Der Glaube Jesu anstelle eines falschen Blickes (Jak 2:1-7)

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Von Daniel Muhl

🎥 Das königliche Gesetz nach Jak 2 - Video (D. Muhl, 23.03.22)
📓 Der Glaube Jesu und das königliche Gesetz oder ein toter Glaube (Jak 2:1-20) - PDF - (D. Muhl):

Der Jakobusbrief - Kapitel 2 (D. Muhl)
Der Glaube Jesu und das königliche Gesetz oder ein toter Glaube
📕 Der Glaube Jesu anstelle eines falschen Blickes (Jak 2:1-7)
📕 Mit oder ohne Liebe (Jak 2:8-13)
📕 Der unechte Glaube (Jak 2:14-20)

Auch wenn es zunächst nicht danach aussieht, so geht es im 2. Kapitel um nichts Geringeres als um den "Glauben Jesu" und somit auch um eine göttliche Herzenseinstellung, die uns in das Denken Gottes hineinführt! In den Versen 1-7 lesen wir in der Übersetzung von Heinz Schumacher Folgendes:

  • 1 Meine Brüder, haltet den Glauben an unseren Herrn der Herrlichkeit, Jesus Christus, frei vom Ansehen der Personen! 2 Denn wenn in eure Versammlung ein Mann mit goldenen Fingerringen [und] in prächtiger Kleidung hereinkommt, es kommt aber auch ein Armer in unsauberer Kleidung herein, 3 und ihr richtet eure Blicke auf den, der die prächtige Kleidung trägt, und sagt: „Du, setz dich bequem hierher“, zu dem Armen [aber] sagt ihr: „Du, stell dich dorthin oder setz dich unten an meinen Fußschemel hin“ – 4 macht ihr da nicht Unterschiede untereinander und seid Richter von übler Gesinnung geworden? 5 Hört [mir zu], meine geliebten Brüder: Hat sich nicht Gott die vor der Welt Armen auserwählt, dass sie reich seien im Glauben und Erben des Königreichs, das er denen verheißen hat, die ihn lieben? 6 Ihr aber habt den Armen seiner Ehre beraubt! [Sind es] nicht die Reichen, die euch gewalttätig behandeln, und schleppen nicht sie euch vor die Gerichte? 7 Lästern nicht sie den guten Namen, der über euch ausgesprochen worden ist?

Ältere und wörtliche Übersetzungen reden in Vers 1 vom "Glauben Jesu Christi", währenddem bei den neueren Übersetzungen meist von einem "Glauben an Jesus Christus" die Rede ist. Wörtlich lesen wir hier aber:

  • "habet den Glauben (o. die Treue) des Herrn unseres Jesus Christus der Herrlichkeit!"

Auch in Gal 2:16 ist vom "Glauben Jesu (o. von der Treue Jesu)" die Rede. Ein Griechisch-Lehrer erklärte mir einmal, dass damit "der Glaube von Jesus" oder aber auch der "Jesus-Glaube" gemeint sein könne. Unter dem "Jesus-Glauben" kann aber auch "ein Glaube an Jesus", bzw. "ein Vertrauen auf Jesus" verstanden werden. Beides sei möglich! Vielleicht will uns der Geist Gottes auch beides mitteilen!

In Jak 2:1 heißt es – im Gegensatz zu Gal 2:16 – wörtlich:

  • "habet den Glauben (o. die Treue) des Herrn"

Ich denke, dass an dieser Stelle der Schwerpunkt auf "der Treue des Herrn Jesus Christus" liegt. Die Treue (o. den Glauben) des Herrn Jesus ist die Grundlage oder die Voraussetzung, um nicht mehr auf das Ansehen der Person zu schauen.
Jakobus beschreibt einen "reichen Mann" mit "goldenen Fingerringen" (w. fingerbegoldet) und "prächtigen oder glänzenden Kleidern". Alles funkelt und glitzert (engl. Glimmer and Glamour)! Dieser Mann ist ein Blickfang und sofort kommt es zu einer Assoziation: "Beliebt, erfolgreich, intelligent, begabt, einflussreich und gesegnet!" Bewusst oder unbewusst denkt der natürliche Mensch sofort: "Ein Kontakt mit diesem Mann könnte sehr nützlich sein! Hier kann ich eine Beziehung aufbauen, die mir etwas bringt! Mit diesem Mann kann man bestimmt interessante Gespräche führen und er eröffnet mir womöglich den Zugang zu weiteren 'interessanten Leuten'!"
In der jüdischen Tradition gesellte sich noch ein weiterer Gedanke dazu: "Hier habe ich ein 'vom HERRN gesegneten Mann' vor mir, weil es im AT etliche Hinweise darauf gibt, dass die Gottesfürchtigen auch materiell gesegnet sind!" Die goldenen Ringe machen deutlich, dass dieser Mann sich Dinge leisten kann, die er zum Leben gar nicht braucht! Er lebt im Überfluss und weiß, was die Menschen beeindruckt!
Stellen wir uns einmal Jesus vor, wie Er als Wanderprediger mit goldenen Ringen und teuren Kleidern durch die Lande zieht. Für jeden, der Jesus etwas näher kennenlernen durfte, ist diese Vorstellung eigentlich undenkbar! Es passt nicht zu Ihm.

Der Ring ist aber auch ein Symbol für Vollmacht und Autorität und mehrere Ringe zeigen einen Menschen mit "unterschiedlichen Vollmachten". Im übertragenen Sinn könnte man ihn als mehrfach begabt bezeichnen!
Schöne Kleider und Schmuck beeindrucken uns heute vielleicht nicht mehr so sehr wie früher; aber erfolgreiche und hoch begabte Menschen lösen immer noch eine gewisse Bewunderung in uns aus! Wir freuen uns, wenn wir mit solchen Menschen ins Gespräch kommen und wenn sie sich für uns interessieren.
Leider kenne ich nicht so viele Christen, von denen ich sagen könnte, dass sie sich für die "einfachen Geschwister" genauso interessieren, wie für die erfolgreichen. So ertappe auch ich mich immer wieder dabei, den Angesehenen mehr Beachtung zu schenken als den Unscheinbaren. Doch dieses Verhalten ist menschlich und widergöttlich! Es ist vom Denksystem der Welt geprägt. Es widerspricht der Gesinnung Jesu Christi, die den Schwachen und Elenden ebenfalls höchste Wertschätzung gibt. Der HERR über den ganzen Kosmos, wäscht einfachen Fischern und unbeliebten Zöllnern die Füße! Das zeigt den Glauben und die Treue Jesu! Die Treue Jesu wird auch in Phil 2:6-8 sehr beeindruckend zum Vorschein gebracht! Seine sanftmütige und demütige Art ist das ultimative Gegenmittel zum Denksystem der Welt! Der HERR, der über die allergrößte Herrlichkeit im ganzen Universum verfügt, achtet auf den Geringen und Armen!
Was Gott mit den Geringen und Armen vorhat, prophezeit Hanna in 1Sam 2:8:

  • "Er hebt den Geringen aus dem Staub empor, aus dem Schmutz erhöht er den Armen, um ihn unter die Edlen zu setzen; und den Thron der Ehre lässt er sie erben."

Das unsaubere Kleid des Armen assoziieren wir mit "Unreinheit", "Mief", "fehlende Disziplin", vielleicht auch mit "Faulheit", "Dummheit" oder sogar mit "verflucht", bzw. "ungesegnet"! Mit allen diesen Dingen wollen wir, wenn möglich nichts zu tun haben. Wir verabscheuen diese Dinge und darum fällt es uns auch schwer, dem armen Mann mit den unsauberen "Klamotten" näher zu kommen.
Dabei sollten wir uns als Nachfolger Jesu Christi immer wieder neu bewusst machen, dass jeder Mensch in den Augen des Herrn Jesus so wertvoll ist, dass Er für ihn den höchsten Preis bezahlt hat!

Interessant ist auch, wie Jakobus weiterfährt. Zum Angesehenen wird gesagt:

  • "Du, setz dich bequem hierher."

Der Arme bekommt die Anweisung:

  • "Stehe du dort, oder setze dich unten an meinen Fußschemel (da gab es weder einen Stuhl, noch ein bequemes Kissen)!"

Bräuchte nicht der Arme endlich eine bequeme Sitzgelegenheit, währenddem der Reiche wahrscheinlich eher schon zu viel gesessen hat?
Jakobus ist in seiner Analyse "knallhart"! Unser normales menschliches Verhalten, ist ein Richter mit einer üblen Gesinnung geworden. Wir beurteilen den Mann mit unsauberer Kleidung als einen Menschen mit "geringerem Wert", als eine unreine, ungesegnete, faule oder undisziplinierte Person! Der begabte und erfolgreiche Mann scheint fleißig und gesegnet zu sein und mit ihm sitzen wir viel lieber zusammen. Dabei reden wir über "Gott und die Welt" und der Bedürftige kann dann am "Fuße des Schemels" gnädigerweise zuhören und wenn er aufmerksam ist, kann er auch noch etwas Wertvolles von uns lernen! Dabei vergessen wir, wen Gott mehrheitlich ausgewählt hat! Gott hat mehrheitlich diejenigen als unsere Brüder und Schwestern bestimmt, die in der Welt "nichts" sind. Paulus macht das im 1. Korintherbrief auch deutlich, als er schrieb:

  • "Denn seht, eure Berufung, Brüder, dass es nicht viele Weise nach dem Fleisch, nicht viele Mächtige, nicht viele Edle sind; 27 sondern das Törichte der Welt hat Gott auserwählt, damit er die Weisen zuschanden macht; und das Schwache der Welt hat Gott auserwählt, damit er das Starke zuschanden macht. 28 Und das Unedle der Welt und das Verachtete hat Gott auserwählt, das, was nicht ist, damit er das, was ist, zunichtemache, 29 dass sich vor Gott kein Fleisch rühmen kann." (1Kor 1:26-29)

"Wer den Armen geringschätzt, hat ihn seiner Ehre beraubt", schreibt Jakobus. Der Arme wurde wahrscheinlich schon oft "über den Tisch gezogen" und auch "materiell beraubt". Und jetzt kommen die "gläubigen Christen" und berauben ihn auch noch der Ehre, indem sie ihm keine Wertschätzung geben. Was für eine Tragödie?

In Rumänien haben wir einmal eine alte arme und gelähmte Frau besucht. Da sie nicht einkaufen konnte, war sie darauf angewiesen, dass ihr die Nachbarn oder vorbeilaufende Leute etwas einkaufen. Schon mehr als einmal geschah es, dass die Leute ihr Geld nahmen, dann aber auf Nimmerwiedersehen verschwanden. So wurde sie schon oft beraubt!
Aber das absolut Beeindruckende an dieser Frau war ihr Gottesvertrauen! Obwohl sie manchmal mehr als einen Tag hungern musste, strahlte sie eine Freude und Dankbarkeit aus und bezeugte, wie wunderbar sie Gott immer wieder versorgte, dass wir "reichen Schweizer und Deutsche" nur noch beschämt über ihren Glauben staunen konnten. Diese Frau war das Paradebeispiel für Jak 2:5:

  • "Hat sich nicht Gott die vor der Welt Armen auserwählt, dass sie reich seien im Glauben und Erben des Königreichs, das er denen verheißen hat, die ihn lieben?"

Im Gegensatz dazu gibt es immer wieder Wohlhabende, die ihre Mitmenschen vor Gericht schleppen! Wenn es sich dabei dann noch um "sogenannte Christen" handelt, dann lästern sie den Namen Jesu, indem sie eine christliche Gegendarstellung sind! Er ist das Gegenteil eines Zeugnisses für den HERRN! Seine Mitmenschen werden sich angewidert vom christlichen Glauben abwenden.

Wer von der Treue und Liebe Jesu geprägt ist, sieht in jedem Menschen eine unbezahlbare Kostbarkeit; d. h. eine Kostbarkeit, die nur durch das Blut Jesu erworben werden konnte. Für einen Menschen gibt es keinen materiellen Gegenwert!
Wer vom Glauben Jesu geprägt ist, lässt sich nicht mehr von Status-Symbolen beeindrucken und die Armut eines Menschen führt bei ihm zu keinerlei Verachtung! Wer von der Treue Jesu ergriffen ist, sieht die Menschen mit den Augen Gottes! Er hat eine liebende und somit richtige Schau bekommen!


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