Zweck und Ziel der Offenbarung: Unterschied zwischen den Versionen

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=='''Zweck und Ziel der Offenbarung'''==
 
=='''Zweck und Ziel der Offenbarung'''==
Will man die '''"Offenbarung"''' recht verstehen und anwenden, so ist eines vom Wichtigsten, dass man den Zweck und das Ziel, dem sie im Gesamtorganismus der Schrift dienen soll, erkennt. Solches kann man ersehen aus ihrer Stellung im Kanon der Heiligen Schrift und aus ihrem Verhältnis zu den anderen biblischen Schriften.
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Will man die '''"Offenbarung"''' recht verstehen und anwenden, so ist eines vom Wichtigsten, dass man den Zweck und das Ziel, dem sie im Gesamtorganismus der Schrift dienen soll, erkennt. Solches kann man ersehen aus ihrer Stellung im Kanon der Heiligen Schrift und aus ihrem Verhältnis zu den anderen biblischen Schriften.<br/>
  
 
==='''Die verschiedenen Haushaltungen'''===
 
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Was der Heiland Seinen Jüngern noch nicht sagen konnte, das hat Er Seinem auserwählten Rüstzeug Paulus unmittelbar vom Himmel her geoffenbart. "Ich tue euch aber kund, Brüder, dass das von mir gepredigte Evangelium nicht von Menschen kommt, denn auch ich habe es von keinem Menschen empfangen und gelernt, sondern durch Offenbarung Jesu Christi" ([[Gal 1:11]].12). Kein Mensch, auch keiner der anderen Apostel, hätte es ihm sagen können; sie hatten es selbst nicht. Ihm ist kundgetan worden das Geheimnis Christi durch unmittelbare Offenbarung, welche in früheren Geschlechtern nicht kundgetan wurde den Söhnen der Menschen ([[Eph 3:3]].4). Er hatte ein anderes Evangelium als die übrigen Apostel. Es war nicht anders in den heilsgeschichtlichen Tatsachen: Präexistenz, jungfräuliche Geburt, Tod, Auferstehung und Himmelfahrt Jesu Christi. Aber es war ein anderes Evangelium nach der Seite hin, wie und in welche Ordnung die Heilsgeschichte sich im Kosmos erfüllt. Dazu gehört vor allem das Geheimnis  der Gemeine, die da ist Sein Leib, und ihre Stellung und Bedeutung im Heilsplan Gottes.
 
Was der Heiland Seinen Jüngern noch nicht sagen konnte, das hat Er Seinem auserwählten Rüstzeug Paulus unmittelbar vom Himmel her geoffenbart. "Ich tue euch aber kund, Brüder, dass das von mir gepredigte Evangelium nicht von Menschen kommt, denn auch ich habe es von keinem Menschen empfangen und gelernt, sondern durch Offenbarung Jesu Christi" ([[Gal 1:11]].12). Kein Mensch, auch keiner der anderen Apostel, hätte es ihm sagen können; sie hatten es selbst nicht. Ihm ist kundgetan worden das Geheimnis Christi durch unmittelbare Offenbarung, welche in früheren Geschlechtern nicht kundgetan wurde den Söhnen der Menschen ([[Eph 3:3]].4). Er hatte ein anderes Evangelium als die übrigen Apostel. Es war nicht anders in den heilsgeschichtlichen Tatsachen: Präexistenz, jungfräuliche Geburt, Tod, Auferstehung und Himmelfahrt Jesu Christi. Aber es war ein anderes Evangelium nach der Seite hin, wie und in welche Ordnung die Heilsgeschichte sich im Kosmos erfüllt. Dazu gehört vor allem das Geheimnis  der Gemeine, die da ist Sein Leib, und ihre Stellung und Bedeutung im Heilsplan Gottes.
  
Wir möchten nun den '''Inhalt der Schrift''', und besonders des Neuen Testaments, übersichtlich wie folgt '''darstellen''' und dann kurz '''erläutern:'''  
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===1. Darstellung===
 
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:'''Anfang''' - Schöpfung - Erzväter - Gesetz und Prophetie.  
 
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:Prophetische, schattenhafte Vorausdarstellung des Gottesrates.   
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:Prophetische, schattenhafte Vorausdarstellung des Gottesrates.  <br/> <br/>
  
 
'''Evangelien:'''  
 
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::Die '''1. sichtbare Ankunft''' Jesu auf Erden in '''ISRAEL'''
 
::Die '''1. sichtbare Ankunft''' Jesu auf Erden in '''ISRAEL'''
 
::Seine Verwerfung durch '''ISRAEL'''
 
::Seine Verwerfung durch '''ISRAEL'''
::Die Tage  des "Menschensohnes"
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::Die Tage  des "Menschensohnes"<br/> <br/>
  
 
'''Apostelgeschichte:'''
 
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'''Briefe:'''
 
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:::'''Herausrufung der Leibesgemeine''' aus Juden und Heiden
 
:::'''Herausrufung der Leibesgemeine''' aus Juden und Heiden
:::'''Enthüllung des Geheimnisses Christi.''' Gemeine, die da ist Sein Leib. Auferstehung und Entrückung. Vereinigung des Hauptes mit seinem Leib.  
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:::'''Enthüllung des Geheimnisses Christi.''' Gemeine, die da ist Sein Leib. Auferstehung und Entrückung. Vereinigung des Hauptes mit seinem Leib. <br/> <br/>
  
 
'''Offenbarung 1-20:'''
 
'''Offenbarung 1-20:'''
::'''Der Tag des Herrn. Die 2. sichtbare Ankunft''' Jesu auf Erden zur Aufrichtung Seines Friedensreiches von Zion aus. Ihre Vorbereitung durch Gerichtskatastrophen über die unbußfertgen Israel- und Nationenmassen.
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::'''Der Tag des Herrn. Die 2. sichtbare Ankunft''' Jesu auf Erden zur Aufrichtung Seines Friedensreiches von Zion aus. Ihre Vorbereitung durch Gerichtskatastrophen über die unbußfertgen Israel- und Nationenmassen.<br/> <br/>
  
 
'''Offenbarung 21-22:'''
 
'''Offenbarung 21-22:'''
:'''Erneuerung und Vollendung''' der ganzen Schöpfung. Das Ende kehrt zum Anfang zurück.
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:'''Erneuerung und Vollendung''' der ganzen Schöpfung. Das Ende kehrt zum Anfang zurück.<br/> <br/> <br/>
  
 
===2. Erläuterung===
 
===2. Erläuterung===
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====Evangelien====
 
====Evangelien====
 
Die 1. Ankunft des  "Menschensohnes" auf Erden in Knechtsgestalt ([[Lk 2:7]]) zur Aufrichtung Seines Reiches auf Erden, nach Kreuz und Auferstehung. Es sollte und muss seinen Anfang nehmen in Jerusalem ([[Mt 5:35]]; [[Jer 3:17]]) und Israel. Solange Jerusalem in Trümmern liegt, und von den Nationen zertreten wird, ist das Reich Gottes nicht da. Es bricht erst dann an, wenn der Herr Jesus Seine Füße auf den Ölberg setzt. Der Lobgesang der Maria ([[Lk 1:39]]-56) und des Zacharias ([[Lk 1:67]]-78) zeigen klar die, in der Schriftprophetie wurzelnde, Messiashoffnung der auserwählten Gläubigen in Israel. Das war nicht jüdisch-fleischlich-nationale Phantasie, sondern Glaube an das prophetische Wort. Der Unglaube der Masse führt zur '''VERWERFUNG DES KÖNIGS UND SEINES REICHES.''' "Wir wollen nicht, dass dieser über uns herrsche!" ([[Lk 19:14]]). Die Voraussehung der Verwerfung veranlasst den Heiland zur '''WEISSAGUNG VON DER GROSSEN TRÜBSAL'''  ([[Mt 24:30]]) und vom '''WIEDERKOMMEN DES "MENSCHENSOHNES'''" ([[Lk 21:27]]) in großer Kraft und Herrlichkeit ([[Lk 21:27]]), zur Aufrichtung Seiner Königsherrschaft '''IN ISRAEL.'''  [[Mt 24.]] trägt durch und durch jüdischen Charakter, und die "Leibesgemeine" liegt hier nicht im prophetischen Gesichtsfeld des Herrn.
 
Die 1. Ankunft des  "Menschensohnes" auf Erden in Knechtsgestalt ([[Lk 2:7]]) zur Aufrichtung Seines Reiches auf Erden, nach Kreuz und Auferstehung. Es sollte und muss seinen Anfang nehmen in Jerusalem ([[Mt 5:35]]; [[Jer 3:17]]) und Israel. Solange Jerusalem in Trümmern liegt, und von den Nationen zertreten wird, ist das Reich Gottes nicht da. Es bricht erst dann an, wenn der Herr Jesus Seine Füße auf den Ölberg setzt. Der Lobgesang der Maria ([[Lk 1:39]]-56) und des Zacharias ([[Lk 1:67]]-78) zeigen klar die, in der Schriftprophetie wurzelnde, Messiashoffnung der auserwählten Gläubigen in Israel. Das war nicht jüdisch-fleischlich-nationale Phantasie, sondern Glaube an das prophetische Wort. Der Unglaube der Masse führt zur '''VERWERFUNG DES KÖNIGS UND SEINES REICHES.''' "Wir wollen nicht, dass dieser über uns herrsche!" ([[Lk 19:14]]). Die Voraussehung der Verwerfung veranlasst den Heiland zur '''WEISSAGUNG VON DER GROSSEN TRÜBSAL'''  ([[Mt 24:30]]) und vom '''WIEDERKOMMEN DES "MENSCHENSOHNES'''" ([[Lk 21:27]]) in großer Kraft und Herrlichkeit ([[Lk 21:27]]), zur Aufrichtung Seiner Königsherrschaft '''IN ISRAEL.'''  [[Mt 24.]] trägt durch und durch jüdischen Charakter, und die "Leibesgemeine" liegt hier nicht im prophetischen Gesichtsfeld des Herrn.
  
"Menschensohn" heißt der Heiland in Seiner Beziehung zur Erde. In Beziehung zu Seiner "Leibesgemeine"  heißt Er nie Menschensohn, sondern "Gottessohn". In den Evangelien haben wir den "Tag des Menschensohnes" ([[Lk 17:22]]), in der Offenbarung den "Tag des Herrn" ([[Offb 1:10]]).
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"Menschensohn" heißt der Heiland in Seiner Beziehung zur Erde. In Beziehung zu Seiner "Leibesgemeine"  heißt Er nie Menschensohn, sondern "Gottessohn". In den Evangelien haben wir den "Tag des Menschensohnes" ([[Lk 17:22]]), in der Offenbarung den "Tag des Herrn" ([[Offb 1:10]]).<br/> <br/>
  
 
====Apostelgeschichte====
 
====Apostelgeschichte====
 
Die Verwerfung und Tötung des Königs der Juden wird vergeben ([[Lk 24:34]]). Nur weil die Sünde der Kreuzigung vergeben ist, kann der "Erhöhte" an Pfingsten sich und Sein Königreich erneut anbieten. Wenn die Schuld und Sünde noch auf Israel läge, könnte Gott dieses neue Anerbieten nicht machen ([[Apg 2:38]]-41). Die Pfingstgemeinde ist "Anbruch des Königreichs" ([[Röm 11:16]]). Es kommt aber wieder nicht zum Durchbruch beim ganzen Volk. Nur eine Auswahl aus dem Volk kommt zum Durchbruch. Das Volk als Ganzes widerstrebt wiederum dem Heiligen Geist und verwirft auch den "Geistverklärten". Damit ist das Schicksal Israels als Volk besiegelt. Es wird von seinem Gott verworfen ([[Apg 28:26]].28). Er nimmt es weg aus dem Land der Verheißung und zerstreut es unter die Nationen. Die Apostelgeschichte handelt also im Anfang vom Anbruch des Königreichs unter Israel und läuft dann mit der Bekehrung des Saulus in die Gemeine über.
 
Die Verwerfung und Tötung des Königs der Juden wird vergeben ([[Lk 24:34]]). Nur weil die Sünde der Kreuzigung vergeben ist, kann der "Erhöhte" an Pfingsten sich und Sein Königreich erneut anbieten. Wenn die Schuld und Sünde noch auf Israel läge, könnte Gott dieses neue Anerbieten nicht machen ([[Apg 2:38]]-41). Die Pfingstgemeinde ist "Anbruch des Königreichs" ([[Röm 11:16]]). Es kommt aber wieder nicht zum Durchbruch beim ganzen Volk. Nur eine Auswahl aus dem Volk kommt zum Durchbruch. Das Volk als Ganzes widerstrebt wiederum dem Heiligen Geist und verwirft auch den "Geistverklärten". Damit ist das Schicksal Israels als Volk besiegelt. Es wird von seinem Gott verworfen ([[Apg 28:26]].28). Er nimmt es weg aus dem Land der Verheißung und zerstreut es unter die Nationen. Die Apostelgeschichte handelt also im Anfang vom Anbruch des Königreichs unter Israel und läuft dann mit der Bekehrung des Saulus in die Gemeine über.
  
Mit [[Apg 9.]] und [[Apg 10.]] beginnt eine neue Haushaltung, die Herausrufung der "Erstlingsgemeine" aus '''Juden und Heiden''', die "in Christo zu '''EINEM''' neuen Menschen" '''zusammengefügt''' wird, dessen Haupt Christus ist ([[Eph 2:14]]-16). Die Apostelgeschichte trägt Übergangscharakter. Die Verwaltung der Gnadenhaushaltung ist in sonderlicher Weise dem Apostel Paulus übergeben worden ([[Eph 3:3]]-9). Ihm hat das erhöhte Haupt Seines Leibes besondere und neue Offenbarungen gegeben (vgl. [[Joh 16:12]]), die Paulus dann in seinen  
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Mit [[Apg 9.]] und [[Apg 10.]] beginnt eine neue Haushaltung, die Herausrufung der "Erstlingsgemeine" aus '''Juden und Heiden''', die "in Christo zu '''EINEM''' neuen Menschen" '''zusammengefügt''' wird, dessen Haupt Christus ist ([[Eph 2:14]]-16). Die Apostelgeschichte trägt Übergangscharakter. Die Verwaltung der Gnadenhaushaltung ist in sonderlicher Weise dem Apostel Paulus übergeben worden ([[Eph 3:3]]-9). Ihm hat das erhöhte Haupt Seines Leibes besondere und neue Offenbarungen gegeben (vgl. [[Joh 16:12]]), die Paulus dann in seinen <br/> <br/>
  
 
====Briefen====
 
====Briefen====
 
der Gemeine darbietet. Durch Offenbarung Jesu Christi ([[Gal 1:12]]) ist ihm das Geheimnis, welches verborgen war von den Ewigkeiten her in dem Gott, der alles erschaffen hat ([[Eph 3:9]]), und das in früheren Geschlechtern nicht kundgetan wurde den Söhnen der Menschen ([[Eph 3:5]]) enthüllt worden ([[Eph 3:8]]). Ihm ist geoffenbart, dass in der Gemeinehaushaltung alles auf die Vollendung der "Erstlingsgemeine" angelegt ist, und zwar von Gott aus ([[Eph 4:23]]), und dass die ganze Kreatur sich sehnt nach der Vollendung und Herrlichkeitsoffenbarung der "Söhne Gottes" ([[Röm 8:19]]). In der gegenwärtigen Haushaltung zielt deshalb alles  auf die Auferbauung des Leibes Jesu Christi. Dazu sind in der Gemeine die Geistesgaben gegeben, um die Heiligen tüchtig zu machen zu ihrem Dienst. In der ganzen Schöpfung liegt eine sehnschtsvolle, gespannte Erwartung auf die Herausoffenbarung der Söhne in  des Sohnes Herrlichkeit; denn die Kreatur weiß, dass sie so lange mit der Hinwegnahme des Fluches warten muss, bis diese Erstlingsgemeine vollendet ist. Die Glieder der Leibesgemeine aber strecken sich aus nach der Ausauferstehung aus den Toten ([[Phil 3:11]]), der Entrückung, und ihrer Vereinigung mit ihrem Haupt aus dem Überhimmlischen ([[1Thes 4:17]]).
 
der Gemeine darbietet. Durch Offenbarung Jesu Christi ([[Gal 1:12]]) ist ihm das Geheimnis, welches verborgen war von den Ewigkeiten her in dem Gott, der alles erschaffen hat ([[Eph 3:9]]), und das in früheren Geschlechtern nicht kundgetan wurde den Söhnen der Menschen ([[Eph 3:5]]) enthüllt worden ([[Eph 3:8]]). Ihm ist geoffenbart, dass in der Gemeinehaushaltung alles auf die Vollendung der "Erstlingsgemeine" angelegt ist, und zwar von Gott aus ([[Eph 4:23]]), und dass die ganze Kreatur sich sehnt nach der Vollendung und Herrlichkeitsoffenbarung der "Söhne Gottes" ([[Röm 8:19]]). In der gegenwärtigen Haushaltung zielt deshalb alles  auf die Auferbauung des Leibes Jesu Christi. Dazu sind in der Gemeine die Geistesgaben gegeben, um die Heiligen tüchtig zu machen zu ihrem Dienst. In der ganzen Schöpfung liegt eine sehnschtsvolle, gespannte Erwartung auf die Herausoffenbarung der Söhne in  des Sohnes Herrlichkeit; denn die Kreatur weiß, dass sie so lange mit der Hinwegnahme des Fluches warten muss, bis diese Erstlingsgemeine vollendet ist. Die Glieder der Leibesgemeine aber strecken sich aus nach der Ausauferstehung aus den Toten ([[Phil 3:11]]), der Entrückung, und ihrer Vereinigung mit ihrem Haupt aus dem Überhimmlischen ([[1Thes 4:17]]).
  
Zwar hat die Leibesgemeine Ein- und Durchblick in alle Wahrheit ([[1Jo 2:20]].27), und alle Schrift, von Gottes Geist eingegeben, ist ihr nützlich zur Erbauung, aber die Tiefen der Gottheit sind ihr durch den in ihr wohnenden, alles erforschenden Heiligen Geist in den "Gemeinebriefen" erschlossen, nämlich Gottesweisheit im Geheimnis (Theosophie im Mysterium), die verborgene, welche Gott vor den Äonen vorherbestimmt hat zu unserer Herrlichkeit ([[1Kor 2:7]])
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Zwar hat die Leibesgemeine Ein- und Durchblick in alle Wahrheit ([[1Jo 2:20]].27), und alle Schrift, von Gottes Geist eingegeben, ist ihr nützlich zur Erbauung, aber die Tiefen der Gottheit sind ihr durch den in ihr wohnenden, alles erforschenden Heiligen Geist in den "Gemeinebriefen" erschlossen, nämlich Gottesweisheit im Geheimnis (Theosophie im Mysterium), die verborgene, welche Gott vor den Äonen vorherbestimmt hat zu unserer Herrlichkeit ([[1Kor 2:7]])<br/> <br/>
  
 
====Die Offenbarung====
 
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Wir werden finden, dass die "Offenbarung" nichts anderes ist als die Erfüllung dessen, was der Herr Seinem erwählten Volk Israel durch Seine Propheten  an Gericht und Gnade fort und fort geweissagt hat. Die Wurzeln der Offenbarung liegen im Alten Testament. Wir dürfen dann nur einfältig glauben, was Gott sagt, und nicht meinen, Er meine etwas anderes, als was Er sagt.
 
Wir werden finden, dass die "Offenbarung" nichts anderes ist als die Erfüllung dessen, was der Herr Seinem erwählten Volk Israel durch Seine Propheten  an Gericht und Gnade fort und fort geweissagt hat. Die Wurzeln der Offenbarung liegen im Alten Testament. Wir dürfen dann nur einfältig glauben, was Gott sagt, und nicht meinen, Er meine etwas anderes, als was Er sagt.
  
Redet Er aber in Zeichen, so hat Er diese Zeichen in Seinem Wort selbst gedeutet. Wir dürfen Seine Deutungen nicht wieder als Zeichen betrachten, die wir nach menschlichen Gedanken noch einmal zu deuten hätten.
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Redet Er aber in Zeichen, so hat Er diese Zeichen in Seinem Wort selbst gedeutet. Wir dürfen Seine Deutungen nicht wieder als Zeichen betrachten, die wir nach menschlichen Gedanken noch einmal zu deuten hätten.<br/> <br/>
  
 
==='''Erläuterung des Aufbaus'''===
 
==='''Erläuterung des Aufbaus'''===

Aktuelle Version vom 28. Juni 2020, 15:21 Uhr

Abschrift des Buches: Offenbarung Jesu Christi von August Fuhr
erschienen 1950 im Philadelphia Verlag, August Fuhr, Reutlingen

Inhaltsübersicht des Buches:
Kapitel davor: Die Entfaltung

Zweck und Ziel der Offenbarung

Will man die "Offenbarung" recht verstehen und anwenden, so ist eines vom Wichtigsten, dass man den Zweck und das Ziel, dem sie im Gesamtorganismus der Schrift dienen soll, erkennt. Solches kann man ersehen aus ihrer Stellung im Kanon der Heiligen Schrift und aus ihrem Verhältnis zu den anderen biblischen Schriften.

Die verschiedenen Haushaltungen

Die Heilige Schrift Alten und Neuen Testaments ist ein unzertrennbarer, aber reich gegliederter, ineinandergreifender Organismus, in dem jedes Organ (Buch) seine von Gott bestimmte Aufgabe zu erfüllen hat. Unser Gott ist ein Gott der Ordnung. Seinen ewigen Liebesrat vollführt Er in wohlgeordneten HAUSHALTUNGEN. Jeder Haushaltung hat Er auch eine HAUSORDNUNG gegeben, die Er in den verschiedenen und unterschiedenen heiligen Schriften niedergelegt hat. Ohne die Kenntnis und Unterscheidung der verschiedenen Haushaltungen scheint die Bibel in manchem sich selbst zu widersprechen. So lesen wir z.B. in 1Mo 9:6: Wer Menschenblut vergießt, dessen Blut soll auch vergossen werden. In jener Haushaltung geht Gott sogar so weit, dass Er spricht: "Für euer Blut aber, für eure Seelen, will ich Rechenschaft fordern, von allen Tieren will Ich sie fordern und von des Menschen Hand, von seines Bruders Hand will Ich des Menschen Seele fordern" (1Mo 9:5). Nach diesem Wort war Krieg damals unmöglich. Dagegen gebot Gott Seinem Volke Israel beim Einzug in das verheiße Land: Befehdet die Midianiter und schlaget sie (4Mo 25:17); rüstet unter euch Leute zum Heer, dass sie wider die Midianiter ausziehen und die Rache des Herrn an den Midianitern vollstrecken (4Mo 31:3). Siehe, Ich habe Sihon, den König zu Hesbon, dem Amoriter, samt seinem Land in deine Hände gegeben: Heb an einzunehmen, und fange den Krieg gegen ihn an. Von diesem heutigen Tage an will Ich Furcht und Schrecken vor dir auf das Angesicht der Völker unter dem ganzen Himmel legen (5Mo 2:24.25). In dieser Haushaltung hat Jehova also Blutvergießen GEBOTEN. Wüsste man nicht, dass der Herr Seinen Ratschluss in verschiedenen und voneinander unterschiedlichen Haushaltungen mit entsprechender Hausordnung durchführt, dann wären das unüberbrückbare Gegensätze. So aber sind es Ordnungen, die dem Zweck entsprechen, der in dieser Haushaltung erreicht werden soll. Nicht ohne Schaden für das eigene Glaubensleben vermengt man die Haushaltungen.

Bei der Unterscheidung der Haushaltungen und seiner Hausordnungen darf man jedoch nicht mechanisch vorgehen. Alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nützlich zur Belehrung, zur Bestrafung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit (2Tim 3:16), und unser Geistesleben zieht seine Lebenskraft aus dem Gesamtorganismus der Schrift. Nichtsdestoweniger ermahnt Paulus seinen Timotheus, er möge sich Mühe geben, gerade darin als ein bewährter Mitarbeiter Gott zur Verfügung zu stehen, der sich nicht zu schämen brauchte, dass er das Wort der Wahrheit richtig teile, nämlich den Haushaltungen gemäß (2Tim 2:15). Es ist zu unterscheiden zwischen dem erbaulichen und dem prophetischen Charakter der biblischen Schriften. Nach der erbaulichen Seite hin kann die Gemeine aus allen Schriften Nahrung für den inneren Menschen ziehen. Nach der prophetischen Seite hin gehört es aber zur göttlichen Weisheit und Einsicht, das Wort Gottes den Haushaltungen und Hausordnungen gemäß recht teilen zu können. Wie das Zerlegen der Opfertiere erst die mannigfaltige Bedeutung der Opfer offenbart, so gewährt auch erst das richtige Teilen des Wortes der Wahrheit einen Durchblick in die Mannigfaltigkeit des Gesamtrates Gottes.

Im Alten Testament ist der ganze Gottesrat samentlich in eine Hülle gefasst. Das Alte Testament ist Weissagung, Verheißung und prophetisch-schattenhafte Vorausdarstellung vom Sohn als dem kommenden König und Seinem Herrlichkeitsreich, und der Allerneuerung durch Sein Opfer. In den Schattenbildern der Stiftshütte und der Opfer sehen wir, was seine wesenhafte Erfüllung im und durchs Opfer des Sohnes finden wird.

Das Neue Testament ist die Auswicklung und Erfüllung des Alten, nebst neuen, dem Apostel Paulus zuerst gegebenen Lichtsaufschlüssen. Paulus sagt, dass ihm der Dienst aufgetragen sei, das Wort Gottes zur Vollendung zu bringen (Kol 1:25). Gott hat dem Paulus schon in Arabien und ganz besonders in der Gefangenschaft in Rom die letzten Geheimnisse Seines Rates enthüllt. Dort hat Paulus in die Tiefen des Gottesrates geschaut, und was ihm da geoffenbart wurde, hat er in seinen Gefangenschaftsbriefen niedergelegt. Mit diesen Gefangenschaftsbriefen ist das Wort Gottes erfüllt oder vollendet. Was wir sonst nirgends finden, ist in den Paulusbriefen ausgewickelt. Unser Herr Jesus hat in Seinen Abschiedsreden zu Seinen Jüngern gesagt: "Ich hätte euch noch vieles zu sagen; aber ihr könnt es JETZT nicht tragen. Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, der wird euch in ALLE Wahrheit leiten"(Joh 16:13). Dann erst könnt ihr das Wort der Weisheit, der Offenbarung und der Weissagung fassen.

Was der Heiland Seinen Jüngern noch nicht sagen konnte, das hat Er Seinem auserwählten Rüstzeug Paulus unmittelbar vom Himmel her geoffenbart. "Ich tue euch aber kund, Brüder, dass das von mir gepredigte Evangelium nicht von Menschen kommt, denn auch ich habe es von keinem Menschen empfangen und gelernt, sondern durch Offenbarung Jesu Christi" (Gal 1:11.12). Kein Mensch, auch keiner der anderen Apostel, hätte es ihm sagen können; sie hatten es selbst nicht. Ihm ist kundgetan worden das Geheimnis Christi durch unmittelbare Offenbarung, welche in früheren Geschlechtern nicht kundgetan wurde den Söhnen der Menschen (Eph 3:3.4). Er hatte ein anderes Evangelium als die übrigen Apostel. Es war nicht anders in den heilsgeschichtlichen Tatsachen: Präexistenz, jungfräuliche Geburt, Tod, Auferstehung und Himmelfahrt Jesu Christi. Aber es war ein anderes Evangelium nach der Seite hin, wie und in welche Ordnung die Heilsgeschichte sich im Kosmos erfüllt. Dazu gehört vor allem das Geheimnis der Gemeine, die da ist Sein Leib, und ihre Stellung und Bedeutung im Heilsplan Gottes.

Wir möchten nun den Inhalt der Schrift, und besonders des Neuen Testaments, übersichtlich wie folgt darstellen und dann kurz erläutern:

1. Darstellung

Altes Testament:

Anfang - Schöpfung - Erzväter - Gesetz und Prophetie.
Prophetische, schattenhafte Vorausdarstellung des Gottesrates.

Evangelien:

Die 1. sichtbare Ankunft Jesu auf Erden in ISRAEL
Seine Verwerfung durch ISRAEL
Die Tage des "Menschensohnes"

Apostelgeschichte:

Pfingsten. Erneutes Anbieten des auferstandenen und erhöhten Messias.
Abermalige Verwerfung des Christus durch ISRAEL.
Verwerfung ISRAELS durch Gott.

Briefe:

Herausrufung der Leibesgemeine aus Juden und Heiden
Enthüllung des Geheimnisses Christi. Gemeine, die da ist Sein Leib. Auferstehung und Entrückung. Vereinigung des Hauptes mit seinem Leib.

Offenbarung 1-20:

Der Tag des Herrn. Die 2. sichtbare Ankunft Jesu auf Erden zur Aufrichtung Seines Friedensreiches von Zion aus. Ihre Vorbereitung durch Gerichtskatastrophen über die unbußfertgen Israel- und Nationenmassen.

Offenbarung 21-22:

Erneuerung und Vollendung der ganzen Schöpfung. Das Ende kehrt zum Anfang zurück.


2. Erläuterung

Evangelien

Die 1. Ankunft des "Menschensohnes" auf Erden in Knechtsgestalt (Lk 2:7) zur Aufrichtung Seines Reiches auf Erden, nach Kreuz und Auferstehung. Es sollte und muss seinen Anfang nehmen in Jerusalem (Mt 5:35; Jer 3:17) und Israel. Solange Jerusalem in Trümmern liegt, und von den Nationen zertreten wird, ist das Reich Gottes nicht da. Es bricht erst dann an, wenn der Herr Jesus Seine Füße auf den Ölberg setzt. Der Lobgesang der Maria (Lk 1:39-56) und des Zacharias (Lk 1:67-78) zeigen klar die, in der Schriftprophetie wurzelnde, Messiashoffnung der auserwählten Gläubigen in Israel. Das war nicht jüdisch-fleischlich-nationale Phantasie, sondern Glaube an das prophetische Wort. Der Unglaube der Masse führt zur VERWERFUNG DES KÖNIGS UND SEINES REICHES. "Wir wollen nicht, dass dieser über uns herrsche!" (Lk 19:14). Die Voraussehung der Verwerfung veranlasst den Heiland zur WEISSAGUNG VON DER GROSSEN TRÜBSAL (Mt 24:30) und vom WIEDERKOMMEN DES "MENSCHENSOHNES" (Lk 21:27) in großer Kraft und Herrlichkeit (Lk 21:27), zur Aufrichtung Seiner Königsherrschaft IN ISRAEL. Mt 24. trägt durch und durch jüdischen Charakter, und die "Leibesgemeine" liegt hier nicht im prophetischen Gesichtsfeld des Herrn.

"Menschensohn" heißt der Heiland in Seiner Beziehung zur Erde. In Beziehung zu Seiner "Leibesgemeine" heißt Er nie Menschensohn, sondern "Gottessohn". In den Evangelien haben wir den "Tag des Menschensohnes" (Lk 17:22), in der Offenbarung den "Tag des Herrn" (Offb 1:10).

Apostelgeschichte

Die Verwerfung und Tötung des Königs der Juden wird vergeben (Lk 24:34). Nur weil die Sünde der Kreuzigung vergeben ist, kann der "Erhöhte" an Pfingsten sich und Sein Königreich erneut anbieten. Wenn die Schuld und Sünde noch auf Israel läge, könnte Gott dieses neue Anerbieten nicht machen (Apg 2:38-41). Die Pfingstgemeinde ist "Anbruch des Königreichs" (Röm 11:16). Es kommt aber wieder nicht zum Durchbruch beim ganzen Volk. Nur eine Auswahl aus dem Volk kommt zum Durchbruch. Das Volk als Ganzes widerstrebt wiederum dem Heiligen Geist und verwirft auch den "Geistverklärten". Damit ist das Schicksal Israels als Volk besiegelt. Es wird von seinem Gott verworfen (Apg 28:26.28). Er nimmt es weg aus dem Land der Verheißung und zerstreut es unter die Nationen. Die Apostelgeschichte handelt also im Anfang vom Anbruch des Königreichs unter Israel und läuft dann mit der Bekehrung des Saulus in die Gemeine über.

Mit Apg 9. und Apg 10. beginnt eine neue Haushaltung, die Herausrufung der "Erstlingsgemeine" aus Juden und Heiden, die "in Christo zu EINEM neuen Menschen" zusammengefügt wird, dessen Haupt Christus ist (Eph 2:14-16). Die Apostelgeschichte trägt Übergangscharakter. Die Verwaltung der Gnadenhaushaltung ist in sonderlicher Weise dem Apostel Paulus übergeben worden (Eph 3:3-9). Ihm hat das erhöhte Haupt Seines Leibes besondere und neue Offenbarungen gegeben (vgl. Joh 16:12), die Paulus dann in seinen

Briefen

der Gemeine darbietet. Durch Offenbarung Jesu Christi (Gal 1:12) ist ihm das Geheimnis, welches verborgen war von den Ewigkeiten her in dem Gott, der alles erschaffen hat (Eph 3:9), und das in früheren Geschlechtern nicht kundgetan wurde den Söhnen der Menschen (Eph 3:5) enthüllt worden (Eph 3:8). Ihm ist geoffenbart, dass in der Gemeinehaushaltung alles auf die Vollendung der "Erstlingsgemeine" angelegt ist, und zwar von Gott aus (Eph 4:23), und dass die ganze Kreatur sich sehnt nach der Vollendung und Herrlichkeitsoffenbarung der "Söhne Gottes" (Röm 8:19). In der gegenwärtigen Haushaltung zielt deshalb alles auf die Auferbauung des Leibes Jesu Christi. Dazu sind in der Gemeine die Geistesgaben gegeben, um die Heiligen tüchtig zu machen zu ihrem Dienst. In der ganzen Schöpfung liegt eine sehnschtsvolle, gespannte Erwartung auf die Herausoffenbarung der Söhne in des Sohnes Herrlichkeit; denn die Kreatur weiß, dass sie so lange mit der Hinwegnahme des Fluches warten muss, bis diese Erstlingsgemeine vollendet ist. Die Glieder der Leibesgemeine aber strecken sich aus nach der Ausauferstehung aus den Toten (Phil 3:11), der Entrückung, und ihrer Vereinigung mit ihrem Haupt aus dem Überhimmlischen (1Thes 4:17).

Zwar hat die Leibesgemeine Ein- und Durchblick in alle Wahrheit (1Jo 2:20.27), und alle Schrift, von Gottes Geist eingegeben, ist ihr nützlich zur Erbauung, aber die Tiefen der Gottheit sind ihr durch den in ihr wohnenden, alles erforschenden Heiligen Geist in den "Gemeinebriefen" erschlossen, nämlich Gottesweisheit im Geheimnis (Theosophie im Mysterium), die verborgene, welche Gott vor den Äonen vorherbestimmt hat zu unserer Herrlichkeit (1Kor 2:7)

Die Offenbarung

ENTHÜLLT die zweite, sichtbarer Ankunft des "MENSCHENSOHNES" zur Aufrichtung Seines Königreichs in ISRAEL mit großer Kraft und Herrlichkeit, nach schweren Gerichtskatastrophen. Sie knüpft dort an, wo das Königreich abgebrochen wurde, und ist die Fortsetzung und Erfüllung der Evangelien und der alttestamentlichen Prophetie. Sie betrifft nicht die aus Israel und den Nationen herausgerufene "Auswahl-Leibesgemeine", sondern Israel und die Nationen in ihre unbußfertigen Massen. Die Offenbarung ist vor allem die Erfüllung und Vollendung der Geschichte Israels und der Nationen, die sich der Sünden Israels teilhaftig gemacht haben, indem auch sie den ihnen verkündigten und angebotenen Sohn Gottes verworfen haben. Auch sie wollen nicht, dass dieser über sie herrsche.

Der Zweck der Offenbarung wird aber nicht nur erkannt aus ihrer Stellung im Kanon der Heiligen Schrift, sondern auch aus ihrem eigenen Aufbau. Obschon Gott kein Schematiker und Systematiker ist, so ist Er doch ein Gott lebensvoller Ordnung. Alles, was von Ihm kommt, ist Leben, nicht zuletzt das Wort Gottes selbst. Und des Lebens Element ist es, sich fort und fort zu entfalten, und zwar nach einer göttlich-weisheitlsvollen, organisch geschaffenen Ordnung. Nichts geschieht willkürlich oder "unvorhergesehen". Er vollführt vielmehr alle Dinge nach Seinem voräonischen Vorsatz (2Tim 1:9); d.h. was Gott in den verschiedenen Äonen ausführt und darstellt, das hat Er schon vor den Äonen planvoll vor Sein Angesicht hingesetzt wie ein weiser Baumeister. Dieses planvolle Walten finden wir nicht nur im Gesamtorganismus der Schrift, sondern in sonderlicher Weise in dem wunderbaren.

Aufbau der Offenbarung

A. Einleitung = Offb 1

B. Die Menschen auf der unter der Herrschaft Satans stehenden Erde = Offb 2-3

Sieben Paare von Gesichten im Himmel und auf Erden:

I. a) Im Himmel.
Der Thron und die Herrlichkeit das Buch und das Löwe-Lamm = Offb 4-5
7 himmlische Stimmen:
1) Die 4 Lebewesen (Zoa) (Offb 4:8): "Heilig, heilig, heilig"
2) Die 24 Ältesten (Offb 4:11): "Würdig bist Du"
3) Der starke Engel (Offb 5:2): "Wer ist würdig?"
4) Die vier Lebewesen und die 24 Ältesten (Offb 5:9): "Du bist würdig"
5) Myriaden Engel (Offb 5:12): "Würdig ist das Lamm"
6) Alle Kreatur (Offb 5:13): "Dem auf dem Thron usw."
7) Die 4 Lebewesn und die 24 Ältesten (Offb 5:14): "Amen!... und beten an"
b) Auf Erden:
Die 6 Siegelbrechungen und die 144 000 aus Israel = Offb 6:1 - Offb 7:8
Die Stimmen in und aus dem Himmel mit denen Aufträge erteilt oder Erklärungen gegeben werden in Bezug auf die Ereignisse auf Erden, bleiben hier außerhalb der Betrachtung.

II. a) Im Himmel.
Die große Schar und das 7. Siegel = Offb 7:9 - Offb 8:6
2 himmlische Stimmen:
1) Die große Schar vor dem Thron (Offb 7:10): "Das Heil sei unserm Gott"
2) Alle Engel um den Thron (Offb 7:12) "Lob und Ruhm und Weisheit..."
b) Auf Erden:
6 Posaunen und ihre Gerichtsoffenbarungen = Offb 8:7 - Offb 11:14
Die 2 Zeugen Jehovas und das Tier
Das erste und zweite Wehe -

III. a) Im Himmel.
Die 7. Posaune = Offb 11:15 - Offb 11:19a
2 himmlische Stimmen:
1) Laute Stimmen (Offb 11:15) "Die Reiche des Kosmos sind unseres Herrn geworden"
2) Die 24 Ältesten (Offb 11:17) "Wir danken Dir, Herr, Allmächtiger"
3) Das 3. Wehe -
b) Auf Erden.
Blitze, Stimmen, Donner, Erdbeben, großer Hagel = Offb 11:19

IV. a) Im Himmel.
Das Weib, der männliche Sohn und der Drache = Offb 12:1-12
laute Stimme im Himmel:
"Nun ist das Heil und die Kraft unseres Gottes... geworden" (Offb 12:10-12)
b) Auf Erden.
Der Drache, das Weib und die 2 Tiere = Offb 12:13 - Offb 13:18

V. a) Im Himmel.
Die 144 000 und das Lamm = Offb 14:1-5
b) Auf Erden.
Die 6 Engel und ihre Botschaft am die Erdenbewohner = Offb 14:6-29

VI. a) Im Himmel
Die Tieresüberwinder als als Sänger am gläsernen Meer und die 7 Zornschalenengel = Offb 15:1-8
1 himmlische Stimme
Die das Tier... überwunden hatten, sangen: "Groß und wunderbar sind Deine Werke" (Offb 15:3-4)
b) Auf Erden.
Die 7 Zornschalengerichte = Offb 16:1-16

VII. a) Im Himmel.
Die Hochzeit des Lammes = Offb 19:1-16
4 himmlische Stimmen
1) Eine laute Stimme einer großen Schar (Offb 19:11): "Halleluja, das Heil..."
2) Die 24 Ältesten (Offb 19:4): "Amen! Halleluja!"
3) Eine Stimme vom Thron (Offb 19:5): "Lobet unsern Gott."
4) Die Stimme einer großen Schar (Offb 19:9): "Halleluja! Denn der..."
b) Auf Erden:
Die Gerichte über die Erdenbewohner und Satan.. Erste Auferstehung. Die tausendjährige Königsherrschaft Jesu auf Erden. Endgericht = Offb 19:17 - Offb 20:15.

B. Die Menschen auf der neuen Erde. = Offb 21:1 - Offb 22:5
Gott bei Ihnen. Vom Thron geht Lebenswasser aus (nicht mehr Blitz und Donner wie Offb 4:5)

A. Schluss = Offb 22:6-21
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Bemerkung:
1) In den himmlischen Stimmen sind nur diejenigen erwähnt, die sich auf Jehova und das Lamm in Anbetung und Lobpreis beziehen.
2) Was auf Erden geschieht, erfolgt auf Befehl aus dem Himmel.

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Halten wir uns bei der Betrachtung des Buches an diesen von Gott durch den Heilgen Geist selbst geschaffenen Aufbau, dann haben wir eine ganz wesentliche Hilfe zum Verständnis der Offenbarung.

Gott ist in Seinem Wesen und in Seiner Offenbarung zum Staunen einfach, klar, durchsichtig. Dem Menschen ist im Fall die Einfalt verloren gegangen. Nun ist er vielfältig und kompliziert. Deswegen findet er sich auch so schwer in die Einfaltsart Gottes. Je ähnlicher wir aber Gott auch darin werden, um so klarer wird uns Sein Wort überhaupt, und das prophetische Wort - auch die Offenbarung Jesu Christi - sonderlich.

In diesem Buch der Weissagung schildert Gott selbst den noch zukünftigen "Tag des Herrn".

Zum Verständnis des Buches bedürfen wir vor allem Seinen Heiligen Geist und die Kenntnis Seines ganzen Wortes. Die beste Erklärung der Schrift ist noch immer die Schrift selbst. Und die Erklärung der Offenbarung ist in besonderer Weise die Prophetie des Alten Testaments. Darin muss allerdings gründlich geforscht werden, nicht aber in den Büchern der Weltweisheit. Das ist bei der Betrachtung der Offenbarung von ganz entscheidender Bedeutung. Die SCHRIFT MUSS DURCH DIE SCHRIFT ERKÄRT WERDEN; anders kann sie nicht verstanden werden.

Die Bibel ist eine Welt für sich, die sch total von allem anderen unterscheidet. Sie hat ihre eigenen und nur ihr zugehörigen Begriffe und Gesetze. Wer das nicht beachtet, der kommt immer wieder auf Abwege. Das ist uns beim Studium der Offenbarung besonders groß und wichtig geworden. Hält man es aber fest, dann wird sie dem forschenden Geistesmenschen erschlossen. So muss es ja auch sein, sonst wäre sie keine Offenbarung oder Hüllenwegnahme. Hüllen wegnehmen aber ist nicht Sache des Verstandes, sondern das Werk des Heiligen Geistes allein.

Wir werden finden, dass die "Offenbarung" nichts anderes ist als die Erfüllung dessen, was der Herr Seinem erwählten Volk Israel durch Seine Propheten an Gericht und Gnade fort und fort geweissagt hat. Die Wurzeln der Offenbarung liegen im Alten Testament. Wir dürfen dann nur einfältig glauben, was Gott sagt, und nicht meinen, Er meine etwas anderes, als was Er sagt.

Redet Er aber in Zeichen, so hat Er diese Zeichen in Seinem Wort selbst gedeutet. Wir dürfen Seine Deutungen nicht wieder als Zeichen betrachten, die wir nach menschlichen Gedanken noch einmal zu deuten hätten.

Erläuterung des Aufbaus

Nach dem Aufbau entspricht der "Einleitung" (Offb 1 = der "Schluss" (Offb 22:6-21). Die Unterweisung für die Menschen, die am "Tag des Herrn" auf Erden sein werden (Offb 2. und Offb 3.) haben ihr Gegenstück in der Darstellung der Menschen und Verhältnisse auf der "neuen Erde" (Offb 21. und Offb 22.). Dazwischen liegen in anbetungswürdiger Einfachheit und Klarheit die 7 Paare von Gerichten im Himmel und auf Erden.

Was auf Erden geschieht, wird unmittelbar zuvor kundgetan und erläutert durch ein Gesicht und durch die Worte "im Himmel". Das Gesicht im Himmel ist immer Vorbote und Erläuterung dessen, was auf Erden geschieht. Bei jedem Gesicht im Himmel wird Gott und dem Lamm Anbetung und Lobpreis dargebracht für das, was hernach auf Erden geschieht, also auch für die Gerichte.

Die 7 Paare entsprechen sich untereinander durch die Ähnlichkeit der Vorgänge im Himmel.

Das 1. entspricht dem 7. durch die 4 Lebewesen und die 24 Ältesten.

Das 2. entspricht dem 6. durch die Märtyrer und der der großen Trübsal.

Das 3. entspricht dem 5. durch die lauten Stimmen

Das 4. steht in der Mitte der Offenbarung und ist von besonderer Bedeutung, entsprechend seinem Gegenstand. Hieraus kann auch ersehen werden, dass das Buch bzw. der "Tag des Herrn" vornehmlich dem "Sonnenweib, Israel" gilt.

Dies ist der wunderbare Aufbau der "Offenbarung", der zugleich ein Stück göttlicher Auslegung ist.

"Siehe, Er kommt mit den Wolken, und es werden Ihn sehen alle Augen und die Ihn zerstochen haben," das ist die Botschaft der "Offenbarung". Der gewaltigste Kampf zwischen Licht und Finsternis, Himmel und Hölle, Leben und Tod, dämonischen , himmlischen und irdischen Mächten, zwischen Christus und Satan, wird am "Tag des Herrn" auf dieser Erde ausgefochten. Und das Lamm, das gestritten und gesiegt hat wie ein Löwe, macht alles neu. Himmel und Erde und alles, was darinnen isst, wird in wachstümlicher Entfaltung voll der Herrlichkeit des Herrn, wie die Wasser das Meer bedecken Halleluja!

Wir haben im "Aufbau der Offenbarung" den Grundriss zu ihrem Verständnis gegeben. Immer wollen wir im Auge behalten, dass die Offenbarung nicht nur äußerlich das Buch ist, mit dem die Bibel abschließt, sondern dass sie als organisches Glied im Gesamtorganismus der Schrift gerade an diesen Platz gehört. Damit haben wir zugleich einen wichtigen Fingerzeig auf die Zeit, in der die Offenbarung ihre Erfüllung finden wird, nämlich nicht in der ganzen Zeit, seitdem sie dem Johannes gegeben wurde, sondern am ABSCHLUSS DIESES ÄONS.

Nun wollen wir die einzelnen Glieder des Aufbaues genauer betrachten.

Das erste Kapitel ist Einleitung und Zusammenfassung des Ganzen. Johannes hatte im Geist den "Tag des Herrn" geschaut (Offb 1:10.19). Ehe er in den Kapiteln 2 - 22 die Einzelheiten des Geschauten auseinander gewickelt darstellt, fasst er im ersten Kapitel diese Fülle wie in einem Prolog in konzentrierten, markanten Grundgedanken zusammen. Nicht nur jeder Vers oder jeder Satz, sondern auch einzelne Worte dieses ersten Kapitels schließen eine überwältigende Fülle göttlicher Wahrheit in sich ein. Was kann doch Gott in EIN Wort hineinlegen! Der Herr schenke uns viel Gnade, dass wir in lauterer Herzensseinfalt am Wort bleiben, es nehmen, wie Er es gab, und nicht viele Künste suchen, die uns den wahren Sinn nur verhüllen oder verdunkeln können. Gerade bei der Offenbarung und dem prophetischen Wort liegt die Gefahr der menschlichen Spekulation immer sehr nahe, und dass man dabei die einfältige und nüchterne Linie des geoffenbarten Wortes verlässt und ins Fantasieren gerät.

Lies weiter:
Einleitung des Buches