Warum ausgerechnet der Syrer? (2Kö 5)

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Von Daniel Muhl

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Eine seltsame Heilung

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Die Geschichte von Naaman ist in jeder Hinsicht bemerkenswert und außergewöhnlich. Jesus zitiert Naaman in Lk 4:27:
  • "Und viele Aussätzige waren zur Zeit des Propheten Elisa in Israel, und keiner von ihnen wurde gereinigt als nur Naaman, der Syrer."

Die Heilung dieses aussätzigen Generals, müsste aus der Sicht eines Israeliten, eigentlich eine Provokation sein: Naaman war ein Syrer in den Diensten des aramäischen Königs. Somit gehörte er zu den Feinden Israels.

Der Bibeltext

Nun möchte ich 2Kö 5:1-19a lesen:

  • Und Naaman, der Heeroberste des Königs von Aram, war ein bedeutender Mann vor seinem Herrn und angesehen; denn durch ihn hatte der HERR Sieg für Aram gegeben. Der Mann war ein Kriegsheld, [aber] aussätzig. Und die Aramäer waren auf Raub ausgezogen und hatten aus dem Land Israel ein junges Mädchen gefangen weggeführt, das kam in den Dienst der Frau des Naaman. Und sie sagte zu ihrer Herrin: Ach, wäre mein Herr doch vor dem Propheten, der in Samaria [wohnt]! Dann würde er ihn von seinem Aussatz befreien. Und Naaman ging und berichtete es seinem Herrn und sagte: So und so hat das Mädchen geredet, das aus dem Land Israel ist. Da sagte der König von Aram: Geh, zieh hin! Und ich will [dazu] an den König von Israel einen Brief senden. Da ging er hin und nahm zehn Talente Silber mit sich und sechstausend [Schekel] Gold und zehn Wechselkleider. Und er brachte den Brief zum König von Israel; und er lautete so: Und nun, wenn dieser Brief zu dir kommt, [so wisse,] siehe, ich habe meinen Knecht Naaman zu dir gesandt, damit du ihn von seinem Aussatz befreist. Und es geschah, als der König von Israel den Brief gelesen hatte, da zerriss er seine Kleider und sagte: Bin ich Gott, [der die Macht hat,] zu töten und lebendig zu machen, dass dieser zu mir sendet, einen Menschen von seinem Aussatz zu befreien? Ja, wahrlich, erkennt doch und seht, dass er einen Anlass [zum Streit mit] mir sucht! Und es geschah, als Elisa, der Mann Gottes, hörte, dass der König von Israel seine Kleider zerrissen hatte, da sandte er zu dem König und ließ [ihm] sagen: Warum hast du deine Kleider zerrissen? Lass ihn doch zu mir kommen! Und er soll erkennen, dass ein Prophet in Israel ist. Da kam Naaman mit seinen Pferden und mit seinem Wagen und hielt am Eingang zu Elisas Haus. Und Elisa schickte einen Boten zu ihm und ließ [ihm] sagen: Geh hin und bade dich siebenmal im Jordan! So wird dir dein Fleisch wiederhergestellt werden und rein sein. Da wurde Naaman zornig und ging [weg]. Und er sagte: Siehe, ich hatte mir gesagt: Er wird nach draußen zu mir herauskommen und hintreten und den Namen des HERRN, seines Gottes, anrufen und wird seine Hand über die Stelle schwingen und so den Aussätzigen [vom Aussatz] befreien. Sind nicht Abana und Parpar, die Flüsse von Damaskus, besser als alle Wasser von Israel? Kann ich mich nicht darin baden und rein werden? Und er wandte sich um und ging im Zorn [davon]. Da traten seine Diener herzu und redeten zu ihm und sagten: Mein Vater, hätte der Prophet eine große Sache zu dir geredet, hättest du es nicht getan? Wieviel mehr, da er [nur] zu dir gesagt hat: Bade, und du wirst rein sein! Da stieg er hinab und tauchte im Jordan siebenmal unter nach dem Wort des Mannes Gottes. Da wurde sein Fleisch wieder wie das Fleisch eines jungen Knaben, und er wurde rein. Und er kehrte zu dem Mann Gottes zurück, er und sein ganzes Gefolge, und er kam und trat vor ihn und sagte: Siehe doch, ich habe erkannt, dass es keinen Gott auf der ganzen Erde gibt als nur in Israel. Und nun nimm doch ein Segensgeschenk von deinem Knecht! Er aber sagte: So wahr der HERR lebt, vor dem ich stehe, wenn ich es nehmen werde! Und er drang in ihn, es zu nehmen, doch er weigerte sich. Da sagte Naaman: Wenn [also] nicht, dann möge man deinem Knecht doch die Traglast eines Maultiergespannes Erde geben! Denn dein Knecht wird nicht mehr anderen Göttern Brandopfer und Schlachtopfer zubereiten, sondern nur [noch] dem HERRN. In dieser [einen] Sache wolle der HERR deinem Knecht [jedoch] vergeben: Wenn mein Herr in das Haus Rimmons geht, um sich dort niederzubeugen, dann stützt er sich auf meinen Arm, und [auch] ich beuge mich nieder im Haus Rimmons. Wenn ich mich [nun dabei] niederbeuge im Haus Rimmons, dann möge doch der HERR deinem Knecht in dieser Sache vergeben! Und er sagte zu ihm: Gehe hin in Frieden!

Aramäische Streifscharen hatten einige Städte in Israel geplündert, zerstört und Israelitinnen als Sklavinnen geraubt. In Israel gab es auch etliche Aussätzige und die gehörten zum auserwählten Volk. An diesem Volk tat Elisa seinen Dienst; aber nur der "feindliche General", der von Jahweh vmtl. kaum eine Ahnung hatte, wurde geheilt.
Naaman hatte als einer, der fern von Jahweh lebte, ein erfolgreiches Leben und war reich und angesehen und dann wird er als einziger geheilt. Wenn das für das israelisch orthodoxe Denken keine Provokation ist; was ist es dann? Wie überall in der Bibel, begegnet uns auch hier die Souveränität unseres Gottes! Er tut immer wieder Dinge, die in kein frommes Schema passen. Was sollten wir u. a. daraus lernen?
Wir sollten nicht weiter versuchen, dass Handeln und Wirken unseres Gottes vorauszuberechnen und unser Leben an diesen Berechnungen anzupassen. Unser Gott tut immer wieder Dinge, die überhaupt nicht in unsere theologischen Konzepte passen! Nachfolgend möchte ich diese sehr interessante Geschichte Vers für Vers etwas näher beleuchten:

  • 2Kö 5:1 - Und Naaman, der Heeroberste des Königs von Aram, war ein bedeutender Mann vor seinem Herrn und angesehen; denn durch ihn hatte der HERR Sieg für Aram gegeben. Der Mann war ein Kriegsheld, [aber] aussätzig.

Der Name bedeutet "Erfreulichkeit" oder "Beistehender". Sein Leben lief vmtl. zuerst einmal erfreulich, so dass er vieles erreicht hat. Naaman war erhaben, erfolgreich und stark, aber mit einem unangenehmen Makel behaftet. Aussatz dürfte ein Symbol auf die Sünde sein, da sowohl der Aussatz als auch die Sünde der Inbegriff für Unreinheit ist.

  • 2Kö 5:2 - Und die Aramäer waren auf Raub ausgezogen und hatten aus dem Land Israel ein junges Mädchen gefangen weggeführt, das kam in den Dienst der Frau des Naaman.

Die Feinde Israels verursachen Tod und Zerstörung in Israel.

  • 2Kö 5:3 - Und sie sagte zu ihrer Herrin: Ach, wäre mein Herr doch vor dem Propheten, der in Samaria [wohnt]! Dann würde er ihn von seinem Aussatz befreien.

Das Mädchen hatte einen besonderen Glauben, es war hilfsbereit und liebte, obwohl ihm Unrecht geschah und als es als Sklavin verschleppt wurde. Sie hätte allen Grund bitter zu sein und die Aramäer zu hassen. Der erste Schritt oder die Ursache, die zur Heilung von der Sünde führt, war in dieser Geschichte die Liebe. Letztlich ist es immer die Liebe, die heilt! Weil Gott uns liebte, als wir noch Feinde waren (Röm 5:10), sandte Er Seinen Sohn, der dann auf Golgatha die Grundlage für die Heilung von der Sünde schuf.

  • 2Kö 5:4 - Und Naaman ging und berichtete es seinem Herrn und sagte: So und so hat das Mädchen geredet, das aus dem Land Israel ist.

Das Erstaunliche an dieser Begebenheit ist die Tatsache, dass Naaman dem Mädchen glaubt; die ja lediglich di Sklavin seiner Frau war. War dieser Hinweis seine letzte Hoffnung? Der zweite Schritt in dieser Geschichte war also der Glaube des Kranken. Dieser Glaube hatte die Auswirkung, dass Naaman sich aufmachte und ging. Im nächsten Abschnitt sehen wir zwei Könige und ihr übliches Denksystem:

  • 2Kö 5:5 - Da sagte der König von Aram: Geh, zieh hin! Und ich will [dazu] an den König von Israel einen Brief senden. Da ging er hin und nahm zehn Talente Silber mit sich und sechstausend [Schekel] Gold und zehn Wechselkleider.

Für den König von Aram war klar: Es braucht ein Empfehlungsschreiben von oberster Stelle und Naaman rechnete mit entsprechenden Kosten. Auch der König scheint dieser Sache zu glauben und für ihn war klar: "Für eine professionelle Heilung braucht es ein Empfehlungsschreiben!" Naaman nahm auch wertvolle Geschenke mit! Er da dachte: "Heiler müssen auch bezahlt werden!"

  • 2Kö 5:6 - Und er brachte den Brief zum König von Israel; und er lautete so: Und nun, wenn dieser Brief zu dir kommt, [so wisse,] siehe, ich habe meinen Knecht Naaman zu dir gesandt, damit du ihn von seinem Aussatz befreist.

Warum schrieb der aramäische König nicht: "Wir haben gehört, dass ein Prophet bei euch ist, der heilen kann."? Daraus ergibt sich die Frage: "Hat Naaman dem König nicht von dem Propheten erzählt? - Hat der König vergessen, dass der Prophet solches tun kann? - Hat der König gedacht: 'Der König von Israel muss doch diesen Heiler kennen und er regiert auch über diesen.' Darum ergeht meine Aufforderung auch an ihn." Glaubte er wirklich an dieses Wunder oder suchte der König von Aram wirklich Streit mit dem König von Israel? Sollte der König von Aram ein Motiv zu einem Streit gefunden haben, dann war sein Schreiben einfach nur böse. Sollte er auch an die Möglichkeit der Heilung geglaubt haben, dann vermischte er den Glauben mit menschlichem Dazutun. Wie oft vermischen auch wir den Glauben mit unseren eigenen Möglichkeiten, indem wir auf Gott vertrauen und gleichzeitig auf unser Vermögen, unsere Fähigkeiten und Begabungen?

  • 2Kö 5:7 - Und es geschah, als der König von Israel den Brief gelesen hatte, da zerriss er seine Kleider und sagte: Bin ich Gott, [der die Macht hat,] zu töten und lebendig zu machen, dass dieser zu mir sendet, einen Menschen von seinem Aussatz zu befreien? Ja, wahrlich, erkennt doch und seht, dass er einen Anlass [zum Streit mit] mir sucht!

Beim König von Israel handelte es sich vmtl. um Joram. Seine Reaktion ist normal und für jeden Menschen verständlich. Ein gegnerischer König erwartet eine Unmöglichkeit und das löst ein berechtigtes Misstrauen aus: "Was der Kerl von mir verlangt ist einfach eine Ungeheuerlichkeit!" Aus Frust, Ärger, Wut und vielleicht auch aus Panik zerreißt der König seine Kleider und bringt damit auch eine große Not zum Ausdruck. Es fühlte sich wie eine zerrissene Seele an. Der König dachte: Er müsse die Heilung vollziehen. Obwohl er sehr wahrscheinlich schon einiges von Elisa gehört hatte, dachte er vmtl. keine Sekunde an den Gottesmann. Warum? Er war ein Götzendiener! Sein Denken war von den Götzen bestimmt und vmtl. dachte er auch: "Alles ist Politik!" Für den König von Israel war alles Heimtücke. Er wusste aber auch: "Gott (die Götter) können töten und lebendig machen! Nur ein Gott kann auch vom Aussatz befreien." Wir dürfen wissen: Nur unser Gott kann wirklich lebendig machen und nur Er kann auch vom geistlichen Aussatz, d.h. von der Sünde befreien.

Götzendiener rechnen nicht mit dem Wirken Gottes. Der Götzendiener hat kein Denken des Vertrauens. Aber was genau ist Götzendienst? Alles, was für uns persönlicher wichtiger ist als Gott, ist unser Götze! Ob das der Ehepartner, die Kinder, die Gesundheit, das Geld, das eigene Ansehen ist, spielt absolut keine Rolle. Darum sind wir Menschen alle von Natur aus Götzendiener. Allein Jesus hat Seinen Vater immer und überall an die erste Stelle gesetzt. Da wo Götzendienst vorhanden ist, kann auch das Denken des Glaubens keinen Raum einnehmen. Nur der Gott, der lebendig machen kann, kann auch von der Sünde befreien.

  • 2Kö 5:8 - Und es geschah, als Elisa, der Mann Gottes, hörte, dass der König von Israel seine Kleider zerrissen hatte, da sandte er zu dem König und ließ [ihm] sagen: Warum hast du deine Kleider zerrissen? Lasse ihn doch zu mir kommen! Und er soll erkennen, dass ein Prophet in Israel ist.

Die Frage des Elisa ist durchaus berechtigt! "Warum hast du deine Kleider zerrissen?". Eigentlich hätte er auch daran denken können, dass ein vollmächtiger Prophet in Israel war, aber vmtl. war er auf Elisa nicht besonders gut zu sprechen. Doch der König soll erkennen wo Hilfe zu finden ist. Beim Propheten, der den Gott Israels repräsentiert; bei Elisa dessen Name "Gott der Errettung" bedeutet.

  • 2Kö 5:9 - Da kam Naaman mit seinen Pferden und mit seinem Wagen und hielt am Eingang zu Elisas Haus.

An dieser Stelle habe ich mich natürlich gefragt, warum die Bibel hier die Pferde und Wagen erwähnt? Folgendes bringen diese Dinge zum Ausdruck: Schau mal, was ich habe: 'Ich bin jemand von Bedeutung! Einem Mann wir mir kannst du die Hilfe doch nicht verweigern!' Doch ein wirklicher "Mann Gottes" lässt sich nicht von Status-Symbolen beeindrucken? Naaman hat durch das Sklavenmädchen von einem Propheten gehört und jetzt soll er auch erkennen, dass es sich um einen Mann Gottes handelt, der ganz anders "tickt" als alle anderen! Die Abfolge in dieser Geschichte war bis jetzt Folgende:

  1. Das richtige Ziel zeigt das liebende und glaubende Mädchen!
  2. Der König von Aram sendet seinen General an die falsche Adresse! Seine Überlegungen sind etwas schleierhaft.
  3. Der götzendienerische König von Israel kapituliert, weil er nur eine Heimtücke und seine eigenen Möglichkeiten sieht!
  4. Die Zielperson (Elisa) meldet sich und weist auf den richtigen Weg.
  5. Verheißung: Der fremde General wird erkennen, dass ein Prophet in Israel ist (eigentlich wusste er es schon).

Auslegung:

  1. Das Ziel wird den Sündern bekannt gemacht! Bei Jesus Christus wird jeder Sünder heil!
  2. Doch vielfach wird der Sünder von "seinem Vorgesetzten" (der führenden Geistesmacht) zu den Großen dieser Welt geschickt, weil sie vom Denksystem dieser Welt geleitet sind. Sie senden den Sünder an den falschen Ort.
  3. Der Sünder gelangt zu denen, die eigentlich das Ziel kennen sollten, aber wenn diese vom weltlichen Denken geprägt sind, können sie nicht wirklich helfen.
  4. Jesus (Jahweh rettet) meldet sich und sagt: "Komm zu mir!"
  5. Dadurch erkennt der Sünder ganz persönlich, wo Rettung ist.

Jesus schaut unsere vielleicht hervorragende irdische Stellung und das, was wir besitzen, gar nicht an. Ihn beeindruckt nicht, ob wir Konzernchef, Chefarzt oder Präsident eines Landes sind. Aber Er freut sich über ein Gottesvertrauen und über eine innige Liebe zu Ihm und Seinen Vater.

  • 2Kö 5:10 - Und Elisa schickte einen Boten zu ihm und ließ [ihm] sagen: Geh hin und bade dich siebenmal im Jordan! So wird dir dein Fleisch wiederhergestellt werden und rein sein.

Elisa kommt nicht an die Tür! Er sendet einen Boten. Naaman dachte vielleicht: "Dieser Prophet behandelt mich wie unbedeutender Sklave? Ich bin aber ein erfolgreicher Feldherr mit Wagen und Pferden und er schaut mich nicht einmal an, sondern sendet mir einfach einen Boten. Was für eine Beleidigung?" Bevor wir den "Mann Gottes" von Angesicht zu Angesicht sehen werden, bedarf es der Reinigung von Sünde, durch das Bekennen (1Jo 1:9) und durch das Eintauchen im Wasserbad des Wortes (Eph 5:26). Der Jordan wird von vielen Auslegern auch als ein Symbol auf den Tod gesehen und bei der Taufe geht es auch um ein "Sich-in-den-Tod-geben" (Röm 6:4)!

  • 2Kö 5:11 - Da wurde Naaman zornig und ging [weg]. Und er sagte: Siehe, ich hatte mir gesagt: Er wird nach draußen zu mir herauskommen und hintreten und den Namen des HERRN, seines Gottes, anrufen und wird seine Hand über die Stelle schwingen und so den Aussätzigen [vom Aussatz] befreien.

Seine Vorstellung klingen eigentlich biblisch: Namen Gottes anrufen, Hände auflegen, fertig! Das hebräische Wort für "Befreien" kann w. mit "Aufnehmen" übersetzt werden (der vom Aussatz Geheilte soll wieder in die Gesellschaft aufgenommen werden). Bei Gott bewirkt Gehorsam Heilung, währenddem der Stolz sie verhindert! Wenn die Anweisung Gottes anders ist als gedacht, dann fällt Gehorsam schwer. Die eigenen Erfahrungen und unsere Vorstellungen, wie etwas ablaufen muss, blockieren uns oft und verhindern, dass wir für die Anweisungen des Geistes offen sind.

Darum schreibt Paulus auch:

  • "Wenn ihr aber durch den Geist geleitet werdet, seid ihr nicht unter dem Gesetz (Gal 5:18).

Oft denken wir auch, wir müssten das tun, was bei Christen "normal" ist, damit wir heil werden. Heilung ist in erster Linie Befreiung von Sünde und bewirkt Annahme und Aufnahme.

  • 2Kö 5:12 - Sind nicht Abana und Parpar, die Flüsse von Damaskus, besser als alle Wasser von Israel? Kann ich mich nicht darin baden und rein werden? Und er wandte sich um und ging im Zorn [davon].

Zuerst einmal ist Naaman beleidigt, dann enttäuscht deshalb hat er auch keine Lust, den Anweisungen des Propheten zu gehorchen. Abanah = Steiniger (vmtl. ein Fluß mit Kiesboden und dadurch auch sehr sauber). Naaman argumentiert gegen die Anweisung des Gottesmannes. Sein verletzter Stolz bewirkte Zorn, Ärger (Erhitzung). Wenn eine Anweisung anders ist, als wir gedacht haben, dann fällt der Gehorsam manchmal schwer. Naaman hatte andere Vorstellungen über den Ablauf seiner Heilung.

Wir Menschen finden immer Argumente gegen Gottes Gebote! Der von Gott vorgegebene Weg (in den Tod) passt den Geschöpfen normalerweise nicht! Erst wenn der Geist Gottes in uns anfängt zu wirken, können wir ein "Ja" zu Seinen Wegen haben. Ich denke da z. B. an folgenden Vers: Und an jenem Tag wirst du sagen: Ich preise dich, HERR! Ja, du hast mir gezürnt. Möge dein Zorn sich wenden, dass du mich tröstest (Jes 12:1)!
Wir lesen weiter:

  • 2Kö 5:13 - Da traten seine Diener herzu und redeten zu ihm und sagten: Mein Vater, hätte der Prophet eine große Sache zu dir geredet, hättest du es nicht getan? Wieviel mehr, da er [nur] zu dir gesagt hat: Bade, und du wirst rein sein!

Gegen die "einfache Anweisung" des Propheten wehrt sich Naaman, währenddem er schwere Dinge durchaus in Kauf genommen hätte. Warum? Wo ist hier die Logik?
Die Geschenke, seine stattlichen Kleider, seine Stellung und seine Statussymbole sind allesamt nutzlos, wenn es um die Heilung geht. Durch das Verhalten von Elisa, fühlte sich Naaman auch vor seinen Dienern gedemütigt und das schmerzt die Seele zuerst einmal. Die Aussage "Mein Vater", welche mehrere Diener machten, zeigt die persönliche Wertschätzung aller Diener: "Du bist mein Vorbild, mein Versorger, mein Gebieter, meine geistliche Inspirationsquelle!" Der Respekt der Diener gegenüber Naaman war sehr wichtig. Hätten sie ihm Verachtung spüren lassen, wäre seine Demütigung wohl kaum zustande gekommen.

Die Anweisung Gottes zur Vergebung und Reinigung ist nicht schwer! Denken wir nur an 1Jo 1:9: Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von jeder Ungerechtigkeit. Trotzdem tun sich die Menschen unheimlich schwer, dies zu tun! Warum? Unsere fromme Leistung, unser Ansehen und unsere gesellschaftliche Stellung sind allesamt nutzlos, wenn es um die Heilung geht. Es ist darum schwer, weil wir gar nichts bringen können und unser Stolz zerbrochen werden muss, indem wir uns vor Gott und den Menschen demütigen müssen. Letztlich ist jedes Schuldbekenntnis eine Demütigung. So wie Naaman Mühe hatte, sich siebenmal in den Jordan zu tauchen, so hatte ich lange Zeit Mühe mich taufen zu lassen. Es ist das gleiche geistliche Phänomen. Aber noch etwas ist wichtig: "Wenn wir ermahnen oder korrigieren, darf es nie an Respekt fehlen!"

  • 2Kö 5:14 - Da stieg er hinab und tauchte im Jordan siebenmal unter nach dem Wort des Mannes Gottes. Da wurde sein Fleisch wieder wie das Fleisch eines jungen Knaben, und er wurde rein.

Nachdem Naaman seinen Stolz überwinden konnte und sich vor den Augen seiner Diener demütigte, war der nächste Schritt ganz einfach. Siebenmal untertauchen und sein Fleisch war wieder so, wie das eines jungen Knaben. Er war rein. Er war wie neu geboren! Demütigung und Gehorsam – indem wir uns dem Wort Gottes unterstellten – bringen Heilung und Erneuerung.
Demut ist nicht nur der Schlüssel zur Gnade (1Petr 5:5); sondern auch für geistliche Vollmacht! Mangelnde geistliche Vollmacht ist manchmal ein Indiz für fehlende Demut, bzw. für den Hochmut.

  • 2Kö 5:15 - Und er kehrte zu dem Mann Gottes zurück, er und sein ganzes Gefolge, und er kam und trat vor ihn und sagte: Siehe doch, ich habe erkannt, dass es keinen Gott auf der ganzen Erde gibt als nur in Israel. Und nun nimm doch ein Segensgeschenk von deinem Knecht!

Hier sehen wir den Weg zur Gotteserkenntnis: Hören > Glauben > Sich-Demütigen > Gehorsam > Gotteserkenntnis! Naaman hat den einen Gott erkannt und kehrt zu dem Mann zurück, der ihm dahin den Weg gezeigt hat. Sein Motiv war die Dankbarkeit. Aus Dankbarkeit wollte Naaman den Propheten beschenken. Das war nicht verwerflich und man hätte die Gaben auch sehr gut gebrauchen können, z. B., um Bedürftige zu versorgen oder um Schulungsräume für die Prophetenschüler zu finanzieren (2Kö 6:1). Es ist eine grundlegende Erkenntnis, dass uns kein anderer Gott von der Unreinheit der Sünde heilen kann als nur der Gott Israels. Die Grundlage dafür ist das Geschehen am Kreuz!

  • 2Kö 5:16 - Er aber sagte: So wahr der HERR lebt, vor dem ich stehe, wenn ich es nehmen werde! Und er drang in ihn, es zu nehmen, doch er weigerte sich.

Nun ging es Elisa noch um eine weitere Lektion:

• Männer Gottes sind nicht bestechlich; man kann sie nicht kaufen.
• Die Heilkräfte kommen von Gott und nicht von den Propheten. Der Prophet ist nur das Werkzeug Gottes.
• Keine Menschen sollen geehrt werden, sondern nur Gott allein.
• Göttliche Heilungen sind immer umsonst und können nie gekauft oder bezahlt werden.
• Man kann sich nicht durch das Handeln des Herrn bereichern. Für Elisa war das nicht verhandelbar!

Wo immer Gott uns gebraucht und wir ein Segen für andere Menschen sein dürfen, da ist es immer das Wirken des Heiligen Geistes in uns und darum gehört auch immer Ihm allein die Ehre. Wir dürfen keine Menschen verherrlichen (ganz egal wie segensreich sie wirken durften), weil alles, was sie tun durften, ein Geschenk Gottes ist. Indirekt kommt das auch in Offb 4:10ff zum Ausdruck, wo die 24 Ältesten ihre Kronen vor dem Thron niederlegen.

  • 2Kö 5:17 - Da sagte Naaman: Wenn [also] nicht, dann möge man deinem Knecht doch die Traglast eines Maultiergespannes Erde geben! Denn dein Knecht wird nicht mehr anderen Göttern Brandopfer und Schlachtopfer zubereiten, sondern nur [noch] dem HERRN.

Nach der Weigerung des Propheten, ein Geschenk zu nehmen, hat Naaman eine Bitte: Gib mir Erde von hier! Die Begründung war: "Ich will nur noch Jahweh opfern!" War die Überlegung: "Ich will nur auf geweihter Erde opfern! Auf Gottes Erde!"? Die Erde ist das Fundament, die Grundlage für Pflanzen und Früchte! Darum dürfen auch wir uns fragen: "Habe ich das Fundament Gottes in mein Leben gebracht? Stehe ich auf dem Fundament Gottes, auf dem Fundament das 'Früchte' hervorbringt. Stehe ich auf der Gnade und basiert mein Leben auf der Jesusbindung (Joh 15:5)?"

  • 2Kö 5:18 - In dieser [einen] Sache wolle der HERR deinem Knecht [jedoch] vergeben: Wenn mein Herr in das Haus Rimmons geht, um sich dort niederzubeugen, dann stützt er sich auf meinen Arm, und [auch] ich beuge mich nieder im Haus Rimmons. Wenn ich mich [nun dabei] niederbeuge im Haus Rimmons, dann möge doch der HERR deinem Knecht in dieser Sache vergeben!

Naaman bittet hier um vorlaufende Vergebung. In einem gesetzlichen Denken ist das eine Ungeheuerlichkeit: "Naaman betet den HERRN an und gleichzeitig begibt er sich in einen Götzentempel." Diese künftige Handlung soll dem Naaman verziehen werden. Das provoziert auch ein stückweit unsere theologische Sichtweise! Eine solche Bitte wäre bei einem Israeliten in Israel eine Sünde gewesen. Aber bei einem Nichtisraeliten außerhalb Israels war das möglich. Entscheidend dabei ist aber die Herzenseinstellung! Hätte Naaman geistliche Hurerei betrieben, indem er Rimmon und Jahweh angebetet hätte, dann hätte Elisa nicht gesagt: "Gehe hin in Frieden!" Die Unterordnung unter die Obrigkeit war hier also möglich, obwohl diese Unterordnung mit einem Götzendienst in Verbindung stand. Rimmon (Götze Arams, aber nur an dieser Stelle). Die Namensbedeutung ist:

  1. "Der Donnerer" oder: "der Majestätische"
  2. "Granatapfel". Der Granatapfel dürfte in der Bibel ein Symbol auf die Liebe sein.

Dieser Umstand bedeutet in der symbolischen Übertragung vielleicht: Menschen, die sich der Liebe beugen (auch wenn es nicht die göttliche Liebe ist, weil sie unwissend sind), sind unterstützungswürdig. Der Prophet Daniel, in der Stadt Babel, war in einer ähnlichen Situation: Er war von Götzendienern umgeben; aber er hat sich den Herrschern unterordnet und ist ihnen mit Respekt und Wertschätzung begegnet, obwohl sie das eigentlich nicht verdient hatten (Dan 4:16). 2Kö 5.19 - Und er sagte zu ihm: Gehe hin in Frieden! Als er nun von ihm weg eine Strecke Weges gegangen war,


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