Der Zweck der Apokalypse: Unterschied zwischen den Versionen
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Zwischen dem '''ersten''' Advent, der der Gegenstand der Evangelien ist, und dem '''zweiten''' Advent, der der Gegenstand der Apokalypse ist, steht die '''gegenwärtige Zwischenzeit''', die das Thema der Apostelgeschichte und der Episteln bildet. | Zwischen dem '''ersten''' Advent, der der Gegenstand der Evangelien ist, und dem '''zweiten''' Advent, der der Gegenstand der Apokalypse ist, steht die '''gegenwärtige Zwischenzeit''', die das Thema der Apostelgeschichte und der Episteln bildet. | ||
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Diese Zwischenzeit ist in zwei unterschiedliche Perioden geteilt: 1. in die von der Apostelgeschichte umschlossene Periode, 2. die von den Episteln umfasste Periode. | Diese Zwischenzeit ist in zwei unterschiedliche Perioden geteilt: 1. in die von der Apostelgeschichte umschlossene Periode, 2. die von den Episteln umfasste Periode. | ||
Version vom 10. Januar 2020, 16:49 Uhr
Abschrift des Buches: Die Apokalypse oder der Tag des Herrn
Verfasser: E. W. Bullinger (1902)
Inhaltsverzeichnis
Kapitel davor: Einleitung 3. Teil
Einleitung 4. Teil
Der Zweck der Apokalypse
Der Zweck der Apokalypse ist das Wichtigste aller einleitenden Themen,die mit der Auslegung des Buches in Verbindung stehen. Es ist keine richtige Auslegung möglich, wenn nicht der Zweck bekannt ist. Am besten ist er aus dem Bau des Buches zu ersehen; ehe wir aber dazu übergehen diesen zu betrachten, möchten wir zeigen, wie der Zweck aus der Stellung der Offenbarung im Kanon der Heiligen Schrift und aus ihrem Verhältnis zu den anderen Büchern des Neuen Testaments zu erkennen ist. Wir müssen darüber zuerst klar sein, wenn wir Stellung, Gegenstand und Ziel des Buches verstehen wollen.
Die Reihenfolge der Bücher des Neuen Testaments sind unterschiedlich in den Texten, Übersetzungen und Anordnungen, die erhalten und uns bekannt sind.*)
- z.B. die Verzeichnisse in dem Muratorischen Fragment (160-170 n. Chr). Eusebius (hier eccl. III. 25) um 340. Athanasius: Festbriefe (geschrieben i. J. 1367) Band 1, 767, 961. Ed. Benedict, Paris 1777. Gregor von Nazianz (Carm. Sect I. 12,5) im J. 391. Konzil von Karthago 397. Rusinus 410.
Wenn aber auch die Reihenfolge der einzelnen Bücher verschieden ist, so sind sie doch stets zu vier immer gleichen Gruppen geordnet: 1. die vier Evangelien, 2. die Apostelgeschichte, 3. die Episteln, 4. die Apokalypse.
Die vier Gruppen stehen immer in dieser Reihenfolge. Vier "Gruppen" sagen wir; doch wird man bemerken, dass nur die erste und dritte wirkliche Gruppen sind; die zweite und die vierte bestehen jeweils nur aus einem Buch.
Die Aufeinanderfolge der einzelnen Bücher in diesen zwei Büchern ist unterschiedlich, so z.B. die Reihenfolge der Evangelien. Ebenso ist die Reihenfolge der Episteln unterschiedlich, denn in einigen Texten werden die paulinischen Episteln vor den allgemeinen und anderen Episteln aufgeführt und umgekehrt. Aber wie die paulinischen Brief an die Gemeinden niemals in ihrer Reihenfolge abweichen, so ist auch die Reihenfolge der vier Gruppen niemals unterschiedlich.
Ihre Beziehungen zueinander können kurz durch den folgenden Aufbau gekennzeichnet werden:
Die Bücher des Neuen Testaments:
Der erste Advent
Das Kommen des "Menschensohnes"
- Evangelien - zur Darstellung des Reiches. Die Verwerfung des Reiches und die Kreuzigung des Königs.
Israel: siehe Apostelgeschichte
- A - Die Wiederaufnahme Israels und die abermalige Darstellung des Königs. Israels Verwerfung durch Gott.
- B - Die Wegnahme und Austreibung Israels aus dem Land. Gottes Verwerfung Israels.
Gemeinde: siehe Episteln; Zwischenzeit zwischen 1. und 2. Advent
- B - Die Aussonderung der Kirche aus Juden und Heiden, um "einen neuen Menschen" zu bilden, den Leib Christi.
- A - Die Entrückung der Kirche dem Herrn entgegen in die Luft, um ewig bei Ihm zu sein: unsere "Versammlung zu Ihm"
Der zweite Advent
Das Kommen des "Menschensohnes" zur - Apokalypse - Aufrichtung des Reiches mit Macht und großer Herrlichkeit. Die Gründung des Reiches und Krönung des Königs.
Aus diesem Aufbau ist zu ersehen, dass die Apokalypse in besonderer Beziehung zu den vier Evangelien steht, nicht zu den Episteln.
Die Evangelien berichten die Ereignisse, die mit dem ersten Kommen des Herrn verbunden sind, die Apokalypse berichtet diejenigen, die mit Seinem zweiten Kommen verbunden sind.
In den Evangelien haben wir den "Tag des Menschensohnes" (Lk 17:22); in der Apokalypse den "Tag des Herrn" (Offb 1:10).
Die Evangelien schließen mit der großen Weissagung von "des Menschen Sohn in den Wolken des Himmels mit großer Kraft und Herrlichkeit" (Mt 24:30; Mtt 26:64; Mk 13:36; Lk 21:27), worauf die Geschichte von Seinem Leiden und Sterben folgt.
Die Apokalypse nimmt dieses Thema auf und erklärt gleich zu Anfang, dass die Prophezeiung erfüllt ist: "Siehe, Er kommt mit den Wolken, und des werden Ihn sehen alle Augen, und die in Ihn gestochen haben." (Offb 1:7); worauf die Schilderung der Gerichte, das Kommen und die Krönung folgt.
Die Evangelien enthalten die Weissagung der großen Trübsal, in der Apokalypse wird die große Trübsal einehen beschrieben.
Zwischen dem ersten Advent, der der Gegenstand der Evangelien ist, und dem zweiten Advent, der der Gegenstand der Apokalypse ist, steht die gegenwärtige Zwischenzeit, die das Thema der Apostelgeschichte und der Episteln bildet.
Die Zwischenzeit
Diese Zwischenzeit ist in zwei unterschiedliche Perioden geteilt: 1. in die von der Apostelgeschichte umschlossene Periode, 2. die von den Episteln umfasste Periode.
Die Apostelgeschichte hat die Wieder-Darstellung des Königs und des Reiches zum Thema. Israel wird wieder aufgenommen, und Petrus gebraucht die ihm zu diesem Zwecke übergebenen Schlüssel des Reiches und öffnet es den Juden und Heiden (Nationen). Durch die überschwängliche Gnade Gottes wird dem Volk Israel das Reich noch einmal angeboten. Wei Israel es aber verwirft, so ist der Kelch seiner Bosheit gefüllt. Das Volk hat nicht nur den auferstandenen Christus verworfen, sondern widerstrebt auch dem Heiligen Geist. Es hat dem Jehova des Alten Testaments, dem Messias der Evangelien und dem Heiligen Geist der Apostelgeschichte Widerstand geleistet. Das Amt des Petrus überragt zum Teil das des Paulus, und Israel behält seine privilegierte Stellung bei. Zuletzt aber wird Apg 28:17-28 das Urteil ausgesprochen, worauf das Volk aus seiner Stadt und seinemLand in Eile weggenommen wird.
Dann folgt der Zwischenabschnitt, den die Episteln umschließen, deren Thema die Aussonderung der christlichen Kirche bildet.
Die Kirche (Gemeinde) hat einen anderen Beruf, einen anderen Stand und eine andere Bestimmung als Juden sowohl wie Heiden. Sie ist aus beiden zusammengesetzt und wartet nun darauf, entrückt zu werden dem Herrn entgegen in die Luft.
Diese beiden Teile der gegenwärtigen Zwischenzeit mögen ineinander übergreifen, gleichwie das Amt des Paulus als Heidenapostel ihn unter die Heiden und doch in die Synagogen führte.
Erst kurz nach dem Tode des Apostels hörte Gott gänzlich auf, Israel als Israel zu behandeln. Das Gericht hatte bereites angefangen. Nun wurde das Volk über die Erde zerstreut, der Tempel zerstört, und die natürlichen Zweige wurden für eine Zeit aus dem Ölbaum ausgebrochen (Röm 11.).
danach wird uns in den Episteln der Beruf und die Hoffnung der Kirche vor Augen gestellt. sie wird jetzt ausgesondert und wartet darauf, entrückt zu werden, dem Herrn entgegen in die Luft, sie wartet auf "unsere Versammlung zu Ihm" (1Thes 1:10; 1Thes 4:15 - 1 Thes 5:4; 2Thes 2:1-3), ehe der "Tag des Herrn" kommen wird.
Dies ist der Grund unserer ganzen Stellung und ist, wie wir glauben, zu einem klaren Verständnis der Apokalypse nötig.
Es ist darum gut, über den großen Zweck des Buches weiter gewiss zu werden, wie er hervorgeht aus der Stellung der Apokalypse im Neuen Testament und aus ihrer besonderen Beziehung zu den Evangelien.
1Thes 5:4 wird uns ausdrücklich gesagt: "Ihr aber, liebe Brüder, seid nicht in der Finsternis, dass euch der Tag (der Tag des Herrn 1Thes 5:2) wie ein Dieb ergreife."
Da die Offenbarung jenen Tag schildert (Offb 1:10; Offb 3:3; Offb 16:15) und das Kommen des Herrn wie ein Dieb (vgl. Mt 24:48.44), so ist klar, dass die christliche Kirche (Gemeinde) entrückt sein muss, bevor der Herr Jesus in dieser Welt geoffenbart wird. Denn wir werden schon "Ruhe" haben mit Ihm und mit der ganzen Kirche, "wenn der Herr Jesus wird offenbart werden vom Himmel samt den Engeln Seiner Kraft, und mit Feuerflammen, Rache zu über über die. die Gott nicht erkennen, und über die, die nicht gehorsam sind dem Evangelium unseres Herrn Jesus Christi; welche werden Pein leiden, das äonische Verderben (vertrieben zu werden) von dem Angesicht des Herrn und von Seiner herrlichen Macht, wenn Er gekommen sein wird, dass Er herrlich erscheine mit Seinen Heiligen und wunderbar mit allen Gläubigen. Denn unser Zeugnis an euch von demselben Tage habt ihr geglaubt. (2Thes 1:7-10).
Die Zeitform ist hier (2Thes 1:10) nicht die einfache Zukunft im Indikativ, sondern die Zeit des Aorist im Konjunktiv, (elthe), und kann nur bedeuten: wird gekommen sein. In 2Thes 1:7: "wenn der Herr Jesus wird offenbart werden" ist überhaupt kein Verbum gebraucht, sondern ein Substantiv: en te apokalypsei; es heißt also: bei der Offenbarung (wörtl. bei der Apokalypse).
So wird also "bei der Apokalypse" Jesus Christi die christliche Kirche schon Ruhe haben. Die Kirche hat jetzt ihre "Trübsal" (2Thes 1:4.5) das lehrt uns 2Thes 1:7.
Wenn aber die Zeit da ist, der Welt zu "vergelten Trübsal", dann wird Christus schon gekommen sein, dass Er herrlich erscheine mit Seinen Heiligen. Denn an "demselbigen Tage" wird Er gekommen sein, uns zu sich aufzunehmen, um immer bei dem Herrn zu sein. Das zeigt uns 2Thes 1:10.
Dass die Zeitform nur so verstanden werden darf, geht aus den folgenden Beispielen, wo sie auch gebraucht ist, klar hervor.
Mt 21:40: "Wenn nun der Herr des Weinbergs kommen wird" (gekommen sein wird).
Lk 17:10: "Also auch ihr, wenn ihr alles getan habt" (getan haben werdet).
Mk 8:38: "Wer sich aber Meiner... schämt..., des wird sich auch des Menschen Sohn schömen, (hier haben wir die einfache Zukunft) wenn Er kommen wird (hotan elthe, wie 2Thes 1:10, also: gekommen sein wird), so wird Er's uns alles verkündigen."
Apg 23:35: "Ich will dich erhören, wenn deine Kläger auch da sind" (wenn deine Kläger auch gekommen sein werden).
Joh 16:13: "Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, kommen wird" (gekommen sein wird)
