2025-04 - Andachten vom April 2025
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Dienstag, 1. April 2025
Der HERR schafft Recht den Unterdrückten, den Hungrigen gibt er Brot.
Psalm 146,7
Der aber Samen gibt dem Sämann und Brot zur Speise, der wird auch euch Samen geben und ihn mehren und wachsen lassen die Früchte eurer Gerechtigkeit.
2.Korinther 9,10
Brot und Früchte der Gerechtigkeit
Wenn ein Bauer Weizen säen möchte, kauft er in der Regel das entsprechende Saatgut ein. In früheren Zeiten legte er nach der Weizenernte einen Anteil beiseite, um genügend Samen für die künftige Aussaat zu haben. Nach meinen Recherchen sind das in Deutschland durchschnittlich etwa 2,7%. In Mt 13:8 erwähnt Jesus einen hundert-, sechzig- sowie dreißigfachen Ertrag. Die Aussaat beträgt dabei 1% bis 3,3% der zu erwartenden Ernte. Nicht nur der Bauer investiert einen Teil seines Ertrages, um auch künftig eine Ernte einfahren zu können, sondern auch viele andere: Der Investor kauft Aktien in der Hoffnung, sie später mit Gewinn weiterzuverkaufen, und der Bauunternehmer kauft Maschinen, um effizienter arbeiten und seinen Ertrag steigern zu können. Im 2. Korinther 9 spricht der Apostel Paulus von einer anderen Art der Investition: Er ermutigte die Gläubigen in Korinth, Spenden für die notleidende Gemeinde in Jerusalem zu sammeln. In Vers 10 macht er deutlich, dass Gott nicht nur Brot zur Speise gibt, sondern auch Samen für den Sämann (2Kor 9:10). Gott schenkt uns gute Gaben – nicht nur zum eigenen Gebrauch und Genuss, sondern auch damit wir sie für das Reich Gottes einsetzen können. Dabei meine ich nicht nur finanzielle und materielle Spenden, sondern auch unsere Fähigkeiten und Zeit. Wer in die „Sache Gottes" investiert, sammelt „Schätze im Himmel" für die Zeit nach unserem irdischen Leben (Mt 6:20). Während Paulus zum großzügigen Spenden aufruft, zieht er einen Vergleich zum Sämann und betont: "Wer spärlich sät, wird auch spärlich ernten, und wer in Segensfülle sät, wird auch in Segensfülle ernten." (2Kor 9:6 - HSN) Dem Apostel war besonders wichtig, dass dies völlig freiwillig und mit Freude geschieht (2Kor 9:7), wobei jeder nach seinem Herzensentschluss geben soll. Er ermutigt zur Großzügigkeit, die besonders dann wächst, wenn man auf Gott vertraut und an das glaubt, was Paulus in den Versen 8 und 9 schreibt: Gott aber vermag euch jede Gnade überfließend darzureichen, damit ihr in allem allezeit alles Nötige zur Genüge besitzt und [noch] Überfluss habt zu jedem guten Werk, wie geschrieben steht: "Er streute aus, er gab den Armen, seine Gerechtigkeit bleibt in Ewigkeit." Wir können nur dann großzügig spenden und Nöte lindern, wenn wir darauf vertrauen, dass der HERR uns auch künftig mit allem Notwendigen versorgt (Phil 4:19). Diese Liebesgaben sind eine geistliche Saat und bringen „Früchte der Gerechtigkeit" hervor. Wenn es im Losungstext heißt, dass der HERR den Unterdrückten Recht verschafft und den Hungrigen Brot gibt (Ps 146:7), dann tut er dies oft durch Menschen, die sich von ihm zum freudigen Geben bewegen lassen. Darum sagte Jesus auch: „Geben ist seliger als Nehmen." (Apg 20:35) Wer nur spendet, um sein schlechtes Gewissen zu beruhigen, handelt aus Pflichtgefühl – wer aber gerne gibt, der tut es aus Liebe (2Kor 9:7)! Ich wünsche allen viel Freude beim großzügigen Geben!
Mittwoch, 2. April 2025
Ein Sohn soll seinen Vater ehren. Bin ich nun Vater, wo ist meine Ehre?, spricht der HERR.
Maleachi 1,6
Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes.
2.Korinther 1,3
Der Vater der Barmherzigkeit
Wenn wir an Gott als Vater denken, schiebt sich oft die Erinnerung an unseren leiblichen Vater dazwischen. Unser Gottesbild ist stark geprägt von den Erfahrungen, die wir mit unseren Vätern gemacht haben (Ps 103:13). Dass Gott sich als Vater offenbart, empfinden deshalb nicht alle als erfreuliche Botschaft. Die Bandbreite der Väter ist groß: Vom jähzornigen, brutalen Vater bis hin zum liebevollen und fürsorglichen Vater gibt es alle Schattierungen. Manche Väter "glänzen" durch ihre Abwesenheit, während andere viel Zeit mit ihren Kindern verbringen und ihnen alles Mögliche erklären und beibringen. In der Kriegs- und Nachkriegszeit waren viele Väter oft sehr hart und brachten kaum ein Lob über die Lippen, sodass – vor allem die Söhne – den Eindruck hatten, dem Vater nie wirklich genügen zu können. Heute gibt es teilweise Väter, die ihre Kinder mit so viel Lob überschütten, dass es schon fast inflationär wirkt und die Kinder möglicherweise das Gefühl bekommen, sie seien die Größten und Besten!
Je negativer unser eigenes Vaterbild ist, desto wichtiger ist es zu erkennen, dass der himmlische Vater ganz anders ist (Mt 7:11). Er übertrifft selbst den besten irdischen Vater um ein Vielfaches. Jesus Christus und die Apostel haben uns den himmlischen Vater in einzigartiger Weise gezeigt (Joh 14:9 / Lk 15:11-32). Er ist es, der allen alles schenkt und für jeden einen wunderbaren Plan bereithält, der zum schönsten Ziel führt! Er ist der große Versorger, Beschützer, Erzieher und Tröster. Er ist es, der uns trägt, leitet und von allen Seiten umgibt (Ps 139:5)!
Obwohl es im Alten Testament noch nicht häufig vorkommt, wird Gott dort bereits als der eine wahrhaftige Vater vorgestellt (siehe hier). Damit zeigt Gott, dass er nicht nur unser Schöpfer ist, sondern dass er uns durch seinen Heiligen Geist zu seinen Kindern machen will, indem er in uns einen neuen Menschen zeugt (Röm 8:15). Bereits in der Thora beschreibt Mose Gott als Vater. So heißt es in 5. Mose 32:6:
"Ist er nicht dein Vater, der dich geschaffen hat? Er hat dich gemacht und zubereitet."
Im letzten Buch des Alten Testaments wird der HERR zweimal als Vater bezeichnet (Mal 1:6 / Mal 2:10). Israel fehlte es jedoch an Wertschätzung und Respekt gegenüber ihrem "himmlischen Vater", da sie ihm minderwertige Opfer darbrachten. Obwohl Gott sie als Vater großzügig beschenkte, meinten sie, sie könnten ihn mit belanglosen Opfergaben abspeisen. Mit diesem Verhalten zeigten sie ihre Verachtung und verweigerten Gott die gebührende Ehre (Mal 1:6-8). Diese Haltung erinnert auch an das Opfer Kains, das der HERR nicht annahm (1Mo 4:5).
Paulus verhielt sich diesbezüglich ganz anders. Der Apostel opferte Gott nicht nur seinen "Zehnten" und das "Beste seines Ertrages", sondern sich selbst – und damit auch alles (Röm 12:1)! Äußerlich betrachtet führte er ein schweres, von Leid geprägtes Leben mit vielen schweren Schicksalsschlägen (siehe dazu 2Kor 11:23-33 / 2Kor 12:7-10). Man könnte sich fragen, warum sich Paulus nicht enttäuscht von Gott abwandte und ihn stattdessen als "Vater der Barmherzigkeit" und "Gott allen Trostes" bezeichnete. Er tat dies, weil er den allmächtigen Gott genau so erfahren durfte, auch wenn ihn der himmlische Vater schwere Wege führte. Gott hat ihn mit Liebe überschüttet und ihm eine Herzensfreude, einen inneren Frieden und eine Zukunftserwartung geschenkt, die alle weltlichen Freuden in den Schatten stellen (Phil 3:8)!
Wenn du den himmlischen Vater noch nicht so erlebt hast, bitte ihn darum und warte geduldig, bis er sich dir auf diese Weise offenbart (Jer 29:13-14).
Donnerstag, 3. April 2025
Mein Volk tut eine zwiefache Sünde: Mich, die lebendige Quelle, verlassen sie und machen sich Zisternen, die doch rissig sind und das Wasser nicht halten.
Jeremia 2,13
Jesus spricht: Wer von dem Wasser trinkt, das ich ihm gebe, den wird in Ewigkeit nicht dürsten, sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, das wird in ihm eine Quelle des Wassers werden, das in das ewige Leben quillt.
Johannes 4,14
Die lebendige Quelle
Der Landstreifen am Westufer des Toten Meeres besteht hauptsächlich aus Wüste. In diesem trockenen Gebiet ist Wasser daher eine besondere Kostbarkeit. Einzelne Seitentäler verfügen über Bäche und damit auch über Quellen. In En-Gedi beispielsweise gibt es zwei Hauptwasserläufe: den „Nachal Arugot" (Bach der Blumenbeete) und den „Nachal David". Letzterer war möglicherweise der Bach, bei dem sich David vor König Saul verstecken musste (1Sam 24). Diese beiden Bäche führen das ganze Jahr über Wasser. Wer sich längere Zeit in der Wüste aufhält und an einem solchen Wasserlauf bleiben kann, muss keinen Wassermangel befürchten. Man könnte dort sogar einen bewässerten Gemüse- und Fruchtgarten anlegen und mit einigen Tieren dauerhaft leben. Niemand käme auf die unsinnige Idee, einen Brunnen zu graben oder eine Zisterne auszuhauen, da die ständige Versorgung mit frischem Wasser gesichert ist.
Der HERR bezeichnet sich selbst als die Quelle des lebendigen Wassers (Jer 2:13): Aus ihm quillt das wahre Leben, er ist der Lebensgeber, und nur er allein kann alle Bedürfnisse des Menschen dauerhaft stillen. Er schuf das Wasser, um unseren Leib zu tränken, und nur er allein ist auch das „geistliche Wasser", das den Durst der Seele und des Geistes stillt (Joh 7:37-38)!
Der HERR beklagt in Jeremia 2, dass sein Volk ihn – die wahre und lebendige Quelle – verlassen hat und sich stattdessen Zisternen baute, die weder das Wasser halten konnten noch frisches Wasser bereithielten. Das Volk wandte sich von ihrem Gott ab und folgte anderen Göttern (Jer 2:11). Manch einer fragt sich vielleicht: „Wie kann man nur so unvernünftig sein und das Schlechtere wählen?"
Ich glaube aber, dass dieses törichte Verhalten uns alle betrifft – wir alle haben schon das Schlechtere gewählt (Röm 3:23). Ein Teller mit frischen Früchten ist gesünder als eine Sahnetorte mit Zuckerguss, doch der Kuchen übt auf viele eine größere Anziehungskraft aus. Liebevolle Demut ist besser als eine auf Unrecht basierende Macht, doch die Macht lockt viele Menschen. Dankbare Bescheidenheit ist besser als ein Leben in Luxus ohne Herzensfrieden, doch der Luxus ist für etliche begehrenswerter. Eine treue Liebe ist weitaus besser als ein vom Lustprinzip gesteuertes Leben, doch die schnelle Befriedigung zieht viele an. Ein respektvolles und wertschätzendes Dienen ist besser als ein mürrisches Dominieren, doch das Herrschen scheint mehr Lebensqualität zu bieten. Diese Liste ließe sich endlos fortführen.
Die fremden Götzen lockten mit freiem Sex, mysteriöser Zauberei und Wahrsagerei – diese Dinge übten eine stärkere Anziehungskraft aus als ein gottesfürchtiges Leben, dessen Fundament das Vertrauen auf einen unsichtbaren Gott ist (Hebr 11:27).
Die Samariterin aus Sychar hatte einen seelischen Durst – eine tiefe Sehnsucht des Herzens: Sie wollte sich bedingungslos geliebt fühlen. Diese Sehnsucht nach Liebe versuchte sie durch Beziehungen zu Männern zu stillen. Vermutlich erkannte sie auch beim sechsten Mann, dass keiner ihre Sehnsucht stillen konnte. Erst als sie Jesus begegnete und er ihr das wahre Lebenswasser anbot (Joh 4:13-14), wurde ihre Sehnsucht gestillt, weil Jesus selbst das wahre Leben ist und weil nur er uns allen die bedingungslose göttliche Liebe geben kann!
Wenn du Jesus in dein Herz lässt, dann trägst auch du die wahre Quelle des lebendigen Wassers in dir, die deine tiefste Herzenssehnsucht dauerhaft stillt (Offb 22:17)!
Freitag, 4. April 2025
Er wird sich unser wieder erbarmen und alle unsere Sünden in die Tiefen des Meeres werfen.
Micha 7,19
Wenn wir unsere Schuld eingestehen, ist Gott treu und gerecht: Er vergibt uns die Schuld und reinigt uns von allem Unrecht, das wir begangen haben.
1.Johannes 1,9
Für immer gelöscht!
Der tiefste Punkt des Meeres ist der Challenger-Tief im Marianengraben – etwa 10.984 Meter unter dem Meeresspiegel. Dort herrscht ein Druck von ca. 1.100 Bar, der 1.100-mal höher als der Luftdruck auf Meereshöhe ist. In dieser Tiefe herrscht absolute Dunkelheit, und die Temperatur liegt bei 1–4 °C. Ohne ein Spezial-U-Boot kann kein Mensch dorthin gelangen. Würde ich über diesem Punkt eine Münze ins Meer werfen, wäre sie für immer verschwunden – unauffindbar in der Tiefe!
So unerreichbar wie eine verlorene Münze im Marianengraben, so unauffindbar sind unsere Sünden vor dem Angesicht Gottes! Was der Prophet Micha im Losungstext prophezeite (Mi 7:19), erfüllte sich, als Jesus die Sünde der ganzen Welt auf sich lud und ans Kreuz trug. Als Jesus starb, schüttete er seine Seele in den Tod (Jes 53:12). Er stieg hinab in die tiefsten Bereiche des Todes, in die tiefste Finsternis und an den Ort des „höchsten Drucks". Dorthin warf er unsere Sünden, damit sie niemand mehr hervorholen und finden kann.
Der Auslöser für diese Heilstat Gottes war sein unendliches Erbarmen – ein Erbarmen, das über jedes Gericht triumphiert (Jak 2:13) und alle miteinschließt (Röm 11:32). Dieses Erbarmen Gottes zeigt sich als tiefes, mütterliches Mitgefühl. Die Gebärmutter symbolisiert Gottes große Barmherzigkeit. Dies bestätigt nicht nur Jes 49:15, sondern auch die hebräische Wortverwandtschaft zwischen Erbarmen (RaChaM) und Mutterleib (ReCheM). Die Vorgänge in einer Gebärmutter spiegeln die Prozesse des göttlichen Erbarmens wider: Hier wird neues Leben gezeugt, eine Verbindung zwischen befruchteter Eizelle und Mutter entsteht, das Embryo wird ernährt und mit Sauerstoff versorgt – eingehüllt und geschützt. In diesem geschützten Raum wächst und reift es zu einem lebensfähigen Menschen heran.
Die Barmherzigkeit Gottes lässt neues Leben entstehen. Sie trägt, versorgt und umgibt dieses Leben, während es heranreift. Unser irdisches Leben gleicht diesem Reifungsprozess in einer Gebärmutter – ein Prozess, der mit der Geburt „ins Licht" endet, welche beim Sterben eines Gläubigen geschieht (2Kor 5:8).
Der alte Apostel Johannes legt großen Wert darauf, dass wir unsere Sünden bekennen (1Jo 1:9). Warum ist das so wichtig, obwohl Gott unsere Sünden unwiderruflich „in die Tiefen des Meeres" versenkt hat? Das griechische Wort „bekennen" – „homologeo" – bedeutet „das Gleiche sagen". Wenn wir unsere Sünden bekennen, bestätigen wir Gottes Sicht: Sünde ist eine Zielverfehlung, bei der wir das Ziel der göttlichen Liebe und des Vertrauens auf Gott verfehlen (Röm 3:23). Ohne dieses Bekenntnis haben wir Sünde noch nicht vollständig als solche erkannt und uns daher noch nicht wirklich von ihr gelöst.
Mit dem Sündenbekenntnis machen wir uns die umfassende Vergebung Gottes bewusst, und es ist eine wichtige Voraussetzung für die Reinigung von jeder Ungerechtigkeit (1Jo 1:7)! Das Bekennen der eigenen Sünde fällt zunächst schwer, weil es uns demütigt, aber danach wirkt es unglaublich befreiend – so als hätte man nach Jahren endlich ein Gefängnis verlassen können.
Ich wünsche jedem diesen Mut zur Demut, damit er durch das Sündenbekenntnis wahre Befreiung und Reinigung für sich persönlich erleben darf (Jak 4:10)!
Samstag, 5. April 2025
Der HERR macht arm und macht reich; er erniedrigt und erhöht.
1.Samuel 2,7
Ich sage jedem Einzelnen von euch: Überschätzt euch nicht und traut euch nicht mehr zu, als angemessen ist. Strebt lieber nach nüchterner Selbsteinschätzung. Und zwar jeder so, wie Gott es für ihn bestimmt hat - und wie es dem Maßstab des Glaubens entspricht.
Römer 12,3
Die richtige Einschätzung
Wer kennt sie nicht – die bitteren Erfahrungen der Erfolglosigkeit, des Zurückgestelltseins, der Demütigung oder einer fehlenden Begabung, die man sich so sehr wünscht? Als Jugendlicher litt ich darunter, dass ich im Vergleich zu Gleichaltrigen keine schnelle Auffassungsgabe hatte, dass mir das Erlernen einer Fremdsprache große Schwierigkeiten bereitete und dass ich nicht so schlagfertig wie andere war – und es noch immer nicht bin. Ich beneidete meine Mitschüler, die vieles schnell und unkompliziert begriffen, während bei mir – so fühlte es sich an – alles doppelt so lange dauerte.
Hanna litt jahrelang unter ihrer Kinderlosigkeit und fühlte sich dadurch erniedrigt (1Sam 1:2). In biblischen Zeiten war es nicht nur ein gesellschaftlicher „Makel", wenn eine Frau keine Kinder bekam – sie musste zusätzlich eine Unterversorgung im Alter befürchten, da es damals weder Altersrente noch Altenheime gab. Hanna tat das einzig Richtige: Sie ging mit ihrer Not zu Gott und schüttete ihm ihr Herz aus (1Sam 1:15). Dies tat sie, weil sie nicht nur an einen allmächtigen Gott glaubte, sondern auch daran, dass er Gebete erhört (1Sam 1:27). Dieses Gottvertrauen gefiel Gott so sehr, dass er ihr nicht nur einen Sohn schenkte, den sie ihm weihte, sondern ihr darüber hinaus weitere Kinder gab. Nachdem Hanna ihren jungen Sohn dem Priester Eli übergeben hatte, betete sie zu Gott, und daraus entstand der „Lobpreis der Hanna", der in 1Sam 2:1-10 zu finden ist.
Wenn wir den Losungsvers lesen und erkennen, dass der HERR arm und reich macht und dass er derjenige ist, der erniedrigt und erhöht, empfinden wir dies vielleicht als unfair. Wir fragen uns: „Warum macht der HERR die einen arm und andere reich?" Doch wir können auch die Frage stellen, ob ein Leben in Reichtum und Erhabenheit – aus dem Blickwinkel der Ewigkeit – wirklich das bessere Schicksal ist. Der große König Salomo hatte alles, was das Herz begehrt: Erfolg, Weisheit, Ansehen, Macht, Gesundheit und Reichtum (1Kö 10:23). Er konnte nahezu alles umsetzen, was er wollte, und kaum ein Genuss blieb ihm verwehrt. Doch er endete nicht gut, weil er von seinen vielen ausländischen Frauen zum Götzendienst verleitet wurde (1Kö 11:4)! Im Gegensatz zu seinem Vater David, der zu Lebzeiten sehr viel litt, hatte er am Ende seines Lebens keinen „Frieden mit Gott"!
Hanna erkannte: Gott ist es, der Vermögende arm und Mittellose reich macht – er ist es, der Erhabene erniedrigt und Verachtete erhöht (1Sam 2:7). Anders ausgedrückt: „Gott schafft einen Ausgleich!" Dies geschieht manchmal erst nach dem Tod, wie die Geschichte vom armen Lazarus und dem reichen Mann zeigt (Lk 16:25).
Ein lang andauernder Erfolg birgt die Gefahr, dass man sich selbst überschätzt und sich für bedeutender hält, als es angemessen ist (Röm 12:3). Wir vergessen dann, dass alles, was wir sind und haben, ein Geschenk Gottes ist (1Kor 4:7). Der Hochmut schleicht sich ein, während die Demut schwindet. Dieser Zustand ist weitaus gefährlicher, als wenn wir einen unbeabsichtigten Fehler begehen.
Wenn du dich in gewissen Bereichen „arm" oder benachteiligt fühlst, dann hat das den Vorteil, dass du erkennen kannst: „Ich bin vom HERRN abhängig und habe allen Grund, demütig zu sein! Auch darf ich glauben, dass den ‚Armen im Geist' das Reich der Himmel gehört (Mt 5:3)!" Und darum darf ich – trotz meiner momentanen Benachteiligung – ein reich Gesegneter sein!
Von Herzen wünsche ich dir dieses Bewusstsein!
Sonntag, 6. April 2025
Die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus!
Jesaja 58,7
Der König wird den Gerechten zur Antwort geben: Amen, ich sage euch: Was ihr einem dieser meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.
Matthäus 25,40
Praktische Liebe
Jemand sagte einmal: „Ein ‚halber Christ' ist ein ganzer Unsinn!" Doch was bedeutet es eigentlich, ein halber Christ zu sein? Spontan fallen mir dazu zwei mögliche Antworten ein:
- Er ist jemand, der nur mit halbem Herzen Gott dient und nicht wirklich aus der Liebe lebt (Offb 3:16)
- Es ist ein Christ, der sich nur in bestimmten Bereichen seines Lebens christlich verhält, in anderen hingegen nicht (Jak 1:8)
Ein „halber Christ" lässt das Christentum in einem falschen Licht erscheinen, wodurch der Name des HERRN in Verruf geraten kann (Röm 2:24). Es ist nicht glaubwürdig, wenn ein Christ von Gnade und Vergebung spricht, sich aber selbst unversöhnlich zeigt. Ebenso ist es ein schlechtes Zeugnis, wenn jemand Liebe und Güte predigt, sich jedoch streitsüchtig, rechthaberisch und lieblos verhält (1Jo 4:20).
Im 58. Kapitel stellt der Prophet Jesaja fest, dass die Israeliten zwar religiöse Rituale praktizierten und fasteten, sich fromm gaben, aber gleichzeitig rücksichtslos verhielten. In Vers 2 heißt es da:
"Zwar befragen sie mich Tag für Tag, und es gefällt ihnen, meine Wege zu kennen. Wie eine Nation, die Gerechtigkeit übt und das Recht ihres Gottes nicht verlassen hat, fordern sie von mir gerechte Entscheidungen, haben Gefallen daran, Gott zu nahen."
In den nachfolgenden Versen beklagt der HERR, dass diejenigen, die aus religiösen Gründen fasten, zugleich ihre Arbeiter unterdrücken, streiten und mit „gottloser Faust" zuschlagen (Jes 58:4). Zwar gefällt es dem HERRN, wenn Menschen sich ihm nahen, ihn im Gebet suchen und nach ihm fragen. Doch diese Handlungen werden für Gott bedeutungslos, wenn man sich gleichzeitig rücksichtslos verhält und keine Nächstenliebe zeigt. Der HERR identifiziert sich mit allen elenden und bedrängten Menschen – darum kann es keinen wahren Gottesdienst ohne liebevolle Fürsorge geben (Jak 1:27). Jesaja beschreibt dann ab Vers 6, was „ein Gott wohlgefälliges Fasten" ist:
"Ungerechte Fesseln zu lösen, die Knoten des Joches zu öffnen, gewalttätig Behandelte als Freie zu entlassen und dass ihr jedes Joch zerbrecht? ⟨Besteht es⟩ nicht ⟨darin⟩, dein Brot dem Hungrigen zu brechen und dass du heimatlose Elende ins Haus führst? Wenn du einen Nackten siehst, dass du ihn bedeckst und dass du dich deinem Nächsten nicht entziehst?"
Hier beschreibt der Prophet die Auswirkungen echter Frömmigkeit und praktizierter Liebe!
In Mt 25:31-46 wird beschrieben, wie der König des Himmels am Ende dieses Zeitalters die Menschen richtet! Interessanterweise werden dann die Menschen nicht aufgrund einer Sündenliste gerichtet, sondern nach dem, was sie an den geringsten Brüdern Jesu getan bzw. nicht getan haben. Wer den Brüdern Jesu geholfen hat, indem er Hungernde gespeist, Dürstende getränkt, Nackte bekleidet sowie Kranke und Gefangene besucht hat, bekommt das ewige Leben! Warum? - Weil er Liebe praktiziert hat!
Ich schließe mit den Worten aus 1Jo 3:18:
Deshalb, meine Kinder, lasst uns einander lieben: nicht mit leeren Worten, sondern mit tatkräftiger Liebe und in aller Aufrichtigkeit. (HFA)
Montag, 7. April 2025
Der HERR schafft Gerechtigkeit und Recht allen, die Unrecht leiden.
Psalm 103,6
Wer nun weiß, Gutes zu tun, und tut's nicht, dem ist's Sünde.
Jakobus 4,17
Recht und Gerechtigkeit
Als Teenager erlitt Josef schweres Unrecht von seinen eigenen Brüdern (1Mo 37:18-28). Aus Eifersucht und weil sie ihn für überheblich hielten, verkauften sie ihn als Sklaven. In Ägypten widerfuhr ihm eine weitere große Ungerechtigkeit: Die Ehefrau von Potifar verleumdete ihn und beschuldigte ihn der versuchten Vergewaltigung (1Mo 39:7-20). Daraufhin kam er ins Gefängnis, wo er mehrere Jahre verbringen musste. Es dauerte lange Zeit, bis der HERR ihm Recht verschaffte und die Gerechtigkeit wiederhergestellt war (1Mo 41:37-44).
Auch das Volk Israel musste in Ägypten lange warten, bis der HERR ihm zu seinem Recht verhalf (2Mo 3:7-10). Es gibt jedoch viele Fälle, in denen Menschen zu Lebzeiten keine ausgleichende Gerechtigkeit erfahren. Dies gilt besonders für jene, die unschuldig getötet wurden oder bis zu ihrem Tod unter Ungerechtigkeit leiden mussten.
Der arme Lazarus war ein solcher Fall. Er lag am Tor eines reichen Mannes und hoffte, von dessen Tischabfällen satt zu werden. Jesu Beschreibung aus Lukas 16:19-31 zeigt, dass er bis zu seinem Tod ein Leben in Armut und Krankheit führte. Hatte Gott etwa vergessen, ihm – der unter Unrecht litt – zu seinem Recht zu verhelfen?
Auch wenn er zu Lebzeiten keine ausgleichende Gerechtigkeit erfuhr, war die Geschichte noch nicht zu Ende! Jesus erzählte, wie es nach dem Sterben weiterging: Lazarus wurde in den Schoß Abrahams getragen, wo er getröstet wurde, während der Reiche, der das Leben in vollen Zügen genossen und sich nicht um Lazarus gekümmert hatte, an einem Ort der Qual aufwachte. Der reiche Mann wusste, was er hätte Gutes tun können – aber er tat es nicht, und darum war es ihm eine Sünde, von der er zu Lebzeiten nicht umkehrte (Jak 4:17). Er hätte die Not des armen Lazarus lindern und ihm helfen können – so wie sich Hiob als reicher Mann um viele Notleidende gekümmert hatte (Hi 29:12-17). Im Falle von Lazarus stellte Gott das Recht erst nach seinem Sterben her!
Die Tatsache, dass der HERR Gerechtigkeit und Recht schafft, können wir in vielen Fällen zwar nicht sehen – wir können aber glauben, dass er es noch tun wird, weil er es uns verheißen hat (2Thes 1:6-7)!
Das Wort „Gerechtigkeit" ist sowohl im Hebräischen als auch im Griechischen und Deutschen eng mit dem Begriff „Recht" verbunden.
Der hebräische Begriff „zedakah" betont die gemeinschaftliche Dimension: Eine absolute Gerechtigkeit entsteht nur, wenn alle Beteiligten zu ihrem Recht kommen. Dies umfasst individuelles gerechtes Verhalten ebenso wie soziale Gerechtigkeit und die Verantwortung für die Schwachen in der Gesellschaft (5Mo 10:18). Gottes Gerechtigkeit offenbart sich besonders in seinem rettenden und erlösenden Handeln (Ps 98:2).
Das hebräische Wort für „Recht" (hebr. mishpat) bedeutet auch „Gericht" – dies verdeutlicht, dass Gott durch sein Gericht das Recht wiederherstellt (Ps 9:5).
Das Neue Testament zeigt noch deutlicher, dass die Gerechtigkeit (griech. dikaiosyne) ein „Beziehungsbegriff" ist. Gott schenkt dem Menschen seine eigene göttliche Gerechtigkeit durch den Glauben – durch eine lebendige Vertrauensbeziehung zu ihm (Röm 3:21-22). Dies bildet die absolute Grundlage für das zukünftige Reich Gottes, in dem Recht und Gerechtigkeit herrschen werden (2Petr 3:13)!
Ich wünsche allen von Herzen dieses wunderbare Gottvertrauen!
Dienstag, 8. April 2025
Der HERR, euer Gott, ist gnädig und barmherzig und wird sein Angesicht nicht von euch wenden, wenn ihr euch zu ihm bekehrt.
2. Chronik 30,9
Jesus sprach zu Simon: Ich habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre. Und wenn du dann umkehrst, so stärke deine Brüder.
Lukas 22,32
Alles verloren – oder doch nicht?
Nach der einmaligen Blütezeit Israels unter König Salomo kam es zu einer Teilung des Volkes (1Kö 12:16-20). Daraus entstanden das Nordreich Israel und das Südreich Juda. Die Könige des Nordreichs missfielen dem HERRN, denn sie praktizierten ununterbrochen Götzendienst – dies, obwohl Gott ihnen bedeutsame Propheten sandte, die zur Umkehr aufriefen: Elia, Elisa, Hosea, Amos, Micha (der Sohn Jimlas) und Jona!
Schließlich kam das lange angekündigte Gericht Gottes (2Kö 17:6-23): Die Assyrer eroberten Israel und verschleppten große Teile des Volkes in die Fremde. Nur ein kleiner, geschwächter Überrest blieb zurück. Das Nordreich Israel geriet unter assyrische Herrschaft, und es schien, als sei alles verloren.
Zu derselben Zeit regierte im Südreich Juda der gottesfürchtige König Hiskia (2Chr 29:1-2), der regelmäßig Weisung vom großen Propheten Jesaja empfing. Unter seiner Führung vollzog sich eine vollständige Umkehr – das Volk wandte sich mehrheitlich wieder dem HERRN zu. In Jerusalem kehrte man zu den Ordnungen Gottes zurück: Die verschlossenen Tempeltüren wurden geöffnet, die Priester und Leviten versammelt, und der Tempel wurde von allen Götzen gereinigt. Die Stadtoberen kamen zusammen, brachten Sündopfer dar und erhoben ihre Stimmen zum anbetenden Lobpreis.
Hiskia kam auf die Idee, das Passahfest nach langer Zeit wieder einzuführen und auch alle Übriggebliebenen aus Israel dazu einzuladen (2Chr 30:1). Am 14. Tag des ersten Monats waren die Priester allerdings noch nicht geheiligt, und auch das Volk konnte sich noch nicht in Jerusalem versammeln. Deshalb entschied man, das Passah einen Monat später zu feiern. Diese Feier wird heute „Pesach Scheni" genannt und findet am 14. Tag des Monats Ijar statt. Das Passahfest wurde also nicht aufgehoben, sondern aufgeschoben – ganz nach dem Motto: „Besser ‚zu spät' als gar nicht!" In seinem Schreiben an die Übriggebliebenen in Israel zitiert er unter anderem die bedeutsamen Worte aus 2Chr 30:9, wo es heißt:
"Denn wenn ihr zu dem HERRN umkehrt, dann werden eure Brüder und eure Kinder Barmherzigkeit finden bei denen, die sie gefangen weggeführt haben; und sie werden in dieses Land zurückkehren. Denn gnädig und barmherzig ist der HERR, euer Gott, und er wird das Angesicht nicht von euch abwenden, wenn ihr zu ihm umkehrt. -"
Diese Umkehr führte dazu, dass die Gefangenen Barmherzigkeit fanden (2Chr 30:11-12). Welch große Hoffnung für die Verlorenen, die vielleicht schon aufgegeben hatten! Bemerkenswert ist: Die Umkehr der Zurückgebliebenen bewirkte Hoffnung und Barmherzigkeit für die Weggeführten – die „verlorenen Schafe des Hauses Israel" (Mt 15:24). Hier zeigt sich deutlich:
Die Umkehr Einzelner hat Auswirkungen auf die ganze Gemeinschaft (Jes 55:7).
Nachdem Simon Petrus seinen HERRN dreimal verleugnet hatte (Lk 22:54-62), drohte sein Glaube zu zerbrechen – doch Jesus hatte inständig für ihn gebetet. Durch Gottes Gnade und seine aufrichtige Umkehr blieb sein Glaube erhalten (Joh 21:15-19). Diese tiefgreifende Erfahrung von Versagen und Wiederherstellung befähigte ihn, der Gemeinde zu dienen und seine Brüder zu stärken. Welch kostbares Geschenk der Gnade Gottes!
Mittwoch, 9. April 2025
Die auf den HERRN sehen, werden strahlen vor Freude, und ihr Angesicht soll nicht schamrot werden.
Psalm 34,6
Jesus spricht: Ein Beispiel habe ich euch gegeben, damit ihr tut, wie ich euch getan habe.
Johannes 13,15
Die ultimative Blickrichtung
Was ist der Hauptfokus in deinem Leben? Worauf richtest du deinen Blick am liebsten, und wie beeinflusst das dein Leben? Macht es dich auf lange Sicht glücklicher, zufriedener und gelassener – oder verursacht es eher Stress und Unzufriedenheit?
Manche Dinge, die wir anschauen, vermitteln uns vielleicht ein kurzfristiges Glücksgefühl, lassen uns aber auf lange Sicht nur leer zurück (Pred 1:2). Diese Erfahrung machen auch Menschen, die fast alles genießen konnten, was die Welt zu bieten hat – sie mussten mit der Zeit jedoch feststellen, dass diese scheinbar begehrenswerten Dinge keine bleibende Erfüllung bringen konnten (1Jo 2:17).
Das, was wir anschauen, prägt und formt uns entscheidend. Unsere Blickrichtung beeinflusst unser Denken, unser Bewusstsein, unsere Motive und unsere Bedürfnisse (Phil 4:8).
Der Vers aus Psalm 34:6 (in manchen Übersetzungen Vers 5) zeigt uns eine Blickrichtung, die unser Bewusstsein auf die Ewigkeit vorbereitet und unsere Identität tiefgreifend zum Positiven verändert! David schrieb diesen Psalm in einer Zeit großer Not, als er sich aus Verzweiflung vor Abimelech wahnsinnig stellte – er fürchtete, die Philister könnten ihn foltern und umbringen. Ob David in diesem Moment bereits den HERRN vor Augen hatte, wissen wir nicht. Doch danach richtete er seinen Blick ganz bewusst auf Gott, was ihn vor Freude strahlen ließ und ihm neue Zuversicht und Kraft gab.
Manchmal sind wir derart auf unsere Probleme oder andere Dinge fixiert, dass es uns schwerfällt, den Blick davon abzuwenden und stattdessen bewusst den HERRN mit den Augen des Herzens anzuschauen (Hebr 12:2).
In 2. Chronik 20 wird berichtet, wie die Stadt Jerusalem von einem gewaltigen Heer der Ammoniter und Moabiter bedroht wurde. Als König Joschafat diese Gefahr erkannte, wandte er sich im Gebet mit folgenden Worten an Gott:
"Unser Gott, willst du sie nicht richten? Denn in uns ist keine Kraft vor dieser großen Menge, die gegen uns kommt. Wir wissen nicht, was wir tun sollen, sondern unsere Augen sind auf dich gerichtet."
Diese Aussage zeigt, dass Joschafat genau das Richtige tat: Er richtete seinen Blick auf den HERRN und setzte sein ganzes Vertrauen auf ihn (Spr 3:5-6)!
Wenn wir die Bibel lesen und über das Wesen Gottes nachdenken, schauen wir mit unseren Herzensaugen auf den HERRN. Und wenn wir auf das Reden und Handeln Jesu achten, haben wir ein „Beispiel der Liebe" vor Augen, das uns ermöglicht, ebenso aus der Liebe zu leben, wie er es tat (1Jo 4:19)!
Ich möchte mit zwei zentralen Aussagen von Paulus und Johannes schließen. In 2. Korinther 3:18 schreibt Paulus:
"Wir alle aber schauen mit aufgedecktem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn an und werden so verwandelt in dasselbe Bild von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, wie es vom Herrn, dem Geist, geschieht."
Und in 1. Johannes 3:2 finden wir diese wunderbare Verheißung:
"Geliebte, jetzt sind wir Kinder Gottes, und es ist noch nicht offenbar geworden, was wir sein werden; wir wissen, dass wir, wenn es offenbar werden wird, ihm gleich sein werden, denn wir werden ihn sehen, wie er ist."
Wenn wir Jesus sehen, werden wir ihm gleich sein! – Wer kann dieses Wunder fassen?
Donnerstag, 10. April 2025
In deiner Hand, HERR, steht es, jedermann groß und stark zu machen.
1.Chronik 29,12
Beugt euch also demütig unter die starke Hand Gottes, damit er euch zu seiner Zeit erhöhe.
1.Petrus 5,6
Auf Demut folgt Erhöhung
Unser Verhältnis zur Demut ist oft zwiespältig. Einerseits verbinden wir sie mit der Demütigung, die uns scheinbar entwertet. Andererseits erleben wir wahrhaft demütige Menschen als wohltuend, da wir uns in ihrer Gegenwart wertvoll und angenommen fühlen (Phil 2:3).
Das Gefühl der Entwertung entstammt bitteren Erfahrungen mit lieblosen Menschen, die uns durch höhnisches Lächeln gedemütigt und ihre Verachtung zur Schau gestellt haben. Narzisstische und herrschsüchtige Menschen sehen Demut als Schwäche an. Sie fühlen sich nur dann wohl, wenn andere sich unterordnen – während sie selbst jede Form von Demut verabscheuen (Spr 16:18).
Mit Gott verhält es sich völlig anders. Er demütigt uns nicht, um uns zu entwerten – im Gegenteil: Er möchte uns in das Ebenbild seines Sohnes verwandeln, damit wir höchste Würde erlangen (2Kor 3:18).
Der Psalmist stellt in Psalm 119,67 Folgendes fest:
"Bevor ich gedemütigt wurde, irrte ich."
Dies zeigt uns, dass Gott uns durch die Demütigung von einem Irrweg zurückführt. Wenn Gott uns demütigt, dann ist das ein Ausdruck seiner erziehenden Liebe (Hebr 12:6). Eine Demütigung Gottes wirkt sich früher oder später immer heilsam aus – früher, wenn wir uns demütigen lassen, und später, wenn wir am eigenen Stolz durch Herzenshärte festhalten.
Um die Kostbarkeit der Demut und der Demütigung durch Gott zu verstehen, müssen wir auf Jesus blicken. Seine vollkommene Demut ermöglichte es ihm, vom Himmel herabzusteigen und ein einfacher Mensch zu werden. In dieser Demut diente er voller Liebe, wusch seinen Jüngern die Füße und gab sein Leben für uns alle (Phil 2:8). Seine tiefe Demut bewahrte ihn vor Selbstgefälligkeit (Röm 15:3) und schenkte uns dadurch höchste Würde!
Jesus demütigte sich unter die Hand Gottes und ging den von ihm vorgegebenen Weg der Schmach und Schande. In seiner vollkommenen Demut konnte er sich selbst bis zum schmählichen Tod am Kreuz erniedrigen – ohne dabei bitter zu werden (1Petr 2:23)!
Dies verlieh seiner Demut das Siegel der Vollkommenheit! Wegen dieser Demut erhöhte ihn Gott so sehr, dass er nun einen Namen trägt, der über allen anderen Namen steht. Niemand wird so sehr geachtet, geliebt und angebetet wie Jesus Christus (Phil 2:9)!
Liebe, Demut und gegenseitige Wertschätzung sind untrennbar miteinander verbunden (1Petr 5:5)! Der Mut zur Demut ist ein kostbares Gut und zeigt sich unter anderem in folgenden Verhaltensweisen:
- Zuhören, ohne sofort zu antworten Oft wollen wir unsere Meinung sagen, Recht haben und klären. Aber Demut bedeutet auch: Dem anderen Raum geben (Jak 1:19).
- Fehler eingestehen können Ein demütiges Herz kann sagen: „Da lag ich falsch" oder „Es tut mir leid." Das ist kein Zeichen von Schwäche – im Gegenteil: Es zeigt Reife, Ehrlichkeit und stärkt Beziehungen (1Jo 1:9).
- Andere mit Wertschätzung ehren Statt sich selbst in den Vordergrund zu stellen, können wir andere aktiv ermutigen, ehren und fördern (Röm 12:10).
- Demut im Gebet Demut beginnt oft im Verborgenen. Wer betet, anerkennt: „Ich brauche Gott." Das ist kein Rückzug – sondern ein bewusstes Loslassen von Kontrolle (Jak 4:10).
- Sich nicht zu schade sein Echte Demut beginnt im Kleinen: Den Abwasch machen, den Müll rausbringen, jemandem helfen, ohne gesehen zu werden – dies sind starke Zeichen gelebter Liebe (Mt 6:3).
- Sich selbst nicht zu wichtig nehmen Humor hilft dabei, sich selbst nicht zu ernst zu nehmen. Wer über sich selbst lachen kann, zeigt: Ich weiß, dass ich nicht perfekt bin (Röm 12:3).
Diesen Mut zur Demut wünsche ich allen!
Freitag, 11. April 2025
Dein Reich ist ein ewiges Reich, und deine Herrschaft währet für und für.
Psalm 145,13
Der Seher Johannes schreibt: Jedes Geschöpf, das im Himmel ist und auf Erden und unter der Erde und auf dem Meer und alles, was darin ist, hörte ich sagen: Dem, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm sei Lob und Ehre und Preis und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit!
Offenbarung 5,13
Die finale Auswirkung der Königsherrschaft Gottes
Wenn ich in der Schweiz eine Kindertagesstätte besuche und mich mit den Drei- bis Fünfjährigen unterhalte, wissen die wenigsten Kinder, dass die Schweiz von sieben Bundesräten regiert wird. Kaum eines könnte die Namen der Bundesräte nennen. Unter tausend Kindern würde ich vielleicht eines finden, das dazu in der Lage wäre – ein besonders wissbegieriges Kind mit Eltern, die ihm solche Dinge bereits erklärt haben.
Auch wenn kaum ein Kleinkind weiß, wer die Schweiz regiert und wie die sieben Bundesräte heißen – dies ändert nichts an der Tatsache, dass die Schweiz von ihnen regiert wird. Ähnlich verhält es sich mit allen Menschen auf dieser Erde. Eine Mehrheit vermutet zwar, dass es eine höhere Macht gibt, die über allem steht, aber nur eine Minderheit glaubt daran, dass es sich dabei um den Vater Jesu Christi handelt (Joh 14:6).
Obwohl es noch nicht offenbar ist und die Mehrheit es noch nicht erkannt hat – es ändert nichts an der Tatsache, dass der Gott der Bibel der allmächtige Gott ist! Er regiert auf seinem himmlischen Thron und er setzt Könige ein und ab (Dan 2:21)! Bereits der große König Nebukadnezar musste erkennen, dass „die Himmel herrschen" und nicht er derjenige ist, der alles bestimmt (Dan 4:23). Gott allein bestimmt, was auf unserer Erde geschieht. Er genehmigte die schweren Schicksalsschläge Hiobs (Hi 1 / Hi 2) und ließ zu, dass ein Lügengeist die 400 Propheten des Königs Ahab täuschen konnte (1Kö 22:6 / 1Kö 22:23).
Jesus macht auch deutlich, dass sich die Herrschaft Gottes bis in die kleinsten Details unseres Alltags erstreckt. Er sagt, dass kein Spatz vom Himmel fällt, ohne dass der himmlische Vater dies zugelassen hätte. Dabei betonte er auch, dass jedes Haar auf unserem Haupt gezählt ist (Mt 10:29-30). Wer meint, der Schöpfer des Himmels und der Erde hätte die Kontrolle über das Weltgeschehen verloren, kennt die Bibel nicht gut genug! Es ist auch nicht so, dass Gott „ganz verzweifelt" versucht, den entstandenen Schaden in Grenzen zu halten! Trotz unserer chaotischen Weltsituation dürfen wir wissen: Gott hat alles im Griff, und er allein hält das Zepter in der Hand (Ps 103:19)!
Manche fragen sich vielleicht: Wenn Gott alles in der Hand hat, warum sollten wir dann überhaupt noch beten, Entscheidungen treffen oder uns für das Gute einsetzen? Doch genau darin liegt ein großes Geheimnis: Gottes Herrschaft entmündigt uns nicht – sie befreit uns (Joh 8:36)! Weil er alles im Griff hat, dürfen wir mit Zuversicht handeln, beten und glauben. Unsere Verantwortung bleibt bestehen, aber sie ruht auf dem festen Fundament seiner souveränen Führung. Unser Tun ist kein verzweifelter Versuch, etwas zu retten – sondern eine Beteiligung an dem, was Gott bereits vollenden wird (Phil 1:6).
Es kommt der Tag, an dem alle Geschöpfe erkennen werden, wer der Allherrscher (griech. pantokrator) ist – derjenige, der seit jeher regiert. Das Königreich Gottes überdauert alle Zeitalter (Dan 7:14)!
Die finale Auswirkung der Königsherrschaft Gottes zeigt sich darin, dass jedes Geschöpf erkennt und bezeugt: Dem allmächtigen Gott, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm gebühren Segnung, Wertschätzung, Herrlichkeit und Macht (oder Haltekraft) bis in die Zeitalter der Zeitalter! Dies ist eine wortgetreue Übersetzung des heutigen Lehrtextes.
Diese allumfassende Erkenntnis und dieses universale Bekenntnis – das bei allen von Herzen kommen wird – bildet die Grundlage dafür, dass Gott einmal alles in allen sein wird (1Kor 15:28), sodass jeder vollständig mit der Liebe Gottes erfüllt sein wird. Nur die Bibel gewährt uns einen solch tiefen Einblick in die Vollendung der Heilsgeschichte! Welch hoffnungsvolle Zukunftsperspektive (Offb 21:4)!
Samstag, 12. April 2025
Josua fiel auf sein Angesicht zur Erde nieder, betete an und sprach: Was sagt mein Herr seinem Knecht?
Josua 5,14
Saul sprach: Herr, wer bist du? Der Herr sprach: Ich bin Jesus, den du verfolgst; steh nun auf und stell dich auf deine Füße. Denn dazu bin ich dir erschienen, um dich zu erwählen zum Diener und zum Zeugen für das, was du gesehen hast und wie ich dir erscheinen will.
Apostelgeschichte 26,15-16
Eine Gottesbegegnung verändert alles!
Hast du jemals einen Menschen getroffen, der dich so tief berührt hat, dass diese Begegnung dich verändert hat und du nicht mehr dieselbe Person warst wie zuvor? Es ist einer jener Momente im Leben, die wir nie vergessen.
Wie viel einschneidender und bewegender muss es sein, wenn wir eine Gottesbegegnung (griech. Theophanie) erleben (2Mo 33:18-23). Hast du dir schon einmal vorgestellt, wie es sein wird, wenn du dem allmächtigen HERRN begegnest? Wird er dir freundlich und verständnisvoll zulächeln – so wie es in Hiob 29:24 beschrieben wird, wo Hiob als ein Christus-Darsteller gezeigt wird? Oder wird sein Blick eher von Trauer geprägt sein? Manche befürchten vielleicht sogar, einem ernsten, strengen oder gar zornigen Angesicht des HERRN zu begegnen.
Gläubige Christen, die ein zorniges Angesicht Gottes befürchten, haben entweder ein falsches oder verzerrtes Gottesbild (1Jo 4:18), oder sie tragen eine schwere Sünde mit sich, von der sie noch nicht umgekehrt sind und die sie noch nicht mit Gott bereinigt haben (1Jo 1:9).
Wer respektlos über Gott spricht, den Heiligen Geist lästert oder Jesus Christus verspottet, steht fern von Gott und versteht nicht im Geringsten, wer Gott wirklich ist (Mt 12:31-32). Solche Menschen müssen den Zorn Gottes fürchten – nicht jene, die ehrfürchtig vor dem HERRN stehen!
Wie der HERR uns anschauen wird, können wir vielleicht erahnen – aber ich glaube kaum, dass jemand auch nur ansatzweise weiß, was der HERR persönlich zu ihm sagen wird. Es wird wohl etwas völlig Unerwartetes sein, aber mit Sicherheit genau das, was dieser Mensch braucht und was ihn zutiefst berührt (Röm 8:28).
Die Bibel berichtet von vielen Gottesbegegnungen, die ausnahmslos lebensverändernd waren. Anders als Josua oder Paulus hatte ich keine solch unmittelbare Gottesbegegnung. Ich habe den HERRN weder mit eigenen Augen gesehen noch seine Stimme direkt gehört. Bisher spricht der HERR zu mir durch die Bibel, durch innere Eindrücke und durch andere Menschen, die vom Geist Gottes inspiriert sind (2Tim 3:16). Bis zum heutigen Tag durfte ich den HERRN nur mit den Augen meines Herzens sehen und seine Stimme mit meinen „Herzensohren" wahrnehmen. So bereitet er mich auf sein sichtbares Erscheinen vor.
Durch die Gottesbegegnung wurde Josua mit der Kraft ausgestattet, das verheißene Land einzunehmen – ein Land, das teilweise von Riesen bewohnt war (4Mo 13:33). Er entwickelte sich zu einem erfolgreichen Heerführer des Volkes Israel!
Paulus wurde durch das Erscheinen des HERRN radikal verändert (Apg 9:3-6)! Als Christenverfolger hätte er den Zorn Gottes verdient, doch stattdessen wurde er von der unvergleichlichen Gnade und Liebe Gottes überwältigt. Er wurde zu einem einzigartigen Werkzeug der Gnade Gottes, entfaltete das Evangelium – die gute Botschaft Gottes – in seiner Fülle und entwickelte sich zu einem außergewöhnlichen Evangelisten, Lehrer und Missionar. Nach Jesus Christus hat niemand die Welt so nachhaltig verändert wie er!
Wenn du dem HERRN begegnest – sei es heute im Stillen oder eines Tages von Angesicht zu Angesicht (1Kor 13:12) – dann wird er dich mit genau dem ansprechen, was du brauchst. Und du wirst nie wieder derselbe sein.
Es kommt der Tag, an dem wir den HERRN Jesus Christus sehen werden, und dann werden wir so sein wie er! So schreibt es Johannes in seinem ersten Brief (1Jo 3:2) – welch unfassbare Verheißung!
Sonntag, 13. April 2025
Es übervorteile keiner seinen Nächsten, sondern fürchte dich vor deinem Gott.
3.Mose 25,17
Seid so unter euch gesinnt, wie es der Gemeinschaft in Christus Jesus entspricht.
Philipper 2,5
Wahre Nächstenliebe geht nur mit der Gesinnung Jesu
Die Mächtigen dieser Welt, die Gott nicht fürchten, sehen keinen triftigen Grund, auf schwache, ohnmächtige und mittellose Menschen Rücksicht zu nehmen – sie erkennen in ihnen keine Gefahr (Ps 82:3-4). Ganz anders verhält es sich bei einem Regenten, der Gott fürchtet! Er weiß, dass Gott auf die Geringen achtet und sich mit ihnen solidarisiert (Ps 72:12-14). Ihm ist bewusst: Wer die Geringen unterdrückt, macht sich Gott zum Gegner (Spr 14:31)!
Genau deshalb brauchen wir gottesfürchtige Regenten – nicht solche, die sich nur religiös geben, um eine demokratische Wahl zu gewinnen (Mt 6:1), sondern Menschen, die in ihrem Herzen einen tiefen Respekt vor dem Allmächtigen tragen. Leider scheint es heute nur noch wenige Mächtige zu geben, die eine solche echte Gottesfurcht besitzen (Spr 29:2).
Das hebräische Wort, das mit „übervorteilen" übersetzt wird, lautet „yanah" und bedeutet auch „bedrücken", „schinden" oder „ausnutzen". Diese Eigenschaften sind typisch für rücksichtslose und lieblose Menschen. Die Begriffe „Nächstenliebe" und „Wertschätzung" verwenden sie nur als schmeichelnde Worte, um sich als Wohltäter darzustellen – in Wirklichkeit halten sie diese Eigenschaften für überflüssig (Mt 23:5).
Jesus sprach zu seinen Jüngern in Lukas 22:25:
"Die Könige der Nationen herrschen über sie, und die Gewalt über sie üben, lassen sich Wohltäter nennen."
Jesus verhielt sich völlig anders! Er ließ sich nicht Wohltäter nennen – er war der wahre Wohltäter (Apg 10:38)! Als Heiler, Befreier und echter Helfer bewies er eine außergewöhnliche innere Größe: Er konnte sich klein machen und sogar auf seine Allmacht verzichten. Obwohl er alle Macht besaß und die Gewaltigen dieser Welt mit einem einzigen Wort hätte bezwingen können, ertrug er es, geschlagen und angespuckt zu werden, ohne Fluch oder Verbitterung (1Petr 2:23). In seiner absoluten Demut schenkte er zugleich seinen Jüngern höchste Wertschätzung (Joh 15:15).
Jesus Christus war nicht nur der König des Himmels – er hat sich als einziger auch als König des Alls qualifiziert (Offb 19:16).
Nur mit seiner göttlichen Gesinnung können wir wahre, vollkommene Nächstenliebe praktizieren (Phil 2:5). Diese Gesinnung ist zugleich die Grundlage für echte Gemeinschaft. Was wäre ein ewiges Leben ohne vollkommene göttliche Liebesgemeinschaft? Es würde mit der Zeit unerträglich werden. Deshalb ist für Gott eine Ewigkeit nur möglich, wenn alle von seiner vollkommenen Liebe erfüllt sind (1Jo 4:16). Lassen wir uns doch heute schon von seiner wunderbaren Liebe erfüllen!
Montag, 14. April 2025
Die Erde ist voll der Güte des HERRN.
Psalm 33,5
Gott hat sich selbst nicht unbezeugt gelassen, hat viel Gutes getan und euch vom Himmel Regen und fruchtbare Zeiten gegeben, hat euch ernährt und eure Herzen mit Freude erfüllt.
Apostelgeschichte 14,17
Der allen alles Gebende
In der Elberfelder Bibel lautet der Kontext des Losungstextes wie folgt:
"Denn richtig ist das Wort des HERRN, und all sein Werk geschieht in Treue. Er liebt Gerechtigkeit und Recht; die Erde ist voll der Gnade des HERRN. Durch des HERRN Wort ist der Himmel gemacht und all sein Heer durch den Hauch seines Mundes." (Ps 33:4-6)
Hier zeigt sich Gott ein weiteres Mal als derjenige, der alles durch sein Wort ins Dasein rief (Joh 1:3). Gott ist der Einzige, der aus dem Nichts etwas entstehen lassen kann (Hebr 11:3). Wir Menschen können nur mit vorhandenen Dingen etwas erschaffen – Gott hingegen braucht das nicht.
Die Tatsache, dass Gott alles durch sein Wort erschuf, kann man nur im Glauben fassen und lässt sich wissenschaftlich nicht beweisen – auch wenn viele Indizien für einen Schöpfer des vielfältigen Lebens auf dieser Erde sprechen (Röm 1:20).
Kürzlich sah ich auf Arte eine Dokumentation über die „Architekten der Natur". Darin wurden verschiedene Tiere mit außergewöhnlichen Baufähigkeiten vorgestellt – vom kleinen Siedelweber, der in Bäumen für seine Kolonie ein tonnenschweres „Wohnhaus" aus Grashalmen errichtet, bis zu den Blattschneiderameisen, die für ihr Volk riesige unterirdische Städte anlegen.
Je intensiver man die Pflanzen- und Tierwelt erforscht, desto mehr kommt man ins Staunen! Jede Art verfügt über einzigartige, außergewöhnliche Fähigkeiten. Doch das ist nicht alles – gemeinsam bilden sie ein perfekt ausgewogenes Gleichgewicht, solange der Mensch nicht eingreift. Dabei erhält jedes Lebewesen genau das, was es zum Leben braucht (Mt 6:26)!
Gott schenkt nicht nur Regen und fruchtbare Zeiten – er hat in seiner großen Liebe und Güte alles wunderbar und mit außergewöhnlicher Kreativität geschaffen (1Mo 1:31). Wenn ich an die vielfältigen Farben und Formen unserer schmackhaften Früchte denke, staune ich immer wieder aufs Neue! Es ist auch jedes Mal ein Wunder, wenn im Frühjahr die Natur „erwacht" und eine überwältigende Vielfalt an Blüten hervorbringt. Gott hat sie alle zu unserer Freude geschaffen!
Es braucht einen noch größeren Glauben, wenn man davon ausgeht, dass dies alles nicht geplant war, sondern lediglich als ein Produkt des Zufalls entstanden ist.
Je bewusster wir die Wunder der Schöpfung wahrnehmen und je dankbarer wir für diese Gaben sind, desto tiefer wird unsere Freude! Zugleich wächst das Bewusstsein, dass der HERR allen alles gibt, was sie brauchen – und weit darüber hinaus (Phil 4:19)! Gott ist der Gebende und wir die Beschenkten – er der Schenkende und wir die Empfangenden.
Menschen, die das wirklich verstanden haben, können nicht mehr stolz oder hochmütig sein, da sie in allem die beschenkende Gnade Gottes erkennen (1Kor 4:7). Diese Erkenntnis führt sie zum frohen Teilen mit anderen und schützt sie auch vor Habgier.
Der Lehrtext aus der Apostelgeschichte spricht von einer Erfüllung mit Freude. Das griechische Wort „euphrosynes" meint dabei mehr als nur oberflächliche Freude – es beschreibt ein tiefes Wohlbefinden und Glücksgefühl.
Von Herzen wünsche ich allen heute diese dankbare Freude, die ein tiefes inneres Wohlbefinden auslöst (Ps 16:11)!
Dienstag, 15. April 2025
Was können die Weisen Weises lehren, wenn sie des HERRN Wort verwerfen?
Jeremia 8,9
Wo sind die Klugen? Wo sind die Schriftgelehrten? Wo sind die Weisen dieser Welt? Hat nicht Gott die Weisheit der Welt zur Torheit gemacht?
1.Korinther 1,20
Weltliche Weisheit versus göttliche Weisheit
In diesem Lehrtext stellt Paulus vier Fragen, wobei er mit den ersten drei rhetorischen Fragen Gruppen anspricht, die uns durch ihre Weisheit beeindrucken können.
In der Lutherbibel ist zunächst von den „Klugen" die Rede. Das griechische Wort „sophos" wäre jedoch treffender mit „Weise" zu übersetzen. Damit waren die griechischen Philosophen mit ihrer weltlichen Weisheit gemeint (1Kor 2:6). Die Aussagen der Philosophen sind oftmals tiefgründig und können uns derart faszinieren, dass sie uns in ihren Bann ziehen. So mancher denkt: „Durch die Philosophie finde ich die Weisheit, mit der ich mein Leben meistern und der Wahrheit näher kommen kann!" Doch welchen Wert hat eine Weisheit, die den Schöpfer der Menschen nicht einbezieht? Spätestens im Angesicht des Todes wird auch sie an ihr Ende kommen.
Der „Schriftgelehrte" (griech. grammateus) verweist auf die jüdischen Gesetzeslehrer. Diese beschäftigten sich intensiv mit der Auslegung der Thora (1.-5. Mose) und dem Tanach (AT) sowie mit ihren Überlieferungen. Diese Überlieferungen bezeichnete Jesus allerdings als Menschengebote und nicht als Gottesgebote (Mk 7:6-9). Vielfach geht es dabei darum, durch Werke des Gesetzes eine eigene Gerechtigkeit zu erlangen (Röm 10:3). Für viele ist der Talmud genauso wichtig wie die Bibel, und bei manchen spielt auch die Kabbala eine wesentliche Rolle. Doch auch diese teils beeindruckenden Lehren verschleiern die göttliche Wahrheit, weil sie das eigene erworbene Wissen statt Christus in den Mittelpunkt stellen.
Die dritte Gruppe bezieht sich auf die Debattierer und Wortstreiter. Das griechische Wort „suzetetes" beschreibt schlagfertige Menschen, die geschickt Dispute führen und gewinnen können. In Diskussionen sind sie ihren Gegenübern meist überlegen – wie beispielsweise erfolgreiche Anwälte und Politiker. Diese Personen verlassen sich oft mehr auf ihre intellektuellen Fähigkeiten als auf Gott, der sie als Einziger von ihrer Sünde befreien und ihnen ewiges Leben schenken kann (Joh 14:6).
Das Wort vom Kreuz ist für die gelehrten Juden ein Ärgernis und für die von Weisheit geprägten Griechen eine Torheit (1Kor 1:23). Für die Juden ist es ein Skandal, dass Jesus – der „schmählich" am „Fluchholz" hing – der siegreiche Messias und Gottes Sohn sein soll. Den griechischen Philosophen und Intellektuellen erschien es völlig töricht, dass ein Gott sich von Menschen derart demütigen und ans Kreuz schlagen lassen würde.
Alle drei Gruppen steigen mit ihren Fähigkeiten immer höher, bis sie schließlich an ihre Grenzen stoßen und kapitulieren müssen. Dann erkennen sie: „Ich bin verloren und erreiche das gewünschte Ziel nicht, denn all meine Bemühungen können mich weder von meiner Sünde befreien noch vor dem Tod erretten."
In 1Kor 1:25 schreibt Paulus:
"Denn das Törichte Gottes ist weiser als die Menschen, und das Schwache Gottes ist stärker als die Menschen."
Als Jesus sich bis zum Tod am Kreuz erniedrigte (Phil 2:8), war er in den Augen der Menschen ein Tor - er war schwach und ohnmächtig, aber immer noch stärker als die Menschen, und ausgerechnet da besiegte er die stärkste Kraft innerhalb der Schöpfung, und das war der Tod!
Deshalb schenkt Gott jedem, der glaubt und ihm vertraut, seine Vergebung, Gerechtigkeit, Vollkommenheit und sein göttliches Leben (Joh 3:16) – völlig unabhängig von dessen intellektuellen Fähigkeiten.
Mittwoch, 16. April 2025
Ein Mensch ist in seinem Leben wie Gras, er blüht wie eine Blume auf dem Felde; wenn der Wind darüber geht, so ist sie nimmer da. Die Gnade aber des HERRN währt von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Psalm 103,15-16.17
Denn was jetzt vergänglich ist, muss mit Unvergänglichkeit bekleidet werden, und was jetzt sterblich ist, muss mit Unsterblichkeit bekleidet werden.
1.Korinther 15,53
Von der Vergänglichkeit zur Unsterblichkeit
Ganz am Anfang war alles gut! Es gab kein Leid, kein Sterben und kein Tod. Das erste Menschenpaar lebte in völliger Harmonie mit ihrem Schöpfer (1Mo 1:31). Aber dann kam die Schlange und säte ganz raffiniert und auf perfide Weise ein Misstrauen gegenüber Gott. Es begann mit der Frage: „Hat Gott wirklich gesagt …?" (1Mo 3:1) Nachdem die Frau antwortete und sagte, dass Gott ihnen verboten habe, von dem Baum zu essen, der in der Mitte des Gartens steht, weil sie sonst sterben würden (was nicht ganz präzise war), brachte die Schlange eine Lüge ins Spiel, die absolut plausibel klang:
"Keineswegs werdet ihr sterben! Sondern Gott weiß, dass an dem Tag, da ihr davon esst, eure Augen aufgetan werden und ihr sein werdet wie Gott, erkennend Gutes und Böses." (1Mo 3:4)
Daraus entstand ein Misstrauen gegenüber Gott, das bis heute fortbesteht. Durch dieses tief verwurzelte Misstrauen hat die Menschheit ihre Verbindung zum wahren Leben verloren — und genau deshalb sind wir sterblich (Röm 6:23). Seither ist der Tod allgegenwärtig, und der Mensch vergeht wie das Gras und die Blume, die verwelken.
Wenn man jung, gesund, schön und erfolgreich ist, verdrängt man meist die Tatsache der eigenen Vergänglichkeit und schenkt dem Gebet des Mose in Psalm 90:12 kaum Beachtung, der sagte:
"So lehre uns denn zählen unsere Tage, damit wir ein weises Herz erlangen!"
Mit anderen Worten: „HERR, mach uns bewusst, dass wir sterblich sind, damit wir ein weises Herz erlangen." Dieses Bewusstsein wirft unweigerlich die Frage auf, warum wir sterblich sind. Die Antwort darauf habe ich gerade ausgeführt. Nun stellt sich die Frage: „Was geschieht, wenn wir ein weises Herz bekommen haben?"
Ein weises Herz hat gelernt, erneut auf Gottes Worte zu achten und ihm Vertrauen zu schenken (Spr 3:5-6) – auch wenn vieles von dem, was Gott verheißen hat, noch unsichtbar ist. Durch den Glauben an Jesus Christus und das Vertrauen auf Gott wird die Verbindung zum wahren Leben wiederhergestellt, sodass der Mensch nach dem Sterben nicht ins Totenreich, sondern zu Gott kommt (Joh 5:24)! Darum sagte Jesus:
"Ich bin die Auferstehung und das Leben; wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er gestorben ist!" (Joh 11:25)
Im Kontext von 1. Korinther 15 beschreibt Paulus ein einzigartiges Ereignis: die Entrückung der Gläubigen in der Endzeit (1Thes 4:16-17). Bevor die schwere Zeit – die uns im Buch der Offenbarung beschrieben wird – über die Menschheit hereinbricht, holt Christus seine Gemeinde zu sich. Er steigt vom Himmel herab und lässt alle, die im Glauben an Christus gestorben sind, auferstehen. Danach werden diese und auch die noch Lebenden verwandelt, indem sie einen neuen, geistlichen und somit unsterblichen Leib erhalten. Dies meinte Paulus, als er schrieb, dass das Vergängliche mit Unvergänglichkeit und das Sterbliche mit Unsterblichkeit bekleidet wird.
Alle, die ihr ganzes Vertrauen auf Gott und sein Wort setzen, werden dabei sein (Joh 14:1-3)! Bist du bereit und möchtest du dein Leben ganz dem HERRN Jesus Christus anvertrauen?
Gründonnerstag, 17. April 2025
Dennoch bleibe ich stets an dir; denn du hältst mich bei meiner rechten Hand.
Psalm 73,23
Jesus betete: Vater, willst du, so nimm diesen Kelch von mir; doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe! Es erschien ihm aber ein Engel vom Himmel und stärkte ihn.
Lukas 22,42-43
Treue und Hilfe zur rechten Zeit
Bevor die Israeliten – nach vielen Jahren der Knechtschaft – Ägypten verlassen konnten, feierten sie das Passah (hebr. pesach / griech. pas-cha) (2Mo 12:1-28). Das Passahlamm wurde am 14. Nisan (bei oder kurz vor Vollmond) nachmittags um etwa 15:00 Uhr geschlachtet. Mit Sonnenuntergang begann nach jüdischer Zeitrechnung der 15. Nisan, und nach Einbruch der Dunkelheit wurde das Pesach gefeiert. Nach unserem heutigen gregorianischen Kalender fanden diese Ereignisse am selben Tag statt, da bei uns der neue Tag erst um Mitternacht beginnt. In diesem Jahr fiel der 14. Nisan auf die Zeit von Freitagabend, 11. April (Sonnenuntergang), bis Samstagabend, 12. April. Die Pesachfeier fand dann am Samstagabend, 12. April 2025, bei Einbruch der Dunkelheit (15. Nisan) statt.
In Israel begann die Pesachfeier also letzten Samstagabend, während in den christlichen Kirchen erst morgen, am Freitag, der Kreuzigung Jesu und damit des geschlachteten Lammes Gottes gedacht wird (1Kor 5:7). Diese unterschiedliche Terminierung erklärt sich dadurch, dass die Kirche die Auferstehung Jesu stets am Sonntag (dem ersten Tag der Woche) feiern möchte, während der 14. Nisan jährlich auf verschiedene Wochentage fällt. Die jüdisch-messianischen Gemeinden feiern deshalb die Auferstehung in der Regel am 16. Nisan – in diesem Jahr wäre das am vergangenen Montag, dem 14. April, gewesen.
In der Nacht vor der Kreuzigung, am 14. Nisan, durchlitt Jesus die schwerste Nacht seines Lebens (Mt 26:36-46). Er war so tief angefochten, dass er – aufgrund seiner Empfindungen – etwas wollte, das im Widerspruch zum Willen seines Vaters zu stehen schien. Dennoch brachte er unmissverständlich zum Ausdruck, dass allein der Wille des Vaters geschehen solle und er sich diesem vollständig unterordnen wollte. In dieser Nacht und am darauffolgenden Tag wurde Jesu absoluter Gehorsam vollendet und erhielt das Siegel der Vollkommenheit (Hebr 5:8-9).
Heute ist „Gründonnerstag". Dieser Name ist irreführend, denn er hat nichts mit der Farbe „Grün" zu tun. Er stammt vom mittelhochdeutschen Wort „grinen" oder „greinen", was „weinen" bedeutet. Man könnte also von einem „Weindonnerstag" sprechen – allerdings nicht wegen des Getränks Wein, auch wenn dieser beim Herrenmahl eine wichtige Rolle spielte (Mt 26:27-29).
Asaf, der Dichter von Psalm 73, schildert zu Beginn seines Textes eine tiefe Anfechtung. Er beobachtet, dass es den Gottlosen gut geht, während er selbst viele Nöte durchlebt. In seiner Bedrängnis kommen ihm diese Gedanken:
"Fürwahr, umsonst habe ich mein Herz rein gehalten und in Unschuld gewaschen meine Hände; doch ich wurde geplagt den ganzen Tag, meine Züchtigung ist jeden Morgen da." (Ps 73:13-14)
Asaf fragte sich: „Was bringt es mir eigentlich, wenn ich mich bemühe, ein reines Herz zu behalten und ein gottesfürchtiges Leben zu führen? Im Vergleich zu den Gottlosen geht es mir schlechter, weil Gott mich in eine Erziehungsschule genommen hat, die mir nicht gefällt!"
Als Gott ihn jedoch an das Ende der Gottlosen erinnerte, erkannte er, dass sein eigenes Schicksal letztlich gnädiger war als das der scheinbar unbeschwert lebenden Gottlosen (Ps 73:17-19).
Wie Jesus entschied sich auch Asaf dafür, bei Gott zu bleiben und sich seinem Willen zu fügen, weil er wusste, dass Gott ihn an seiner rechten Hand hält (Ps 73:23-24). Dadurch wurden sowohl er als auch Jesus „vom Himmel her" gestärkt!
Jesus und Asaf – beide waren auf ihre Weise angefochten, und vielleicht bist auch du heute bedrängt. Folge ihrem Beispiel und entscheide dich, trotz allem an Gott festzuhalten (Jak 4:7)!
Karfreitag, 18. April 2025
Er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst.
Jesaja 9,5
Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit ihm selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung.
2.Korinther 5,19
Der Held, der alles vollbrachte
Es gab eine Zeit in meinem Leben, in der ich mit aller Kraft versuchte, so zu leben, wie es Gott gefallen würde (Kol 1:10). Wenn ich eine Schwäche bei mir entdeckte, versuchte ich mich darauf zu konzentrieren, um es besser zu machen. Doch dann bemerkte ich, dass ich andere Dinge übersehen hatte und mir an anderer Stelle Fehler unterliefen. Jede Fokussierung auf einen Mangel führte unweigerlich dazu, dass ich etwas anderes aus dem Auge verlor und einen neuen Fehltritt beging. Es war zum Verzweifeln, denn ich erkannte, dass ich dem Vollkommenheitsanspruch Gottes nie würde genügen können (Röm 3:23).
Paulus beschrieb seine Not mit folgenden Worten: „Denn das Gute, das ich will, übe ich nicht aus, sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich." (Röm 7:19) Auch ich fühlte mich genau wie Paulus, der einige Verse später schrieb: „Ich unglückseliger Mensch! Mein ganzes Dasein ist dem Tod verfallen. Wer wird mich aus diesem elenden Zustand befreien?" (Röm 7:24)
Eines Tages leuchtete mir das Wort aus Phil 1:6 ganz neu auf, wo es heißt:
"Ich bin ebenso in guter Zuversicht, dass der, der ein gutes Werk in euch angefangen hat, es vollenden wird bis auf den Tag Christi Jesu."
Dies war für mich eine absolute Befreiung: Gott hat in mir ein Werk begonnen, und er wird es auch vollenden! Er selbst garantiert, dass ich das Ziel erreiche! Und warum? Weil er am Kreuz von Golgatha alles vollbracht hat (Joh 19:30)!
Gott tat das Unmögliche, weil er voller Wunder ist und stets einen Rat weiß – selbst dort, wo weder Mensch noch Engel einen Ausweg sehen (Jes 55:8-9)! Jesus Christus, der Sohn Gottes, ist der große Held, der am Kreuz die Schuld der ganzen Welt tilgte, durch seinen Tod den Tod besiegte und die Grundlage für den Frieden mit Gott schuf!
Durch Jesu vollbrachtes Werk am Kreuz legte er den Grundstein für eine göttliche Erneuerung, die letztlich alles erfassen wird (Kol 1:20). Das Wort „Versöhnung" heißt im Griechischen „apokatalasso" und besteht aus drei Teilen:
- ἀπό (apo): von, weg von – bezeichnet eine Trennung oder Vollendung
- κατά (kata): herab, gemäß – verstärkt die Bedeutung
- ἀλλάσσω (allasso): ändern, austauschen, verwandeln
Der heutige Lehrtext lässt sich wörtlich auch so übersetzen:
"… weil Gott in Christus war und die Welt in jeder Beziehung für sich selbst verändernd, ihnen ihre Übertretungen nicht zurechnend und in uns das Wort der Veränderung legend."
In diesem Vers finden wir dreimal das Partizip Präsens mit den Begriffen „verändernd", „zurechnend" und „legend". Dies zeigt einen fortlaufenden Prozess des Austausches und der Veränderung, durch den die zerstörte Vertrauensbeziehung zu Gott wiederhergestellt wird (2Kor 5:18).
Heute, an Karfreitag, werden wir daran erinnert: Gott hat alles vollbracht und er wird auch künftig alles in und durch uns bewirken (Phil 2:13). Dies geschieht, wenn wir auf ihn schauen und in einer vertrauensvollen Liebesbeziehung mit ihm leben. Dazu möge der HERR uns immer mehr Gnade schenken (2Petr 3:18).
Samstag, 19. April 2025
Der HERR hat mich gesandt, zu verkündigen ein gnädiges Jahr des HERRN und einen Tag der Rache unseres Gottes.
Jesaja 61,1-2
Jesus sagte zu dem Verbrecher: Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.
Lukas 23,43
Allein durch Gnade gelangen wir ins Paradies
Der Prophet Jesaja verhieß König Hiskia die Rettung vor der assyrischen Bedrohung: Ein Engel Gottes schlug 185.000 feindliche Soldaten vor den Toren Jerusalems (Jes 37:36). Dies war nur eine von mehreren Prophezeiungen, die sich bereits zu Jesajas Lebzeiten erfüllten. Darüber hinaus sagte Jesaja viele zukünftige Ereignisse voraus: den Aufstieg und Fall Babylons (Jes 14), die babylonische Gefangenschaft (Jes 39:6-7), das Erscheinen des persischen Königs Kyrus (Jes 44:28 / Jes 45:1) und zahlreiche Prophezeiungen über den Messias, die sich teilweise während des ersten Kommens Jesu erfüllten (so z.B. Jes 53 u.a. - siehe hier!). Jesaja prophezeite auch Ereignisse, die sich erst in unserer Zeit erfüllen (Jes 11:11-12), sowie solche, die das Tausendjährige Reich (Jes 2:2-4) und noch spätere Zeiten betreffen (Jes 40:5 u.a. - siehe hier).
Daher stimme ich nicht mit modernen Bibelwissenschaftlern überein, die behaupten, der sogenannte „Deuterojesaja" müsse von späteren Autoren stammen – nur weil er das babylonische Exil und Kyrus erwähnt und weil sich die Kapitel 1-39 und 40-66 stilistisch unterscheiden. Schließlich zeigen auch meine eigenen Texte von vor 30 Jahren deutliche stilistische Unterschiede zu meinen heutigen!
Die beiden Verse der heutigen Losung enthalten eine Verheißung, die sich bei Jesu erstem Kommen erfüllte, und eine Prophezeiung, die vermutlich nahe bevorsteht. Jesus nimmt in Lk 4:18-19 direkt Bezug auf Jes 61:1-2a und spricht in der Synagoge von Nazareth:
»Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat, Armen gute Botschaft zu verkündigen; er hat mich gesandt, Gefangenen Freiheit auszurufen und Blinden, dass sie wieder sehen, Zerschlagene in Freiheit hinzusenden, auszurufen ein angenehmes Jahr des Herrn.«
Dann erklärte er, dass sich diese Verheißung jetzt erfüllt hat (Lk 4:21). Bemerkenswert ist dabei, dass Jesus den „Tag der Rache unseres Gottes" nicht erwähnte. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Dieser Tag sollte – aus damaliger Sicht – erst in ferner Zukunft kommen und mit dem „Tag des HERRN" beginnen, der vermutlich schon bald anbricht!
Die Bezeichnung „das wohlgefällige, gnädige Jahr" ist eine metaphorische Bezeichnung für eine anhaltende Gnadenzeit. Diese begann mit dem sichtbaren Wirken Jesu und setzt sich nach der Ausgießung des Heiligen Geistes (Apg 2:1-4) bis in unsere Zeit fort. Seit nahezu 2.000 Jahren wird den Armen die gute Botschaft verkündigt, werden seelisch Gebundene befreit, geistlich Blinde sehend und zerbrochene Herzen geheilt.
Der „Tag der Rache Gottes" beginnt mit den Ereignissen, die Jesus in Mt 24 prophezeit hat und die in Offb 6 ausführlich beschrieben werden. Im Vergleich zum „gnädigen Jahr" wird er wesentlich kürzer sein!
Wir leben noch in der Zeit der Gnade – auch heute können sich Schwerverbrecher, wie der Schächer am Kreuz (Lk 23:39-43), an Jesus wenden, indem sie an ihn glauben und ihn um Gnade bitten. Allein seine Gnade genügt (2Kor 12:9), um gerecht vor ihm zu stehen und eines Tages in das himmlische Paradies zu gelangen, das Paulus in 2Kor 12:2-4 mit dem dritten Himmel verbindet. Dort wird es viel herrlicher sein, als wir es uns heute auch nur vorstellen können (1Kor 2:9)!
Sonntag, 20. April 2025 - Auferstehungsfest
Als Hiskia den Brief gelesen hatte, ging er hinauf zum Hause des HERRN und breitete ihn aus vor dem HERRN.
2.Könige 19,14
Jesus nahm mit sich Petrus, Johannes und Jakobus und ging auf einen Berg, um zu beten.
Lukas 9,28
Vom intensiven Gebet zum herrlichen Sieg!
„Christus ist auferstanden! – Er ist wahrhaftig auferstanden!" (Lk 24:6) So rufen sich viele Christen heute einander zu. Es ist der ultimative Siegesjubel, eine Botschaft, die auf die große Zeitenwende in der Heilsgeschichte Gottes hinweist.
Diesem Sieg ging ein intensiver Gebetskampf voraus (Lk 22:44), begleitet von einer Agonie – einem Sterbekampf voller seelischer und körperlicher Qual. Danach folgte die Zeit, in der sich die Seele Jesu drei Tage und drei Nächte im Tod befand (Jes 53:12). Doch dann wurde Jesus von seinem himmlischen Vater auferweckt! Petrus bezeugt in seiner Pfingstpredigt:
"Diesen Jesus hat Gott auferweckt und damit die Macht des Todes gebrochen. Wie hätte auch der Tod über ihn Gewalt behalten können!" (Apg 2:24 - HFA)
Der Tod ist für immer besiegt, und deshalb werden in Christus alle lebendig gemacht – jeder nach der von Gott bestimmten Reihenfolge (1Kor 15:22-23).
Der heutige Losungstext berichtet von König Hiskia, der einen Brief vom assyrischen Großkönig Sanherib erhielt (2Kön 19:14). Darin forderte dieser die Kapitulation – obwohl Hiskia bereits alle verlangten Tributzahlungen geleistet hatte. Wie heute, so waren auch damals die Mächtigen dieser Welt wortbrüchig!
"Wortbrüchigkeit ist letztendlich ein Zeichen fehlender göttlicher Autorität!"
Aus menschlicher Sicht erschien die Situation hoffnungslos. Jerusalem war der assyrischen Armee von 185.000 Mann weit unterlegen. Sanheribs Brief wirkte wie ein Todesurteil, denn die berüchtigte Grausamkeit der Assyrer versetzte ihre Gegner regelmäßig in lähmende Angst.
Doch Hiskia tat genau das Richtige: Er ging zum Tempel, breitete diesen Brief vor dem HERRN aus und betete! Nachdem der Prophet Jesaja ihm mitteilte, dass die Assyrer weder in die Stadt eindringen noch einen Pfeil hineinschießen würden (2Kön 19:32), hatte Hiskia eine Verheißung, die ihm neuen Mut gab und an die er glauben konnte. Gott schenkte ihm den Sieg, indem der Engel des HERRN die gesamte assyrische Armee vernichtete!
Viermal lesen wir in den Evangelien, dass Jesus auf einen Berg ging, um zu beten (Mt 14:23 / Mk 6:46 / Lk 6:12 / Lk 9:28). Vermutlich suchte er diese Orte auf, weil er dort allein sein und Ruhe finden konnte. Der Berg symbolisiert zudem die Nähe Gottes. Auf einem solchen Berg ereignete sich auch die Verklärung Jesu, bei der sich sein Gesicht verwandelte und sein Gewand strahlend weiß leuchtete (Lk 9:29). Traditionell wird dieser Ort als Berg Tabor identifiziert, manche Ausleger vermuten jedoch den Berg Hermon (Ps 133:3).
Hier geschah ein Gebet in der Höhe. In Gethsemane folgte später das intensive Gebet im Tal Kidron – in der Tiefe (Joh 18:1). Dort unterordnete sich Jesus dem Willen seines Vaters (Lk 22:42). Dies wurde zur Grundlage für Tod und Auferstehung und damit zum größten Sieg aller Zeiten! - Dem HERRN allein gebührt alle Ehre und Anbetung!
„Christus ist auferstanden! – Er ist wahrhaftig auferstanden!"
Montag, 21. April 2025
Wenn ihr euch von ganzem Herzen zu dem HERRN bekehren wollt, so tut von euch die fremden Götter.
1.Samuel 7,3
Für uns gilt: Nur einer ist Gott - der Vater. Alles hat in ihm seinen Ursprung, und er ist das Ziel unseres Lebens. Und nur einer ist der Herr: Jesus Christus. Alles ist durch ihn entstanden, und durch ihn haben wir das Leben.
1.Korinther 8,6
Der himmlische Vater als Ursprung und als Ziel
In den ersten Jahren nach einer Hochzeit besteht in vielen Ehen die Gefahr, dass der Ehepartner als „selbstverständlich" wahrgenommen wird. Mit der Zeit lernt man die Schwächen des Partners kennen, die dann oft zu vermehrten Spannungen führen können (Hld 2:15).
Deshalb ist es wichtig, dass jedes Paar regelmäßig Zeit und Liebe in die Ehe investiert und sich in Dankbarkeit übt (Eph 5:33). Dazu gehören wertschätzende und liebevolle Worte an den Partner. Gegenseitige Treue, Vergebung, Versöhnung und Fürsorge müssen ebenso feste Bestandteile einer ehelichen Gemeinschaft sein (1Kor 13:4-7). Wo diese Elemente vernachlässigt werden, gerät die Liebesbeziehung in Gefahr!
Die eheliche Liebe dient in der Bibel häufig als Bild für die Beziehung zwischen Gott und den Menschen (Eph 5:32). Es überrascht daher nicht, dass wir viele Parallelen finden. Wie die Liebe zum Ehepartner zweitrangig werden kann, so wird manchmal auch die Liebe zu Gott in den Hintergrund gedrängt und nur noch auf „Sparflamme" gesetzt.
Wer seine Beziehung zu Gott nur als „Pflichtübung" betrachtet, die man absolvieren muss, um „in den Himmel" zu kommen, gleicht einem Mann, der das Zusammensein mit seiner Frau lediglich als notwendige Aufgabe sieht, um seine Wünsche erfüllt zu bekommen. Eines ist dabei klar: So sieht keine echte Liebesbeziehung aus!
Eine Liebesbeziehung zu Gott ist geprägt von Vertrauen, Freude und Dankbarkeit (Ps 16:11)! Wir haben allen Grund, ihm zu vertrauen, denn er hat seine Treue und Liebe vielfach bewiesen (Joh 3:16 / Klgl 3:23). Wer durch die Bibel Gottes Wesen und Handeln erkannt hat, kann sich von Herzen an ihm freuen und ihm dankbar sein.
Sowohl das Volk Israel als auch wir Christen betrachten die Beziehung zu Gott manchmal als bloße Pflichtübung. Dadurch nimmt sie eine untergeordnete Rolle ein, und Gott steht nicht mehr an erster Stelle (Mt 6:33). In der Folge rückt etwas anderes als der HERR in den Mittelpunkt des Lebens – dieser neue Mittelpunkt wird zum „Gott" oder „Götzen". Eine solche Verschiebung der Prioritäten vollzieht sich oft als schleichender Prozess, den man zu Beginn kaum wahrnimmt.
Samuel rief das Volk zur aufrichtigen Umkehr zum HERRN auf, da Gott in ihrem Leben nur noch eine „Nebenrolle" spielte. Zwar wurden die religiösen Rituale weiterhin praktiziert, doch die Herzen hatten sich von Gott abgewandt und sich neugierig fremden Göttern zugewendet (Jes 29:13). Je weiter sich ein Herz von Gott entfernt, desto schwerer fällt es, ihm völlig zu vertrauen.
Darum ist es von zentraler Bedeutung, dass ich mir immer wieder neu bewusst mache: Gott ist mein liebender himmlischer Vater, der mich geplant, gewollt, geliebt und erschaffen hat (Ps 139:16). Er allein ist der Ursprung meines Lebens, und nur durch ihn kann ich überhaupt existieren! Das „Vaterhaus" ist das ultimative Ziel meines Lebensweges, und Jesus Christus allein kann und wird mich zu diesem Ziel führen (Joh 14:6)!
Lasst uns an Gott erfreuen und ihm dankbar sein, damit wir ihm von ganzem Herzen dienen und ihn lieben können!
Hier noch ein Link zu einem passenden Lied: "Ursprung und Ziel"
Dienstag, 22. April 2025
Wir gingen alle in die Irre wie Schafe, ein jeder sah auf seinen Weg. Aber der HERR warf unser aller Sünde auf ihn.
Jesaja 53,6
Christus hat unsre Sünden selbst hinaufgetragen an seinem Leibe auf das Holz, damit wir, den Sünden abgestorben, der Gerechtigkeit leben.
1.Petrus 2,24
Irren ist menschlich, aber Vergebung ist göttlich
Die heutige Überschrift stammt von Arno Backhaus und passt hervorragend zum heutigen Losungs- und Lehrtext. Jeder Mensch hat sich in seinem Leben schon mehrmals geirrt und ist eigene Wege gegangen (Ps 119:176). Dies führte stets dazu, dass wir das von Gott vorgegebene Ziel verfehlten. Das griechische Wort hamartia, das üblicherweise mit „Sünde" übersetzt wird, bedeutet treffender „(Ziel-)Verfehlung".
Irrtümer und eigene Wege gehören zum Menschsein, denn wir beginnen als Unwissende – daher ist es unmöglich, von Anfang an alles richtig zu machen (Jak 3:2). Entscheidend ist, dass wir aus unseren Fehlern lernen! Doch mindestens genauso wichtig ist es, dass wir korrekturfähig und demütig bleiben (Jak 4:6). Wer von seiner Unfehlbarkeit überzeugt oder beratungsresistent ist, der bleibt nicht nur stehen, sondern fällt zurück!
Es gibt sowohl kleine Verirrungen als auch schwerwiegende Irrwege. Die gravierendsten Verirrungen entstehen dort, wo Menschen ohne Gott leben wollen oder sich von Hochmut und Egoismus leiten lassen (Spr 16:18).
Wer hingegen danach strebt, im Vertrauen auf Gott und aus der Nächstenliebe zu leben, kann sich zwar auch mal irren, aber hat zumindest eine gute Richtung eingeschlagen (Spr 3:5-6). Wer eigene Wege geht und nicht Buße tut, landet in einer Sackgasse, aus der es keinen Ausweg gibt – es sei denn, man kehrt um (1Jo 1:9)!
Jesaja 53 enthält sehr detaillierte Prophezeiungen über das Leiden des Gottesknechtes und damit des Messias. Er trug unsere Krankheit – dies bezieht sich besonders auf die geistliche „Krankheit" der Sünde und ihre Auswirkungen auf Leib und Seele (Jes 53:4-5). Er nahm unsere Schmerzen auf sich, indem er die Strafe trug, die wir verdient hätten. Er wurde durchbohrt wegen unserer Treulosigkeit und zerschlagen wegen unserer Sünden. Die Strafe lag auf ihm, damit wir Frieden (mit Gott) hätten, und durch seine Wunden sind wir – von der Sünde des Unglaubens und der Lieblosigkeit – geheilt worden.
Über drei Jahre lang wurden die Jünger von Jesus geführt und geleitet. Doch nach seiner Gefangennahme waren sie völlig verwirrt – keiner wusste mehr, wohin er gehen oder was er tun sollte (Mt 26:56). Ihre schöne Welt mit dem Messias und ihre Hoffnung auf ein baldiges Friedensreich brach vollständig zusammen, wodurch sie jegliche Orientierung verloren.
Erst nach der Auferstehung und besonders nach Pfingsten konnten sie dieses erschütternde Ereignis richtig einordnen (Lk 24:45). Sie erkannten, dass Jesus Christus unsere Sünden ans Kreuz trug, um uns von der Sünde zu befreien. Der HERR beschenkte uns zugleich mit seiner Gerechtigkeit und Vollkommenheit – Gaben, durch die wir ins ewige Reich Gottes einziehen und für immer leben dürfen (2Kor 5:21)!
Was für ein Wunder der Liebe Gottes!
Mittwoch, 23. April 2025
Ich bin der allmächtige Gott; wandle vor mir und sei fromm.
1.Mose 17,1
Jesus spricht zu Thomas: Reiche deinen Finger her und sieh meine Hände, und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!
Johannes 20,27
Wandel im Angesicht Gottes
Wenn eine Frau als Model bei einer Modeschau über einen Laufsteg geht, ist ihr bewusst, dass viele Augen auf sie gerichtet sind. Sie weiß, dass alles „stimmen" muss: ihre Kleidung, ihr Gang, ihr Blick und ihre Bewegungen. Für einen perfekten Auftritt muss jedes Detail sitzen und gut eingeübt sein. Das Bewusstsein, vor vielen Zuschauern aufzutreten, spielt dabei eine wichtige Rolle – es motiviert das Model, sich besonders anmutig und vollendet zu bewegen.
Was löst es in uns aus, wenn wir uns vorstellen, im Angesicht Gottes zu wandeln (Ps 56:14)? Würden wir uns überfordert fühlen und denken, dass wir Gott niemals genügen können, oder würde es uns motivieren, ihm wohlgefällig zu leben? Ist es überhaupt möglich, Gott zu gefallen, da wir doch fehlerhafte Menschen sind (Röm 3:23)? Wenn wir glauben, dass wir Gott nur dann gefallen können, wenn wir alles richtig machen und nie mehr sündigen, dann müssen wir kapitulieren – denn dieses Ziel können wir nicht erreichen.
Wir gefallen Gott nicht durch erreichte Perfektion, sondern durch unser Vertrauen, unsere Liebe und unsere Freude an ihm (Hebr 11:6). Das hebräische Wort „tamim", das Luther mit „fromm" übersetzt, bedeutet „völlig", „ganz", „vollständig", „komplett" oder „ohne Tadel". Wer sich mit seinem ganzen Sein dem HERRN zur Verfügung stellt und von Herzen nach seiner Ehre strebt, der verdient wahrhaftig die Bezeichnung „fromm". Dies ist keine oberflächliche Frömmigkeit, sondern eine tiefe, vertrauensvolle Hingabe an Gott (5.Mo 6:5). Dabei geht es dem HERRN nicht in erster Linie darum, dass uns das immer gelingt, sondern dass wir es von ganzem Herzen wollen!
“Ein gottgefälliges Frommsein ist nur dann möglich, wenn wir den Herrn Jesus lieben und ihm völlig vertrauen.”
Der Apostel Thomas wird oft als der „ungläubige Thomas" oder als „der Zweifler" bezeichnet. Es wäre jedoch völlig verfehlt, geringschätzig auf ihn herabzuschauen. Wir alle haben Bereiche in unserem Leben, in denen wir manchmal mit Unglauben kämpfen oder Situationen begegnen, die Zweifel aufkommen lassen (Mk 9:24). Zweifel sind ein Teil unseres Lebens – und wenn wir sie durch Gebet überwinden dürfen, stärkt das unseren Glauben!
Der zweifelnde Thomas ist ein wichtiges Zeugnis für die Glaubwürdigkeit der Auferstehung Jesu Christi. Aus göttlicher Perspektive betrachtet, könnte man sagen, dass Thomas' Zweifel notwendig waren, damit wir alle fester glauben können, dass Jesus tatsächlich von den Toten auferstanden ist (1.Kor 15:20). Seine Auferstehung war nicht nur metaphysisch oder geistlich, sondern auch körperlich, denn die Wundmale der Kreuzigung waren an seinem Leib noch immer sichtbar und fühlbar.
Durch den Unglauben des Thomas darf unser Vertrauen gestärkt werden. Wenn wir lernen, auf Gott zu vertrauen, ohne etwas zu sehen oder zu fühlen, haben wir die Verheißung der Glückseligkeit, denn Jesus sagte zu Thomas:
"Weil du mich gesehen hast, hast du geglaubt. Glückselig sind, die nicht gesehen und doch geglaubt haben!" (Joh 20:29)
Ich schließe mit einem Liedvers von Julie Katharina Hausmann:
“Wenn ich auch gleich nichts fühle von deiner Macht, du führst mich doch zum Ziele auch durch die Nacht: so nimm denn meine Hände und führe mich bis an mein selig Ende und ewiglich!”
Donnerstag, 24. April 2025
Mein Herz freut sich, dass du so gerne hilfst.
Psalm 13,6
Sie wunderten sich über die Maßen und sprachen: Er hat alles wohl gemacht; die Tauben macht er hören und die Sprachlosen reden.
Markus 7,37
Gott ist anders!
Vielleicht kennst du das auch: Andere erzählen begeistert, wie Gott ihnen geholfen hat und wie sehr sie sich über sein wundervolles Wirken in ihrem Leben freuen – während du selbst es zurzeit anders erlebst. Als du den Losungs- und Lehrvers gelesen hast, dachtest du möglicherweise auch: „Der Psalmist berichtet davon, welche Hilfe er von Gott erfahren durfte, während ich mich schon so lange danach sehne, dass der HERR endlich eingreift und meine Situation verändert" (Ps 42:2-3).
Wenn wir jedoch den ganzen Psalm 13 lesen, stellen wir fest, dass David zu Beginn einen völlig anderen Ton anschlägt. Da heißt es:
"Bis wann, HERR? Willst du für immer mich vergessen? Bis wann willst du dein Angesicht vor mir verbergen? Bis wann soll ich Sorgen hegen in meiner Seele, Kummer in meinem Herzen bei Tage? Bis wann soll sich mein Feind über mich erheben?" (Ps 13:2-3)
David fühlte sich von Gott vergessen, und seine dreimalige Frage „Bis wann ..." verdeutlicht, dass er bereits lange auf Gottes Eingreifen wartete (Ps 13:2). Diese Verse stehen in starkem Kontrast zum letzten Vers und vermitteln einen völlig anderen Eindruck. Man könnte sich fragen: „Spricht hier wirklich ein und derselbe Mensch?"
Dieser Kontrast lässt sich auf zwei Arten interpretieren:
- David schrieb diesen Psalm erst, nachdem er Gottes Hilfe erfahren hatte – wobei er zuvor lange darauf warten musste (Ps 40:2).
- Während seines Gebets erinnerte sich David an frühere Zeiten, in denen der HERR rechtzeitig half. Dadurch entstand die Gewissheit, dass der HERR ihm auch künftig gerne helfen würde – ähnlich wie bei Hiob, der mitten im größten Leid sagte: „Doch ich weiß: Mein Erlöser lebt; und als der Letzte wird er über dem Staub stehen" (Hi 19:25).
Ein von Herzen kommendes Gebet kann uns mit Zuversicht erfüllen – auch wenn die gegenwärtige Situation schon lange unverändert geblieben ist (Phil 4:6-7). Der vollständige Vers des Losungstextes lautet in der Elberfelder Bibel:
"Ich aber, ich habe auf deine Gnade vertraut; mein Herz soll jauchzen über deine Rettung. Ich will dem HERRN singen, dass er mir ⟨Gutes⟩ erwiesen hat."
Zur Zeit Jesu war ein stummer und gehörloser Mensch vom sozialen und religiösen Leben der Gemeinschaft weitgehend ausgeschlossen. Viele Menschen waren jahrzehntelang gehörlos, und mancher fragte sich: „Warum können andere Dinge tun, die ich nicht kann, und warum hat Gott mich anders geschaffen als die Menschen um mich herum?" (Joh 9:2-3)
Erst nach einer langen Zeit des Fragens und des Leidens begegnete ihnen der Sohn Gottes, der ihnen das Hören und Sprechen schenkte (Mk 7:37). Welch bewegender Moment muss es gewesen sein, als sie zum ersten Mal in ihrem Leben Worte hören durften – und womöglich waren es die Worte Jesu selbst. Es war ein unbeschreibliches Glück, das sie nie für möglich gehalten hätten. Alle staunten, und viele erkannten darin ein messianisches Zeichen, denn in Jes 35:5-6 heißt es:
"Dann werden die Augen der Blinden aufgetan und die Ohren der Tauben geöffnet. Dann wird der Lahme springen wie ein Hirsch, und jauchzen wird die Zunge des Stummen."
Eines Tages wird der HERR auch unser Schicksal – unter dem wir vielleicht schon lange leiden – verwandeln, und dann werden wir vor Staunen überwältigt sein (2Kor 4:17).
Albert Frey dichtete ein Lied, das zu diesen Gedanken passt. Im Refrain heißt es dann jeweils: "Gott ist anders als du denkst". → Hier kannst du es hören!
Freitag, 25. April 2025
Die Israeliten sprachen zu Samuel: Lass nicht ab, für uns zu schreien zu dem HERRN, unserm Gott, dass er uns helfe.
1.Samuel 7,8
Paulus schreibt aus dem Gefängnis: Ich weiß: Alles, was ich jetzt durchmache, wird zuletzt zu meiner Rettung führen. Darin unterstützen mich eure Gebete und der Geist, durch den Jesus Christus mir beisteht.
Philipper 1,19
Gegenseitige statt einseitige Fürbitte
Als Schweizer hätte ich kaum eine Chance auf ein Treffen mit unserer Bundespräsidentin. In Deutschland wäre es vermutlich noch schwieriger, den Bundeskanzler persönlich zu treffen. Würde ich jedoch einen guten Freund des Bundeskanzlers kennen, sähen die Chancen deutlich besser aus. Dieser Freund könnte dann als wichtiger Vermittler fungieren und einen solchen Zugang ermöglichen.
Samuel war in Israel Richter und Prophet und hatte eine entscheidende Rolle als Vermittler zwischen dem Volk Israel und Gott (1Sam 7:8-9). Diese Vermittlerrolle verpflichtete ihn, priesterlich für sein Volk einzustehen, indem er vor Gott Fürbitte tat. Im Alten Testament finden wir mehrere bewegende Fürbittegebete, die aus einer tiefen Liebe zum Volk getan wurden. Besonders denke ich an Mose, der in 2Mo 32 und 33 in priesterlicher Weise für sein Volk eintrat. Auch das Gebet des Propheten Daniel in Dan 9 berührt mich immer wieder aufs Neue.
Ein geistlicher Leiter hat die Aufgabe, für die ihm anvertraute Gemeinschaft Fürbitte zu tun – wobei ich hier bewusst nicht von „Pflicht" spreche, da dies vor allem aus Liebe geschehen sollte (1Petr 5:2-3).
Betrachte ich den heutigen Losungstext, sehe ich beim Volk Israel ein großes Vertrauen zu ihrem Richter Samuel – was durchaus positiv zu bewerten ist. Allerdings ist dies noch nicht der Idealzustand. Die Bitte der Israeliten offenbart, dass sie sich nicht zutrauen, sich direkt an Gott zu wenden. Dies zeigt indirekt ihre mangelnde Beziehung zu Gott. Auch aus 2Mo 20:18-21 wird deutlich, dass das Volk Mose bat, er allein solle mit Gott reden, weil sie sich vor der mächtigen Erscheinung des Herrn fürchteten.
Das Problem des Volkes Israel war häufig ihr mangelndes Vertrauen zum Herrn, da sie geteilte Herzen hatten (Hos 10:2). Der Herr allein genügte ihnen nicht – sie strebten nach unrechtmäßigem Gewinn, und die Neugier, andere Götter kennenzulernen, war stets präsent.
Auch wenn die neutestamentliche Gemeinde ähnliche Fehler begehen kann wie damals das Volk Israel, hat sich die Situation grundlegend geändert. Nicht nur die geistlichen Leiter sind mit dem Heiligen Geist erfüllt, sondern auch jedes Gemeindemitglied, das sein Herz dem Herrn Jesus Christus anvertraut hat (Apg 2:38-39). Dies ermöglicht, dass nicht allein der geistliche Leiter, sondern jeder Einzelne Fürbitte tun kann. Darin zeigt sich der Idealfall – dass nämlich alle Mitglieder einer christlichen Gemeinde eine Vertrauensbeziehung zu Gott haben dürfen und alle fähig sein sollten, Fürbitte zu tun.
Der Apostel Paulus bringt an mehreren Stellen deutlich zum Ausdruck, dass er sich die Gebete aller Gemeindemitglieder wünscht (Eph 6:18-19). Ihm war durchaus bewusst, dass er auf diese Gebete angewiesen war. Die gegenseitige Fürbitte ist nicht nur ein Zeichen der Liebe – sie trägt mit dazu bei, dass wir in das Bild Jesu verändert werden (2Kor 3:18)!
Ein Herz, das mit dem Heiligen Geist erfüllt ist, ist auch ein Herz, das mit Liebe gefüllt ist und daher Fürbitte für andere tun will (Röm 5:5).
Wer für andere betet, lernt, mitfühlender, barmherziger und weniger ich-zentriert zu leben.
Deshalb schreibt der Apostel Paulus in 1Tim 2:1-2 auch:
"Ich ermahne nun vor allen Dingen, dass Flehen, Gebete, Fürbitten, Danksagungen getan werden für alle Menschen, für Könige und alle, die in Hoheit sind, damit wir ein ruhiges und stilles Leben führen in aller Gottesfurcht und Ehrbarkeit."
Lasst uns deshalb füreinander beten – nicht aus Pflicht, sondern aus Liebe (Gal 5:13). Darin liegt eine große Kraft, die wir wahrscheinlich weitgehend unterschätzen!
Samstag, 26. April 2025
Wer Geld liebt, wird vom Geld niemals satt, und wer Reichtum liebt, wird keinen Nutzen davon haben.
Prediger 5,9
Wir haben nichts in die Welt gebracht; darum können wir auch nichts hinausbringen. Wenn wir aber Nahrung und Kleider haben, so wollen wir uns damit begnügen.
1.Timotheus 6,7-8
Geldliebe versus Genügsamkeit
Das Zitat aus Prediger 5 stammt von einem der wohlhabendsten Männer der Antike. Die jährlichen Einnahmen von König Salomo betrugen unter anderem 666 Talente Gold – knapp 23 Tonnen (1Kön 10:14). Heute entspräche das einem Wert von über 1,5 Milliarden Euro. Salomo konnte praktisch alles genießen, was das „Herz begehrt". Kaum ein Genuss blieb ihm verwehrt. Das Predigerbuch entstand in den späteren Jahren seines Lebens, und Salomo zieht darin eine ernüchternde Bilanz: Neunmal spricht er davon, dass alles ein „Haschen nach Wind" ist. So heißt es bereits zu Beginn des Buches:
"Ich habe alle Taten gesehen, die unter der Sonne geschehen; und siehe, alles ist Eitelkeit und ein Haschen nach Wind." (Pred 1:14)
Man könnte den zweiten Teil dieses Verses auch so übersetzen: „... alles ist wie ein Dunst oder der Versuch, den Wind einzufangen (oder wie das Behirten eines Geistes)". Was bedeutet das? Es dürfte klar sein, dass wir den Wind nicht kontrollieren können und keine Macht über ihn haben. Genauso wenig können wir den Geist Gottes manipulieren und ihn für unsere Zwecke instrumentalisieren (Joh 3:8). Auch die Mächtigen dieser Welt irren sich, wenn sie glauben, sie könnten die vielen Geister beherrschen, die auf dieser Erde „herumschwirren".
Wir Menschen stehen in der Gefahr, das Geld zu lieben, weil wir fälschlicherweise glauben, mehr Besitz würde uns glücklicher, sicherer und mächtiger machen (1Tim 6:10). Viele denken auch, dass mehr Geld automatisch zu mehr Genuss führt. Doch der erfahrene und „superreiche" Salomo stellt fest, dass die Geldliebe eine Unersättlichkeit zur Folge hat – mit anderen Worten: „Man will immer noch mehr, und wer nicht satt wird, der leidet an einem Mangel." Aber warum ist das so?
Die Geldliebe versklavt uns in ein Denksystem, das vom Egoismus beherrscht wird. Unser Denken kreist dann ständig um die Frage: „Was muss ich tun, um noch mehr Geld zu verdienen?" So sperren wir unseren Geist in ein selbst geschaffenes Gefängnis. Statt in Freiheit zu leben, bleiben wir Gefangene unserer Selbstsucht (Mt 6:24).
Unser Sprichwort „Das letzte Hemd hat keine Taschen" geht vermutlich auf die Aussage des Apostels Paulus zurück, der an Timotheus schrieb, dass wir nichts in die Welt gebracht haben und auch nichts hinausbringen können (1Tim 6:7). Den Reichtum, den wir hier anhäufen, können wir nicht in die jenseitige Welt mitnehmen – vielmehr hindert er uns daran, uns von dieser Welt zu lösen.
Die Übersetzung „Nahrung und Kleidung" greift etwas zu kurz. Das griechische Wort „diatrophas" meint den gesamten Lebensunterhalt, nicht nur Nahrung. „Skepasmata" bedeutet wörtlich „Bedeckungen" und umfasst Kleidung, Unterkunft und Schutz. Wenn wir diese lebensnotwendigen Dinge haben und uns damit zufriedengeben, befreit uns das von dem versklavten Denken, immer mehr haben zu müssen (Phil 4:11-13).
Genügsamkeit entsteht durch eine große Dankbarkeit für alles, was Gott uns geschenkt hat – und diese Dankbarkeit macht uns zufriedener und vor allem frei, um aus der Liebe zu leben (1Thess 5:18)! Nur die Dinge, die aus Liebe geschehen, bleiben bestehen und sind in der unsichtbaren und künftigen Welt Gottes von Bedeutung.
Sonntag, 27. April 2025
Das ist mir lieb, dass der HERR meine Stimme und mein Flehen hört.
Psalm 116,1
Jesus erzählt im Gleichnis: Der Schuldner warf sich vor ihm nieder und bat: Hab doch Geduld mit mir! Ich will dir ja alles zurückzahlen. Da bekam der Herr Mitleid; er gab ihn frei und erließ ihm auch noch die ganze Schuld.
Matthäus 18,26-27
Der hörende, vergebende und barmherzige Gott
Der Psalm 116 ist in mancherlei Hinsicht sehr bemerkenswert. Seine 19 Verse offenbaren eine tiefe Liebe und Dankbarkeit gegenüber Gott. Der Psalmist, der die Rettung des HERRN erfahren durfte, ist zutiefst bewegt von Gottes Gnade und Barmherzigkeit. Die Psalmen 115–118 dienten jeweils als „Schlussgebet" beim Passahmahl. Es ist daher naheliegend, dass auch der 116. Psalm beim letzten Abendmahl Jesu gesungen wurde (Mt 26:30). Liest man den Psalm in diesem Kontext, eröffnet sich eine ganz neue Dimension. So heißt es in den Versen 3–9:
"Es umfingen mich die Fesseln des Todes, die Ängste des Scheols erreichten mich. Ich geriet in Not und Kummer. Da rief ich den Namen des HERRN an: »Bitte, HERR, rette meine Seele!« Gnädig ist der HERR und gerecht, und unser Gott ist barmherzig. Der HERR behütet die Einfältigen. Ich war schwach, doch er hat mich gerettet. Kehre zurück, meine Seele, zu deiner Ruhe! Denn der HERR hat dir Gutes erwiesen. Denn du hast meine Seele vom Tod gerettet, meine Augen von Tränen, meinen Fuß vom Sturz. Ich werde wandeln vor dem HERRN in den Landen der Lebendigen."
Jesus wusste, dass sein Tod am Kreuz kurz bevorstand – und trotzdem rühmte er mit seinen Jüngern die Gnade und Barmherzigkeit Gottes (Hebr 12:2)! Obwohl seine Seele dem Tod preisgegeben wurde, rettete ihn sein Vater aus den Klauen des Todes, indem er ihn von den Toten auferweckte (Apg 2:24). Selbst auf diesem schweren Weg war Jesus von Dankbarkeit erfüllt. Dafür gibt es nur eine Erklärung: Jesus liebte seinen himmlischen Vater über alles und vertraute ihm vollkommen!
Durch seinen Opfertod am Kreuz schuf der HERR die Grundlage dafür, dass er jede Schuld – und sei sie noch so groß – vergeben kann, ohne dabei ungerecht zu sein (1Jo 1:9). Damit stellte Gott seine Gnade und Barmherzigkeit auf ein gerechtes Fundament!
In Mt 18:21-34 erzählte Jesus ein Gleichnis über einen Knecht des Königs, der ihm eine so hohe Summe schuldete, dass er sie in seinem ganzen Leben niemals hätte zurückzahlen können. Als der Herr befahl, ihn samt seiner Frau, seinen Kindern und seinem gesamten Besitz zu verkaufen, um die Schuld zu begleichen, warf sich der Knecht vor ihm nieder und flehte um Geduld. Er versprach, die gesamte Schuld zurückzuzahlen – obwohl dies praktisch unmöglich war.
Voller Gnade und Barmherzigkeit erließ der König ihm daraufhin die gesamte Schuld (Kol 2:13-14)! Dies zeigt uns: Gott vergibt jede noch so große Schuld, wenn wir ihn darum bitten. Seine Gnade und Barmherzigkeit sind unfassbar groß!
Leider endet die Geschichte tragisch! Dieser begnadigte Knecht hat aus der großen Barmherzigkeit des Königs nichts gelernt: Anstatt selbst barmherzig zu sein, zeigte er sich unbarmherzig gegenüber seinem Mitknecht, der ihm lediglich 100 Tageslöhne schuldete. Statt die vergleichsweise kleine Schuld zu erlassen, ließ er ihn ins Gefängnis werfen. Durch dieses Verhalten verspielte er die Barmherzigkeit, die ihm selbst zuteilgeworden war. Als der König von dieser verwerflichen Tat erfuhr, ließ er den Knecht ins Gefängnis werfen, wo er nun seine gesamte Schuld abbezahlen musste.
Dieses Gleichnis zeigt, wie wichtig es ist, dass wir unsere Vergebungsbereitschaft zeigen, nachdem wir selbst die Barmherzigkeit Gottes erfahren durften (Mt 6:14-15). Vergebung ist aber oft mit einem inneren Kampf verbunden. Besonders tiefe Verletzungen lassen sich nicht leicht loslassen. Doch Gott ruft uns nicht nur zur Vergebung auf – er schenkt auch die Kraft dazu (Phil 4:13). Wenn wir merken, dass wir aus eigener Kraft nicht vergeben können, dürfen wir ihn darum bitten. Er hört unser Flehen und hilft uns, wirklich loszulassen. Vergebung ist letztlich ein Wunder, das Gott in uns wirkt.
Unsere Vergebungsbereitschaft ist die angemessene Antwort auf Gottes großes Erbarmen, das er uns geschenkt hat (Eph 4:32). Die Bereitschaft zu vergeben bildet nicht nur die Grundlage für die Heilung unserer Verletzungen, sondern ist auch die Voraussetzung für jede Versöhnung! Lasst uns daher barmherzig und vergebungsbereit sein – so wie Gott uns vergeben hat!
Montag, 28. April 2025
Eile, mir beizustehen, Herr, meine Hilfe!
Psalm 38,23
Jesus fragte den Blinden: Was soll ich für dich tun? Er sagte: Herr, mach, dass ich wieder sehen kann! Und Jesus sagte zu ihm: Du sollst wieder sehen! Dein Glaube hat dich gerettet. Und auf der Stelle sah er wieder, und er folgte ihm und pries Gott.
Lukas 18,40 41 42 43
Jesus - unsere einzige Chance!
„Beeil dich! Trödel nicht so rum! Mach mal endlich!" Das sind Aufforderungen, die wohl alle Eltern ihren Kindern schon einmal sagen mussten. Diese Imperative verbinden wir vor allem mit Personen, die Autorität haben. In unseren Ohren klingt es daher fast anmaßend oder respektlos, wenn ein Kind zu seinem Vater – oder ein Knecht zu seinem HERRN sagt: „Beeile dich! Hilf mir!"
Doch Davids Aussage war eine eindringliche Bitte, die aus tiefer Not heraus kam. Es war kein ungeduldiger, herrischer Befehl eines Knechtes an seinen Herrn, sondern ein Verzweiflungsschrei, der zum Ausdruck brachte: „HERR, ich kann nicht mehr, ich bin am Ende! Bitte zögere nicht, mir zu helfen!" (Ps 18:7)
Wer den ganzen Psalm 38 liest, kann die tiefe Not Davids nachempfinden. Dieser Psalm ist kein Lied der Glückseligkeit oder ausgelassenen Freude, sondern der Ausdruck einer verzweifelten Klage – ein Hilfeschrei, der Davids große Authentizität zeigt. Gleichzeitig wird aber auch sein tiefer Glaube sichtbar. David wusste: „Nur mein Gott kann mir wirklich helfen!" (Ps 62:2) Genau dieses beständige Gottvertrauen macht diesen Psalm so besonders!
Der Begriff „Psalm" lautet im Hebräischen „mizmor" und bezeichnet eine musikalische Komposition, die häufig im Tempeldienst vorgetragen wurde. Die Psalmen beschreiben nahezu alle Gefühlszustände des menschlichen Seins und verbinden diese mit dem Vertrauen auf Gott. Sie werden dabei in eine melodische Form gebracht. Dies geschieht aus mehreren Gründen: Gesang vermittelt Emotionen intensiver als das gesprochene Wort. Durch Melodie, Rhythmus und Harmonie wird die Botschaft tiefer aufgenommen. Viele Menschen empfinden Gesang als erhebender und verbindender. Zudem bleiben gesungene Worte länger im Gedächtnis, da sie mit einer Melodie verknüpft sind.
Der Blinde, der vor der Stadt Jericho am Wegrand bettelte, bemerkte eine größere Volksmenge, die vorbeizog, und erkundigte sich nach dem Grund. Als die Leute ihm sagten, dass Jesus, der Nazoräer, vorübergehe, wurde ihm klar: Das ist meine Chance! Darum schrie er: „Jesus, Sohn Davids, erbarme dich meiner!" (Lk 18:38) Sein Rufen war so eindringlich, dass sich die Leute ärgerten und ihn zum Schweigen bringen wollten – doch er schrie nur noch lauter! Es war ihm völlig gleichgültig, was die Menschen dachten; er war felsenfest davon überzeugt, dass nur Jesus ihm helfen konnte.
Dieses intensive Schreien und die große Sehnsucht nach Hilfe führten dazu, dass Jesus stehen blieb, auf den Blinden zuging und ihn fragte: „Was soll ich für dich tun?" Der Blinde antwortete: „Herr, mach, dass ich wieder sehen kann!" (Lk 18:41) Noch nie hatte jemand dem Blinden das Augenlicht zurückgeben können, dennoch vertraute er auf Jesu Kraft – vermutlich, weil er bereits viele außergewöhnliche Berichte über ihn gehört hatte.
Wenn Jesus wiederkommt, wird er erneut Blinde sehend machen! (Jes 35:5) Neben der körperlichen Blindheit existiert jedoch eine geistliche Blindheit, die noch schwerwiegender ist. Diese verhindert, dass viele Menschen die wahre geistliche Realität erkennen: nämlich die Tatsache, dass Gott die Weltgeschichte lenkt und er der einzige ist, der uns bleibend retten kann.
Geistliche Blindheit lässt uns orientierungslos und ratlos zurück. Doch wer sich dem Herrn anvertraut und ihm sein Leben übergibt, empfängt das Geschenk des Heiligen Geistes und damit geistliche Sehkraft (2Kor 4:6). Dieses bedeutsamere Wunder vollbringt der Herr auch heute noch – vermutlich öfter, als wir wahrnehmen!
Dienstag, 29. April 2025
Wer seinen Nächsten verachtet, versündigt sich; aber wohl dem, der sich der Elenden erbarmt!
Sprüche 14,21
Wenn ihr alles getan habt, was Gott euch befohlen hat, dann sagt: Wir sind Diener, weiter nichts; wir haben nur getan, was uns aufgetragen war.
Lukas 17,10
Statt Verachtung: Wertschätzung und Demut
Zum Glück musste ich noch nie an einer Hinrichtung teilnehmen, und ich hoffe, es auch nie zu müssen. Emotional würde mich ein solches Ereignis enorm erschüttern – nicht zuletzt deshalb, weil ich mich unweigerlich in den Verurteilten hineinversetzen würde. Noch schlimmer wäre es, wenn der Verurteilte ein Freund von mir wäre. Ich kann mir kaum vorstellen, was ich empfinden würde, wenn ich dabei einen Menschen beobachtete, der mit vollem Eifer und eiserner Überzeugung diese Hinrichtung befürwortet. Würde ich ihn zutiefst verachten oder gar hassen? Ich hoffe nicht. Doch da mir eine solche schreckliche Erfahrung – zum großen Glück – erspart geblieben ist, kann ich kaum voraussagen, wie ich in einer solchen Situation reagieren würde.
Es ist sehr wahrscheinlich, dass Christen mit ansehen mussten, wie Stephanus gesteinigt wurde (Apg 7:54-60). Möglicherweise beobachteten auch einige den Pharisäer Saulus, wie er voller Eifer und mit grimmiger Miene dieser Hinrichtung zugestimmt hatte. Was mögen diese Christen damals empfunden haben? Sie waren gewiss entsetzt und wütend – und es wäre nur allzu verständlich gewesen, wenn sie diesen Saulus von Tarsus verachtet oder sogar gehasst hätten.
Nicht so Stephanus, der unschuldig hingerichtet wurde! Sein letzter Satz lautete:
"Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht zu!" (Apg 7:60)
Da war kein Hass und auch keine Verachtung für die, die ihn umbrachten, sondern nur die inständige Bitte, dass der HERR ihnen diese Sünde nicht zurechnen möge (Mt 5:44)! Was für eine vergebende Liebe und eine, die das Böse nicht zugerechnet hat! So etwas kann nur derjenige, der zuvor mit dieser göttlichen Liebe erfüllt wurde (1Jo 4:19)!
Heute gibt es wohl kaum einen Christen, der Saulus von Tarsus, der später Paulus genannt wurde, verachten würde! Warum? Weil jeder weiß, was aus diesem ehemaligen Christenverfolger geworden ist (Apg 9:1-22)! Wir sehen heute Paulus vom Ziel her! Wären wir bei der Hinrichtung von Stephanus dabei gewesen und hätten wir schon damals gewusst, was aus diesem eifrigen – und vielleicht auch hasserfüllten Mann – einmal wird, wir hätten ihn damals wie Stephanus nicht verachtet!
Dieses Beispiel macht deutlich: Es ist falsch, einen „bösen Menschen" zu verachten – auch wenn es manchmal verständlich erscheinen mag. Jeder Mensch – auch der böse – ist in Gottes Augen eine Kostbarkeit (1Tim 2:4). Jede Form der Verachtung entwertet einen Menschen und nimmt ihm seine Würde!
Wer sich von der Liebe Jesu erfüllen lässt, kann jedem Menschen Wertschätzung entgegenbringen, da er ihn durch den Glauben vom göttlichen Ziel her betrachtet (2Kor 5:16). Diese Haltung erfordert Demut – und nur durch sie können wir einander wahrhaft achten.
Die liebende Hingabe des Paulus war so außergewöhnlich, dass er mit der Zeit – trotz allem – in Gefahr stand, überheblich zu werden. Dies lässt sich aus 2Kor 12:7 erkennen. Doch Gott sorgte dafür, dass er demütig blieb und am Ende seines Lebens vielleicht auch sagte:
"Ich bin (von Natur aus) ein unnützer Sklave, ich habe getan, was ich zu tun schuldig war!"
Demütig sein und bleiben – das allein bildet die Grundlage für eine dauerhafte und liebevolle Wertschätzung (Phil 2:3)! Möge uns der HERR diese Gnade schenken!
Mittwoch, 30. April 2025
Dein, HERR, ist die Größe und die Macht und die Herrlichkeit und der Ruhm und die Hoheit. Denn alles im Himmel und auf Erden ist dein.
1. Chronik 29,11
Gott hat uns wissen lassen das Geheimnis seines Willens nach seinem Ratschluss, den er zuvor in Christus gefasst hatte, um die Fülle der Zeiten heraufzuführen, auf dass alles zusammengefasst würde in Christus, was im Himmel und auf Erden ist, durch ihn.
Epheser 1,9-10
Gottes verborgener Plan wird offenbar
Wenn ein König einen neuen Palast bauen lassen will, beauftragt er einen Architekten für die minutiöse Planung. Der Architekt macht sich zunächst mit den Vorstellungen des Königs vertraut und entwickelt erste Ideen – zunächst unsichtbar in seinen Gedanken. Aus diesen Ideen entstehen erste Skizzen, die sich nach und nach zu detaillierten Plänen entwickeln. Gemeinsam mit dem König werden die Materialien, Ornamente und Mosaike ausgewählt. Wenn die ersten Pläne fertiggestellt sind, zeigt der König seinen Söhnen ihr künftiges Zuhause. Dies weckt in ihnen große Vorfreude auf ihren zukünftigen Wohnsitz.
Doch zunächst muss der Bau beginnen. Der erste Schritt ist das Ausheben einer Baugrube. In früheren Zeiten musste dies von Hand geschehen – eine mühsame Arbeit. Das Ausheben von Erde und Steinen sowie der Abbau des felsigen Untergrunds bereitete zwar niemandem Freude, wurde aber dennoch ausgeführt, weil am Ende ein prächtiger Palast entstehen sollte.
König David wollte seinen wunderbaren Gott ehren und ihm ein herrliches Haus bauen (2Sam 7:1-3). Obwohl Gott ihm mitgeteilt hatte, dass erst sein Sohn dieses Haus bauen würde (1Chr 17:11-12), beschäftigte er sich bereits intensiv mit der Planung. Er sammelte wertvolles Baumaterial, damit sein junger Sohn das Haus errichten konnte. In 1. Chronik 29 wird deutlich, wie großzügig David von seinem Reichtum spendete, um den HERRN zu ehren. David war zu dieser Zeit sehr wohlhabend geworden. Ihm war jedoch bewusst, dass dies nur durch Gottes reichen Segen möglich geworden war (1Chr 29:12). Deshalb sagte er: „Dein, HERR, ist die Größe und die Stärke und die Herrlichkeit und der Glanz und die Majestät!" Dies sind alles Attribute von Gottes Erhabenheit und seiner alles umfassenden Souveränität.
So wie ein König seine Söhne in seine Baupläne einweiht, so hat auch Gott seine Söhne in sein universales Heilsprojekt einbezogen (Röm 8:29) und durch Paulus offenbart, welche Pläne er mit seiner Schöpfung verfolgt: Wenn alle von Gott gesetzten Zeiten und Fristen zur Vollendung kommen, wird alles im Himmel und auf Erden in Christus zusammengefasst. Das griechische Wort "anakephalaiosasthai" setzt sich aus "ana" (wieder/hinauf) und "kephalaion" (Haupt) zusammen. Es bedeutet "unter einem Haupt zusammenfassen" oder "vereinigen". Am Ende der Zeiten wird also alles im Himmel und auf Erden unter dem Haupt Christi vereinigt (Kol 1:18). Dies ist der Zeitpunkt, den Paulus in 1Kor 15:28 beschreibt:
"Wenn ihm (dem Christus) aber alles untergeordnet ist, dann wird auch der Sohn selbst dem untergeordnet sein, der ihm alles untergeordnet hat, damit Gott alles in allem ist."
In der Vollendung wird alles so herrlich sein, dass wir uns das heute noch nicht vollständig vorstellen können (1Kor 2:9). Um das Bild des Baus noch einmal aufzugreifen: Wahrscheinlich befinden wir uns gegenwärtig in der „Rohbau-Phase", wo noch im Kellergeschoss gebaut wird. Der Eckstein ist zwar bereits auf dem Baugrund gesetzt (Eph 2:20), doch wir stehen noch in der Baugrube – der herrliche Palast ist noch nicht sichtbar. Wer jedoch durch die Prophezeiungen des Paulus die Zukunftspläne Gottes erfassen durfte, erhielt bereits einen Einblick in Gottes wunderbaren Heilsplan. Dies ist ein besonderes Gnadengeschenk Gottes!
