Wie ist Gott?

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Wie finde ich einen Zugang zur Bibel?


Von Daniel Muhl

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Die Bibel und unser "Bauchgefühl"

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Unsere Gefühle gegenüber der Bibel sind zeitweise sehr ambivalent. Wer anfängt die Bibel zu lesen und die Worte an sich herankommen lässt, erlebt normalerweise ein Wechselbad der Gefühle! Je nachdem wo man im Leben selbst steht, freut man sich über das Gelesene oder man ärgert sich daran. Zeitweise findet man die Bibel total spannend aber dann kommen immer wieder Abschnitte, die uns langweilen! In der Bibel begegnen wir Menschen und Geschichten, die wir sehr gut verstehen können, dann aber treffen wir auch auf Textpassagen, die total unverständlich sind. Wir lesen in der Bibel, dass Gott die Liebe ist und dass Er unser Vater ist, aber dann finden wir auch Stellen, die uns den Eindruck eines rächenden, zornigen und unbarmherzigen Gottes vermitteln!

Immer wieder strahlt uns in der Bibel ein gnädiger und barmherziger Gott entgegen, dann aber finden wir auch Textabschnitte, wo die Bibel unheimliche Forderungen an uns stellt, bei denen wir uns total überfordert fühlen. "Du sollst, du musst, du darfst nicht, vergiss nicht, beachte dies und jenes, tue Gutes, sei demütig, sei bescheiden, sei enthaltsam usw. usf." Der ehrliche Bibelleser kommt dadurch nicht selten zu dem scheinbar logischen Schluss: "Das Leben ist total anstrengend und ich fühle mich in der Berufswelt, in der Familie sowie in der Gesellschaft ständig überfordert, sodass ich ständig das Gefühl habe, nicht genügen zu können. Darum ist meine Seele schlichtweg überfordert, wenn sie aus der Bibel auch noch den Eindruck vermittelt bekommt, dem Allmächtigen nicht genügen zu können, sodass Er mich aufgrund dessen nur noch verdammen kann.“ Diese Aussage ist unter Umständen sehr ehrlich und Ehrlichkeit kommt bei unserem Gott immer gut an! Aber diese Aussage offenbart ein falsches Gottesbild! Diese Aussage enthält viel Wahrheit und eine Lüge, die aus einer falschen Schlussfolgerung entstanden ist:

  1. Es ist oft so, dass unser Leben sehr anstrengend ist und wir uns ausgelaugt fühlen.
  2. Es gibt bei den meisten Menschen auch Zeiten, wo sie sich überfordert fühlen.
  3. Dadurch entsteht das Gefühl, in vielen Bereichen nicht mehr genügen zu können.
  4. Wenn man die Anforderungen der Bibel „an uns Menschen“ erkannt hat, dann kommt man zu dem Schluss, dass wir Menschen den Anforderungen Gottes unmöglich genügen können (sofern wir ehrlich sind). Das ist richtig und stimmt auch.
  5. Und jetzt kommt die Lüge, die uns der Feind Gottes durch eine falsche Schlussfolgerung einflößt: „Weil wir Gott nicht genügen können, wird Er uns in die Hölle verdammen!“

Satan operiert sehr oft mit scheinbar logischen Schlussfolgerungen, um uns für eine Lüge empfänglich zu machen.
Ich möchte versuchen, diese ganze Problematik aus der Sicht Gottes zu beleuchten: Der Allmächtige hat uns als Menschen in Seinem Bild geschaffen. Er sieht, dass wir unter der Sünde geboren wurden (Ps 51:7) und dass die Sünde in uns wohnt (Röm 7:17). Er sieht auch, dass wir oft böse Dinge tun, die wir aber nicht tun wollen (Röm 7:19). In Röm 11:32 stellt Paulus sogar fest, dass alle in den Ungehorsam eingeschlossen wurden.
Unser Gott kennt unser Problem viel besser als wir und Er versteht uns auch viel besser, als wir uns selbst. Wir verstehen oft nicht, weshalb wir Dinge tun, die wir eigentlich gar nicht wollen. Er versteht das durch und durch und Er ist absolut barmherzig! Er ist unfassbar barmherzig und darum konnte Paulus auch feststellen, dass Gott sich aller erbarmt, die im Ungehorsam eingeschlossen sind oder waren (Röm 11:32).
Aber warum lesen wir in der Bibel auch von unbarmherzigen Gerichten und von einem Gott, der sich rächt? Warum konfrontiert Jesus einen vorbildlichen, reichen und jungen Mann mit einer Forderung, die für ihn zu schwer ist, sodass dieser den Anforderungen Gottes nicht genügen kann, währenddem die Zöllner, die Huren und die Sünder scheinbar ganz einfach gerettet werden?
Ich möchte uns noch einmal in den Standpunkt Gottes hineinversetzen:
Der Allmächtige hat uns im Mutterleib gebildet, geformt und Er hat uns mit allen Gaben und Befähigungen ausgestattet, die wir haben. Er hat unser Gesicht gestaltet, Er hat uns die Intelligenz geschenkt, Er hat uns in das Umfeld gestellt, indem wir aufgewachsen sind! Was haben wir dazu beigetragen, dass wir nicht als Kind in den indischen Slums aufgewachsen sind, wo uns die Eltern wegen bitterer Armut vielleicht gar nicht in die Schule hätten schicken können? Gibt es irgendetwas, das uns letztlich nicht geschenkt wurde oder das wir nicht von unserem Gott empfangen durften? Man kann vielleicht sagen, dass man fleißig war und in der Schule viel gelernt hat, dass man ehrgeizig war, viel gearbeitet hat und deshalb auch so erfolgreich ist. Aber ist es nicht auch ein Geschenk Gottes, dass wir die seelische Grundkonstitution bekommen haben, mit der wir fleißig und wissbegierig sein konnten? Ich bin der ganz festen Überzeugung, dass alles nur ein Geschenk unseres Gottes ist. Alles, was wir sind und haben, hat Er uns ermöglicht!
Aber was machen wir Menschen damit? Wir bilden uns auf unsere Leistungen etwas ein. Besonders die Starken, die Erfolgreichen und Intelligenten erkennen sehr schnell, dass sie überdurchschnittlich sind und sie genießen ihren gesellschaftlichen Status! Er ist so angenehm, weil er das Selbstwertgefühl hebt! Die größere Ehre und Anerkennung ist etwas, das man nur ungern abgibt und deshalb hält man an dem gesellschaftlichen Wertesystem fest! Religiös „erfolgreiche Menschen“ denken nicht selten in Bezug auf sich selbst, dass sie Gott mehr zu bieten haben, als andere. Dadurch leben sie in der Vorstellung, dass Gott mit ihnen eigentlich zufrieden sein müsste und sie entsprechend belohnen sollte. Klar! Man ist nicht perfekt, aber wenn man sich im religiösen Bereich überdurchschnittlich viel bemüht und wenn das nicht ausreicht, wer soll dann vor Gott bestehen können (Lk 18:26)?
An diese Menschen, die von sich denken, mehr als andere geleistet zu haben und dadurch auch auf andere herabschauen, stellt Gott immer höhere Anforderungen! Jesus sagte einmal:

  • Mt 5:28 - Wer eine Frau ansieht, sie zu begehren, der hat schon mit ihr die Ehe gebrochen in seinem Herzen.

oder

  • Mt 5:22 - Wer mit seinem Bruder zürnt, der ist des Gerichts schuldig; wer aber zu seinem Bruder sagt: Du Nichtsnutz!, der ist des Hohen Rats schuldig; wer aber sagt: Du Narr!, der ist des höllischen Feuers schuldig.

Jesus hat hier die Gesetze des AT noch verschärft, um allen Selbstgerechten deutlich zu machen: „Ihr könnt dem Anforderungsprofil Gottes niemals gerecht werden! Jeder der meint, er könne mit seiner eigenen Leistung vor Gott gerecht werden, wird zwangsläufig scheitern! Alle, die mit ihrer eigenen Gerechtigkeit vor Gott bestehen wollen und glauben, sie hätten deswegen einen Anspruch auf das ewige Leben, werden früher oder später erkennen müssen: „Es reicht nie und nimmer aus! Ich bin verloren!“
An diesem Punkt stellt sich natürlich folgende Frage:

„Warum verunmöglicht uns Gott eine Erlösung durch eigene Anstrengung?“

Der Allmächtige sieht alles vom Ziel her! Das Ziel ist die vollkommene Liebe! Das Ziel ist, dass jeder aus der göttlichen Liebe heraus lebt! Ohne diese Liebe macht eine Ewigkeit absolut keinen Sinn! Diese vollkommene Liebe beinhaltet zuerst einmal die Liebe zu Gott, der gleichzeitig auch unser himmlischer Vater ist. Natürlich umfasst sie auch die Liebe zum Nächsten und zur gesamten Schöpfung! Sollte ein Geschöpf vor Gott treten können und sagen, „ich habe eine Gerechtigkeit ohne Dich, aus mir selbst erzeugt, mit der ich jetzt Anspruch auf ein endloses Leben habe“, dann wäre man nicht in der Wahrheit, weil man dann alles - was Gott uns zum Denken und Handeln gegeben hat - ignorieren würde und gleichzeitig wäre man dem Schöpfer gegenüber undankbar! Was für eine Lieblosigkeit!
Sollte ein Sohn vor seinen Vater treten und sagen, „ich habe mich vollkommen verhalten und deshalb habe ich eigenes ewiges Leben, ganz unabhängig von Dir“, wäre das ebenfalls nicht aus der Wahrheit und ebenso lieblos gegenüber seinem Vater!
Eine ewige Gerechtigkeit ohne Gott und ein ewiges Leben ohne den himmlischen Vater sowie eine endlose Liebe ohne Den, der die Liebe in Person ist, widerspricht jeglicher Logik! Weiter würde es dadurch auch an der Liebe zu Gott fehlen, der ja der Geber aller guten Gaben ist. Ohne diese Liebe macht keine Ewigkeit Sinn!
Genau vor diesem Hintergrund müssen wir die unerfüllbaren und unerreichbaren Anforderungen Gottes sehen. Der himmlische Vater hat sie nicht deswegen aufgestellt, um damit einen Großteil Seiner Geschöpfe ewig zu verdammen, sondern ganz einfach deshalb, damit wir erkennen, dass wir ohne Ihn und ohne Seine Liebe nie und nimmer eine erfüllte, friedvolle und glückselige Ewigkeit verbringen können. Ohne Ihn können wir auch gar nichts tun, was Ewigkeitswert besitzen würde! Durch unsere eigene Unfähigkeit lernen wir früher oder später, uns alles von Gott schenken zu lassen! Er schenkt uns Seine Gerechtigkeit, Seine Vollkommenheit, Seine Erlösung, Seine Rettung, Sein ewiges Leben, wenn wir eine lebendige Liebesbeziehung zu Ihm haben, die von einem ganz tiefen Vertrauen geprägt ist!
Wer dies verstanden hat, kann auch sämtliche Forderungen des Gesetzes und die hohen Anforderungen in der Bibel richtig einordnen. Nicht zuletzt deshalb schreibt Paulus:

  • Gal 3:24 - So ist das Gesetz unser Zuchtmeister gewesen auf Christus hin, damit wir durch den Glauben gerecht würden.

Die hohen Anforderungen des Gesetzes bewirken die Erkenntnis (wenn man ehrlich ist), dass man nicht in der Lage ist, aus eigener Kraft 100-prozentig aus der Liebe zu leben und dass wir das Vollendungsziel nur dann erreichen, wenn wir eine vertrauensvolle Liebesbeziehung zu unserem himmlischen Vater haben!
Die unbarmherzigen Stellen in der Bibel, wo von Rache, Zorn und Gericht die Rede ist, sind für die Unbarmherzigen, die Selbstsüchtigen, die Hochmütigen, die Hassenden und die Lieblosen bestimmt! Diese Stellen betreffen nicht diejenigen, die ihr Leben Gott übergeben haben, die aus einer Vertrauensbeziehung zum himmlischen Vater und zu Jesus Christus heraus leben! Es betrifft auch nicht diejenigen, die ein zerbrochenes Herz haben, weil sie gesündigt haben und ihr Leben ein einziger "Scherbenhaufen" ist, jetzt aber nur noch auf die Gnade Gottes hoffen! Die unbarmherzigen Stellen in der Bibel sind auch nicht für diejenigen bestimmt, die glauben, dass Jesus Christus für alle ihre Sünden gestorben ist, und wissen, dass ihnen dadurch die Gerechtigkeit und das Leben Gottes geschenkt wurde!