Spr 29:7

Aus Bibelwissen

Grundtext

MAS Spr 29:7 יֹדֵעַ צַדִּיק דִּין דַּלִּים רָשָׁע לֹא־יָבִין דָּֽעַת׃

Übersetzungen

SEP Spr 29:7 ἐπίσταται δίκαιος κρίνειν πενιχροῖς ὁ δὲ ἀσεβὴς οὐ συνήσει γνῶσιν καὶ πτωχῷ οὐχ ὑπάρχει νοῦς ἐπιγνώμων

ELB Spr 29:7 Der Gerechte ist bedacht auf den Rechtsanspruch der Geringen; der Gottlose versteht sich nicht auf Erkenntnis.
ELO Spr 29:7 Der Gerechte erkennt das Recht der Armen; der Gesetzlose versteht keine Erkenntnis.
LUO Spr 29:7 Der Gerechte +06662 erkennt +03045 (+08802) die Sache +01779 der Armen +01800; der Gottlose +07563 achtet +0995 (+08799) keine Vernunft +01847.
SCH Spr 29:7 Der Gerechte berücksichtigt das Recht der Armen; der Gottlose aber ist rücksichtslos.
PFL Spr 29:7 Es erkennt und anerkennt ein Gerechter die Rechtssache Geringer; ein Gottloser wird nicht unterscheiden Erkenntnis.
TUR Spr 29:7 Der Rechtliche weiß um der Armen Recht, der Frevler fasst das Wissen nicht.

Vers davor: Spr 29:6 --- Vers danach: Spr 29:8
Zur Kapitelebene Spr 29
Zum Kontext: Spr 29.

Informationen

🪔 Loslassen und gewinnen – Ein Leben für Jesus (Spr 29:7 & Lk 18:22) (D. Muhl)

Interlinear-Übersetzung

Grundtext Transliteration Übersetzung Strong-Nr.
יֹדֵעַ yodea erkennen, wissen, verstehen H3045
צַדִּיק tzaddik Gerechter, gerecht H6662
דִּין din Recht, Rechtssache, Rechtsanspruch H1779
דַּלִּים dallim Geringe, Arme, Niedrige H1800
רָשָׁע rasha Gottloser, Frevler, Böser H7563
לֹא lo nicht, kein H3808
יָבִין yavin verstehen, begreifen, einsehen H995
דָּעַת daat Erkenntnis, Wissen, Einsicht H1847

Versanalyse & Erläuterungen

Grundtextanalyse

Struktur des Verses:

Der Vers besteht aus zwei parallelen Halbversen, die einen Kontrast darstellen (antithetischer Parallelismus):

  • Halbvers A: "yodea tzaddik din dallim" – Der Gerechte erkennt das Recht der Armen
  • Halbvers B: "rasha lo-yavin daat" – Der Gottlose versteht keine Erkenntnis

Schlüsselbegriffe:

  • yodea (יֹדֵעַ): Partizip von yada (H3045), bedeutet "wissen, erkennen, verstehen". Es geht über bloßes intellektuelles Wissen hinaus und impliziert eine tiefe, persönliche Kenntnis und Einsicht. Der Gerechte hat nicht nur theoretisches Wissen, sondern praktisches Verständnis für die Rechtssituation der Armen.
  • tzaddik (צַדִּיק): Der "Gerechte" (H6662), jemand der in rechter Beziehung zu Gott steht und dessen Charakter sich in seinem Verhalten gegenüber anderen zeigt (Ps 1:6, Spr 10:11).
  • din (דִּין): "Recht, Rechtssache, Rechtsanspruch" (H1779). Dieser Begriff bezieht sich auf das rechtliche Verfahren und den Anspruch auf Gerechtigkeit. Es geht um die rechtmäßigen Anliegen und den Schutz der Schwachen im Rechtssystem.
  • dallim (דַּלִּים): Plural von dal (H1800), "die Geringen, Armen, Niedrigen". Diese Bezeichnung beschreibt Menschen in sozial und wirtschaftlich schwacher Position, die besonders schutzbedürftig sind (2Mo 23:3, 5Mo 15:11).
  • rasha (רָשָׁע): Der "Gottlose, Frevler" (H7563), das Gegenteil des Gerechten. Er handelt gegen Gottes Ordnung und missachtet die Rechte anderer (Ps 1:1, Spr 10:7).
  • yavin (יָבִין): Von bin (H995), "verstehen, begreifen, einsehen". Im Gegensatz zu yodea betont bin das Erfassen und Durchdringen von Zusammenhängen. Mit der Negation "lo" (nicht) wird ausgedrückt, dass der Gottlose fundamental unfähig ist, Einsicht zu erlangen.
  • daat (דָּעַת): "Erkenntnis, Wissen, Einsicht" (H1847). In den Sprüchen oft gleichbedeutend mit Weisheit und der Furcht des Herrn (Spr 1:7, Spr 2:5).

Hintergrundinformationen

Literarischer Kontext:

Sprüche 29 gehört zur Sammlung der "Sprüche Salomos" (Spr 25-29), die von den Männern Hiskias zusammengestellt wurden (Spr 25:1). Das Kapitel behandelt Themen wie Regierung, Gerechtigkeit und den Kontrast zwischen Weisen und Toren, Gerechten und Gottlosen.

Theologische Bedeutung:

  • Soziale Gerechtigkeit als Kennzeichen der Gerechtigkeit: Wahre Gerechtigkeit zeigt sich im praktischen Einsatz für die Rechte der Schwachen. Der Gerechte erkennt nicht nur theoretisch, dass Arme Rechte haben, sondern setzt sich aktiv für deren Durchsetzung ein (Spr 31:8-9, Jes 1:17).
  • Gottes Sorge für die Armen: Das AT bezeugt durchgängig Gottes besondere Fürsorge für die Schwachen (2Mo 22:21-24, 5Mo 10:18, Ps 82:3-4). Wer gerecht ist, spiegelt Gottes Charakter wider.
  • Mangelnde Erkenntnis als moralisches Versagen: Der Gottlose versteht nicht, weil er nicht verstehen will. Sein Mangel an Einsicht ist nicht intellektuell, sondern moralisch-geistlich begründet (Spr 28:5, Hos 4:6).
  • Zwei Lebensweisen: Der Vers illustriert den fundamentalen Unterschied zwischen dem Weg der Weisheit (Gerechtigkeit) und dem Weg der Torheit (Gottlosigkeit), ein zentrales Thema der Sprüche (Spr 4:18-19, Ps 1:1-6).

Praktische Anwendung:

Der Vers fordert Gläubige heraus, ihre Gerechtigkeit an ihrem Einsatz für die Schwachen und Benachteiligten zu messen. Echte Gottesfurcht zeigt sich in konkreter Fürsorge für diejenigen, die keine Stimme haben (Jak 1:27, Mt 25:31-46).

Parallelstellen

https://bibelwissen.ch/wiki/Spr_29.

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