Nicht ohne Dich!

Aus Bibelwissen

Sonntag, 29. März 2026 - Palmsonntag – Von Daniel Muhl

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Mose sprach zu dem HERRN: Wenn nicht dein Angesicht vorangeht, so führe uns nicht von hier hinauf.

2.Mose 33,15

Sie nahmen Palmzweige und gingen hinaus Jesus entgegen und schrien: Hosianna! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn, der König von Israel!

Johannes 12,13


Wenn der allmächtige Retter für uns ist und uns jederzeit zur Seite steht, ist das ein unbezahlbares Privileg (Röm 8:31). Es übertrifft jeden menschlichen Schutz, selbst den eines mächtigen Staatsoberhauptes. Was auch immer geschieht: Dieser Retter hat alles im Griff und kann uns selbst aus den unmöglichsten Situationen befreien (Ps 46:2 / Jes 43:2).

Als das Volk Israel durch die Wüste zog, hatten sie diesen Retter bei sich (2Mo 33:14). Damals machte er sich durch die Wolkensäule, die sogenannte Schechina, und die Feuersäule sichtbar (2Mo 13:21-22). In Johannes 12 war er in der Person Jesu anwesend (Joh 1:14).

Trotz dieses unfassbaren Vorrechts gab es in beiden Fällen ein schwerwiegendes Problem: Die Gegenwart des HERRN erfüllte nicht die menschlichen Erwartungen (Jes 55:8-9). Gott und seine Vertreter verhielten sich nicht so, wie man es von ihnen erwartete. Nebenbei bemerkt: Würde er das tun, wäre er eher ein Geldautomat als ein allwissender Gott, der tausendmal besser weiß, was gut für uns ist, als wir selbst (Röm 11:33).

Mose, der als Mittler zwischen Gott und dem Volk fungierte, war schon viele Tage auf dem Berg (2Mo 24:18). Immer mehr Menschen befürchteten, dass er vielleicht nicht mehr am Leben sei, denn aus menschlicher Sicht konnte niemand mehrere Tage ohne Wasser in der Wüste überleben (Ps 63:2). Durch seine Abwesenheit fehlte dem Volk der sichtbare Vertreter Gottes. Das machte sie nervös, und deshalb mussten unbedingt Ersatzgötter her. Sie bedrängten Aaron mit den Worten:

Mache uns Götter, die vor uns herziehen! Denn dieser Mose, der Mann, der uns aus dem Land Ägypten heraufgeführt hat – wir wissen nicht, was ihm geschehen ist.” (2Mo 32:1)

Diese Treulosigkeit Gott gegenüber hätte beinahe dazu geführt, dass Gott sein Volk ausgelöscht hätte (2Mo 32:10). Etwas später sagte der HERR:

“… ich werde einen Engel vor dir hersenden und die Kanaaniter … vertreiben – in ein Land, das von Milch und Honig fließt; denn ich werde nicht in deiner Mitte hinaufziehen, denn du bist ein hartnäckiges Volk, dass ich dich nicht vernichte auf dem Weg.”

Für Mose war klar: Wir brauchen nicht nur einen Weg aus der Wüste, sondern die Gegenwart Gottes (2Mo 33:14). Ohne das Angesicht Gottes, das die Gegenwart des HERRN symbolisiert, ist das Ziel leer (Ps 16:11). Darum sagte er zum HERRN: “Wenn nicht dein Angesicht vorangeht, so führe uns nicht von hier hinauf.” (2Mo 33:15)

Zur Zeit Jesu war Gott weder durch die Schechina noch durch einen vermittelnden Propheten gegenwärtig, sondern in seinem Sohn, dem fleischgewordenen Wort Gottes (Joh 1:14 / Kol 2:9). Als Jesus unter dem Jubel des Volkes auf einem Eselsfüllen in Jerusalem einzog, glaubten viele, er sei der verheißene Messias. Deshalb riefen sie in Anlehnung an Psalm 118:25-26: “Hosianna! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn, der König von Israel!” (Joh 12:13)

Aber auch da wurde vom Messias etwas anderes erwartet als das, was er tun wollte (Jes 55:8). Viele erwarteten, dass er jetzt endlich mit Macht eingreift, die Römer vertreibt, Israel politisch wieder aufrichtet und das Reich Gottes sichtbar und triumphal aufrichtet (Apg 1:6). Sie wollten einen König, der ihre äußeren Feinde besiegt, ihre nationale Ehre wiederherstellt und ihre Probleme sofort löst.

Doch Jesus kam, um zuerst etwas viel Tieferes zu tun: Er kam nicht primär, um eine politische Ordnung zu ändern, sondern um die Wurzel allen Elends zu treffen – die Sünde, die Trennung von Gott und die Schuld, die jeden Menschen bindet (Röm 3:23 / Jes 59:2). Darum ritt er nicht auf einem Kriegspferd, sondern auf einem Eselsfüllen: ein König der Sanftmut, der sich nicht nimmt, sondern gibt, der nicht herrscht, indem er tötet, sondern indem er sein Leben hingibt (Sach 9:9 / Mk 10:45).

So führte sein Weg nicht zuerst in den Palast, sondern ans Kreuz (Phil 2:8). Und genau dort – in der scheinbaren Niederlage – geschah die eigentliche Rettung: Versöhnung mit Gott, Vergebung der Schuld und ein neues Leben aus der Kraft des Heiligen Geistes (2Kor 5:18 / Eph 1:7 / Tit 3:5).

Durch unseren Herrn Jesus Christus haben wir den allmächtigen Retter auf unserer Seite (Röm 8:31). Wenn wir ihn lieben, müssen uns auch alle Geschehnisse zum Besten dienen (Röm 8:28). Jede Person, die ihr Leben dem Herrn Jesus Christus anvertraut hat, durfte das Geschenk des Heiligen Geistes empfangen – unabhängig davon, ob dabei etwas zu fühlen ist oder nicht (Eph 1:13). Durch den Heiligen Geist wohnt Christus in unseren Herzen; das ist weit mehr, als wenn er uns nur zur Seite stünde (Eph 3:16).

Darum bleibt für mich nur eine Schlussfolgerung – und vielleicht auch für dich:

Nicht ein Leben mit möglichst wenig Problemen ist das Ziel, sondern ein Leben in seiner Gegenwart. (Ps 73:28)

Nie mehr ohne den Herrn Jesus Christus.