Vom geschaffenen Ebenbild zum Kind Gottes

Aus Bibelwissen

Donnerstag, 20. November 2025

🎵 Anhören · Von Daniel Muhl

Gott der HERR machte den Menschen aus Staub von der Erde und blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase. Und so ward der Mensch ein lebendiges Wesen.

1.Mose 2,7

Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir; sofern ich jetzt noch im Fleisch lebe, lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich für mich hingegeben hat.

Galater 2,20

Der Schöpfungsbericht und die Erschaffung des Menschen geben uns fundamental wichtige Anhaltspunkte für unser gesamtes Menschsein (1Mo 1:26-27). Wer den Ursprung seiner Existenz nicht kennt, dem fehlt die Orientierung für sein Leben — er weiß nicht, woher er kommt und wohin er geht. Ohne das Wissen um den Schöpfer erscheint das Leben als zufällige Abfolge von Geburt, Existenz und Tod. Was davor und danach kommt, bleibt dann ein Bereich endloser Theorien und Spekulationen. Mir ist durchaus bewusst, dass Atheisten oder Andersgläubige auch die biblische Darstellung als eine von vielen Spekulationen sehen. Doch es gibt starke Gründe dafür, dass die Bibel mit ihren 66 Büchern das Wort des allmächtigen Schöpfers ist (siehe mehr dazu: Realität und Einmaligkeit der Bibel).

Der Schöpfungsbericht zeigt uns, dass wir Menschen im Bilde Gottes geschaffen wurden (1Mo 1:27). Deshalb haben wir die Bestimmung, Gott in seinem Wesen widerzuspiegeln. Die gesamte Bibel offenbart, dass Gott die Liebe in Person ist — gerecht, voller Gnade, Güte und Barmherzigkeit (1Jo 4:8 / 2Mo 34:6). Daraus folgt: Wir sind als sein Ebenbild dazu bestimmt, Wesen der göttlichen Liebe zu werden.

Gott wusste von Anfang an, dass wir in einem Körper aus Fleisch und Blut das Endziel niemals erreichen würden. Doch in seiner Weisheit sah er, dass unser Weg auf dieser Erde — der durch Schwachheit und Sterben führt — eine wichtige Grundlage für die zukünftige Herrlichkeit im Reich Gottes bildet (Röm 8:18). Hier durchlaufen wir wertvolle Lernprozesse, in denen wir zu demütigen und barmherzigen Ebenbildern Gottes heranwachsen. Letztendlich gelangen wir jedoch nur durch eine Neuzeugung von Gott zur Gotteskindschaft und damit zum Ziel (Joh 3:3 / 1Petr 1:3).

In der Schöpfungsgeschichte lesen wir vom kreativen und gestaltenden Geist Gottes (hebr. ruach elohim), der alles ins Dasein rief (1Mo 1:2). Bei der Erschaffung des Menschen nahm Gott Staub aus dem Erdboden (hebr. adamah) und formte den Menschen (1Mo 2:7). Bildlich gesprochen könnte man sagen, dass Gott den Menschen bis in seine innerste Struktur hinein gestaltete — möglicherweise an dieser Stelle sogar die DNA des Menschen schrieb. Anschließend hauchte er ihm seinen Odem oder Hauch ein. Hier verwendet die Bibel das hebräische Wort Neschamah. Das deutet auf eine persönliche Lebensverbindung zwischen Gott und dem Menschen hin.

Durch den Hauch Gottes wurde der Mensch zu einer lebendigen Seele (1Mo 2:7). Was beim ersten Menschen durch den Odem Gottes begann, vollendet sich in Christus — durch den Heiligen Geist. Paulus nennt diesen Menschen den ersten Adam, während er Christus als den „letzte Adam" bezeichnet (1Kor 15:45). Christus, der letzte Adam — und somit der wahre Menschensohn — ist ein lebendigmachender Geist! Dies deutete Jesus bereits nach seiner Auferstehung an, als er seine Jünger anhauchte und sagte:

"Empfangt den Heiligen Geist!" (Joh 20:22)

An Pfingsten kam der Heilige Geist bleibend in sie (Apg 2:1-4). Dadurch nahm auch Jesus bleibend Wohnung in ihnen. Durch den Heiligen Geist und den Glauben wohnt Jesus Christus auch in uns — und so dürfen wir neugeborene Kinder Gottes sein (Joh 1:12 / Gal 4:6).

Was meint Paulus, wenn er schreibt: "Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir!" (Gal 2:20)? Er meint, dass sein alter, sündiger Mensch mit Christus am Kreuz gestorben ist (Röm 6:6). Nun führt er durch den Heiligen Geist ein neues Leben — nicht mehr bestimmt von seinem eigenen egoistischen Willen, sondern von Christus selbst. Das bedeutet nicht, dass Paulus als Person aufhört zu existieren. Vielmehr ist sein Leben nun völlig von der Gegenwart und dem Wirken Christi in ihm geprägt. Christus ist nicht nur ein Vorbild oder eine äußere Autorität. Er ist die innere Kraftquelle und der eigentliche Lebensinhalt von uns Gläubigen (Kol 3:4).

So führt uns Christus nicht nur in ein neues Leben, sondern auch in unsere wahre Identität als geliebte Kinder Gottes (1Jo 3:1). Das ist ein Geschenk seiner wunderbaren Gnade!