2026-05 - Andachten vom Mai 2026

Aus Bibelwissen

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Freitag, 1. Mai 2026

von Daniel Muhl

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Mich sollst du fürchten und dich zurechtweisen lassen.

Zefanja 3,7

Wer sollte dich, Herr, nicht fürchten und deinen Namen nicht preisen? Denn du allein bist heilig!

Offenbarung 15,4

Gott ernst nehmen: Vom Widerstand zur Offenheit

Der Prophet Zefanja wirkte zur Zeit des Königs Josia. Er war ein Urenkel Hiskias und ein Enkel des berüchtigten Königs Manasse (2Kö 18:1-7 / 2Kö 21:1-18). Manasse regierte 55 Jahre lang in Jerusalem und führte vermutlich den schlimmsten Götzendienst ein (2Kö 21:1-9). Amon, der Vater Josias, folgte dem schlechten Beispiel seines Vaters. Trotz dieser üblen Vorbilder schlug Josia als junger König einen anderen Weg ein. In 2Kö 22:1-2 steht dazu etwas ganz Erstaunliches:

„Acht Jahre war Josia alt, als er König wurde [...]. Und er tat, was recht war in den Augen des HERRN. Er ging ganz den Weg seines Vaters David und wich nicht zur Rechten noch zur Linken ab.“

Möglicherweise übten die Mutter, die Großmutter oder beide einen positiven Einfluss auf Josia aus. Einige Ausleger vermuten, dass auch der Prophet Zefanja dazu beitrug.

Warum manche Menschen Gott ernst nehmen und andere nicht, lässt sich nicht vollständig erklären – doch die Haltung des Herzens spielt eine entscheidende Rolle (Spr 4:23 / 1Sam 16:7). Wahrscheinlich lag es daran, dass beide ein demütiges, offenes, von Ehrfurcht geprägtes Herz hatten, während sich die anderen von Stolz und Eigenwillen leiten ließen (Jak 4:6 / Spr 16:18).

Natürlich hängt vieles davon ab, ob man an Gott glaubt oder nicht. Wer überzeugt ist, dass es keinen Gott gibt, kümmert sich auch nicht um Gottes Anweisungen (Ps 14:1). Doch selbst bei manchen, die von einem allmächtigen Gott ausgehen, ist das Interesse oft gering. Dabei weiß gerade derjenige, der uns erschaffen hat, am besten, welche Lebensführung zielführend ist (Ps 100:3).

Ein Hauptgrund für die Distanz zu Gottes Wort ist ein Missverständnis. Viele glauben, sie müssten Gottes Gebote aus eigener Kraft erfüllen, um angenommen zu werden (Gal 3:10-12). Diese Vorstellung setzt unter Druck und führt dazu, dass man sich lieber gar nicht erst intensiv damit beschäftigt.

Gottes Gesetz ist nicht der Weg, um vor ihm gerecht zu werden, sondern ein Erzieher, der uns zu Christus drängt – und damit zur Gnade. Es zeigt, wie ein Leben aussieht, das aus der Beziehung zu ihm entsteht – und zugleich macht es deutlich, dass wir auf Vergebung angewiesen sind (1Jo 1:9). Die Gebote sind uns als Wegweisung für ein gelingendes Leben gegeben und führen uns in einen Prozess hinein, der uns Gottes Heiligkeit vor Augen stellt (Ps 19:8-9). Sie machen deutlich, dass wir auf Gottes Gnade und den Erlöser angewiesen sind (Gal 3:24).

Wer Gott ernst nimmt, nimmt auch seine Worte zu Herzen. Natürlich ist eine Zurechtweisung oft unangenehm. Doch wer Gottes Ermahnungen annimmt, tut sich damit selbst den größten Gefallen (Hebr 12:5-6 / Spr 3:11-12).

Gott ist absolut heilig, weil er vollkommene Liebe ist (1Jo 4:8 / 1Petr 1:15-16). Gerade deshalb ist Ehrfurcht vor ihm kein Widerspruch zur Liebe, sondern ihre angemessene Antwort (Ps 111:9).

Gebet: Lieber himmlischer Vater, danke, dass du der heilige und gerechte Gott bist, der sich in Liebe zu uns herabneigt, um uns von Schuld und Sünde zu erlösen. Danke, dass du uns durch deine Gnade in dein Vaterhaus führst, wo deine vollkommene Liebe die Atmosphäre prägt. Amen.

Samstag, 2. Mai 2026

von Daniel Muhl

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Lass meinen Gang in deinem Wort fest sein und lass kein Unrecht über mich herrschen.

Ps 119:133

Wer von sich sagt, dass er mit Gott verbunden ist, soll auch so leben, wie Jesus gelebt hat.

1Jo 2:6

So leben wie Jesus – ist das möglich?

Psalm 119 besteht aus 22 Abschnitten mit jeweils 8 Versen, die mit einem Buchstaben des hebräischen Alphabets beginnen. Der 17. Abschnitt beginnt mit dem Buchstaben „Pe“ (פ) und umfasst die Verse 129–136. Er beginnt mit den Worten:

„Deine Zeugnisse sind Wunderwerke, darum bewahrt sie meine Seele.“ (Ps 119:129)

Seit fast 50 Jahren lese und studiere ich die Bibel mit großer Freude. Je länger ich über sie nachsinne, desto mehr wächst meine Freude, und ich kann mit dem Psalmisten sagen: „Deine Zeugnisse sind Wunderwerke!“ Oder anders ausgedrückt: „Dein Wort ist ein unfassbares Meisterwerk!“ (Ps 119:18)

Wenn ich mir vorstelle, ich müsste irgendein anderes Buch auf dieser Welt 50 Jahre lang täglich lesen, würde mir vor Langeweile grauen. Ganz anders ist es bei der Bibel: Je intensiver ich über sie nachdenke, desto mehr Schätze leuchten auf, und desto bewusster wird mir: „Ich habe gerade erst begonnen, an der Oberfläche des Wortes Gottes zu schürfen!“ (Spr 2:4-5)

Die Wunderwerke des Wortes Gottes erkennt man jedoch nur, wenn Gott einem die Augen dafür öffnet. Der eigene Verstand und die eigene Klugheit reichen dafür nicht aus, und seien sie noch so überragend. (Lk 24:45 / 1Kor 2:14)

Mitten in einer Welt, in der alles relativ erscheint und der Zeitgeist sich ständig verändert, ist es äußerst schwierig, festen Schrittes auf das richtige Ziel zuzugehen, weil uns die vielen Geistesströmungen in unterschiedliche Richtungen drängen und uns immer wieder andere erstrebenswerte Ziele vor Augen gestellt werden. (Eph 4:14 / Röm 12:2)

Allein das Wort Gottes zeigt uns das eine zeitlose Ziel: die vollkommene Liebesbeziehung zum Schöpfer des Menschen, aus der dann auch „automatisch“ die vollkommene Liebe zum Nächsten folgt. (Mt 22:37-39)

Jesus Christus hat uns diese „Zielvorgabe“ vorgelebt: Er liebte seinen himmlischen Vater so sehr, dass ihm die Beziehung zum Vater wichtiger war als alles, was ihm die Welt zu bieten hatte. Selbst das Angebot Satans – mit allen Reichen dieser Welt beschenkt zu werden, wenn er nur einmal vor ihm niederfiele und ihn anbetete – lehnte er entschieden ab, weil ihm die Liebesbeziehung zu seinem Vater wichtiger war. (Mt 4:8)

Wer den heutigen Lehrtext aus dem 1. Johannesbrief gelesen hat, fühlt sich vermutlich zunächst überfordert und fragt sich: „Wie kann ich so leben wie Jesus? Ist das nicht eine komplette Überforderung und letztlich unmöglich? Johannes weiß doch, dass wir alle Sünder sind. Allein deshalb scheint es unmöglich, so zu leben, wie er gelebt hat, da er als Einziger absolut sündlos war!“ (Röm 3:23)

Der vorangehende Vers bringt in dieser Frage etwas mehr Klarheit. In der Übersetzung von Heinz Schumacher heißt es:

„Wer aber sein Wort bewahrt, in dem ist die Liebe Gottes in Wahrheit zur Vollendung gekommen; daran erkennen wir, dass wir in ihm sind.“ (1Jo 2:5)

Mit „Wort Gottes bewahren“ ist gemeint, dass wir sein Wort hüten wie ein Hirte, der auf seine Schafe achtet. Es geht darum, Gottes Wort und seine Anweisungen nicht aus den Augen zu verlieren. Wer auf Gottes Worte achtet, bleibt mit dem Herrn Jesus Christus verbunden und richtet den Blick auf die vollkommene Liebe. (Joh 15:10 / Joh 15:5)

An dieser gelebten Ausrichtung erkennen wir, dass wir IN IHM sind. Wer in und durch Christus lebt, lebt auch so, wie Christus gelebt hat – aus Liebe und Vertrauen zum himmlischen Vater! (Gal 2:20 / Eph 5:1-2)

Gebet: Lieber treuer himmlischer Vater, habe von ganzem Herzen Dank für das Wunder deines Wortes und das Vorrecht, unendlich von dir geliebt zu sein. Danke, dass du uns bereits in deinem Sohn siehst und wir vollständig in ihm geborgen sein dürfen! Amen.

Sonntag, 3. Mai 2026

von Daniel Muhl

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Gideon sprach zu dem HERRN: Hab ich Gnade vor dir gefunden, so mach mir doch ein Zeichen, dass du es bist, der mit mir redet.

Richter 6,17

Nikodemus sprach zu Jesus: Rabbi, wir wissen, dass du ein Lehrer bist, von Gott gekommen; denn niemand kann die Zeichen tun, die du tust, es sei denn Gott mit ihm.

Johannes 3,2

Zeichen und Wunder können eine Hilfe sein – aber sie tragen nicht

Vielleicht ist es dir auch schon so ergangen: Du liest die Bibel, siehst die vielen außergewöhnlichen Wunder, die dort beschrieben werden, und fragst dich: „Warum habe ich so etwas noch nie erleben dürfen? Ich hätte auch gern einmal einen ‚Beweis‘ für die Existenz Gottes.“ Damit bist du nicht allein. Gideon stellte eine ähnliche Frage, als ihm der Engel des HERRN erschien:

„Bitte, mein Herr, wenn der HERR mit uns ist, warum hat uns denn das alles getroffen? Und wo sind all seine Wunder, von denen uns unsere Väter erzählt haben …?“ (Ri 6:13)

Israel litt unter massiver Unterdrückung durch die Midianiter und andere Völker, die das Land regelmäßig ausplünderten. Die Ursache nennt Vers 1: Sie taten, was böse war in den Augen des HERRN (Ri 6:1). Als Israel um Hilfe schrie, sandte Gott zuerst einen Propheten, um sie an seinen Beistand und seine Gebote zu erinnern (Ri 6:7). Doch sie hatten ihn vergessen.

Als der HERR beschloss, Israel durch Gideon zu retten, sagte er zu ihm: „Geh hin in dieser deiner Kraft [...] Habe ich dich nicht gesandt?“ (Ri 6:14) Gideon fühlte sich jedoch unfähig und verwies auf seine geringe Herkunft (Ri 6:15). Doch der HERR versprach: „Ich werde mit dir sein.“ (Ri 6:16)

Daraufhin bat Gideon um ein Zeichen. Er wollte sicherstellen, dass er keiner Halluzination aufsaß, bevor er den riskanten Kampf aufnahm (Ri 6:17). Als Feuer aus einem Felsen stieg und das Opfer verzehrte, erhielt er die nötige Gewissheit (Ri 6:21). Das Zeichen half ihm, den Auftrag anzunehmen – doch Zeichen allein bringen noch keinen tragfähigen Glauben hervor (Joh 2:23 / Joh 20:29).

Genau hier führt uns das Neue Testament weiter. Nikodemus erkannte:

„Rabbi, wir wissen, dass du ein Lehrer bist, von Gott gekommen; denn niemand kann die Zeichen tun, die du tust, es sei denn Gott mit ihm.“ (Joh 3:2)

Nikodemus zog den richtigen Schluss, blieb aber zunächst auf Distanz. Er erkannte, aber er vertraute noch nicht. Zeichen können den Verstand überzeugen, aber sie führen nicht automatisch zu einem Glauben, der das Herz erfasst. Trotz aller Wunder glaubten viele der Obersten nicht an Jesus (Joh 12:37). Wenn Jesus wirklich von Gott kommt, fordert er unser ganzes Herz, nicht nur intellektuelle Zustimmung.

Jesus zeigt Nikodemus, dass Zeichen allein das Problem nicht lösen. Es braucht eine Neugeburt aus „Wasser und Geist“:

„Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht von Neuem geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen.“ (Joh 3:3)

Die Neugeburt ist ein Geschenk des Geistes Gottes, durch das wir einen tragfähigen Glauben erhalten (Tit 3:5). Gottes Wirken und die menschliche Antwort gehören zusammen. Darum bittet uns Gott: „Gib mir, mein Sohn, dein Herz, und lass deine Augen Gefallen haben an meinen Wegen!“ (Spr 23:26). Die Hingabe des Herzens und die von Gott bewirkte Neugeburt sind untrennbar verknüpft.

Gebet: Herr Jesus Christus, du klopfst immer wieder an die Tür meines Herzens. Schenk mir, dass ich sie öffne, damit du mich mit Vertrauen und deiner Liebe füllen kannst. Amen. (Offb 3:20)

Montag, 4. Mai 2026

von Daniel Muhl

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Gelobt sei der Herr täglich. Gott legt uns eine Last auf, aber er hilft uns auch.

Psalm 68,20

Jesus spricht: Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.

Matthäus 11,28

Wer trägt wen oder was?

Die Lastenträger dieser Welt genießen vielfach keine besondere Wertschätzung, obwohl oft gerade sie es sind, die eine Sache überhaupt erst möglich machen (1Kor 12:22). Dabei sind sie häufig weit mehr als nur Träger. Oft sind es auch diejenigen, die durch unwegsames Gelände führen, in Notfällen helfen und über die nötige Erfahrung verfügen.

Der größte Lastenträger, der je über diese Welt ging, ist ohne jeden Zweifel der Herr Jesus Christus. Denn er trug eine Last, die niemand sonst tragen konnte: die Sündenlast jedes Einzelnen und damit die Schuld der ganzen Welt (Joh 1:29 / Jes 53:4–6 / 1Petr 2:24).

Das klingt bereits im heutigen Losungsvers an. Die Elberfelder Übersetzung gibt ihn so wieder:

“Gepriesen sei der Herr Tag für Tag! Er trägt für uns ⟨Last⟩, Gott ist unsere Rettung. Sela” (Ps 68:20)

Tatsächlich kann man den hebräischen Text unterschiedlich übersetzen:

  1. Er lädt uns auf (eine Last)
  2. er trägt uns
  3. er trägt unsere (Last)”.

Der Kontext von Psalm 68 spricht am ehesten für die dritte Möglichkeit: dass Gott unsere Last trägt. Denn der Vers steht in einem Lobpreis auf den Gott, der rettet und befreit. Darin liegt Trost: Was uns heute aufliegt, muss uns nicht erdrücken, weil er Tag für Tag mitträgt (Ps 55:23 / 1Petr 5:7).

Auch der vorangehende Vers macht dies deutlich. Dort wird der HERR als derjenige beschrieben, der zur Höhe hinaufgestiegen ist und dabei die Gefangenschaft gefangen weggeführt hat. Paulus zitiert diese Stelle in Epheser 4:8 und macht klar, dass damit der Sieg Jesu über jene Mächte gemeint ist, die Menschen gefangen halten – also der Sieg über Sünde und Tod (Kol 2:15).

Natürlich gilt auch, dass Gott uns trägt. Und wenn er uns tatsächlich eine Last auferlegt, dann nur, damit auch wir lernen, wie Christus aus Liebe die Lasten anderer zu tragen (Phil 2:4). Paulus schreibt dazu:

“Einer trage des anderen Lasten, und so werdet ihr das Gesetz des Christus erfüllen.” (Gal 6:2)

Das geschieht nicht aus Pflicht, sondern aus liebender Zuneigung. Und letztlich können wir das Gesetz des Christus nur erfüllen, wenn wir zuvor unsere Sündenlast bei Jesus am Kreuz abgeladen haben (1Jo 1:9 / 1Petr 2:24). Darum lädt er alle Mühseligen und Beladenen ein, zu ihm zu kommen. Heinz Schumacher übersetzt:

“Kommt her zu mir alle, die ihr euch abmüht [bis zur Erschöpfung] und schwere Lasten zu tragen habt! Ich will euch Ruhe geben.” (Mt 11:28)

Ja, bei Christus allein finden unsere Seelen Ruhe und Frieden, weil er uns die Last unserer Schuld abgenommen hat.

Gebet: Herr Jesus Christus, ich danke dir von Herzen dafür, dass du meine Sündenlast auf dich genommen hast, damit ich völlig unbelastet vor dich treten kann. Danke, dass du für mich der große Lastenträger geworden bist. Dafür will ich dich auch heute anbeten! Amen.

Dienstag, 5. Mai 2026

von Daniel Muhl

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Der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.

4. Mose 6,26

Der Gott, der gesagt hat: Aus der Finsternis soll Licht aufstrahlen, er ist es, der es hat aufstrahlen lassen in unseren Herzen, so dass die Erkenntnis aufleuchtet, die Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes auf dem Angesicht Jesu Christi.

2. Korinther 4,6

Der aaronitische Segen und das Angesicht des HERRN

In 4. Mose 6 finden wir zunächst Verordnungen für den sogenannten Nasiräer (hebräisch *nazir*), was so viel wie „Abgesonderter“ oder „Geweihter“ bedeutet. Dabei handelt es sich um eine Person, die sich für eine bestimmte Zeit – manchmal auch lebenslang – in besonderer Weise Gott weiht.

Unmittelbar danach weist Gott Aaron und seine Söhne an, den bekannten Segen über das Volk Israel auszusprechen:

“Der HERR segne dich und behüte dich!
Der HERR lasse sein Angesicht über dir leuchten und sei dir gnädig!
Der HERR erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden!” (4Mo 6:24)

Abschließend endet dieses Kapitel mit dem Satz: “Und so sollen sie (die Söhne Aarons) meinen Namen auf die Söhne Israel legen, und ich werde sie segnen.” (4Mo 6:27)

Im Licht des Neuen Testaments kann die Gestalt des Abgesonderten auch auf Jesus Christus hin verstanden werden, der sich vollkommen dem Willen des Vaters hingegeben hat (Phil 2:8). Die Hingabe des Gottessohnes ist die Grundlage für den umfassenden Segen Gottes (vgl. Joh 17:6).

In diesem Segen wird dreimal der Name Jahweh – der „Ewigseiende“ – genannt. Er ist der dreimal heilige Gott, der allein eine zeitlose Identität besitzt und die Quelle jedes göttlichen Segens ist (Jes 6:3 / Offb 4:8).

Zweimal ist von seinem Angesicht die Rede, das über Israel „leuchten“ und ihm zugewandt sein soll. Wo dies geschieht, findet Verwandlung statt. Es ist die Grundlage für den entscheidenden Identitätswechsel, denn indem wir Gottes Herrlichkeit schauen, werden wir in sein Bild verwandelt. Darum schreibt Paulus in 2. Korinther 3:18:

“Wir alle aber schauen mit aufgedecktem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn an und werden so verwandelt in dasselbe Bild von Herrlichkeit zu Herrlichkeit …“

Der erste Teil des aaronitischen Segens lautet wörtlich: “Er segnet dich, JHWH, und er hütet dich!” Das ist die göttliche Zusage für alles Gute und für sein sorgfältiges Wachen, das umfassenden Schutz bedeutet (Jak 1:17 / Ps 121:7).

Das leuchtende, strahlende Angesicht des Königs bedeutet, dass man unter seiner Gunst und seinem Wohlwollen steht. Es weckt Erwartung, Gnade empfangen zu dürfen (Spr 16:15). Denn unsere Rechtfertigung gründet nicht in uns selbst, sondern allein in Gottes Gnade (Eph 2:8).

Das Angesicht, das sich erhebt, deutet darauf hin, dass Gott uns nicht übersieht, sondern sich uns zuwendet. Es ist das Bild eines Königs, der sein Haupt hebt, um einem Menschen Aufmerksamkeit und Annahme zuzusprechen. So wird der zugesagte Frieden als Geschenk empfangen, das aus Gottes Nähe hervorgeht (Joh 14:27). Wer Gottes Gnade und Zuwendung erkannt hat, wird mit einem wohltuenden Frieden erfüllt, der alles Denken übersteigt (Phil 4:7).

Nicht zuletzt deshalb spricht Paulus in seinen Briefen immer wieder ein Grußwort aus: “Gnade und Friede (ist oder sei) mit euch” (Röm 1:7). Wer seine Gnade erfahren durfte, dem ist im Herzen ein Licht aufgegangen – die Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes auf dem Angesicht Jesu Christi (2Kor 4:6).

Gebet: Treuer himmlischer Vater, ich danke dir von ganzem Herzen für deine liebevolle Zuwendung und für das Geschenk deiner Gnade und deines Friedens. Erleuchte uns immer wieder neu mit deinem Angesicht, damit wir mit der Erkenntnis deiner Herrlichkeit erfüllt werden. Danke, dass du mehr tust, als wir bitten und verstehen können. Amen.

Mittwoch, 6. Mai 2026

von Daniel Muhl

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Tränen sind nicht das Ende

Sie werden weinend kommen, aber ich will sie trösten und leiten. Ich will sie zu Wasserbächen führen auf ebenem Wege, auf dem sie nicht straucheln; denn ich bin Israels Vater.

Jeremia 31,9

Christus hat in den Tagen seines irdischen Lebens Bitten und Flehen mit lautem Schreien und mit Tränen vor den gebracht, der ihn aus dem Tod erretten konnte; und er ist erhört worden, weil er Gott in Ehren hielt.

Hebräer 5,7


Die beiden Bibelstellen zeigen eine tiefe Wahrheit: Gott lässt Tränen zu – aber er lässt sie nicht das letzte Wort behalten. Wie es einmal treffend formuliert wurde:

Ein Ende, das nicht gut ist, ist nicht das Ende.

Manch einer mag einwenden, dass etliche in großer Not und Verzweiflung gestorben sind und für sie das Ende alles andere als gut war. Diese Aussage trifft zu, wenn man nur die irdische Existenz vor Augen hat.

Am Beispiel des reichen Mannes und des armen Lazarus in Lukas 16 beschreibt Jesus genau einen solchen Fall (Lk 16:19-22). Das Ende seines irdischen Lebens war für den armen Lazarus kein Happy End, während der reiche Mann im Wohlstand starb. Erst nach dem Sterben änderte sich die Situation grundlegend: Der arme Lazarus wurde auf dem „Schoß Abrahams“ getröstet (vgl. Lk 16:25) und durfte so eine Wiedergutmachung seines schweren Schicksals erfahren.

Die ersten Verse von Jeremia 31 beschreiben die wunderbare Wiederherstellung Israels und Judas. In Vers 8 verheißt der HERR, dass er sein Volk aus dem Land des Nordens und vom äußersten Ende der Erde zurückführen wird. Diese außergewöhnliche Sammlung ist für sich schon ein großes Wunder. Hinzu kommt, dass Blinde und Lahme, Schwangere und Gebärende von Gott in das verheißene Land zurückgeführt werden; denn normalerweise sind gerade sie nicht in der Lage, eine solche Reise anzutreten. Aber sie kommen, und dann heißt es:

Mit Weinen kommen sie, und unter Flehen führe ich sie. Ich bringe sie zu Wasserbächen auf einem ebenen Weg, auf dem sie nicht straucheln; denn ich bin Israel zum Vater geworden, und Ephraim ist mein Erstgeborener“ (Jer 31:9).

Das „Weinen und Flehen“ bringt mehrere Aspekte zum Ausdruck:

  • den unsagbaren Schmerz, den sie im Exil erlebt haben (vgl. Jer 31:15)
  • das Berührtsein von der Tatsache, dass der Gott Israels seine Versprechen erfüllt hat (Jer 31:16)
  • das Flehen, das auch Buße beziehungsweise eine innere Umkehr andeutet (Jer 31:18). Den hebr. Begriff tachanun könnte man wörtlich mit „Anrufen der Gnade“ übersetzen.

Berührend ist auch, dass Gott sie zu Wasserbächen führt und auf einem ebenen Weg leitet, sodass sie nicht straucheln, sondern ins verheißene Land zurückkehren. Was für ein Ausdruck göttlicher Gnade! Die lange Zeit des schmerzhaften Exils geht endlich zu Ende. Dieser Heimholungsprozess fand nach dem babylonischen Exil statt. In der jüngeren Geschichte durften wir ihn erneut miterleben, als Juden aus aller Welt wieder ins Land Israel zurückkehren konnten. Noch ist dieser Prozess nicht abgeschlossen, doch der Tag wird kommen, an dem Gott sein Volk vollständig zusammenführt (vgl. Jes 11:11).

Dieses „Flehen unter Tränen zu Gott“ ist nicht nur etwas, das Menschen erfahren. Auch der Sohn Gottes selbst – der wahre König Israels – durchlitt diesen schmerzhaften Prozess. Neben dem Sterben am Kreuz gehörte der Gebetskampf im Garten Gethsemane zu den schwersten Stunden Jesu (vgl. Mt 26:36).

Doch sein Bitten und Flehen mit starkem Geschrei und Tränen wurde erhört (Hebr 5:7). Seine Tränen waren nicht das Ende, sondern führten zur herrlichen Auferstehung aus den Toten (vgl. 1Kor 15:20) und zu seiner Himmelfahrt (vgl. Apg 1:9). Seitdem sitzt er zur Rechten des himmlischen Vaters (vgl. Hebr 10:12) und wartet sehnsüchtig auf den Tag, an dem er seine Gemeinde zu sich ins Vaterhaus holen darf (vgl. Joh 14:2).

Am Ende wird Gott jede Träne abwischen, und es wird eine unaussprechliche Freude sein (Offb 21:4).

Gebet: Danke, Herr Jesus, dass du ein Ende der Tränen und des Leids verheißen hast und dass wir uns auf dein baldiges Wiederkommen freuen dürfen. Ja, komme bald! Amen.

Donnerstag, 7. Mai 2026

von Daniel Muhl

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HERR, frühe wollest du meine Stimme hören, frühe will ich mich zu dir wenden und aufmerken.

Psalm 5,4

Am Morgen, noch vor Tage, stand Jesus auf und ging hinaus. Und er ging an eine einsame Stätte und betete dort.

Markus 1,35

Morgenstund hat Gold im Mund

Das Sprichwort „Morgenstund hat Gold im Mund“ ist seit dem 16. Jahrhundert bekannt. Bereits 1497 verwendete Erasmus von Rotterdam den lateinischen Satz „Aurora habet aurum in ore“ – „Die Morgenröte hat Gold im Mund“. Vermutlich geht er auf „aurora musis amica“ zurück – „Die Morgenstunde ist die Freundin der Musen“. „Muse haben“ bedeutet, Ruhe und Zeit zu besitzen. (Ps 90:14)

Gilt das wirklich für alle? Die Wissenschaft unterscheidet zwischen „Lerchen“ und „Eulen“. Frühaufsteher sind morgens oft besonders leistungsfähig, während Abendmenschen später am Tag aufblühen. Studien zeigen, dass Menschen, die morgens aktiv sind, häufig proaktiver handeln und bessere Leistungen erzielen. Gleichzeitig kommen vielen kreativen Menschen ihre besten Ideen erst am Abend. (Pred 3:1)

Vielleicht liegt das „Gold“ der Morgenstunde deshalb nicht nur in der Uhrzeit, sondern darin, bewusst den Tag mit Gott zu beginnen – in Ruhe, mit offenen Gedanken und einem hörenden Herzen.

Wenn ich gefragt werde, ob ich meine Andachten am Vorabend oder in der Frühe schreibe, antworte ich: In den meisten Fällen entstehen sie tatsächlich am selben Tag früh am Morgen. Der HERR weckt mich ziemlich regelmäßig zwischen 3:30 und 4:00 Uhr, ohne dass ich einen Wecker stelle.

Etliche sind darüber erstaunt und denken vielleicht: „Ach so, Daniel gehört also zu den Frühaufstehern!“ Tatsache ist jedoch, dass das erst seit zwei Jahren so ist und dass mir das frühe Aufstehen viel eher Qual als Freude ist. In der Regel sind nur die ersten zwei bis drei Minuten wirklich mühsam. Sobald ich mit dem Beten beginne, schwindet die bleierne Müdigkeit – zwar nicht immer, aber meistens. (Jes 40:31)

Von Natur aus bin ich also eine „Eule“, ein Spätaufsteher, und Ausschlafen empfand ich immer auch als eine Art „Lebensqualität“. Wenn Gott einem jedoch eine neue Aufgabe gibt, schenkt er auch eine neue Kraft, die man zuvor so nicht kannte. (2Kor 12:9)

Sowohl David als auch Jesus kannten die Kostbarkeit der Stille und Ruhe am Morgen. David wandte sich früh zu Gott, richtete den Blick seiner Herzensaugen auf ihn, betete ihn an, freute sich über die Möglichkeit, Gemeinschaft mit ihm zu haben, legte ihm seine Anliegen hin und wartete auf Gottes Antwort. (Ps 63:2)

Auch wenn Gott nicht am selben Tag antwortet, darf man trotzdem voller Zuversicht wissen: Gott antwortet genau zum richtigen Zeitpunkt – dann, wenn wir es brauchen und bereit dafür sind.

Jesus hatte meist einen sehr „arbeitsreichen Tag“ vor sich. Das Predigen, das Heilen und die vielen Begegnungen mit Menschen kosteten viel Kraft. Darum suchte er in der Frühe die Stille, um mit seinem himmlischen Vater intensive Gemeinschaft zu haben. Vielleicht fiel ihm das frühe Aufstehen auch nicht leicht, aber die Gemeinschaft mit seinem Vater war für ihn ziemlich sicher die schönste Zeit des Tages – auch wenn seine Gebetszeit vermutlich, wie bei uns, ebenfalls angefochten war.

Gebet ist keine „Restzeit“, sondern Anfang und Fundament. Es stärkt uns und richtet unseren Blick auf den Einen, der alles in seinen Händen hält, sodass wir voller Vertrauen in den Tag starten können. (Spr 3:5 / Eph 6:18)

Gebet: Vater im Himmel, danke, dass ich am Morgen zu dir kommen darf. Richte mein Herz neu auf dich aus, bevor der Tag mich in Beschlag nimmt. Lehre mich zu beten und aufmerksam zu warten, statt nur zu reden. Schenke mir heute Momente der Stille und zeige mir klare Schritte im Vertrauen auf dich. Amen.

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