Offenbarung der Gerechtigkeit Gottes

Aus Bibelwissen

"Der Glaube Jesu Christi" Band 1+2
aus der Reihe „Christi unausspürbarer Reichtum“
von M. Jaegle 1981

Abschrift mit freundlicher Genehmigung von Gerhard Groß, Balingen
Als Schrift noch erhältlich

siehe weitere Abschriften
Inhaltsverzeichnis

Der Glaube Jesu Christi

8. Offenbarung der Gerechtigkeit Gottes

Ein klares Vorbild

Nachdem wir bereits erkannt haben, dass der Glaube Christi und Gottes Gerechtigkeit unzertrennlich miteinander verbunden sind, bleibt uns noch die Aufgabe, ausführlich auf diesen Zusammenhang einzugehen. Dieser feste Zusammenschluss der beiden Tatsachen besteht darin, dass der Glaube Christi Gottes Gerechtigkeit offenbart (Röm 3:21-22).

Schon im AT finden wir ein herrliches Vorbild, und zwar im bereits früher zitierten Wort des Propheten Jesaja (Jes 45:7.8). Dort wird in Vers 7 die Wahrheit bezeugt, dass Gott auch das Böse erschaffen hat. Wie viele ungelöste Fragen hat diese Offenbarung schon hervorgerufen! Zum Beispiel: Hat Gott mit der Erschaffung des Bösen nicht ungerecht gehandelt und Seine Gerechtigkeit verdeckt? Doch gleich mit Vers 8 gibt Gott eine zweiteilige Offenbarung, die solche fragen gar nicht aufkommen lässt: "Träufelt, ihr Himmel, von oben! Und die Ätherräume sollen von Gerechtigkeit triefen. Öffnen soll sich die Erde und knospen mit Heil! Und Gerechtigkeit soll sprossen zugleich! Ich, Jewe, erschaffe alles!" Damit ist kundgetan, dass Gottes Gerechtigkeit auch durch das erschaffene Böse in der Schöpfung weiterhin bestehen bleibt und gar noch überfließen vermehrt werden soll. Diese Aussage bildet eine Fortsetzung des zuvor behandelten Abschnitts. "Zwei Arten göttlichen Segens". In Jes 45:7.8 dürfen wir ein wunderbar schönes bild schauen: Die Himmel triefen von Gerechtigkeit und die erde sprosst von überströmender Gerechtigkeit, dies, nachdem Gott das Böse erschaffen hatte. Dennoch ist das erste ein Vorbild der alles überragenden Erhabenheit des Ebenbildes.

Die Herrlichkeit des Ebenbildes

Mithin kommen wir zum Kernpunkt der Abhandlung, dem Kreuzesglauben Christi, mit dem Er die Gerechtigkeit Gottes offenbarte.Durch Seinen Glauben ersteht das Ebenbild in einzigartiger Größe, dessen gewaltiges Ausmaß erst zu erfassen ist, wenn wir uns der Gerechtigkeit Gottes vergegenwärtigen, die Chris tus mit seinem Glauben offenbarte. Es ist nämlich d i e Gerechtigkeit, die die Menschheit besaß, als sie noch in Gott eingeschlossen war. Wir könnten diese Gerechtigkeit auch "Urgerechtigkeit" nennen.

Diese Gerechtigkeit ging dann den Menschen durch die Wirksamkeit des Bösen verloren, und es wurden alle zu Ungerechten. Die Grundursache dafür war jedoch Gottes Vorsatz mit dem Bösen. Seinem Vorhaben entsprechend ist dem Bösen soviel Zeit und Raum gegeben, dass man meinen könnte, es würde für immer die Oberhand behalten.

Die Notwendigkeit der Rechtfertigung Gottes

Diese ergab sich aus einer besonderen Situation heraus. Durch die Erschaffung eines Widerwirkers bekamen die Menschen viel Leid zu tragen. Doch Gott Selbst und Sein Sohn, der Gottes Vorsatz mit dem Bösen bejahte, waren droben in der Herrlichkeit.

Zwar litten Gott, der Vater des Mitleids (2Kor 1:3) und auch Sein Sohn mit den Geschöpfen. Aber den Leiden und Schmerzen welche diese im Fleisch litten, waren Beide enthoben. Wir wollen ehrlich zugeben, dass ein solche ungleicher Zustand leicht den Gedanken aufkommen lässt, dies sei ungerecht, wie das schon oftmals von Ungläubigen gesagt wurde. Selbst für manche Glaubende ist die Sache mit dem Bösen ein immer noch ungelöstes Problem. Aus dieser ungleichen Sachlage ergab sich die Notwendigkeit der Rechtfertigung Gottes, d. h. es musste offenbar werden, dass Gottes Vorsatz mit dem Bösen in keiner Weise ungerecht ist. Trotzdem forderten die Leiden der Schöpfung einen Ausgleich. Das erste, was in dieser Hinsicht geschehen musste, war ein unmittelbares Teilnehmen von Gott und Seinem Sohn an den Leiden der Schöpfung. Für Gott war dies unmöglich, weil Er Geist ist. Aber auch für den Sohn war es undurchführbar im Körper der Herrlichkeit, den Er droben beim Vater besaß.

Der überströmende Ausgleich durch Christus

Zur Erfüllung dieser großen Aufgabe musste Christus Seinen Körper der Herrlichkeit ablegen. Darum sagte Er, als er in die Welt kam: "Einen Körper aber passt Du (Gott) Mir an" (Hebr 10:5). Das erfüllte sich durch die Geburt von der Jungrau Maria. Jetzt hatte Er einen Körper gleich allen Menschen, mit dem Er leiden konnte.

Doch Er litt unendlich viel mehr, als Menschen je zu leiden vermochten, und zwar deshalb, weil in Seinem Körper weder der Tod herrschte noch Sünde war. Auch wusste Er um die vorweltliche Herrlichkeit , die Er droben bei Vater genossen hatte, aber vor allem als Gottes Sohn musste Er die Leiden unsagbar mehr empfinden als alle übrigen Menschen. Uns fehlt daher die Vorstellungskraft, wie Er als der Eine, Reine, Heilige den schrecklichen Tod wie der allergrößte Verbrecher am Kreuz durchlitten hat.

-Dort kam der Herr in die allerhärteste Leidensprobe. Dies musste so sein, damit Sein Glaube offenbar würde, mit dem Er Gottes zeitweilig verdeckte Gerechtigkeit offenbaren konnte. dazu gehörte, dass Er die Erschaffung des Widerwirkers , der Ihn ans Kreuz brachte, bejahte. Ja, Er musste noch weiter gehen und zum Ausdruck bringen, dass Gott gerade das Böse benötigte, um Seine Geschöpfe überaus segnen und noch vermehrt glückselig machen zu können. Ob der Herr den Glauben an die Allaussöhnung am Kreuz besaß und darin aufrecht blieb, musste durch Seiner letzten Worte offenbar werden. Diesen durfte nicht der geringste Makel anhaften, aus dem man irgendwelche Zweifel des leidenden Sohnes hätte heraushören können. Wir sehen also die Wichtigkeit es Schreies Christi. Mit diesem fiel die Entscheidung, ob Christi Glaube vollkommen war oder nicht. In diesem das ganze all umfassenden Heilswerk ist es von großer Bedeutung, wie Vater und Sohn zueinander standen während der sechs Stunden, da Christus am Kreuz den größten Kampf ausfechten musste.

Des Sohnes Zuversicht

Jesus rechnete es Seinen Jüngern hoch an, dass sie in Seinen Anfechtungen bei Ihm ausharrten (Lk 22:28). Das lässt darauf schließen, dass auch Er als Mensch in bedrängenden Tiefenwegen nach Bestand verlangte. Wie schmerzlich muss Ihn deshalb die Weissagung des Propheten Sacharja (Sach 13:7) berührt haben, dass sich die Herde von Ihm weg zerstreuen werde, denn damit wurde Ihm der Beistand der Jünger in den schwersten Stunden genommen. So erinnerte Er Seine Jünger an diese Prophezeiung mit dem Zusatz (Joh 16:32) "... ihr werdet Mich allein lassen."

Trotzdem konnte Er in der Ihn stärkenden Gewissheit frohlocken (Joh 16:32): "Doch Ich bin nicht allein, denn der Vater ist bei MIr." Schon früher (Joh 8:28.29) konnte Er im Hinblick auf das Kreuz voller Zuversicht zu Seinen Gegnern sagen: "Wenn ihr den Sohn des Menschen erhöhen werdet, dann werdet ihr erkennen, dass Ich es bin und dass Ich nichts von Mir Selbst aus tue, sondern wie Mich Mein Vater gelehrt hat, so s p r e c h e Ich. Und der Mich gesandt hat, i s t mit M i r; E r lässt Mich n i c h t allein, weil Ich immer das Ihm Wohlgefällige tue. " Ja, wie Ihn Sein Vater gelehrt hatte, so sprach Er. Folglich hatte Er diese Verheißung von Seinem Vater empfange! Alle diese Aussprüche gewähren einen tiefen Einblick in die unauflösliche Gemeinschaft zwischen Vater und Sohn. Hier ging es um Christi Leiden und Sterben am Kreuz. Dabei hat Ihm der Vater versprochen, bei Ihm. zu bleiben und Ihm beizustehen - Ihn also nicht zu verlassen; denn ohne Seinen Gott hätte Christus das am Kreuz begonnene Heilswerk gar nicht hinausführen können, da Er nur das tat, was Ihn Sein Vater lehrte. Dieses Wissen erfüllte den Sohn mit Glauben stärkender Zuversicht als Ausdruck Seines Vertrautseins (Joh 7:28.29).

Gottes Herzensbedürfnis zum Bleiben beim Sohn

Wie sehr es Gott aus Liebe zu Seinem Einziggezeugten drängte, bei Ihm am Kreuz zu bleib en, wird uns beispielhaft im AT mit Josephs zweitem Sohn, Ephraim, vor Augen geführt. Sein Name diente später zur Bezeichnung des Zehnstämmereiches. Dieser Ephram wurde von Gott mit Erstgeborener (Jer 31:9) und mit Sohn (Hos 13:13) angeredet.

Das Zehnstämmevolk, als bildlicher Ephraim-Sohn, hatte seinem fortwährenden Sündigen Gott zutiefst gekränkt und Ihm viel Not und Schmerzen bereitet. In der Folge goss Gott Seinen Gerichtszorn über diesen Abtrünnigen aus. Dennoch war Gottes Herz mit einer bewunderungswürdigen Liebe zu ihm erfüllt, die Er mit den ergreifenden Worten zum Ausdruck bringt (Hos 11:8): "Wie sollte Ich dich hingeben, Ephraim? Mein Herz hat sich in Mir umgewendet, erregt sind alle Meine Erbarmungen!" Allen schon der Gedanke, dass Er diesen ungehorsamen Sohn aufgeben oder in verlassen müsste, erfüllte Sein Herz mit dem größten Schmerz.

Aber nun war Jesus sein rechter Sohn, der Ihm mit seinem Gehorsam nur Freude bereitete. Um wieviel mehr würde beim Gedanken an seinen von Ihm zu verlassenden Sohn Sein Herz in den schmerzlichen Ausruf ausbrechen: Wie sollte Ich Dich verlassen, Mein Geliebter Sohn! Allein schon beim Gedanken daran wendet sich Mein Herz in Mir um, und alle Meine Erbarmungen sind um Deinetwillen erregt!

Innigste Verbundenheit zwischen Vater und Sohn

In dieser Liebe zum Sohn wäre es Gott gar nicht möglich gewesen, Ihn in Seiner namenlosen Marter am Kreuz zu verlassen. Auch hätte Er das nie getan um Seiner dem Sohn gegebenen Zusagen willen. Die Lehre, die besagte, Gott habe Seinen Sohn verlassen, offenbart, dass sie die unsägliche Qual Gottes übergeht, die Er um den von Ihm Verlassenen gelitten hätte. Man braucht sich daher nicht zu wundern, dass die "Gottverlassenheit" ein hartes, kalte Dogma ist, denn es steht im Widerspruch zu dem Gott, der treu. zu Seinen unverbrüchlichen Verheißungen steht.

Die Fortsetzung dieses Abschnitts befindet sich als Nachtrag am Schluss der Abhandlung.

Die Gerechtigkeit Gottes ist für alle Menschen

Der gebefreudige Gott

Nun wollen wir noch die Frage erörtern, wie es für die nicht erwählten Menschen um das Geschenk der Gerechtigkeit Gottes steht. Die befriedigende Antwort gibt uns Sein glaubwürdiges Wort mit Röm 3:22. Hier steht die Verheißung, dass die durch Christi Glaube geoffenbarte Gerechtigkeit Gottes für alle Menschen ist. Demzufolge wird den vielen, denen in diesem Leben der rettende Glaube nicht geschenkt wurde, in der Vollendung auch gar nichts von den Heilsgütern fehlen, die sie vormals während des Eingeschlossenseins in Gott und Christus unbewusst besessen haben. Dieser göttliche Ausspruch im Römerbrief enthält

Zwei kostbare Heilsfrüchte des Glaubens Christi

Durch Seinen Glauben hat nämlich Christus nicht allein Gottes Gerechtigkeit offenbart, sondern diese auch noch als Heilsgabe für alle Menschen erworben; denn die Schrift sagt, dass sie "für alle und auf alle, die da glauben" (Röm 3:22) ist. Mit der Gabe der Gerechtigkeit Gottes wird dem Empfänger zugleich die Restlose Rechtfertigung aller seiner Sünden zuteil. Damit wird er zur Vollkommenheit gebracht, da Gott ihn in Christus so gerecht sieht, als ob er nie gesündigt hätte.

Diese Zielsetzung, an der Gott noch alle Menschen teilhaben lässt, sollte sich jeder Glaubend fest einprägen Gott legt uns diese beeindruckende Wahrheit in einer außergewöhnlichen Weise aufs Herz.

Die umgekehrte Reihenfolge der Erfüllung

Bei der Verwirklichung der Zusage von Röm 3:22 haben die Glaubenden den Vorrang, doch in dieser Verheißung selbst wird hervorgehoben, dass zuerst die Gerechtigkeit Gottes, für a l l e ist. Hierin bekundet Gott Seine Fürsorge für die vielen Menschen, die Seine Gerechtigkeit nicht in diesem Leben erhalten haben und auch von ihren Sünden nicht durch Glauben gerechtfertigt werden konnte. Damit sagt uns Gott deutlich: "Habt die gleiche Gesinnung wie Ich zu diesen Menschen und seid dankbar, dieweil Ich ihrer in derselben Liebe gedenke, wie auch euer!"

Wie sehr Gott darauf bedacht ist, Seine vorbildliche Gesinnung allen Glaubenden einzupflanzen, geht daraus hervor, dass es noch weitere Fälle gibt, die eine Doppelverheißung für alle Menschen beinhalten, wobei die Nichtauserwählten zuerst angesprochen werden. Allerdings sind bei der Nutznießung der Anweisungen die Auserwählten Vorgezogene und deshalb die sichere Gewähr dafür, dass auch die übrigen Menschen noch in den verheißenen Besitzstand der Zusagen Gottes kommen werden.

Zur Veranschaulichung der eben besprochenen Handlungsweise Gottes diene folgende Aufstellung über

Die Verheißungen der Rettung in unterschiedlicher Reihenfolge

I. Für die Ungläubigen: II. Für die Gläubigen:
Röm 3:22
2Kor 5:19
Kol 1:20
1Tim 4:10a
Tit 2:11
Röm 3:22b
2Kor 5:21
Kol 1:22
1Tim 4:10b
Tit 2:12

Diese Verheißungen richten sich zzuerst an alle Menschen und erst hernach an die Glaubenden. Bei der nun folgenden Gruppe werden zuerst die Auserwählte angesprochen. Es sind wiederum fünf Verheißungspaare.

I. Für die Gläubigen: II. Für die Ungläubigen:
Röm 5:15-17
Röm 7:18
Röm 11:30
1Kor 15:23
Eph 1:4
Röm 5:18.19
Röm 8:21
Röm 11:32
1Kor 15:24
Eph 1:10

Diese paarweise Anordnung der Zusagen Gottes für beide Menschengruppen, Erwählte und Nichterwählte, ist zugleich ein beredtes Zeugnis für die in Seinem Heilsvorsatz waltende Ordnung und die harmonische Verbundenheit und Einheit der Menschheit. Außerdem wird uns mit der Verflechtung der angeführten Beispiel de ernste Wahrheit vor Augen geführt, dass, wenn Gottes Vorsatz der Errettung aller Menschen nicht in Erfüllung gehen sollte, auch die Einlösung der den Glaubenden geschenkten Zusagen infrage gestellt wäre. Die alle Nachkommen Adams miteinschließende Verheißung der "Gerechtigkeit Gottes für all" sollte daher noch vielmehr als bisher auf den Leuchter gestellt werden.y

Die Heilsauswirkung an den Ungläubigen

Wie die Ungläubigen Gotte Gerechtigkeit erhalten und was diese ihnen an Heil bewirkt, wird uns mit Röm 5:18-19 gesagt. Vers 18 betont die Tatsache, dass alle Menschen durch Adams Kränkungstat zusammen mit ihm verurteilt wurden und unter die alle bezwingende Herrschaft des Todes geraten sind. Nachdem Christus Sein Leben als Schuldopfer für die Sünde der Geschöpfe dargebracht hatte, wurde Er von Gott auferweckt, und es erging ein Rechtsspruch über Ihn, der sich als unversiegbare Heilsquelle erweist. Gott begnadete Ihn mit einem solch überströmenden Reichtum von Auferstehungsleben, dass es ausreicht, um jeden Menschen unauflösliches Leben zu schenken. Und unter diesen Rechtsspruch werden noch a l l e Menschen gestellt und erhalten damit die Rechtfertigung des Lebens. Aufgrund dieser Heilstat Gottes werden einmal noch alle in unvergänglicher Lebensfülle triumphieren, durch den Einen, Jesus Christus!

Weiter wurden gemäß Röm 5:19 durch Adams Ungehorsam alle Menschen als Sünder eingesetzt, zu. Sündern gemacht, wie Adam. Ab er auch bei dieser Tat blieb Gott nicht auf halbem Wege stehen. Für Ihn war sie nur eine vorübergehende Zwischenstufe, um die Menschen auf höchste Höhen zu führen. Und dies geschah, indem Gott alle die Zu-Sündern-Gemachten durch Christi Gehorsam als Gerechte einsetzte.|

Adam - Christi Wegbereiter

Ein solches Heil hätte Adam seinen Nachkommen nie erwerben können, selbst wenn er gehorsam geb lieben wäre. Sein Gehorsam hätte ja nur darin bestanden, das Gebot Gottes, nicht von der verbotenen Frucht zu essen, zu halten. Dies wäre ab er bei weitem kein mit Christus vergleichbares Opfer gewesen sondern ein verhältnismäßig leichter Gehorsam. Dementsprechend hätte aus diesem auch kein überfließendes Heil entspringen können. Auch war Adam nur ein von Erdreich geschaffenes Geschöpf. Dennoch wirkte er mit seinem Ungehorsam aktiv mit, indem er damit dem Herrn die Gelegenheit schuf, Seinen größten Glaubenssieg zu erringen - zum Heil der ganzen Schöpfung. IM Gegensatz zu Adam, dem erschaffenen Menschen, war Jesus der von Gott gezeugte Sohn, der in williger Ergebenheit gehorsam war bis zum schmachvollen Kreuzestod. Deshalb kann man verstehen, dass ein solches vom Sohne Gottes erworbenes Heil auch zur Rettung aller Menschen ausreicht, um noch alle mit Gottes Gerechtigkeit zu beschenken.

Des Herrn Endkampf

Ein Vorsieg des Glaubens Christi

Diesen Vorsieg Seines Glaubens erragn der Herr mit dem überaus freudigen Ja-Wort zum Kruez, wie uns das in Lk 10:21 kundgetan wird.

Als Gott die Obersten des Volkes der Verstockung überließ, damit sie Seinen Sohn später töten konnten, da erhielt Er vom Sohn die vorbehaltlose Zustimmung für die Zubereitung seines Weges zum Kreuz. Jesus frohlockte im heiligen Geist und huldigte dem Vater mit den Worten: "Ja, Vater, so war es Dein Wohlgefallen vor dir." Wenn in Röm 8:32 betont wird, dass Gott Seines eigenen Sohnes nicht verschonte, sondern Ihn für uns alle dahingab, so bringt dieser Ausspruch sowohl des Vaters Schmerz als auch Seine tiefe Befriedigung ob der Dahingabe Seines Sohnes zum Ausdruck (Jes 53:10). Wenn wir das Prophetenwort des Jesaja bedenken, dass es Jewe gefallen hat, Seinen Sohn zu zerschlagen und Ihn leiden zu lassen, so können wir dies nur dann verstehen, wenn wir den überreichen Ertrag Seiner Leiden in Betracht ziehen (Jes 53:10b-12). So blickte Gott über die Leiden Seines Sohnes hinweg und schaute bereits die vollkommene Erfüllung seines willens in der beseligenden Vollendung, wo alle überreicht gesegnet sein werden. Zudem gereichte dies dem Sohn zu Seiner Übererhöhung (Phil 2:9-11).

Während Gottes Wohlgefallen am Kreuzestsod Seines Sohnes auf sSeinem allumfassenden Heilsvorsoatz beruhte und für Gott bereits als verwirklicht feststand, so besaß der Sohn dieses glorreiche Zukunftsbild der universalen Heilsauswirkungen Seiner Sühnetat erst im Glauben. Demnach war der von Ihm dem Vater im Geist dargebrachte Lobpreis eine reine Frucht Seines Glaubens. Zugleich war er für Gott ein Ihn erquickendes Wohl-Wort.

Des Sohnes allumfassende Erkenntnis

Dass der Herr tatsächlich im Glauben diese Erkenntnis besaß, können wir aus manchem in seinem Leben herleiten. So sagte Er Seinen Jüngern (Joh 16:12): "Noch vieles hätte Ich euch zu sagen, doch könnt Ihr es jetzt nicht ertragen." Wir dürfen annehmen, dass in diesem vielen das umfassende Heil enthalten ist, welche der Herr am Kreuz erkämpft hat. Und wenn Er nach Joh 18:4 a l l e s wusste, was an Leiden über Ihn kommen werde, dann hat Ihm Gott auch die reichen Segnungen Seiner Leiden offenbart.

Es ist wohl kaum anzunehmen, dass Ihm dies alles erst nach Seiner Auferstehung mitgeteilt werden musste. Mit seinem vierten Wort, dem Ausruf zu Gott, musste das offenbar werden. Wäre es ein Fragewort und damit ein Verzweiflungsschrei gewesen, dann hätte ein solcher nur einer inneren Verdunklung entspringen können, wobei Ihm Sein Heilsauftrag nicht mehr bewusst gewesen wäre. Ganz anders zeigt uns der rechte Wortlaut des Sohnes Geistesklarheit. "Mein Gott! Mein Gott! Wozu Du Mich übriggelassen hast!" Damit brachte Er überwältigt zum Ausdruck,, dass Sein Glaube den gesamten Heilsrat Gottes umfasste.

Als Gott Seinen Sohn als Opferlamm vorherbestimmte gemäß 1Petr 1:19, da wird Ihm Sein Vater gewiss auch seinen Liebesratschluss eröffnet haben. Dafür spricht auch die während Seinem Erdenwandel im Geist dargebrachte Huldigung (Lk 10:21). Dies war Ihm nur möglich, weil Er um die Segensfolge Seines Kreuzestodes wusste. Das Wissen um die Segnungen Seiner Leiden war der Hauptgrund dafür, dass Er in allem danach trachtete, den Willen seines himmlischen Vaters zu tun. Dies war Seine Speise (Joh 4:34).

Christi Glaubenskampf am Kreuz

Im Blick auf das überragende Heilsziel war es für den Herrn absolut notwendig, den ganzen göttlichen Ratschluss im Herzen zu tragen, damit sich Sein Glaube bis zur höchsten Vollkommenheit betätigen konnte. Dort am Kreuz muss dies Erkenntnis erst recht seinen Glauben bewegt haben, da der Ausgang des göttlichen Heilsplanes ganz von seinem Glauben abhängig war. daher durfte Er mit Seinem Glauben nicht zusammenbrechen - makellos musste Er erfunden werden.

Im Vollbringen des großen Heilswerkes Gottes ist noch etwas Besonderes zu beachten. Während der Herr für das Ausfließen Seines Blutes, mit dem Gott die Welt mit Sich Selbst versöhnte, keine Anstrengungen zu machen brauchte - es floss von allein am Stamm des Kreuzes herab - stand es mit der Aufrechterhaltung und weiteren Entfaltung seines Glaubens wesentlich anders. Er musste fortwährend mit seiner Geisteskraft dagegen ankämpfen, nicht im Glauben zu ermatten und wankend zu werden. Denn schon während Seines Erdenwandels hatte Er große Anfechtungen (Lk 22:28) zu bestehen. Am Kreuz werden solche erst recht über Ihn gekommen sein, da Er in äußerster Schwachheit wehrlos den Menschen und geistlichen Mächten der Bosheit preisgegeben war (Ps 22:6-20).

Der Widerwirker - eine Tat göttlicher Gerechtigkeit

Gemäß Röm 3:22 bestand des Herrn große Aufgabae besonders in der Offenbarung von Gottes Gerechtigkeit durch Seinen sieghaften Glauben; denn damit bestätigte der Herr: die Erschaffung des Widerwirkers war eine Schöpfertat vollkommener göttlicher Gerechtigkeit. Der beweis dafür ist, dass Gott das Kreuz zur allergrößten Segensquelle für die Aussöhnung des ganzen Universums machte! Doch ohne die Erschaffung des Widerwirkers und das Dasein der Sünde wäre dies nicht möglich gewesen.

Diese Wahrheit hatte Gott schon mit den ersten Menschen offenbart, denn Er konnte ihnen nach dem Fall reichere Segnungen mitteilen als zuvor, als sie noch nicht Sünder geworden waren. Mitten im Urteilsspruch konnte Er ihnen mit dem Schlangentreter die erste Offenbarung über seinen Sohn geben. Eine Heilstat hatte Er für sie vollbracht mit dem Schlachten der beiden Tiere, deren Blut schon auf dasjenige des wahren Opferlammes hinwies, welches von aller Sünde reinigt. Und die Felle mit denen Er Adam und Eva um hüllte weisen vorbildlich auf Gottes Gerechtigkeit hin, die Er noch allen Menschen schenken wird. Mithin hatte Satan mit seiner bösen Tat und der Sünde Gott den Weg eröffnet, Sich nur noch tiefer in Seiner erbarmenden Liebe zu offenbaren.

Dieses Vorbild kannte der Herr, mehr als wir zu ahnen vermögen, und deshalb wusste Er, dass Er dessen Erfüllung war. Er war Sich auch klar darüber, dass die Erfüllung dieses Vorbildes ganz von Seinem Glauben abhängig war. Wie muss deshalb die ganze Kraft SeinesGeistes aktiv gewesen sein, um Seinen Glauben zum vollen Sieg zu führen.

Für die Erschaffung des Widerwirkers hat der Herr Seinen Gott und Vater noch mit einem besonderen Ausspruch gerechtfertigt. Diesen lesen wir in Seinem großen gebet (Joh 17), wo Er Gott mit "Gerechter Vater" anredet (Joh 17:25). Diese huldvollen Worte sind umso bemerkenswerter weil sie der Herr kurz vor Seinem martervollen Kreuzestod ausgesprochen hat. Damit bezeugt Er einmal mehr, dass mit der Erschaffung des Widerwirkers, durch den Er unsagbare Qualen erdulden musste, Gott gerecht gehandelt hat.

Der Sohn wusste um den vermehrten Segen, den diese Handlungsweise Gottes auslöste. Für Ihn Selbst bestand dieser Segen darin, dass Ihn dadurch eine Ihm vormals droben fehlende Vollkommenheit (Hebr 2:10; Hebr 5:9) und Übererhöhung (Phil 1:23) wird Er noch das gesamte Universum zu Sich in den überströmenden Segensbereich Seiner Übererhöhung ziehen. Doch das Höchste wird für den Herrn sein, dass Er durch Seinen Glaubensgehorsam in den Kreuzesleiden, die I hm nach Gottes Vorsatz durch Satan zugefügt wurden, Gott eine vermehrte, alles Dagewesene übersteigende Verherrlichung erwerben konnte. Wie got tin der Hiobsgeschichte (Hi 42:2) das Wirken Satans und die Leiden und Sünden nur dazu gebrauchte, um das Ende Hiobs mehr zu segnen als den Anfang, so handelt Er auch in Seinem Heilsvorsatz für die ganze Schöpfung. Und wenn Er einst allen alles zusammen zum Guten bewirkt haben wird, dann wird allen offensichtlich sein, dass Gott den Widerwirker nur aufgrund Seiner vollkommenen Gerechtigkeit und Liebe erschaffen hat. So wies der Herr in Seiner Anrede "Gerechter Vater" bereits auf die tiefe Wahrheit hin, dass Er am Kreuz mit Seinem Glauben Gerechtigkeit Gottes offenbaren werde.

Der Höhepunkt des Glaubens Christi

Wie mag der Herr diesen Kampf wohl geführt haben? Geiss stellte Er Sich fortwährend die prophetisch angedeuteten und verheißenen Heilsfürchte Seiner Kreuzestat vor Augen. Im Ablauf der sechs Leidensstunden wurde Ihm die Erfüllung dieses Ihm von Seinem Vater aufgetragenen Heilswerkes immer gewisse.r Als sich Sein Leiden zu Ende neigte, das wurde Er vom segensvollen Ausgang Seines Erduldens geradezu überwältigt. Und so kam aus übervollem Herzen der laute Ausruf: "Mein Gott! Mein Gott! Wozu Du Mich übriggelassen hast!" Dies ist wohl das herrlichste Wohl-Wort, das der Herr aus der größten Leidenstiefe zu Seinem Gott sprach und das deshalb den Vater am meisten erquickt hat!

Auch lässt uns der Herr damit einen Blick in Sein Herz und: Ein gereifter, auf dem Höhepunkt des vollen Sieges stehender Glaube! Von diesem durfte nun Gott die Ihn am meisten verherrlichende Frucht ernten: Des Sohnes frohlockende Huldigung. Damit ersteht der Kämpfer von Golgatha im vollen Strahlenglanz Seines triumphierenden Sieges!

Die schwerste Belastung durch Satan mit all seinen Finsternismächten musste nur dazu dienen, die unergründliche Liebe Gottes und die unerschütterte Glaubensstärke des Sohne Gottes z u offenbaren. Dies gereichte zur Erquickung und Verherrlichung Seines himmlischen Vaters. Und wie köstlich muss für Ihn Selbst Sein Glaubenssieg gewesen sein, weil Er nun alle Geschöpfe in unbegrenzt vertiefter Glückseligkeit zurück an Gottes Vaterherzen führen durfte. Denn das All ist nach Röm 11:36 nicht nur aus Gott, sondern wiederum in Gott hinein - zurück zur Urquelle. An dieses alles Begreifen übersteigende Endziel der Vollendung wird der Herr noch alle durch Sein gottgeweihtes Sterben bringen. Die zweitweilige Trennung und Loslösung der Geschöpfe von Gott hat nur dazu gedient, um sie für immer mit innigen und unauflöslichen Liebesbanden mit Gott als ihrem Vater zu vereinen, damit Er alles in allen sein kann (1Kor 15:28). Dieses Vollendungsziel war in Seinem einmaligen Lobpreis und dem darauf folgenden: "Es ist vollbracht", enthalten.

Hier sei nochmals die wichtige Tatsache herausgestellt, das Christus mit dieser in unerschüttertem Glauben Gott dargebrachten Huldigung Gottes Gerechtigkeit offenbarte, gemäß Röm 3:22. Denn hierin hat Er Gott sowohl für die Erschaffung des Widerwirkers als auch für die Einführung der Sünder gerechtfertigt, d.h. diese Taten als durchaus gerecht bezeugt. Und damit hat Er mit Seinem Glauben auch die Menschen für ihr einstmaliges Sündigen gerechtfertigt. Diese Rechtfertigung Gottes gründete sich bei Herrn auf der Erkenntnis (die Er schon am Kreuz besaß), dass gerade diese Taten Gott überaus vermehrte Verherrlichung und Seinen Geschöpfen überaus vermehrte Glückseligkeit einbringen werden. der Beweis dafür war Sein glaubensstarker Lobpreis, den Er Gott in der dunkelsten Stunde Seines Lebens darbrachte, als Er das Allerböseste von Satan um der Sünde willen am Marterpfahl erduldete. Dabei Gott einen Lobpreis darzubringen, als die aus der Kreuzestat fließenden Segnungen noch gänzlich verborgen waren, war eine vom Herrn auf höchster Höhe vollbrachte Glaubenstat. Mit dieser Glaubenstat hat der Herr auch den Widerwirker völlig offenbar gemacht als ein von Gott gebrauchtes Geschöpf mit einem von Ihm eingepflanzten geist des Widerstandes. In der Vollendung wird dann diese hehre Wahrheit noch von allen erkannt werden, dass der große Verfüger den Widerwirker in Wirklichkeit als Seinen Mitwerker zur Erreichung seiner höchsten Heilsziele gebrauchte. Und dann werden Ihm noch alle danken für Seinen liebe- und weisheitsvollen Heilsrat, Ihn segnend im Namen Seines Sohnes!

Damit hatte Christi Glaube den Gipfelpunkt erreicht und war zugleich zur Vollkommenheit gebracht. Dies bedeutete auch den Abschluss Seines Glaubens, denn bald darauf befahl Er Seinen Geist in die Hände Seines himmlischen Vaters. Nach Seiner Auferstehung benötigte Er keinen Glauben mehr. Fortan wird Sein Glaube von den Seinen weitergeführt, denen er durch Seinen innewohnenden Geist geschenkt wurde.

Der gesegnete und glückselige Gott

Der geliebte Sohn

Schon vor Seinem öffentlichen Auftreten, lange bevor der Herr Sein Erlösungswerk vollbracht hatte, bezeugte Sein himmlischer Vater Seine Lust an Ihm (Mt 3:17): "Dies ist Mein Sohn, der Geliebte, an Ihm habe Ich Mein Wohlgefallen." Wie viel größer muss hernach Gottes Wohlgefallen an Seinem Sohn gewesen sein, als Dieser bis zum Gehorsam des Kreuzesteodes des Vaters Willen gänzlich ausgeführt hatte! In der Tat hat der in allem gehorsame Sohn Seinen himmlischen Vater zu einem überaus gesegneten und gückseligen Verfüger gemacht. diese unendlich kostbare und Gott erquickende Tatsache bezeugt Er oftmals in Seinem Wort. So steht in Eph 1:3 geschrieben: "G e s e g n e t ist der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus..." und Paulus spricht (1Tim 1:11) vom Evangelium der Herrlichkeit des g l ü c k s e l i g e n Gottes.

Das Vorbild

Auch für diesen letzten Teil unserer Abhandlung ist Joseph wiederum ein leuchtendes Vorbild. Von den vielen Menschen, die durch Joseph gesegnet und erquickt worden sind, war der ihm nächststehende und von allen am meisten gesegnete, sein Vater Jakob. Welche Beseligung muss es für Jakob gewesen sein, einen Sohn zu haben, der in allen Drangsalen dem Glauben, den er ihm eingepflanzt hatte, treu geblieben war. Joseph war tatsächlich ein Sohn, der gemäß [[Spr 6:2066 das Gebot des Vaters bewahrt hatte. Und welch ein Vaterglück wurde Jakob zuteil, indem er seine verdorbenen Söhne durch Josephs weise Erziehung als neue, gute Menschen aus Ägypten zurückerhielt. Ja, Jakob durfte erleben, dass ihm Joseph die ganze Familie neu gründete, in der fortan Gottes Wille ausgelebt wurde und dadurch bleibender Friede herrschte. Überdies wurde der ganzen Sippe noch die außergewöhnliche Ehre zuteil, durch Josephs hohen Rang als Vizekönig Ägyptens gewissermaßen in den Adelsstand erhoben zu werden.

Ferner empfing Jakob durch Joseph einen besonderen Gunsterweis des Pharao, denn der König gebot dem Joseph (1Mo 47:6): "Im Besten des Landes lass deinen Vater und deine Brüder wohnen. Sie sollen wohnen im Lande Gosen." Hier erhielten sie die schönste Wohnstätte und damit ein vorzüglicheres Losteil als selbst die Bürger von Ägypten.

Wie muss Jakob hoch erfreut gewesen sein, dass sein Sohn durch die von Gott erhaltene Weisheit der Retter der damaligen Welt wurde. Bestimmt empfing Joseph auch viele Dankesbezeugungen von Geretteten aus aller Welt, wenn sie ihr Lebensbrot bei ihm holen konnten. Solche Ehrungen seines Sohnes müssen Jakob tief beglückt haben; was sein Vaterherz überdies noch mit Dank und Freude erfüllt haben muss, war, dass Joseph in seiner hohen Stellung ein demütiger und vergebender Mann war und es auch blieb.

Wie viele Menschen mögen darob Jakob glückselig gepriesen und gesegnet haben, denn Joseph war ein weiser Sohn , der nach Spr 10:1 den Vater erfreute. Deshalb passt weiter auf Jakob, was Salomo sagt: "Hoch frohlockt der Vater eines Gerechten!" (Spr 23:24). Und in 1Mo 49:22 bekennt Jakob, dass Joseph seines Auges Freude ist. So wurde Jakob durch seinen geliebten Sohn Joseph ein gesegneter und glückseliger Vater.

Das Ebenbild

Wie groß nun auch der Segen ist, den Jakob durch seinen Sohn Joseph empfangen hatte, so ist doch das Größte an dieser beispielhaften Begebenheit, dass sie ein getreues Vorbild davon davon darstellt, wie Gott, der himmlische Vater, durch Seinen Sohn ein wesenhaft gesegneter und überaus glückseliger Gott wurde. Dies war Gott zwar immer, aber erst durch den Glaubensgehorsam Seines Sohnes wurde der Ihm von Christus gewordene Segen und Seine Glückseligkeit auf ein überfließendes Höchstmaß gebracht, denn in der Vollendung werden einst noch a l l e mit Wohl-Worten in den Gott verherrlichenden Lobpreis einstimmen.

Diese hehre Tatsache wird bereits dadurch bezeugt, dass auch Menschen Gott zu segnen vermögen. So heißt es von Zacharias (Lk 1:64) "Er sprach und segnete Gott". Und das Knäblein Jesus in seinen Armen haltend, segnete der greise Simeon seinen Unterordner (Lk 2:28). Weiter lesen wir von den allezeit in der Weihestätte versammelten Jüngern: "... sie lobten und segneten Gott..." (Lk 24:53).

Diese wortgetreue Wiedergabe des Urtextes mit "Segen" und "Segnen" ist wenig bekannt. Das griechische Tätigkeitswort "eulogeo" wir meisten mit "gepriesen" oder "Gelobt" übersetzt. Das mit Segen oder Segnung wiedergegebene Hauptwort "eulogia" bedeutet wörtlich "Wohl-Wort" und sein Verb: "wohl-sagen" oder "wohl-worten" (s. Stichwortkonkordanz des KNT, Seite 570).

Der gesegnete Gott

Dass Gott wirklich ein gesegneter Gott ist, wird öfters in den Episteln des Apostels Paulus hervorgehoben:
Röm 1:25 Der Schöpfer, der gesegnet (gr. "eulogeton") ist für die Äonen
Röm 9:5 Gott, gesegnet für die Äonen
2Kor 1:3 Der Gott und Vater des Herrn Jesus, der für die Äonen gesegnet ist
Eph 1:3 Gesegnet ist der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus
Und der mit heiligen Geist erfüllte Zacharias redete prophetisch:
Lk 1:68 Gesegnet ist der Herr, der Gott Israels:
Selbst der ungläubige Priesterfürst wusste um den gesegneten Verfüger, als er Jesus fragte:
Mk 14:61 Bist du der Christus, der Sohn Gottes, des Gesegneten?
Und noch einmal hören wir aus berufenem Munde diesen segnenden Lobpreis, wenn Petrus den auserwählten Auswanderern in der Zerstreuung schreibt:
1Petr 1:30 Gesegnet ist der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus.



"sei" oder "ist"?

Zu diesen bestimmten Aussagen, dass Gott gesegnet i s t, gehört noch eine Erklärung, denn meistens steht in den Übersetzungen: "Gepriesen oder gesegnet s e i der Gott und Vater..." Der griechische Text hat jedoch nur" Gesegnet der Gott..." um den Satz zu vervollständigen, wurde in die Wiedergaben das "ist" oder "sei" eingefügt. Es muss also geprüft werden, welches Wort vorzuziehen ist, weil jedes eine andere Bedeutung hat. Während das Wort "ist" eine bereits bestehende Tatsache zum Ausdruck bringt, spricht "sei" nur den Wunsch aus, dass die gemachte Aussage auch verwirklicht werde. So kann "sei" für uns Glaubende ein Zuspruch sein, so zu leben und zu glauben, um Gott mit Wohl-Worten zu erquicken, dass Er auch durch uns gesegnet sei.

Doch im Blick auf die von Christus ein für allemal vollbrachte Heilstat im Glaubensgehorsam bis zum Tod am Kreuz und auf alle von Ihm zu Gott gesprochenen Wohl-Worten, kann es nicht anders heißen als:

"Gesegnet i s t der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus!"

Der glückselige Gott und der glückselige Sohn

Als aller köstlichste Frucht Seines Glaubenssieges erheben uns die beiden Aussprüche in 1Tim 1:11 und 1Tim 6:15 auf den Gipfelpunkt der herrlichsten Offenbarungen über Gott und Christus. Zugleich sind darin zwei gewaltige Prophetien eingebettet, denn die Glückseligkeit von Vater und Sohn ist ein Beweis für die vollkommen vollendete Hinausführung des Willens Gottes durch Seinen Sohn. Im Blick auf die Zukunft steht Beiden eine unüberbietbar glorreiche Vollendung vor Augen, in der auch jedes Geschöpf Ihre eigene eigene Glückseligkeit allezeit teilen wird.

Worauf diese Glückseligkeit beruht, hat der Herr während Seinem Erdenleben ausgesprochen: "Glückseliger ist es, zu geben als zu nehmen: (Apg 20:35). Ob der unbeschreiblichen Gabe Seine Sohnes werden einst noch alle Menschen glückselig. Glückseliger aber ist Gott, der Geber, der Sein tiefstes Wohlgefallen in der Hingabe Seines Sohnes empfunden hat.

Nach demselben Prinzip des Gebens, das glückseliger als Nehmen macht, handelte der Herr auch Selbst. Gewiss hat Er schon am Marterpfahl etwas von diesem "Glückseligeren Geben als Nehmen" schmecken dürfen, da Er mit allen Fasern Seines Herzens nur darauf bedacht war, in der rückhaltlosen Selbsthingabe den Willen Seines Vaters zu tun!

Aber auch die Geschöpfe werden noch diese Stufe erhöhter Glückseligkeit erreichen. Denn am Vollendungsziel werden einst noch alle erkennen, dass sie dem ununterbrochenen Zusammenwirken von Vater und Sohn am Kreuz und dem dort geoffenbarten Glauben Christi ihr Leben der Glückseligkeit verdanken. Dies überaus herrliche Heilstat wird dann alle so zu Ihm, dem Herrn hinziehen, dass sie sich Ihm in frohlockender Huldigung hingeben werden, zur Verherrlichung Gottes des Vaters (Phil 2:11)!

Als von der Liebe Gottes Überwundene werden sie sich Ihm willig und freudig zu eigen geben, damit Er alles in allen sein kann. Von der vorherigen Glückseligkeit des Nehmens des Heiles in Christus werden dann alle durch ihre Hingabe an Gott und Seinen Sohn emporsteigen zu der erhöhten, wesenseigenen Glückseligkeit des gebenden Gottes. Dann wird es nur noch eine bestimmende Kraft im ganzen All geben: die sich verströmende und unsagbar glückselig machende Liebe Gottes!

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9. Innigste Verbundenheit zwischen Vater und Sohn