2Mo 33-

Aus Bibelwissen

Kommentar zu 2. Mose 33

Von Daniel Muhl

IN BEARBEITUNG !

Befehl zum Aufbruch und die Weigerung Gottes, mitzugehen

Verse 1-3

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✏️ Kommentare aus Biblebub - 2Mo 33
✏️ Kommentar zu 2. Mose 33 (D. Muhl)
🪔 Nicht ohne Dich - 2Mo 33:15 / Joh 12:13 (D. Muhl)

ELB 2Mo 33:1 Und der HERR redete zu Mose: Geh, ziehe von hier hinauf, du und das Volk, das du aus dem Land Ägypten heraufgeführt hast, in das Land, von dem ich Abraham, Isaak und Jakob geschworen habe: Deinen Nachkommen will ich es geben!
ELB 2Mo 33:2 - Und ich werde einen Engel vor dir hersenden und die Kanaaniter, Amoriter, Hetiter, Perisiter, Hewiter und Jebusiter vertreiben -,
ELB 2Mo 33:3 in ein Land, das von Milch und Honig überfließt. Denn ich werde nicht in deiner Mitte hinaufziehen - du bist nämlich ein halsstarriges Volk -, damit ich dich nicht auf dem Wege vernichte.

Ein Engel und nicht ich

Warum will Gott nicht inmitten Seines Volkes in das verheißene Land ziehen? Die Antwort finden wir in diesem Abschnitt: "Damit Gott dieses Volk nicht vernichtet!" Doch diese Antwort erzeugt sofort weitere Fragen:

  1. "Warum muss Gott dieses Volk vernichten, wenn Er in ihrer Mitte mitzieht?"
    Ich denke, dass hängt mit der Heiligkeit und Vollkommenheit Gottes zusammen. Würde Gott selbst inmitten Seines Volkes in das verheißene Land ziehen, dann würde das dazu führen, dass jeder sündige Mensch sofort sterben müsste. Das hat sich bis heute nicht geändert! Jeder Mensch, der in die Gegenwart Gottes tritt, stirbt, weil die Gegenwart der Liebe Gottes alles verbrennt, was nicht Liebe ist. Trotz dieser Tatsache dürfen wir jetzt durch unseren Herrn Jesus in die Gegenwart Gottes treten, weil unser alter Mensch mit Christus gekreuzigt ist (Röm 6:6) und wir allein durch Gnade mit der Gerechtigkeit Jesu bekleidet sein dürfen! Trotz dieser wunderbaren Zusage gilt auch für uns das, was Paulus in Röm 8:10 schreibt: "Ist aber Christus in euch, so ist der Leib zwar tot der Sünde wegen, der Geist aber Leben der Gerechtigkeit wegen."
  2. "Warum schont der Engel das Volk, und kann es sein, dass ein Engel 'gnädiger' ist als Gott selbst?"
    Im Gegensatz zur Gegenwart Gottes bedeutet die Anwesenheit eines Engels nicht zwangsläufig, dass die Menschen sterben müssen, zumal sie ohne die Genehmigung Gottes keine Menschen umbringen dürfen. Wenn Gott einem Seiner Engel den Auftrag gibt, Sein Volk zu führen, es zu bewahren und die Feinde Israels zu bekämpfen, dann tut er dies auch! Nie würde er dem Volk Israel etwas antun, ohne die ausdrückliche Anordnung Gottes!
    Deshalb kann man aus dieser Stelle auch nicht ableiten, dass ein Engel gnädiger ist als Gott! Die Gnade Gottes, die in Jesus Christus erschienen ist, kann kein Geschöpf jemals überbieten!


Die Reue des Volkes

Verse 4-6

ELB 2Mo 33:4 Als das Volk diese böse Rede hörte, trauerten sie, und keiner legte seinen Schmuck an.
ELB 2Mo 33:5 Denn der HERR hatte zu Mose gesagt: Sprich zu den Söhnen Israel: Ihr seid ein halsstarriges Volk. Zöge ich nur einen Augenblick in deiner Mitte hinauf, so würde ich dich vernichten. Und nun lege deinen Schmuck von dir ab, und ich werde zusehen, was ich für dich tun kann.
ELB 2Mo 33:6 Da entledigten sich die Söhne Israel ihres Schmuckes, vom Berg Horeb an.

Mit und ohne Schmuck

Eine Person, die wertvollen Schmuck trägt, bringt damit meist indirekt zum Ausdruck, dass sie eine wertvolle, geehrte und würdige Person ist. Als das Volk die Rede hörte, wusste es auch, dass es sich unehrenhaft und unwürdig verhielt! Für sie war klar: Sie haben sich mit Schande bekleckert, und da wirkt jeder Schmuck wie ein Hohn! Wer sich vor Gott demütigt, kleidet sich eher 'in Sack und Asche'! Selbst der König von Ninive legte seine prächtigen Königskleider ab, als er sich vor Gott demütigte und Buße tat (Jon 3:6).

Mose glaubt daran, etwas für sein Volk tun zu können

Wie bereits aus dem vorangehenden Kapitel ersichtlich wurde, hatte Mose nicht die fatalistische Einstellung, dass "wenn der Allmächtige seine Absicht kundgetan hat, dann ist es zwecklos, mit Ihm darüber zu diskutieren!" Mose verstand sich nicht als Marionette Gottes, sondern als ein Beauftragter Gottes, der Verantwortung übernahm und gelernt hatte, zum Wohl des Volkes zu handeln, indem er sich wie ein wahrhaftiger Priester Gottes verhielt. Er wusste auch, dass Gott von ihm erwartete, sich für Sein Volk einzusetzen, indem er die Funktion eines Mittlers übernahm.

Das Zelt außerhalb des Lagers

Verse 7-11

ELB 2Mo 33:7 Mose nun nahm [jeweils] das Zelt und schlug es sich außerhalb des Lagers auf, fern vom Lager für sich, und nannte es: Zelt der Begegnung. Und es geschah, jeder, der den HERRN suchte, ging zum Zelt der Begegnung außerhalb des Lagers hinaus.
ELB 2Mo 33:8 Es geschah auch, sooft Mose zum Zelt hinausging, dann standen alle Leute auf, und sie traten jeder an den Eingang seines Zeltes und sahen Mose nach, bis er in das Zelt hineinkam.
ELB 2Mo 33:9 Und es geschah [jedesmal], wenn Mose in das Zelt kam, dann stieg die Wolkensäule herab und blieb am Eingang des Zeltes stehen; und [der HERR] redete mit Mose.
ELB 2Mo 33:10 Und das ganze Volk sah die Wolkensäule am Eingang des Zeltes stehen. Und das ganze Volk erhob sich, und sie warfen sich nieder, jeder am Eingang seines Zeltes.
ELB 2Mo 33:11 Und der HERR redete mit Mose von Angesicht zu Angesicht, wie ein Mann mit seinem Freund redet; dann kehrte [Mose] ins Lager zurück. Sein Diener Josua aber, der Sohn des Nun, ein junger Mann, wich nicht aus dem Innern des Zeltes.

Das Zelt der Begegnung

Als Mose auf dem Berg war, erhielt er genaue Anweisungen für den Bau der Stiftshütte. Die Stiftshütte wurde auch als "Zelt der Begegnung" bezeichnet (w. "Zelt des Bezeugten"). An dieser Stelle war die Stiftshütte jedoch noch nicht gebaut, und sie befand sich auch nicht außerhalb des Lagers, sondern inmitten des Lagers.
Bevor die Stiftshütte gebaut wurde, gab es bereits ein anderes "Zelt der Begegnung". Für dieses Zelt gab es keine Vorschrift, dass nur der Hohepriester aus dem Stamm Aaron, einmal im Jahr ins Allerheiligste eintreten durfte. Sogar ein Josua, der aus dem Stamm Ephraim stammte (4Mo 13:8), durfte in das Innere dieses Zeltes eintreten!
Das erste "Zelt der Begegnung" befand sich also außerhalb des Lagers und war für alle offen, die den HERRN suchten und in die Gegenwart Gottes treten wollten, um sich "aus Glauben" Gott zu nähern. Was für ein Geschenk! Hier kam es zu einer Gottesbegegnung außerhalb des Lagers, noch bevor der aaronitische Priesterdienst begann!
Dieses Zelt befand sich außerhalb des Lagers, und im aaronitischen Priesterdienst wurde dieser Ort mit Schande in Verbindung gebracht! Hier mussten die Aussätzigen ihr Dasein fristen (4Mo 12:15), und auch der "Sündenbock" wurde "in die Wüste geschickt" (3Mo 16:10)! Außerhalb des Lagers wurden auch die Leiber der Opfertiere verbrannt. So lesen wir in Hebr 13:11:

  • "Denn die Leiber der Tiere, deren Blut durch den Hohen Priester für die Sünde in das Heiligtum hineingetragen wird, werden außerhalb des Lagers verbrannt."

"Außerhalb des Lagers" ist auch ein Synonym für das, was auf Golgatha geschah, denn in den nächsten beiden Versen heißt es:

  • "Darum hat auch Jesus, um das Volk durch sein eigenes Blut zu heiligen, außerhalb des Tores gelitten. 13 Deshalb lasst uns zu ihm hinausgehen, außerhalb des Lagers, und seine Schmach tragen!" (Hebr 13:12-13)

Nur durch das Geschehen am Kreuz von Golgatha kommt es zu einer wahren und bleibenden Gottesbegegnung. Josua (übersetzt: Jahwe ist Rettung) blieb im Inneren des Zeltes der Begegnung (außerhalb des Lagers). Hier in diesem Zelt kann jeder "im Glauben" Gott begegnen! Was für ein Geschenk der Gnade Gottes!

Von Angesicht zu Angesicht, wie ein Mann mit seinem Freund redet

Auch Abraham wird "Freund Gottes" genannt (2Chr 20:7 / Jes 41:8 / Jak 2:23). Im Moment kenne ich im AT nur diese beiden Männer, die diesen 'Titel' tragen. Jesus bezeichnet auch Seine Jünger als Freunde (Joh 15:15)! Dieser "Ehrentitel" ist etwas ganz Besonderes! Gott liebt alle Menschen, aber nur wenige würde Er als Freunde bezeichnen. Ich glaube nicht einmal, dass jeder Christ automatisch als "Freund Gottes" bezeichnet werden könnte!

Ein "Freund Gottes" ist man erst dann, wenn man tief im Herzen die Gesinnung hat, die auch Jesus hatte (Phil 2:1-8). Abraham setzte sich auf priesterliche Weise für die Menschen in Sodom und Gomorra ein (1Mo 18:23 ff), und Mose trat für sein Volk in die Bresche! Mose war sogar bereit, aus dem Buch Gottes gelöscht zu werden, nur damit dem Volk Israel vergeben wird (2Mo 32:32)! Sowohl Abraham als auch Mose waren wahre "Gesprächspartner" Gottes geworden, weil sie sich von der hingebenden Liebe Gottes erfüllen ließen! Die Rettung von Menschen hatte für sie höchste Priorität! Das sind die Merkmale von "Freunden Gottes"! Es geht nicht um eine herausragende sichtbare Frömmigkeit, sondern um eine tief verwurzelte Retterliebe.

Mose bittet um die Gegenwart des HERRN

Verse 12-17

ELB 2Mo 33:12 Mose nun sagte zum HERRN: Siehe, du sagst zu mir: Führe dieses Volk hinauf! - aber du hast mich nicht erkennen lassen, wen du mit mir senden willst, wo du [doch selbst] gesagt hast: Ich kenne dich mit Namen, ja, du hast Gunst gefunden in meinen Augen.
ELB 2Mo 33:13 Und nun, wenn ich also Gunst gefunden habe in deinen Augen, [dann] laß mich doch deine Wege erkennen, so daß ich dich erkenne, damit ich Gunst finde in deinen Augen, und bedenke, daß diese Nation dein Volk ist!
ELB 2Mo 33:14 Er antwortete: Mein Angesicht wird [mit]gehen und dich zur Ruhe bringen.
ELB 2Mo 33:15 Er aber sagte zu ihm: Wenn dein Angesicht nicht [mit]geht, dann führe uns nicht von hier hinauf!
ELB 2Mo 33:16 Woran soll man denn sonst erkennen, daß ich Gunst gefunden habe in deinen Augen, ich und dein Volk? Nicht daran, daß du mit uns gehst und wir, ich und dein Volk, [dadurch] vor jedem Volk auf dem Erdboden ausgezeichnet werden?
ELB 2Mo 33:17 Der HERR antwortete Mose: Auch diesen Wunsch, den du [jetzt] ausgesprochen hast, werde ich erfüllen; denn du hast Gunst gefunden in meinen Augen, und ich kenne dich mit Namen.

Wer geht mit mir?

Wer die Wege Gottes erkennen durfte, kann auch Gott erkennen

Das Angesicht Gottes und Seine Gunst

Die Herrlichkeit Gottes - seine Gnade und sein Erbarmen

Verse 18-23

ELB 2Mo 33:18 Er aber sagte: Laß mich doch deine Herrlichkeit sehen!
ELB 2Mo 33:19 Er antwortete: Ich werde all meine Güte an deinem Angesicht vorübergehen lassen und den Namen Jahwe vor dir ausrufen: Ich werde gnädig sein, wem ich gnädig bin, und mich erbarmen, über wen ich mich erbarme.
ELB 2Mo 33:20 Dann sprach er: Du kannst [es] nicht [ertragen], mein Angesicht zu sehen, denn kein Mensch kann mich sehen und am Leben bleiben.
ELB 2Mo 33:21 Weiter sagte der HERR: Siehe, [hier] ist ein Platz bei mir, da sollst du dich auf den Felsen stellen.
ELB 2Mo 33:22 Und es wird geschehen, wenn meine Herrlichkeit vorüberzieht, dann werde ich dich in die Felsenhöhle stellen und meine Hand schützend über dich halten, bis ich vorübergegangen bin.
ELB 2Mo 33:23 Dann werde ich meine Hand wegnehmen, und du wirst mich von hinten sehen; aber mein Angesicht darf nicht gesehen werden.