Das 2. Gebot: Unterschied zwischen den Versionen
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::<big>''' | ::<big>'''„Du sollst dir kein Bildnis noch irgend ein Gleichnis machen, weder des, das oben im Himmel, noch des, das unten auf Erden, oder des, das im Wasser unter der Erde ist. Bete sie nicht an und diene ihnen nicht. Denn ich der Herr, dein Gott, bin ein eifriger Gott, der da heimsucht der Väter Missetat an den Kindern bis in das dritte und vierte Glied, die mich hassen; und tue Barmherzigkeit an vielen Tausenden, die mich lieben, und meine Gebote halten."'''</big><br/><br/> | ||
Beginnt das erste Gebot mit der Darstellung des Erlösers, um dann kurz auch die Erlösungsnotwendigkeit anzudeuten, so behandelt das zweite Gebot dieselben Gegenstände in umgekehrter Reihenfolge. Die erlösungsnötigenden Gründe stehen im Vordergrund und werden umfassend erwähnt. | |||
Das ist folgerichtig. Ganz eigenartig wird im ersten Gebot der Jehova (= Erlösungsvollführer) und Elohim (= Erlösungsbestimmer) vorgestellt, damit die Erlösungsnotwendigkeit begriffen werde. Der Erlöser bewirkt das Erlösungs-Wollen. Ds erste ist darum nicht die Darstellung der Erlösung, sondern des Erlösers. In der Gegenwart des Erlösers wird die Erlösungsnotwendigkeit erkannt. „In seinem Licht sehen wir das Licht“. Kein anderer als der Erlöser stellt die Gründe, die ihn auf den Plan rufen, heraus. Hat im ersten Gebot der Erlöser die Erlösung erforderlich gemacht, so kann im zweiten Gebot das Erforderliche zuerst ins Gesichtsfeld treten. Darum beginnt das zweite Gebot mit der Schulddarstellung. | |||
Die Gründlichkeit der Schulddarstellung ist begründet in der Gründlichkeit der Erlöserdarstellung. Wo er sich offenbart, ist vor ihm alles offenbar. | |||
Zu beachten ist, dass die Schulddarstellung nicht mit dem Vorsatz der Verdammung vorgenommen wird. Im Verdammungsfalle müsste es heißen: Weil du das getan hast, wirst du ... Hier ist eine Schulddarstellung mit dem Vorsatz der Erlösung. Denn es heißt: Du sollst nicht! Das ist eine Warnung. Warnung ist aber bereits Hilfe, mindestens Hilfsangebot. | |||
Auch ist zu berücksichtigen, dass die persönliche Schuld, d. h. die Schuld des Einzelnen aufgewiesen wird: D u sollst nicht. So wie die Errettung (= das neue Leben) nur im Persönlichen und Einzelnen vollzogen werden kann, so muss dementsprechend die persönliche Schuld erkannt werden. - Die Gesamtschuld ist übrigens nur deswegen so wenig erkennbar, weil sie zu unpersönlich ist. Die Gesamtschuld wird meisten als jemands Schuld empfunden. | |||
Wie sehen die hier aufgewiesenen Schuld-Stufen aus?<br/><br/> | |||
==='''Von Gott ein Bild machen'''=== | |||
Das ist eine große Entgleisung, jedoch nicht die größte. Beim Sich-ein Bild-machen von Gott ist eine Gottablehnung noch nicht vorhanden. Im Gegenteil, der „Bildner“ hat eine gewisse Gott-Achtung. Nur möchte er von Gott ein Bild haben. Er möchte über Gott „im Bilde“ sein. Das ist: | |||
::a) ein unbewusstes Befolgen der satanischen Einflüsterung: „Ihr werdet sein wie Gott!“. Das ist ein Eindringen in Gott. Nicht im Sinne des Erforschens, sondern der Angleichung. Um seinesgleichen zu werden. Das ist: | |||
::b) eine Gott-Entwürdigung. Denn wenn der Mensch Gott „im Bilde“ vor sich hat, dann ist Gott des Menschen Denk- oder Vorstellungsprodukt geworden. Das Bild ist das menschliche Vermögen, jedoch nicht mehr Gott. - Das ist Satans Trick. Da,it ist er dem Menschen behilflich, Gott natürlicher zur erkennen. Dabei wird eine radikale Vermenschlichung Gottes vollzogen. Gott sinkt herab zum Produkt des Menschen. | |||
Nach dem Urtext handelt es sich nicht nur um ein Bild, sei es ein gedankliches oder gemaltes, sondern um ein geschnitztes Bild, um ein Schnitzwerk. Da ist die Entgleisung noch viel folgenschwerer gekennzeichnet. Ein geschnitztes Bild ist mehr als ein Denk- oder Malbild. In einem Schnitzwerk liegt viel Absicht, Eifer, Ausdauer, Meisterschaft, Verewigungsabsicht usw. Es soll auf ewig mit einem mit viel Meisterschaft angefertigten Geschnitz das Ab-Bild geschaffen werden. | |||
Welche Not wird hiermit aufgewiesen! Wie geringfügig, sogar „fromm“ mag der erste menschliche Anlass zu dieser Verirrung sein. Mit wieviel Eifer und Liebe wird der Mensch diese Verirrung oft verfechten. Und je mehr er dafür strebt, umso größer ist sein Abgleiten in die Gott-Ferne.<br/><br/> | |||
====<big>Von Gott ein Gleichnis machen</big>==== | |||
Dieses Vorhaben ist eine wesentlich tiefere Stufe. Jedoch immer noch nicht das Gott-Gegnerische. Der Mensch will etwas mit Gott vergleichen, Gott gleich machen. Beim Vorhergehenden sahen wir, dass der Mensch Gott abbilden will. Hier sehen wir, dass er bestrebt ist, irgend etwas Gott gleich zu setzen. Da war die Vermenschlichung Gottes festzustellen, hier die Vergöttlichung des Menschlichen. Der Wert Gottes wird gemessen an dem Wert der irdischen Dinge. Oder auch umgekehrt, der Wert der irdischen Dinge wird dem Werte Gottes angeglichen. Wie hoch die Dinge einzuschätzen sind, so hoch ist Gott. Es geht hier vor sich die Verwandlung, von der Paulus in Röm 1:23 spricht. | |||
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Version vom 21. Juni 2022, 17:56 Uhr
Abschrift des Heftes: "Die 10 Gebote in heilsgeschichtlicher Deutung"
von Friedrich Malessa, Samplatten (Ostpr.) (1895-1981)
Veröffentlicht unter Zulassung der Militärregierung Juli 1948
im Kurt Reith Verlag Wüstenrot Württ.
Siehe weitere Abschriften
Inhaltsverzeichnis
Das 2. Gebot
- „Du sollst dir kein Bildnis noch irgend ein Gleichnis machen, weder des, das oben im Himmel, noch des, das unten auf Erden, oder des, das im Wasser unter der Erde ist. Bete sie nicht an und diene ihnen nicht. Denn ich der Herr, dein Gott, bin ein eifriger Gott, der da heimsucht der Väter Missetat an den Kindern bis in das dritte und vierte Glied, die mich hassen; und tue Barmherzigkeit an vielen Tausenden, die mich lieben, und meine Gebote halten."
- „Du sollst dir kein Bildnis noch irgend ein Gleichnis machen, weder des, das oben im Himmel, noch des, das unten auf Erden, oder des, das im Wasser unter der Erde ist. Bete sie nicht an und diene ihnen nicht. Denn ich der Herr, dein Gott, bin ein eifriger Gott, der da heimsucht der Väter Missetat an den Kindern bis in das dritte und vierte Glied, die mich hassen; und tue Barmherzigkeit an vielen Tausenden, die mich lieben, und meine Gebote halten."
Beginnt das erste Gebot mit der Darstellung des Erlösers, um dann kurz auch die Erlösungsnotwendigkeit anzudeuten, so behandelt das zweite Gebot dieselben Gegenstände in umgekehrter Reihenfolge. Die erlösungsnötigenden Gründe stehen im Vordergrund und werden umfassend erwähnt.
Das ist folgerichtig. Ganz eigenartig wird im ersten Gebot der Jehova (= Erlösungsvollführer) und Elohim (= Erlösungsbestimmer) vorgestellt, damit die Erlösungsnotwendigkeit begriffen werde. Der Erlöser bewirkt das Erlösungs-Wollen. Ds erste ist darum nicht die Darstellung der Erlösung, sondern des Erlösers. In der Gegenwart des Erlösers wird die Erlösungsnotwendigkeit erkannt. „In seinem Licht sehen wir das Licht“. Kein anderer als der Erlöser stellt die Gründe, die ihn auf den Plan rufen, heraus. Hat im ersten Gebot der Erlöser die Erlösung erforderlich gemacht, so kann im zweiten Gebot das Erforderliche zuerst ins Gesichtsfeld treten. Darum beginnt das zweite Gebot mit der Schulddarstellung.
Die Gründlichkeit der Schulddarstellung ist begründet in der Gründlichkeit der Erlöserdarstellung. Wo er sich offenbart, ist vor ihm alles offenbar.
Zu beachten ist, dass die Schulddarstellung nicht mit dem Vorsatz der Verdammung vorgenommen wird. Im Verdammungsfalle müsste es heißen: Weil du das getan hast, wirst du ... Hier ist eine Schulddarstellung mit dem Vorsatz der Erlösung. Denn es heißt: Du sollst nicht! Das ist eine Warnung. Warnung ist aber bereits Hilfe, mindestens Hilfsangebot.
Auch ist zu berücksichtigen, dass die persönliche Schuld, d. h. die Schuld des Einzelnen aufgewiesen wird: D u sollst nicht. So wie die Errettung (= das neue Leben) nur im Persönlichen und Einzelnen vollzogen werden kann, so muss dementsprechend die persönliche Schuld erkannt werden. - Die Gesamtschuld ist übrigens nur deswegen so wenig erkennbar, weil sie zu unpersönlich ist. Die Gesamtschuld wird meisten als jemands Schuld empfunden.
Wie sehen die hier aufgewiesenen Schuld-Stufen aus?
Von Gott ein Bild machen
Das ist eine große Entgleisung, jedoch nicht die größte. Beim Sich-ein Bild-machen von Gott ist eine Gottablehnung noch nicht vorhanden. Im Gegenteil, der „Bildner“ hat eine gewisse Gott-Achtung. Nur möchte er von Gott ein Bild haben. Er möchte über Gott „im Bilde“ sein. Das ist:
- a) ein unbewusstes Befolgen der satanischen Einflüsterung: „Ihr werdet sein wie Gott!“. Das ist ein Eindringen in Gott. Nicht im Sinne des Erforschens, sondern der Angleichung. Um seinesgleichen zu werden. Das ist:
- b) eine Gott-Entwürdigung. Denn wenn der Mensch Gott „im Bilde“ vor sich hat, dann ist Gott des Menschen Denk- oder Vorstellungsprodukt geworden. Das Bild ist das menschliche Vermögen, jedoch nicht mehr Gott. - Das ist Satans Trick. Da,it ist er dem Menschen behilflich, Gott natürlicher zur erkennen. Dabei wird eine radikale Vermenschlichung Gottes vollzogen. Gott sinkt herab zum Produkt des Menschen.
Nach dem Urtext handelt es sich nicht nur um ein Bild, sei es ein gedankliches oder gemaltes, sondern um ein geschnitztes Bild, um ein Schnitzwerk. Da ist die Entgleisung noch viel folgenschwerer gekennzeichnet. Ein geschnitztes Bild ist mehr als ein Denk- oder Malbild. In einem Schnitzwerk liegt viel Absicht, Eifer, Ausdauer, Meisterschaft, Verewigungsabsicht usw. Es soll auf ewig mit einem mit viel Meisterschaft angefertigten Geschnitz das Ab-Bild geschaffen werden.
Welche Not wird hiermit aufgewiesen! Wie geringfügig, sogar „fromm“ mag der erste menschliche Anlass zu dieser Verirrung sein. Mit wieviel Eifer und Liebe wird der Mensch diese Verirrung oft verfechten. Und je mehr er dafür strebt, umso größer ist sein Abgleiten in die Gott-Ferne.
Von Gott ein Gleichnis machen
Dieses Vorhaben ist eine wesentlich tiefere Stufe. Jedoch immer noch nicht das Gott-Gegnerische. Der Mensch will etwas mit Gott vergleichen, Gott gleich machen. Beim Vorhergehenden sahen wir, dass der Mensch Gott abbilden will. Hier sehen wir, dass er bestrebt ist, irgend etwas Gott gleich zu setzen. Da war die Vermenschlichung Gottes festzustellen, hier die Vergöttlichung des Menschlichen. Der Wert Gottes wird gemessen an dem Wert der irdischen Dinge. Oder auch umgekehrt, der Wert der irdischen Dinge wird dem Werte Gottes angeglichen. Wie hoch die Dinge einzuschätzen sind, so hoch ist Gott. Es geht hier vor sich die Verwandlung, von der Paulus in Röm 1:23 spricht.
