Der Glaube Abrahams
"Der Glaube Jesu Christi" Band 1+2
aus der Reihe „Christi unausspürbarer Reichtum“
von M. Jaegle 1981
Abschrift mit freundlicher Genehmigung von Gerhard Groß, Balingen
Als Schrift noch erhältlich
siehe weitere Abschriften
Inhaltsverzeichnis
Der Glaube Jesu Christi
1. Der Glaube Abrahams
Was ist Glaube?
Um zur Erkenntnis der hohen Heilsbedeutung des Glaubens Jesu Christi zu gelangen, ist es notwendig, von der Elementarstufe des Glaubens auszugehen. Dabei stellt sich uns zunächst die grundlegende frage: Was ist Glaube? Die Heilige Schrift gibt uns hierüber mit wenigen Worten eine bündige Antwort in Hebr 11:1: "Der Glaube ist die zuversichtliche Annahme dessen, was man erwartet, ein Überführtsein von Tatsachen, die man nicht erblickt."
Mit dieser Begriffserklärung dürfte das Wesen des Glaubens, wie er eindrücklichst durch die in Hebr 11 genannten Glaubenshelden zur lebensvollen und beispielhaften Darstellung kommt, in prägnanter Weise erklärt sein. Und wenn wir noch Jesu Wort an den ungläubigen Thomas hinzunehmen: "Glückselig, die nicht gewahren (= wahrnehmen durch irgendeinen Sinn, nicht nur durch die Augen erkennen) und glauben" (Joh 20:29b), so ergibt sich mit diesen beiden Aussagen die kürzeste und umfassendste Definition über den Glauben.
Wir, als Glieder der Körperschaft Christi, sollten diese Erklärung besonders beherzigen, denn nach 2Kor 5:7 hat uns der Herr verordnet, durch Glauben und nicht durch Wahrnehmung zu wandeln - also nicht nach dem zu trachten und sich auf das zu stützen, was zu sehen und zu hören ist. Christus ist uns hierfür das einmal größte Vorbild!
Eine weitere, äußerst wertvolle Belehrung über Lebenserfahrungen im Glauben erhalten wir durch unseren Glaubensvater Abraham.
Abrahams Glaubensanfang
Die Antwort auf die Frage, nach welchem Grundsatz bei Abraham (als Vater aller Glaubenden) und bei allen Gläubigen seither der Glaube anfing, gibt uns der Geist Gottes durch Paulus mit dem Ausspruch in Röm 10:17: "Der Glaube ist aus der Kunde." (Luther: aus der Predigt). Mithin entspringt der glaube dem Hören - auch Lesen - des Wortes Gottes. Gott reicht uns dazu Seinen Geist dar (Gal 3:5) und öffnet uns das Herz zur gläubigen Aufnahme Seines Wortes (Apg 16:14).
Aufgrund dieser Tatsachenkönnen wir sagen, dass bei Abraham der Glaube anfing, als Gott das erstmal. zu ihm redete (1Mo 12:1-3). Der Ausgangspunkt von Abrahams glaube war Gottes Aufforderung, sich von allen völkischen und verwandtschaftlichen Bindungen zu lösen, woran die Segensverheißungen vom Besitz eines Landes und der Vermehrung seiner Nachkommen geknüpft waren (1Mo 12:1; 1Mo 13:16; 1Mo 15:5.18; 1Mo 17:6-8; 1Mo 16:17).
Durch das wiederholte Aufnehmen dieser Zusagen Gottes, die für Abraham verbürgte Tatsachen und Wirklichkeiten waren, erhielt sein Glaube jedesmal einen weiteren Impuls und wurde zu. einem gesunden Wachstum gebracht. Ja, er wurde darin so gestärkt, dass er bereit war, seinen Sohn, den Verheißungsträger, Gott zu opfern (1Mo 22).
Die dem Abraham gegebenen Verheißungen erneuerte dann Gott den Erzvätern Isaak (1Mo 36:3.4) und Jakob (1Mo 28:13-15). Wie mit Abraham, so redete Gott auch mit ihnen. Demnach waren bei den Urvätern die ihnen von Gott gewährten, hörbaren Zusagen die alleinige Ursache ihres Glaubens.
Abraham als Vorbild rechten Glaubens
In Röm 4:16 wird Abraham "der Vater der Gläubigen" genannt. Und als "Söhne" und "Same Abrahams" (Gal 3:7.29) erhalten auch wir Anteil an diesem Adel. Dieser Segen ist uns aber nicht geschenkt aufgrund sinnlicher Wahrnehmung oder verwandtschaftlicher, fleischlicher Bande mit Abraham und seinen Nachkommen, sondern allein im Geist aus glauben.
Hören wir nun die guten Zeugnisse vom Glauben Abrahams in Gottes Wort:
"Im Glauben gehorchte Abraham - auszuziehen..." (Hebr 11:8). Als Gott ihm verhieß, seine Nachkommen so zahlreich wie die Sterne des Himmels zu machen, heißt es:
"Und es glaubt Abram Jewe Alueim..." (1Mo 15:6).
Nachdem Abraham die Verheißung des Sohnes Isaak gegeben wurde (1Mo 17:19), sagt uns Gottes Wort:
"Die Verheißung Gottes ward aber nicht angezweifelt im Unglauben (von Abraham), sondern er ward gekräftigt im Glauben..." (Röm 4:20).
Segnungen des Glaubens
Auch darüber werden wir von Gott mit Abrahams Glaube belehrt. Als Abraham das Lob erhält: "Und es glaubt Abraham Jewe Alueim" (1Mo 15:6), hören wir zuerst von e i n e r Auswirkung seines Glaubens: ".. und Er (Gott) rechnet es ihm an zur Gerechtigkeit". Das ist eine Frucht des Glaubens Abrahams, die von Gott zunächst für Abraham allein bestimmt war.
Nachdem Abraham bezeugt wird, dass er im Glauben gekräftigt wurde, wird uns eine weitere Frucht seines Glaubens offenbart (Röm 4:20b): "... und Abraham gibt Gott Herrlichkeit..." Mit diesen beiden Segensauswirkungen des Glaubens und Vertrauens Abrahams zeigt uns Gott den hohen Wert de Glaubens überhaupt.
Wir können also zusammenfassend sagen, worin Abrahams Glaube bestand und welche Frucht aus solchem Glauben hervorging: Gott sprach zu Abraham, worauf dieser dem Gehörten zustimmte, und einwilligte, auf Gottes Weisungen einzugehen. Diese Vertrauen rechnete ihm Gott an zur Gerechtigkeit.
Denn damit anerkannte Jewe Abrahams vorbildliche Einstellung zu Ihm als dem verheißenden für richtig und gerecht. Überdies gab Abraham Gott Herrlichkeit, indem er vollgewiss war, dass Derjenige, welcher die unzählbaren Myriaden der Sterne erschaffen hat, auch imstande und mächtig ist, aus erstorbenen Körpern - denen die natürliche Kraft zur Fortpflanzung fehlt - ungezählte Nachkommen hervorgehen zu lassen (Gal 3:6).
In diesem Zusammenhang möchten wir auch noch auf die bemerkenswerte Tatsache hinweisen, dass im Urtext 1Mo 15:6 wie folgt genau: "Und es glaub Abram i n Jewe Alueim; und Er rechnet es ihm an zur Gerechtigkeit." Das "in" lässt uns erkennen, dass der Glaube nicht ursächlich in Abraham wohnte und aus ihm war, sondern dass der Urgrund seines Glaubens in Jewe lag. Das Gleiche gilt seither für jeden Glauben, den Gott den Seinen zur Gerechtigkeit anrechnet.
Herrlichkeit - mehr als Ehre
Leider wurde die durch Abrahams glaube für Gott bewirkte Herrlichkeit (doxa) stark in ihrem Wert herabgemindert durch falsches Übersetzen des Wortes "doxa" mit "Ehre". Ehre heißt im Griechischen "time" und bedeutet auch: Wert, Preis, Erlös. Dass Abraham Gott Herrlichkeit gab, beinhaltet aber weit mehr als Ihm nur Ehre zu erweisen. Denn die Herrlichkeit Gottes ist die unübertreffliche Vollkommenheit, unüberbietbare Hoheit, Würde und Majestät (Ps 8:1), die sich offenbart, sowohl in Seinem Charakter als auch in Seiner Schöpfung (Ps 19:1), Seiner allumfassenden Herrschaft und Seiner rettenden gnade. Unglücklicherweise wurde noch bei zahlreichen anderen stellen dieser Übersetzungsfehler begangen, in denen ebenfalls das Urtextwort "doxa" = "Herrlichkeit", "Verherrlichung" mit "Ehre" und "verehren" ungenau wiedergegeben wurde. Abrahams Glaube und Vertrauen gereichte Gott. zur Verherrlichung da er alles, Raum und Zeit, ja Ihn Selbst als den verheißenden und Hinausführenden unauflöslich mit einschloss. Selbstverständlich wird dadurch Gott auch Ehre zuteil, wie sie keinem Sterblichen. zukommt; dennoch kann die alles nur mit dem einen Wort "Herrlichkeit" liegenden Inhalt angemessen und gebührend ausgedrückt werden.
Mündliche und schriftliche Überlieferungen
Wir erfahren aus der Heiligen Schrift, mit welchem Eifer und Fleiß die Urväter bemüht waren, die ihnen von Gott gegebenen Verheißungen ihren Nachkommen durch mündliche und schriftliche Überlieferung weiterzugeben. Abraham hatte dafür das schöne Zeugnis von 1Mo 18:19 erhalten: "Denn Ich kenne ihn um des willen, dass er gebieten wir seinen Söhnen und seinem Hause nach ihm".
Wie fleißig in jeder folgenden Generation diesem Grundsatz nachgelebt wurde, bezeugt Ps 78:3-6: "Was wir gehört und erfahren und unsere Väter uns erzählt haben, wollen wir nicht verhehlen ihren Söhnen, dem künftigen Geschlecht erzählten den Ruhm Jewes und Seine Stärke und seine Wunderwerke, die Er getan hat. Denn Er hat ein Zeugnis aufgerichtet in Jakob und ein Gesetz gestellt in Israel, die Er unseren Väter geboten hat, um sie ihren Söhnen kundzutun; damit das künftige Geschlecht sie kenne, die Söhne, die geboren werden sollten, und sie aufständen und. sie ihren Söhnen erzählten..." Und David ruft seine söhne herbei mit den Worten: "Kommet ihr Söhne, höret mir zu: die Furcht Jewes will ich euch lehren" (Ps 34:11).
Eine Lücke in Abrahams Glaube
So hoch nun Abrahams Glaube durch die zwei erwähnten Segensauswirkungen auch dasteht, er weist dennoch eine Lücke auf. Ihm fehlt die Bewährungsprobe im Unrechtleiden. Abraham musste sich nicht im Glauben durch unverschuldete, ihm von anderen aus Bosheit zugefügten Leiden bewähren. Da aber Christus vor allem solche Leiden im Glauben zu tragen hatte, gab Gott auch für diese ein Vorbild. Der dafür ausersehende Mann war Joseph, ein Sohn Jakobs.
Joseph, das große Vorbild des Glaubens Christi
Joseph war der von Gott bestimmte Mann, den Er mit der schweren Aufgabe betrauen konnte, sich auch unter unverschuldeten Leiden im Glauben zu bewähren. Sehr eindrucksvoll ist es, wie genau in Josephs Leidensweg der Glaubenskampf und Sieg Christi vorgebildet sind. Ferner enthüllt uns Josephs ausgelebter Glaubensgehorsam, dass Gott entsprechend den aufgetragenen Diensten, auch Ausrüstung und Befähigung zu deren Ausführung schenkt. Aber auch die universalen, dem Glaubensgehorsam Christi entspringenden Segnungen werden durch Josephs Glauben vorbildlich dargestellt.
Der gehorsame Sohn
Sicherlich hatte auch Jakob das vorbildliche Weitergeben der göttlichen Überlieferungen und Verheißungen an seine Nachkommen befolgt. Das war umso notwendiger, also keiner seiner Söhne diese Verheißungen direkt von Gott erhalten hatte - auch Joseph nicht.
Weiter erfahren wir, dass Jakob den Joseph mehr liebte als die übrigen Söhne, denn er wurde ihm im Alter geboren (1Mo 37:3). Den Grund für diese größere Liebe und Bevorzugung dürfen wir auch darin sehen, dass Joseph bestimmt der Empfänglichste für des Vaters Mitteilungen göttlicher Verheißungen war. Denn wer fähig ist, den eigenen Bruder zu verkaufen und überdies den Vater zu betrügen - wie die Brüder das taten -, der bekundet mit Sicherheit Verschlossenheit für alles Göttliche. Die Verbundenheit im Glauben an Gottes Verheißungen zwischen Jakob und Joseph mag auch die Ursache dafür gewesen sein, weshalb wir Joseph zu Hause bei seinem Vater finden und nicht. mit den Brüdern beim Hüten des Viehes auf den weiden (1Mo 37:12.13).
Einführung in die Familiengeschichte
Durch des Vaters Überlieferung wurde Joseph Einblick in die göttlichen Taten und Zusagen Gottes an seinen Vorfahren gewährt. Beginnend mit dem Urvater Abraham (1Mo 12:1), wurde er in alle Einzelheiten ihrer Familien Geschichte eingeführt. So erfuhr Joseph die wunderbare Geburt seines Großvaters Isaak, aus dessen Lenden dann sein Vater Jakob hervorgegangen ist. Was hatte dieser ihm doch alles von Gottes Treue und Führung zu erzählen! Die Rückkehr ins verheißene Land hatte Joseph dann selbst miterlebt (1Mo 33:7). Es muss dem jungen Joseph großen Eindruck gemacht haben, Glied einer solchen von Gott auserwählten und bevorzugten Familie sein zu dürfen, deren Gründer offensichtlich Gott Selbst war.
Sol wurde ihm von früher Jungend an Vergangenheit und Zukunft seiner Familie ins Herz gepflanzt. Sicher ließ ihn sein Vater auch nicht im Ungewissen über die Anfänge der Menschheit und Gottes schöpferisches Wirken.
Jakobs Ermahnungen
Da Jakob durch seine vielen Erlebnisse zu einem erfahrenen Gottesmann gereift war, wird er seinem lernwilligen Sohn, dem geliebten Joseph, entsprechend gute Mahnungen und Ratschläge für dessen späteres Leben gegeben habe. Oh, wie wird er ihm, eingedenk seiner eigenen bitteren Verfehlungen, eingeprägt haben, Gott im Glaubensgehorsam treu zu bleiben und ja nicht mit eigenen Mitteln der Erfüllung der Verheißungen vorzugreifen, wie es einst Jakob auf den Rat seiner Mutter getan hatte (1Mo 27:9ff). Gewiss hat er seinem Sohn zugesprochen, auch auf schweren, rauhen Pilgerwegen nie an Gottes Liebe zu zweifeln und im Glauben zu beharren, dass Gott auch üble Erlebnisse in Gutes umzuwandeln vermag.
So genoss Joseph zu Hause in der gesegneten Gemeinschaft mit seinem Vater lehrreiche Jugendjahre, und kampflos konnte sich sein junger Glaube entfalten. Beim Gedenken an die herrliche Zukunft ihrer Nachkommen wird er sich an diesen Verheißungen ganz besonders erquickt haben!
Ein Zeugnis dafür, dass Joseph ein gehorsamer Sohn war, finden wir in der willigen Ausführung des Auftrages, sich nach seinen in der Ferne weilenden Brüdern umzusehen (1Mo 37:14). Und da er wusste, dass sie ihn beneideten und hassten, konnte er sich wohl denken, dass ihm kein lieblicher Empfang bereitet würde. Durch den schnöden Verkauf wurde er dann aller Stützen seines Vaterhauses beraubt. Jetzt war er auf eigene Füße gestellt!
Josephs göttliche Ausrüstung
All das, was Joseph im Vaterhaus empfing, war in Wirklichkeit die von Gott gegebene Ausrüstung zum Bestehen in den vor ihm liegenden Glaubensproben, die seiner Erhöhung vorausgingen. Noch ehe Gott -Seinem gnädigen Ratschluss entsprechend - Joseph den mörderischen Händen seiner Brüder überlieferte, hat Er ihn so fest in S e i n e Hand genommen und so gut ausgerüstet, dass Joseph aus allen Anfechtungen als Überwinder hervorgehen konnte.
Für diese Vorbereitung hatte Gott den Vater Jakob benutzt, obgleich dieser keine Ahnung hatte von dem gewaltigen Ausmaß der Lebensaufgabe seines geliebten Sohnes. Die geschah vornehmlich durch die treue Überlieferung der Aussagen Gottes, zu denen noch die auf reiche Erfahrungen gegründeten väterlichen Ermahnungen hinzukamen. Auch lebte noch Josephs greiser Großvater, Isaak - dem in seiner Blindheit allein noch die Gemeinschaft mit Gott verblieb -, der gewiss auch seinem Enkel alle großen, unverbrüchlichen Zusagen Gottes einprägte als das Beste, Höchste und Bleibende in allen Lebensstürmen.
Josephs großer Sieg
Bis zu seinem Dienst im Hause Potiphars erfahren wir nichts über Josephs Verhalten auf seinem schweren Weg. Erst mit der mehrmaligen Versuchung durch Potiphars Frau wird uns Einblick in sein Herz geschenkt. Bei dieser Versuchung war Joseph die große Gelegenheit geboten, seinen standhaften Glauben. zu Gott mit einer Gehorsamstat unter Beweis zu stellen. Ja, welch ein Treuebekenntnis bringt Joseph mit den Worten zum Ausdruck, mit denen er die Versuchung zurückweist: "Wie sollte ich dieses große Über tun und wider Alueim sündigen!" (1Mo 39:9).
Mit diesem Überwinden hat Joseph eine ganz eindrückliche Predigt gehalten! Worin lag nun im Grunde sein Sieg? Er hatte Gott das Recht zugesprochen, ihn unter dem Bösen leiden zu lassen, ohne ihm damit Urecht zu tun! Damit offenbarte er schon vorbildlich, dass Gottes Gerechtigkeit auch dann fortbesteht, wenn Er in Seinem Heilswalten zeitweilig Böses mitwirken lässt. Diese erstmalig von Joseph im Durchleiden von Üblem zu Gott eingenommene Haltung stellt für die Frommen aller Zeiten die höchst erreichbare Glaubensstufe dar! Mit ihr wird Gott ganz außerordentlich verherrlicht!
Als Gott dann Joseph aus dieser Tiefe erhob und ihn zum Segensspender für die ganze damalige Welt einsetzte, da stand es bei ihm erst recht fest, dass Gott an ihm mit der Verhängung von Üblem nicht unrecht, sondern vollständig gerecht und richtig gehandelt hatte, und damit rechtfertigte er Jewe Alueim. Denn Gott bewirkte ihm mit vorübergehendem Bösen bleibendes und überaus vermehrtes Gutes! Danach wird er Gott noch vielmehr gedankt und gepriesen haben für die Gnade, durch die er Ihn aus unschuldigem Leiden heraus zu verherrlichen vermochte. Paulus fasst diese Erleben in die Worte: "Denn es ist euch in Gnaden gewährt, für Christus, nicht allein an Ihn zu glauben, sondern auch für Ihn zu leiden" (Phil 1:29).
Da Gott voll allwissender Weisheit ist, hat Er auch für Joseph alles im voraus festgesetzt. So sah Sein liebevolles Herz ihn schon in seiner hohen Stellung, als Er ihn noch auf solch hartem, rauhen Pilgerpfade zu diesem hehren Ziele führte. Gemessen an dem von Joseph zu erwartenden langen, glücklichen Leben war die schmerzvolle Vorbereitung nur kurz. Und bestimmt hat Sich Gott auch schon im voraus am Dank erquickt, den Ihm Joseph nicht nur für seine Erhöhung, sondern vor allem für die vorangegangene Erfahrung des Bösen darbringen werde. Die Glaubenstreue Josephs zu seinem Verfüger während des Unrechtleidens war für Jewe Alueim die kostbarste Frucht.
Dass Joseph in seiner großen Stunde der Versuchung und Erprobung die Sünde zurückwies und sie floh, war auch der Beweis, dass er unerschüttert im Glaub en an der Erfüllung der den Patriarchen gegebenen Zusagen festhielt. Diese Gewissheit stärkte ihn in der Gemeinschaft mit Seinem Gott und bewahrte ihn vor dem Irrewerden an Gott, trotz seines unschuldigen Leidens für Ihn. Er war im Glauben darüber hinausgewachsen, dieses als Unrecht zu empfinden.
Gleich wie Hiob hatte auch Joseph Gott nichts Ungereimtes zugeschrieben (Hi 1:22) und das Böse aus Gottes Hand genommen (Hi 2:10) , ohne aber wie jener hernach mit Gott zu hadern. Dies tat Joseph nicht, obwohl Gott ihm das "Zusammenwirken zum Guten" (Röm 8:28) noch nicht geoffenbart hatte. Das Aus-GottesHand-Nehmen war die Grundlage seines Standhaften Glaubens, worin er beharrte, ohne vorerst wahrnehmbare Offenbarungen von seinem Unterordner zu erhalten.
Die göttliche Führung der Vorfahren Josephs
Gott ließ Joseph noch aus einer anderen Quelle Kraft für seinen Leidenspfad schöpfen. Diese floss ihm reichlich in der Betrachtung der göttlichen Erziehungswege seiner Vorfahren zu. So lernte Joseph durch Jewe Alueims Aufforderung an seinen Urgroßvater Abraham, seinen Sohn Isaak zu opfern, dass Gott auch Opfer verlangt. Dabei durfte Joseph zu seiner eigenen Stärkung erkennen, dass Gott zur Ausführung schwerer Aufgabe auch vermehrte Kraft darreicht. Das gewahrte er am stillen Durchhalten seines Großvaters Isaak auf dem Opfergang, angesichts des Todes!
Und wie muss Josephs Aussicht auf endliche Errettung zuversichtlicher geworden sein im Blick auf Gottes Eingreifen zur Bewahrung Isaaks vor dem Tode. Als er dann die auf diesen Glaubensgehorsam folgende göttliche Verheißung für Abrahams Nachkommen erfuhr (1Mo 22:15-18) und den Segen für alle Nationen, da mag ihm Gott die Gewissheit ins Herz gelegt haben, dass auch seine unschuldigen Leiden in diese Segensverheißung mit eingeschlossen seien, und Gott sie noch zum Segen für andere werden lasse!
Sicherlich gereichte ihm auch seines Vaters Rückkehr in das verheißene Losteil. zu stärkendem Zuspruch. Gerade weil sein Vater infolge des an seinem Bruder Esau und dem greisen Vater Isaak verübten Betrugs entweichen musste, und Gott ihn dennoch nicht verwarf, ja ihn auf seinen Wegen behütete und wieder nach Hause zurückführte, erhielt er einen starken Beweis dafür, wie unwandelbar treu Gott zu seinen Verheißungen steht. Denn sogar auf der Flucht versprach Gott dem Jakob Seine Hilfe (1Mo 28:12-15) und schenkte ihm über seine große Zukunft eine erweiterte Zusage. Er versicherte ihn Seines Schutzes und gelobte ihm, ihn wieder in das ihm verheißene Land zurückzubringen.
Und nach vielen Jahren des Verweilens bei Laban gebietet ihm Jewe sogar Selbst: "Kehre zurück zum Lande deiner Väter und zu deiner Verwandtschaft. Ich werde mit dir sein" (1Mo 31:3). Nachdem Gott seinen Vater - der vormals als Betrüger fliehen musste - weder in sein Losteil zurückgebracht hatte, um wieviel mehr durfte er als unschuldig Leidender von Jewe erwarten, wieder in sein Vaterhaus zurückgeführt zu werden. Von dieser Erwartung ließ Joseph nie ab, selbst als Gott ihn überaus hoch erhöhte in Ägypten, denn er beschwor die Söhne Israels bei seinem Sterben: "Bringt meine Gebeine von dannen hinauf mit euch" (1Mo 50:25).
Dafür, dass Joseph solche Verheißungen, wie sie seine Väter empfangen hatten, versagt blieben, trat Gott ihm auf andere Weise ganz nahe, indem Er Joseph
Eine vertiefte Gemeinschaft
mit Ihm gewährte. Diese verlieh ihm Kraft zum Überwinden in der gefahrvollen Versuchung. Noch ehe diese an ihn herantrat, kann die Schrift (1Mo 39:2) berichten: "Und Jewe war mit Joseph..." Die feindlichen Brüder konnten wohl Joseph von seinem Vater und der Heimat trennen, nicht aber von Gott! Ja, mit dem Verkauf an fremde Menschen verband Sich Jewe nur umso inniger mit Joseph. Damit wird uns ein Grundsatz Gottes geoffenbart: Wenn Er einen Menschen zu einem schweren Auftrag heranzieht - wie Joseph als Vorbild für Christi Glauben - dann setzt Er Sich Selbst auch dafür ein, dass alles nach Gottes Vorsatz gedieh. Und von Gott floss Joseph auch die Kraft zu, eingedenk der Verheißungen seiner Väter treu die Gemeinschaft mit Ihm zu pflegen. Ob Josephs Herz nicht auch eine Ahnung von der Erfüllung seiner beiden Träume erfüllte? So hat Jewe dem Joseph am inwendigen Menschen nach viel mehr Gutes zuteil werden lassen, als ihm die Brüder Übles zufügen konnten.
Ein. zweites Mal hören wir, das Jewe mit Joseph war, nachdem er wieder eine große Ungerechtigkeit erleben musste, und er aufgrund der schändlichen Verleumdung durch die Frau Potiphars zu Unrecht ins Gefängnis gesetzt wurde (1Mo 39:17-19). Jetzt verband Sich Sein Verfüger noch viel inniger mit ihm, denn es heißt: ".. Er (Gott) streckt Sich aus zu ihm in Huld und gibt ihm Gnade in den Augen des Obersten des Rundhauses" (1Mo 39:21).
Diese göttliche Handlungsweise gilt ohne Einschränkung für alle Zeiten: Je mehr die Welt den Seinen Übles antut, desto unauflöslicher vereinigt Sich Gott mit Seinen unschuldig Leidenden. Ja, wenn gesagt wird, dass Jewe dem Joseph Gnade gibt in den Augen des Obersten, dann ist das ein kräftiger Beweis dafür, dass Er sogar zugunsten der Glaubenden in den Ungläubigen hineinwirkt, wenn es in Seinem Willen beschlossen liegt!
Die göttliche Handlungsweise gilt ohne Einschränkung für alle Zeiten: Je mehr die Welt den seinen Übles antut, desto unauflöslicher vereinigt Sich Gott mit Seinen unschuldig Leidenden. Ja, wenn gesagt wird, dass Jewe dem Joseph Gnade gibt in den Augen des Obersten, dann ist das ein kräftiger Beweis dafür, dass Er sogar zugunsten der glaubenden in den Ungläubigen hineinwirkt, wenn es in Seinem Willen beschlossen liegt!
Gottes Vorbereitungen für Josephs Befreiung
Ehe Joseph das Kleid der Gefangenschaft ablegen konnte, wurde er noch in vertiefte Leiden geführt; denn vom Aufseher über Potiphars Haus sank er zu einem ins Gefängnis gelegten Sträfling herab. Das lichte Gegenstück aber zu diesem äußeren schmerzlichen Ergehen ist die vertiefte Gemeinschaft Gottes mit Joseph. Diese bringt ihn ganz dich an seine Befreiung und Erhöhung heran. Gott Selbst trifft die Vorbereitungen dazu, indem Er ihm Gnade und Huld schenkt, dass ihn der Oberste des Rundhauses über alle Häftlinge setzt. Dadurch kam er in Verbindung mit dem Bäcker und Schenken, den Gott dann benutzte, um Joseph dem Pharao vorzustellen.
Josephs vorbildliche Gesinnung
Bemerkenswert ist auch, wie Joseph, in eine letzte Prüfung geführt, weine innere Einstellung zu seinen Brüdern offenbaren muss. Als er nämlich den beiden eingekerkerten Hofbeamten des Pharao seine Unschuld beteuerte, sagte er nur, er sei aus dem Lande der Hebräer gestohlen worden (1Mo 40:15). Im Grunde entsprach aber diese Antwort nur zu einem Teil der Wahrheit. Bewusst verschwieg er damit den an ihm verübten Frevel seiner Brüder und verschonte sie mit der belastenden Bekanntgabe ihrer Schuld. Dieses edle Verhalten lässt uns erkennen, dass in Josephs Herz keine feindliche und rachsüchtige Gesinnung gegen seine fehlbaren Brüder Wurzel fassen konnte. Es war in ihm bereits der Grund zu Aussöhnung vorhanden, selbst während er noch unter dem ihm zugefügten Bösen litt. und sie noch seine Feinde waren. Diese Gott verherrlichende Glaubenshaltung bewirkte der innige Umgang mit Gott.
Aus dieser Gesinnung leuchtet ein wunderbarer Glaube zu Jewe und Seinen Verheißungen auf. Aber nur weil Gott mit Joseph war, konnte eine solche edle Frucht, gepaart mit einem vorbildlichen Gehorsam, entstehen. bewusst wollte er - gleich wie bei der Erprobung in Potiphars Haus - Gott nicht mit der Sünde einer unversöhnlichen und nachtragenden Gesinnung gegen seine Brüder kränken. Der Herzenszug Josephs wurde wesentlich durch
Die Versöhnung Esaus mit Jakob
geprägt. Joseph wusste, dass, Esau seinem Vater umbringen wollte, da dieser ihn so schändlich hintergangen hatte. Die Ursache des tödlichen Hasses, vor dem Jakob fliehen musste, blieb Joseph nicht verborgen. Gemäß dem Bericht in 1Mo 33:7 über das Zusammentreffen Jakobs mit Esau, warf sich auch Rahel mit ihrem Sohn Joseph vor Esau nieder. Dabei finden wir Joseph in einem Alter, in dem er die tragische Situation schon begreifen konnte. Aus seines Vaters Vorkehrungen (1Mo 32:7.8) konnte er schließen, dass Esau nun Rache nehmen und sie alle mit seinen vierhundert Männern überfallen und niedermachen würde. Und so wird auch Joseph von seines Vaters großer Frucht erfasst worden sein.
Doch was durfte Joseph miterleben, als Jakob und Esau aufeinander zukamen und von Esau das Allerschlimmste zu erwarten war? Nicht Jakob fällt um Gnade flehend als erster dem Esau um den Hals, sondern der betrogene und erzürnte Bruder Esau schließt Jakob in seine Arme, küsst ihn und weint mit Jakob zusammen. Wahrlich eine herzergreifende und unvergessliche Szene!
Welch einen tiefen, unauslöschlichen Eindruck muss dieses Erlebnis auf dem jungen Joseph gemacht haben! Anstatt eines rachgierigen und furchteinflößenden Esau steht ein versöhnter Mann vor ihnen! Durch wen und durch was war dies alles geschehen? Doch allein durch Gott, der das Herz Esaus völlig umgewandelt hatte! Damit hatte Gott dem Joseph vorgeführt, wie er Übles und Böses in beglückenden Segen kehren kann.
Das war eine der wertvollsten Zubereitungen für Josephs rechte Glaubenshaltung seinen älteren Brüdern gegenüber. Er musste sich sagen, wenn Gott seinen Onkel, der seinen Vater umbringen wollte, mit einer solche versöhnlichen Gesinnung zum überaus gehassten Bruder zu erfüllen vermochte, dann durfte auch Joseph damit rechnen, selbst wenn seine Brüder och immer feindlich zu ihm gesinnt waren. Am Vorbild Esaus lernte er, dass Gott auch die verhärteten Herzen seiner Brüder umzuwandeln vermag. Dieser Glaube bewährte sich dann, als er seine Brüder nicht verklagte, sondern sie schonend und versöhnlich behandelte (1Mo 40:15).
Noch ehe Joseph erhöht und die Brüder immer noch in ihrer feindseligen Einstellung dahinlebten, hatte er schon begonnen, ihnen zu vergeben. Hier findet sich der Ansatz zu der Brüder Rechtfertigung, die auch getragen wurde von Josephs Glauben an eine Rückkehr ins Vaterhaus; zur Aussöhnung mit den Brüdern wollte er als Erster bereit sein.
Die Verwirklichung dieser Aussöhnung wurde ihm dann sehr erleichtert durch seine Erhöhung in den stand eines Herrschers und Retters der Welt. Von jetzt an brauchte er nicht mehr im Glauben zu wandeln, denn er hatte nun den sicht- und greifbaren Be weis, dass alles von Gott wunderbar geleitet war. Deshalb konnte er den Brüdern auch mehr erweisen als nur Vergeben; er rechtfertigte sie, indem er dreimal betonte: "Nicht ihr, sondern Gott hat mich hierher gesandt" (1Mo 45:7.8).
Lies weiter:
2. Josephs Glaube
