Ps 90:16 – Gottes Wirken ist das Entscheidende
Montag, 27. April 2026 – von Daniel Muhl
Zeige deinen Knechten deine Werke und deine Herrlichkeit ihren Kindern.
Seht die Lilien, wie sie wachsen: Sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht. Ich sage euch aber, dass auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht gekleidet gewesen ist wie eine von ihnen.
Die rhetorische und psychologische Taktik, jemanden durch Ablenkung in die Irre zu führen, nennt man auch „Misdirection“. Man kennt sie zum Beispiel aus der Zauberkunst: Der Blick des Publikums wird auf eine auffällige Handbewegung gelenkt, während die andere Hand unbemerkt den eigentlichen Trick ausführt. Ähnlich ist es in der Politik, wenn ein Redner mit einer Kritik konfrontiert wird und ein anderes Thema ins Spiel bringt, um vom eigentlichen Problem abzulenken.
Während Satan, der Feind Gottes, diese Taktik perfekt beherrscht (Eph 6:11 / 1Petr 5:8 / Joh 8:44), macht Gott genau das Gegenteil: Er lenkt unseren Blick auf das, was wir als nächsten Schritt auf unserem Weg zum Ziel erkennen sollten (Spr 3:11-12). Allerdings ist dieser entscheidende Schritt häufig eine Erkenntnis, die uns nicht behagt, oder ein Handeln, zu dem wir keine Lust verspüren (Hebr 12:11). Manchmal ist es auch ein Hinweis, den wir als belanglos abtun, obwohl er äußerst wertvoll wäre, wenn wir tiefer darüber nachdenken würden (Jak 1:2-4).
Im heutigen Losungs- und Lehrtext geht es unter anderem genau darum. Mose konfrontiert uns in Psalm 90 mit unserer Sterblichkeit und Vergänglichkeit (Ps 90:3-12). Er beschreibt auch Gottes Zorn über die Sünde (Ps 90:7-11). Das sind Dinge, die wir nicht unbedingt hören wollen und lieber verdrängen (Joh 3:19-20). Stattdessen richten wir den Blick auf das, was wir geleistet haben, und hören gern auf Stimmen, die unseren eingeschlagenen Lebensweg bestätigen (2Tim 4:3-4).
Aber warum konfrontiert Gott uns mit einem so schwer „verdaulichen“ Thema? Ganz einfach: damit wir nicht so leben, als ginge es nur um unser irdisches Leben (Kol 3:1-2). Psalm 90 will uns dahin führen, dass wir nicht mehr voller Stolz auf das eigene Tun blicken (Ps 90:12). Wie oft schaue ich auf mein Wirken und meine Vorkehrungen und vertraue bewusst oder unbewusst auf diese Dinge (Spr 3:5-7). Darum brauche ich dieses Bewusstsein: „Meine Werke sind vergänglich und können mich nicht retten“.
Statt auf das zu schauen, was ich getan habe, sollte ich auf die Werke Gottes blicken – auf sein herrliches Schaffen, Handeln und Retten (Ps 77:12-13). Mose hat erkannt, dass uns das nicht leichtfällt und dass wir Gottes Handeln allzu oft übersehen. Darum bittet er:
- „Zeige deinen Knechten dein Werk und deine Herrlichkeit ihren Kindern!“
Das wunderbare Handeln Gottes wird allzu oft übersehen, während wir die Kunstfertigkeit der Menschen bewundern (Mt 6:19-21).
Salomo gilt als der herrlichste König in Israel. Unter seiner Herrschaft erreichten Pracht und Reichtum ihren Höhepunkt. Natürlich war er auch mit unbeschreiblich schönen Gewändern bekleidet. Während wir über solche künstlerischen Fähigkeiten staunen, beachten wir das kreative Wirken Gottes in der Natur vermutlich viel zu wenig, weil wir uns so sehr daran gewöhnt haben (Röm 1:20). Schöne Lilien oder Anemonen sieht man immer wieder, aber sie faszinieren uns nicht so sehr wie eine prunkvolle Königsrobe – es sei denn, wir schauen genauer hin.
Wer genauer auf die Werke Gottes in der Schöpfung schaut, kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus (Ps 19:2). Doch das ist längst nicht alles: Gottes Werke umfassen alles, von der Schöpfung über die Heilsgeschichte bis hin zu Rettung, Verwandlung und Vollendung seiner Schöpfung (Eph 1:9-10).
Gott lenkt unseren Blick sowohl auf unsere eigene Vergänglichkeit, damit wir nicht mehr auf uns selbst vertrauen, als auch auf sein Tun, damit wir lernen, ihm zu vertrauen – und zwar über den Tod hinaus (2Kor 1:9-10).
Gebet: Herr Jesus, hilf mir, auf das zu achten, was du mir zeigen möchtest – auch wenn es mir nicht gefällt. Lass mich auf dich schauen! Denn du bist mein Heiler, mein Erlöser, mein Retter und derjenige, der mich zur Vollendung führt. Amen.

