Das 6. Gebot: Unterschied zwischen den Versionen
MI (Diskussion | Beiträge) |
MI (Diskussion | Beiträge) Keine Bearbeitungszusammenfassung |
||
| Zeile 15: | Zeile 15: | ||
Das sechste Gebot ist in der Anwendung schwierig. Es hat schon vielen Menschen große Gewissensnöte bereitet. Alle, die es ernstlich befolgen wollen, stoßen im praktischen Leben auf große Gegensätze. | Das sechste Gebot ist in der Anwendung schwierig. Es hat schon vielen Menschen große Gewissensnöte bereitet. Alle, die es ernstlich befolgen wollen, stoßen im praktischen Leben auf große Gegensätze. | ||
Viele haben dieses Gebot unbeachtet gelassen, weil es aus Gründen der Selbsterhaltung und der Verpflichtung zum Nächsten und zum Staat nicht anwendbar ist. Wer z. B. in ernster Notwehr sich verteidigen muss, oder zur Ausübung des polizeilichen Rechtes berufen ist, oder zur Landesverteidigung aufgerufen wird, kann unmöglich nach diesem Gebot sich richten. | |||
Viele Menschen haben zufolge ihrer Gebotstreue sich selbst, ihre Mitmenschen oder den Staat in sträflicher Weise vernachlässigt und haben dann schwere Nachteile auf sich nehmen müssen. | |||
Ebenso ernste Schwierigkeiten ergeben sich aus der Tatsache, dass Gott von seinem Volke verlangt, des Blutvergießers Blut gleichfalls zu vergießen. Ja, Gott ha gefordert, mit Völkern Kriege zu führen um sie zu unterwerfen, oft sogar zu vernichten. | |||
Noch krasser sind die Fälle, wo nach dem Willen Gottes aus religiösen Gründen Menschen umgebracht wurden. Man denke an Elias und die Baalspriester. Wie sind diese Dinge mit dem sechsten Gebot in Einlang zu bringen? Ist das überhaupt möglich? | |||
Man versuche nicht, diese Schwierigkeiten mit jenem bekannten Argument abzutun, dass dieses Gebot den einzelnen, privaten Menschen meine und ihm die sittliche Aufforderung erteile, seinem Mitmenschen kein Leid zuzufügen, sonderlich ihn aus eigener Verantwortung nicht zu töten. Diese Erklärung kann nicht befriedigen. Denn das Einzelleben ist die Grundlage des Gesamtlebens. Was für das Einzelleben gilt, ist auch für das Gesamtleben maßgebend. Und was im Gesamtleben nicht anwendbar und durchführbar ist, eignet sich ebensowenig für das Einzelleben. | |||
Zur Klärung dieser heiklen Angelegenheit ziehen wir zunächst die Vernunft zu Rate. Sie ist in der Lage, auf diese frage eine befriedigende Antwort zu geben. Sie steht hierin auch mit der Bibel im vollsten Einvernehmen. | |||
Es liegt in jedermanns Empfinden, dass das Töten eine verbotene Sache sein sollte. Denn das Töten hat es mit dem Tode, d. h. mit dem gewaltmäßigen Beendigen des Lebens zu tun. Leben und Tod sind die denkbar größten Gegner. Nichts ist dem Leben feindlicher gestellt als der Tod. Leben will und soll bestehen. Das Bleiben ist das Prinzip des Lebens. Darum fordert das Leben naturnotwendig und ganz kategorisch, dass das Töten unterbleiben soll!<br/><br/> | |||
==='''Was fordert das Leben?'''=== | |||
Was fordert das leben? „Du sollst nicht töten“! Da haben wir’s. Das Gebot spricht nur das aus, was das Leben fordert. Die Gebote stehen im Dienste des Lebens. Leben und Gebote sind darum nicht zu trennen; sie stehen im vollsten Einvernehmen. | |||
So haben wir die Tatsache vor uns, dass in Anbetracht des Tötens nicht das Gebot uns die Gewissensnöte im praktischen Leben bereitet, sondern die Ablehnung des Gebotes! In der Nichtbefolgung dessen, was das Leben fordert und was auch das Gebot gebietet, liegt die große Not. Da müssen die Ursachen gesucht werden, die uns das Halten des Gebotes so schwer machen. Die Feinde des Lebens, d. h. alles, was das Leben behindert, müssen erkannt und beseitigt werden. Dann erst erkennen wir, dass das Gebot eine lebensvernünftige Forderung und deinen beglückenden Sinn hat. | |||
Wir entsinnen uns auch, dass das vorhergehende Gebot dasselbe Ziel verfolgt, nämlich die Mehrung des Lebens. Wir erkannten, dass das natürliche Leben eine wunderbare Heilsbedeutung hat. Aus dem Fortgang des natürlichen Lebens kommt der Erlöser mit seiner herrlichen Erlösung. „In dir und deinem Samen sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden“. Diese Lebensweisheit sollte schon den Alten eigen sein. Und nun kommt das sechste Gebot hinzu mit dem Zweck der Lebens-Wahrung! und fordert: Du sollt nich töten, d. h. das Leben nicht irgendwie behindern und abbrechen; denn du unterbindest damit nicht nur das Leben, sondern auch das Heilsgeschehen. Damit versündigst du dich nicht allein am Schöpfer, sondern auch am Erlöser. | |||
Version vom 28. Juni 2022, 17:46 Uhr
Abschrift des Heftes: "Die 10 Gebote in heilsgeschichtlicher Deutung"
von Friedrich Malessa, Samplatten (Ostpr.) (1895-1981)
Veröffentlicht unter Zulassung der Militärregierung Juli 1948
im Kurt Reith Verlag Wüstenrot Württ.
Siehe weitere Abschriften
Inhaltsverzeichnis
Das 6. Gebot
- “Du sollst nicht töten“.
Das sechste Gebot ist in der Anwendung schwierig. Es hat schon vielen Menschen große Gewissensnöte bereitet. Alle, die es ernstlich befolgen wollen, stoßen im praktischen Leben auf große Gegensätze.
Viele haben dieses Gebot unbeachtet gelassen, weil es aus Gründen der Selbsterhaltung und der Verpflichtung zum Nächsten und zum Staat nicht anwendbar ist. Wer z. B. in ernster Notwehr sich verteidigen muss, oder zur Ausübung des polizeilichen Rechtes berufen ist, oder zur Landesverteidigung aufgerufen wird, kann unmöglich nach diesem Gebot sich richten.
Viele Menschen haben zufolge ihrer Gebotstreue sich selbst, ihre Mitmenschen oder den Staat in sträflicher Weise vernachlässigt und haben dann schwere Nachteile auf sich nehmen müssen.
Ebenso ernste Schwierigkeiten ergeben sich aus der Tatsache, dass Gott von seinem Volke verlangt, des Blutvergießers Blut gleichfalls zu vergießen. Ja, Gott ha gefordert, mit Völkern Kriege zu führen um sie zu unterwerfen, oft sogar zu vernichten.
Noch krasser sind die Fälle, wo nach dem Willen Gottes aus religiösen Gründen Menschen umgebracht wurden. Man denke an Elias und die Baalspriester. Wie sind diese Dinge mit dem sechsten Gebot in Einlang zu bringen? Ist das überhaupt möglich?
Man versuche nicht, diese Schwierigkeiten mit jenem bekannten Argument abzutun, dass dieses Gebot den einzelnen, privaten Menschen meine und ihm die sittliche Aufforderung erteile, seinem Mitmenschen kein Leid zuzufügen, sonderlich ihn aus eigener Verantwortung nicht zu töten. Diese Erklärung kann nicht befriedigen. Denn das Einzelleben ist die Grundlage des Gesamtlebens. Was für das Einzelleben gilt, ist auch für das Gesamtleben maßgebend. Und was im Gesamtleben nicht anwendbar und durchführbar ist, eignet sich ebensowenig für das Einzelleben.
Zur Klärung dieser heiklen Angelegenheit ziehen wir zunächst die Vernunft zu Rate. Sie ist in der Lage, auf diese frage eine befriedigende Antwort zu geben. Sie steht hierin auch mit der Bibel im vollsten Einvernehmen.
Es liegt in jedermanns Empfinden, dass das Töten eine verbotene Sache sein sollte. Denn das Töten hat es mit dem Tode, d. h. mit dem gewaltmäßigen Beendigen des Lebens zu tun. Leben und Tod sind die denkbar größten Gegner. Nichts ist dem Leben feindlicher gestellt als der Tod. Leben will und soll bestehen. Das Bleiben ist das Prinzip des Lebens. Darum fordert das Leben naturnotwendig und ganz kategorisch, dass das Töten unterbleiben soll!
Was fordert das Leben?
Was fordert das leben? „Du sollst nicht töten“! Da haben wir’s. Das Gebot spricht nur das aus, was das Leben fordert. Die Gebote stehen im Dienste des Lebens. Leben und Gebote sind darum nicht zu trennen; sie stehen im vollsten Einvernehmen.
So haben wir die Tatsache vor uns, dass in Anbetracht des Tötens nicht das Gebot uns die Gewissensnöte im praktischen Leben bereitet, sondern die Ablehnung des Gebotes! In der Nichtbefolgung dessen, was das Leben fordert und was auch das Gebot gebietet, liegt die große Not. Da müssen die Ursachen gesucht werden, die uns das Halten des Gebotes so schwer machen. Die Feinde des Lebens, d. h. alles, was das Leben behindert, müssen erkannt und beseitigt werden. Dann erst erkennen wir, dass das Gebot eine lebensvernünftige Forderung und deinen beglückenden Sinn hat.
Wir entsinnen uns auch, dass das vorhergehende Gebot dasselbe Ziel verfolgt, nämlich die Mehrung des Lebens. Wir erkannten, dass das natürliche Leben eine wunderbare Heilsbedeutung hat. Aus dem Fortgang des natürlichen Lebens kommt der Erlöser mit seiner herrlichen Erlösung. „In dir und deinem Samen sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden“. Diese Lebensweisheit sollte schon den Alten eigen sein. Und nun kommt das sechste Gebot hinzu mit dem Zweck der Lebens-Wahrung! und fordert: Du sollt nich töten, d. h. das Leben nicht irgendwie behindern und abbrechen; denn du unterbindest damit nicht nur das Leben, sondern auch das Heilsgeschehen. Damit versündigst du dich nicht allein am Schöpfer, sondern auch am Erlöser.
