Jesajas Berufung zum Propheten - ein Blick in die Himmelswelt - Jes 6:1-13

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aus HSA: Verkündiger von Gericht und Heil nach Jesaja (1-39) Bd.1


Jesajas Berufung zum Propheten - ein Blick in die Himmelswelt - Jes 6:1-13

Wäre das Jesajabuch eine Erzählung, so hätte man wohl die Berufung des Propheten an den Anfang gestellt. Warum erscheint der Bericht erst in Kapitel Jes 6? - Offenbar lag dem Geist Gottes daran, der die heiligen Schriften eingegeben hat, gleich zu Anfang dieses prophetischen Buches dessen Botschaft klar und scharf umrissen hervortreten zu lassen: Gottes Anklage, Bußruf, Gerichtsankündigungen und Heilsverheißungen. Die Botschaft hat Vorrang vor der Person.

Das Todesjahr des Königs Usija war ungefähr das Jahr 740 v.Chr. Der Ausleger F. Delitzsch deutet es als das Jahr einer "verhängnisvollen Wendung": "Usija regierte 52 Jahre lang. Diese Zeit war für das Reich Juda eine Zeit machtvollen und glücklichen Friedens." Aber das Volk dankte Gott für seine Güte nicht. "Da trat in dem Verhältnis Jahwes zu Israels die verhängnisvolle Wendung ein." Im Todesjahr Usijas "ward Israel als Volk der Verstockung und Israel als Masse, als Reich und Land der Vernichtung und Verwüstung durch das Weltreich preisgegeben". Diese harte Botschaft zu verkündigen, war ein Teil des göttlichen Auftrags an Jesaja.

Zunächst aber muss Jesaja - wie jeder, der berufen wird, Gott zu dienen - Sündenerkenntnis und Sündenvergebung erlangen. Ihm wird ein einzigartiger Blick in die Himmelswelt zuteil; er sieht den König, Jahwe der Heerscharen. (Nach Joh 12:4) schaute er Jesus.) Der Vater, der sich im Sohn offenbart, ist der dreimal Heilige (Jes 6:3 - vgl. Offb 4:8), dessen Herrlichkeit die ganze Erde erfüllt. "Gott ist in sich der Heilige, d.h. Abgeschiedene, Jenseitige, Überweltliche, schlechthin Lichte, trübungslos Reine und Volkommene. Seine Herrlichkeit ist, wie Oetinger und Bengel es treffend formuliert haben, seine aufgedeckte Heiligkeit, wie seine Heiligkeit seine zugedeckte verborgene Herrlichkeit ist" (F. Delitzsch).

Während von den cherubim in der Heiligen Schrift des Öfteren die Rede ist (1Mo 3:24 - Ps 18:11 - Ps 80:2 - Hes 10:1-9 u.) spricht Gottes Wort von den Serafin nur hier in Jes 6:2 - Jes 6:6. Ihr Name bedeutet "Brennende" oder "Verbrennende". Einer der Serafinm berühr Jesajas Mund mit einer glühenden Kohle. Er "tut also hier, was sein Name besagt: er verbrennt, aber nicht in verderbender Weise, sondern in heilsamer: er brennt hinweg" (F. Delitzsch). Es ist ein Handeln, das aus der reinigenden, vergebenden Liebe Gottes hervorgeht.

Jes 6:9.10 wird im Neuen Testament in Mt 13:13-15 - Joh 12:39.40 - Apg 28:25-27 zitiert; der Gedanke des heiligen Restes (Jes 6:13) findet sich auch in Jes 7:3 - Jes 10:21 und Röm 11:2-5.