Gott schenkt, was wirklich gut ist (Ps 37:4)

Aus Bibelwissen

Von Daniel Muhl

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Habe deine Lust am HERRN; der wird dir geben, was dein Herz wünscht.

Psalm 37,4

Wenn nun ihr, die ihr doch böse seid, dennoch euren Kindern gute Gaben zu geben wisst, wie viel mehr wird euer Vater im Himmel Gutes geben denen, die ihn bitten!

Matthäus 7,11

Gott schenkt, was wirklich gut ist

Verspricht David im Losungsvers zu viel? Klingt es nicht nach „Wohlstandsevangelium" — als würde Gott jedem, der fromm lebt, automatisch alle Herzenswünsche erfüllen? Eine solche Lesart wäre tatsächlich problematisch, weil sie falsche Erwartungen wecken kann.

Darum ist der erste Teil des Verses entscheidend: „Habe deine Lust am HERRN" (Ps 37:4). Die Zusage steht nicht isoliert, sondern ist an eine Haltung gebunden. Doch was bedeutet es, Lust am HERRN zu haben? Viele erleben ihre Beziehung zu Gott eher als Pflicht denn als Freude — Gebet und Bibellese erscheinen als fromme Übungen statt als lebendige Begegnung.

Das hebräische Wort für „Lust" (anag) meint mehr als ein flüchtiges Gefühl. Es beschreibt ein tiefes Behagen, innere Freude, genießendes Wohlbefinden — ein zartes, vertrauensvolles Sich-Hingeben. Es geht um ein freudiges Verweilen bei Gott, um eine Beziehung, die von Nähe und innerer Zustimmung geprägt ist.

Es beschreibt einen Zustand tiefer Vertrautheit. Am ehesten lässt er sich mit der Nähe zweier Menschen vergleichen, die einander lieben und einander ganz vertrauen. Es ist das stille, selbstverständliche Zusammensein, in dem man nichts beweisen muss und einfach sein darf. Eine solche Nähe meint die „Lust am HERRN": bei Gott zur Ruhe kommen und sich in seiner Gegenwart geborgen wissen (Ps 16:11).

Doch wie kann das entstehen? Die Voraussetzung ist eine innere Sehnsucht und der Herzenswunsch danach. Wir dürfen uns bewusst Zeit nehmen, Gott zu begegnen — nicht aus Pflicht, sondern in der Erwartung, dass er sich uns schenken will (Jak 4:8). Dabei ist wichtig, dass wir ehrlich vor ihm werden: ihm unsere Kämpfe, Zweifel und Sehnsüchte bringen und in seinem Wort sowie in der Stille nach seinen Antworten suchen.

Wer die „Lust am HERRN" entdeckt, wird feststellen, dass sich seine Herzenswünsche nach und nach verändern. Durch die Vertrautheit mit Gott erkennen wir immer mehr seine Liebe, Gnade und Barmherzigkeit (Röm 5:5). Dies führt dazu, dass die Lust am HERRN zunimmt, während irdische Lüste an Reiz verlieren (1Jo 2:15-17).

So verstanden beschreibt die „Lust am HERRN" keinen Leistungsweg zu erfüllten Wünschen, sondern eine Herzenshaltung. Unsere Wünsche richten sich zunehmend auf das aus, was Gott gefällt — und genau das schenkt er gerne (Phil 2:13). Es geht darum, dass Gott selbst zum Inhalt unserer Freude wird — nicht primär seine Gaben, sondern er selbst (Ps 73:25-26). Zwar erfüllt er unsere Herzenswünsche oft nicht sofort — einige vielleicht erst in der Ewigkeit — doch dann ist das, was er gibt, so überwältigend, dass es alle unsere Erwartungen übertrifft (1Kor 2:9).

Gott ist der vollkommene Vater, der uns — aus Sicht der Ewigkeit — nur das Beste schenkt (Röm 8:28). Selbst wir fehlerhaften Menschen geben unseren Kindern das, was wir als gut beurteilen (Mt 7:11). Wie viel mehr gibt uns der himmlische Vater genau das, was sich unser Herz zutiefst wünscht: das Wissen, bedingungslos geliebt zu sein. Darum hat Gott uns seinen Heiligen Geist geschenkt — damit dieser unser Herz ganz mit seiner Liebe erfüllt (Röm 5:5)!