanatiker, der aufgewühlte Mob und eine verrohrte Sodateska taten alles, um diesen Gütigsten und edelsten der Menschen zu schmähen. Er hätte die Macht gehabt, sie mit einer einzigen Handbewegung wegzuwischen, aber Er ließ sich nicht herausfordern und ging auch in die Erniedrigung. In Schmach und Hohn bliebt er der Herr, der zu dem, Der über alle ist, sprechen konnte: "Und nun Vater, verherrliche Du Mich bei Dir mit der Herrlichkeit, die Ich bei Dir hatte, ehe die Welt war." Joh 17:5.

Noch nach 19 Jahrhunderten ist diese Würde Christi trotz der damaligen Erniedrigung so durchschlagend, dass ein so unbestechlicher Geschichtsschreiber wie Leopold von Ranke im 2. Band seiner Weltgeschichte bekennen muss: "Unschuldiger und gewaltiger, erhabener, heiliger, hat es auf Erden nichts gegeben, als Seinen Wandel, Sein Leben und sterben. Das Menschengeschlecht hat keine Erinnerung, welche dieser nur von ferne zu vergleichen wäre."

Uns gegeben

Welche unvergleichliche Wucht auch alle Worte unseres Herrn haben, obenan steht das herrlichste aller Gebete, mit der in alle Ewigkeit hineinragenden Erklärung: Vater, Ich will, dass wo Ich bin, auch diese mit mir sind, die Du Mir gegeben hast, auf dass sie schauen Meine Herrlichkeit!" (Joh 17:24).

Und gleichsam als größtes Geschen,, das einzige, das alle offene und geheime Sehnsucht des Menschen zu stillen vermag, erklingen die feierlichen Worte: "Und I c h habe I h n e n die H e r r l i c h k e i t gegeben, die Du M i r gegeben hast." Joh 17:22. Was diese Worte in sich schließen, dazu reicht diese Weltzeit nicht aus, denn erst die zukünftigen Äonen w erden diesen überschwänglichen Reichtum Seiner Gnade und Güte enthüllen, den uns Gott in Christo erwiesen hat Eph 2:7. Noch ist diese ganze Herrlichkeit wie auch jeder Gläubige selbst, in dem Christus verborgen, Kol 3:3. Was nach außen dringt, und darum auch von der Welt gesehen werden kann, das ist die Herrlichkeit, verachtet und geschmäht, gelästert und verspottet, geschlagen und gemartert zu werden. Aber gerade dann bricht auch die innerliche Hoheit bei aller Demut und Erniedrigung hindurch; und sie bezeugt, dass in denen, die den Weg Christi gehen, nichts mehr von Bosheit und Bitterkeit zu finden ist. In aller dieser Not wissen sich die Glieder mit dem Haupt voll Blut und Wunden unzertrennlich vereint.

Liebeseinheit

Der einzig angegebene Zweck dieser Herrlichkeit ist: "Dass sie alle eins seien"! Es ist die größte und wunderbarste Verbindung, die es überhaupt geben kann. "Ich (Christus) in ihnen und Du (Vater) in Mir." Der in u ns wohnende Christus wird als ein ganz neuer, gravierender Einfluss spürbar. Da ist kein Einigwerden aufgrund gleicher Interessen oder um gemeinsame Forderungen durchzusetzen, sondern das gerade Gegenteil. Es ist die Hingabe des sündigen und des frommen Ich, um ganz für die Schechina, das heißt, für die Herrlichkeits-Innewohnung Christi offen zu sein.

Das ist kein Verzücktsein, sondern die Einsseins- Herrlichkeit mit Gott im Fleisch und im Alltag. "Ich bin mit Christus an den Schand- und Marterpfahl gebracht, und nichtmehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir; was ich aber jetzt im Fleisch lebe, das lebe ich durch den Glauben des Sohnes Gottes", Gal 2:20.

Gerade das Leben im Fleisch soll vom Gottesgeist durchdrungen zu einem Zeugnis der Herrlichkeit aller nachgezeugten Gottes söhne werden. "Wer nicht geistlich ist bis in sein Fleisch, der wird fleischlich bis in den Geist", sagt der bekannte Kirchenvater Augustinus. In u n s wird der entscheidende Sieg erkämpft, weil das Fleisch wider den Geist gelüstet. So ist ein Christ ins Fleisch gesetzt und dennoch nicht fleischlich, mit ganzer Seele wirkend und doch nicht seelisch.

Durch den Glauben des Geistes und Blutes Christi teilhaftig geworden (Joh 6:56; Röm 8:9) verbindet alle über Jahrtausende hinweg und gleich welchen Geschlechts oder welcher Rasse, so unterschiedlich ihre Veranlagung und ihre Erziehung, ihr Lebenskreis oder Beruf und ihre Sprache auch sein mag, immer das gleiche Band der Liebe, Kol 3:14. Wie gegensätzlich ihre Aufgabe auch war, da ist keine menschliche Absprache, sondern die eine Gesinnung Christi die sie befähigt, an Freund und Feind sich zu verströmen.

Herrlichkeit ist Christusgesinnung

Weil alle der gleich machtvolle Strahlenkranz göttlichen Wohlgefallens erfüllte, haben sie auch alle teil an derselben Ganzheit der Herrlichkeit Christi.

Wir sehen das bei dem Hirten Abel, und bei Henoch, dem Nomadenfürsten Abraham, dem Reichsverweser Joseph oder dem ägyptischen Kronprinzen Moses. Es leuchtet heraus aus der ehemaligen Hure Rahab und der Moabitin Ruth, und bezeugt durch die Richter Jephta und Samuel.

Ob Könige wie David oder Hiskia, den Völkerpropheten Jeremia oder den Kleintierzüchter Amos, den Kanzler Daniel oder den Mundschenk Nehemia, sie alle bewegte der Geist Christi. Ebenso auch die Priester Mattathias und Zacharias, wie Johannes den Täufer und Johannes den Fischer, die Jungfrau Maria und die ehedem besessene Maria von Magdala.

Diese Herrlichkeit erfasste einen Petrus und seinen Bruder Andreas, einen Gerber Simon und einen Hauptmann Cornelius. Und um nur wenige weiter zu nennen, einen Armenpfleger Stephanus, den Leviten Barnabas, den Pharisäer Paulus, den Arzt Lukas, Phöbe, die Diakonissin und das römische Teppichwirker-Ehepaar Aquilla und Priscilla. Wir denken an Polikarp von Smyrna, den Offizier Sebastian, die Sklavin Felicitas von Karthago, den Goten Wulfila, oder Basilus von Cäsarea. An Peter Waldus und Franz von Assisi, der Rechtsanwalt Jacopono, Nikolaus von der Flühe und Filippo Neri. Weitherhin Johannes Huss und Johannes Denk, den Adeligen Kaspar von Schwenkfeld und den Seifensieder Sebastian Frank. Erinnert sei auch an Paul Gerhardt, den französischen Mathematiker Blais Pascal und den englischen Kesselflicker John Bunyon, Johan Abrecht Bengel und Graf von Zinsendorft. Nicht vergessen sei Vianney, der unbegabte Pfarrer von Ars, der Waisenvater Georg Müller, Christoph Blumhard und Hudson Tylor.

In lebendiger Erinnerung sind Friedrich von Bodeschwingh und der Textforscher Lobegott, Friedr. Konstantin Tischendorf, Forstmeister Eberhard von Rothkirch, Sadhu Sundar Sigh, Theodor Böhmerle, Dietrich Bonhoeffer, Dora Rappard und Hedwig von Redern , sowie der Japaner Kagawa und der Chinese Watschman Nee.

Ach, wie viele Träger seiner Herrlichkeit sind bei dieser wahllos herausgegriffenen Zahl ungenannt, denn wer könnte die Tausende von bekannten Namen aufzählen, an denen auch die Welt nicht vorübergehen kann. Wieviel größer ist die Zahl der vielen namenlosen Zeugen, die Hunderttausende von unbekannten Heiligen, die alle die gleiche flammende Liebe zur Bruder, die unbestechliche Geradheit und das standhafte Erdulden aller Widerwärtigkeiten, oftmals bis zum Scheiterhaufen oder Schafott bewegte.

Als der Präfekt von Rom im Jahre 258 den Diakon Laurentius aufforderte, ihm den Reichtum der Kirche auszuliefern, da brachte dieser ihm die Greise, Kraken, Witwen, Waisen und Armen seiner Gemeinde, denn das, so erklärte er, ist unser größter Reichtum - weil in ihnen die unvergängliche Herrlichkeit Christi ist. Auch Laurentius durfte daraufhin Gott verherrlichen, denn er wurde bei niedrigem Feuer geröstet.y

Die fünf Herrlichkeiten Christi

Es erscheint uns als ein eigenwillige Brauch Josephs, wenn wir lesen: "Und man trug Gastgeschenke von ihm zu den Brüdern; und das Ehrengericht Benjamins war fünfmal größer als die der anderen," 1Mo 43:34. Ebenso heißt es in 1Mo 45:22: "Er gab ihnen allen, einem jeden, Wechselkleid, und Benjamin gab er fünf Wechselkleider". (nur am Rande sei vermerkt, dass dieses als Wechselkleid bezeichnete Festgeschenk, hebr "maseth", andernorts als flamme oder Feuerzeichen übersetzt wird. Ein Symbol für strahlende Heiligkeit). Man kann nur das geben, was man selber besitzt. Natürlich konnte Joseph hunderte von Kleidern besorgen, aber wesensmäßig hatte er selbst fünf Kleider getragen. Da war zuerst der bunte lange Rock des Vaters (1Mo 37:3), die Brüder gaben ihm nur den Lendenschurz eines Sklaven.

Potiphar gab ihm zum Aufseheramt ein angemessenes Kleid, das Joseph fahren ließ, als Potiphars Weib ihn verführen wollte (1Mo 39:12-16). Sein viertes Gewand war Gefängniskleidung (1Mo 41:14) und und sein fünftes erhielt er von Pharao bei seiner Erhöhung 1Mo 41:42. Wenn wir wissen, dass Gewänder Darstellungen der Gerechtigkeiten (Offb 19:8) und damit Herrlichkeitsgrade sind, ferner, dass Joseph ein schattenriss auf Christus ist, so stellen sich damit die fünf Herrlichkeiten des Herrn heraus.

Zuerst geht es um jene Herrlichkeit, die Christus beim Vater hatte, ehe die Welt gegründet war, Joh 17:5. Dann die als Gott Israels, denn wir lesen von den Ältesten am Sinai: "und sie sahen den Gott Israels. Und Seinen Füßen war es wie ein schöner Saphir und die Gestalt des Himmels, wenn es klar ist" 2Mo 24:10. Da aber nach Jesu Aussage niemand Gott je gesehen hat, ist diese Erscheinung dann der Sohn in Seiner Herrlichkeit gewesen, Die dritte Herrlichkeit leuchtet durch das Sklavengewand des Menschensohnes, Joh 1:14. Die vierte als der Gesalbte im Totenreich 1Petr 3:18-20. Die fünfte Herrlichkeit ist die zur Rechten Gottes, dem Engel, Gewalten und Mächte untertan sind, Eph 1:20-23; 1Petr 3:22.

In dieser letztgenannten Herrlichkeit wird Christus bei Seiner Wiederkunft offenbar werden, wund wir mit Ihm, wenn Sein Geist in uns ist, Mt 25:31; 2Thes 1:7. "Wenn er kommen wird, dass Er herrlich erscheine in Seinen Heiligen und wunderbar (oder angestaunt) in allen Gläubigen." 2Thes 1:10. Denn wie Joseph die fünf Kleider dem Jüngsten, nämlich Benjamin - dem Sohn der Rechten gab, so haben die bis zum Thron erhöhten Überwinder von Offb 3:21 auch den vollen Anteil an den Herrlichkeit Christi.

In Wüste und Niedrigkeit

Wer mitherrschen will, der muss auch mitleiden. Paulus sagt: Darum erdulde ich a l l e s um der Auserwählten willen, auf dass auch sie die Seligkeit erlangen in Christo Jesu mit äonischer Herrlichkeit".

Israel musste erst in die Wüste und dort in die bitterste Not kommen, um bis auf jeden Tropfen Wasser und jede Brotkrume ganz von seinem Gott abhängig zu sein. Wenn es uns einmal am Nötigsten fehlt, dann wind auch wir in der Gefahr, mürrisch zu werden. Aber welch wunderbarer Gott!

Das Murren Seines Volkes vergilt Er mit dem Anblick Seiner Herrlichkeit. So lesen wir in 2Mo 16:7+10: "Und am Morgen da werdet ihr die Herrlichkeit des Herrn sehen., indem Er euer Murren wider Jehovah (oder Jahweh) gehört hat. Und es geschah, als Aaron zu der ganzen Gemeinde der Kinder Israel redete, da wandten sie sich gegen die Wüste; und siehe, die Herrlichkeit des Herrn erschien in der Wolke".

In Hes 9:3 heißt es: "Und die Herrlichkeit des Gottes Israels erhob sich von dem Cherub, über welchem sie war, zu der Schwelle des Hauses hin". Nichts an einem Hause wird mehr beschmutzt und abgenutzt, weil tagtäglich mit Füßen betreten, als die Schwelle. Doch gerade dort lässt sich die Herrlichkeit des Herrn nieder. Du hast immer soviel Herrlichkeit, wie du für Christus Schmach erleidest. "Denn das ist Gnade, wenn jemand sich schlecht und ungerecht behandeln lässt und das willig erträgt, weil er sich in seinem Ge wissen Gott gegenüber gebunden fühlt. Dazu seid ihr ja berufe, hat doch auch Christus für euch gelitten und euch so ein Vorbild hinterlassen, damit ihr Seinen Fußstapfen nachfolgt." (1Petr 2:19+21).

Gerade Seine tiefste Erniedrigung nannte Christus Erhöhung zur Herrlichkeit, Joh 12:32.33; Joh 17:1. Bevor wir uns erniedrigen lassen, müssen wir uns selbst erniedrigen können"denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht".

Verachte niemals das Geringe! Als 70 Jahre nach der Zerstörung des salomonischen Tempels das neue Heiligtum durch Serubabel errichtet wurde, da weinten die Ältesten im Volk, denn sie erinnerten sich der früheren Pracht. Auch ihnen musste der Geist Gottes zurufen, die geringen Anfänge nicht zu verachten. "Wer ist unter euch übrig geblieben, der dieses Haus in seiner früheren Herrlichkeit gesehen hat?" Aber gerade hier heißt es: "Die letzte Herrlichkeit dieses Hauses wird größer sein als die erste", denn zu diesem Tempel kam Jesus Christus, Hag 2:3+9; Mal 3:1. Auch Paulus und Petrus rufen uns zu: "Trachtet nicht nach hohen Dingen, sondern haltet euch herunter zu den Niedrigen"; "Denn Gott widersteht den Hoffärtigen, aber den Demütigen gibt Er Gnade", Röm 12:16; 1Petr 5:5.

Weil Christus mit aller Seiner Herrlichkeit nur bei solchen einkehrt, die niedrig geworden sind und nicht viel von sich halten, denn denen allein kann Er zum Sündenheiland werden, darum ruft Er auch einem Zachäus zu: "Steig eilend hernieder, denn ich muss heute in deinem Hause einkehren" Lk 19:5.

Herrlichkeitsträger

Vergegenwärtigen wir uns, was in der Schrift als Herrlichkeitsträger bezeugt wird, so finden wir, dass es außer Christus, welcher der Herr der Herrlichkeit ist (1Kor 2:8; Jak 2:1), lauter solche Dinge sind, mit denen wir täglich Verbindung haben. was ihnen über den Alltag hinaus Hoheit verleiht, das ist die wunderbare Tatsache, dass Gott sich das alles zum Eigentum erkoren hat, es sei Name, Wort Wolke oder Haus. Denn das ist Gottes Herrlichkeitsziel, dass jeder Kochtopf und selbst das Zaumzeug und die Schellen der Rosse einmal dieselbe Aufschrift tragen, die den Hohenpriester von allen auszeichnete: "Heilig, dem Herrn!" Sach 14:20. Erst dann werden nicht nur wir, sondern auch das geringste Stäubchen unseres Alltags durchherrlicht sein.

Lasst uns aber jetzt schon beginnen,

den N a m e n Seiner Herrlichkeit zu rühmen, 1Chr 29:13, denn dieser Name ist über alles herrlich durch Sein W o r t, Ps 138:2, so wie unsere Hilfe in den W o l k e n der Herrlichkeit ist, 5Mo 33:6, ist uns die Stätte Seines H a u s e s lieb, als Wohnort Seiner Herrlichkeit, Ps 26:8.

Und über dem was Sein i s t , dürfen wir mit erleuchteten Augen des Herzens auch schon das erkennen, was einst Herrlichkeit w i r d. Denn es wird jeder Name, jedes Wort, jede Wolke und jedes Haus ein Herrlichkeitsträger sein.

Wer seine Bibel kennt, der weiß, dass jetzt nur die Gemeinde Jesu Christi Haus und Wolke der Herrlichkeit mitten in einer Welt des Todes ist. Im kommenden Herrlichkeitsreich wird es ganz Israel, danach alle Nationen und der ganze Kosmos, denn auch dieser ist sein Haus, Hebr 3:3-6.

Dass aberGott jetzt schon und in dieser Welt verherrlicht werde, dazu sind wir m it Seinem Namen genannt (Jer 15:16; Röm 9:26; Jak 2:7) und haben sein Wort in uns, so dass der Sohn der Herrlichkeit sagen kann: "Wenn ihr in Mir bleibet, und Meine Worte in euch bleiben, so werdet ihr bitten was ihr wollt, und es wird euch geschehen. Denn darin wird Mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringet", Joh 15:7.8. Darum haben wir teil an einer Wolke von Zeugen (Hebr 12:1) und werden zu einer Wohnung Gottes im Geist (Eph 2:22), denn auch du bist trotz aller Mängel und Kümmernisse gerufen, ein Herrlichkeitsträger Gottes z u werden und zu bleiben.

Herrlichkeit durch Zerbruch

Gottes Wege sind immer Zerbruchswege, damit sich vor Ihm kein Fleisch rühme. Er be reitet damit aber keinen Scherbenhaufen, sondern eine ganz neue Schöpfung 2Kor 5:17.

Wie Maria von Bethanien bei der Salbung Jesu ein Alabastergefäß zerbrach, und die köstliche Narde das ganze Haus erfüllte, so ließ sich auch Der zerbrechen, in dem die Füller der Gottheit und Herrlichkeit wohnt, damit auch die Gemeinde als das Haus des Herrn erfüllt werde. Aber dieser köstliche Balsam fließt nur in zerbrochenen Herzen, denn sie sind Gottes Wohnung, Jes 57:15. Erst durch Zerbruch werden aus Gefäßen des Zorns solche der Barmherzigkeit, die Gott mit Seinem Trost erquicken kann.

Wir alle waren einst Kinder des Zorns und somit solche, die von sich aus k ein einziges Lot von Herrlichkeit besitzen. Um aber kundzutun den Reichtum Seiner Herrlichkeit an Gefäßen der Barmherzigkeit, sind auch wir bereitet zur Herrlichkeit, Röm 9:23.

Einer der grimmigsten Feinde Jesu war Saul. vor Tarsus, wahrlich ein Gefäß des Zorns, das einst mit Drohen und Morden schnaubte. Aber Gott hat ihn zu einem auserwählten Gefäß gemacht, angefüllt mit Gnade und Herrlichkeit. Was aber mit diesem einen Feind und ebenso mit uns geschah (denn Christus hat auch uns erlöst, da wir noch Feinde waren, Röm 5:10), das kann Er auch mit allen feinden tun."Denn der Gott, der da hieß das Licht aus Finsternis hervorleuchten, hat in unsere Herzen hineingestrahlt, dass auch durch uns die Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes im Angesicht Christi erglänze." (2Kor 4:6).

Das Zeichen des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe

Wie wir z u Gottes eigenem Reich, und nicht zu dem aus Menschenmacht und Vorstellung berufen sind, so sind wir auch zu Gottes eigener Herrlichkeit berufen, 1Thes 2:12, 2Petr 1:3. Man beachte, Gottes Herrlichkeit und nicht unsere. Dennoch soll sie in uns und durch uns gelebt und erstorben werden, und als Glaube, Hoffnung und Liebe in unser Dasein hineingewebt werden. darum fährt Petrus in seinem 2. Brief mit der Ermahnung fort: "Reichet dar, mit Anwendung allen Fleißes, in eurem Glauben Tugend, Erkenntnis, Enthaltsamkeit, Beharrlichkeit und Frömmigkeit, bis hin zur brüderlichen Freundschaft und Liebe". Denn diese alle sind Beiträge zur Herrlichkeit, die Christus in uns gestalten möchte.

Ein Leben ohne Glaube, Hoffnung und Liebe ist ein Dasein ohne Herrlichkeit. Wir haben die zur Darstellung von Herrlichkeit notwenigen Eigenschaften aber niemals in uns oder durch Veranlagung, sondern sie werden uns im Glauben geschenkweise dargereicht. So ist es auch mit den guten Werken. Sie sind zwar notwendig, aber nicht zur Errettung, sondern zum Lobpreis. Könnten uns Werke erretten, dann hätte Christus nicht sterben brauchen. Könnten uns Werke erretten, dann hätte Christus nicht sterben brauchen. Es ist umgekehrt! Weil wir durch Christus errettet sind, darum haben wir auch alle diese Geschenk mitbekommen, um dieselben nun in einem heiligen Wandel weiterzureichen, Eph 2:8-10.

Immer wo Herrlichkeit, da ist auch Glaube - und wo wirklicher, oder besser gesagt, wirksamer Glaube ist, da wirkt er Herrlichkeit. Das bestätigen uns die Worte: "Er offenbarte Seine Herrlichkeit und Seine Jünger glaubten an Ihn", sowie "Jesus spricht: Habe Ich dir nicht gesagt, so du glauben würdest, du solltest die Herrlichkeit Gottes sehen?" Joh 2:11 und Joh 11:40.

Jetzt wird Herrlichkeit gewebt

Sobald ein Mensch aus dem Sündenschlaf erweckt wird, ist er um seine eigene Rettung besorgt. Wenn ihn aber die Liebe Christi erfasst, so kümmert er sich auch um das Heil der anderen. Wir sollten aber wissen, dass Gott uns eine noch weit größere Verantwortung auferlegt hat, nämlich eine gegenwärtige und zukünftige Herrlichkeit.

Jeder Mensch ist ein einmaliges Wunderwerk Gottes und im ganzen Universum unersetzlich, weil keiner mehr genau so ist wie er. Darum ist es überaus betrüblich, wenn ein Mensch aus Verzweiflung oder geistiger Umnachten sein Leben von sich wirft. Viele aber wissen nicht einmal, dass sie durch Zweifel und Kleinglauben Selbstmörder ihrer Herrlichkeit sind.

Goethe lässt einen Geist in seinem Fast sprechen: "So schaff ich am sausenden Webstuhl der Zeit und wirke der Gottheit lebendiges Kleid."

Wie wichtig ist es doch zu wissen, dass wir a l l e jetzt bereits an unserem Herrlichkeitskleid weben. Zukünftige Äonen werden erweisen, dass jede Entbehrung, alles Leid und jedwede Schmach um Christi willen, Fäden kommender Herrlichkeit waren. Darum ist es so bedeutungsvoll, Jesus in dieser Lebenszeit zu bezeugen, und im Geringen treu zu sein, um dereinst nicht nackt erfunden zu werden.

Eine Raupe, die sich nicht genügend mit Nahrung versorgt, wird nie ein Schmetterling. Welch einen göttlichen Lehrauftrag hat hier sogar ein scheinbar unnützes Insekt. In dem feinen Büchlein "Was mich der Schmetterling lehrt", schreibt der Schweizer Pfarrer Alexander Morel, dass wir gerade am Falter (die Griechen bezeichneten ihn ebenso wie die Seele als "Psyche") "die aufeinanderfolgenden Stufen unserer Herrlichkeitsentwicklung von unserer Wiege bis zu seinem Thron wie mit dem Finger aufzeigen können." An dem mühsamen vom Ei über die Raupe und Puppe, bis er jenes wundervoll zarte, buntfarbige und leichtbeschwingte Wesen ist, knüpft Morel die Lektion: "Die Herrlichkeit unseres Auferstehungsleibes hängt ab von der Treue, mit der wir uns hinieden vom Brot des Lebens genährt haben. Wir werden drüben sein, was wir hier begonnen haben zu sein.'"

Herrlichkeit als Beweis der Erlösung

Friedrich Nietzsche hat bekanntlich ein Wort geprägt, das für die Massen, die sich ohne Bekehrung Christen nennen, leider nur zu wahr ist: "Erlöster müssten sie mir aussehen, wenn ich an ihren Erlöser glauben sollte." Das Wort Gottes zeigt uns, dass wirkliche Erlösung immer zur Herrlichkeit führt: "Denn welche Er zuvor erkannt hat, die hat Er auch zuvorbestimmt, dem Bilde Seines Sohnes gleichförmig zu sein. Welche nun zuvorbestimmt sind, dies hat Er auch berufe; und welche Er berufen hat, diese hat Er auch gerechtfertigt; welche Er aber gerechtfertigt hat, diese hat Er auch verherrlicht." Röm 8:29.30.

Der Mensch war er schaffen im Bilde des Sohnes, um für Gott herrlich zu sein. Doch der von Satan eingeimpfte Unglaube und der daraus entstandene Ungehorsam hat alles verdorben. Nach den Worten der Schrift ist Christus der Schöpfer (Kol 1:16; Joh 1:3.10) und Er wurde auch der Erlöser. Erlösung bedeutet losgemacht von Schuld und Sünde zu einem neuen Leben, und hineingebracht in das Wohlgefallen Gottes durch den Heiligen Geist. Dies ist ein Geist der Freiheit (2Kor 3:17) und darum bringt er Freude, Weisheit und Kraft. Darum steht geschrieben: "Es sollen jubeln und jauchzen die Frommen in Herrlichkeit" (Ps 149:5) und "reden Gottes Weisheit, zuvorbestimmt zu unserer Herrlichkeit" (1Kor 2:7) "Auf dass Er uns gebe nach dem Reichtum Seiner Herrlichkeit, mit Kraft gestärkt zu werden durch Seinen Geist an dem inneren Menschen" (Epn 3:16).

Die Kraft der Herrlichkeit

Lazarus war den Weg alles Fleisches gegangen und nun ein stinkender Leichnam - aber der Herr Jesus spricht: "Gotteshelfer, komm heraus!" und ein lebendiger Zeuge und freund Jesu steigt aus der Gruft. So erfüllte sich das Wort: "Sagte Ich dir nicht, so du glaubtest, sähest du die Herrlichkeit Gottes!" Die Kraft der Herrlichkeit ist das Auferstehungsleben des neuen Menschen, denn in Christo hat unser neues Leben begonnen, 2Kor 5:17. Die Verwesung ist von uns genommen, wiewohl unser äußerlicher Körper in der Schwachheit belassen ist, denn gerade in der Schwachheit kommt die Kraft Gottes zur Vollendung, 2Kor 12:9. So wird in unserer eigenen Armut allezeit Sein Reichtum überfließend, denn alle Herrlichkeit ist um des Christus willen, damit nicht der Helfer, sondern der Sohn geehrt werde, Eph 1:12. Wir sollen nicht "etwas" sein, wie Luther diesen text leider übersetzte, sondern alles - ein ganzer Auferstehungsmensch.

Dazu braucht es immer wieder erleuchtete Sinne, denn der natürliche seelische Mensch vernimmt noch nichts von dieser Herrlichkeit und weiß nichts von dem "Reichtum der Herrlichkeit Seines Erbes in den Heiligen, und welches die überschwängliche Größe Seiner Kraft an uns ist", Eph 1:18.19. Diese Kraft war wirksam in dem Christus, da Er aus den Toten erweckt wurde. Und so wie Christus durch die Herrlichkeitsmacht Gottes erweckt wurde, so werden auch wir ausauferweckt (1Kor 6:14 wörtlich), um fürderhin ein neuer Mensch zu sein. "Auf dass, gleichwie Christus aus Toten auferweckt worden ist durch die Herrlichkeit des Vaters, ebenso auch wir in Neuheit des Lebens wandeln", Röm 6:4.

Frucht der Gerechtigkeit

Zähe Arbeit führt zwar oft zum Erfolg, aber niemals zur Frucht. Wenn darum in Röm 2:7 von denen gesprochen wird, "die mit Ausharren in guten Werken Herrlichkeit suchen" (was ihnen in Röm 2:10 auch zugesagt ist), so darf das nicht derart verstanden werden, als hätte sie sich die Herrlichkeit nun erarbeitet. Es ist vielmehr ein Auswirken und Ausreifen dessen, was Gott samenartig durch Christus in uns hineinlegte, "denn Gott ist's, der in euch wirkt beides, das Wollen. und vollbringen, nach Seinem Wohlgefallen", Phil 2:13. Nicht wir schaffen es also, sondern Christus in uns. Und alles was Gott uns schickt, wirkt dann zum besten, nämlich zur Ausreifung, sobald wir in Christus eingewurzelt sind. Dann rühmen wir uns auch der Trübsale (Röm 5:3), denn gerade sie führen den notwendigen Reifeprozess zum Abschluss. Wie weit wir ausgereift sind, das kann jeder an Gal 5:22 ermessen, denn die neunteilige Frucht des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Gütigkeit, Treue, Sanftmut und Enthaltsamkeit.

Herrlichkeit ist die Frucht göttlicher Gerechtigkeit. Wir erhalten nicht ei ne Gerechtigkeit "die vor Gott gilt", wie es oftmals heißt, sondern dem Grundtext gemäß Gottes eigene Gerechtigkeit. Wer sein Leben "bessern" will, statt diese Gottesgerechtigkeit zunehmen und darin zu wandeln, dem bleibt die Herrlichkeit ein unerreichbares Hochziel. Er durch die Erleuchtung des Geistes erkennen wir: Der da rief "Es ist vollbracht", Der ist es auch, der in meinem Leben alles vollbringt. Wer das weiß und glaubt und erlebt, der wird anbetend bekennen: "Die jetzt schnell vorübergehende Drangsal ist leicht gegenüber der durch sie bewirkten, über alle Maßen zum Überschwang führenden Wucht ewiger Herrlichkeit", 2Kor 4:17.

Herrlichkeit als Machtbeweis

Sünde ist der traurige Versuch, ohne Gott herrlich zu sein. Aus diesem Grunde sind Sünde und Tod auch die größte Macht des Gottes dieser Welt. Aber Gottes Macht ist um soviel größer, als auch Seine Herrlichkeit überragend und unendlich ist. Die Herrlichkeit dieser Welt aber ist wie des Grases Blume - sie verwelkt und verbrennt.

Doch darum muss alle selbsteigene Herrlichkeit ersterben oder wie wir auch sagen können, ist alles unter der Sünde beschlossen, damit der Glaube Jesu Christi den Weg zu Gottes Herrlichkeit eröffne, Gal 3:22.

Im Lobgesang des Mose heißt es: "Mit Deiner großen Herrlichkeit hast Du Deine Widersacher gestürzt", 2Mo 15:7. Als der Sohn Gottes auf diese Erde kam,war es nicht anders. Die Pharisäer, diese von Satan angestachelten Selbstgerechten warfen Jesus Selbstherrlichkeit vor. Christus aber bewies, dass Er Herrlichkeitsvollmacht vom Vater hatte, indem Er die Menschen sowohl von ihrer Sünde wie auch von ihrer Krankheit bef reite. Konnten sie schon diesem Machtbeweis nichts entgegensetzen, so noch viel weniger, als Er Sein Leben zur Erlösung aller Menschen gab.

Auch im Leben und Sterben der Seinen fehlt es nicht an diesem Machtbeweis. In Offb 12:11 heißt es: "Und sie haben überwunden durch des Lammes Blut und durch das Wort ihres Zeugnisses und haben ihr Leben nicht geliebt bis in den Tod".

Weil der Sitz der Sünde das Fleisch ist, darum wird es zu einem vollständigen Sieg Gottes, wenn sich das Wort in Jes 40:5 erfüllt: "Die Herrlichkeit des Herrn soll offenbart werden, und alles Fleisch miteinander wird es sehen; denn des Herrn Mund hat's geredet." Das wird letztlich in der Stunde sein, da alles den Sohn erkennt und anerkennt (Phil 2:5-11) denn Er ist der Glanz der Herrlichkeit Gottes, Hebr 1:3.

Von innen gebildete Schönheit

Der Mensch sieht was vor Augen ist, aber Gott sieht das Herz an, 1Sam 16:7. Das Buch der Sprüche klingt aus mit einem Loblied auf die tugendsame Hausfrau. Und der Schluss dieses Liedes heißt: "Der Reiz ist ein Treue und die Schönheit ein Hauch - aber ein Weib das den Herrn fürchtet, das werde gepriesen".

Äußere Schönheit allein ist ein schmeichelnder Irrtum, denn es kommt auf die innere Schönheit an. "Nicht Haarflechten und Goldumhängen oder Kleideranlegen, sondern der verborgene Mensch des Herzens unverrückt mit sanftem und stillen Geist, das ist köstlich vor Gott" 1Petr 3:4. Erst wo diese innere Schönheit alles Äußere überstrahlt, können wir von Herrlichkeit sprechen.

Über diese Herrlichkeit sagt der Schreibe des Ps 45 von Christus: "Du bis der Schönste. unter den Menschenkinder". Aber auch von der Seele, die Ihn liebt, ist gesagt: "Er wird deine Schönheit begehren", denn "sie ist i n n e n ganz herrlich". Ob das auch von dir und deiner Seele gesagt werden kann? Damit es keinem ermangele, wollen wir uns alle der Bitte Tersteegens anschließen:

"Lass die Deinen noch auf Erden
Ganz nach Deinem Herzen werden;
Mache Deine Kinder schön,
Sanft, einfältig, wie Dein Wille,
Und wie Du sie gern willst sehn."

Ausgewirkte Heiligkeit

Es war Prälat Bengel, welcher sagte: "Wenn Heiligkeit und Herrlichkeit besammen stehen, so ist Heiligkeit die verborgene Herrlichkeit, und die Herrlichkeit ist aufgedeckte Heiligkeit".

Ps 4:3 ruft uns zu: "Erkennet doch, dass der Herr den Frommen für Sich abgesondert hat" -das meint geheiligt. Wir können aber auch lesen: "der Seinen Frommen ausgezeichnet hat" - und das ist dann verherrlicht. Und derselbe David sagt: "Darum hast Du zu den Heiligen, die auf eRden sind gesagt: "Das sind die Herrlichen, an denen ist Mein ganzes Wohlgefallen." Das ist auch der Grund, weshalb Paulus alle Gemeindeglieder als Heilige anredet und 2Kor 8:23 die Brüder und gesandten als Christi Herrlichkeit bezeichnet.

Als Stephanus sich vor dem Hohen Rat zu verantworten hatte, da begann er sein Zeugnis mit dem Gott der Herrlichkeit. Dabei leuchtete sein Angesicht wie das Antlitz eines Engels, denn er sah die Herrlichkeit Gottes und Jesus stehen zu seiner Rechten. Immer wieder gibt es ein solches Hervorleuchten innerer Schönheit und Heiligkeit. ein Gotteskind ist unter Tausenden herauszufinden, denn, so sagt Frede v. Bethmann-Hollweg:

Es braucht der Worte nicht
Sie kennen sich am Liede,
Am leuchtenden Gesicht".

Strahlende Vollkommenheit

David weiß von sich und seinem Gott in Ps 18 zu sagen: "Du erleuchtest meine Leuchte; der Herr, mein Gott, macht meine Finsternis licht. Denn Gottes Weg ist vollkommen." Und damit weist er direkt auf Christus, der das Licht der Welt ist und der allein vollkommen macht, denn Er, und nur Er ist d e r Weg, und d i e Wahrheit und d a s Leben, Joh 14:6. Ohne Seine Liebe bleibt alles glanzlos und unvollkommen. Es war eines der gewaltigsten Worte, die je vernommen wurden, als der Sohn Gottes uns die größte aller Forderungen eröffnete: "Ihr nun sollt so vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist", Mt 5:48. Welche ungeheure Lüge war das also, als Satan es so hinstellte, als dulde Gott keinen neben sich, der ebenbürtig sei. So bedeutet ja alles, was von Satan kommt, Nacht und Verderben. Was der Mensch seit jener Paradiesesstunde tut ist zwielichtig und mangelhaft; aber alles was Gott wirkt ist vollkommen.

Wäre die große Forderung Jesu eine durch uns selbst zu begleichende Rechnung, so müsste sie in alle Ewigkeit unerfüllt bleiben. Der Sohn stellt diese Forderung der Vollkommenheit, weil es Gott ist, der als Vater der Herrlichkeit alles mit Herrlichkeit erfüllt. Da wir niemals in uns vollkommen sein können, heißt es in Kol 2:10: "Und ihr seid vollkommen i n I h m, welcher das Haupt aller Fürstentümer und Obrigkeiten ist." Nur der über allen steht, kann allen alles geben! In Hes 16:14 steht das wunderbare Wort:

"Du bist vollkommen durch Meine Herrlichkeit, die Ich auf dich gelegt habe". So wie es hier von Jerusalem gesagt ist, wird auch jeder einzelne Gläubige mit hineingenommen in die strahlende Vollkommenheit Gottes.

Weil dies der Vollkommenheitsweg Gottes mit den Seinen ist, darum sind wir aufgerufen "einmütig mit e i n e m Munde den Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus zu verherrlichen. Nehmet deshalb auch ebenso einander auf, wie der Christus euch aufgenommen hat, zu Gottes Herrlichkeit", Röm 15:6.7. Nur wer dazu gewillt ist, kann auch mit Tersteegen singen:

Du durchdringest alles; lass Dein schönstes Lichte,
Herr, berühren mein Gesichte. Wie die zarten Blumen
willig sich entfalten und der Sonne stillehalten
lass mich still und froh
Deine Strahlen fassen und Dich wirken lassen."

Wozu Herrlichkeit dient

Nach allen diesen Betrachtungen ist es gewiss nicht mehr nötig, noch einmal besonders darzulegen, wozu denn die Herrlichkeit überhaupt dienlich ist. Aber es drängt mich, ganz deutlich noch herauszustellen, Herrlichkeit ist kein Luxusgegenstand, auf den der Geringe gut verzichten könne oder sogar muss. Ganz im Gegenteil! Gerade die Herrlichkeit Gottes ist vonnöten, um alle unsere Notdurft auszufüllen, Phil 4:19. Herrlichkeit ist weder ein Spielzeug unserer Fantasie, noch ein Spiegel unserer Eitelkeit, sondern einem Starkstrom zu vergleichen, dem keiner vorwitzig begegnen darf, weil er zur Kraftentfaltung, Heiligung und Erleuchtung dient. Von der Stadt, die nach Offb 21:11 die Herrlichkeit Gottes hat, geht ein solcher Strom aus, klar wie Kristall, und zu seinen beiden Seiten wächst Holz des Lebens.

Herrlichkeit ist nicht allein ein Ausfluss göttlicher Gnade um so vergeben zu können, wie uns vergeben ist, sondern auch ein Mittel unserer eigenen täglichen Erneuerung, Hi 29:20. So wie jeden Morgen die Sonne in ihrer Pracht neu aufgeht, so ist uns auch Gnade und Herrlichkeit immer wieder neu geschenkt.

Wenn schon Saat und Ernte oder Sommer und Winter nicht aufhören, solange die Erde besteht, um wieviel weniger kann Herrlichkeit aufhören! Was Gott darum einst dem Josua (ein Schattenbild für Jesus) geboten hat, getrost und freudig zu sein, das gilt auch in unserer Zeit - den Tagen des Endes. Gerade hier ist der Blick auf die Herrlichkeit und die Freude am Herrn als Stärke not. Darum steht in Jes 13:3 geschrieben: "Ich habe Meinen Geheiligten geboten, und selbst die zur Ausübung des Zorngerichts bestellten sind fröhlich in Meiner Herrlichkeit".

Auch David sag in Ps 16:9 "Meine Herrlichkeit (kabod) ist fröhlich".

Traurigkeit und Müdigkeit stecken an. Als ich einmal in einer Galerie ein Gemälde sah, das lauter gähnende Menschen darstellte, musste ich ebenfalls gähnen. Und gleich mir ging es allen Beschauern. Aber nicht nur Müdigkeit und Krankheiten sind ansteckend, auch Gottes gesundmachende und lebenweckende Herrlichkeit lässt keinen unberührt.

Darum stellt Gott uns das Bild Seines Sohnes vor Augen, von dem wir lesen: "Nun spiegelt sich in uns allen des Herrn Herrlichkeit mit aufgedecktem Angesicht, und wir werden. umgestaltet in dasselbe Bild, von Herrlichkeit zu Herrlichkeit" 2Kor 4:18.

Unsere Verkündigung

Wir haben unseren Mitmenschen keine Droh-, sondern Froh-Botschaft zu bringen. Jeder Mensch, ob jung oder alt, hat eine unbeschreibliche Liebessehnsucht und einen unbändigen Hunger nach Herrlichkeit. Schon Joseph trug seinen Brüder auf: "V e r k ü n d e t meinem V a t e r alle H e r r l i c h k e i t und was i h r gesehen habt", 1Mo 45:13. Und so fordert auch Gottes Wort auf: "Erzählte unter den Nationen Seine Herrlichkeit, unter allen Völkern Seine Wunder", "wo man nichts von Mir gehört und Meine Herrlichkeit nicht gesehen hat, soll sollen sie Meine Herrlichkeit unter den Nationen verkündigen!" 1Chr 16:24; Jes 66:19.

Gott gebe, , dass unser Tage nicht wie ein Geschwätz noch in unnützem Geschwätz zubringen, sondern wie ein David in Ps 145: "Ich will reden von Deiner herrlichen schönen Pracht und von Deinen Wundern, dass man soll sagen von deinen herrlichen Taten und dass man erzähle Deine Herrlichkeit!"

Der unvergängliche Ruhm

Alles Vergängliche hält nur auf. Gott will uns Besseres geben! Ralf Luther, der ehemaliger Pfarrer von Dorpat schrieb deshalb, der Mensch solle sich nicht damit abfinden, dass er nun einmal ein Sünder sei. "Er soll keinen Kompromiss schließen mit dem Zustand, wo ihm der Adel seiner göttlichen Abstammung, die Hoheit und Siegeskraft fehlt. Er soll daran festhalten, dass ihm die Herrlichkeit, die von Gott ist, zukommt und ihm darum gegeben werden wird. Das nennt Jesu glauben."

In diesem unerschütterlichen Glauben lasst uns alle stehen. und allerwege auf Jesus schauen. "Die auf Ihn schauen, die werden erquickt, und ihr Angesicht wird nicht zuschanden." Ps 34:6. Sol wie wir auf Ihn schauen, schaut Er aus uns heraus! Darum ist die Christussichtbarkeit in jedem einzelnen Glied Seiner Gemeinde die hohe Schule dieses Lebens, durch tiefste Tiefen hindurch.

Lasst uns allzeit dessen eingedenk sein, dass wir zum "Lob Seiner Herrlichkeit" erwählt sind. Das wird uns dreimal im Epheserbrief (Eph 1:6.12.14) durch den Apostel der totalen Hingabe bezeugt. Diese Erwählung zur Herrlichkeit bedeutet, dass alles Menschenwerk verblassen muss, um der Erlösung durch Christus die volle Ausgestaltung zu geben. Dadurch allein wird alles Finsterniswesen in und um uns verzehrt. So kann Gottes Herrlichkeit "mit dem hellen Glanz des Himmels in unmittelbarer Nähe der Sonne verglichen werden. denn wie man von der Helligkeit des Himmels auf Licht und Wärm der Sonne schließen kann, so ist die Herrlichkeit Gottes das Leuchten sEines Wesens, Seiner Macht und Seiner Gegenwart." (Markus Barth). Gottes Leuchten in den Seinen bedeutet Leiden und Herrlichkeit für den Christus.

Die Weltgeschichte ist mit Blut und Tränen geschrieben; ein Grauen, das sich noch ins Unvorstellbare steigern wird, denn der Gott dieser Welt ist ein Mörder von Anfang. Der Gott und Vater unseres Herrn Jesu aber ist unser Ruhm! Da alle Herrlichkeit vom Vater ausgeht, offenbarte uns Christus des Vaters Herrlichkeit voller Gnade und Wahrheit, Joh 1:14. Und auch Paulus kann uns bezeugen, dass der Vater der Herrlichkeit zugleich auch ein Gott allen Trostes und ein Vater der Barmherzigkeit ist, Eph 1:17; 2Kor 1:3.

Das Letzte wird nicht Gräuel und Verderben, sondern Herrlichkeit und niemals endende Herrlichkeit sein. Gott der Vater auch unserer Herrlichkeit, hat geschworen: "So wahr als Ich lebe, so soll alle Welt der Herrlichkeit des Herrn voll werden!" 4Mo 14:21.

Gedicht: Freudenkunde

Jauchzet ihr Himmel, das Haupt und die Glieder
erscheinen in heiliger Macht.
Freue dich Erde, dein Heiland kommt wieder;
aber als König in strahlender Pracht.
Küsset den Sohn ihr Mächte,
betet im Staube an!
Tretet in seine Rechte
und seid in Liebe der Retter untertan.
Alles was Christus am Kreuze begonnen,
das führt Er auch herrlich ans Ziel,
Ihm, dem des Weltalls unendliche Sonnen
und ihr Gefolge zu Diensten sein will,
Dem kann es nicht misslingen,
jedwedes Menschenherz
sicher zurückzubringen
aus dem Verderben, aus Sünde, Schuld und Schmerz.
Jede Verheißung wird ganz sich erfüllen
in Christo, Gottlob, auch durch uns.
Wohl kann das Fleisch noch die Sohnschaft verhüllen,
aber ein Zeuge des göttlichen Tuns
ist schon der Geist der Liebe,
den Gott ins Herz uns gab;
Ob auch die Welt zerstiebe,
er überwindet Not, Hölle, Nacht und Grab.

Aus allen Leiden wir Herrlichkeit werden,
wenn Jesus in uns sich enthüllt.
Was für den Christus durchweint ward auf Erden,
hat stets das Maß unsrer Wonne gefüllt.
Denn es ist nur vollkommen,
wer sich bewährt im Leid.
Der wird auch aufgenommen
in unergängliche Sohnesherrlichkeit!
W. J. P.