Koje - zur Ruhe kommen

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Von Daniel Muhl

Anmerkung: Die nachfolgende Andacht entstand infolge eines Themenwunsches einer Studenten-Bibelgruppe.

Mein erster Gedanke

Bild aus Wikipedia: Quelle: Charlie Brewer from Sydney, Australia - flickr
Wenn ich das Wort "Koje" höre, dann werde ich zuerst einmal an ein besonderes Erlebnis erinnert:

Als Familie wollten wir auf Sardinien Urlaub machen und buchten deshalb eine Fähre von Livorno (ital. Hafenstadt) nach Olbia (Sardinien). Spät abends fuhren wir mit unserem Auto auf die Fähre und hatten als Familie eine geschlossene Schlafkoje ohne Fenster gebucht. Währenddem wir das Abendessen auf der Fähre genossen, fuhr das Schiff aus dem Hafen. Sofort wurde uns klar, dass es eine stürmische Nacht geben würde. Trotz der Größe des Schiffes spürten wir das regelmässige Schwanken. Unsere 4 Kinder, die sich zum Teil im fortgeschrittenen Teenie-Alter befanden, wollten selbstverständlich nach dem Abendessen noch die Fähre auskundschaften. Da gab es noch verschiedene Spielräume, Tanzlokals, Bars usw. Meine Frau und ich bemerkten relativ rasch, dass wir uns in der Koje hinlegen mussten, da sich bei uns schon die Seekrankheit bemerkbar machte. Wir vereinbarten mit den Kindern eine Zeit, wann auch sie zu Bett gehen sollten und legten uns hin. Ich legte mich auf den Rücken und schaute zur Decke. Kaum war ich in der Horizontalen, ging es mir schon wesentlich besser. Ich spürte zwar immer noch das Schaukeln, aber irgendwie konnte ich das sogar noch geniessen. Ich fühlte mich wahrscheinlich so ähnlich wie das Baby in der Wiege. Meine Frau und ich waren noch nicht eingeschlafen, als sich die Kojentür öffnete und wir mit Erstaunen unsere Kinder sahen. Gerade wollten wir fragen, warum sie denn bereits hier wären, da haben sie schon gesagt: "Mama, Papa, uns ist so schlecht!" Natürlich konnten wir ihnen sofort den Rat geben, sich hinzulegen, was sie dann notgedrungen tun mussten und wir waren natürlich dankbar, dass sich unsere Kinder nicht an Orten aufhielten, die ihnen womöglich geschadet hätten.

Die Koje war unser einziger und bester Rückzugsort im Sturm! Im Sturm vergeht den meisten Leuten die Feierlaune. Da kann man nichts geniessen, weil die Gedanken ganz wo anders sind. Man denkt daran, wie man diese Situation am besten überstehen kann und fragt sich: "Was soll ich jetzt am besten tun? Muss ich mich aufs Gleichgewicht konzentrieren? Wo kann ich hinschauen, damit es mir nicht übel wird? Was muss ich unternehmen, damit ich die ganze Sache überlebe? usw."

Der Sturm

Diese Frage haben sich auch die "Studenten" des Lehrers Jesus gestellt, als sie in einen Sturm gerieten.

  • NGÜMk 4:36-41 - Sie schickten die Menge nach Hause, stiegen in das Boot, in dem Jesus bereits war, und fuhren mit ihm ab. Einige andere Boote begleiteten sie. 37 Plötzlich brach ein heftiger Sturm los; die Wellen schlugen ins Boot, und es begann sich mit Wasser zu füllen. 38 Jesus aber schlief im hinteren Teil (a. Heck, Hinterdeck) des Bootes auf einem Kissen. Die Jünger weckten ihn und schrien: »Meister, macht es dir nichts aus, dass wir umkommen?« 39 Jesus stand auf, wies den Wind in seine Schranken und befahl dem See: »Schweig! Sei still!« Da legte sich der Wind, und es trat eine große Stille ein. 40 »Warum habt ihr solche Angst?«, sagte Jesus zu seinen Jüngern. »Habt ihr immer noch keinen Glauben?« 41 Jetzt wurden sie erst recht von Furcht gepackt. Sie sagten zueinander: »Wer ist nur dieser Mann, dass ihm sogar Wind und Wellen gehorchen?«

Diese Geschichte hat es schon in sich! Da gibt es auch einen Sturm und einer, der sich mitten im Sturm einfach hinlegt und in einer solcher "Seelenruhe" schläft, dass sich die Schüler, bzw. die Jünger Jesu, fragten: "Wie kann unser Lehrer und Herr, in dieser großen Not, einfach schlafen? Ihn scheint es überhaupt nicht zu 'stressen', dass sich das Boot mit Wasser füllt und es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis wir untergehen!"

Jesus schlief damals nicht in einer Koje, jedoch hinten im Heck auf einem Kissen! Jesus hat manchmal ganze Nächte im Gebet verbracht (Lk 6:12), währenddem die Jünger schliefen und genau zu dieser Zeit, wo alle große Not litten und hell wach waren, schläft Jesus einfach! Was für eine verkehrte Welt! Zum Glück schläft Jesus nicht, wenn wir schlafen. Gott sei Dank, wacht Er über uns, wenn wir vor uns hinschlummern! Aber Jesus müsste doch auch wach sein, wenn Seine Nachfolger in großer Not sind, oder? Kann Jesus es sich leisten, genau dann zu "schlafen"? Natürlich war Jesus auch ein Mensch aus "Fleisch und Blut", der Schlaf benötigte und natürlich verspürte auch Er immer wieder Müdigkeit (Joh 4:6), aber in dieser Extremsituation hätte Er sich doch wirklich etwas 'zusammenreissen' können, oder? War Sein Schlafen nicht ein wenig lieblos?

Nein! Absolut nicht! Wenn Jesus 'schlief', dann erreichte Er wesentlich mehr damit, als wenn Er in dieser Situation wach geblieben wäre. Aber warum? Etliche Schüler Jesu waren erfahrene Fischer, die es gewohnt waren, eine Nacht auf dem See zu verbringen. Eine Seeüberquerung war für sie reine Routine. Dazu brauchten sie Jesus nicht! Als Jesus einschlief, dachten sie vielleicht: "Der Herr kann sich ruhig mal ausruhen! Wir passen schon auf Ihn auf! Alles gar kein Problem!"

Doch plötzlich wird das "ganz normale Alltagsgeschäft" zu einer existenzbedrohenden Angelegenheit. Der Sturm und die Wellen beginnen das Boot mit Wasser zu füllen und der Untergang ist nur noch eine Frage der Zeit! Auf einmal verlieren die erfahrenen Fischer und Bootsleute ihr Selbstvertrauen und sie sind alles andere als glücklich darüber, dass Jesus in völliger Seelenruhe schläft!

Dieser 'Schlaf Jesu' war eine entscheidende Lektion für die Jünger. Sie sollten erkennen und verstehen, dass sie Jesus immer brauchen; auch in der Routine und im Alltagsgeschäft. Auch wir brauchen Jesus zu jeder Zeit! Nicht nur dann, wenn wir vor großen Herausforderungen und Prüfungen stehen, bei denen wir das Gefühl haben, "es nicht ohne Jesus zu schaffen", sondern wir brauchen Ihn allezeit! Jesus sagte in Joh 5:5b: "Ohne mich könnt ihr nichts tun!" Wenn wir meinen, wir bräuchten Jesus lediglich für die Dinge, die wir "nicht im Griff haben", jedoch für das normale Alltagsgeschäft nicht unbedingt, dann machen wir früher oder später eine ganz ähnliche Erfahrung wie die Jünger auf dem See! Hinzu kommt die Tatsache, dass man ohne Jesus überhaupt nichts bewirken kann, das Ewigkeitswert hätte. Ohne Jesus kann man vielleicht eine Pyramide oder eine Mondrakete bauen, aber das sind alles Dinge, die für die Ewigkeit bedeutungslos sind! Nebenbei bemerkt: Wir können nur deshalb 'ganz erstaunliche Dinge' tun, weil uns Gott mit der entsprechenden Intelligenz ausgestattet hat! Ohne diese, von Gott gegebenen, Gaben, könnten wir niemals eine Mondrakete bauen!

Wie oft ertappen auch wir Christen uns bei dem Gedanken: "Für die Routine brauchen wir keinen besonderen Glauben, das bringen wir ganz selbstverständlich auch so hin!" Sobald wir so denken, legt sich Jesus auf Sein Kissen und 'schläft seelenruhig vor sich hin' !!! Doch plötzlich wird das ganz normale Alltagsgeschäft existenzbedrohend und wir klagen darüber, dass Jesus so 'unverschämt' ist, während unserer Notzeit einfach zu schlafen (natürlich schläft Jesus heute nicht mehr, aber wenn wir von Ihm nichts vernehmen, empfinden wir das so ähnlich)! Ebenso auch die Jünger: Mk 4:38b - Lehrer, kümmert es dich nicht, dass wir umkommen? Nachdem Jesus den Wind und den See bedrohte und es ganz still wurde, sagte Er zu Seinen Schülern: Mk 4:40b - Was seid ihr so furchtsam? Habt ihr (immer) noch keinen Glauben? In unseren Ohren klingt das vermutlich etwas seltsam. Hat Jesus von ihnen erwartet, dass sie dem Wind und dem See befehlen sollten? So etwas wäre doch eine Überforderung gewesen; zumal sie ja auch nicht Herr über die Elemente waren, oder? Ich glaube nicht, dass Jesus solches von ihnen erwartete! In der Bibel heißt Glauben ja nicht einfach nur, dass ich etwas für 'wahr halte', sondern dass ich aus einer Vertrauensbeziehung zu Gott, bzw. zu Jesus lebe! Jesus erwartete von Seinen Jüngern, dass sie Ihm vertrauen, wenn Er unter Ihnen ist. Solange Jesus da war, brauchten sie sich nicht zu fürchten. In Seiner Gegenwart hätten sie auch im allergrößten Sturm ganz ruhig sein können. Theoretisch hätten sie ganz gelassen sagen können: "Take it easy, Jesus ist hier! Uns kann nichts passieren!"

Einige Zeit später waren die Jünger wieder, während eines Sturmes, auf dem See (Mk 6:48). Diesmal war Jesus nicht dabei und bei diesem zweiten Mal sollten sie begreifen, dass, auch wenn Jesus nicht da ist, Er immer zur rechten Zeit kommen wird! Er kam ihnen auf eine Art und Weise zur Hilfe, wie sie es nie gedacht hätten! Er lief ihnen über das Wasser entgegen. So gilt auch in unserem Leben: "Jesus kommt nie zu spät!"

Zur Ruhe kommen

Wie aber kommen wir zur Ruhe? In unserer Geschichte wären die Jünger durch ein ununterbrochenes Vertrauen auf Jesus zur Ruhe gekommen und sie hätten trotz der existenzbedrohenden Stürme, aus einer ganz tiefen Gelassenheit heraus leben und handeln können.

Damit komme ich zur letzten und entscheidenden Frage: Wie kommen wir zu diesem ununterbrochenen Vertrauen auf Jesus? Zuerst muss man dazu natürlich sagen, dass dies ein wachstümlicher Prozess ist. Das war bei den 'Studenten von Jesus' so und es verhält sich bei uns nicht anders! Trotzdem kann man diesen Prozess verlangsamen oder sogar zum Stillstand bringen, indem man möglichst viel selber, bzw. aus eigener Kraft tut. Wer alles selber machen will und wer meint, er könne mit Sorgen und eigener Lösungssuche das Leben meistern, um so in die gewünschte Gelassenheit zu kommen, der irrt sich!

Wir wachsen dann im Glauben, bzw. im Vertrauen auf Jesus, wenn wir lernen, alles mit Ihm zu besprechen, wenn wir uns Zeit für Sein wunderbares Wort nehmen. Wer sich Zeit für das Hören, die Anbetung und das Gebet nimmt, der macht Glaubenserfahrungen mit Jesus und jede Glaubenserfahrung stärkt unser Vertrauen auf Ihn und je größer unser Vertrauen auf Ihn ist, desto ruhiger und gelassener können wir werden!

Diese wertvolle Gelassenheit kostet kein Geld, aber sie kostet Zeit und diese Zeit müssen wir uns nehmen. Normalerweise schauen wir uns viel lieber eine spannende Serie an oder wir gehen viel lieber ins Kino, als dass wir 2 Kapitel aus der Bibel lesen. Es fällt uns viel leichter in einer Nacht ein halbes Buch, eines spannenden Romans zu lesen, als einen Brief des Apostels Paulus, der z. B. nur 4 Kapitel beinhaltet. Warum ist das so?

Obwohl die Bibel Gottes Wort ist und obwohl es 'das Wort' ist, das uns geistliches Leben und einen unermesslichen Reichtum vermittelt, so ist 'dieses Wort' oft "schwer verdaulich". Das hat mehrere Gründe:

  1. Am Anfang kann man vieles aus der Bibel nicht verstehen. Aber so erging es auch vielen Menschen in der Bibel selbst (Nikodemus (Joh 3), die Samariterin (Joh 4), das Volk (Joh 6-8) usw.)
  2. Die Bibel hält uns einen Spiegel vor die Augen, wo wir merken, wie fehlerhaft wir sind. Das reduziert scheinbar unseren Selbstwert. Kaum etwas ist schlimmer, als wenn wir unseren Selbstwert verlieren. Darum meinen wir bewusst oder unbewusst, die Bibel meiden zu müssen. Im Gegensatz zur Bibel, zeigt uns eine Filmserie, dass die anderen scheinbar noch schlimmer sind und das beruhigt uns ungemein!
    An dieser Stelle muss ich immer wieder betonen, wie wichtig es ist, dass wir unseren Wert nicht über unsere Leistung, über unser Gut-sein, Fromm-Sein oder über unsere gesellschaftliche Stellung definieren, sondern über der Tatsache, dass Gott uns unendlich liebt und für uns den höchsten Preis bezahlt hat. Nur deshalb ist jede Seele mehr wert, als die ganze materielle Welt!
  3. Es gibt eine Geistesmacht, die uns mit allen Mitteln davor abhalten will, dass wir Gottes Wort lesen und studieren! Der Gegenspieler Gottes setzt alles daran, dass wir keine Zeit für die Anbetung und das Gebet haben und er macht uns weis, dass Gebet und Bibellese in etwa so das Langweiligste ist, was wir machen können! Mit seiner Strategie ist er unheimlich erfolgreich. Er überflutet uns mit Informationen und Bildern. Heute könnte man ununterbrochen Serien und YouTube-Videos schauen. Im Weiteren gibt es Bücher ohne Ende und diese versuchen das Buch der Bücher zu überschwemmen.
  4. Durch das Studium, die Berufsausbildung, den Beruf, die Vergnügungsangebote, die sozialen Medien, die Selbstvorsorge, die Politik mit ihrer Umwelt- sowie Klimadebatten und noch vieles anderes, bleibt kaum mehr Zeit für den Einen, der uns geschaffen und uns von Schuld und Sünde erlöst hat! Es bleibt keine Zeit für Denjenigen, der uns seit je her geliebt hat!

Vor Gott "still" werden, um auf Ihn zu hören ist und bleibt auch ein Kampf! Diesen Kampf müssen wir energischer führen, als den Kampf um das Klima, weil es hier um unsere Beziehung zum Schöpfer geht und somit zu der Person, die uns allein das wahre göttliche Leben geben kann. Ein Leben, das weit über das Sterben hinausgeht, denn Sterben müssen wir alle; mit und ohne Klimawandel!

Nebenbei bemerkt: Wenn Deutschland sich in Sachen Klimaschutz absolut vorbildlich verhalten würde und der Rest der Welt nicht, dann wäre das für das Klima lediglich ein "Tropfen auf den heissen Stein". Also muss man eine ganze Menschheit zu diesem Verhalten zwingen! Wie könnte man das besser, als mit einem weltweiten Sozialpunkte-System, wie das China bereits exportiert. Hat man ein solches erst einmal eingeführt, ist es ein Kleines, auch das einzuführen, was der Antichrist durchsetzen wird; nämlich, dass nur noch diejenigen kaufen und verkaufen können, die sich sein Malzeichen auf Hand und Stirn anbringen lassen und das Bild des Tieres anbeten – Offb 13).

Ich möchte zum Schluss einfach dazu ermutigen, sich täglich Zeit zu nehmen, um in die eigene "Koje" zu gehen, in das "eigene stille Kämmerlein" (Mt 6:6), um da die Bibel betend zu lesen und mit Gott über alles Mögliche und Unmögliche zu reden. Wer die Bibel liest und Gott darüber anbetet, der wächst im Vertrauen auf Ihn und darf auch erleben, wie er trotz der zunehmenden Stürme immer gelassener werden darf, weil Gott die Weltgeschichte in Seinen Händen hält! Er allein ist der wahre History-Maker und sonst keiner!


Stichworte: §Rückzug, das "stille §Kämmerlein", §Gelassenheit

Aus Wikipedia: "Die Längskojen verdienen im Hinblick auf die Seekrankheit den Vorzug, da sie das Rollen und Stampfen eines Schiffs am besten ausgleichen."

Wortherkunft: Verschlag, Kaue, Käfig, Stall,

Wortverwandtschaft: Hütte, Schlafstätte (früher Hängematten).


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