2025-05 - Andachten vom Mai 2025

Aus Bibelwissen

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Donnerstag, 1. Mai 2025

All sein Tun ist Wahrheit, und seine Wege sind recht, und wer stolz einherschreitet, den kann er demütigen.

Daniel 4,34

Der Hauptmann aber, der dabeistand, Jesus gegenüber, und sah, dass er so verschied, sprach: Wahrlich, dieser Mensch ist Gottes Sohn gewesen!

Markus 15,39

Gott erkennen ist Leben!

Heute von Eberhard Klein

In den Bibelversen des Losungs- und des Lehrtextes sprechen zwei Männer auf völlig unterschiedliche Art und Weise davon, dass sie Gott – zumindest ein Stück weit – kennengelernt haben.

In Dan 4:34 spricht der mächtige und reiche babylonische König Nebukadnezar. Er wird von Gott als König der Könige (Dan 2:37) und als goldenes Haupt (Dan 2:38) bezeichnet. Nebukadnezar erlebte Gottes machtvolles Handeln: Er ließ drei Freunde Daniels in einen glühend heißen Ofen werfen, weil sie ihm die Anbetung verweigerten. Gott schickte einen Engel und bewahrte die Männer in der Gluthitze, sodass kein Haar an ihnen versengt wurde (Dan 3:20-27). Trotz dieses erlebten Wunders überhob er sich und gab Gott nicht die Ehre (Dan 4:27). Er hielt sich, wie so viele Mächtige dieser Welt, für den Größten und wurde daraufhin von Gott gedemütigt (Dan 4:30-33). Der Vers in Dan 4:34 enthält die letzten von Nebukadnezar in der Bibel überlieferten Worte und bezeugt, was Nebukadnezar in einer harten „Gnadenschule" über den lebendigen Gott gelernt hat: Gottes Handeln an Seinen Menschen und Gottes Wege mit Seinen Menschen sind durch und durch richtig, wahr und gerecht (Ps 145:17). Und Nebukadnezar erkannte, dass Stolz und Hochmut Gottes Widerstand hervorrufen (1Petr 5:5; Jak 4:6) und früher oder später unweigerlich zur Demütigung des Menschen führen (Spr 16:18).

In Mk 15:39 spricht der römische Zenturio, der das Hinrichtungskommando leitete, das Jesus kreuzigte. Sechs Stunden lang erlebte der Zenturio den Todeskampf Jesu am Kreuz (Mk 15:25-34) und die besonderen Umstände der dreistündigen Finsternis von 12 Uhr bis 15 Uhr, der Todesstunde Jesu (Mt 27:45). Die Evangelisten berichten uns einige Worte, die Jesus am Kreuz sprach (Lk 23:34-46), aber darüber hinaus wenig von Seinem schmerzvollen Leiden und Sterben.

Aber auf den Zenturio, der vermutlich schon manche andere Kreuzigung miterlebt hatte, machten Jesu Leiden und Sterben am Kreuz einen tiefen Eindruck (Mt 27:54). Einen so tiefen Eindruck, dass er zu der Erkenntnis kam: „Wahrlich, dieser Mensch ist Gottes Sohn gewesen" (Mk 15:39). Er erkannte in dem Menschen Jesus von Nazareth den Sohn des lebendigen Gottes (Mt 16:16)! Ein absolutes Minimum an Gotteserkenntnis erwartet Gott von jedem Menschen, und das kann Er auch von jedem Menschen erwarten (Röm 1:19). So ist Gottes unsichtbares Wesen, Seine ewige Kraft und Seine Göttlichkeit in Seiner Schöpfung erkennbar (Röm 1:20). Somit kann jeder Mensch Gott als Schöpfer erkennen und Ihm die entsprechende Ehre und den angemessenen Dank dafür bringen (Ps 19:2; Apg 14:17).

Im großen Priestergebet Jesu in Johannes 17 betet Jesus zu Seinem Vater im Himmel, dass die Erkenntnis des wahren Gottes und Seines Gesandten Jesus Christus ewiges Leben bedeutet. Da heißt es in Vers 3:

"Dies aber ist das ewige Leben, dass sie dich, den allein wahren Gott, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen."

Diese Erkenntnis geht über das Erkennen eines Schöpfergottes hinaus (Joh 1:14; Joh 14:7). Erkenntnis Gottes und Seines Sohnes, wie Jesus es meint, bedeutet Gottes Liebe zu erkennen – Gottes unfassbar große Liebe in der Sendung Seines Sohnes auf unsere Erde (1Jo 4:9) und in der allumfassenden Rettung durch Jesu Tod am Kreuz von Golgatha (Joh 1:29). Solches Erkennen Gottes, das sich im Glauben äußert (Hebr 11:6), bedeutet, das ewige Leben zu finden. Darum sagt Jesus zu Nikodemus in Johannes 3:16:

“Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.”

Die Erkenntnis Gottes mag in jedem Menschen anders geprägt und ausgeprägt sein. Aber das Lesen der Bibel, verbunden mit gläubigem, hörendem Gebet zu dem lebendigen Gott, lässt uns alle in der Erkenntnis Gottes wachsen (Eph 1:17). Das ist Gottes Anliegen für uns (Kol 1:10 / 2Petr 3:18) und macht uns fest und gewiss in der Hoffnung des ewigen Lebens (1Jo 5:13).

Freitag, 2. Mai 2025

Ich will dich nicht verlassen noch von dir weichen.

Josua 1,5

Siehe, da tat sich Jesus der Himmel auf, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube herabfahren und über sich kommen.

Matthäus 3,16

Der HERR ist da, und Er kommt!

Kennst du das? Plötzlich ist das Vorbild, der Mentor oder der Coach weg, und du stehst allein da! Jahrelang konntest du dich an deinem Lehrer orientieren, von ihm lernen, profitieren und dich auch ein Stück weit „anlehnen" – aber dann ist er plötzlich nicht mehr da. Es fühlt sich an, als würde dir eine wichtige Stütze weggenommen.

Als Teenager und junger Mann war mein Großvater mein „Bibellehrer". Zu ihm konnte ich mit jeder Frage kommen, und er gab mir stets treffende und wertvolle Antworten. Durch ihn konnte ich das Wort Gottes immer besser verstehen und die wunderbare Liebe Gottes erkennen (2Tim 3:14-15). Er war mir in vieler Hinsicht ein Vorbild. Solche Vorbilder sind in jungen Jahren eine große Kostbarkeit, da sie uns auf künftige Aufgaben vorbereiten. Doch irgendwann kommt der Tag, an dem man sich nicht mehr auf sie stützen kann und selbstständig seinen Weg gehen muss. Dies ist zwar herausfordernd, aber auch wichtig!

Fast 40 Jahre lang konnte sich Josua an Mose orientieren und viel von ihm lernen. Doch nach Moses Tod schien Josua zunächst „allein" dazustehen (5Mo 34:5). Von außen betrachtet mochte das stimmen, aber in Wirklichkeit war er nicht allein, denn der unsichtbare und allmächtige Gott begleitete ihn. Als Josua die Führung des Volkes Israel übernahm, sagte der HERR in Jos 1:5 zu ihm:

"Wie ich mit Mose gewesen bin, werde ich mit dir sein; ich werde dich nicht aufgeben und dich nicht verlassen."

Bereits 38 Jahre zuvor war Josua ein Mann des Glaubens. Als er mit Kaleb und zehn anderen Kundschaftern aus dem verheißenen Land Kanaan zurückkehrte, waren er und Kaleb fest davon überzeugt, dass der HERR ihnen dieses Land geben würde – trotz der „Riesen" und der gut befestigten Städte (4Mo 13:30). Die zehn anderen Kundschafter hielten es für unmöglich, dieses Land einzunehmen, weil sie nur auf ihre eigene Kraft schauten und nicht mit der Kraft ihres allmächtigen Gottes rechneten. Josuas jahrzehntelanges Gottvertrauen qualifizierte ihn zum Nachfolger von Mose.

Durch Mose führte Gott sein Volk aus der Sklaverei, und durch ihn erhielten sie das Gesetz (2Mo 20:1-17). Doch ins verheißene Land konnte Mose sie nicht führen – diese Aufgabe war Josua vorbehalten. Dies hat auch eine symbolische Bedeutung: In das „verheißene Land" – also in den Himmel – gelangt man nicht durch das Gesetz – indem man alle Gebote hält –, sondern nur durch „Josua" (hebr. jehoschua), dessen Name im Griechischen „Jesus" lautet (Apg 7:45) und „Jahwe ist Rettung" bedeutet. Jahwe lässt sich auch als „der Ewig-Seiende" übersetzen, und da Jahwe im Neuen Testament als „kyrios" bezeichnet wird, finden wir in deutschen Übersetzungen häufig das Wort „HERR" (vgl. dazu Ps 110:1 und Mt 22:44)

Nachdem sich Jesus taufen ließ und damit zum Ausdruck brachte: „Ich bin bereit, mich in den Tod zu geben", öffnete sich der Himmel, und der Geist Gottes kam in Gestalt einer Taube auf ihn herab (Mt 3:16). Durch Jesu Tod am Kreuz öffnete sich für uns der Himmel vollends, denn durch den Glauben wurden wir von der Sünde befreit und mit der Vollkommenheit Jesu beschenkt (2Kor 5:21). Seit Pfingsten kommt der Heilige Geist auf alle, die sich dem HERRN anvertraut haben (Apg 2:38).

Allein durch den „himmlischen Jehoschua" kommen wir in das „verheißene Land" (Joh 14:6), und nur durch ihn öffnet sich für uns der Himmel, sodass wir einst in das himmlische Vaterhaus einziehen können! Wie sehr wünschte ich, es wäre schon so weit!

Samstag, 3. Mai 2025

HERR, neige mein Herz zu deinen Zeugnissen und nicht zur Habsucht.

Psalm 119,36

Sei du selbst ihnen ein Vorbild im Tun des Guten und, was die Lehre betrifft, ein Beispiel deines unbestechlichen Urteils, von allen geachtet und untadelig in der Verkündigung des gesunden Wortes, so dass dein Gegenspieler beschämt wird und nichts Schlechtes mehr über uns zu sagen weiß.

Titus 2,7-8

Lehre und vorbildliches Leben aus Liebe

Stell dir vor, du besuchst ein großes Volksfest mit vielen bunten Ständen, die leckeres Essen und feine Getränke anbieten. Überall gibt es Vergnügungsangebote wie Achterbahnen, Karusselle, Autoscooter, Los- und Schießbuden. Zwischen zwei Ständen steht ein einfacher Tisch – ohne Reklameschild, ohne Schmuck. Auf dem Tisch liegt eine große, aufgeschlagene Bibel. Sie zeigt Johannes 3, und der 16. Vers ist mit einem gelben Leuchtstift markiert, wo der weltbekannte Satz steht:

"Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat." (Joh 3:16)

Normalerweise würden diese beiden alltäglichen Gegenstände kaum einen Vorübergehenden interessieren. Doch weil sie an dieser Stelle so deutlich aus der Reihe fallen, könnten sie die Neugierde einzelner Festbesucher wecken. Wenn ein Leser diesen Vers zum ersten Mal bewusst wahrnimmt, könnte diese eine Aussage sein Leben vollständig verändern. Vielleicht würde ihm erstmals bewusst werden, dass es einen Gott gibt, der alle Menschen liebt (1Joh 4:16) – einen Gott, der aus Liebe zu uns sein Liebstes gab, um mit uns in eine Liebesbeziehung zu treten.

Wie der Besucher eines Volksfestes, der seinen Blick auf die bunten Stände richtet, so wird unser Herz von allen möglichen Dingen abgelenkt, die uns wesentlich mehr faszinieren als das Wort Gottes. Die Aussage des Psalmisten ist daher zeitlos und bedeutsam, wenn er Gott darum bittet: „Neige mein Herz zu deinen Zeugnissen und nicht zur Habsucht." (Ps 119:36) Der Schreiber dieses Verses hat erkannt, was auch uns heute bewusst werden sollte: „Ich brauche Gottes Hilfe, damit mein Herz nicht von den vielen Informationen und Bildern der Medien dominiert wird und sich stattdessen vermehrt dem Wort Gottes zuwenden kann!" Das Ablenkungspotenzial war vermutlich noch nie so groß wie heute.

Die Habsucht ist ebenso ein größeres Problem, als vielen Christen bewusst ist (Kol 3:5). Während manche Sünden offensichtlich sind, verbirgt sich die Habsucht oft hinter einem scheinbar „materiell gesegneten Leben", und der Geiz tarnt sich häufig als „vorbildliche Sparsamkeit".

Die wichtigsten Ursachen für Habsucht und Gier sind:

  1. Die Vorstellung, dass mehr Besitz zu mehr Glück und Lebensgenuss führt. Dies ist jedoch ein Betrug Satans, denn wahres Glück und Genuss sind viel stärker mit Dankbarkeit und Genügsamkeit verbunden als mit großem Vermögen (1Tim 6:6).
  2. Menschen glauben oft, dass viel Besitz ein sicheres Leben garantiert. Große Reserven geben uns zwar ein Gefühl von Sicherheit, doch Jesus erzählte von einem reichen Mann, der neue Scheunen für seine reiche Ernte baute, um jahrelang sorglos leben zu können (Lk 12:16-21). Noch in derselben Nacht starb er – und all sein Reichtum war bedeutungslos (Lk 12:20).
  3. Wer nach Macht strebt, braucht viel Geld. Doch was nützt uns alle Macht der Welt, wenn wir nicht den allmächtigen Gott auf unserer Seite haben? Absolut nichts! (Mt 16:26)

Wir dürfen uns bewusst machen: Unsere Herzen wenden sich nicht automatisch von der Habsucht ab. Wir können uns nicht einfach selbst umpolen – dazu sind wir zu tief verstrickt in das Denken dieser Welt (Röm 12:2). Genau deshalb ist das Evangelium so entscheidend: Gott hat uns in Christus nicht nur ein Vorbild gegeben, sondern einen Retter. Jesus ist nicht gekommen, um uns einfach ein besseres Leben zu predigen, sondern um uns durch seinen Tod und seine Auferstehung ein neues Herz zu schenken (Hes 36:26) – eines, das ihn liebt, ihm vertraut und sich nicht mehr auf Besitz oder Macht verlässt.

In Jesus sehen wir, wie wahre Genügsamkeit und vollkommene Liebe aussehen. Und in ihm empfangen wir beides: Vergebung für unser oft habsüchtiges Herz – und Kraft für ein neues Leben (2Kor 5:17). Er verändert nicht nur unser Verhalten, sondern unsere Motivation: aus Zwang wird Liebe, aus Pflicht wird Freude. Nur wer das Evangelium im Herzen trägt, kann wirklich ein Vorbild im Tun des Guten sein – nicht aus Stolz, sondern aus Dankbarkeit (2Kor 9:7).

Sonntag, 4. Mai 2025

Der HERR ist meine Stärke und mein Lobgesang und ist mein Heil.

2.Mose 15,2

Maria sprach: Gewaltiges hat er vollbracht mit seinem Arm, zerstreut hat er, die hochmütig sind in ihrem Herzen.

Lukas 1,51

Die Macht der Ohnmächtigen

Gibt es eine Macht der Ohnmächtigen? Ist das nicht ein Widerspruch in sich selbst? Ein Ohnmächtiger ist ja gerade dadurch gekennzeichnet, dass er keine Macht besitzt. Dies stimmt zwar grundsätzlich – doch sobald der ewige Gott „ins Spiel" kommt, ändert sich alles!

Als Sklaven waren die Israeliten in Ägypten vollkommen machtlos. Ägypten war eine Supermacht mit hochentwickelter Technik und einer gut ausgerüsteten Armee. Auch in spiritueller Hinsicht besaßen die Ägypter außergewöhnliche Kräfte – ihre Magier konnten sogar übernatürliche Wunder vollbringen (2Mo 7:10-22 / 2Mo 8:2-3).

Nachdem Gott Mose berief und zehn Plagen über Ägypten brachte, sah sich der Pharao gezwungen, die aus menschlicher Sicht ohnmächtigen Israeliten ziehen zu lassen. Dies war nur durch Gottes übernatürliches Eingreifen möglich. Am Schilfmeer gerieten die Israeliten erneut in eine ausweglose Situation, als sie zwischen dem Meer und der ägyptischen Armee eingekesselt waren. Doch der HERR teilte das Meer, sodass die Israeliten trockenen Fußes hindurchziehen konnten (2Mo 14:21-22). Als danach alle ägyptischen Soldaten im Meer ertranken, hatten die Ohnmächtigen die Mächtigen endgültig besiegt – nicht durch eigene Kraft, sondern durch die Stärke des HERRN.

Nach diesem Wunder sangen Mose und die Israeliten ein Lied, das in 2Mo 15:1-21 zu finden ist. Im heutigen Losungsvers werden drei Dinge aufgezählt, was der HERR für die Sänger ist:

  1. Der HERR ist meine Stärke. Nicht ich bin stark, sondern der HERR! Dies betont die persönliche Erfahrung der göttlichen Kraft. Ich bin ohnmächtig, aber der HERR ist mächtig, und weil er mir beisteht, bin ich stark (Ps 28:7)!
  2. Der HERR ist mein Lobgesang. Dies zeigt ein Dreifaches:
    • Der HERR ist die Quelle und der Grund meines Lobpreises
    • Er selbst ist der Inhalt des Lobgesangs. Seine Person, sein Charakter und seine Taten werden besungen.
    • Der HERR ist der Ermöglicher: Er gibt die Fähigkeit und Kraft zum Loben.
  3. Der HERR wurde mir zur Rettung. Die Israeliten wurden aus dieser „ausweglosen Situation" gerettet, weil der HERR ihnen half.

Der Ohnmächtige, der den HERRN an seiner Seite hat, ist stärker als der mächtigste Mensch (1Jo 4:4)!

Maria war eine „unbedeutende Jugendliche", die in einer „unbedeutenden Familie" und an einem „unbedeutenden Ort" aufgewachsen ist. Nach der Begegnung mit dem Engel Gabriel, der ihr die Empfängnis eines göttlichen Kindes verkündete (Lk 1:26-38), besuchte sie ihre Verwandte Elisabeth. Dort lobte sie Gott und staunte darüber, dass er ihre Niedrigkeit angesehen und sie auserwählt hatte, den Sohn des lebendigen Gottes zu gebären. Nicht die Frauen der mächtigen Römer oder der religiösen Elite hatte Gott erwählt, sondern sie, die Niedrige und Unbedeutende. Dies war ein gewaltiges Zeichen, das im Laufe der Zeit immer mehr offenbar wurde und die Hochmütigen früher oder später zerstreute und auch künftig jeden Stolzen erniedrigen wird (1Kor 1:27-29).

Paulus schrieb in 2Kor 12:9: „Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig!" Vielleicht fühlst auch du dich heute schwach und ohnmächtig – aber wenn du auf den Allmächtigen vertraust, bist du bereits jetzt auf der Seite des Siegers (Röm 8:37)!

Montag, 5. Mai 2025

Der HERR verstößt nicht ewig; sondern er betrübt wohl und erbarmt sich wieder nach seiner großen Güte.

Klagelieder 3,31-32

Zacharias forderte eine kleine Tafel und schrieb: Er heißt Johannes. Und sie wunderten sich alle. Und sogleich wurde sein Mund und seine Zunge aufgetan, und er redete und lobte Gott.

Lukas 1,63-64

Jede Erziehungsmaßnahme Gottes ist zeitlich begrenzt

Die Klagelieder könnten als das traurigste und verzweifeltste Buch der Bibel bezeichnet werden. Jahrelang versuchte der Prophet Jeremia, die Bevölkerung Jerusalems zur Umkehr zu bewegen (Jer 7:1-7). Er sehnte sich danach, dass die Stadt Buße tun und sich von ihren bösen Taten abwenden würde – vergeblich. Die Menschen hörten nicht auf Jeremia; im Gegenteil: Sie verspotteten ihn und zeigten ihm gegenüber offene Feindseligkeit (Jer 20:7-8).

Dann kam der Tag, an dem die Babylonier die Stadt einnahmen, viele Menschen töteten und in die Gefangenschaft oder Sklaverei führten (2Kön 25:1-21). Als Reaktion darauf schrieb Jeremia die Klagelieder – ein Ausdruck tiefster Traurigkeit und Verzweiflung. Diese Klage Jeremias beinhaltet letztlich auch das Klagen Gottes über sein Volk.

Das Anstimmen eines Klageliedes als Verarbeitung der eigenen Trauer entspricht zwar nicht unbedingt unseren heutigen Gewohnheiten, doch ich bin überzeugt, dass dieser Prozess äußerst wertvoll ist und zu Trost und Heilung beiträgt (Ps 42:6).

Trotz der Traurigkeit dieser Kapitel besitzt der Text eine bemerkenswerte literarische und mathematische Schönheit. Das Buch ist mathematisch symmetrisch aufgebaut und folgt im Hebräischen einer alphabetischen Struktur. Mehr dazu siehe hier.

Inmitten der Klage und Trauer leuchtet ein Hoffnungsstrahl auf, als Jeremia diese drei Verse niederschreibt, die in der Elberfelder Bibel folgendermaßen übersetzt sind:

31 Denn nicht für ewig verstößt der Herr,

32 sondern wenn er betrübt hat, erbarmt er sich nach der Fülle seiner Gnadenerweise.

33 Denn nicht von Herzen demütigt und betrübt er die Menschenkinder.

Diese Verse offenbaren das Herz Gottes: Sie zeigen, dass der Ungehorsam zwar Strafe und Betrübnis erforderte, aber Gott dies nicht von Herzen tut und seine Erziehungsmaßnahmen zeitlich begrenzt sind (Hos 11:8-9). Gott will sich über sein Volk erbarmen, weil er es liebt. Wie auch Jesaja in Kapitel 57 feststellen durfte:

"Denn ich will nicht ewig rechten und nicht für immer ergrimmt sein; denn der Geist würde vor mir verschmachten, und die Seelen, die ich ja gemacht habe." Jes 57:16

Weil Geist und Seele in einem endlosen Gericht verschmachten würden, hat Gott aus Liebe zu seinen Geschöpfen die Dauer seiner Gerichte zeitlich begrenzt – so auch bei der Strafe des Zacharias:

Obwohl Zacharias und seine Frau Elisabeth „gerecht vor Gott" waren (Lk 1:6), konnte Zacharias dem Engel des HERRN nicht glauben, dass sie als altes Ehepaar noch einen Sohn bekommen sollten. Daraufhin wurde er mit neunmonatiger Stummheit bestraft (Lk 1:20).

Zacharias' Stummheit war aber nicht nur Strafe – sie war auch Gnade. In der erzwungenen Stille bekam er Zeit, über die Worte des Engels nachzudenken, über sein eigenes Herz und Gottes Plan. Vielleicht hätte er sonst weiter diskutiert, gezweifelt, geredet – aber durch das Schweigen wurde er zum Hören gezwungen. Gerade in der Sprachlosigkeit konnte Gott tiefer wirken. Manchmal redet Gott am klarsten, wenn wir selbst nichts mehr sagen können (Ps 46:11). In einer Welt voller Lärm kann das Schweigen zu einem Ort der Begegnung mit Gott werden – zu einem stillen Raum, in dem unser Vertrauen wächst.

Als Zacharias nach der Geburt des Johannes gehorsam den Namen seines Sohnes auf eine Tafel schrieb, wurde er von seiner Stummheit geheilt und lobte Gott (Lk 1:63-64)!

Wer Gott nicht glaubt und ihm nicht vertraut, mag zwar sprechen können, doch seine Worte des Unglaubens bleiben ohne Ewigkeitswert (Mt 12:36-37). Lasst uns stattdessen auf Gott vertrauen und ihn loben, denn er ist barmherzig!

Dienstag, 6. Mai 2025

So hört nun, ihr, die ihr ferne seid, was ich getan habe, und die ihr nahe seid, erkennt meine Stärke!

Jesaja 33,13

Jesus spricht zu Marta: Habe ich dir nicht gesagt: Wenn du glaubst, wirst du die Herrlichkeit Gottes sehen?

Johannes 11,40

Hören, Glauben, Erkennen und Sehen

Hören, glauben und auf Gott vertrauen ist manchmal eine große Herausforderung. Dies hat mehrere Gründe. Das grundlegende Problem, das seit dem Sündenfall existiert (1Mo 3:1-7), ist unser unterschwelliges Misstrauen gegenüber Gott, das sich in vielen zweifelnden Fragen zeigt:

  • Gibt es überhaupt einen unsichtbaren allmächtigen Gott?
  • Wenn ja, hört er mich und interessiert er sich für mich (1Petr 5:7)?
  • Meint er es gut mit mir oder achtet er nur darauf, welche Sünden ich begehe, um mich dann zu bestrafen (Röm 8:28)?
  • Kann er sich überhaupt um mich kümmern, oder ist er nicht mit vielen anderen und „wichtigeren Dingen" beschäftigt (Mt 10:30)?
  • Hilft er nicht nur denjenigen, die viel perfekter sind als ich (2Kor 12:9)?

Es gibt wahrscheinlich kaum einen Menschen, der sich nicht schon solche oder ähnliche Fragen gestellt hat. Wenn man sich nach den unterschiedlichen Meinungen umhört, vernimmt man viele verschiedene Ansichten – diese tragen oft nicht dazu bei, die erwähnten Fragen klar beantworten zu können.

Menschen stützen sich auf ihre eigenen Erfahrungen, doch diese fallen so unterschiedlich aus wie die Menschen selbst. Erfahrungen, die aus Unglauben und Misstrauen entstehen, unterscheiden sich grundlegend von jenen, die auf einem Vertrauen zu Gott basieren (Hebr 11:6).

Georg Müller, der Waisenvater von Bristol, machte beispielsweise Hunderte außergewöhnliche Erfahrungen, weil er Gott liebte und ihm vertraute – selbst dann, wenn er keinen Ausweg mehr sah (Ps 37:5). Soweit bekannt, bat er nie einen Menschen um Geld und konnte dennoch ein gewaltiges Werk aufbauen und Hunderte Waisenkinder versorgen.

Vor etwas mehr als 20 Jahren konnte ich mir kaum vorstellen, wie Gott mich und meine Familie versorgen würde, wenn ich ausschließlich für den HERRN arbeiten sollte – ohne Festanstellung bei einer Organisation oder Gemeinde und ohne Freunde um finanzielle Unterstützung zu bitten. Heute weiß ich, dass dies möglich ist, wenn man von Gott dazu beauftragt wird und ihm vertraut (Phil 4:19).

Durch den Propheten Jesaja forderte Gott die Bewohner Jerusalems auf, zu hören, was der HERR zu sagen hat, und auf das zu achten, was er getan hat! Die Juden wussten zwar, dass sie einen Gott haben, der übernatürliche Wunder vollbringen kann, doch als das gewaltige assyrische Heer ihre Stadt belagerte, zweifelten einige an seinem Beistand. Dabei hatten sie einen Propheten in der Stadt, der sich bereits als zuverlässig erwiesen hatte und ihnen Gottes Hilfe zusicherte. Auch wurde Jerusalem von König Hiskia regiert, der fest auf Gott vertraute. Dies führte dazu, dass die Stadt auf übernatürliche Weise gerettet wurde (2Kön 19:35-36). Während die Bürger, die nicht auf Gott vertrauten, Todesängste durchlitten, konnten jene, die den Zusagen Jesajas glaubten und Gottes frühere Taten bedachten, trotz der gewaltigen Bedrohung gelassen in die Zukunft blicken.

Jesus kam „zu spät", um Lazarus von seiner Krankheit zu heilen – denn dieser war bereits seit vier Tagen tot und verweste schon (Joh 11:17). Jede menschliche Erfahrung sagte hier deutlich: „Es ist vorbei! Lazarus werden wir nie wiedersehen!" Doch durch Jesu Anwesenheit schöpfte Marta neue Hoffnung und Glauben, sodass sie zu ihm sagte: „Aber auch jetzt weiß ich, dass Gott dir alles geben wird, worum du ihn bittest." (Joh 11:22) Sie glaubte und durfte die Herrlichkeit Gottes sehen, als Jesus Lazarus von den Toten auferweckte!

Wer heute lernt, auf den HERRN zu vertrauen – auch dann, wenn es nicht so läuft, wie man sich das gewünscht hat –, der wird eines Tages die Herrlichkeit Gottes sehen (1Jo 3:2), spätestens dann, wenn er wiederkommt, um die Gläubigen zu sich zu holen! Das Vertrauen auf Gott muss täglich neu geübt werden und ist ein Lernprozess, der ein Leben lang dauert!

Mittwoch, 7. Mai 2025

Der HERR antwortete Hiob: Wo warst du, als ich die Erde gründete und zum Meer sprach: »Bis hierher sollst du kommen und nicht weiter; hier sollen sich legen deine stolzen Wellen!«?

Hiob 38,4 .11

Jesus stand auf und bedrohte den Wind und das Meer; und es ward eine große Stille. Die Menschen aber verwunderten sich und sprachen: Was ist das für ein Mann, dass ihm Wind und Meer gehorsam sind?

Matthäus 8,26-27

Der Ewige herrscht über die Naturgewalten

In unserer modernen, technisierten Welt haben wir Menschen Erstaunliches erreicht. In einem Artikel las ich von einem bemerkenswerten Experiment: Forschern gelang es, das Leuchtgen eines Glühwürmchens in eine Tabakpflanze einzubauen, sodass diese im Dunkeln schwach leuchtete. Heute kann die Wissenschaft Pflanzen, Tiere und sogar den Menschen genetisch verändern und auf diese Weise neue Lebensformen schaffen. Seit Jahrzehnten reisen wir ins All, und die Forschung arbeitet daran, das Wetter gezielt zu beeinflussen, etwa durch sogenannte „Cloud-Seeding"-Verfahren, um Regen in trockenen Regionen zu erzeugen. China schafft in flachen Küstengewässern künstliche Inseln, um territoriale Ansprüche durchzusetzen – und verschiebt so den Einflussbereich im Südchinesischen Meer.

Doch welcher Wissenschaftler könnte je mit einem einzigen Wort den Sturm stillen (Ps 107:29)? Wer vermag aus 6.000 Metern Meerestiefe einen Berg zu erschaffen, der sich 4.000 Meter über den Meeresspiegel erhebt – wie der Mauna Kea auf der Vulkaninsel Hawaii? Gibt es einen Menschen, der die Grenzen der Meere festlegt, indem er ganze Kontinente verschiebt (Hi 38:8-11)?

Als Hiob ohne ersichtlichen Grund und ohne erkennbare Schuld schweres Leid traf, konnte er Gottes Handeln nicht verstehen. Er versuchte, sich vor Gott zu rechtfertigen, und stellte damit indirekt Gottes Entscheidungen infrage (Hi 40:2). Wir Menschen verstehen Gottes Wege mit uns oft nicht, und viele meinen, sie wüssten, wie er es besser hätte machen können.

Die Freunde Hiobs hielten sein Leiden für eine Folge verborgener Schuld. Doch Hiob suchte vergeblich nach einer solchen Sünde und rang mit der Frage, warum Gott ihn, den Unschuldigen, so sehr leiden ließ. Anstatt eine direkte Antwort zu geben, stellte Gott selbst ihm eine Vielzahl von Fragen – die Hiob alle nicht beantworten konnte (Hi 38-41). Dabei wurde ihm klar: „Ich weiß so vieles nicht! Ich kenne weder den Anfang der Schöpfung noch verstehe ich Gottes große Ziele. Wer bin ich, dass ich Gottes Handeln infrage stelle?" Am Ende seines Leidens sagt er:

"Ich habe erkannt, dass du alles vermagst und kein Plan für dich unausführbar ist. … So habe ich denn ⟨meine Meinung⟩ mitgeteilt und verstand ⟨doch⟩ nichts, Dinge, die zu wunderbar für mich sind und die ich nicht kannte." (Hi 42:2-3)

Nachdem Jesus dem Wind und dem Meer geboten hatte, fragten die Jünger erschrocken: „Was ist das für ein Mann, dass ihm Wind und Meer gehorsam sind?" (Mt 8:27) Sie begannen zu ahnen, dass nur der Messias solche Macht haben konnte. Was für ein überwältigender Moment muss es gewesen sein, als ihnen bewusst wurde: Wir sind mit dem Herrn des Himmels und der Erde im selben Boot!

Und was gilt für gläubige Christen heute? Sie dürfen „in Christus" sein (2Kor 5:17) – und gleichzeitig wohnt Christus in ihren Herzen (Eph 3:17). Auch wenn man das nicht sehen oder fühlen kann: Es ist sogar noch mehr, als mit Jesus im selben Boot zu sitzen. Es ist eine intime, bleibende Gemeinschaft – und dafür gebührt ihm die Anbetung!

Donnerstag, 8. Mai 2025

Gott verkündigte euch seinen Bund, den er euch gebot zu halten, nämlich die Zehn Worte, und schrieb sie auf zwei steinerne Tafeln.

5.Mose 4,13

Jesus sprach: Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen.

Matthäus 5,17

Gebote, die behüten – Liebe, die erfüllt

Kürzlich erzählte mir eine Frau eine sehr bildhafte Geschichte. Ich bin mir allerdings nicht mehr sicher, ob es sich um eine wahre Begebenheit oder eine erfundene Erzählung handelt:

Eine Familie zog in ein schönes Haus mit Garten. Am Ende des Gartens befand sich ein Abgrund, in den man hinabstürzen konnte. Wenn die Mutter mit den Kindern im Garten war, stand sie stets unter Anspannung – sie fürchtete, die Kinder könnten sich zu nah an den Abgrund wagen und in Lebensgefahr geraten. Sie wies die Kinder daher an, großen Abstand zum Abgrund zu halten, was ihre Spielfläche stark einschränkte. Nachdem ihr Mann einen hohen Zaun am Abgrund errichtet hatte, wurde der Aufenthalt im Garten deutlich entspannter. Die Kinder gewannen mehr Bewegungsfreiheit, konnten unbeschwert spielen, und die Mutter brauchte sich keine Sorgen mehr zu machen, dass die Kinder abstürzen könnten.

Diese Geschichte veranschaulicht die wahre Funktion des Gesetzes: Es bietet den Unmündigen Schutz und schafft einen sicheren Rahmen, in dem sie sich frei entfalten können (Gal 3:24).

Die meisten Christen haben ein zwiespältiges Verhältnis zum Gesetz: Einerseits erkennen sie dessen Notwendigkeit, andererseits empfinden sie ein „gesetzliches Verhalten" als befremdlich. Paulus schreibt in Bezug auf manche „Gesetzeslehrer" Folgendes:

"Das Ziel der Weisung aber ist Liebe aus reinem Herzen und gutem Gewissen und ungeheucheltem Glauben. Davon sind einige abgeirrt und haben sich leerem Geschwätz zugewandt. Sie wollen Gesetzeslehrer sein und verstehen nichts, weder was sie sagen noch was sie fest behaupten." (1Tim 1:5-7)

Das ganze Gesetz und die Propheten basieren auf zwei Geboten: „Liebe Gott von ganzem Herzen und deinen Nächsten wie dich selbst!" (Mt 22:37-40) Die Zehn Gebote – von denen im Losungstext die Rede ist – gliedern sich in zwei Abschnitte: Die ersten vier Gebote zeigen die Auswirkungen der Liebe zu Gott, während die Gebote 5–10 die Auswirkungen der Nächstenliebe verdeutlichen.

Der Gesetzliche stiehlt nicht, weil er weiß, dass er bestraft wird, während der Liebende nicht stiehlt, weil er seinem Nächsten keinen Schaden zufügen will. Der Gesetzliche versucht, die Ehe nicht zu brechen (obwohl er sie in Gedanken schon gebrochen hat) (Mt 5:28), weil Gott es so befohlen hat. Dagegen will derjenige, der seinen Ehepartner liebt, die Ehe nicht brechen, weil er dem Partner Gutes tun und ihm keinen Schmerz zufügen möchte. Wer im Sinne Gottes liebt, braucht kein Gesetz mehr, denn er ist geistlich mündig geworden (Gal 5:23)! In 1Tim 1:9 erklärt Paulus, dass das Gesetz nicht für die Gerechten bestimmt ist, sondern für die Gesetzlosen und Ungehorsamen.

Die minutiöse Einhaltung des Gesetzes erlöst uns nicht von unserer Sündhaftigkeit, und sie führt uns auch nicht ans Ziel. Durch die Einhaltung des Gesetzes erreichen wir auch nie eine Gerechtigkeit, die vor Gott gültig wäre, und wir könnten uns damit auch nicht rechtfertigen (Röm 3:20).

Nur derjenige, der das ganze Gesetz erfüllt hat, konnte uns erlösen, von Sünde befreien und uns mit seiner göttlichen Gerechtigkeit beschenken. Das griechische Wort „plerosai" bedeutet „erfüllen, vollenden, vollständig machen". Jesus erfüllte das Gesetz durch sein vollkommenes Leben (Hebr 4:15), durch die Erfüllung der Prophezeiungen (Lk 24:44) und durch die Offenbarung des tieferen Sinns des Gesetzes (Mt 5:21-48).

Lasst uns nicht gesetzlich sein, sondern einander mit der Liebe Gottes lieben – jener Liebe, die der Heilige Geist in unsere Herzen ausgegossen hat (Röm 5:5)!

Freitag, 9. Mai 2025

Dein Volk spricht: »Der HERR handelt nicht recht«, während doch sie nicht recht handeln.

Hesekiel 33,17

Geht es bei Gott etwa ungerecht zu? Gewiss nicht!

Römer 9,14

Recht oder ungerecht?

Als die Juden ins babylonische Exil verschleppt wurden, litten sie unter Unterdrückung. Aus menschlicher Sicht ist nachvollziehbar, dass sie dachten: „Der HERR handelt nicht recht, indem er uns einen solch leidvollen Weg führt!" (Kla 1:5) Doch Gott machte ihnen mehrfach deutlich, dass ihr eigenes böses und rücksichtsloses Handeln sie auf diesen Weg gebracht hatte (Jer 2:19).

Es gibt ein Phänomen, das man immer wieder beobachten kann: Je ungerechter ein Mensch handelt, desto eher neigt er dazu, sich über die Ungerechtigkeit anderer zu empören – und desto überzeugter ist er davon, dass Gott ihn auf ungerechte Wege führt (Röm 2:1). Wer sich die Reden diktatorischer Führer der Geschichte anhört, erkennt dies deutlich: Oft empören sie sich über die vermeintliche Arroganz und Ungerechtigkeit anderer – und übersehen dabei ihre eigene Schuld. Ist das nicht seltsam?

Aus menschlicher Sicht hätte vor allem einer das Recht gehabt zu sagen, dass er von Gott ungerecht behandelt wurde – und das war sein Sohn! Aus unserer Perspektive war es die „größte Ungerechtigkeit", dass der einzig Schuldlose die schlimmste Strafe tragen musste (1Petr 2:22-24). Warum hat Jesus sich nicht über diese Ungerechtigkeit beschwert? Weil er sich – trotz seines schweren Weges – von seinem Vater unendlich geliebt wusste und weil er diesen Weg freiwillig aus Liebe zu uns gegangen ist (Joh 10:17-18).

In den vorangehenden Versen des Losungstextes aus Hesekiel 33 macht der HERR deutlich: Wenn der Gerechte am Ende seines Weges anfängt, Unrecht zu tun, muss er sterben. Andererseits bleibt der Ungerechte am Leben, wenn er umkehrt und beginnt, Gerechtigkeit zu üben (Hes 33:18-19). Die Juden empfanden dieses Verhalten Gottes möglicherweise als ungerecht, weil der HERR das anfängliche Verhalten – ob gerecht oder ungerecht – nicht anrechnet. Für Gott zählt nicht, wo man gestartet hat, sondern wo und wie man endet!

Aus menschlicher Sicht mag man dieses Verhalten Gottes als ungerecht empfinden, doch objektiv betrachtet ist es eine wunderbare Gnade, dass Gott das anfängliche Unrecht nicht anrechnet (Ps 103:12). Andererseits ist es tragisch, wenn jemand, der zunächst Gerechtigkeit geübt hat, sich später der Ungerechtigkeit zuwendet – denn für Gott zählt, wohin das Herz sich wendet (1Sam 16:7).

In Römer 9 beleuchtet Paulus dieses Thema aus einer anderen Perspektive: Etliche Juden versuchten, durch die Einhaltung des Gesetzes gerecht zu werden – sie strebten nach einer eigenen Gerechtigkeit, lebten dabei aber nicht aus einer Vertrauensbeziehung zu Gott (Röm 9:31-32). Die Nichtjuden hingegen achteten das Gesetz Gottes nicht und lebten zunächst im Unrecht. Doch als sie die wunderbare Gnade und Liebe Gottes erkannten, begannen sie, aus einer liebevollen Beziehung zu ihm zu leben. Und das rechnete Gott ihnen als Gerechtigkeit an und nahm sie als seine Kinder an (Röm 9:30).

Gott schaut nicht auf unseren Startpunkt, sondern auf unser Herz – jetzt, heute (2Kor 6:2). Er rechnet uns unser vergangenes Unrecht nicht an, wenn wir uns ihm zuwenden. Und selbst wenn wir auf Abwege geraten sind, streckt er uns immer wieder seine Hand entgegen. Das ist keine Härte, sondern unbeschreibliche Gnade (2Petr 3:9).

Die Einladung Gottes gilt jedem Menschen, unabhängig von Herkunft, Vergangenheit oder momentaner Schwäche (Apg 10:34-35). Wer sein Vertrauen auf Jesus Christus setzt, wird nicht verurteilt, sondern durch ihn gerecht gesprochen – aus Gnade, nicht aus eigener Leistung (Eph 2:8-9).

Gott sucht keine perfekten Menschen, sondern solche, die bereit sind, ihm zu vertrauen. Und genau das genügt ihm – weil seine Liebe alles trägt (1Kor 13:7).

Deshalb dürfen wir heute mit Zuversicht leben, im Vertrauen darauf, dass Gottes Gerechtigkeit immer auch seine Barmherzigkeit ist (Jak 2:13). Und wer diesen Weg mit Jesus geht, wird nie verlassen – denn Gottes Liebe endet nicht an unseren Grenzen (Röm 8:38-39).

Samstag, 10. Mai 2025

Bin ich nur ein Gott, der nahe ist, spricht der HERR, und nicht auch ein Gott, der ferne ist?

Jeremia 23,23

Zu der neunten Stunde rief Jesus laut: Eli, Eli, lama sabachtani? Das heißt übersetzt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?

Markus 15,34

Nah und doch fern?

Heute von Ingo Mees

Dieses Selbstzeugnis, das Gott durch den Mund des Propheten Jeremia ausspricht, kann uns zu einer echten Herausforderung werden. Gründet unser Glaube nicht auf der Tatsache, dass Gott uns in Jesus Christus nahegekommen ist (Joh 1:14) und die Gemeinschaft mit uns sucht (1Jo 1:3)? Wie kann unser Gott, der die personifizierte Liebe ist (1Jo 4:16), auf Distanz gehen, uns fern sein?

Wenn wir ehrlich zu uns selbst sind, müssen wir uns eingestehen, dass es Tage oder sogar längere Phasen in unserem Leben gibt, in denen wir eine Distanz zu Gott empfinden (Ps 22:2): Unsere Gebete scheinen an der Zimmerdecke abzuprallen (Kla 3:44) und das beglückende Gefühl der Nähe Gottes will sich nicht einstellen. Vielleicht ist es schon länger her, dass Gott in seinem Wort oder unter einer Predigt ganz direkt zu uns gesprochen und unser Herz angerührt hat (Ps 28:1). Wir sehnen uns so sehr nach dem Eingreifen Gottes in einer Problematik unseres Lebens, und nichts geschieht (Hab 1:2) ...

Das ging auch dem Psalmisten vor ca. 3000 Jahren so. In Ps 10:1 schreit er zu Gott: „Warum, Herr, stehst du fern, verbirgst dich in Zeiten der Drangsal?" Die Ungerechtigkeit, die er täglich miterleben musste, der scheinbare Erfolg der Menschen, die ohne Gott hochmütig ihren Geschäften nachgehen (Ps 10:3-4), ohne eine Sünde auszulassen – all das brachte den Psalmisten an den Rand der Verzweiflung! Ihm erging es ganz so wie Asaph, der im Ps 73 seine Verzweiflung über die scheinbare Tatenlosigkeit Gottes angesichts der Ungerechtigkeit und der Not in dieser Welt hinausschrie (Ps 73:2-14).

Der Dichter des 10. Psalms und Asaph verband eine Gemeinsamkeit: Sie hielten am Vertrauen auf Gott fest und erlebten beide eine entscheidende Perspektivänderung. So lesen wir in Ps 10:14: „Du hast doch alles genau gesehen! Du achtest darauf, ob jemand Not leidet oder Kummer hat, und nimmst das Schicksal dieser Menschen in deine Hände! Die Armen und die Verwaisten dürfen dir ihre Anliegen anvertrauen, denn du bist ihr Helfer." Und auch Asaph kam innerlich zur Ruhe, wie wir in Ps 73:23 lesen:

„Aber nun bleibe ich für immer bei dir, und du hast mich bei meiner rechten Hand gefasst.“

Wenn schon im Alten Testament der Glaube und das Vertrauen auf Gott über die menschliche Empfindung der Gottesferne und das momentane Gefühl der Verlassenheit triumphieren (Ps 42:6), wie viel mehr gilt das für uns, die wir durch die Gnade Jesu Christi im Glauben in den neuen Bund eingetreten sind (Hebr 8:6): Gott ist uns in Jesus Christus Vater geworden (Joh 1:12) – ein Vater, der seine Kinder nie im Stich lässt (Hebr 13:5). Mag auch das Gefühl eine andere Sprache sprechen, der Glaube weiß: Gott ist seinen Kindern immer nahe. Und dies trotz mancher Schuld und Sünde, die wir in Gedanken, in Wort und in Tat immer wieder auf uns laden (1Jo 1:9).

Wie ist das möglich? Gott und Sünde – das kann doch nie zusammengehen! Das ist nur möglich, weil der menschgewordene Sohn Gottes am Kreuz auf Golgatha sich selbst opferte und die Sünde der ganzen Welt auf sich nahm (Joh 1:29). Jesus Christus wurde als der einzig Sündlose für uns zur personifizierten Sünde gemacht, so lesen wir es in 2Kor 5:21. Die Konsequenz, die Jesus am Kreuz wohl tausendmal mehr schmerzte als die Folterungen durch die römischen Soldaten, war die Trennung von Gott (Jes 59:2) – denn Gottesnähe und Sünde schließen sich aus.

Zu der neunten Stunde rief Jesus laut: „Eli, Eli, lama sabachtani?" Das heißt übersetzt: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?" (Mk 15:34 / Ps 22:2)

Welch ein Schmerz steckt in diesem Schrei! Nie war jemand ferner von Gott als sein Sohn Jesus Christus (Mk 15:34 / 2Kor 5:21), der am Kreuz meine und deine Schuld und die der ganzen Schöpfung auf sich nahm (Joh 1:29 / 1Jo 2:2)!

Der Opfertod Jesu am Kreuz und seine leibhaftige Auferstehung von den Toten (1Kor 15:3-4) ist die Garantie, dass Gott denen, die ihm vertrauen, niemals fern ist (Mt 28:20 / Hebr 13:5), auch wenn wir das manchmal anders empfinden. Wer um die Vergebung seiner Schuld und Sünde weiß und im Glauben an den Zusagen Gottes festhält (2Kor 1:20), darf sich der Nähe und liebenden Zuwendung des himmlischen Vaters gewiss sein (Röm 8:38-39)!

Sonntag, 11. Mai 2025

Du sollst nicht stehlen.

2.Mose 20,15

Wer stiehlt, stehle nicht mehr, sondern arbeite und tue etwas Rechtes mit seinen Händen, damit er etwas hat, das er dem Notleidenden geben kann.

Epheser 4,28

Vom Stehlen zum Beschenken

Im Einkaufsladen rutschte mir versehentlich ein Artikel unter die Einkaufstüte, sodass ich ihn nicht auf das Förderband an der Kasse legte. Erst beim Ausräumen des Einkaufswagens in der Tiefgarage bemerkte ich, dass ich diesen Artikel nicht bezahlt hatte. Ich ging in den Laden zurück und bezahlte ihn nachträglich. Dies löste überraschtes Erstaunen aus. In den vergangenen Jahrzehnten ist mir das vielleicht zwei- oder dreimal passiert, und in einem Fall war der Filialleiter so erfreut, dass er mir als Dankeschön eine Tafel Schokolade schenkte.

Stehlen ist nicht nur das unrechtmäßige Entwenden von fremdem Eigentum, sondern betrifft viele Bereiche des Lebens: Wenn ich die vereinbarte Arbeitszeit nicht einhalte, stehle ich meiner Firma Zeit. Wer seinem Angestellten keinen angemessenen Lohn zahlt, bestiehlt den Arbeitnehmer (Jak 5:4). Wenn ich in der Steuererklärung nicht alle Einnahmen angebe, stehle ich dem Staat das ihm zustehende Geld (Röm 13:7). Wenn ich geistiges Eigentum für meine Zwecke verwende, ohne den Autor zu nennen, stehle ich die Ehre eines anderen. Wenn ich einen Menschen verächtlich behandle, beraube ich ihn seiner von Gott gegebenen Würde (1Mo 1:27), und wenn ich Anerkennung, die Gott zusteht, für mich beanspruche, stehle ich Gott die Ehre (Mal 3:8-10).

Eine Gesellschaft, in der niemand stiehlt, würde ein tiefes Gefühl von Sicherheit und Vertrauen schaffen. Dies funktioniert jedoch nur, wenn ausnahmslos alle mitmachen. Schon wenn nur ein Prozent der Bevölkerung stiehlt, fühlen sich die übrigen 99 Prozent nicht mehr sicher. Ein solcher diebstahlfreier Zustand mag heute unrealistisch erscheinen – und doch lohnt sich jeder Schritt in diese Richtung.

Es besteht jedoch ein wesentlicher Unterschied darin, ob jemand aus reiner Habgier stiehlt oder aus existenzieller Not heraus. In ärmeren Regionen dieser Welt stehlen Menschen aus Hunger oder purer Verzweiflung. Dies rechtfertigt zwar keinen Diebstahl, muss aber anders beurteilt werden, als wenn jemand stiehlt, der bereits alles zum Leben Notwendige besitzt. Zu biblischen Zeiten war es vorgeschrieben, dass Bauern bei der Ernte etwas auf den Feldern übrig lassen sollten, damit die Armen eine Nachlese halten konnten (3.Mo 19:9-10). Diese Regelung war für die damalige Zeit außerordentlich sozial und bemerkenswert!

Der Apostel Paulus ermutigt die Gläubigen, die noch in irgendeiner Form Diebstahl begehen, damit aufzuhören und sich nur das zu nehmen, was sie mit ihren „eigenen Händen" erarbeitet haben (Eph 4:28). Wer dies befolgt, erfüllt das achte der zehn Gebote. Würden alle Menschen danach leben, wäre die Welt um vieles besser.

Die Ursache für das weit verbreitete Stehlen liegt in der Nichtbeachtung des 10. Gebots. Dieses besagt, dass wir nicht begehren sollen (2Mo 20:17). Wer durch Dankbarkeit und Zufriedenheit von der Gier befreit ist, lebt nicht nur rücksichtsvoller, sondern tut sich selbst einen großen Gefallen. Mit einem guten Gewissen ist er wesentlich glücklicher als derjenige, der nach dem Besitz des Nächsten strebt – denn dieses Begehren führt zu einer ständigen Unzufriedenheit.

Das Nicht-Stehlen ist für einen liebenden Menschen eine Selbstverständlichkeit. Wer jedoch mit Freude und aus Liebe die Notleidenden beschenkt, geht weit über die Einhaltung des achten Gebots hinaus: Er strebt nach Vollkommenheit, die sich darin zeigt, dass die Liebe alle Lebensbereiche durchdringt (1.Kor 13:13). Genau dazu ermutigt Paulus die Epheser im Lehrtext. Die Neue Genfer Übersetzung gibt diesen Vers wie folgt wieder:

"Wer bisher ein Dieb gewesen ist, soll aufhören zu stehlen und soll stattdessen einer nützlichen Beschäftigung nachgehen, bei der er seinen Lebensunterhalt mit Fleiß und Anstrengung durch eigene Arbeit verdient; dann kann er sogar noch denen etwas abgeben, die in Not sind."

Geben ist seliger als Nehmen (Apg 20:35), und Lieben ist die ultimative Lebenserfüllung!

Montag, 12. Mai 2025

Wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen, spricht der HERR.

Jeremia 29,13-14

Und siehe, eine Frau, die seit zwölf Jahren den Blutfluss hatte, trat von hinten an ihn heran und berührte den Saum seines Gewandes. Denn sie sprach bei sich selbst: Wenn ich nur sein Gewand berühre, so werde ich gesund. Da wandte sich Jesus um und sah sie und sprach: Sei getrost, meine Tochter, dein Glaube hat dir geholfen. Und die Frau wurde gesund zu derselben Stunde.

Matthäus 9,20 -21 -22

Suchen und Berühren

Wer etwas mit Eifer und an der richtigen Stelle sucht, wird es auch finden (Mt 7:7). Wer jedoch nie zum richtigen Ort gelangt, wird das Gesuchte nicht entdecken. Nehmen wir zum Beispiel die Bundeslade – den goldenen und allerheiligsten Schatz des Tempels (2Chr 35:3). Auch wenn ich allen möglichen Hinweisen zu ihrem Verbleib folge, werde ich sie niemals finden, wenn keiner dieser Hinweise zum tatsächlichen Aufbewahrungsort führt. Die andere Frage ist freilich, ob sie überhaupt noch existiert.

Ich habe viele Menschen getroffen, die mir ihre Lebensgeschichte erzählten. Einige von ihnen suchten jahrzehntelang nach Gott und der Wahrheit. Sie erkundeten die Philosophie, die Esoterik und verschiedene Religionen. Anfangs übte das Neue stets eine besondere Faszination aus, und jedes Mal keimte die Hoffnung auf, die eine Wahrheit zu finden – doch nach einiger Zeit blieben sie unerfüllt zurück. Erst als sie den liebenden Erlöser Jesus Christus fanden, wurde die tiefste Sehnsucht ihres Herzens gestillt (Joh 14:6).

Viele Menschen heute kennen diese Suche – oft ohne es zu benennen. Sie versuchen, ihr Leben durch Erfolg, Konsum, Reisen oder digitale Ablenkung zu erfüllen. Doch trotz all dieser Angebote bleibt oft eine innere Unruhe zurück – ein Fragen, ein Mangel an echter Tiefe. Diese Sehnsucht deutet auf etwas Größeres hin: die Suche nach dem, der uns wirklich kennt und liebt (Ps 139:1).

In Jeremia 29 verspricht Gott den Vertriebenen seines Volkes, dass er sich von denjenigen finden lassen wird, die ihn von ganzem Herzen suchen. Die Exilanten wussten durch ihre Geschichte und Jeremias Schreiben genau, wer der Gott Israels war und an wen sie sich wenden mussten, um ihn zu finden (Jer 29:13-14).

Das hebräische Wort für „suchen" (baqash) bedeutet ein aktives, intensives Suchen mit Absicht und Ausdauer. Wer Gott nur oberflächlich sucht – etwa um eine schnelle Lösung seiner Probleme zu erhalten und danach zu einem selbstzentrierten Leben ohne Gott zurückzukehren – wird den Gott der Bibel womöglich nicht finden.

Ich finde den liebenden Gott und Erlöser dann, wenn ich ihm von ganzem Herzen nahekommen will, um ihn „berühren" zu können. Paulus sagte einst zu den Athenern auf dem Areopag:

"Und er (Gott) hat aus einem (Adam) jede Nation der Menschen gemacht, dass sie auf dem ganzen Erdboden wohnen, wobei er festgesetzte Zeiten und die Grenzen ihrer Wohnung bestimmt hat, dass sie Gott suchen, ob sie ihn vielleicht tastend fühlen und finden, obwohl er ja nicht fern ist von jedem von uns." (Apg 17:26-27)

Dies ist Gottes Wunsch für die Menschen: dass sie ihn von ganzem Herzen und mit Ausdauer suchen, um ihm nahe zu sein – so wie er uns in Jesus Christus nahe gekommen ist (Hebr 7:25).

Die blutflüssige Frau galt als unrein und war daher von der Gesellschaft ausgegrenzt (3Mo 15:25). In diesem Zustand durfte sie nicht einmal den Vorhof des Tempels betreten – es war ihr gesetzlich unmöglich, sich Gott zu nahen. Doch Gott selbst kam ihr in Jesus entgegen. Sie wusste, dass Jesus ein „Mann Gottes" war, und glaubte fest daran, dass eine einzige Berührung mit ihm Heilung bringen würde. Ihr Glaube führte nicht nur zu ihrer körperlichen Heilung, sondern ermöglichte ihr auch, Jesus – und damit Gott – ganz nahe zu kommen (Mt 9:20-22). Nach dieser Erfahrung konnte sie vermutlich auch das bezeugen, was Richard J. Foster einmal schrieb:

"Nichts kann uns so tief berühren wie die Erfahrung, dass Gott uns aus tiefstem Herzen liebt."

Und selbst wenn unsere Suche noch tastend und unvollkommen ist – Gott sieht unser Herz (1Sam 16:7). Er ist kein ferner Gott, der auf perfekte Anstrengung wartet, sondern ein Vater, der mit offenen Armen auf uns wartet (Lk 15:20). Seine Gnade begegnet uns oft dort, wo wir es am wenigsten erwarten – und dann kann eine einzige Berührung unser Leben verändern.

Dienstag, 13. Mai 2025

ch freue mich über dein Wort wie einer, der große Beute macht.

Psalm 119,162

Das Himmelreich gleicht einem Schatz, verborgen im Acker, den ein Mensch fand und verbarg; und in seiner Freude geht er hin und verkauft alles, was er hat, und kauft den Acker.

Matthäus 13,44

Der gefundene Schatz

Wer heute etwas besonders Wertvolles besitzt, sorgt gut dafür – vielleicht mit einem Safe zu Hause oder einem Schließfach bei der Bank. In biblischer Zeit jedoch vergruben Menschen ihre Schätze im Boden, in der Hoffnung, dass nur sie selbst den Ort kannten (Mt 6:19-21). Doch wenn sie starben oder fliehen mussten, blieben diese Schätze oft unentdeckt – verborgen und vergessen.

In einem Gleichnis erzählt Jesus von einem Mann, der vielleicht beim Pflügen auf einen solchen Schatz stößt (Mt 13:44). Die Entdeckung erfüllt ihn mit großer Freude – so groß, dass er alles verkauft, um den Acker zu kaufen und damit den Schatz rechtmäßig zu besitzen. Nach jüdischem Recht gehörte ein Fund nämlich dem Eigentümer des Grundstücks.

Ob dieser Mann gezielt suchte oder ob er den Schatz rein "zufällig" entdeckte, bleibt offen. Doch wie oft ist es auch in unserem Leben so: Unerwartet stoßen wir auf etwas, das unser Herz berührt – eine Wahrheit, eine Erkenntnis, ein geistlicher Reichtum (Spr 2:4-5). Nicht selten geschieht das genau dann, wenn wir gar nicht damit rechnen.

Und wie bei einem Schatz im Boden gilt: Man sieht oft nur eine Ecke, einen Hinweis, einen Anfang. Doch wer dranbleibt, wer gräbt, entdeckt nach und nach den wahren Wert (Kol 2:3). Es braucht Geduld und Ausdauer – aber am Ende steht große Freude.

Ein gefundener Schatz kann zum Segen werden – wenn er nicht Gier entfacht, sondern Großzügigkeit. Denn wahrer Reichtum zeigt sich nicht im Haben, sondern im Geben (Apg 20:35). Wer das erkennt, hat etwas viel Wertvolleres gefunden als Gold: ein Herz, das mit Freude teilt.

Wer anfängt, in der Bibel zu lesen, wird oft von Neugier gepackt und liest weiter. Mit der Zeit stößt man jedoch auch auf Textpassagen, die man nicht versteht, die befremden oder verunsichern (2Petr 3:16) – besonders dann, wenn man erkennt, dass sich im eigenen Leben etwas verändern sollte, was man aber nicht verändern möchte. Dies könnte der Grund sein, warum die Bibel wieder ins Regal gestellt wird, wo sie dann „verstaubt".

Wer aber dranbleibt und die Bibel nicht nur einmal durchliest, sondern mehrere Male und anfängt, sie zu studieren, der erkennt immer mehr, welch kostbaren Schatz er entdecken durfte (Ps 119:162). Es ist ein Schatz mit Ewigkeitswert, der mit der Zeit alles andere farblos erscheinen lässt.

Für die ersten Christen rund um den Mittelmeerraum war das Wort Gottes von unschätzbarem Wert. Sie begannen, das griechische Alte Testament (die Septuaginta), die Briefe der Apostel und die Evangelien sorgfältig abzuschreiben und als Kopien weiterzugeben (2Tim 3:16). Dafür gaben sie alles. Einigen war dieser ewige Schatz so kostbar, dass sie sogar ihr Leben dafür hingaben.

Seit 45 Jahren studiere ich regelmäßig die Bibel, und sie ist mir zu einem so großen Schatz geworden, weil sie mir das ewige Wesen der Liebe Gottes offenbart hat (1Jo 4:8) und mir eine hoffnungsvolle Ewigkeitsperspektive eröffnet hat, die allen Reichtum dieser Welt verblassen lässt!

Mittwoch, 14. Mai 2025

Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer, so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten.

Psalm 139,9-10

Paulus sprach: Letzte Nacht stand plötzlich ein Engel vor mir – ein Engel des Gottes, dem ich gehöre und dem ich diene. Er sagte: »Hab keine Angst, Paulus! Du musst noch vor den Kaiser treten. Deinetwegen schenkt Gott auch all denen das Leben, die mit dir auf dem Schiff sind.«

Apostelgeschichte 27,23-24

Die Allgegenwart Gottes

In einigen chinesischen Städten überwachen Kameras und künstliche Intelligenz nahezu jeden Schritt der Menschen. Der Konzern Google erfasst praktisch das gesamte Internet. Die Menschheit strebt nach einer Art technologischer Allwissenheit.

George Orwell warnte 1948 in seinem Buch „1984" mit dem Slogan „Big Brother is watching you" vor der totalen Kontrolle der Gesellschaft – eine Vision, die heute zunehmend Realität wird.

Die Bibel spricht in Offb 13 von ähnlichen Kontrollbestrebungen, die allerdings zeitlich begrenzt sind und nicht einmal ansatzweise an Gottes wahre Allwissenheit und Allgegenwart heranreichen. Technologische Kontrolle ist oft angsteinflößend oder missbräuchlich, Gottes Gegenwart hingegen ist heilend und fürsorglich (Ps 23).

David erkannte in Ps 139, wie Gott um alles weiß und wie er jeden Bereich der sichtbaren und unsichtbaren Welt umfasst. Dieser Psalm ist einzigartig und vermittelt uns eine tiefe Erkenntnis über die Allwissenheit und Allgegenwart Gottes. Gott umspannt Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft und existiert auch außerhalb von Raum und Zeit (Offb 1:8). Er kennt alle unsere Gedanken und versteht unsere wahren Absichten. Ja, Gott versteht uns sogar besser, als wir uns selbst verstehen. Zum Glück ist Gott nicht nur derjenige, der die Haare unseres Hauptes gezählt hat (Mt 10:30) und alles bis ins kleinste Atom hinein kontrolliert, sondern auch derjenige, der die Welt unendlich liebt (Joh 3:16)! Wäre dem nicht so, dann wäre seine Allmacht für uns eine Katastrophe!

Für David wurde klar: „Auch wenn ich mich mit den Flügeln der Morgenröte fortbewegen würde – Gott wäre immer da und würde mich halten!" Würde ich heute bei Sonnenuntergang in Tel Aviv mit einem Flugzeug starten und mit 1.417 Kilometern pro Stunde Richtung Westen fliegen, bliebe die Sonne scheinbar am Horizont stehen. Dies entspräche einer Geschwindigkeit mit „Flügeln der Morgenröte". Vielleicht ist mit der Aussage Davids auch die Lichtgeschwindigkeit gemeint. Doch ganz gleich, wie schnell ich mich „von Gott entferne" – er ist immer und überall da (Jer 23:23-24)!

Als der Prophet Jona eine Schiffsreise buchte, hoffte er wohl, dass Gott ihn nicht weiter mit einem Auftrag „belästigen" würde, den er auf keinen Fall ausführen wollte. Außerhalb Israels, so dachte er, würde Gott vielleicht nicht mehr mit ihm reden. Aber weit gefehlt! Zuerst sandte Gott einen Sturm, dann wurde durch ein Los seine Schuld aufgedeckt, und schließlich landete er im Verdauungstrakt eines Fisches (Jon 1-2). Obwohl Jona dem Reden Gottes hatte entfliehen wollen, musste er nun selbst zu Gott beten. Nach seinem Gebet aus dem Inneren des Fisches rettete Gott ihn – trotz seines Ungehorsams – und bewahrte ihn vor dem sicheren Tod.

Der Apostel Paulus befand sich ebenfalls auf einer Schiffsreise Richtung Westen. Anders als eine komfortable Kreuzfahrt war er als Gefangener des römischen Reiches unterwegs. Er warnte die Seeleute davor, vor dem Winter weiterzureisen, da in dieser Jahreszeit gefährliche Stürme drohten. Die Verantwortlichen ignorierten jedoch seinen Rat – sie hielten ihn für einen Laien. So gerieten sie in einen Sturm, der sie tagelang orientierungslos über das Meer trieb. Die Lage schien hoffnungslos, doch Gott sandte seinen Engel zu Paulus. Dieser verkündete, dass alle 276 Menschen gerettet würden, auch wenn das Schiff samt Ladung dem „Untergang geweiht" war (Apg 27).

Was heißt das für meine Sorgen, meine Entscheidungen, meine Fluchtversuche?

Egal, wie schwierig und aussichtslos deine Lage erscheinen mag – Gott ist immer und überall da, und es fällt ihm leicht, dich zu retten (Jes 59:1)! Er selbst sagt dir in Ps 50:15:

"Rufe mich an am Tag der Not; ich will dich retten, und du wirst mich verherrlichen!"

Donnerstag, 15. Mai 2025

Ein geängstetes, zerschlagenes Herz wirst du, Gott, nicht verachten.

Psalm 51,19

Jesus sprach: Der Zöllner stand ferne, wollte auch die Augen nicht aufheben zum Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir Sünder gnädig! Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt hinab in sein Haus.

Lukas 18,13-14

Wen Gott gerecht spricht!

Von Eberhard Klein

David spricht in Ps 51:19 von seiner Erfahrung, dass Gott ein geängstetes, zerschlagenes Herz nicht verachtet. Er schreibt diesen Satz, nachdem er gegenüber Gott und Menschen in große Schuld gefallen war und von Gott eigentlich nichts erwarten konnte als tiefe Verachtung und schwerste Bestrafung (2Sam 11:1-27).

Gott verachtet nicht ein geängstetes, zerschlagenes Herz. Gott verachtet ganz anderes: Er verachtet die, die Ihn verachten (1Sam 2:30) und Gott verachtet die Gottlosen (Ps 73:20) – Gott verachtet die, die Ihm die Ehre verweigern und ihn mit ihrem Leben ignorieren (Mal 1:6).

Was es bedeutet, ein geängstetes, zerschlagenes oder zerbrochenes Herz (Ps 34:19) zu besitzen, können wir beim Zöllner lernen, von dem Jesus spricht (Lk 18:13-14). Ein Zöllner war damals ein verachteter Mann, oftmals reich, aber am Rande der Gesellschaft, weil er für die verhasste römische Besatzungsmacht die Zölle eintrieb und dabei kräftig in die eigene Tasche wirtschaftete.

Der Zöllner im Gleichnis Jesu sieht nicht selbstgefällig und selbstsicher auf seinen Reichtum, sondern er sieht sich und sein Leben im Licht Gottes (1Jo 1:7), konfrontiert mit Gottes Wirklichkeit, Klarheit und Reinheit – im Elend der eigenen Schuld und Unzulänglichkeit (Jes 6:5). Wie der Zöllner diese Sicht auf sein Leben bekam, wird uns nicht berichtet. David bekam nach seiner großen Sünde (= Verfehlung) diese Sicht durch den von Gott gesandten Propheten Nathan, der David den Spiegel vors Gesicht hielt (2Sam 12:1-7).

Wie gehen wir damit um, wenn wir vor Gott und Menschen schuldig geworden sind und uns vielleicht selbst verachten? Es gibt nur einen Weg, auf dem wir Hilfe erfahren. Es ist der Weg, den der Zöllner und auch David gingen – der Weg zu Gott, in Seine Gegenwart – im Gebet (Ps 32:5), vielleicht zusammen mit einem gläubigen Menschen, dem wir vertrauen (Jak 5:16). Für David und den Zöllner ist es der Weg in den Tempel.

Aber der Zöllner traut sich gar nicht richtig in den Tempel hinein. Er steht von ferne. Er spürt, er passt nicht zu Gott, er passt nicht in Gottes Gegenwart, zwischen ihm und Gott ist ein himmelweiter Unterschied (Jes 59:2). So ging es übrigens auch dem späteren Apostel Petrus, als er Jesus in seiner Größe und Macht erlebte und im Vergleich dazu seine eigene Kleinheit empfand (Lk 5:1-11).

Aber dort, von ferne, spricht der Zöllner den alles entscheidenden Satz: „Gott, sei mir Sünder gnädig!" (Lk 18:13). David findet in seiner Schuld-Situation die Worte: „Ich habe gegen den HERRN gesündigt." (2Sam 12:13). Beide bringen damit zum Ausdruck: Ich bin schuldig geworden gegenüber dem großen, lebendigen und heiligen Gott (Jes 6:3). Ich bin einer, dessen Leben nicht in Gottes guter Spur läuft, sondern Gott und Seine Ziele verfehlt (Röm 3:23).

Der vom Zöllner im Glauben, im Vertrauen auf Gottes Erbarmen und Gnade, gesprochene Satz „Gott, sei mir Sünder gnädig", bringt nach Jesu eigenen Worten die alles entscheidende Wendung. Es ist letztlich der Satz, den Gott, von Herzen aufrichtig gesprochen, von uns hören möchte. Der Apostel Johannes hat genau für so eine Situation die richtigen Worte:

Wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns. Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er (Gott) treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von jeder Ungerechtigkeit.“ (1Jo 1:8-9).

Jesus sagt dazu: „Dieser ging gerechtfertigt hinab in sein Haus." Hinab vom Tempel auf dem Berg wieder in das eigene Haus in der Stadt. Wieder hinab von der besonderen Gottesbegegnung in den Alltag, aber: Gerechtfertigt, von Gott gerecht gesprochen – aus Gnaden! (Röm 3:24) Von einem anderen Mann, der Gottes Liebe und Vergebung ganz konkret und persönlich erfuhr, heißt es: „Er zog seine Straße fröhlich" (Apg 8:39).

Das wünsche ich Ihnen und mir für diesen Tag!

Freitag, 16. Mai 2025

Ich will hoffen auf den HERRN, der sein Antlitz verborgen hat vor dem Hause Jakob.

Jesaja 8,17

Sie sind doch Israel, das von Gott erwählte Volk. Ihnen gehört das Vorrecht, Kinder Gottes zu sein. Ihnen offenbarte er seine Herrlichkeit. Mit ihnen hat er wiederholt seinen Bund geschlossen. Ihnen hat er sein Gesetz gegeben und die Ordnungen für den Opferdienst zu seiner Verehrung. Ihnen hat er das künftige Heil versprochen.

Römer 9,4

Die verachteten Geschenke

Jerusalem war und ist in vielerlei Hinsicht eine einzigartige Stadt. Zur Zeit der jüdischen Könige besaß sie einen prächtigen Tempel, der die Stadtbewohner stets daran erinnerte: Gott hatte diese Stadt auserwählt (Ps 132:13). Der Tempel sollte ihnen zeigen, dass der HERR des Himmels und der Erde gegenwärtig ist und die Menschen reich beschenkt (1Kö 8:27).

In Jesaja 8:6 wird ein „sanft und still dahinfließendes Wasser Siloah" erwähnt, das den Teich Siloah stetig mit frischem Quellwasser versorgte. Dies sicherte der Stadt eine verlässliche Wasserversorgung. Dieses sanfte Wasser steht als Symbol für Gottes beständige Fürsorge und Herrschaft über Jerusalem (Ps 46:5).

Die Bewohner Jerusalems hatten sich jedoch so sehr an dieses „Wunder" gewöhnt, dass es für sie nichts Besonderes mehr war. Händler, die die assyrische Hauptstadt Ninive besuchten, berichteten vom mächtigen Euphratstrom, den man überqueren musste, um nach Ninive zu gelangen – einer Stadt, die ebenfalls an einem gewaltigen Fluss lag, dem Tigris. Ninive war im Vergleich zu Jerusalem riesig, und die Pracht der Stadt überwältigte jeden Besucher. Die militärische Stärke und Grausamkeit Assyriens waren zugleich beeindruckend und furchteinflößend.

Solche Erzählungen faszinierten König Ahas weitaus mehr als das Geschenk, das Gott ihm durch die Stadt Jerusalem gegeben hatte. Die Bewohner Jerusalems, allen voran Ahas selbst, praktizierten Okkultismus, Zauberei und Totenbeschwörungen (2Kö 16:3). Sie verübten zudem den schlimmsten vorstellbaren Götzendienst, indem sie ihre eigenen Söhne „durchs Feuer gehen ließen" und sie lebendig in den Feuerschlund des Moloch warfen.

Darum wurde der Tempel des HERRN zunehmend zu einem „Stein des Anstoßes", von dem Jesaja in diesem Kapitel ebenfalls spricht (Jes 8:14). Dies war der Grund, warum der HERR sein Angesicht vor dem Hause Jakobs verbarg – nicht nur, weil sie die Geschenke Gottes verachtet hatten, sondern weil sie zugleich auch das Böse praktizierten.

Mitten in dieser finsteren Zeit bezeugt Jesaja: „Ich will hoffen auf den HERRN!" Er setzt sein ganzes Vertrauen auf Gott, obwohl um ihn herum alles aus den Fugen gerät (Jes 8:17).

Steht unsere heutige Gesellschaft nicht auch in der Gefahr, den Segen, den Gott uns in den vergangenen Jahrzehnten geschenkt hat, als selbstverständlich anzusehen? Statt in Dankbarkeit und Bescheidenheit zu leben, lassen wir uns oft von den Mächtigen dieser Welt beeindrucken, die ihre Imperien durch Skrupellosigkeit aufgebaut haben (1Jo 2:15-17).

Gott hat Israel erwählt, sie zu seinen Kindern gemacht und mit göttlicher Herrlichkeit beschenkt. Er gab ihnen Bündnisse, göttliche Gesetze, Gottesdienste und wunderbare Verheißungen. Doch diese einmaligen Geschenke fanden damals wie heute kaum Beachtung – einfach weil man sich an sie gewöhnt hatte und sich zu wenig Gedanken darüber machte (Röm 9:4-5).

Christus – der wahre Tempel und das lebendige Wasser

Der Tempel in Jerusalem war das sichtbare Zeichen der Gegenwart Gottes. Mit dem Kommen Jesu änderte sich alles grundlegend. Jesus selbst ist der neue Tempel (Joh 2:19-21) – durch seinen Tod und seine Auferstehung wurde Gottes Gegenwart real und greifbar. Wer ihn sieht, sieht den Vater (Joh 14:9).

Das Wasser Siloahs findet in Jesus seine Erfüllung: Als „lebendiges Wasser" stillt er nicht nur körperlichen, sondern den tiefsten Lebensdurst (Joh 4:10-14). In einer Welt von Macht und Oberflächlichkeit bietet er innere Erfüllung, Vergebung und ewiges Leben (Joh 7:37-38).

Für die Begegnung mit Gott brauchen wir heute keinen Tempel aus Stein – Christus selbst ist dieser Ort (Joh 4:21-24). Statt imposanter Weltreiche genügt uns das sanfte, lebendige Wasser Jesu.

Wenn Jesus in Macht und Herrlichkeit wiederkommt (Offb 1:7), werden wir dies nur ertragen können, wenn wir uns zuvor mit seiner unsichtbaren Herrlichkeit beschäftigt haben. Dafür brauchen wir Zeit mit ihm und seinem Wort, um zu erkennen, was er uns geschenkt hat und noch schenken wird.

Samstag, 17. Mai 2025

Die Gnade des HERRN währt von Ewigkeit zu Ewigkeit über denen, die ihn fürchten, und seine Gerechtigkeit auf Kindeskind bei denen, die seinen Bund halten.

Psalm 103,17-18

Weil du mein Wort bewahrt hast, das dir die Kraft gibt, auszuharren, werde auch ich dich bewahren in der Stunde der Versuchung, die über den ganzen Erdkreis kommen wird, die Erdenbewohner zu versuchen.

Offenbarung 3,10

Festhalten am Wort Gottes – in Gnade und Vertrauen

Wer erinnert sich nicht an die ersten Wochen des weltweiten Lockdowns im März 2020? Plötzlich stand das öffentliche Leben still, Grenzen wurden geschlossen, Flugzeuge blieben am Boden. Eine Situation, die sich bis kurz davor kaum jemand hätte vorstellen können.

Diese Erfahrungen zeigen uns, wie schnell sich vermeintlich stabile Strukturen wandeln können (Jak 4:14). Sie erinnern uns auch daran, wie wertvoll ein fester Halt im Leben ist. Die Bibel spricht in Offenbarung 3,10 von einer „Stunde der Versuchung", die über die ganze Erde kommen wird. Auch wenn die genaue Bedeutung uns verborgen bleibt, wird eines deutlich: Es wird eine Zeit sein, die unseren Glauben auf die Probe stellt (1Petr 1:7). Dabei lässt sich Folgendes festhalten:

  1. Ohne die Bewahrung des HERRN können wir diese Prüfung nicht bestehen (Joh 15:5).
  2. Der HERR bewahrt all jene, die Sein Wort bewahren (Ps 91:1).
  3. In dieser Stunde der Versuchung wird es eine große Herausforderung sein, an der Verheißung der Wiederkunft Jesu Christi festzuhalten – besonders weil viele Spötter auftreten werden, die das Kommen des HERRN in Zweifel ziehen (2Petr 3:3-4).

Doch diese Bibelstelle ist nicht in erster Linie eine Drohung – sondern eine Zusage: Gott wird die bewahren, die an seinem Wort festhalten (Joh 10:28). Das ist kein Leistungsdruck, sondern eine Einladung zum Vertrauen. Denn Gottes Wort ist nicht zuerst eine Forderung, sondern eine Quelle der Kraft (Röm 1:16).

Was bedeutet es, Gottes Wort zu bewahren?

Es bedeutet nicht, perfekt zu sein oder niemals zu zweifeln. Es bedeutet, an Gottes Verheißungen festzuhalten – selbst dann, wenn vieles dagegenzusprechen scheint (Hebr 11:1). Gerade in herausfordernden Zeiten dürfen wir darauf vertrauen, dass Gott uns nicht verlässt (Hebr 13:5).

Die Bibel kennt solche Prüfungszeiten: Adam und Eva scheiterten, weil sie Gottes Wort nicht vertrauten. Jesus hingegen hielt in jeder Versuchung an Gottes Willen fest – selbst am Kreuz (Hebr 4:15). In ihm finden wir ein Vorbild, aber vor allem einen Retter, der uns durchträgt.

Hab keine Angst vor der Zukunft

Diese „Stunde der Versuchung" ist kein Grund zur Angst, sondern ein Aufruf, heute in der Nähe Jesu zu leben (2Tim 1:7). Wer sich ihm anvertraut, wird getragen – nicht weil wir stark sind, sondern weil er treu ist (2Thes 3:3).

Der Psalm erinnert uns: Gottes Gnade gilt denen, die ihn fürchten – das heißt: die ihn ernst nehmen, ihm vertrauen und in Beziehung mit ihm leben. Diese Ehrfurcht ist kein Zittern vor Strafe, sondern ein Ausdruck von Liebe und Hingabe (1Jo 4:18).

Vielleicht fühlst du dich manchmal schwach oder zweifelst daran, ob dein Glaube ausreicht. Dann erinnere dich: Gott bewahrt nicht die Perfekten, sondern die, die ihn lieben und sich nach ihm ausstrecken (2Kor 12:9). Wer in Christus bleibt, bleibt in der Gnade – heute und in jeder zukünftigen Herausforderung (Joh 15:4).

Lass uns deshalb schon heute lernen, Jesus zu lieben, auf sein Wort zu hören und ihm zu vertrauen – nicht aus Angst vor der Zukunft, sondern aus Freude über seine Nähe (1Jo 4:19). Dann werden wir wie Paulus einmal sagen können:

"Nun liegt der Siegeskranz für mich bereit, die Gerechtigkeit, die der Herr, der gerechte Richter, mir an jenem großen Tag geben wird – und nicht nur mir, sondern auch allen anderen, die ihn lieben und auf sein Kommen warten." (NGÜ - 2Tim 4:8)

Sonntag, 18. Mai 2025

Der HERR kennt die Gedanken der Menschen: Sie sind nur ein Hauch!

Psalm 94,11

Niemand betrüge sich selbst. Wer unter euch meint, weise zu sein in dieser Welt, der werde ein Narr, dass er weise werde. Denn die Weisheit dieser Welt ist Torheit bei Gott.

1.Korinther 3,18-19

Die Gedanken der Menschen und die Weisheit dieser Welt

Das Wissen – oder der Glaube daran –, dass Gott alle unsere Gedanken und die Motive des Herzens sieht (Hebr 4:13), hat weitreichende Konsequenzen für unser Menschsein. Eine Mehrheit der Menschen glaubt vermutlich an einen Gott oder zumindest an die Existenz eines höheren intelligenten Wesens. Allerdings bezweifle ich, dass eine Mehrheit auch daran glaubt, dass Gott alle unsere Gedanken sieht und sich dafür interessiert.

Von Jesus lesen wir an mehreren Stellen, dass er die Gedanken der Menschen genau kannte. In Matthäus 9:4 wird beispielsweise berichtet, wie Jesus die bösen Gedanken der Schriftgelehrten erkannte. Sie dachten bei sich, Jesus hätte gelästert, als er dem Gelähmten die Sünden vergab. Daraufhin sprach Jesus zu ihnen:

"Warum denkt ihr Arges in euren Herzen? Denn was ist leichter zu sagen: Deine Sünden sind vergeben, oder zu sagen: Steh auf und geh umher? Damit ihr aber wisst, dass der Sohn des Menschen Vollmacht hat, auf der Erde Sünden zu vergeben … Dann sagt er zu dem Gelähmten: Steh auf, nimm dein Bett auf, und geh in dein Haus! Und er stand auf und ging in sein Haus." (Mt 9:4-7)

Wer glaubt, dass niemand seine Gedanken sieht, denkt anders als jemand, der davon überzeugt ist, dass Gott die Gedanken sieht und sich dafür interessiert (Ps 139:2). Doch selbst wenn kein Gott unsere Gedanken sähe, wirken sie sich dennoch auf unser Reden und Handeln aus. Mit der Zeit bekommen dadurch auch unsere Mitmenschen ein zunehmend deutlicheres Bild davon, welche Gedanken ein Mensch in sich trägt (Mt 12:34).

Wenn wir glauben, dass Gott unsere Gedanken sieht und sich dafür interessiert, achten wir bewusster darauf, womit wir uns gedanklich beschäftigen. Dies weckt in uns eine Gottesfurcht, die uns prüfen lässt, welche Motive dem HERRN gefallen und welche Ihm zuwider sind (Spr 16:2).

Psalm 94 beschreibt unter anderem rücksichtslose, gottlose Menschen, die Witwen, Fremde und Waisen unterdrücken und sogar ermorden (Ps 94:6). Sie glauben, es gäbe keinen Gott, der sie sieht und sich für ihr Handeln interessiert – nicht zuletzt deshalb, weil sie diesen "gewinnbringenden Lebensstil" schon lange ohne sichtbare Konsequenzen führen können. Doch sie täuschen sich gewaltig! Sie bedenken nicht, dass ihr Denken – gemessen an der Ewigkeit – wie ein Hauch vergehen wird (Ps 94:11).

Die junge Gemeinde in Korinth war – Gott sei Dank – nicht mehr von dieser skrupellosen Gottlosigkeit dominiert, aber sie war dennoch stark von der griechischen Philosophie und Rhetorik beeinflusst. Dies führte zu einer Überbewertung menschlicher Weisheit. Die Gemeinde ließ sich von redegewandten, selbstgefälligen und scheinbar „frommen" Menschen beeindrucken – von jenen, die sich für besonders weise hielten (1Kor 1:20).

Diese Überheblichkeit mag in weltlichen Denksystemen als Weisheit gelten, doch aus Gottes Sicht ist sie nichts als vergänglicher Selbstbetrug und Torheit, weil sie auf andere Menschen herabschaut und ihnen ihre Würde nimmt. Diese Gesinnung mag in der Welt erfolgreich erscheinen – mit göttlicher Liebe hat sie jedoch nichts gemein (1Kor 13:4).

Wer weiß, dass Gott jeden Gedanken sieht und sich vor jeglicher Form der Überheblichkeit und Selbstgefälligkeit ekelt (Spr 16:5), der tut Buße, sobald er diese Gesinnung bei sich selbst entdeckt. Für einen weltlich gesinnten Menschen erscheint es töricht, wenn man Gott um Vergebung bittet, nur weil man sich in Gedanken über andere erhoben hat. Doch in Wahrheit bildet genau dies die Grundlage für ein neues, göttliches Denken aus Demut und Liebe!

Zum Abschluss möchte ich die wegweisenden Worte des Apostels Paulus aus Römer 12:2 zitieren:

"Passt euch nicht den Maßstäben dieser Welt an, sondern lasst euch von Gott verändern, damit euer ganzes Denken neu ausgerichtet wird. Nur dann könnt ihr beurteilen, was Gottes Wille ist, was gut und vollkommen ist und was ihm gefällt." (HFA)

Montag, 19. Mai 2025

Wir wissen nicht, was wir tun sollen, sondern unsere Augen sehen nach dir.

2.Chronik 20,12

Jesus sprach zu den zweiundsiebzig Jüngern: Wenn ihr in ein Haus kommt, sprecht zuerst: Friede sei diesem Hause!

Lukas 10,2 +5

Der ultimative Tipp für Ratlose

Wer kennt das nicht? Man befindet sich in einer sogenannten "Zwickmühle" bzw. in einer scheinbar ausweglosen Lage und weiß nicht, was man tun soll. Egal, wie man sich entscheidet, jeder mögliche Schritt scheint irgendwie schlecht zu sein. Manchmal spricht man auch von einer "Wahl zwischen Pest und Cholera".

König Joschafat und die Bewohner von Jerusalem befanden sich in einer aussichtslosen Situation: Die Moabiter und Ammoniter hatten sich mit einem großen Heer aufgemacht, um Jerusalem anzugreifen (2Chr 20:1). Joschafat erkannte sofort, dass seine Streitkräfte dieser feindlichen Armee unterlegen waren. Eine solche Nachricht löste verständlicherweise große Angst aus – gefangengenommene Könige wurden häufig öffentlich gedemütigt, gefoltert und hingerichtet.

Joschafat fühlte sich kraft- und ratlos, da er keine Möglichkeit sah, diese Feinde im Kampf zu besiegen. Dennoch war er nicht ohne Hoffnung, denn er glaubte an den allmächtigen Gott, der auch das scheinbar Unmögliche möglich macht (Lk 1:37). Er wusste: Unser Gott hat Mittel und Wege, uns zu retten. So betete er und sprach den entscheidenden Satz:

"Denn in uns ist keine Kraft vor dieser großen Menge, die gegen uns kommt. Wir erkennen nicht, was wir tun sollen, sondern auf dich sind unsere Augen ⟨gerichtet⟩." (ELB - 2Chr 20:12)

Joschafat und alle Juden standen vor Gott und richteten ihren Blick auf ihn. Äußerlich schauten sie zum Tempel, denn sie waren überzeugt: Hier „wohnt" Gott, und er wird uns retten, wenn wir ihm vertrauen und auf seine Hilfe bauen (Ps 121:1-2).

Heute brauchen wir keinen sichtbaren Tempel mehr, um auf Gott zu schauen. Wenn wir mit den Augen des Herzens auf Jesus schauen – durch Besinnung auf seinen Charakter und Gottes Wort – erkennen wir den himmlischen Vater (Joh 14:9). Dieses „Schauen auf Jesus" schenkt uns Ruhe in scheinbar ausweglosen Situationen.

Nach seinem Gebet schenkte der HERR dem bedrohten Volk durch Jahasiël eine prophetische Zusage:

"Fürchtet euch nicht und seid nicht niedergeschlagen vor dieser großen Menge! Denn der Kampf ist nicht eure ⟨Sache⟩, sondern Gottes!" (2Chr 20:15)

Alle, die dieser göttlichen Zusage glaubten, konnten innerlich zur Ruhe kommen, weil sie wussten: „Gott wird uns retten!" (Ps 46:2) Diejenigen jedoch, die nicht glaubten, wurden weiterhin von der Angst gequält.

Jesus sandte zweiundsiebzig Jünger in die umliegenden Städte und Dörfer (in manchen Handschriften ist von siebzig die Rede). Dabei sagte er:

"Geht hin! Siehe, ich sende euch wie Lämmer mitten unter Wölfe. Tragt weder Börse noch Tasche noch Sandalen, und grüßt niemand auf dem Weg! In welches Haus ihr aber eintretet, sprecht zuerst: Friede diesem Haus! … Heilt Kranke und sprecht: 'Das Reich Gottes ist nahe zu euch gekommen'." (Lk 10:3-9)

Ganz ohne eigene Mittel und ohne Reserven erhielten sie von Jesus einen alles andere als einfachen Auftrag: „unter Wölfen" sollten sie Kranke heilen und die Botschaft Gottes verkündigen. Dies war nur möglich, weil sie zuvor auf Jesus schauten und seinen Worten vertrauten (Mt 28:20). Darum gilt auch heute noch: Der Blick auf Jesus und das Vertrauen auf ihn können uns in einer ausweglosen Situation Ruhe schenken. Ich schließe mit dem ultimativen Tipp aus Hebr 12:2:

"Lasst uns hinschauen auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens!"

Dienstag, 20. Mai 2025

So spricht der HERR: Ich habe dein Gebet gehört und deine Tränen gesehen. Siehe, ich will dich gesund machen.

2.Könige 20,5

Der königliche Beamte sprach zu ihm: Herr, komm herab, ehe mein Kind stirbt! Jesus spricht zu ihm: Geh hin, dein Sohn lebt! Der Mann glaubte dem Wort, das Jesus zu ihm sagte, und ging hin. Und während er noch hinabging, begegneten ihm seine Knechte und sagten: Dein Kind lebt.

Johannes 4,49 +50 +51

Gott hört Gebet

von Ingo Mees

Tiefe Verzweiflung machte sich in dem heftig erkrankten Hiskia, dem König von Juda, breit: Soeben hatte der Prophet Jesaja ihm im Auftrag Gottes die niederschmetternde Botschaft seines bevorstehenden Todes überbracht (2Kö 20:1). Konnte das sein? Hiskia war doch gerade einmal 39 Jahre alt – das ist doch kein Alter zum Sterben! Und überhaupt: Seit Hiskia 14 Jahre zuvor im jugendlichen Alter von 25 Jahren zum König von Juda erhoben wurde, hatte er von Gott immer nur Lob erhalten – immerhin beseitigte Hiskia die Stätten der Götzenanbetung, setzte sein ganzes Vertrauen auf den Gott Israels und bewahrte die Gebote, die der HERR dem Mose geboten hatte – und der HERR war stets mit ihm (2Kö 18:2-7)! Und nun das! War das der Dank dafür, dass er in den guten Wegen des legendären und gottesfürchtigen Königs David lebte und regierte?

Wie reagieren wir auf erhaltene „Hiobsbotschaften" (Hi 1:13-19), die schlimme Diagnose unseres Arztes, die Nachricht vom Tod eines uns liebgewordenen Menschen (Joh 11:4) oder die Erfahrung, dass unsere Lebenspläne ganz plötzlich durchkreuzt wurden (Spr 16:9)?

Hiskia tat das einzig Richtige: Unmittelbar nach dem Erhalt der schlimmen Nachricht schrie er in seiner Not zu Gott (2Kö 20:2), schüttete vor ihm sein Herz aus und breitete vor ihm sein ganzes Elend aus (Ps 62:9). Dabei verschwieg er auch nicht das schmerzende Gefühl der Ungerechtigkeit, das er empfand. Und all das tat Hiskia nicht im Zorn oder gar im Hass auf Gott, sondern im tiefen Vertrauen darauf, dass Gott ihn hört und sich seiner erbarmt (Ps 103:13). Und so geschah damals, was Kinder Gottes auch heute erleben, wenn sie Gott ihr Leid klagen (Ps 50:15): Gott hört unser vertrauensvolles Gebet und sieht unsere Tränen!

Rund 750 Jahre nach der tiefgreifenden Erfahrung Hiskias erlebte ein königlicher Beamter Ähnliches: Angesichts der Erkrankung seines Sohnes, der im Sterben begriffen war (Joh 4:47), sah er nur einen Weg, das Leben seines Sohnes zu retten – er wandte sich an Jesus:

Der königliche Beamte sprach zu ihm: Herr, komm herab, ehe mein Kind stirbt! Jesus spricht zu ihm: Geh hin, dein Sohn lebt! Der Mann glaubte dem Wort, das Jesus zu ihm sagte, und ging hin. Und während er noch hinabging, begegneten ihm seine Knechte und sagten: Dein Kind lebt. (Joh 4:49-51)

Hier ist es Jesus, der die vertrauensvolle Bitte des verzweifelten Vaters hört und seine tiefe Not sieht. Und wie Hiskia gesund wurde und noch 15 weitere Lebensjahre von Gott geschenkt bekam (2Kö 20:6), so durfte auch der königliche Beamte eine Frucht seines Vertrauens auf Jesus ernten – sein Sohn lebte. Diese Erfahrung machte ihn und sein ganzes Haus zu treuen Anhängern des Messias (Joh 4:53).

Beide Begebenheiten machen deutlich, dass Gott ein Erbarmer ist (Jes 54:10). Er hört unser vertrauensvolles Gebet und sieht unsere Tränen! Gottes Erbarmen äußert sich nicht immer so, dass wir gesund werden oder dass er uns die Not, die in unser Leben getreten ist, nimmt. Manchmal lässt er die Schwierigkeiten unseres Lebens bestehen, aber er sorgt dafür, dass sie uns "dienen" müssen (Röm 8:28). Gott wird uns dann die Kraft schenken, unsere Lebenslast zu tragen, und wir werden die wunderbare Erfahrung machen, dass er mitträgt (Ps 68:20).

Kurt Scherer hat es treffend formuliert:

Weil ich getragen werde, kann ich tragen und ertragen. Weil ich gehalten werde, kann ich festhalten und durchhalten."

Manches Leid dient dazu, dass unser verzerrtes Gottesbild eine Korrektur erhält und Gott uns nur noch größer wird (2Kor 12:9). So wächst in uns die Sehnsucht, uns ihm ganz hinzugeben und uns dem Licht seiner Liebe immer mehr auszusetzen (Jak 4:8). Halten wir fest: Gott hört unser vertrauensvolles Gebet und sieht unsere Tränen, und freuen wir uns darauf, dass Gott selbst einmal alle Tränen abwischen wird (Offb 21:4)!

Mittwoch, 21. Mai 2025

Fürchte dich nicht, Zion! Lass deine Hände nicht sinken! Denn der HERR, dein Gott, ist bei dir, ein starker Heiland.

Zefanja 3,16-17

Erbarmt euch derer, die zweifeln.

Judas 1,22

Mut trotz Zweifel

Kennst du das auch? – Das Zweifeln! Manchmal stehst du vor einer Entscheidung und wägst die Argumente dafür und dagegen ab. Doch je länger du darüber nachdenkst, desto unsicherer wirst du. Die Zweifel werden nicht kleiner, sondern immer größer, und du fühlst dich zunehmend unfähig, eine Entscheidung zu treffen (Jak 1:6-8).

Das griechische Wort „diakrino" bedeutet sowohl „unterscheiden" und „beurteilen" als auch „zweifeln" – je nach Textzusammenhang (1Kor 11:29 / Jak 1:6). Die Apostel ermutigen uns zwar, in menschlichen Angelegenheiten zu unterscheiden und zu beurteilen (1Kor 6:5). Jedoch sollten wir die Zusagen Gottes nicht kritisch hinterfragen oder anzweifeln (Röm 4:20).

Zugegeben: Es gibt Menschen, die Entscheidungen leicht treffen können, und solche, denen selbst kleine Entscheidungen schwerfallen. Doch auch die Entscheidungsfreudigen stoßen irgendwann an einen Punkt, an dem sie unsicher werden und zweifeln, ob sie das Richtige tun. Jeder Mensch erreicht früher oder später „seine Grenzen" – dann spürt er diese beunruhigenden Zweifel, die ihn verunsichern (Ps 73:2). Umso wertvoller ist es, verständnisvolle und barmherzige Menschen an seiner Seite zu haben (Gal 6:2).

Zweifeln ist menschlich – das Gottvertrauen jedoch geistlich.

Der Kontext der Losungsverse beschreibt die wohl turbulenteste Übergangszeit in der Heilsgeschichte: In Zeph 3:8 wird vom glühenden Zorn Gottes gesprochen und von einem Strafgericht, das der HERR über alle Völker ausgießen wird. Zugleich verheißt Vers 9, dass der HERR den Völkern reine Lippen geben wird, damit sie alle seinen Namen anrufen und ihm einmütig dienen werden.

Auch Zion bzw. Jerusalem wird einen Läuterungsprozess durchleben, bei dem alle hochmütigen Prahler aus seiner Mitte entfernt werden, sodass Israel auf dem heiligen Berg nicht mehr überheblich sein wird (Zeph 3:11). In den Versen 12-13 heißt es dann:

"Und ich werde in deiner Mitte ein demütiges und geringes Volk übrig lassen, und sie werden beim Namen des HERRN Zuflucht suchen. Der Rest Israels wird kein Unrecht tun und keine Lüge reden, und in ihrem Mund wird keine trügerische Zunge gefunden werden, sondern sie werden weiden und lagern, und niemand wird sie aufschrecken."

In dieser Zeit wird der HERR die Selbstgefälligkeit Seines Volkes beseitigen, sodass es demütig wird (Jes 2:11). Israel braucht dann aber auch Ermutigung, da es möglicherweise an der Liebe des HERRN zweifelt. Deshalb gibt Gott durch den Propheten Zefanja diese Verheißung:

"Juble, Tochter Zion, jauchze, Israel! Freue dich und frohlocke von ganzem Herzen, Tochter Jerusalem! Der HERR hat deine ⟨Straf⟩gerichte weggenommen, deinen Feind weggefegt. Der König Israels, der HERR, ist in deiner Mitte, du wirst kein Unglück mehr sehen. An jenem Tag wird in Jerusalem gesagt werden: Fürchte dich nicht, Zion, lass deine Hände nicht erschlaffen! Der HERR, dein Gott, ist in deiner Mitte, ein Held, der rettet; er freut sich über dich in Fröhlichkeit, er schweigt in seiner Liebe, er jauchzt über dich mit Jubel." (Zeph 3:14-17)

Nach dieser schweren Gerichtszeit wird der König Israels kommen und das messianische Friedensreich, das Millennium, aufrichten (Offb 20:4). Dann wird die Zeit der Trauer und des Zweifelns zu Ende sein – wie wunderbar!

Donnerstag, 22. Mai 2025

HERR, lass den Geringen nicht beschämt davongehen.

Psalm 74,21

Die kanaanäische Frau fiel vor Jesus nieder und sprach: Herr, hilf mir! Aber er antwortete und sprach: Es ist nicht recht, dass man den Kindern ihr Brot nehme und werfe es vor die Hunde. Sie sprach: Ja, Herr; aber doch essen die Hunde von den Brosamen, die vom Tisch ihrer Herren fallen. Da antwortete Jesus und sprach zu ihr: Frau, dein Glaube ist groß. Dir geschehe, wie du willst! Und ihre Tochter wurde gesund zu derselben Stunde.

Matthäus 15,25 +26 +27 +28

Interessiert sich Jesus auch für die Verworfenen?

Psalm 74 beginnt mit einer rhetorischen Frage, die tief hoffnungslos klingt:

"Ein Maskil. Von Asaf. Gott, warum hast du verworfen für immer, [warum] raucht dein Zorn gegen die Herde deiner Weide?" (Ps 74:1)

Dieser Psalm wurde vermutlich von einem Nachkommen Asafs verfasst, der – wie sein Vorfahre – als levitischer Sänger im Tempel zur Zeit Davids diente. Der Text beschreibt die trostlose Situation nach der Zerstörung Jerusalems und des ersten Tempels.

Asafs Frage spiegelt seine tiefe Verzweiflung wider, in der er emotional eine dauerhafte Verwerfung der „Herde Gottes" – und damit seines Volkes – empfindet. Die Frage deutet auf einen endgültigen Zustand hin, besonders weil der „Tempelsänger" seiner Aufgabe für immer beraubt wurde. Dieser Psalm zeigt deutlich, dass Asaf „ein Mann des Glaubens" war! Umso schwerer wiegt die Erkenntnis, dass er vermutlich zeitlebens seine Berufung als Tempelsänger nicht mehr ausüben konnte. Für ihn schien die Sache aussichtslos, weshalb er von einer „ewigen bzw. dauerhaften Verworfenheit" spricht (Klgl 5:19-22).

Jedoch machen sowohl die Geschichte als auch die Verheißungen Gottes deutlich, dass die Verwerfung des Volkes Israel kein endloser Zustand ist (Röm 11:1-2).

Trotz des Gefühls der Endgültigkeit wendet sich Asaf voller Vertrauen an seinen Gott. Seine Bitten zeigen, wie sehr er trotz allem an eine Rettung durch Gott glaubte (Ps 74:18-23). Wahrer Glaube endet nie in Hoffnungslosigkeit, sondern weiß, dass Verwerfung und Gericht nicht das Ende sind – darum gilt:

„Ein Ende, das nicht vollkommen gut ist, ist noch nicht das Ende!"

Kanaan war ein Enkel Noahs, den ein schwerer Fluch traf – er wurde von Gott verworfen (1Mo 9:25). Jahrtausende später – zur Zeit Jesu – lebte eine kanaanäische Frau mit ihrer Tochter in der Nähe von Tyrus und Sidon. Ihre Tochter war von einem Dämon besessen, wodurch beide Frauen unsägliches Leid erfuhren. Als die Frau hörte, dass Jesus in ihrer Nähe war, wandte sie sich voller Hoffnung an ihn und rief: „Erbarme dich meiner, Herr, Sohn Davids! Meine Tochter ist schlimm besessen." Doch dann folgte die große Ernüchterung: Jesus gab ihr keine Antwort und schien sie zu ignorieren. In solch einem Moment kann schnell das Gefühl aufkommen: Jesus interessiert sich nicht für mich! Ich bin und bleibe eine von Gott Verworfene – eine „Nullnummer"!

Nachdem die Jünger Jesus zum Handeln drängten, sagte er: „Ich bin nur gesandt zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel" (Mt 15:24). Warum ging die Frau nach dieser Aussage nicht traurig und frustriert weg? Stattdessen warf sie sich vor ihm nieder und flehte: „Herr, hilf mir!"

Doch selbst diese intensive Bitte bewegte Jesus nicht zum Handeln. Stattdessen äußerte er etwas, das wir heute als diskriminierend empfinden würden: „Es ist nicht recht, das Brot der Kinder zu nehmen und es den kleinen Hunden vorzuwerfen" (Mt 15:26). An dieser Stelle hätte die Frau allen Grund gehabt zu denken: „Ich gehöre offensichtlich nicht zur ‚Zielgruppe' von Jesus – es ist zwecklos!"

Nicht so die kanaanäische Frau! Sie gab die Hoffnung immer noch nicht auf. Vielleicht war ihr auch klar: „Jesus ist meine einzige Hoffnung!" Darum äußerte sie noch ein letztes Argument und sagte: „Ja, Herr; doch es essen ja auch die Hunde von den Krumen, die von dem Tisch ihrer Herren fallen" (Mt 15:27).

Dieses auf den ersten Blick befremdliche Gespräch – das unser gewohntes Jesusbild erschüttern mag – zeigt weder Gleichgültigkeit noch Diskriminierung. Vielmehr offenbart es ein gezieltes Handeln Jesu, das einen einzigen Zweck verfolgte: das Sichtbarmachen eines außergewöhnlichen Glaubens, gepaart mit tiefer Demut, Weisheit und Beharrlichkeit (Jak 1:3-4)!

Diese Geschichte lehrt uns: „Wenn Jesus schweigt und scheinbar kein Interesse an uns zeigt, dürfen wir gewiss sein – das entspricht nicht der Wahrheit!" Vielleicht möchte er in uns etwas ganz Besonderes hervorbringen (Röm 8:28). Verzage nicht, vertraue auf Jesus und setze deine ganze Hoffnung auf ihn, auch wenn er momentan schweigt. Zu seiner Zeit wirst auch du seine Hilfe erfahren (Ps 27:14)!

Freitag, 23. Mai 2025

Ich will sie sammeln von den Enden der Erde, unter ihnen Blinde und Lahme, Schwangere und junge Mütter, dass sie als große Gemeinde wieder hierher kommen sollen.

Jeremia 31,8

Da wurde der Hausherr zornig und sprach zu seinem Knecht: Geh schnell hinaus auf die Straßen und Gassen der Stadt und führe die Armen und Verkrüppelten und Blinden und Lahmen herein.

Lukas 14,21

Blinde und Lahme

Jedes Jahr organisiert unser Partnerverein Moria in Rumänien Freizeiten für Menschen mit Behinderungen. Die Teilnehmer werden von zu Hause abgeholt, um eine Woche in Gemeinschaft zu verbringen und Gottes Wort zu hören. Da viele von ihnen das Jahr über isoliert leben, ist diese Zeit besonders wertvoll. Die Ferienwoche wird durch Spenden finanziert und ist für die Teilnehmer, die meist nur eine Minimalrente beziehen, kostenlos. Unser Schweizer Verein "Hilfe für Rumänien" unterstützt dieses Projekt. Wenn möglich, begleiten meine Frau und ich die Gruppe für einige Tage. Hier darf ich das Evangelium verkündigen und werde dabei ins Rumänische übersetzt.

Diese wertvolle Zeit macht uns immer wieder bewusst, wie mühsam das Leben von „Blinden und Lahmen" ist. Es waren auch schon Tetraplegiker dabei, die fast vollständig auf fremde Hilfe angewiesen waren. Während heute viele Menschen mit Behinderungen in Europa verhältnismäßig gut versorgt sind, war die Situation für Blinde und Lahme in biblischen Zeiten deutlich schwerer. Die meisten mussten betteln, litten unter Hunger und Kälte und lebten am Rande der Gesellschaft – auch weil viele glaubten, sie seien „von Gott bestraft". Selbst die Jünger Jesu fragten sich, ob der Blindgeborene oder seine Eltern gesündigt hätten, worauf Jesus sagte:

"Weder dieser hat gesündigt noch seine Eltern, sondern damit die Werke Gottes an ihm offenbart werden." (Joh 9:3)

Die Rückkehr von Vertriebenen in ihr Land war in biblischen Zeiten bereits ein besonderes Ereignis. Dass aber Blinde und Lahme, Schwangere und junge Mütter in ihr Heimatland zurückkehren konnten, war geradezu außergewöhnlich – ein Geschehen, das man durchaus als Wunder bezeichnen kann. In Jer 31:8 verheißt Gott, ein solches Wunder zu tun!

Sowohl der Losungstext als auch der Lehrtext zeigen deutlich, dass Gott für die Blinden und Lahmen etwas ganz Besonderes bereithält. In Lukas 14:21 werden sie zum großen Gastmahl eingeladen, nachdem die ursprünglich Geladenen „zu beschäftigt" waren. So werden die Armen, Verkrüppelten, Blinden und Lahmen zu den Bevorzugten (Mt 5:3). Dies ist ein wundervolles Gleichnis dafür, wie Gott sich den Benachteiligten zuwendet: „Sie sind es, die einst am großen himmlischen Gastmahl teilnehmen werden!"

Aber die Einladung Gottes geht nicht nur an die Benachteiligten, sondern auch an jene, die bereit sind, ihre Bedürftigkeit zu erkennen – unabhängig von ihrer sozialen oder körperlichen Situation (Mt 11:28). In diesem Sinne ist geistliche Armut kein Mangel, sondern ein Zugang zur Gnade.

Der allmächtige Gott – der zugleich die Liebe selbst ist (1Jo 4:16) – hat eine besondere Zuneigung zu den Schwachen und Unterprivilegierten. Obwohl sie in dieser Welt benachteiligt sind, werden sie häufig als Erste den himmlischen Segen erfahren. Deshalb preist Jesus auch in der Bergpredigt zuerst die Benachteiligten glückselig (Mt 5:1-12).

Es gibt nicht nur körperlich Blinde und Lahme, sondern auch Menschen, die es im „geistlichen" Sinne sind. Gerade intellektuell begabte Menschen, die sich über andere erheben, erkennen oft nicht, dass all ihre Gaben und Fähigkeiten ein Geschenk Gottes sind (1Kor 4:7). Hochmut und Stolz sind deutliche Zeichen geistlicher Blindheit. Wer nicht auf Gott vertraut, kann den Weg nicht gehen, den Gott für ihn vorgesehen hat – dieser Mensch ist im geistlichen Sinne lahm.

Lasst uns daher in Gottesfurcht, Demut und vollem Vertrauen auf Gott unseren Weg gehen (Spr 3:5-6), damit wir nicht zu den geistlich Blinden und Lahmen gehören.

Samstag, 24. Mai 2025

Du allein kennst das Herz aller Menschenkinder.

1.Kön 8:39

Jesus sah Nathanael kommen und sagt von ihm: Siehe, ein rechter Israelit, in dem kein Falsch ist. Nathanael spricht zu ihm: Woher kennst du mich?

Joh 1:47-48

Der HERR allein kennt unser Herz

Normalerweise kennt uns der Mensch am besten, der uns über längere Zeit am nächsten steht. Das ist oft der Ehepartner, ein guter Freund oder ein Familienmitglied. Diesem Menschen kann man kaum etwas vormachen, da er sehr gut weiß, wie man „tickt". Ein solch tiefes Kennen und Verstehen setzt also eine besondere innere Nähe und Offenheit voraus! (Spr 17:17)

In 1. Könige 8 spricht Salomo eines der längsten Gebete der Bibel (neben Ps 119, Neh 9:5-38 und Joh 17). Er sprach dieses Gebet zur Einweihung des ersten Tempels. Der Tempel war als „Haus des Gebets" gedacht, in dem die Beziehung zu Gott vertieft werden konnte. Die Vollendung des Tempels machte Gottes Treue sichtbar, und dieses Haus des HERRN symbolisierte die Nähe des allmächtigen Gottes – zu dem jeder Mensch kommen kann, auch der größte Sünder! (Jes 56:7)

Es gibt jedoch eine wichtige Bedingung, um von Gott gehört zu werden: absolute Ehrlichkeit. Diese Authentizität und Wahrhaftigkeit führt zu einer von Herzen kommenden Demut. Und gerade diese Demut ist die Voraussetzung, um Gottes Gnade empfangen zu können. (Jak 4:6)

Auch wenn uns nahestehende Menschen sehr gut kennen, so gibt es doch nur einen, der uns durch und durch kennt und versteht – nämlich Gott allein! Er kennt nicht nur unsere oberflächlichen Beweggründe, sondern auch die tiefsten und verborgensten Motive unseres Herzens und unsere innerste Gesinnung. Er sieht alles und kennt uns besser, als wir uns selbst kennen. Er allein weiß, was wir brauchen, damit unsere Herzen gesund werden können. (Ps 139:1-4)

Salomo spricht von den Wegen, die wir einschlagen. Jede Entscheidungssituation gleicht einer Wegkreuzung, an der wir eine Richtung wählen und damit einen bestimmten Weg einschlagen. Wenn wir erkennen, dass Gott all unsere Motive und „Herzenswege" kennt, erwächst daraus eine heilsame Ehrfurcht vor ihm. Deshalb betete Salomo weiter: „... damit sie dich fürchten alle Tage ..." Diese „Gottesfurcht" bedeutet vor allem eine respektvolle Liebe und Vertrauen zum HERRN. (Spr 3:5-6)

Die Begegnung zwischen Jesus und Nathanael ist bemerkenswert. Philippus sagte zu Nathanael, dass er und seine Freunde denjenigen gefunden hätten, von dem Mose und die Propheten geschrieben haben – Jesus von Nazareth. Darauf fragte Nathanael: „Kann aus Nazareth etwas Gutes kommen?" Philippus antwortete schlicht: „Komm und sieh!" Bei ihrer Begegnung sprach Jesus die erstaunlichen Worte: „Siehe, wahrhaftig ein Israelit, in dem kein Trug ist!" Diese Aussage spiegelte Nathanaels aufrichtigen Charakter wider – er lebte ein Leben ohne Falschheit und Täuschung. (Joh 1:45-47)

Sofort spürte Nathanael: Dieser Jesus kennt mich, obwohl ich ihm noch nie wissentlich begegnet bin! Dann sagte Jesus: „Ehe Philippus dich rief, als du unter dem Feigenbaum warst, sah ich dich." Diese Aussage führte dazu, dass Nathanael in Jesus den Sohn Gottes erkannte. Warum war diese Aussage Jesu für Nathanael so besonders? Die Bibel sagt uns nichts dazu, aber es ist naheliegend, dass Nathanael unter dem Feigenbaum betete und dort vor Gott sein Herz ausschüttete. Vielleicht schrie er zum Gott Israels und bat ihn inständig um Vergebung. Die Aussage Jesu „Ich sah dich unter dem Feigenbaum" berührte ihn so tief, dass er sofort wusste: „Nur der Sohn Gottes allein kann meine Gedanken unter dem Feigenbaum kennen!" Damit machte Jesus deutlich: „Gott hat dein aufrichtiges Gebet erhört!" (Joh 1:48-49)

Wo ist dein Feigenbaum? — Sei gewiss: Gott kennt und versteht dich vollkommen und liebt dich unendlich! Du kannst ihm alles anvertrauen, was dein Herz zutiefst bewegt. Es lohnt sich immer, denn dieser Weg führt zur inneren Heilung! (1Jo 1:9)

Sonntag, 25. Mai 2025

Du sollst dein Herz nicht verhärten und deine Hand nicht zuhalten gegenüber deinem armen Bruder.

5.Mose 15,7

Meine Brüder und Schwestern! Was nützt es, wenn jemand behauptet zu glauben, sich der Glaube aber nicht in Taten zeigt?

Jakobus 2,14

Glaube und Liebe

Was denken wir über einen Prediger, der über die Liebe spricht, aber gleichzeitig seine eigene Frau herablassend und verächtlich behandelt (1Petr 3:7)? Wie beurteilen wir einen Missionar, der fremden Völkern das Evangelium verkündigen will, während er die Einheimischen körperlich oder psychisch missbraucht (1Jo 4:20)? Was sagen wir zu einem wohlhabenden Christen, der um die materielle Not seiner Glaubensschwester weiß, ihr aber nicht hilft, die grundlegendsten Bedürfnisse zu stillen? Oder was denken wir über einen vermögenden Pfarrer, der einem Hungernden begegnet – und ihm nicht einmal genug zu essen gibt (1Jo 3:17)?

Wir kämen wohl alle zum gleichen Schluss: Diese Personen sind nicht nur unglaubwürdig – ihnen fehlt vor allem die Liebe, die ein untrennbarer Bestandteil des christlichen Glaubens ist (1Kor 13:2)!

Der gesamte Vers aus dem Losungstext lautet in der Elberfelder Bibel wie folgt:

"Wenn es einen Armen bei dir geben wird, irgendeinen deiner Brüder in einem deiner Tore in deinem Land, das der HERR, dein Gott, dir gibt, dann sollst du dein Herz nicht verhärten und deine Hand vor deinem Bruder, dem Armen, nicht verschließen."

Der arme „Bruder", der am Tor zum eigenen Haus sitzt, erinnert an den armen Lazarus aus der Erzählung Jesu in Lk 16:19-31. In dieser Geschichte lebte ein gesunder und wohlhabender Mann, der zwar die Überlieferungen von Mose und den Propheten kannte (Lk 16:31), sich aber nicht um den kranken Lazarus vor seinem Tor kümmerte. Der Grund? Er verhärtete sein Herz und verschloss seine Hand vor einem Menschen in seinem unmittelbaren Umfeld – er unternahm nichts, um Lazarus' Not zu lindern. Dies hatte für den Reichen verheerende Konsequenzen, wie die Geschichte eindringlich zeigt.

Die Gründe, warum wir Menschen uns vor der Not anderer verschließen, sind vielfältig:

  • Hilfsbereitschaft „kostet Zeit", die wir lieber für unseren Genuss nutzen würden. Dabei übersehen wir, dass hilfsbereite Nächstenliebe langfristig viel mehr Freude schenkt als ein Leben voller Konsum und Vergnügen (Apg 20:35)!
  • Die Weitergabe finanzieller und materieller Hilfe verringert rechnerisch das eigene Vermögen und damit die vermeintliche Absicherung. Man hat auch weniger Geld für die eigenen Wünsche. Dabei vergisst man, dass Geben seliger ist als Nehmen, und es mangelt am Vertrauen darauf, dass Gott uns auch in Zukunft mit allem Nötigen versorgen wird (Mt 6:33).
  • Vielleicht spielt auch das Leistungsdenken eine gewisse Rolle: „Der Arme ist entweder faul oder jemand, der von Gott für eine Sünde bestraft wurde, während ich ein von Gott Gesegneter bin – das zeigt sich ja an meinem materiellen Reichtum." Folglich sei der Arme an seiner Situation selbst schuld und müsse sie deshalb einfach ertragen. Dieses Denken offenbart aber pure Unbarmherzigkeit (Röm 1:31 / Lk 6:36)!

Es gibt zwar noch viele weitere Gründe, warum wir uns vor der Not unserer Nächsten verschließen – doch keiner davon entspringt der Liebe!

Für den Apostel Paulus war es selbstverständlich, dass wahrer Glaube und Liebe untrennbar zusammengehören (Gal 5:6). Echte Liebe zeigt sich darin, dass man seinem Nächsten wohltut und beisteht. Wahrer Glaube bringt Glaubenswerke hervor – Werke, die Gott zuvor bereitet hat (Eph 2:10). Diese Glaubenswerke entstehen aus dem Vertrauen zu Gott und der Liebe zu den Menschen. Sie unterscheiden sich grundlegend von Gesetzeswerken, durch die ein Mensch versucht, eine eigene Gerechtigkeit aufzubauen, um sich vor Gott zu rechtfertigen.

Wer auf Gott vertraut und aus der Liebe lebt, hat einen echten Glauben – und dieser Glaube rettet. Ein Glaube ohne Liebe hingegen ist kein echter Glaube. Dieser unechte Glaube, von dem Jakobus spricht (Jak 2:14), kann nicht retten.

Lasst uns auf Gott vertrauen und aus der Liebe leben (1.Joh 4:16)!

Montag, 26. Mai 2025

Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der HERR Zebaoth.

Sacharja 4,6

Der Engel sprach zu Maria: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten; darum wird auch das Heilige, das geboren wird, Gottes Sohn genannt werden.

Lukas 1,35

Das Entscheidende bewirkt der Geist des HERRN

Der Prophet Sacharja lebte in der Zeit des Wiederaufbaus des zerstörten Tempels in Jerusalem (Esr 1:1-4). Als der persische König Kyrus es anordnete, kehrten einige Juden aus dem babylonischen Exil nach Jerusalem zurück. Unter ihnen war Serubbabel, ein in Babylon geborener Nachkomme Davids, der als jüdischer Statthalter eingesetzt wurde (Hag 1:1).

Die Widerstände gegen den Wiederaufbau des Tempels waren immens. Sie führten unter anderem dazu, dass die Bauleute den Mut verloren und ihre „Hände erschlafften" (Esr 4:4) – sie wurden kraftlos und verloren die Motivation weiterzumachen. In solchen Zeiten richtet man seinen Blick oft auf die Mächtigen und Starken und denkt: „Ach, hätten wir doch auch so viel Macht und Kraft!"

Wenn ich entmutigt bin und mich kraftlos fühle, spüre ich oft eine „bleierne Müdigkeit", die von tiefer Erschöpfung begleitet wird. In solchen Momenten überkommt mich eine Schläfrigkeit, gegen die ich nur mit größter Mühe ankämpfen kann (Ps 73:26).

In Sacharja 4 wird der Prophet von einem Engel geweckt (Sach 4:1)! Ob er unter Erschöpfung litt, wissen wir nicht. Jedenfalls wurde er durch ein übernatürliches Wesen aufgeweckt. Daraufhin empfing Sacharja die fünfte Nachtvision, in der ein Ölgefäß, ein goldener Leuchter mit sieben Gießröhren, zwei Ölbäume und zwei Gesalbte erscheinen.

Man fragt sich unweigerlich, was diese Symbole mit dem Wiederaufbau des Tempels zu tun haben. Der goldene Leuchter – die Menora – war zwar einer der heiligen Gegenstände des Tempels, konnte aber erst nach dessen Fertigstellung dort aufgestellt werden (2Mo 25:31-40).

Das „Öl", das „Licht" und die „Salbung" sind Symbole für den Geist (1Jo 2:27). Der „aufgeweckte Prophet" überbrachte dem vielleicht mutlosen Statthalter Serubbabel eine klare Botschaft: „Für den Bau des Hauses Gottes brauchst du weder eine schützende Armee noch menschliche Stärke – du brauchst allein den Geist Gottes, der das für Menschen Unmögliche möglich macht!"

Zwar kann man den Geist Gottes nicht sehen, doch er ist die entscheidende Macht, die alles ins Dasein rief, alles zusammenhält und alles zu dem von Gott bestimmten Ziel führt (Joh 3:8).

Wir Christen wünschen uns manchmal auch mehr Kraft und mehr wahrnehmbare Präsenz in dieser Welt, um noch effizienter an der Gemeinde Gottes bauen zu können, die ja ein geistlicher Tempel ist (1Kor 3:16). Der wahre und bleibende Tempel Gottes wird weder durch unsere gut durchdachten Programme und Strategien noch durch unser beeindruckendes Auftreten gebaut — sondern allein durch das Wirken des Heiligen Geistes.

Der Heilige Geist war es, der die Zeitenwende einleitete, indem er in einer jungen, unscheinbaren Frau den Sohn Gottes zeugte (Lk 1:35) – das Lamm Gottes, das geboren wurde, um die Welt von ihrer Sünde zu befreien. Der Heilige Geist erfüllte Jesus vollständig und gab ihm die Kraft für das Menschenunmögliche (Lk 4:1). Er ist es auch, der schwache und fehlerhafte Menschen zu Kindern Gottes macht und ihnen damit die höchste denkbare Identität schenkt (Röm 8:16).

Vertrauen wir nicht auf unsere Kräfte und Fähigkeiten, sondern allein auf das Wirken des Heiligen Geistes in uns (2Kor 12:9)!


Dienstag, 27. Mai 2025

Wo ist ein Fels außer unserm Gott?

Psalm 18,32

Paulus schreibt: Wir dachten bei uns selbst, zum Tode verurteilt zu sein. Das geschah aber, damit wir unser Vertrauen nicht auf uns selbst setzten, sondern auf Gott, der die Toten auferweckt, der uns aus solcher Todesnot errettet hat und erretten wird. Auf ihn hoffen wir, er werde uns auch hinfort erretten.

2.Korinther 1,9-10

Vom Selbstvertrauen zum Gottvertrauen

Mitten im Rheinfall steht ein markanter Felsen mit einer Treppe und einer kleinen Aussichtsplattform (Ps 62:3). Mit seiner Schweizer Fahne ist er ein beliebtes Fotomotiv. Ich weiß nicht, seit wie vielen Tausend Jahren die gewaltigen Wassermassen des Rheins gegen diesen Felsen brausen (Ps 93:4), aber eines weiß ich: Er hat ihnen bis heute standgehalten, und kein noch so starkes Hochwasser konnte ihn je zu Fall bringen (Mt 7:24-25).

Dieser Fels inmitten des Rheins ist ein anschauliches Bild für Gottes Beständigkeit, Stärke und Festigkeit (5Mo 32:4). In Psalm 18:3 bezeugte David zudem:

"Der HERR ist mein Fels und meine Burg und mein Erretter, mein Gott ist mein Hort, bei dem ich mich berge, mein Schild und das Horn meines Heils, meine hohe Feste."

David dachte vermutlich weniger an einen Felsen inmitten eines Stromes, sondern vielmehr an ein Felsmassiv, auf dem eine Burg stand, die allen Feinden trotzen konnte (Ps 61:4). Der HERR war für ihn eine solche unerschütterliche Feste, die ihm in allen Lebenslagen Schutz bot. Diese Erfahrung durfte er immer wieder machen, und deshalb bezeugte er zu Beginn dieses Psalms:

Herzlich lieb habe ich dich, HERR!" (Ps 18:2 nach der Lutherbibel 1912)

Auch Paulus bezeugte, wie Gott ihn und seine Mitarbeiter aus größter Not errettete. In 2. Korinther 1:8 schildert er ihre tiefe Bedrängnis – sie waren dem Tod so nahe, dass sie am Leben verzweifelten. Obwohl sich niemand eine solche Erfahrung wünscht, durfte Paulus selbst in dieser scheinbar hoffnungslosen Situation die wunderbare Rettung des HERRN erleben (2Tim 4:18).

Aber nicht nur das: Er durfte auch erkennen, dass sie durch diese Not lernen durften, sich vom Selbstvertrauen zu lösen und zu einem absoluten Gottvertrauen zu gelangen (Spr 3:5-6). Wir sollten darin wie kleine Kinder werden, die – im Idealfall – wissen: ‚Ich habe eine fürsorgliche Mama und einen lieben Papa, die mir alles geben, was ich brauche.' Doch auch wenn menschliche Fürsorge manchmal fehlt oder enttäuscht, dürfen wir wissen: Gott ist ein vollkommen treuer Vater, der seine Kinder niemals verlässt (Hebr 13:5). Ihm dürfen wir unser ganzes Vertrauen schenken.

Gerade in jungen und erfolgreichen Lebensphasen neigen viele dazu, stark auf ihr eigenes Können und Selbstvertrauen zu bauen – was an sich nichts Schlechtes ist. Doch wenn das Selbstvertrauen Gottvertrauen verdrängt, wird es gefährlich. Der Glaube lädt uns ein, Schritt für Schritt zu lernen, unser Vertrauen von uns selbst auf Gott zu verlagern – aus dem Wissen heraus, dass seine Kraft größer ist als unsere eigene. Wer zum Glauben an Jesus Christus findet, darf lernen, sein Vertrauen nicht mehr auf sich selbst, sondern in allen Bereichen zunehmend auf Gott zu setzen. Wenn wir wie Kinder auf Gott vertrauen – genauso bedingungslos wie sie ihren Eltern vertrauen – dann ehren und lieben wir Ihn (Mt 18:3). Wir haben allen Grund, dem HERRN unser vollkommenes Vertrauen zu schenken, denn Er allein hat die Macht, die Toten aufzuerwecken und ihnen ewiges Leben zu geben – und genau das wird Er auch tun (Joh 5:21)!

Mittwoch, 28. Mai 2025

Zur letzten Zeit wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen.

Jesaja 2,2 +4

Jagt dem Frieden nach mit jedermann und der Heiligung, ohne die niemand den Herrn sehen wird.

Hebräer 12,14

Ein globaler Friede – ist das möglich?

Im Garten des UNO-Hauptquartiers in New York City steht eine Bronzeskulptur mit dem Namen „Wir werden unsere Schwerter zu Pflugscharen schmieden". Diese wurde 1959 von der Sowjetunion als Geschenk an die Vereinten Nationen übergeben. War diese Geste vom aufrichtigen Wunsch nach globalem Frieden geprägt, oder spielten andere Motive eine Rolle? Eine Sehnsucht nach Frieden trägt vermutlich jeder Mensch in sich – auch wenn es ihm nicht immer bewusst ist (Ps 34:15). Doch das Geschenk der UdSSR sollte wohl eher dazu beitragen, ihr internationales Ansehen zu verbessern. Im Kalten Krieg inszenierten sich sowohl die USA als auch die Sowjetunion als Friedensmächte – ungeachtet ihrer tatsächlichen politischen oder militärischen Handlungen.

Die Metapher „Schwerter zu Pflugscharen" wurde von zwei Propheten geprägt, die zur gleichen Zeit lebten und vermutlich persönlichen Kontakt miteinander hatten. Während Jesaja hauptsächlich in Jerusalem wirkte, war Micha als „Landprophet" in Moreschet (nahe Gat) tätig (Mi 1:1).

Der Losungsvers aus Jesaja 2:4 lautet in der Elberfelder Bibel wie folgt:

"Und er (der HERR) wird richten zwischen den Nationen und Recht sprechen für viele Völker. Dann werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen umschmieden und ihre Speere zu Winzermessern. Nicht ⟨mehr⟩ wird Nation gegen Nation das Schwert erheben, und sie werden den Krieg nicht mehr lernen."

In Micha 4:3 lesen wir fast wortgleich:

"Und er wird richten zwischen vielen Völkern und Recht sprechen für mächtige Nationen bis in die Ferne. Dann werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen umschmieden und ihre Speere zu Winzermessern. Nicht ⟨mehr⟩ wird Nation gegen Nation das Schwert erheben, und sie werden das Kriegführen nicht mehr lernen."

„Diese Vision ist zu schön, um wahr zu werden!", werden vermutlich viele denken. Nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Holocaust hörte man sowohl in Deutschland als auch international immer wieder die Aussage: „Nie wieder!" Der globale Weltfriede bleibt ein Dauerthema und wird von vielen Politikern und Organisationen unermüdlich angestrebt.

Warum schaffen wir Menschen es nicht, diesen Frieden zu verwirklichen, obwohl sich eine große Mehrheit danach sehnt? Eine der Hauptursachen ist die weltweit praktizierte Ungerechtigkeit, die durch systematische Korruption genährt wird. Diese wurzelt im Egoismus und einer unersättlichen Gier nach mehr Reichtum, Macht und Ansehen (1Tim 6:10). Deshalb braucht es eine grundlegende Veränderung der Herzen – oder moderner ausgedrückt: „eine Transformation der Gesinnung" (Röm 12:2)!

Die gemeinsame Vision der jüdischen Propheten wird erst zur bleibenden Realität, wenn Gott die Völker gerecht richtet und die Herzen der Menschen durch den Heiligen Geist mit seiner bedingungslosen Liebe erfüllt (Röm 5:5). Dies wird geschehen, wenn Jesus in großer Macht und Herrlichkeit vom Himmel wiederkommt (Mt 24:30).

Zuvor kommt aber noch ein anderer, der durch einen siebenjährigen Bund einen vorübergehenden Frieden schaffen wird (Dan 9:27 / 1Thes 5:3 / Offb 6:4) und von sich behaupten wird, der „wahre Messias" zu sein. Er wird sich in den Tempel Gottes setzen und sich selbst als Gott ausgeben (2Thes 2:4). Doch er wird der Falsche sein – der Antichrist!

Der Retter der Menschheit kam vor 2000 Jahren als Mensch zu uns, um uns als Lamm Gottes von der Sünde zu befreien (Joh 1:29). Das nächste Mal kommt er nicht als Mensch aus Fleisch und Blut zu uns, sondern als mächtiger, hell strahlender himmlischer König (Offb 19:16)!

Jeder, der bereits heute den Heiligen Geist und dadurch die Liebe Gottes in sich trägt, strebt nach Frieden mit allen Menschen und folgt dem Weg der Heiligung (Hebr 12:14), indem er sich Gott und seiner Liebe weiht bzw. hingibt (Röm 12:1).

Donnerstag, 29. Mai 2025

Der HERR spricht: Ich will Frieden geben in eurem Lande, dass ihr schlaft und euch niemand aufschrecke.

3.Mose 26,6

Jesus spricht: Ich treibe die bösen Geister mit dem Finger Gottes aus, und daran könnt ihr sehen, dass Gott schon angefangen hat, mitten unter euch seine Herrschaft aufzurichten.

Lukas 11,20

Der sich herabneigende Gott

Als ich noch im Architekturbüro tätig war, sollte ich innerhalb von drei Wochen einen riesigen Auftrag ausführen. Der Auftrag war eigentlich zu groß – ich hätte ihn nicht annehmen dürfen. Doch da der Betrieb in einem finanziellen Engpass steckte, sah ich keine andere Möglichkeit. Ich rechnete bereits damit, 14–16 Stunden pro Tag arbeiten zu müssen – was ich mir mit meiner beschränkten Kraft kaum vorstellen konnte. Selbst bei diesem enormen Arbeitspensum war nicht sicher, ob ich den Auftrag würde vollenden können.

Dann geschah etwas Unerwartetes: Zunächst beunruhigend, doch letztlich ein Segen: Der Auftrag wurde mir unerwartet entzogen, und ich wusste nicht, wie wir dies finanziell bewältigen würden. Stattdessen erhielt ich einen anderen, wesentlich kleineren Auftrag, der jedoch so viel Honorar einbrachte, dass wir weitermachen konnten (Röm 8:28). Es war damals, als würde Gott sich in seiner Gnade zu mir herabneigen und zu mir sagen: „Ich weiß, dass du das nicht schaffst, und ich weiß auch, was ihr braucht, um als Architekturbüro überleben zu können!"

In 3. Mose 26 zeigt der HERR, was er von seinem Volk erwartet und welche Folgen es haben würde, wenn sie seine Anforderungen erfüllen. Zusammengefasst lassen sich diese Verse so darstellen:

Wenn du …

  • keinen anderen Gott anbetest (2Mo 20:3)
  • das Heiligtum ehrfürchtig achtest
  • den Sabbat und alle Gebote hältst

Dann wird der HERR …

  • Regen schenken
  • reichen Ertrag geben
  • vor Krieg und wilden Tieren schützen
  • Frieden und Sicherheit schenken

Dies käme dem Reich Gottes sehr nahe!

Die ganze Geschichte des Alten Testaments zeigte deutlich, dass das Volk diese Anforderungen nicht erfüllen konnte. Zu Beginn wollten sie zwar alles tun, was der HERR verlangte – und glaubten wohl auch, es aus eigener Kraft schaffen zu können (2Mo 19:8 / Jos 24:24). Doch was folgte, war ein ständiges Versagen. Mehr noch: Die Treulosigkeit Israels gegenüber ihrem Gott war geradezu beispiellos (Jer 2:13).

Es folgte das, was Mose in den sogenannten „Fluchbestimmungen" (5Mo 28:15-68) bereits angekündigt hatte: Dürre, Mangel, Hunger, Ernteausfälle, Krieg, Verfolgung und das Gefühl der Unsicherheit – unter anderem durch die Bedrohung von wilden Tieren und bösen Mächten.

Das auserwählte Volk war unfähig, Gott treu zu dienen und seine Gebote einzuhalten, wodurch es an einen Tiefpunkt gelangte. Der beständige Götzendienst führte zu einer Verbindung mit bösen Geistern, bis hin zu dämonischer Besessenheit (5Mo 32:17).

Doch dann neigte sich der gnädige Gott herab, indem er seinen Sohn auf die Erde sandte und mit dem „Finger Gottes" die Menschen von ihren „finsteren Gebundenheiten" befreite (Joh 8:36). Der Paralleltext in Mt 12:28 verwendet statt „Finger Gottes" den Ausdruck „Geist Gottes", was die enge Verbindung zwischen dem Finger Gottes und dem Heiligen Geist verdeutlicht.

Durch die Gegenwart Jesu und den Heiligen Geist hat Gott bereits begonnen, seine Herrschaft mitten unter den Menschen aufzurichten (Lk 17:21). Heute geschieht dies in den Herzen der Menschen – doch es wird der Tag kommen, an dem die Herrschaft Gottes für alle sichtbar in Erscheinung tritt (Offb 11:15)!

Möge jeder von uns diese wunderbare Gewissheit erleben: Jesus ist da – mitten unter uns, durch seinen Geist, voller Frieden und Kraft (Mt 28:20).

Freitag, 30. Mai 2025

Fröhlich lass sein in dir, die deinen Namen lieben!

Psalm 5,12

Die Apostel gingen aber fröhlich von dem Hohen Rat fort, weil sie würdig gewesen waren, um Seines Namens willen Schmach zu leiden, und sie hörten nicht auf, alle Tage im Tempel und hier und dort in den Häusern zu lehren und zu predigen das Evangelium von Jesus Christus.

Apostelgeschichte 5,41-42

Freude, die von innen kommt

Von Ingo Mees

Die Glücksforschung hat festgestellt, dass mindestens vier Faktoren zum Glücklichsein gehören: Liebeserfahrung, Freude, Zufriedenheit und Dankbarkeit. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass die Suche nach Freude einen starken Antrieb im Leben eines jeden Menschen darstellt. Nicht ohne Grund kennen wir Begriffe wie „Vergnügungsindustrie" und „Spaßgesellschaft". Die Freude, die der Zeitgeist anbietet, ist aber oberflächlich und vergänglich. Spaß und Vergnügen befriedigen nicht wirklich: Das erwünschte Glücksgefühl ist schnell wieder vergangen oder will sich gar nicht erst einstellen. So beginnt eine immer intensivere Suche nach neuer Freude, die sich jedoch in einer Spirale der Unzufriedenheit verliert. Aus Sehnsucht wird Sucht.

Die Freude, mit der unser Schöpfer uns beschenken möchte, ist von ganz anderer Qualität, denn sie ist verknüpft mit ihm selbst: „Fröhlich lass sein in dir, die deinen Namen lieben!" (Ps 5:12) Echte Freude, die einen Baustein zu einem glücklichen Leben darstellt, finden wir nur in der Bindung an Gott. Sie ist nicht flüchtig, sondern trägt – auch in schwierigen Zeiten.

Freut euch im Herrn allezeit! Wiederum will ich sagen: Freut euch!" – so formuliert es der Apostel Paulus (Phil 4:4). Aber Moment mal: Kann man denn eine emotionale Bewegung wie Freude anweisen oder gar befehlen? Ist Freude nicht vielmehr ein Gefühl, das sich einstellt – oder eben nicht? Es ist eine geistliche Wahrheit, dass wir unseren Gemütsbewegungen nicht hilflos ausgeliefert sind.

Es ist von entscheidender Bedeutung, worauf wir unser Denken, Reden und Tun ausrichten. Wenn wir unsere Blicke auf unseren Herrn und Heiland Jesus Christus richten (Hebr 12:2), unser Denken, Reden und Tun von ihm prägen lassen und dem Geist Gottes in uns Raum geben, wird die Freude im Herrn uns ganz gewiss erfüllen, denn sie ist eine Frucht des Heiligen Geistes (Gal 5:22).

Mit der Gabe der göttlichen Freude verfügen wir über eine gewaltige Kraftquelle: „Seid nicht bekümmert; denn die Freude am Herrn ist eure Stärke." (Neh 8:10) Mit diesen Worten stärkte Esra das Volk der Juden in einer Zeit schwerer Anfechtungen, und diese Worte haben ihre Gültigkeit bis heute nicht verloren. Schon im Alten Bund wussten die Menschen, die Gott ihr Leben anvertraut haben, um Quellen der Freude: „Freuen, ja, freuen will ich mich in dem Herrn! Jubeln soll meine Seele in meinem Gott! Denn er hat mich bekleidet mit Kleidern des Heils, den Mantel der Gerechtigkeit mir umgetan" (Jes 61:10). Gott ist ein Gott, der uns umfassendes Heil erfahren lassen möchte – welch ein Grund zur Freude! „Deine Zeugnisse sind mein Erbe für ewig, denn die Freude meines Herzens sind sie." So lesen wir es in Psalm 119:111. Gott ist nicht unnahbar, sondern ein Gott, der sich in seinem Wort offenbart und uns nahekommt!

Mit der Menschwerdung des Sohnes Gottes haben sich die Gründe für ein Leben mit tiefgreifender Freude vervielfältigt (Lk 2:10). In Jesu Person haben sich die Liebe und die Gnade Gottes auf überragende Weise geoffenbart und seine Worte sind Worte des Lebens, die zur Freude führen (Joh 15:11).

Die Jünger Jesu wurden mit dieser Freude erfüllt und sie machten die Erfahrung, dass die göttliche Freude auch in Situationen Bestand hat, die von außen betrachtet eigentlich keinen Grund zur Freude darstellen. Sie befanden sich in einer lebensgefährlichen Situation vor dem Hohen Rat (Apg 5:33), wurden geschlagen und geschmäht – und gingen dennoch „fröhlich von dem Hohen Rat fort" (Apg 5:42, vgl. Mt 5:12, 1Petr 4:13). Eigentlich unfassbar! Auch der Apostel Paulus hat die Beständigkeit der göttlichen Freude in notvollen Lebenslagen erfahren (2Kor 7:4).

Ein besonderer Grund zur Freude wartet noch auf uns: Wir werden unseren Herrn von Angesicht zu Angesicht sehen, ja – ihm gleich sein (1Jo 3:2, vgl. Joh 16:22)! Wenn das kein Grund zum Jubel und zum Lob Gottes ist! Jesus wird wiederkommen, um uns zu sich zu nehmen – in seine liebenden Arme. Das ist unsere Hoffnung, darauf warten wir, und auch dieses Warten wird uns zur Freude werden (Spr 10:28).

So beginnen wir diesen Tag mit einem frohen Herzen – so wie es auch in Ps 118:24 heißt: „Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat! Seien wir fröhlich und freuen wir uns in ihm!"

Samstag, 31. Mai 2025

Wohl dem, der barmherzig ist und gerne leiht und das Seine tut, wie es recht ist!

Psalm 112,5

Die Reichen sollen Gutes tun, reich werden an guten Werken, freigebig sein und ihren Sinn auf das Gemeinwohl richten. So verschaffen sie sich eine gute Grundlage für die Zukunft, die dazu dient, das wahre Leben zu gewinnen.

1.Timotheus 6,18-19

Ein weiser und verheißungsvoller Lebensstil

Wäre ich Bildungsminister eines Landes und hätte die nötigen Befugnisse, würde ich Weisheit als Pflichtfach in der Schule einführen. In diesem „Fach" müssten vor allem die Weisheitsbücher der Bibel – insbesondere die Psalmen, Sprüche und der Prediger – unterrichtet und studiert werden (Spr 1:1-7). Das Studium dieser Bücher würde Kindern ermöglichen, in ihrer Lebensführung die richtigen Prioritäten zu setzen. Die Beachtung göttlicher Weisheit wirkt den egoistischen Bestrebungen – wie Hochmut und Gier – entgegen und leitet uns zu Demut und Liebe (Jak 4:6).

In einem säkularen, demokratischen Staat wäre dies jedoch kaum umsetzbar, da unmittelbar eine Debatte über die Definition von Weisheit entstünde. Viele Bürger würden die Bezeichnung der Bibel als alleinige Weisheitsquelle ablehnen – es erschiene ihnen zu intolerant und einseitig.

Wenn es aber einen allmächtigen Gott gibt, der sowohl Himmel und Erde als auch die Menschen erschuf, dann kann nur Sein Wort die Quelle wahrer Weisheit sein, denn nur Er kann uns die Einsicht vermitteln, die Ewigkeitswert besitzt (2Tim 3:16-17). Darum heißt es in der Bibel:

"Die Furcht des HERRN ist der Weisheit Anfang; und Erkenntnis des ⟨allein⟩ Heiligen ist Einsicht." (Spr 9:10)

Psalm 112 zeigt uns, was ein weiser und verheißungsvoller Lebensstil beinhaltet. Er preist denjenigen glückselig, der den HERRN fürchtet (V. 1) und sich an den Anweisungen Gottes und seinen Geboten erfreut, weil er in ihnen eine Quelle geistlichen Reichtums entdeckt hat (Ps 19:8-12).

Der ganze Psalm offenbart die charakteristischen Eigenschaften des Gottesfürchtigen. Diese sind:

  1. Aufrichtigkeit bzw. Redlichkeit, Geradlinigkeit oder Rechtschaffenheit (hebr. yashar - Vers 2+4)
  2. Gerechtigkeit (hebr. zedakah - Vers 3)
  3. Gnädig sein (hebr. channun - Vers 4)
  4. Barmherzigkeit, die sich in tiefem Mitgefühl zeigt (hebr. rachum - Vers 4)
  5. Großzügigkeit (hebr. lavah - Vers 5)
  6. Rechtschaffenheit, die kein Unrecht tut (hebr. mishpat - Vers 5)
  7. Gottvertrauen, das die Furcht vertreibt (hebr. batach - Vers 7)
  8. Fürsorglichkeit, die den Armen bereitwillig gibt (hebr. nathan - Vers 9)

Wer aus göttlicher Sicht weise geworden ist, besitzt all diese Eigenschaften (Jak 3:17). Diesem Menschen wird im Psalm vieles verheißen: Glückseligkeit, mächtige Nachkommen im Land, Segen, Vermögen und Reichtum, Erleuchtung, Festigkeit, Furchtlosigkeit und Ehre.

Wohlhabende und vermögende Christen, die sich von den Eigenschaften eines Gottesfürchtigen leiten lassen, können als weise bezeichnet werden. Wenn sie die Anweisungen des Apostels Paulus in 1Tim 6:18-19 befolgen, sind sie für eine christliche Gemeinschaft ein besonderer Segen und leben zur Ehre Gottes (2Kor 9:6-8). Sie haben sich von Gier und Geiz befreit und sind zur wahren Freiheit in Christus gelangt.

Lasst uns großzügige und freudige Geber sein – darin liegt nicht nur wahre Weisheit, sondern auch ein Widerschein göttlicher Liebe (2Kor 9:7).

Heute bin ich zum ersten Mal einer Psalmsängerin begegnet, die Bibeltexte spontan vorsingt, ohne vorher eine Melodie einzuüben. Das Besondere an Sarah, die uns gerade mit ihrer Familie besucht: Sie ist erst 10 Jahre alt! Inspiriert von der heutigen Losung aus Psalm 112:5 trug sie uns den gesamten Psalm 112 vor. Hört mal rein!


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