Ps 90:4 – Gottes Uhr tickt anders
Donnerstag, 30. April 2026 – von Daniel Muhl
Tausend Jahre sind vor dir wie der Tag, der gestern vergangen ist, und wie eine Nachtwache.
Der Herr verzögert nicht die Verheißung, wie es einige für eine Verzögerung halten; sondern er hat Geduld mit euch und will nicht, dass jemand verloren werde, sondern dass jedermann zur Buße finde.
Als Kind war das Warten von einem Geburtstag zum nächsten für mich eine sehr lange Zeit. Heute stelle ich immer wieder erstaunt fest, wie schnell die Zeit vergeht. Unser Zeitempfinden verändert sich – nicht nur mit dem Alter, sondern auch je nach Situation (Pred 3:1).
Wenn ich zum Beispiel mit Schmerzen in der Notaufnahme sitze und sehnsüchtig auf den Arzt warte, der mir Linderung bringen kann, vergeht die Zeit gefühlt viel langsamer als im Urlaub, wenn ich viele schöne Dinge erleben kann.
Psalm 90,4 vermittelt den Eindruck, als würde Gott tausend Jahre wie einen Tag empfinden. Doch wie Gott Zeit tatsächlich wahrnimmt, entzieht sich unserem Verständnis – er ist der Ewige, der über Raum und Zeit steht.
Der Vers will daher vermutlich weniger Gottes Zeitempfinden erklären, sondern unsere Perspektive korrigieren: Unsere Zeit ist begrenzt, seine nicht. Was für uns unendlich lang erscheint, ist für ihn weder Problem noch Hindernis. Und dennoch entgeht ihm kein einziger Moment unseres Lebens (Hi 14:5 / Ps 139:1).
Wenn ich die Weltsituation betrachte und an die 388 Mio. verfolgten Christen denke, bete ich oft: „Ach Herr Jesus, komme doch bald und setze diesem unfassbaren Leid ein Ende!“ Voller Ungeduld warte ich auf sein Kommen. Wenn ich mir vorstelle, Jesus würde nächste Woche kommen und seine Gemeinde zu sich holen, löst das in mir unbändige Freude aus. Gleichzeitig werde ich an all jene Mitmenschen erinnert, die sich noch nicht Gott zugewandt haben und für seine Wiederkunft noch nicht bereit sind. Dieses Wissen verursacht Schmerz und eine gewisse Traurigkeit. Darum weiß ich nicht, ob es richtig wäre, wenn der HERR nächste Woche kommen würde. Zum Glück entscheidet das Gott, unser Vater (Offb 22:20).
In seinem letzten Brief spricht Petrus dieses Spannungsfeld an, indem er darauf hinweist, dass die Verheißung der Wiederkunft Jesu keine Illusion ist und sich eines Tages erfüllen wird, auch wenn Gott noch geduldig wartet, damit niemand verloren geht. Er hält seinen Zorn zurück, damit möglichst viele Menschen Buße tun und zu Gott umkehren.
Dieses langmütige Warten Gottes verleitet Spötter dazu, die Wiederkunft Jesu grundsätzlich infrage zu stellen. Manchmal zweifeln auch Christen an seiner baldigen Wiederkunft, weil sie und viele vor ihnen schon so lange darauf warten – und weil sie bis heute nicht eingetroffen ist (2Petr 3:3).
Auch wenn wir nicht sagen können, wie lange es noch dauert, bis der HERR wiederkommt, verdichten sich die Zeichen, die der Herr Jesus in seiner Endzeitpredigt erwähnt hat. Er wird wiederkommen, weil er es versprochen hat. Seine Verheißung steht fest – auch wenn seine Zeitrechnung eine andere ist als unsere (Mt 24:33 / Hebr 10:23).
Gebet: Danke, Herr Jesus, dass alles, was du verheißen hast, auch eintreffen wird – auch wenn es später geschieht, als wir es hoffen und wünschen. Danke für deine Geduld und Liebe und dafür, dass du das Verlorene suchst, bis du es findest! Amen (Lk 15:4 / 1Tim 2:4).
Noch ein Hinweis: Wer sich für die prophetische Bedeutung eines Gottestages und einer Nachtwache interessiert, kann diesen Link anklicken.

