Gottes Größe und seine Herrschaft über Himmel und Erde - Jes 40:12-26

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aus HSA: Verkündiger von Gericht und Heil nach Jesaja (40-66) Bd.2’’


Gottes Größe und seine Herrschaft über Himmel und Erde - Jes 40:12-26

Schon im 1. Teil des Jesajabuches (Jes 1-39) wurde immer wieder deutlich, dass der menschliche Hochmut - seine Selbstüberschätzung, seine Überheblichkeit - für Gott ein Ärgernis und ein Gräuel ist. Dem Demütigen, nicht dem Hochmütigen, gibt er Gnade (1Petr 5:5). So will Gott auch in unserem Text (wie schon in Jes 40:6-8) dem Menschen seine Kleinheit, Schwachheit, Vergänglichkeit und totale Abhängigkeit vom Schöpfer zum Bewusstsein bringen. - Wie aber lautet die Antwort auf die Fragen des 12. Verses (Jes 40:12)? Delitzsch und andere meinen, der Text rede "anthropomorphisch" (Göttliches in Bildern aus der Menschenwelt darstellend) von Jahwe, wie etwa auch Spr 30:4. Andere Ausleger aber wenden sich dagegen, Jahwe, den Unendlichen, "mit Drilling (Drittelmaß) und Waage hantieren zu lassen"; die Antwort müsse lauten: niemand, kein Mensch (was auf alle Fälle für Jes 40:13 gilt). So kommentiert Kautzsch: "Die Fragen wollen nicht beantwortet sein: 'Jahwe tat oder kann das', sondern: 'Niemand kann das.' Die Unzulänglichkeit der Maße und Mittel, die dem Menschen dafür zu Gebote ständen, wird mit Absicht drastisch herausgekehrt. Jahres Größenverhältnis der Welt gegenüber wird ert in Jes 40:15f gegensätzlich hervorgehoben."

Wie klein ist doch der Mensch, wenn man nur von einem Dreitausender herab ins Tal blickt! Wie klein im Verhältnis zur Größe der Weltmeere, zum Umfang der Erdkugel und erst recht zum Ausmaß der Himmel und zur Zahl der Sterne! Fachleute sprechen (ganz grob geschätzt) von 100 Milliarden Galaxien mit jeweils 100 Milliarden Sterne, das wären 10 Trilliarden Sterne! Und doch bildet dieser kleine Mensch sich ein, die Natur zu beherrschen und die Geschichte zu lenken. Jesaja zeigt in diesem und den folgenden Kapiteln, wer in Wahrheit Herr der Welt und Lenker der Geschichte ist: Jahwe, der Ewigseiende und wirksam Handelnde. Er allein ist Gott (hebr. El) (Jes 40:8). "El" hat nach Karl Elliger wohl die Grundbedeutung "Macht", er ist also der Mächtige, Allmächtige, unvergleichlich Große und Weise. Dieser Gott kann wirklich retten, führen, stärken und bewahren - nicht nur Israel, sondern jeden Menschen, der ihn ernst nimmt und auf ihn vertraut!

Die Nationen sind vor ihm nur wie ein Tropfen, der am Schöpfeimer hängt, so klein und leicht (Jes 40:15). Dies gilt für Gottes Größe und Macht, nicht aber für seine Liebe und Gnade! Da gilt vielmehr Joh 3:16: "So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn (für sie) dahingegen hat..." Das ist Gnade. Jede Leistung - auch fromme Opfergabe - des Menschen reicht demgegenüber niemals aus, um seine Gerechtigkeit zu befriedigen (Jes 40:16). Und die Verehrung von Götzenbildern menschlicher Herstellung als Helfer und Retter ist so sinnlos und vergeblich, dass sie geradezu Gottes Ironie und Spott herausfordert (Jes 40:19-21, vgl. Jes 41:6.7 - Jes 44:9-20 - Jes 45:16 - Jes 46:5-7).

Gott ist es, "der die Himmel wie einen Schleier ausspannt und sie ausdehnt wie ein Zelt", sagt Jes 40:22. Man hat darin schon "den Vorgang des Expandierens der Sternenhimmel" biblisch belegt sehen wollen (Karel Claeys in "Die Bibel bestätigt das Weltbild der Naturwissenschaft", Christiana-Verlag Stein am Rhein 1979). Kritiker warfen Claeys seinerzeit vor, er wolle den Bibeltext mit allen Mitteln dazu bringen, die Sprache der heutigen Naturwissenschaft zu sprechen. Aber kann es nicht sein, dass ein Prophet im Geist der Weissagung Dinge ausspricht, deren Tragweite ihm selber nicht voll bewusst ist (1Petr 1:10-12)? Auch hielt man Claeys entgegen, man könne doch ein Zelt nicht dauernd ausdehnen - es würde zerreißen. Das ist wahr, aber eine Expansion ohne Ende wird auch nicht von allen Forschern behauptet. Manche meinen, die Expansion der Galaxien könne sich verlangsamen, zum Stillstand kommen oder sich gar zur Kontraktion umkehren. Lehrt nicht auch die Bibel, die Himmel würden einmal "zusammengerollt werden wie eine Buchrolle" (Jes 34:4 - Offb 6:14)? - Jedenfalls ist bei solchen Zusammenführungen von Bibeltexten und Aussagen heutiger Naturwissenschaftler Vorsicht geboten - sicher ist so viel: Unser Text betont die einzigartige und überlegene Herrschaft des allmächtigen Weltschöpfers und Welterhalters über alles kosmische Geschehen.

Jes 40:23 lenkt dann den Blick wieder zur Erde zurück. Gott lässt nicht nur die Blumen blühen und das Getreide reifen, er übt auch Gericht, indem er z.B. "Gewalthaber dem Nichts hingibt" und "Richter der Erde der Öde gleichmacht". Klingt dann nicht auch sehr aktuell? Wie schnell verschwinden Gewalthaber, die Völker erzittern ließen, wieder von der Weltbühne! Und wie "öde" (wüst, leer, eitel, nichtig) erscheinen uns so manche Gerichtsurteile von Richtern der Gegenwart! (Das Wort "Öde" lautet hebräisch tohu, es findet sich als tohu und bohu in 1Mo 1:2 sowie in Jes 34:11 und Jer 4:23)

Noch einmal heben die Verse Jes 40:25.26 die einzigartige Größe und Macht Jahres,des Schöpfers der Welt und des Herrn über Natur und Geschichte, hervor. Wie Jes 40:26, so bezeugt auch Ps 147:4 die unfassbar große Tatsache, dass derselbe Jahwe, der "Jerusalem aufbaut" und "die Zerstreuten Israels sammelt" und "heilt, die zerbrochenen Herzens sind", zugleich auch "die Zahl der Sterne zählt", und "sie alle mit Namen nennt". Er, nur er kennt genau ihre Zahl, die unsere Forscher auch nicht annähernd messen und wissen können. Auch nennt er sie alle wie persönliche Wesen mit Namen.

Zu Jes 40:26 bemerkt Karl Elliger: "Die Sprache stammt aus dem militärischen Gebiet. 'Der herausführt nach der Zahl ihr Heer' ist der Oberkommandierende... Wenn Jahwe das Heer der Sterne aufruft, dann haben sie sich zur Stelle zu melden und seiner Befehle zu harren. Und das tun sie auch ohne Ausnahme: Vor dem an Kraft Reichen und an Macht Starken fehlt kein einziger" (gilt keiner als vermisst).

Jesaja tritt hier der babylonischen Religion entgegen. "Die Götter waren alle irgendwie mit einem Gestirn identifiziert oder liiert, die großen mit den Planeten, die kleineren mit dem Heer der Fixsterne". Jesaja fragt: Sind die Sterne Götter oder Geschöpfe, dieihrem Schöpfer zu gehorchen haben? Er fordert seine Hörer auf: "Hebt auf zur Höhe euere Augen und seht! Was dann folgt, nennt Ekliger "den dreifachen Hammerschlag, der die Götterherrlichkeit zermalmt". Jesaja fragt: Wer schuf die (mi bara' elläh)? Das Wort bara' wird immer nur vom Schaffen Gottes gebraucht (so 1Mo 1:1 -1Mo 1:21 - 1Mo 1:27), nie von dem der Kreaturen. "Die da oben" - die Sterne - sind Geschöpfe und nicht Götter. Sie neben Gott oder anstelle Gottes zu verehren, ist ein Irrweg, ist Sünde. Die Natur ist nicht Gott. Werkmeister und Werk sind streng zu trennen. Das Geschaffene darf nicht vergöttert werden, weder Sterne noch Engel, noch irgendein Mensch.

So ist Jahwe in Wahrheit der einzige Herr - Planer, Schöpfer, Lenker und Vollender, wie es auch die folgenden Kapitel Jesajas immer wieder betonen. "Da er (Gott) sogar die Sterne mit ihren Namen kennt und mit seiner Macht in ihren Bahnen erhält, so darf Israels nichtmeinen, das der Lauf der Geschichte dem Ewigen unbekannt sei" (König). Und auch wir, die durch den Glauben aus Gnade Erretteten (Eph 2:8) dürfen uns seiner Führung immer wieder neu anvertrauen und uns ganz von ihm umgeben und in ihm geborgen wissen (Kol 3:3).