1Jo 2:21

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Grundtexte

GNT 1Jo 2:21 οὐκ ἔγραψα ὑμῖν ὅτι οὐκ οἴδατε τὴν ἀλήθειαν ἀλλ’ ὅτι οἴδατε αὐτήν καὶ ὅτι πᾶν ψεῦδος ἐκ τῆς ἀληθείας οὐκ ἔστιν
REC 1Jo 2:21 οὐκ +3756 ἔγραψα +1125 ὑμῖν +5213, ὅτι +3754 οὐκ +3756 οἴδατε +1492 τὴν +3588 ἀλήθειαν +225, ἀλλ +235 ὅτι +3754 οἴδατε +1492 αὐτὴν +846, καὶ +2532 ὅτι +3754 πᾶν +3956 ψεῦδος +5579 ἐκ +1537 τῆς +3588 ἀληθείας +225 οὐκ +3756 ἔστι +2076.

Übersetzungen

ELB 1Jo 2:21 Ich habe euch nicht geschrieben, weil ihr die Wahrheit nicht kennt, sondern weil ihr sie kennt und [wißt], daß keine Lüge aus der Wahrheit ist.
KNT 1Jo 2:21 Nicht schreibe ich euch, weil ihr die Wahrheit nicht wißt, sondern weil ihr sie wißt, und daß keinerlei Lüge aus der Wahrheit ist.
ELO 1Jo 2:21 Ich habe euch nicht geschrieben, weil ihr die Wahrheit nicht wisset, sondern weil ihr sie wisset, und daß keine Lüge aus der Wahrheit ist.
LUO 1Jo 2:21 Ich habe euch +5213 nicht +3756 geschrieben +1125 (+5656), als +3754 wüßtet +1492 (+5758) ihr die Wahrheit +225 nicht +3756; sondern +235 +3754 ihr wisset +1492 (+5758) sie +846 und +2532 wisset, daß +3754 keine +3956 +3756 Lüge +5579 aus +1537 der Wahrheit +225 kommt +2076 (+5748).
PFL 1Jo 2:21 Nicht schrieb ich euch, weil ihr nicht wüßtet die Wahrheit, sondern weil ihr sie wißt und weil jegliche Lüge aus der Wahrheit nicht ist.
SCH 1Jo 2:21 Ich habe euch nicht geschrieben, als kenntet ihr die Wahrheit nicht, sondern weil ihr sie kennet und weil keine Lüge aus der Wahrheit kommt.
MNT 1Jo 2:21 Nicht schrieb +1125 ich euch, weil ihr nicht wißt +1492 die Wahrheit, +225 sondern weil ihr sie wißt +1492 und weil jede +3956 Lüge +5579 nicht aus der Wahrheit ist.
HSN 1Jo 2:21 Ich habe euch nicht geschrieben, weil ihr die Wahrheit nicht kennt, sondern weil ihr sie kennt und [wisst], dass keine Lüge aus der Wahrheit hervorgeht.
WEN 1Jo 2:21 Ich schrieb euch nicht, weil ihr die Wahrheit nicht wahrnehmt, sondern weil ihr sie wahrnehmt, und weil jegliche Lüge nicht aus der Wahrheit ist.

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Erste Gedanken

Informationen

🪔 Wahrheit befreit – Lüge bindet (2Mo 20:16 / 1Jo 2:21) (D. Muhl)

Interlinear-Übersetzung

Grundtext Transliteration Übersetzung Strong-Nr.
οὐκ ouk nicht G3756
ἔγραψα egrapsa ich schrieb, ich habe geschrieben G1125
ὑμῖν hymin euch G5213
ὅτι hoti weil, dass G3754
οὐκ ouk nicht G3756
οἴδατε oidate ihr kennt, ihr wisst G1492
τὴν tēn die G3588
ἀλήθειαν alētheian Wahrheit G225
ἀλλ' all' sondern G235
ὅτι hoti weil, dass G3754
οἴδατε oidate ihr kennt, ihr wisst G1492
αὐτήν autēn sie G846
καὶ kai und G2532
ὅτι hoti dass G3754
πᾶν pan jede, alle G3956
ψεῦδος pseudos Lüge, Falschheit G5579
ἐκ ek aus G1537
τῆς tēs der G3588
ἀληθείας alētheias Wahrheit G225
οὐκ ouk nicht G3756
ἔστιν estin ist G2076

Versanalyse & Erläuterungen

Grundtextanalyse

Zeitform und Modus:

  • ἔγραψα (egrapsa) - Aorist Indikativ Aktiv, 1. Person Singular: "Ich schrieb" - Der Aorist betont die abgeschlossene Handlung des Schreibens. Johannes verweist auf sein bereits verfasstes Schreiben.
  • οἴδατε (oidate) - Perfekt Indikativ Aktiv, 2. Person Plural (2x im Vers): "Ihr kennt/wisst" - Das Perfekt drückt einen gegenwärtigen Zustand aus, der aus einer vergangenen Handlung resultiert. Die Leser haben die Wahrheit kennengelernt und besitzen dieses Wissen jetzt.
  • ἔστιν (estin) - Präsens Indikativ Aktiv, 3. Person Singular: "ist" - Eine zeitlose Wahrheit wird ausgedrückt.

Schlüsselbegriffe:

  • ἀλήθεια (alētheia) - Wahrheit: Ein zentraler Begriff im johanneischen Schrifttum. Im NT bezeichnet "Wahrheit" die göttliche Wirklichkeit, wie sie in Jesus Christus offenbart ist (Joh 14:6). Die Wahrheit steht im Gegensatz zur Lüge und Finsternis (Joh 8:44).
  • ψεῦδος (pseudos) - Lüge/Falschheit: Bezeichnet nicht nur falsche Aussagen, sondern grundsätzlich das Unwahre, das dem Wesen Gottes widerspricht. Im Kontext des 1. Johannesbriefes bezieht sich dies besonders auf falsche Lehren über Christus (1Jo 2:22; 1Jo 4:1-3).
  • οἴδατε (oidate) - kennen/wissen: Dieses Verb (von οἶδα, oida) bezeichnet ein intuitives, sicheres Wissen. Es ist mehr als intellektuelles Wissen - es ist eine innere Gewissheit, die aus der Gemeinschaft mit Gott kommt.

Grammatische Struktur:

  • Der Vers enthält eine doppelte ὅτι (hoti)-Konstruktion: Johannes erklärt zunächst negativ, warum er nicht schreibt ("nicht weil ihr die Wahrheit nicht kennt"), dann positiv, warum er doch schreibt ("sondern weil ihr sie kennt").
  • Die Formulierung "πᾶν ψεῦδος" (pan pseudos - "jede Lüge/alle Lüge") betont die Totalität: Es gibt keine Ausnahme - keinerlei Lüge hat ihren Ursprung in der Wahrheit.
  • "ἐκ τῆς ἀληθείας" (ek tēs alētheias - "aus der Wahrheit") - Die Präposition ἐκ (ek) bezeichnet den Ursprung oder die Quelle. Wahrheit und Lüge haben völlig unterschiedliche Quellen.

Hintergrundinformationen

Historischer Kontext:

Der 1. Johannesbrief wurde wahrscheinlich gegen Ende des 1. Jahrhunderts n. Chr. verfasst, als die Gemeinden mit frühen gnostischen Irrlehren konfrontiert wurden. Diese Irrlehrer behaupteten, besonderes Wissen (griech. γνῶσις, gnōsis) zu besitzen, stellten aber grundlegende christliche Wahrheiten in Frage, besonders die Menschwerdung Christi (1Jo 4:2-3).

Theologischer Hintergrund:

  • Die Gewissheit der Gläubigen: Johannes schreibt nicht, um seine Leser zu belehren, als wüssten sie nichts, sondern um das zu bestätigen, was sie bereits wissen. Dies zeigt das Vertrauen des Apostels in die Erkenntnis, die durch den Heiligen Geist gewirkt wird (1Jo 2:20, 27; Joh 14:26).
  • Wahrheit und Lüge als unvereinbare Gegensätze: In der johanneischen Theologie gibt es eine klare Dualität zwischen Licht und Finsternis, Wahrheit und Lüge, Gott und dem Teufel (Joh 8:44; 1Jo 1:5-7). Der Teufel ist "der Vater der Lüge" (Joh 8:44), während Jesus selbst "die Wahrheit" ist (Joh 14:6).
  • Salbung und Erkenntnis: Die vorausgehenden Verse sprechen von der "Salbung" (χρίσμα, chrisma), die die Gläubigen empfangen haben (1Jo 2:20). Diese Salbung - ein Bild für den Heiligen Geist - befähigt sie, Wahrheit von Lüge zu unterscheiden (1Kor 2:10-16).

Praktische Bedeutung:

  • Prüfung der Lehre: Die Gläubigen haben die Verantwortung und Fähigkeit, Lehren zu prüfen (1Thes 5:21; 1Jo 4:1). Sie sind nicht blind abhängig von anderen, sondern können durch die innere Salbung des Geistes selbst erkennen, was wahr ist.
  • Unvereinbarkeit: Der absolute Ausschluss ("keine Lüge ist aus der Wahrheit") zeigt, dass es keine Vermischung oder Kompromisse zwischen göttlicher Wahrheit und Irrlehre geben kann. Dies ist besonders relevant in einer Zeit, in der religiöser Synkretismus und Relativismus zunehmen.
  • Ermutigung: Der Vers ermutigt die Gläubigen in ihrer Erkenntnis. Johannes bestätigt, dass sie auf dem richtigen Weg sind und die Wahrheit bereits kennen - sie brauchen nur dabei zu bleiben (1Jo 2:24).

Verbindung zum Johannesevangelium:

Die Betonung der Wahrheit im 1. Johannesbrief entspricht dem Johannesevangelium, wo "Wahrheit" ein Leitthema ist. Jesus ist die Wahrheit (Joh 14:6), die Wahrheit macht frei (Joh 8:32), und wahre Anbeter beten in Geist und Wahrheit an (Joh 4:23-24). Der Heilige Geist ist der "Geist der Wahrheit" (Joh 14:17; 15:26; 16:13).

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