Ein Hirte der alles gibt
Donnerstag, 19. März 2026 - Von Daniel Muhl
Ich will die Übriggebliebenen meiner Herde sammeln aus allen Ländern und will sie wiederbringen zu ihren Weideplätzen, dass sie fruchtbar sein sollen und sich mehren.
Jesus spricht: Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und volle Genüge.
Die wertvolle Arbeit eines Schafhirten kenne ich nur aus der Bibel und vom Hörensagen. Viele entscheidende Personen im Alten Testament waren Hirten: Abraham, Isaak, Jakob, Joseph, Mose und David. Auch der HERR selbst wird in Psalm 23 von David als Hirte bezeichnet.
In Jeremia 23 und Hesekiel 34 tadelt der HERR die Führer des Volkes als schlechte „Hirten", die die Herde nur ausnutzen, statt sich liebevoll um sie zu kümmern. Darum kündigte er durch die Propheten an, sich selbst um seine „Schafe" zu kümmern (Hes 34:11-16).
Im heutigen Losungstext verspricht Gott, die zerstreuten Schafe Israels zu sammeln – ein Versprechen, das in Jesus Christus seine vollständige Erfüllung findet (Jer 23:3 / Joh 10:16).
Als der Sohn Gottes Mensch wurde, sagte er von sich selbst: „Ich bin der gute Hirte!" (Joh 10:11). Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe. Er kennt jedes einzelne beim Namen, sucht das Verlorene und trägt das Schwache (Joh 10:3 / Lk 15:4-7 / Jes 40:11). Seine Schafe kennen seine Stimme und folgen ihm (Joh 10:4-5). Er gibt ihnen das wahre Leben und alle guten Gaben im Überfluss. Diese persönliche Fürsorge steht im krassen Gegensatz zu den selbstsüchtigen Hirten, die Jeremia anklagt.
Ich habe selbst keine Erfahrung als Hirte. Dennoch wollte ich verstehen, wie ein Hirte seine Schafe sammelt, um die biblische Bildsprache besser zu begreifen. Ein Hirte sammelt seine Herde auf verschiedene Weise:
- Er ruft sie: Schafe erkennen die Stimme ihres Hirten und folgen seinen Rufen. Im Laufe der Geschichte Israels hat der HERR sein Volk immer wieder durch die Propheten und die Verkündiger seines Wortes nach Hause gerufen (Jes 40:3-5 / Jer 31:10). Jesus selbst hat sich als der eine gute Hirte offenbart, der seine „Schafe" ruft, sodass sie ihm folgen.
- Er leitet sie durch ruhige Bewegungen: Der Hirte bewegt sich gezielt, um die Tiere nicht zu erschrecken, sondern sie sanft in die gewünschte Richtung zu lenken. Das zeigt die ruhige, sanftmütige und demütige Art, wie Jesus seine Herde leitet (Mt 11:29). Er kennt den besten Weg und geht voran (Joh 10:4).
- Er bewahrt sie vor falschen Wegen: Ein Hirte stellt sich so, dass Schafe nicht in gefährliche Richtungen laufen. Auch Christus weiß, wo Gefahr droht, und hält seine Herde auf dem richtigen Weg (Ps 23:3). Darum ist es so wichtig, bei der Herde zu bleiben (Joh 10:28-29).
- Er verwendet Lockmittel: Der Hirte nutzt Futter oder bekannte Wege, um die Schafe anzulocken. Der gute Hirte weiß, wo die „grünen Auen" und das „frische Wasser" sind (Ps 23:2). Sein Wort ist die Speise, die Geist und Seele zum wahren Leben brauchen (Mt 4:4 / Joh 6:63). Das Wort Gottes zeigt uns den Weg zum Leben – und Jesus Christus selbst ist dieser Weg (Joh 14:6).
- Heute wird eine Herde auch durch gut trainierte Hütehunde zusammengehalten: Sie lenken die Schafe zur Herde zurück. Hirtenhunde schrecken diejenigen auf, die sich zu weit von der Herde entfernt haben und Gefahr laufen, verloren zu gehen. In biblischen Zeiten lag der Schwerpunkt stärker auf der direkten Führung durch den Hirten. Dennoch kann auch das ein Bild sein: Manchmal gebraucht Gott Wege, die uns korrigieren und zurückführen, wenn wir uns entfernen (Hebr 12:6-11 / Offb 3:19).
In der Geschichte hat Gott sein Volk immer wieder aus allen Ländern gesammelt und in sein Land zurückgeführt (Jer 29:14). Die Rückkehr aus dem babylonischen Exil war nur ein Vorgeschmack auf das, was Jesus als der gute Hirte vollständig erfüllt hat (Joh 11:52). Er sammelt Menschen aus allen Nationen zu einer Herde unter seiner liebevollen Führung (Joh 10:16).
Im vergangenen Jahrhundert sammelte er auch das jüdische Volk aus allen Nationen und siedelte es in seinem Land an, wo es auf das Kommen des Messias vorbereitet wird (Hes 36:24 / Sach 12:10).
Bei seinem nächsten Kommen erscheint er jedoch nicht mehr als Mensch aus Fleisch und Blut, sondern mit großer Macht und Herrlichkeit, um das messianische Friedensreich aufzurichten (Mt 24:30 / Offb 19:11-16 / Jes 11:6-9).

