Die Apostelgeschichte 1. Kapitel

Aus Bibelwissen

Abschrift Apostelgeschichte in täglichen Andachten Band I - VI
aus der Reihe "Christi unausspürbarer Reichtum"
von Gerhard Groß (+ 2022)

Mit freundlicher Erlaubnis von Gerhard Groß, Balingen
Dort als Schrift noch erhältlich.

siehe weitere Abschriften
Inhaltsverzeichnis

Vorwort:

Wir möchten an erster Stelle alle unsere geliebten und geschätzten Leser von Herzen grüßen. Wir sehen es als großes Vorrecht an, in dieser auslaufenden Verwaltung der Gnade immer noch wirken zu dürfen, und dies zum Segen vieler! So möge auch diese Schriftreihe, „die Apostelgeschichte in täglichen Andachten“ (es sollen vier Bände werden) als Handreichung angesehen werden, die uns so anschaulich wie möglich darstellt, wie Gottes großer Heilsplan abläuft.

Dankbar schauen wir auf die vielen Jahre zurück, in denen wir Werkzeug Gottes sein durften. Und dieser große Gott hat auch immer wieder Herzen willig gemacht, uns zu unterstützen, sei es im Gebet und in der Fürbitte, oder sei es finanzieller Art. In allem können wir nur mit unserem menschlichen Dank danken, doch unser Gott und Vater wird auf Seine Art jedes gute Werk vergelten, Ihm sei in Christus Jesus Lob und Anbetung!

Gerhard Groß mit Cläre


Einführung in die Apostelgeschichte

Zur Überschrift selbst muss gesagt werden, dass sie eigentlich „Praktiken der Apostel“ (praxeis apostolon) heißen müsste, das Wort „Apostelgeschichte“ ist ein Produkt der alten Kirchenväter. Wir haben in diesem Teil der Schrift in der Tat keine „Geschichte“ im herkömmlichen Sinn zu sehen, weil Gottes Wort zeitlich nicht gebunden ist, sondern über aller Zeit steht und beständige göttliche Gegenwart und Wirklichkeit darstellt. Wohl trennen uns fast zweitausend Jahre von dem Geschehen, und doch wird es uns lebendige Gegenwart, wenn wir Hebr 4:7 auch für uns akzeptieren können: „Heute, wenn ihr Seine Stimme hört, verhärtet eure Herzen nicht“. Wenn wir also dieses Buch Vers für Vers betrachten, wenn wir unsere Herzen für das, was uns berichtet wird, öffnen, werden wir ungeahnten Segen empfangen!

Im Grunde ist das Buch, dessen Verfasser ja der Apostel Lukas ist, die Fortsetzung seines Evangeliums, das heißt, es knüpft unmittelbar an das „Evangelium des Lukas“ an. Der nennenswerte Unterschied besteht darin, dass Lukas in seinem Evangelium (dem ersten Bericht) über Jesu Erdenleben bis zu Seiner Himmelfahrt berichtet, in der Apostelgeschichte (dem zweiten Bericht) schreibt er über all das, was Jesus nach Seinem Tode tat und als „erhöhter, zur Rechten des Vaters sitzender Sohn Gottes“ heute noch tut. Es geht in diesem Buch also weniger um die Taten der Apostel, sondern vornehmlich um das, was unser Herr und Haupt aus den Überhimmeln wirkt. Er ist und bleibt auch in der Apostelgeschichte der absolute Mittelpunkt (wobei wir wieder bei unserem bekannten und köstlichen Wort aus 2Kor 3:18 wären)!

Was wir unbedingt beachten müssen, ist die Zeit, in welcher sich die Apostelgeschichte abspielt. Dazu geben wir zuerst eine zeitliche Übersicht, sozusagen als Orientierungshilfe. Wir wissen um zwölf Verwaltungen, die wir hier in Kurzform nach dem Kalender Gottes von Br. A.E. Knoch aufzeigen wollen:

  1. Die Verwaltung der Unschuld (Adam);
  2. die Verwaltung des Gewissens (Seth);
  3. die Verwaltung der Regierung (Noah);
  4. die Verwaltung der Verheißung (Abraham);
  5. die Verwaltung des Gesetzes (Mose);
  6. die Verwaltung von Jesu Fleischwerdung. Diese Verwaltung endet im Jahr 33 n. Chr. mit Jesu Tod am Kreuz.

Die Apostelgeschichte selbst beginnt zeitlich mit der 7. Verwaltung (Pfingsten) und erstreckt sich über weitere zwei Verwaltungen:

7. Verwaltung (Pfingsten)

Hier, im Jahr 33 n. Chr. beginnt die Apostelgeschichte mit der Ausgießung des heiligen Geistes auf die versammelten Jünger. Der Führer dieser Verwaltung ist Petrus. Zwischen dem Jahr 35 und 36 n. Chr. wird die Bekehrung des Saulus (später Paulus) eingeordnet. Seine Botschaft ist identisch mit jener der Jünger Jesu, sie bezieht sich (im Verlauf dieser 7. Verwaltung) vollständig auf das verheißene irdische Königreich und wirbt unter dem Volk Israel darum, Jesus als Messias anzunehmen.

8. Verwaltung (Übergang)

Die Verwaltung des Übergangs begann, als sich Paulus seines besonderen Auftrags an den Nationen bewusst wurde (etwa zwischen den Jahren 43 bis 45 n. Chr.). Vom erhöhten Herrn wird ihm nach und nach die Grundlage der Körpergemeinde Christi Jesu enthüllt. In den Thessalonicherbriefen (ca. 51 n. Chr.), im Römerbrief (ca. 56 n. Chr.), und den Korintherbriefen (ca. 56 und 57 n. Chr.) wird dies niedergeschrieben.

In dieser Zeit ergeht immer noch das Angebot an Israel, Jesus als Messias zu erkennen, auch Paulus dient noch, wenn auch abnehmend, in den jüdischen Synagogen. Noch hat Israel den Vorrang, noch muss diesem Volk zuerst das Evangelium verkündigt werden. Wir müssen hier den „Doppeldienst“ Pauli erkennen, einmal an seinem eigenen Volk mit der Königreichsbotschaft, zum anderen an den Nationen, um die Körpergemeinde Christi Jesu aufzubauen. Dieser Doppeldienst dauerte so lange an, bis das Volk Israel endgültig verstockt wurde.

9. Verwaltung (Geheimnis)

Die Verwaltung des Übergangs endete mit der Verstockung Israels und der völligen Hinwendung des abgesonderten Apostels Paulus an die Nationen. Im Jahr 60 n. Chr. entstanden die Gefängnisbriefe des Paulus an die Epheser, Philipper und Kolosser, die wir als „Vollkommenheitsbriefe“ bezeichnen, weil in ihnen die letzten Geheimnisse (die Gnade Gottes, die Aufhauptung des Alls in Christus und das Geheimnis des Christus und Seiner Herausgerufenen) enthüllt wurden. Dies konnte erst geschehen, als Israel endgültig beiseite gestellt wurde und es nur noch einen Empfänger des Evangeliums gab: Die Nationen!

10. Die Verwaltung des Gerichts (Mensch der Sünde);
11. die Verwaltung des verheißenen irdischen Königreichs (Sohn des Menschen);
12. die letzte Verwaltung kennen wir als die Verwaltung der Vervollständigung (Christus als Haupt des Alls).
Danach folgt die Zeit „nach den Äonen“, wo Gott gemäß 1Kor 15:28b alles in allen sein wird.

Wir sehen anhand dieser Kurzübersicht, wie in dem Buch der Apostelgeschichte zuerst die Königreichsgemeinde aufblüht, sich dann aber mehr und mehr der heilsgeschichtliche Werdegang der Körpergemeinde Christi herauskristallisiert, wobei Israel immer mehr zurücktreten muss, bis sich die endgültige Verstockung über dem Volk auswirkt – dies geschieht am Ende der Apostelgeschichte (Apg 28:26-28).

Was wir, liebe Geschwister, in diesem Buch vor uns haben, ist also ungemein spannend!!! Mögen wir mit offenem Herzen mitfühlen und mitleben - so wird die Vergangenheit für uns lebendigste Gegenwart!


Die Apostelgeschichte 1. Kapitel

1. Teil siehe: unten
2. Teil siehe:

Apg 1:1

„Den ersten Bericht, o Theophilus, habe ich verfasst, von allem, was Jesus anfing zu tun und auch zu lehren,“

Lukas, der Schreiber der Apostelgeschichte und ein treuer Mitarbeiter von Paulus (siehe Kol 4:14 und Phil 1:24), bezieht sich zuerst einmal auf seinen ersten Bericht und meint damit das Evangelium, welches nach seinem Namen benannt ist. In diesem ersten Bericht hat er all das niedergeschrieben, was Jesus tat und lehrte, als Er im Fleisch auf die Erde kam. Beginnen wir also ruhig dieses wunderbare Buch damit, indem wir uns zurückführen lassen an das bedeutungsvollste Ereignis der Welt:

„Denn so liebt Gott die Welt, dass Er Seinen einziggezeugten Sohn gibt, damit jeder, der an Ihn glaubt, nicht umkomme, sondern äonisches Leben habe“ (Joh 3:16).

„Die Liebe Gottes“ ist der absolute Mittelpunkt allen Geschehens im gesamten All. Diese Liebe ist für uns Menschen unfassbar, weil sie grenzenlos für uns ist. In Jesus Christus wird sie für uns allerdings ein Stückchen fassbar, aber nur, wenn wir begreifen, was es für Gott wirklich bedeutet hat, den Sohn Seiner Liebe in die Hand Seiner Geschöpfe zu geben (wozu auch die Mächte der Finsternis gehören), damit Er als Opferlamm geschlachtet wird. Bedenken wir immer wieder: Jener Gott, der Himmel und Erde geschaffen hat, gibt Seinen einziggezeugten Sohn dahin, damit wir erkennen können, wie unendlich Seine Liebe zu uns ist!

Und das allein – die Liebe des Vaters – war der Inhalt all dessen, was Jesus auf Erden tat und lehrte, ja mehr noch, Er war das Abbild dieser Liebe Gottes, weil Vater und Sohn auch in dieser Liebe „eins“ sind! Und dann dürfen wir in Röm 5:5 lesen, dass diese wunderbare Liebe Gottes in unsere Herzen ausgegossen ist und in Röm 8:35, dass uns nichts mehr von dieser Liebe scheiden kann – was sollen wir dazu noch sagen !!!

Zu dieser unsagbaren Liebe Gottes, die wir gestern anklingen ließen, gehört aber auch eine dunkle Seite, nämlich die Finsternis und das Böse. Wir wollen dies gleich von Anfang an klar stellen: Beides (das Finstere und das Böse) ist nicht von alleine entstanden und hat sich auch nicht gegen Gott erhoben, sondern wurde, wie alles, von Gott erschaffen! Wer dies nicht glauben mag, lese Jes 45:7 oder streiche diese Aussage aus seiner Bibel!

Was hat das Finstere und Böse mit Gottes Liebe zu tun, von der wir ja gerade sprechen? Im Grunde ist es ganz einfach und für jedermann verständlich: Gott baut einen dunklen Hintergrund auf, um vor diesem die hellen Farben Seiner Liebe noch herrlicher aufleuchten zu lassen. Die alten Meister der Kunst machten sich ja längst dieses Prinzip zueigen, indem sie zum Beispiel die schönen Farben eines Blumenstraußes auf einen schwarzen Untergrund malten. Die ganze Macht der Finsternis ist also, in Kurzform gesagt, nur eine Kulisse des großen Schöpfergottes, ein dunkles Werkzeug, um uns zu zeigen, wie wunderbar die Farben Seiner Liebe davor aufleuchten!

Und Jesus kam in diese Welt, um uns die Liebe des Vaters zu zeigen, indem Er sie vor unseren Augen bis zum Tod am Kreuz darstellte. Und dann dürfen wir in Eph 3:14 hören, dass diese Liebe des Christus alle Erkenntnis übersteigt.

Noch ein Wort zu Theophilus, dem Empfänger dieser Schrift, der ja auch in Lk 1:3 der Angeschriebene ist: Laut Eusebius soll es ein damals berühmter Mann gewesen sein, der zum Glauben kam – mehr erfahren wir nicht über ihn. Aber vielleicht setzen wir einfach unseren eigenen Namen an seine Stelle und lesen die ganze Apostelgeschichte so, als wäre sie an uns persönlich geschrieben!

Apg 1:2

„… bis zu dem Tag, als Er den Aposteln, die Er auserwählt hatte, durch heiligen Geist Anweisung gab und dann hinaufgenommen wurde.“

Am Ende des Evangeliums des Lukas steht die Himmelfahrt Christi Jesu (Lk 24:51) und sie steht am Anfang der Apostelgeschichte; damit verbindet sie beide Berichte, ist aber gleichzeitig auch das trennende Ereignis, weil im ersten Bericht Christi Erdenleben beleuchtet wird, in diesem zweiten Bericht hingegen vom Wirken Christi aus den Himmeln geschrieben ist – und das beginnt ja sichtbar für die Menschen mit dem Pfingstereignis.

Aber werfen wir zuerst einen Blick auf die Apostel, die Er auserwählt hat. Auch hier kann sich keiner rühmen, aus eigenem Willen zu Jesus gefunden zu haben, sie wurden nämlich vom Herrn selber auserwählt und berufen. Joh 6:29 sagt hierzu: „Dies ist das Werk Gottes, dass ihr an den glaubt, den derselbe ausgesandt hat!“ Und wenig später in Joh 6:44 sagt Jesus: „Niemand kann zu Mir kommen, wenn der Vater, der Mich gesandt hat, ihn nicht zieht“. Nicht der Mensch entscheidet, was und wie er will, sondern einzig und allein Gott! Er wählt aus, Er beruft und gibt den Glauben und Er allein zieht den Einzelnen zu Jesus!!

Das ist keine Ungerechtigkeit von Seiten Gottes den Nichterwählten gegenüber (wer dies behauptet, hat kaum eine Ahnung vom Heilsplan Gottes), sondern entspricht voll dem Ratschluss Seines Willens. All die Erstlinge, die Er auserwählt, sind nicht besser als die Nichtauserwählten, sondern haben die große Aufgabe, an der Rettung aller als Werkzeuge mitzuwirken, und dies auf zwei Ebenen: Für die Erdenbewohner ist das Volk Israel als Werkzeug auserwählt, für die überhimmlische Welt sind wir, die Glieder am Körper Christi, zuständig (lies Eph 1:10). Damit liegen die Rahmenbedingungen im Heilsplan Gottes kurz, aber wunderbar, vor uns!

„… die Er auserwählt hatte …“

Wir wollen uns heute noch etwas mit dem Prinzip der „Auserwählung“ beschäftigen, weil hier noch viel Unklarheit besteht. Ein leider immer noch sehr großer Teil der Gläubigen lehnt diese biblische Wahrheit sogar kategorisch ab und behauptet, der Mensch müsse sich selbst entscheiden, ob er glauben wolle oder nicht. Ein weiterer Teil der Gläubigen weiß zwar um die göttliche Auswahl, sieht darin aber lediglich die eigene Rettung; und das heißt für sie: Die Hauptsache, „ich“ komme in den Himmel! Hier muss mit aller Deutlichkeit gesagt werden: „Auswahl“ ist kein Selbstzweck, sondern die große Aufgabe, anderen zu dienen und zu helfen, Gottes Liebe zu erkennen! Das hehrste Beispiel hierzu ist unser Herr selbst - auch unter den „Auserwählten“ ist Er absolut der Erste. So lesen wir in Lk 9:35: „Dies ist Mein auserwählter Sohn …“. In Ihm ist der Zweck von Gottes Auserwählung am deutlichsten geoffenbart, denn in Ihm verdankt das All seine Aussöhnung! Doch wie war der Weg des ersten Auserwählten? Er ist uns allen wohl bekannt, es war ein Weg des Leidens bis ans Kreuz!

Nach Abraham, in dessen Samen gemäß 1Mo 12:3 ja alle Generationen der Erde gesegnet werden sollen, ist auch das Volk Israel eine Auswahl Gottes, um ein Segenskanal für alle Erdenbewohner zu werden. Und auch Israels Weg ist uns bekannt: Es ist ein Weg des Leidens! Wie schwer wurde dieses Volk in die Schule des Zerbruchs genommen! Und Paulus? Er ist der erste Auserwählte der Körpergemeinde Christi Jesu, sein Dienst war es, die Körpergemeinde zu gründen und zu erleuchten, was ihr Sinn und ihre Aufgabe ist. Und auch Pauli Weg war ein Zerbruchsweg, wie wir ja zuletzt in unserem zweiten Korintherbrief sehen durften.

Diese wenigen Beispiele reichen, um uns darüber klar zu werden, was „Auswahl“ heißt. In keinem Fall „Selbstzweck“, sondern eine (schwere) Schule mit dem Ziel, Werkzeuge Gottes zu werden, um die Nichtauserwählten gem. Phil 2:10 zu dem Namen „Jesus“ zu führen.

Apg 1:3

„Ihnen hatte Er Sich auch nach Seinem Leiden in vielen Beweisen lebendig dargestellt, indem Er Sich vierzig Tage hindurch unter ihnen sehen ließ und über Dinge sprach, die das Königreich Gottes betreffen.“

Das Heil bzw. die Rettung (Eph 1:10 nennt es „… um in Christus das All aufzuhaupten“) soll allen zuteil werden, wie wir es schon angesprochen haben, und dies auf den zwei genannten Ebenen „Erde und Himmel“. Jesu Botschaft auf Erden galt aber nur dem Volk Israel (Mt 15:24) und dementsprechend betraf Seine Botschaft auch nur den irdischen Bereich; die Aufhauptung des Alls in den Himmeln sprach Er überhaupt nicht an, diese war, wie auch die Körpergemeinde, noch in ein Geheimnis gehüllt. Und da das Geheimnis der Körpergemeinde bis hierher noch nicht enthüllt war, finden wir es logischerweise weder in den vier Evangelien noch im AT! So führen alle Versuche, die Körpergemeinde Christi Jesu zum Beispiel in den vier Evangelien zu finden, in die Irre.

Vierzig Tage hindurch sah eine große Zahl von Zeugen den auferstandenen Herrn – es gibt nicht den geringsten Zweifel, dass unser Herr und Haupt lebt! Die Gespräche, die Er mit Seinen Jüngern führte, betrafen das Königreich Gottes, und wie wir schon oben gesagt haben, kann dies nur die Erde betreffen! Der Begriff „Königreich“ ist in der Schrift sehr vielfältig, ihn vollständig zu erklären würde den Rahmen dieser Schrift sprengen. Wir können heute aber folgendes mitnehmen: Während Christus einmal buchstäblich als König herrschen wird, ist Gott selbst nur „wie“ ein König in Seiner Macht und Würde – Er ist als Schöpfer des Alls über jedem König erhaben. Das „Königreich Gottes“ umfasst also die Königsherrschaft des Sohnes, hier in unserem Fall das nahe gekommene tausendjährige Königreich auf Erden. Und wenn wir jetzt an die letzten Worte Jesu in Mt 28:19 (nämlich alle Nationen zu Jüngern zu machen) denken, so ist leicht vorstellbar, wie viel Fragen die Jünger zu diesem großen Auftrag noch an ihren Herrn hatten.


Jesu Himmelfahrt

Apg 1:4

„Als Er mit ihnen Tischgemeinschaft hatte, wies Er sie an, nicht von Jerusalem zu scheiden, sondern die Verheißung des Vaters abzuwarten, die ihr von Mir gehört habt;“

Die Verse 1-8 umfassen die vierzig Tage, die Jesus unter ihnen war, und es ging um nichts anderes als um das verheißene Königreich auf Erden. Die Tischgemeinschaft, die Jesus mit Seinen Jüngern hatte, begann aber erst einmal recht dramatisch: Für die Jünger war Jesus tot, keiner rechnete mit Ihm! Umso größer war ihr Schrecken, als Jesus plötzlich in ihrer Mitte war, sie gerieten in Furcht und meinten, einen Geist zu sehen. Wie unbeschreiblich wohltuend müssen des Herrn Worte in ihren Ohren und Herzen geklungen haben: „Ich bin es Selbst!“

Vielleicht geht es uns, liebe Geschwister, die wir doch alle so fest glauben, einmal ähnlich, wenn wir erwachen und Seine Stimme hören, die uns ruft: „Komm!“, wenn wir Ihm entgegen gerückt werden und Er unendlich liebevoll zu uns sagt. „Ich bin es Selbst“

In Lk 24:36-39, wo das Obige geschildert wird, sagt der auferstandene Jesus noch etwas für uns Wichtiges: „Betastet und gewahrt Mich; denn ein Geist hat kein Fleisch und Gebein, so wie ihr es an Mir schaut.“ Jesus ist also mit keinem neuen Geistleib auferstanden, sondern mit „Fleisch und Gebein“! Sein Grab war leer! Und wie Er, werden auch wir auferstehen!

Wir erleben mit, wie schwer es den Jüngern gefallen ist, sich in so kurzer Zeit so gewaltigen Erlebnissen zu stellen und sich darin zurecht zu finden. Erst der sicht- und fassbare Beweis Jesu Auferstehung überzeugte sie – damit sind die Jünger eine Vorschattung für ganz Israel: Dieses Volk braucht Zeichen und Wunder, es kommt durch „Schauen“ zum Glauben, während wir, die Glieder der Körpergemeinde, allein durch Hören des Wortes der Wahrheit zum Leben kommen (siehe Eph 1:13a).

Apg 1:5

„denn Johannes hat nur mit Wasser getauft, ihr aber werdet nicht sehr lange nach diesen Tagen in heiligem Geist getauft werden.“

Die nach der Kreuzigung Jesu in alle Winde zerstreuten Jünger hatten sich wieder zusammengefunden, und zwar in Jerusalem, jener Stadt, die sie wohl am liebsten gemieden hätten; zuviel peinliche Erinnerungen waren damit verbunden! Dazu kam ja noch die Gefahr, von feindlichen Juden an- und aufgegriffen zu werden. Deshalb der ausdrückliche Befehl Jesu, „nicht von Jerusalem zu scheiden, sondern die Verheißung des Vaters abzuwarten“!

Es war und ist der Wille Gottes, dass Jerusalem der Mittelpunkt der Erde ist! Von Zion geht das Gesetz und das Wort des Herrn aus, und dies so lange, bis sich Jes 2:2 erfüllt und die Nationen in diese wunderbare Stadt strömen. Was wird das für ein herrliches Bild sein!

Schon lange zuvor hatte Jesus Seine Jünger auf das Kommen des heiligen Geistes hingewiesen (z.B. Lk 12:11) und auch die Propheten des AT weissagten dieses Ereignis voraus, zum Beispiel Jes 44:3 oder Joe 3:1. Dieses Kommen des heiligen Geistes bezeichnet Jesus als „Taufe“ und er vergleicht sie, wenn auch eingeschränkt, mit der Taufe des Johannes. „Eingeschränkt“ deshalb, weil Johannes nur mit Wasser taufte. Doch schon Johannes wies auf die auf einer höheren Stufe stehende Taufe in heiligem Geist und Feuer hin (Mt 3:11). Der Sinn der Taufe bei Johannes war die Umsinnung zur Erlassung der Sünden, also eine Vorbedingung zum Eintritt in das irdische Königreich.

Auch Jesus ließ sich taufen (Mt 3:13), allerdings nicht wegen Seiner Sünden (Er hatte keine), auch musste Er nicht umsinnen; die Tiefe Seines Beweggrundes zur Taufe war, dass Er mit Seinem Untertauchen „öffentlich“ dem Vater Seine Bereitschaft zur Dahingabe Seines Lebens in den Tod bezeugte (lies Lk 12:50).

Apg 1:6

„Die nun zusammengekommen waren, fragten Ihn daher: Herr, stellst Du in dieser Zeit das Königreich für Israel wieder her?“

Jesus verhieß Seinen Jüngern eine Taufe in heiligem Geist, ein Ereignis, das die Jünger doch eigentlich mit höchstem Interesse hätten hinterfragen sollen! Doch was fragten sie? Was beschäftigte ihr Inneres? Es war die Hoffnung auf die baldige Aufrichtung des verheißenen Königreichs für Israel!

Und der Hinweis auf dieses Königreich für Israel sollte eigentlich dem letzten Zweifler die Augen öffnen, worum es hier einzig und allein geht: Um das verheißene irdische tausendjährige Königreich! Die herausgerufene Körpergemeinde Christi war hier noch ein absolutes Geheimnis, nicht einmal Vorschattungen finden vor ihrer Enthüllung durch Paulus. Was wir sehen, ist eine im Grunde ungeduldig wartende Schar königreichsgläubiger Juden, die nichts anderes herbeisehnten, als das, was schon von den Propheten des AT als größte Heilstat Gottes geweissagt wurde.

Und dieses heiße Warten auf das Königreich dürfen wir ihnen nicht übel nehmen, denn auch wir sind ja von einer tiefen Sehnsucht, ja einem ebenfalls schon ungeduldigen Warten erfüllt – allerdings nach keinem irdischen Königreich, sondern vielmehr nach unserer Entrückung in Wolken dem Herrn entgegen in die Luft! Und so wie die Sinne der wartenden Jünger voll auf die Erde ausgerichtet waren, sollen unsere Sinne auf das gerichtet sein, was droben ist! Ausdrücklich sagt Kol 3:2, nicht auf das zu sinnen, was auf Erden ist!

Vor unserem geistigen Auge stehen die zwei Werkzeuge Gottes: Israel für die Erde, die Körpergemeinde für das, was droben in den Himmeln ist! Keines der beiden Werkzeuge ist besser oder herrlicher als das andere, anders ist lediglich das Aufgabengebiet! Freuen wir uns also mit Israel, dass wir überhaupt Werkzeuge Gottes sein dürfen!

Apg 1:7

„Da sagte Er zu ihnen: Euch steht es nicht zu, die Zeiten oder Fristen zu erfahren, die der Vater in eigener Vollmacht festgesetzt hat.“

Wir sprachen gestern von dem Geheimnis der Körpergemeinde, heute darf uns dieses Thema beschäftigen, obwohl es eigentlich gar nicht zur Sprache kommen dürfte. Doch was die Jünger damals nicht wissen konnten und durften, ist uns heute längst enthüllt.

Auf die Frage der Jünger, ob wohl das Königreich nun bald kommen würde, antwortet Jesus spürbar ausweichend! Warum steht es den engsten Vertrauten des Herrn nicht zu, eine klare Antwort zu bekommen? Ganz einfach – weil sie die Wahrheit zu diesem Zeitpunkt noch nicht verkraftet hätten!

Gehen wir einen Schritt zurück in Mt 13, wo Jesus in Gleichnissen über das Königreich sprach. Auch wenn heute noch viele Gläubige meinen, die Gleichnisse würden dem besseren Verständnis dienen, so ist dies ein Irrtum – das Gegenteil ist der Fall: Die Gleichnisse sollen einen großen Teil des Volkes am Erkennen hindern (Mt 13:10-15). Zwar durften die Jünger den Sinn der Gleichnisse erfahren, doch der Zeitpunkt der Erfüllung blieb ihnen verborgen. Stellen wir uns vor, liebe Geschwister, was in den Jüngern vorgegangen wäre, wenn Jesus geantwortet hätte:

„Das Königreich für Israel kommt noch lange nicht! Als nächstes wird das Volk Israel verstockt und beiseite gestellt werden. Dafür geht das Evangelium an die Nationen, und es wird eine auserwählte Zahl aus allen Nationen herausgerufen und stellt Meine Körpergemeinde dar. Und erst wenn der Letzte dazugekommen ist und Ich Meine Körpergemeinde zu Mir in die Himmel entrückt habe, dann erst wende Ich Mich wieder euch und Meinem Volk zu und erst dann komme als König zu euch!“

Hätten die wartenden Jünger diese Antwort wohl tragen können? Hätten sie dann immer noch das Königreich in Israel angepriesen?

Apg. 1:8

„Doch ihr werdet Kraft erhalten, wenn der heilige Geist auf euch kommt; und ihr werdet Meine Zeugen sein: in Jerusalem wie auch im gesamten Judäa und Samaria und bis zur letzten Grenze des Landes..“

Über das noch nicht enthüllte Geheimnis der Körpergemeinde konnte Jesus also nicht zu Seinen Jüngern reden, es wäre für sie unerträglich gewesen und sie wären unfähig gewesen, nach Jerusalem hinein zu gehen und das Königreich zu verkünden! Die Jünger mussten innerlich völlig frei bleiben, um dem Volk mit großer Freimut das Königreich anzubieten – und um diese Aufgabe bewältigen zu können, verhieß Er ihnen dafür etwas anderes: Die Kraft, wenn der heilige Geist auf sie kommt!

Wir müssen jetzt erkennen, dass während der ganzen Zeit der Apostelgeschichte die Verkündigung vom irdischen Königreich stattfand! Erst am Ende in Apg 28:26-28, wurde das Geheimnis der Verstockung Israels (Röm 11:25) in vollem Umfang in Kraft gesetzt, und dies so lange, bis die Vervollständigung der Nationen eingehe, was anders ausgedrückt heißt: Bis der Letzte aus den Nationen zur Körpergemeinde berufen wurde.

Man kann jetzt zu Recht fragen, warum weiterhin über rund drei Jahrzehnte (das ist die Zeit der Apostelgeschichte) ein Evangelium verkündigt wird, das offensichtlich von Israel abgelehnt wird, ja abgelehnt werden muss! Die Antwort ist eindeutig: Zum einen musste Israel ablehnen, damit das Evangelium an die Nationen gehen und damit die Körpergemeinde Christi herausgerufen werden konnte. Zum anderen war die Ablehnung für das Volk eine Schule, dass aus dem Fleisch nichts Gutes kommen kann, dass es überhaupt nichts nützt (Joh 6:63). Auch Israel muss erkennen, dass es auf die Gnade Gottes angewiesen ist und aus eigener Kraft nichts schafft. Auch bei Israel zeigt Gott, dass Seine Kraft in Schwachheit vollkommen gemacht wird, wie wir es in Bezug auf Paulus und uns in 2Kor 12:9 eindrucksvoll sehen.

Apg 1:8

„Doch ihr werdet Kraft erhalten, wenn der heilige Geist auf euch kommt; und ihr werdet Meine Zeugen sein: in Jerusalem wie auch im gesamten Judäa und Samaria und bis zur letzten Grenze des Landes.“

Wir müssen noch etwas auf unseren Leitvers eingehen, zuerst auf die Aussage, dass der heilige Geist auf die Jünger kommt! Über diesen heiligen Geist besteht noch viel Unkenntnis, zumal ihn noch viele mit der so genannten Trinitätslehre (Dreieinigkeit) verbinden, die fälschlicherweise behauptet, dieser heilige Geist sei eine eigenständige Person. Was ist er nun wirklich nach der Schrift?

Der grundlegende Sinn des Wortes „Geist“ kommt in der Bezeichnung der göttlichen Kraft zum Ausdruck, die sich in Gottes Taten kundtut. Diese Kraft zeigt sich zum Beispiel schon in Matth. 1:18. Und dass dieser heilige Geist „Kraft“ verleiht, bezeugt ja unser Leitvers; ferner tauft der Geist Gottes, wie wir in Vers 5 sahen, er einigt, wie wir in 1Kor 12:13 sehen, er befähigt zum Zeugnis in fremden Sprachen (Apg 2:4), er versiegelt zur Gewissheit (Eph 1:13) und er wohnt in uns allen (1Kor 3:16). „Geist“ steht im Gegensatz zu Buchstaben des Gesetzes (2Kor 3:6 und Röm 7:6), ferner im Gegensatz zum Fleisch (Gal 5:17). Jeder Mensch hat seinen eigenen Geist, der entweder unter dem Einfluss der menschlichen Seele oder dem des Geistes Gottes steht. Dies wenige soll genügen, um uns die Bedeutung des Geistes Gottes, dem heiligen, verständlicher zu machen.

Noch ein Wort zur letzten „Grenze des Landes“, in welcher die Jünger Zeugen sein sollen: Die Lutherübersetzung „bis an das Ende der Erde“ ist irreführend! „Die letzte Grenze des Landes“ will besagen, dass überall dort, wo Juden ansässig sind, sich das Pfingstzeugnis erstrecken soll – und die reichte schon damals bis nach Europa. Es war also ganz normal, dass z.B. auch Petrus in Rom war und das Evangelium des Königreichs den dortigen Juden verkündigte.

Apg 1:9

„Nachdem Er dies gesagt hatte, beobachteten sie, wie Er emporgehoben wurde und eine Wolke Ihn vor ihren Augen aufnahm.“

Die Moslems haben in Mekka das Grab ihres Propheten, zu dem sie pilgern können, die Christen haben dies nicht, weil ihr Herr nicht im Grab verblieben, sondern vielmehr auferstanden und in die Himmel zurückgekehrt ist, wo Er heute zur Rechten Gottes sitzt. Und bis zum heutigen Tag feiert die Christenheit diese Auferstehung und Himmelfahrt Christi – ein unvergleichlicher Triumph!

Zusammengekommen waren alle Apostel des Herrn und alle waren somit auch Zeugen Seiner Himmelfahrt, selbst Thomas, der sich ja zuvor erst durch das Betasten der Wundmale Jesu von Seiner wahrhaftigen Auferstehung überzeugen ließ. Was mag in diesen Männern vorgegangen sein, als sie dieses erlebten? Sicher hatten sie mit ihrem Herrn viel Zeichen und Wunder erlebt, auch dass Tote auferweckt wurden – aber dass jemand vor ihren Augen emporgehoben wurde, das war doch etwas völlig Unvorstellbares! Und dieser „jemand“ war ihr Herr, bestehend aus „Fleisch und Bein“, welcher aus dem Grab auferstanden war.

Und wir? Auch wir werden einmal emporgehoben in Wolken, und unser Herr und Haupt kommt uns dabei entgegen! Und auch wir werden unseren Körper aus Fleisch und Bein mitnehmen, ist uns doch in Röm 8:29 gesagt, dass wir, die wir vorherbestimmt sind, dem Bilde Seines Sohnes gleichgestaltet sein werden; und Phil 3:21 verheißt ähnliches: „ … der den Körper unserer Erniedrigung umwandeln wird, um dem Körper Seiner Herrlichkeit gleichgestaltet zu werden“! Und „umwandeln“ bedeutet hier, dass unser „Fleisch und Bein“ dem neuen Lebensraum außerhalb der Erde angepasst werden muss. Wir werden also in der Herrlichkeit keine geistlichen Körper haben, sondern Ihm gleichgestaltet sein, und Sein Körper ist buchstäblich auferstanden, denn Sein Grab war leer! Das ist doch eine herrliche Erwartung für uns!

Apg 1:10

„Als sie bei Seinem Fortgehen noch unverwandt zum Himmel aufsahen, siehe, da standen zwei Männer in weißer Kleidung bei ihnen,“

Wir wissen wohl um die verschiedenen Auffassungen, mit welchem Körper wir auferstehen werden – vielfach wird in diesem Zusammenhang von einem „Geistkörper“ oder ähnlichem gesprochen – wir vertreten diese Ansicht nicht! Würden wir bei der Entrückung einen ganz neuen Geistkörper erhalten, brauchte dieser ja gemäß Phil 3:21 nicht „umgewandelt“ werden; „umgewandelt“ werden kann nach unserem Verständnis nur ein zuvor schon bestehender Körper! Und diese „Umwandlung“ ist notwendig, weil wir einen neuen Lebensraum bekommen: Die ganzen Weiten des Alls!

Der Herr wurde also mit Seinem alten (aber umgewandelten) Körper emporgehoben, und der bestand durchaus noch aus „Fleisch und Bein“ (siehe Lk 24:39). Und diesem Körper sahen die Apostel unverwandt nach – was für eine Spannung war in ihnen! Noch klangen Seine letzten Worte in ihren Ohren, da wurden sie auch schon Augenzeugen Seiner Himmelfahrt! Dabei voll zog sich noch etwas Ungewöhnliches: „zwei Männer in weißer Kleidung“ standen bei ihnen!

Man kann nun darüber rätseln, wer diese zwei Männer waren, in jedem Fall werden sie nicht als Engel (Boten) bezeichnet und sie reden prophetisch zu den Aposteln, denn sie sagten ja, was in der Zukunft geschehen wird. Dies führt uns einerseits zu Lk 24:4, wo ähnliches stattfand, andererseits aber interessanterweise auch zu Lk 9:30, wo ebenfalls von zwei Männern (keine Engel bzw. Boten) die Rede ist, die sich mit Jesus besprachen – sie werden klar benannt, es waren „Mose und Elia“! Und so wie diese zwei alttestamentlichen Männer mit Jesus über den Ausgang Seines Erdenlebens sprachen, sprechen sie jetzt mit Seinen Aposteln über Seine zukünftige Wiederkehr – eine rein israelische Angelegenheit!

Apg 1:11

„die sagten: Männer, Galiläer, was steht ihr und blickt zum Himmel hinauf? Dieser Jesus, der von euch fort in den Himmel hinaufgenommen wurde, wird so wiederkommen, in der Weise, wie ihr Ihn in den Himmel gehend geschaut habt.“

Gehen wir einmal davon aus, es waren Mose und Elia, die plötzlich bei den zurückgebliebenen Aposteln standen, dann war es ihre Aufgabe, die von dem Erlebten wie gebannt in den Himmel Blickenden zurück in die Gegenwart zu rufen, und dies mit der Ankündigung, dass Jesus so wiederkommen wird, wie Er in den Himmel ging. Und da zu diesem Zeitpunkt das Kommen Jesu zu uns, der Körpergemeinde, ein absolutes Geheimnis war, konnten die beiden Männer nur Jesu Kommen zu Israel meinen, und dies gemäß Sach 14:4 auf den Ölberg.

Es fällt bei der Rede der zwei Männer auf, dass sie darauf hinweisen, dass Jesus so wiederkommt, wie Er in den Himmel ging – und hier sahen die Apostel als markantes Zeichen „eine Wolke“, die Ihn aufnahm. Welche Rolle spielt sie hier? Welche Rolle spielt sie überhaupt? Hierzu ein paar Gedanken: „Wolken“ verhüllen und trennen! In 1Mo 9:13 wird uns gezeigt, wie Wolken nach der Sintflut den bisher ungetrübten Blick nach oben verwehrten, hier taucht zum ersten Mal der Begriff „Wolke“ in Gottes Wort auf. Nach der Auswahl des Volkes Israel spielte „die Wolke“ eine beständige Rolle, sei es im Zusammenhang mit der Stiftshütte, bei Mose auf dem Berg Sinai und vielem mehr - immer verbarg oder trennte sie. Besonders bewegend erleben wir die Wolke (eine dunkle Wolkenschicht) über dem Kreuz Jesu, die eine Finsternis bewirkte. Die Wolke war bei der Himmelfahrt im Spiel und mit den Wolken kommt lt. Offb 1:7 der Herr als König zu Israel.

Auch bei unserer Entrückung spielt die Wolke eine Rolle: „In Wolken“ werden wir dem Herrn entgegen entrückt. Nur – hier verhüllen uns die Wolken nicht mehr Seine Herrlichkeit, sondern trennen uns von der Erde unten!

Apg 1:12

Dann kehrten sie von dem Berg, der ‚Ölberg' heißt, nach Jerusalem zurück; er liegt nahe bei Jerusalem und ist nur einen Sabbatweg entfernt.“

Unser heutiger Leitvers bietet sich an, noch etwas vertiefter auf die Wiederkunft Christi zu Israel einzugehen, spielt doch bei diesem Ereignis gerade der Ölberg eine große Rolle. Doch bevor der Herr Seine Königreichsherrschaft antritt, geschehen dramatische Ereignisse auf der Erde: Der Zorn Gottes entlädt sich über den Menschen der Sünde – es ist gemäß unserem in der Einleitung angeführten Kalender Gottes die 10. Verwaltung, die „des Gerichts“. Dabei muss das Gericht lt. 1Petr 4:17 beim Hause Gottes anfangen, und das ist Israel! Israel wird also erst einmal die schrecklichsten Tage im Verlauf seiner Geschichte erleben! Gottes Wort berichtet uns vielfach bis in Einzelheiten über die furchtbaren Ereignisse. Allerdings ist diese Zeit messbar: Laut Daniel sind es zwei Mal dreieinhalb Jahre. Erst beim siebten Siegel (welches Posaunen und Schalen umfasst) kommt die Wende – dieses Siegel reicht bis zu Christi Kommen heran (oder schließt es sogar noch mit ein). Dann nämlich wird das Zeichen des Sohnes am Himmel erscheinen und dann werden alle Stämme des Landes wehklagen und den Sohn des Menschen auf den Wolken des Himmels mit Macht und großer Herrlichkeit kommen sehen (Mt 24:30).

All die schrecklichen und kaum fassbaren Gerichte sind aber letztlich der Schauplatz für die Zubereitung der nächsten Verwaltung, der des Königreichs, Satan wird für tausend Jahre gebunden und das Königreich der Himmel wird aufgerichtet. Interessant ist, wie präzise Sach 14:4 das Kommen des Herrn auf den Ölberg beschreibt.

Welches Reich ziehen wir vor? Während manche danach streben, zu den 144 000 zu gehören, hat Gott uns, der Körpergemeinde Christi Jesu, in Gnade diesen Zorn erspart und uns einen Teil in den unendlichen Weiten des Alls zubereitet, die sich weiter ausdehnen, als alle Himmel!

Apg 1:13

„Als sie hineingekommen waren, stiegen sie in das Obergemach hinauf, wo sie zu weilen pflegten: Petrus wie auch Johannes, Jakobus und Andreas, Philippus und Thomas, Bartholomäus und Matthäus, Jakobus, der Sohn des Alphäus, Simon der Eiferer und Judas, der Sohn des Jakobus.“

Versuchen wir einmal, einen Blick in die Gemütsverfassung jener Männer zu werfen, die jetzt in das Obergemach eines Privathauses stiegen: Lange hatten sie ihren Herrn begleitet und Wunder und Zeichen erlebt. Sie rechneten fest mit der Aufrichtung des irdischen Königreichs. Doch dann wurde ihr Herr, den sie als Sohn Gottes erkennen durften, schmählich ans Kreuz geheftet und starb – war das wirklich jener, an den sie geglaubt hatten? Wir gehen wohl nicht fehl, wenn wir in ihren Herzen „Resignation“ erkennen! Doch dann geschieht das für sie Unglaubliche: Ihr Herr ist offensichtlich auferstanden, Er lebt. Vierzig Tage ist Er unter ihnen, bis erneut etwas Unfassbares geschieht: Jesus wird emporgehoben und in den Himmel hinaufgenommen. Das alles mussten diese Männer erst einmal verarbeiten!

Und was waren es für Männer? Es war, rein äußerlich betrachtet, gewiss eine armselige Schar! Keine Professoren, keine Doktoren, keine von höherem Rang und Stand, auch kein Nikodemus oder ein Josef von Arimathia waren unter ihnen … es waren alles durchweg schlichte und einfache Menschen, die wir auch später bei Paulus finden: Keine Weisen, keine Mächtigen, keine Vornehmen, sondern eher die Schwachen, die Niedriggeborenen. Und keiner von diesen konnte sich anmaßen, von sich aus Jesus nachgefolgt zu sein, alle wurden von Jesus Selbst auserwählt (Apg. 1:2). Es ist bei diesen Aposteln im Vergleich zu uns in diesem Punkt kein Unterschied: „Meine Kraft wird in Schwachheit vollkommen gemacht“ (2Kor 12:9). Ob es die Apostel des Königreichs waren oder die Glieder am Körper Christi (also wir) – alle leben nur von Seiner Kraft, und dies zum Lobpreis Seiner Herrlichkeit!

Apg 1:14

„Diese alle hielten einmütig im Gebet an, samt den Frauen und Mirjam, der Mutter Jesu, und Seinen Brüdern.“

Und diese armselige Schar (dazu kamen noch etliche Frauen und die Brüder Jesu, die ja nach Joh 7:5 wohl inzwischen erkannt hatten, wer ihr leiblicher Bruder war) versammelte sich einmütig im Gebet, sie fühlten nur zu gut ihre Ohnmacht.

Jesu letzte Anweisung war ja „abzuwarten“ bis der heilige Geist sie taufen würde – doch „abwarten“ fällt uns Menschen zu allen Zeiten schwer, auch jenen, die damals einmütig im Gebet anhielten! Was war wohl der Inhalt ihrer Gebete? Zu Seiner Erdenzeit hatte sie Jesus das so genannte „Vater unser“ (Mt 6:9ff) gelehrt, worin auch vorkommt: „…Dein Königreich komme“! Wie inbrünstig mögen sie wohl gerade um die Aufrichtung dieses Königreichs gebeten haben! Und wurde ihr Gebet erhört?

„Gebet“ hat mit „bitten“ zu tun, wir bitten Gott um alle möglichen Dinge, die zu unserem Vorteil sind, dabei haben wir natürlich nur unsere eigene menschliche Sicht im Auge; doch Gottes Wege sind nur zu oft ganz anders! Deshalb wissen wir auch nicht, was wir beten sollen (Röm 8:26), weil wir Gottes Wege viel zu wenig kennen. Aber sehen wir das Gebet einmal anders, sehen wir es doch ganz einfach als „eine Antwort“! Und die schönste Antwort ist immer der vertrauensvolle Lobpreis, der in dem Wissen emporsteigt, dass Gottes Wege immer richtig sind! Der Lobpreis Gottes darf dem tiefen Vertrauen entspringen, dass denen, die Gott lieben, alles zum Guten zusammenwirkt (Röm 8:28). So gesehen dürfen durchaus auch Bittgebete vor Gott gebracht werden, wenn sie im Einklang mit dem uns geoffenbarten Willen Gottes stehen und nicht als Forderung vorgebracht werden. Lasst uns, liebe Geschwister, gerade im Gebet auf die überströmende Gnade blicken, dann wird auch unser Gebet eine Erwiderung der Liebe Gottes, weil wir aus tiefstem Herzen wissen, dass unser Herr Jesus Christus für uns starb. Durch Ihn haben wir die Rettung, und das ist Gnade und macht unser Gebet zum Lobpreis!

Apg 1:15

„In diesen Tagen nun stand Petrus in der Mitte der Brüder auf (es war eine Schar von etwa hundertzwanzig Namen beieinander) und sagte:

Wir haben gestern den Inhalt der Gebete von den Aposteln auf uns gelenkt und uns erneut vor Augen stellen lassen, wie das „Beten zu Gott“ aussehen kann. „Gebet“ soll nie ein Ritual sein, sondern ein Verlangen des Herzens. In dieser Weise dürfen wir auch jene Apostel und Frauen sehen, die nun auf die Verheißungen ihres Herrn warteten.

Aber noch etwas anderes musste geregelt werden: Die Nachfolge des Judas! Ausführlich geht Lukas in den folgenden Versen auf dieses Ereignis ein. Dabei ist beachtenswert, dass Petrus als der vom Herrn berufene Führer und Fels aufsteht und offensichtlich diese Führung übernimmt. Dabei wollen wir betonen, dass er sehr genau seine Kompetenz kannte, er stand in der Mitte der Brüder als Erster unter Gleichen! Und wie schrecklich hat die katholische Kirche gerade dieses Amt mit ihrem Papsttum verfälscht und verschandelt!

Ganz gezielt wurde Petrus auf sein Amt vorbereitet, und die göttliche Vorbereitung war unter anderem das Erkennen über die Unfähigkeit des Fleisches! Erinnern wir uns der überheblichen Worte des Petrus, sein Leben für den Herrn lassen zu wollen (Joh 13:37b); und wenig später, als es darauf ankam, verleugnete er Ihn dreimal! Es darf uns ruhig auch im Nachhinein noch tief bewegen, wenn wir hernach, nach der Verleugnung, einen Petrus sehen, der sich sehr wohl der voraussagenden Worte seines Herrn erinnerte, hinausging und bitterlich schluchzte (Mt 26:75). Vielleicht dürfen wir hier eine gewisse Parallele zu Röm 7:24 sehen, wo wir ebenfalls einen zerknirschten Paulus sehen, der, die Ohnmacht seines Kampfes gegen sein Fleisch erkennend, verzweifelt ausruft: „Ich elender Mensch! Was wird mich aus dem Körper dieses Todes bergen?“

Lies weiter:
Wahl des Matthias zum Apostel (Apg 1:15-26)