Das All in Christus

Aus Bibelwissen

Aus der Reihe: Christi unausspürbarer Reichtum
Die ersten Gottes- und Christusoffenbarungen in der Vorschöpfungsperiode des Alls
von M. Jaegle und Mitarbeitern (1983)


Abschrift mit freundlicher Genehmigung von Gerhard Groß, Balingen
Dort als Schrift noch erhältlich.

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Inhaltsverzeichnis

In Bearbeitung

Die ersten Gottes- und Christusoffenbarungen in der Vorschöpfungsperiode des Alls

3. Das All in Christus

Dieser Teil hätte vielleicht richtiger die Überschrift tragen sollen: „Das All im Sohne Seiner Liebe“. Die Bezeichnung „der Sohn“ redet von dem, was dieser Seiner Herkunft nach i s t. Der Titel „Christus“ von dem was Er Seinem Amte gemäß t u t. Wir sind erschaffen im Sohn. Dies spricht von dem, was wir durch diese Gottestat wurden. Unsere Auserwählung in Christus aber von der Bestimmung, zu der wir erwählt sind. Das erstere bezeichnet das innige und wesenhafte Verhältnis, das auf Abstammung beruht. Das zweite deutet auf unsere Pflichten und Aufgaben, die sich aus unserer Verbindung mit dem gesalbten Mittler ergeben.

Mit der Zeugung Seines Sohnes hatte Gott begonnen, die Ausführung Seines Vorsatzes „Das All aus Gott“ in Angriff zu nehmen. Nach unserem Urteil und Ermessen hätte nun die Fortsetzung darin bestehen können, auf dem Weg dem Sohne nach, durch den Sohn, alle anderen Schöpfungen ins Leben und Dasein zu rufen. Aber statt dessen stellt uns die Schrift als nächste Gottestat „Das All im Sohne Seiner Liebe“ vor (Kol 1:16). Anstatt einer sofortigen Erschaffung hat das All zuerst in unerschaffenem Zustande eine Verlegung erfahren, und zwar aus Gott hinein in Christus. So hat Gott mit einer einzigen Tat Seinen Vorsatz verwirklicht.

Die sich nun hieraus ergebende Offenbarung über Seinen Sohn könne man überschreiben: „Unausforschlicher Reichtum Christi“, denn sie birgt eine überschwängliche Fülle Seiner Herrlichkeit in sich. Bevor wir nun auf die darin liegenden Enthüllungen eingehen, sei zunächst auf das hingewiesen, was Gott dabei verborgen hält.

Wir suchen nämlich vergebens Aufklärung darüber, wie diese Versetzung des Alls aus Gott in Christus stattgefunden hat. Gottes Wort lässt uns nur wissen, dass es geschehen ist, aber nicht wie und wann.

Immer wieder muss also betont werden, dass neben den so herrlichen Offenbarungen über die Vorschöpfungsperiode uns doch zahlreiche Vorgänge aus ihr verborgen bleiben. Eine Ursache dieser göttlichen Zurückhaltung ist wohl, dass wir im Körper unserer Erniedrigung gar nicht fähig und stark genug sind, umGottestaten von so gewaltigem Ausmaß zu fassen und zu ertragen. Trotzdem bergen diese Verhüllungen große Freuden für und: denn sie deuten auf einen überschwänglichen Reichtum der Erkenntnis Christi, den wir später werden erforschen und uns aneignen dürfen. Ist es doch unmöglich, den Reichtum Christi hier unten auszuschöpfen. Erst droben wird in ungeahnter Fähigkeit das Wachstum in der Erkenntnis weitergehen. Dann werden wir im Körper der Herrlichkeit befähigt sein, in jene Tiefen der Vorschöpfungsperiode zu blicken, die uns jetzt aus verständlichen Gründen verschlossen bleiben.

Bei einem Gesamtüberblick über die ersten Christusoffenbarungen sehen wir nun, wie in ihnen der Sohn Gottes sowohl in der Gleichheit mit Gott als auch mit den Geschöpfen erscheint. Mit stärksten Banden hat Ihn Gott an Sich wie auch an die Schöpfung gebunden. Diese Doppelstellung Christi ist die eigentliche Ausrüstung für Sein späteres Mittleramt und bildet den Pfeiler und festen Unterbau der unwandelbaren Grundlage, auf der Seine Rettungstat ruht.

Wenn nun Christus als Gottes erste Schöpfung (Kol 1:15; Offb 3:14) wohl auf der Stufe der Geschöpfe steht (Hebr 2:11), so begann doch schon mit Seiner Erschaffung auch Seine Erhöhung. Wurde Er doch nicht mit der übrigen Schöpfung zusammen ins Leben gerufen, sondern allein, als Erster. Kein anderes Geschöpf kann sich Ihm darin an die Seite stellen, und das bedeutete für Ihn schon den ersten Schritt aus der Gleichheit des Geschöpfes heraus und empor, ohne jedoch schon in die Gott-Gleichheit gehoben zu sein. Es war gewissermaßen eine Zwischenstufe, von der es nun aufwärts ging, hinauf in die Gleichgestaltung mit Gott.

Ein strahlender Edelstein

Kol 1:16: Ein strahlender Edelstein in der Krone der Herrlichkeiten Christi!
Schon in den vorhergehenden Kapiteln sahen wir Christus in einigen Seiner Erstgeburtsrechten. Nun geht der Kolosserbrief über zu einer Offenbarung, die von des Sohnes unfassbarer Größe zeugt: „Denn in Ihm ist erschaffen das All, das in den Himmeln und das auf der Erde, das Sichtbare und das Unsichtbare, es seien Throne oder Herrschaften oder Fürstlichkeiten oder Obrigkeiten; das All ist durch Ihn und zu Ihm hin erschaffen ...“

In diesen Worten ist die Einsetzung Christi in Seine höchsten Würden enthalten. Sie bestehen darin, dass Gott eine Anzahl Seiner eigenen Beziehungen zum All auf den Sohn überträgt.

Das A l l :
Röm 11:36 aus Gott - in Christus Kol 1:16
Röm 11:36 durch Gott - durch Christus Kol 1:16
Röm 11:36 zu Gott - zu Christus Kol 1:16

Welch tiefe Gottesgedanken müssen doch dieser Tat zugrunde liegen, dass es nun auch von Christus heißt: Das All in, durch und zu Ihm! Wie die Sonne am Morgen in ihrem vollen Strahlenglanze, so leuchten Christi vorweltliche Herrlichkeiten in diesem Schriftwort vor uns auf, jeder Strahl Seine Gottgleichheit und Seinen Sohnesadel kundmachend. Es gibt kein einziges Geschöpf, welches sich nicht schon einmal wie in Gott so auch in Christus befand und mit Banden der Liebe und des Lebens nun auch mit Ihm verbunden wurde. Und wie einst in Gott jedes Geschöpf die Veranlagung erhielt: „Zurück zum Schöpfer“, so hat es nun auch den Zug in sich: „Zurück zu Christus!“ Bevor alles zum Vater zurückkehrt, wird der Vater alle zum Sohne ziehen, und durch Christus wird dann jedes Geschöpf zum Vater zurückgebracht werden Vergl. Joh 6:44-445; Joh 14:7.

Mit diesem Rettungsprinzip offenbart Gott wieder in gewaltiger Weise das Mittleramt Christi. Der Weg zu Gott führt zurück nur über den Christus.

An dem allem wird schon offenbar, weshalb und zu welchem Zweck Gott eine Schöpfung ins Dasein rief. In Seiner Hand wird sie zum Mittel, um Seinen Sohn in die hohe Gleichstellung mit Ihm zu erheben und Seine mannigfaltigen Herrlichkeiten zur Schau zu stellen, zu Seiner eigenen Verherrlichung.

Christus in der Gleichgestalt Gottes

Wohl keine anderen Schriftworte vermögen so von der Größe Christi zu zeugen wie diese, die uns offenbaren, dass sich das All einst in Ihm befand. Um das All in Sich aufnehmen zu können, so wie es ursprünglich in Gott war, musste Christus eben wie Gott gestaltet sein. Wenn wir auch keine Einzelheiten darüber wissen, so können wir doch daraus schließen, dass Er eine unfassbare Größe besaß. Diese Offenbarung bildet zu dem, was Paulus im Philipperbrief von Christi vorweltlicher Herrlichkeit sagt, eine würdige Ergänzung und einen ausführlichen Kommentar. Hier mag uns ein Ahnen von der Tiefe der Erniedrigung Christi aufgehen. Er, der in der Gestalt Gottes das All in Sich trug, geht als ein Kindlein ein in das All!

Die Verpflanzung des Alls in Christus

Um den tiefsten Einblick in diese Gottestat zu gewinnen, ist es wichtig, diese auch mit sorgfältig dafür gewählten Namen zu benennen. „Verlegung“ wäre zwar nicht falsch, lässt aber die innere Verbindung nicht klar genug hervortreten; denn mit Verlegung kann man den Besitzwechsel eines Gegenstandes bezeichnen, ohne dass dieser in irgendeiner Beziehung zu seinem neuen Standort zu stehen braucht. „Versetzung“ gibt hierüber schon mehr Licht. Man kann einen toten Markstein versetzen, aber auch einen lebenden Baum.

Nun steht aber noch ein anderes Wort zur Verfügung, welches deutlich zeigt, dass es sich bei der Verlegung des Alls in Christus um die Herstellung einer tiefinnerlichen, lebensvollen Beziehung und Verbindung zwischen Ihm und der Schöpfung handelt. Es ist das Wort „Verpflanzung“. für die Benennung dieser Gottestat eignet sich dieses Wort darum so gut, weil es vom Geist Gottes für einen ähnliche Wahrheit, unsere Verbundenheit mit Christus, gebraucht wird. Nach Röm 6:5 sind wir „zusammengepflanzt“ worden in der Gleichgestalt Seines Todes. Das wird uns gesagt als Versicherung, dass unsere alte Menschheit mit gekreuzigt ward und wir nun in einem Auferstehungsleben wandeln. Und so hat Gott, ja das ganze All, in Christus verpflanzt wie ein lebendes Gewächs in seinen Nährboden, wo es Wurzel fasst und mit ihm verbunden wird.

Dieser Nährboden für das All war jetzt das Herz Christi. Dort hinein schlug es seine Wurzeln. Diese Beziehung zwischen Christus und der Schöpfung schuf Gott als einen Verbindungskanal, durch welchen sie n och den größten Segen empfangen wird. Und keine Macht wird diese Lebensbande zerstören können; denn bevor die Sünde auf dem Plan trat und die Schöpfung in ihre Tiefe zog, verwurzelte Gott sie in Christus und senkte ihren Anker sich in Ihn hinein.

Unser Einschluss in Christus

An diesem seligen Ort, in Christus, finden wir uns nun selber wieder. Es genügte Gott nicht, dass wir uns einmal in Ihm befanden. Bevor wir unsern Weg ins Dasein nahmen, durften wir am Herzen Christi ruhen und wurde unser Leben in Ihn versenkt. Wenn wir diese Wahrheit überdenken, werden unsere Herzen mit einer wahren Wonne erfüllt. Diese Erkenntnis ist ein Quell reinster, tiefster und stärkender Freude. Wir sollte oft aus ihm trinken, um seine alles überwindende Kraft in allen Anfechtungen und Drangsalen zu erfahren.

Das in Christus liegende Ziel Gottes

Nun liegt dem Einschluss des Alls in Christus als Tat Gottes eine besondere Absicht zugrunde. Um zu ihrer Erkenntnis zu gelangen, kann uns wieder ein Zug aus dem Familienleben als Vorstufe dienen. Schon bei der Abhandlung „Das All in Gott“ ließ sich für die darin waltende Liebe Gottes ein erklärende Parallele herstellen durch das starke Band der Liebe der Eltern zu ihren Kindern, welches durch die Zeugung entsteht.

Wir können von dieser Liebe garnicht genug denken; denn da sich darin fortlaufend bestätigende Gesetz bewahrt die Menschheit vor ihrem gänzlichen Zerfall in ihrer heutigen Verdorbenheit. Ja, die Menschheit ist tief gesunken, und die Zersetzung unserer Zeit reicht schon weit in die Familien, in die Lebenszellen der Völker, und richtet dort schweren Schaden an. Streit Unfriede, ein kaltes Zusammenleben sind leider das Gepräge so mancher Familie. Aber etwas, das fortlaufend Bestand hat, ist die Sorge der Mutter für ihre Kinder. Gewiss, in manchen Fällen geschieht das nachlässig genug und wird als schwere Last empfunden. Aber im großen und ganzen wird es eben doch durchgeführt. Zwar gibt es auch sog. Rabeneltern, die ihre Kinder aussetzen; aber es sind doch seltene Fälle, dass Eltern ihre Kinder ausstoßen und verlassen. für unsere letzte gefährliche Frist ward vom prophetischen Wort vorausgesagt (2Tim 3:2), dass Kinder ihren Eltern widerspenstig seien, aber nicht, dass Eltern ihre Kinder schmählich im Stich lassen werden. Es mögen Mütter verkommen sein, in Sünden versklavt und verdorben an Leib und Seele; aber wenn eines ihrer vernachlässigten Kinder stirbt, so wird ein solches Mutterherz, wenn auch nur kurz, von Schmerz erfasst. Wie ausgeprägt und mächtig ist aber erst dieser Liebeszug bei rechtschaffenen und noch mehr bei geheiligten, gläubigen Eltern! Wenn nun diese Liebe, die durch den Einschluss der in der in ihre Eltern entstand, in einer sündigen Menschheit weiter zu bestehen vermag und nicht auszurotten ist, in was für einer Vollkommenheit und Stärke muss sie erst in Christus bestehen durch ein Einschluss des Alls in Ihn!

Daraus darf nun nicht gefolgert werden, dass Gott das All in Christus verpflanzte, auf dass Er Liebe zur Schöpfung verlange, um auch die Rettungstat am Kreuze vollbringen zu können. Das wäre eine Christus sehr verunehrende Auffassung. Selbst wenn Er nur äußerliche Berührung mit der Schöpfung durch deren Herstellung mit Seinen Händen gehabt hätte, so würde das genügen, um Sein Herz mit einer grenzenlosen Liebe zur Schöpfung zu ihr zu erfüllen und von ihr erfasst zu werden. Er als der gehorsame Sohn Seines Vaters hätte dessen Liebe zur Schöpfung vollkommen mitempfunden. Diese Liebe wäre in Ihm so stark gewesen, dass Er genau denselben Kreuzes- und Todesweg gegangen wäre, wie Er es in Wirklichkeit getan hat. So berührte jenes Weib nur die Quaste Seines Kleides, in den Tagen Seiner Erniedrigung, und empfing aus Ihm göttliche, heilende Kraft (Mt 9:20-22). Gott hat aber der Schöpfung ganz Großes zugedacht. Um nun dasselbe empfangen zu können, musste sie in eine viel innigere Beziehung mit Christus gebracht werden aus diesem Grunde, um unseret-, um der Schöpfung willen, verpflanzte Gott das All in Christus.

Es ist wirklich erhebend, neu feststellen zu können, dass sich diese göttliche Absicht im Familienleben widerspiegelt. In der Beziehung zwischen Eltern und Kinder waltet ein Gesetz das in seinen Auswirkungen ein kleines Abbild des göttlichen Liebeswillens für uns dazustellen vermag. Das Familienleben baut sich auf unabänderlichen Gesetzen auf, die sich ganz selbstständig für die Kinder auswirken. Sie beruhen auf dem unwandelbaren Untergrund, dass die Kinder aus den Eltern sind. Durch diese lebensvolle Verbindung mit den Eltern, ja, wir können sagen, durch das Ineinander-fließen ihrer Leben, nehmen die Kinder an den geistigen und physischen Veranlagungen ihrer Eltern teil. Das ist eine ungeheuer wichtige Lebensangelegenheit. Auch die sog. erbliche Belastung entspringt ihr. Diese kann in Gesundheit oder Krankheit bestehen, in Tugenden oder Untugenden. Das alles haben die Kinder schon ansatzmäßig bei der Geburt in sich liegen. Damit soll nun keineswegs eine starre Regel aufgestellt werden; denn oft tritt auch das Gegenteil ein, dass von guten Menschen böse Nachkommen da sind oder auch umgekehrt. Wir würden ja sonst die Evolutions-Theorie aufrichten. Aber wir sehen darin doch etwas von den gewaltigen Auswirkungen, die durch den Einschluss der Kinder in ihre Eltern entstehen.

Ein weiteres sich daraus ergebendes Gesetz ist die Verantwortung, die Elter für ihre Kinder übernehmen. Verursachen Kinder, die noch nicht volljährig sind, irgend jemand Schaden, so sind die Elter dafür haftbar.

Das Erbgesetz

Was nun für unsere Untersuchung besonders hervorgehoben werden muss, ist das sog. Erbgesetz, welches bestimmt, dass den Kindern das zufällt, was die Eltern besitzen. Bekanntlich können Eltern auch ungehorsame Kinder nicht ganz enterben.

Die Familie ist also eine Lebensinteressengemeinschaft in vollendetstem Sinne. Die Bande des Blutes bilden eine Verbindung, einen Kanal, durch den gewisse Lebensausflüsse der Eltern auf die Kinder überfließen. Das alles gründet sich auf den Einschluss der Kinder in ihre Eltern. Wie notwendig dieser Einschluss für die Erlangung des elterlichen Besitzes ist, sei nun an einem Beispiel aus dem menschlichen Leben gezeigt.

Reiche, kinderlose Eheleute