Das zweite Werkzeug Gottes

Aus Bibelwissen

Gnade - In der Schule Gottes

Einige Tage vor seinem Heimgang am 20. Dez. 2022
erlaubte mir Gerhard Groß, seine letzte Arbeit zu veröffentlichen.

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Inhaltsverzeichnis

Gnade - In der Schule Gottes

2. Das zweite Werkzeug Gottes

Nach über viertausend Jahren Menschheitsgeschichte kam der göttliche Zeitpunkt, wo Gott begann, Sein zweites Werkzeug in Seine spezielle Schule zu nehmen, nämlich jenes Werkzeug, das das All in den Himmeln in Christus aufhauptet, also die himmlischen Bewohner zu dem Namen „Jesus“, und letztlich zu der Liebe Gottes führt. Das Kennzeichen dieses göttlichen Zeitpunktes hieß „Paulus“! Durch Pauli Evangelium, den Gott ja gemäß Eph 3:1ff. zum berufenen Lehrer der Nationen bestimmt hat, wurden und werden bis heute noch all jene berufen, die Gott schon vor dem Niederwurf der Welt in Christus auserwählt hat (Eph 1:4).

Wenn wir Eph 1:3ff. lesen, sagen uns diese Verse, dass Gott, noch bevor unsere gegenwärtige Erde ins Chaos niedergeworfen wurde, eine festgesetzte Zahl an Menschen auserwählt hat, die darin geschult werden sollen, das All in den Himmeln in Christus aufzuhaupten! „Eine festgesetzte Zahl“, wie wir oben sagten, bedeutet, dass Gott es nicht dem Zufall überließ, wer zu dieser Zahl gehört, sondern jeden Einzelnen nach dem Ratschluss Seines Willens in Christus auserwählt und dann zu dessen Lebzeiten auch berufen hat. Paulus beschreibt dieses gewaltige Ereignis in Eph 1:5 mit den wunderbaren Worten:

„In Liebe hat Er uns für Sich zum Sohnesstand durch Christus Jesus vorherbestimmt, nach dem Wohlgefallen Seines Willens, zum Lobpreis der Herrlichkeit Seiner Gnade, die uns in dem Geliebten begnadet.“ Das sind doch wirklich Worte, liebe Geschwister, die uns ans Herz gehen und uns zutiefst beglücken müssen!

Wir wiederholen noch einmal: Jene Vorherbestimmten, von der wir oben lasen, umfasst eine von Gott festgelegte Zahl, die in Röm 11:28 mit „Vervollständigung der Nationen“ umschrieben ist (Luther und Elberfelder übersetzen hier mit „Vollzahl der Nationen“), zu welcher sich niemand selber einfügen kann!

Wer diese Vollzahl darstellt, möchte ich hier nicht wiederholen, ich habe diese Frage ausführlich in meiner letzten Arbeit „der Same Ephraim“ dargelegt, wobei (das möchte ich hier auch sagen) es mich sehr bewegt hat, dass so viele meiner Leser mir in überschwänglicher Freude in meiner Darlegung gefolgt sind.

Mit dem Wissen aus meiner oben genannten letzten Schrift, wer zu der Vollzahl der Nationen gehört, schauen wir noch einmal kurz in Röm 11:25, wo wir bereits von der Vervollständigung der Nationen lasen, wobei uns ja diese Übersetzung sagt, dass wir heute gespannt darauf warten, dass der Letzte aus den Nationen zur Vollzahl dazu getan wird und dass dann, wenn die Vervollständigung erreicht ist, jenes passiert, worauf wir gerade in unseren heutigen Tagen mit Sehnsucht warten – das Kommen unseres Herrn und Hauptes, der uns dann gemäß 1Thes 4:13-18 zu Sich holt.

Gesetz und Gnade

Wir kommen jetzt zu unserem Hauptthema, weil es uns direkt betrifft, und wir fragen jetzt wieder: Was bedeutet Gnade für uns? Ist es dieselbe Gnade, von der ich zurückliegend schrieb, oder hat Gnade bei uns eine andere Bedeutung? Wir kommen bei dieser Frage ohne viel Umschweife gleich auf den Punkt: Bei uns haben Gnade und Werke zusammen keinen Raum – im Gegenteil: Gnade und Werke – wir können hier auch „Gnade und Gesetz“ sagen, sind wie Feuer und Wasser! Aber nur bei jenen, die eine überhimmlische Berufung haben.

Wenn wir jetzt erst noch einmal auf Noah schauen, dann sehen wir, dass Noah dadurch Gnade erhielt und gerettet wurde, dass er aber auf Geheiß Gottes eine Arche baute. Er musste auf Gott hören und gehorchen. Bei uns ist die Rettung ganz anders: Gott sagt zu uns:

„ICH“ versetzte dich in Christus, meinen geliebten Sohn, der für dich deine gesamte Schuld auf Sich lud und die Strafe am Kreuz abbüßte! „In Ihm“, und nur „in Ihm“ bist du vor Mir vollkommen gerechtfertigt. Nehmen wir hier zwei ganz einfaches Beispiel zum besseren Verständnis:

1.) Ein Dieb, der gestohlen hat, kommt vor ein Gericht. Er bereut seinen Diebstahl aufrichtig und gibt das ganze Diebesgut an den Eigentümer zurück. Nun kann der Richter unter diesen Umständen den Dieb begnadigen, weil er die echte Reue sehen kann und eine Strafe für nicht hilfreich sieht! Der Dieb ist damit zwar frei, aber ... der Makel eines Diebes haftet berechtigterweise auch weiter an ihm.

2.) Auch im zweiten Fall haben wir einen Dieb, es kommt wieder zur Gerichtsverhandlung, doch diesmal tritt ein Freund des Diebs vor den Richter und bezahlt den gesamten Schaden aus seiner Tasche ... es gibt keinen Schaden mehr und damit auch keine Anklage und keinen Dieb – dieser wird vom Richter frei gesprochen, wegen erwiesener Unschuld!

Unser zweites Beispiel mag manchem etwas wirklichkeitsfremd erscheinen, aber es geht uns ja hier darum, aufzuzeigen, dass wir „in Christus“ vor Gott tatsächlich frei von aller Schuld sind, weil ein Anderer, unser Herr und unser Haupt, unsere gesamte Schuld auf Sich genommen und abgebüßt hat, was für uns einem Freispruch erster Klasse, also „wegen erwiesener Unschuld“ gleichkommt!

Das, liebe Geschwister, ist „unser Stand in Christus“!

Und das Wichtige: Bei dem letzteren Beispiel spielt das Gesetz bzw. eigener Werke nicht die geringste Rolle.

Unsere Schule

Nun ist es unser Hauptfach, zu lernen, dass wir ohne Werke vor Gott gerechtfertigt sind, womit Gott unsere Herzen erfreuen möchte ... und das ist Gnade!

Halten wir hier gedanklich kurz an: Nicht die Gnade als Freudenbringer macht uns gerecht, sondern der Opfertod Jesu Christi, der Sich für uns dahingegeben hat, damit wir frei sind! Wenn wir also von „Gnade“ sprechen, dass lasst uns immer bedenken, dass uns Gott mit diesem Wort (charis) zutiefst erfreuen möchte, indem es uns auf das Kreuz auf Golgatha weist.

Nun sagen wir zu Recht: Auch die Jünger Jesu und viele Jesu Nachfolgende hatten ja das Erlösungswerk Jesu angenommen, sofern sie an Ihn glaubten. Doch dieser Glaube forderte dazu Werke, wie es Jak 2:24 einfordert. Um vor Gott gerechtfertigt zu sein, müssen Werke des Fleisches erbracht werden!

Und Achtung: jetzt kommt der Unterschied: Diese Gläubigen sind nicht in Christo, sie sind Seine Jünger und Freunde (siehe Joh 15:14)! Auch hier müssen wir innehalten und tief Luft holen, denn dieser Unterschied ist sehr bedeutungsvoll!

Wie hingebungsvoll singen viele Gläubige in den Gemeinden das bekannte Lied, „Welch ein Freund ist unser Jesus“, und auch ich habe einst mit freudigem Herzen mitgesungen. Doch dann hat mir Gott gezeigt, dass ich kein (!) Freund Jesu bin, sondern ein Glied an Seinem Körper, und damit „in Ihm „ bin – etwas ganz anderes! „Daher, wenn jemand in Christus ist, so ist da eine neue Schöpfung: das Ehemalige verging, siehe, es ist neu geworden“ (2Kor 5:17).

Um ein Nachfolger (Jünger) Jesu zu werden, muss auch der Wunsch in dem Einzelnen dazu vorhanden sein, was im Bezug auf Gott ja schon Jer 29:13 sagte: „Denn so ihr Mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will Ich Mich von euch finden lassen“; es sind Worte, die Jesus Selbst in Mt 7:7 in ähnlicher Form wiederholt. Es ist der Auftrag der Jünger Jesu in Mt 28:19, auf diese Weise im kommenden irdischen Königreich alle Nationen zu Jüngern zu machen.

Wir, liebe Geschwister, die wir Glieder am Körper Christi Jesu sind, müssen Ihn nicht suchen und gehorchen, sondern werden von Gott gesucht und gerufen, weil wir schon vor dem Niederwurf der Welt von Ihm in Christus auserwählt wurden. Und was wir hierzu wissen und lernen müssen, sagt uns vor allem anderen Paulus!

Ich halte es an dieser Stelle für angebracht, mehr über Paulus darzulegen, der er ja in der göttlichen Schule unser Hauptlehrer bzw. Klassenlehrer ist:

Paulus

Wenn wir von der Schule Gottes sprechen, muss uns gleich zum Anfang klar sein, dass die Gesamtschule Gottes zwei Klassenräume hat, einen Raum für jenes Werkzeug Gottes, das eine irdische Berufung hat, also die Bewohner auf unserer Erde zu dem Namen „Jesus“ führen wird; und dann gibt es den für uns reservierten Klassenraum, wo unsere überhimmlische Aufgabe gelehrt wird, wobei Paulus unser Klassenlehrer ist. Aber lesen wir erst einmal das persönliche Zeugnis unseres Apostels in Eph 3:1-13, wo er uns erklärt, warum er unser Klassenlehrer ist (bitte lesen).

Wenn wir nun Pauli Zeugnis in uns aufgenommen haben, muss jedem klar geworden sein, dass Paulus in der Tat unser vom erhöhten Herrn bestimme Lehrer ist, um das Geheimnis des Christus zu enthüllen, und dies in einem von Gott begrenzten Zeitraum: Während der Verwaltung der Gnade Gottes!

Wir fassen nun die Hauptpunkte des Zeugnisses Pauli zusammen:

1.) Wir lesen, dass Paulus der Gebundene Christi Jesu, für uns, die aus den Nationen, gesetzt – also unser Klassenlehrer ist.

2.) Paulus spricht von „der Verwaltung der Gnade“; „Gnade“ wird also zu dem zentralen Thema.

3.) Es geht um die Enthüllung eines Geheimnisses, nämlich das der Körpergemeinde Christi Jesu, also um jene, die Gott schon vor dem Niederwurf der Welt in Christus auserwählt hat (siehe Eph 1:4), die Gottes anderes Werkzeug sind, um die Überhimmlischen zu Jesus zu führen ... es geht um uns!

4:) Paulus wurde die Gnade gegeben, den Nationen, also uns, den unausforschlichen Reichtum des Christus als Evangelium zu verkündigen (zu lehren), was die Verwaltung des Geheimnisses betrifft, das von Äonen an in Gott verborgen war, der das All erschaffen hat, damit nun durch die herausgerufene Gemeinde den Fürstlichkeiten und Obrigkeiten inmitten der Überhimmlischen die mannigfaltige Weisheit Gottes bekannt gemacht werde .... !

Es geht uns in diesem Abschnitt erst einmal darum, klar zu betonen, wer unser Klassenlehrer ist, der auch den für uns bestimmten Lehrstoff bereithält!

Um aber jedem Irrtum vorzubeugen müssen wir hier darauf hinweisen, dass unser Klassenlehrer Paulus in 2Tim 3:16 auch hervorhebt, dass alle Schrift, also auch das AT wie das gesamte NT für uns wichtig ist und im Grunde zu unserer Schulung gehört, nur ... wir dürfen es nicht mit Pauli Briefen vermischen, oder wie in 2Tim 2:15 zu lesen ist: Wir sollen uns befleißigen, das Wort der Wahrheit richtig zu schneiden! Wer dies nicht beachtet, bekommt einen „Eintopf“, in dem alles durcheinander gerührt wird, die himmlische und die irdische Berufung! Heraus kommt ein Mischmasch, in dem das jeweilige Evangelium (der jeweilige Lehrstoff) fast bis zur Unkenntlichkeit verrührt ist.

Bevor wir unseren eigenen Klassenraum betreten, lasst uns (da wir ja neugierig sind) einen ganz kurzen Blick in das andere Klassenzimmer werfen, wo wir dann auch sofort augenfällig auf einer großen Wandtafel den hier gültigen Lehrstoff lesen: „Gehet hin, macht alle Nationen zu Jüngern ...“!

Wir belassen es bei dem kurzen Blick und betreten unser eigenes Klassenzimmer, wo uns wiederum eine große Tafel mit den Hauptthema bekannt macht, wir lesen in großen Ziffern: Gnade!

Lies weiter:
3. Die Verwaltung des Geheimnisses