"Gott der Heerscharen, stell uns wieder her!" nach Ps 80

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aus HSA: "Die Psalmen Israels"


"Gott der Heerscharen, stell uns wieder her!" Ps 80.

Immer wieder denkt man in den Asaf-Psalmen über Gottes rätselhaftes, scheinbar unverständliches Walten nach: Warum lässt er sein auserwähltes Volk, an dem er in der Vergangenheit so große Dinge getan hat, scheinbar im Stich? Warum dürfendie Feinde triummphieren? (Siehe besonders Ps 74 - Ps 77 - Ps 79) Während aber die Ps 74 und Ps 79 an die Zerstörung Jerusalems durch Nebukadnezar im Jahr 587 v.Chr. erinnern, dürfte im Ps 80 wegen der Überschrift der LXX ("den Assyrer betreffend") und der Erwähnung der Stämme Ephraim und Manasse an die Wegführung der Bewohner Nordisraels nach Assyreien im Jahr 722 zu denken sein.

In einem dreimal vorkommenden Kehrvers bittet Asaf inbrünstig: "Gott, stell uns wieder her!" Das Großreich Davids, das doch Gott selbst hatte erstehen lassen, wurde zerschnitten, verbrannt, ruiniert, so als hätten Wildschweine einen Weinberg verwüstet. Warum ließ Gott das zu? Ein Ausleger schreibt: "Die Absicht des Psalmisten ist, Gott selbst das Unbegreifliche, Widersinnige seines Verhaltens vor Augen zu führen. Wozu all diese Mühe und Pflege, die er seinem Weinstock angedeihen ließ, wenn er selbst nun die schützende Mauer abriss, sodass ihn die wilden Tiere ungestraft zerpflücken und zertretenkönnen?" (La).

Ja, Gottes Erziehungswege erscheinen unserem Verstand oft "widersinnig" - so als handele Gott gegen seine eigenen Interessen, und wir sind versucht ihm klarzumachen, wie er sein "verkehrtes" Tun "korrigieren" solle. Doch es ist besser, sich wie Asaf im Dennoch des Glaubens demütig an Gott zu klammern und ihn um Wiederherstellung eines früheren besseren Zustandes: Er will uns als "Söhne Gottes" in Jesu Bild gestalten (Röm 8:29 - Gal 4:19) und uns "erfüllen zur ganzen Fülle Gottes" (Eph 3:19). Und auch Israel will er im kommenden Königreich Jesu Christi noch viel mehr schenken als die Wiederherstellung früherer Größe.