Lk 12:31

Aus Bibelwissen

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Grundtexte

GNT Lk 12:31 πλὴν ζητεῖτε τὴν βασιλείαν αὐτοῦ καὶ ταῦτα προστεθήσεται ὑμῖν
REC Lk 12:31 πλὴν +4133 ζητεῖτε +2212 τὴν +3588 βασιλείαν +932 τοῦ +3588 Θεοῦ +2316, καὶ +2532 ταῦτα +5023 πάντα +3956 προστεθήσεται +4369 ὑμῖν +5213.

Übersetzungen

ELB Lk 12:31 Trachtet jedoch nach seinem Reich! Und dies wird euch hinzugefügt werden.
KNT Lk 12:31 Suchet indessen das Königreich Gottes, und man wird euch dies alles hinzufügen.
ELO Lk 12:31 Trachtet jedoch nach seinem Reiche, und dieses wird euch hinzugefügt werden.
LUO Lk 12:31 Doch +4133 trachtet +2212 (+5720) nach dem Reich +932 Gottes +2316, so +2532 wird +4369 +0 euch +5213 das +5023 alles +3956 zufallen +4369 (+5701).
PFL Lk 12:31 Übrigens suchet Sein Königtum, und diese Dinge werden euch hinzugelegt werden.
SCH Lk 12:31 Trachtet vielmehr nach seinem Reiche, so wird euch solches hinzugelegt werden.
MNT Lk 12:31 Jedoch sucht +2212 sein Königtum, +932 und dieses wird euch hinzugelegt +4369 werden.
HSN Lk 12:31 Sucht vielmehr [zuerst] sein Königreich39, so wird euch dies dazugegeben werden40!
WEN Lk 12:31 Sucht indessen seine Regentschaft. Und diese alle werden euch hinzugefügt werden.

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Erste Gedanken

Informationen

Fußnoten aus HSN

39 o. seine Königsherrschaft
40 vgl. zu Lk 12:27-31: Mt 6:28-33

Interlinear-Übersetzung

Grundtext Transliteration Übersetzung Strong-Nr.
πλὴν plēn jedoch, vielmehr, indes, aber G4133
ζητεῖτε zēteite suchet, trachtet, strebt nach G2212
τὴν tēn die (Artikel, Akkusativ feminin) G3588
βασιλείαν basileian Reich, Königreich, Königsherrschaft, Regentschaft G932
αὐτοῦ autou sein, von ihm (Genitiv) G846
καὶ kai und, auch G2532
ταῦτα tauta diese (Dinge), dies alles G3778
προστεθήσεται prostethēsetai wird hinzugefügt werden, wird dazugegeben werden G4369
ὑμῖν hymin euch (Dativ) G5213

Versanalyse & Erläuterungen

Grammatische Analyse

πλὴν ζητεῖτε (plēn zēteite) – "jedoch/vielmehr suchet": Das Verb ζητέω (zēteō) steht im Präsens Imperativ Aktiv, 2. Person Plural. Dies ist eine direkte Aufforderung an die Jünger. Der Imperativ drückt einen nachdrücklichen Befehl aus. Das Präsens betont die kontinuierliche, andauernde Handlung – es geht um eine beständige Lebenshaltung, nicht um eine einmalige Handlung.

τὴν βασιλείαν αὐτοῦ (tēn basileian autou) – "sein Reich": Das Substantiv βασιλεία (basileia) bedeutet "Königreich, Königsherrschaft, Regentschaft". Es steht im Akkusativ als direktes Objekt von "suchen". Das Pronomen αὐτοῦ (autou) im Genitiv bezeichnet den Besitz ("sein") und bezieht sich auf Gott. Die βασιλεία ist ein zentraler Begriff in der Verkündigung Jesu und meint sowohl die gegenwärtige Herrschaft Gottes als auch ihre zukünftige Vollendung.

καὶ ταῦτα προστεθήσεται ὑμῖν (kai tauta prostethēsetai hymin) – "und dies alles wird euch hinzugefügt werden": Das Verb προστίθημι (prostithēmi) steht im Futur Passiv Indikativ, 3. Person Singular. Das Passiv ("wird hinzugefügt werden") ist ein sogenanntes "passivum divinum" – Gott selbst ist der handelnde Subjekt, auch wenn er nicht explizit genannt wird. Das Futur drückt eine Verheißung aus. ταῦτα (tauta, "diese Dinge") bezieht sich auf die materiellen Bedürfnisse, die in den vorhergehenden Versen erwähnt werden (Lk 12:22-30).

Theologische Bedeutung

Priorität des Reiches Gottes: Jesus stellt hier eine klare Priorität auf. Die Sorge um materielle Dinge (Essen, Trinken, Kleidung) soll nicht im Mittelpunkt des Lebens seiner Jünger stehen. Stattdessen sollen sie nach Gottes Reich und seiner Gerechtigkeit trachten (Mt 6:33). Das "Reich Gottes" bezeichnet die umfassende Herrschaft Gottes über sein Volk und die gesamte Schöpfung.

Vertrauen statt Sorge: Der Vers steht im Kontext der Rede Jesu über die Sorglosigkeit (Lk 12:22-34). Jesus lehrt, dass übermäßige Sorge um irdische Bedürfnisse Mangel an Glauben offenbart. Wer Gottes Herrschaft sucht, kann darauf vertrauen, dass Gott für seine materiellen Bedürfnisse sorgen wird (Mt 6:25-34; Phil 4:19).

Das Reich Gottes suchen: "Suchen" (ζητέω) bedeutet mehr als nur ein oberflächliches Interesse. Es impliziert ein ernsthaftes, aktives Streben und eine Ausrichtung des gesamten Lebens auf Gottes Willen und Herrschaft (Mt 7:7-8; Kol 3:1). Dies schließt ein Leben in Gehorsam, Nachfolge und der Verkündigung des Evangeliums ein.

Historischer und literarischer Kontext

Parallele in Matthäus: Eine nahezu identische Aussage findet sich in Mt 6:33: "Trachtet aber zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit! Und dies alles wird euch hinzugefügt werden." Matthäus fügt "und nach seiner Gerechtigkeit" hinzu, was die ethische Dimension des Reiches betont.

Kontext der Jüngerbelehrung: Lukas platziert diese Lehre im Kontext der Aussendung und Unterweisung der Jünger. Jesus bereitet sie darauf vor, dass sie als seine Nachfolger auf Gott vertrauen und nicht auf materielle Sicherheiten bauen sollen (Lk 9:3; Lk 10:4).

Alttestamentlicher Hintergrund: Das Vertrauen auf Gottes Versorgung hat tiefe Wurzeln im Alten Testament. Gott versorgte Israel in der Wüste mit Manna (2Mo 16) und die Propheten riefen immer wieder zum Vertrauen auf Gott auf (Ps 37:25; Jes 41:10).

Praktische Anwendung

Dieser Vers lädt Gläubige ein, ihre Lebensprioritäten zu überprüfen. Wo liegt der Fokus unseres Strebens? Jesus verspricht nicht, dass Christen niemals materielle Schwierigkeiten erleben werden, aber er versichert, dass Gott für die sorgt, die ihm vertrauen und sein Reich an die erste Stelle setzen (Ps 23:1; Röm 8:32; 1Petr 5:7).

Parallelstellen

  • Mt 6:33 – Priorität des Reiches Gottes (Mt 6:33)
  • Mt 6:25-34 – Keine Sorge um materielle Dinge (Mt 6:25-34)
  • Lk 12:22-34 – Kontext der Sorglosigkeit (Lk 12:22-34)
  • Phil 4:19 – Gottes Versorgung (Phil 4:19)
  • Kol 3:1-2 – Trachten nach dem, was droben ist (Kol 3:1-2)
  • Ps 37:25 – Gottes Versorgung im AT (Ps 37:25)
  • Mt 7:7-8 – Suchen und Finden (Mt 7:7-8)
  • Röm 8:32 – Gott gibt alles in Christus (Röm 8:32)
  • 1Petr 5:7 – Sorgen auf Gott werfen (1Petr 5:7)
  • Ps 23:1 – Der Herr als Hirte versorgt (Ps 23:1)

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Fragen und Antworten

Warum leiden manche Christen unter Hunger, wenn Gott uns mit Nahrung und Kleidung versorgt?

Diese Frage berührt das theologische Problem der Theodizee – warum lässt Gott Leiden zu, wenn er doch gut und allmächtig ist? Hier einige wichtige Überlegungen:

1. Der Vers ist eine Verheißung, keine Garantie für materiellen Wohlstand

Lk 12:31 verspricht nicht, dass Christen niemals materielle Not erleiden werden. Vielmehr versichert Jesus, dass Gott für die grundlegenden Bedürfnisse derer sorgt, die sein Reich an die erste Stelle setzen. Dies geschieht oft auf Weisen, die wir nicht sofort erkennen oder verstehen.

2. Wir leben in einer gefallenen Welt

Seit dem Sündenfall (1Mo 3) ist die Schöpfung der Vergänglichkeit unterworfen (Röm 8:20-22). Hungersnöte, Naturkatastrophen und Ungerechtigkeit sind Folgen des Sündenfalls und betreffen auch Gläubige. Gott hat nicht versprochen, uns in diesem Leben vor allen Leiden zu bewahren (Joh 16:33).

3. Leiden kann Teil von Gottes Plan sein

Die Bibel zeigt, dass Gott manchmal zulässt, dass seine Kinder leiden, um sie zu läutern, ihren Glauben zu stärken oder sie für seinen Dienst vorzubereiten (Jak 1:2-4; 1Petr 1:6-7).

Paulus litt oft Hunger und Not (2Kor 11:27), dennoch war er ein treuer Nachfolger Christi.

Gott beschenkte ihn jedoch mit innerem Reichtum – Freude und Frieden –, der es ihm ermöglichte, auch Mangel zu ertragen, ohne bitter zu werden oder sein Vertrauen auf Jesus zu verlieren (Phil 4:11-13 / 2Kor 6:10 / Röm 5:3-5).

4. Gottes Versorgung kann durch die Gemeinschaft geschehen

Gott versorgt seine Kinder oft durch andere Gläubige. Die frühe Gemeinde teilte ihre Güter, damit niemand Mangel litt (Apg 2:44-45; Apg 4:34-35). Wenn Christen hungern, ist dies oft auch ein Aufruf an die Gemeinde, ihrer Verantwortung nachzukommen (Jak 2:15-16; 1Joh 3:17).

5. Gottes Prioritäten sind ewig, nicht zeitlich

Während wir oft auf irdische Versorgung fokussiert sind, liegt Gottes Priorität auf unserem ewigen Heil. Jesus selbst litt und starb am Kreuz – materieller Wohlstand ist nicht das höchste Gut. Gott sorgt für das Wichtigste: unsere Erlösung und ewige Gemeinschaft mit ihm (Röm 8:32).

6. Der Blick auf die Ewigkeit

Paulus schreibt, dass die gegenwärtigen Leiden nichts sind im Vergleich zur zukünftigen Herrlichkeit (Röm 8:18). In der neuen Schöpfung wird es keinen Hunger mehr geben (Offb 7:16; Offb 21:4).

Fazit: Lk 12:31 lehrt uns, Gottes Reich und seine Gerechtigkeit an die erste Stelle zu setzen und darauf zu vertrauen, dass er für uns sorgt. Dies bedeutet nicht, dass wir niemals materielle Not erleiden, sondern dass Gott uns in allen Umständen nahe ist und dass seine Versorgung letztlich vollkommen ist – wenn nicht in diesem Leben, dann in der kommenden Herrlichkeit.