Vertrauensvolles Bitten um Weisheit (Jak 1:5-8)

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Von Daniel Muhl

Offensichtlich wurden die Empfänger des Jakobusbriefes mit Versuchungen bzw. Erprobungen konfrontiert, so dass sich Jakobus gleich zu Beginn gedrängt fühlte, den Lesern seines Briefes Mut zuzusprechen, indem er ihnen die geistlichen Vorteile dieser Erprobungen aufzeigte. Gerade weil diese Prüfungen positive Auswirkungen haben, sollen sich die Brüder in dieser schweren Situation freuen.

In den von Gott verordneten Prüfungen zeigt sich, was an "unserem" Glauben echt ist und ob sich unsere "Art des Glaubens" bewährt. Dabei lernen wir auch den "unechten Glauben" – wie er ab Jak 2:2ff beschrieben wird – abzulegen und können erkennen, welche "Art von Glauben" sich bewährt. Letztlich ist es nur der Glaube Jesu Christi (Jak 2:1), der in uns Raum gewinnen soll. Ein echter Glaube wird gerade durch die Erprobung, für uns selbst, und andere, sichtbar.

Sobald eine notvolle Erprobung geschieht, sind wir Christen zuerst einmal betrübt, weil es unser Leben (z. T. massiv) erschwert! Normalerweise betrachten wir jede beschwerliche Situation, zunächst aus menschlicher Sicht und gerade das macht uns zu schaffen. Doch Jakobus zeigt uns die geistliche Schau. Er macht deutlich, wie eine derartig unangenehme Situation aus der Sicht Gottes aussieht. Auch Petrus schreibt in 1Petr 4:12-13 etwas Ähnliches:

  • "Geliebte, lasst euch durch das Feuer ⟨der Verfolgung⟩ unter euch, das euch zur Prüfung geschieht, nicht befremden, als begegne euch etwas Fremdes; 13 sondern freut euch, insoweit ihr der Leiden des Christus teilhaftig seid, damit ihr euch auch in der Offenbarung seiner Herrlichkeit jubelnd freut!"

Im 1. Kapitel des 2. Thessalonicherbriefes macht Paulus ebenfalls auf die positiven Auswirkungen der Bedrängnisse aufmerksam, indem er schreibt:

  • 3 Wir sind es Gott schuldig, allezeit für euch zu danken, Brüder, wie es recht und billig ist; denn euer Glaube wächst über die Maßen und die Liebe zueinander nimmt bei jedem Einzelnen von euch allen zu,
    4 sodass wir selbst uns in den Gemeinden Gottes euer rühmen wegen eures geduldigen Ausharrens und [festen] Glaubens in all euren Verfolgungen und Bedrängnissen, die ihr erduldet.
    5 [Das ist] ein Anzeichen des gerechten Gerichtes Gottes; sollt ihr doch der Königsherrschaft Gottes würdig erachtet werden, für die ihr auch leidet,
    6 so gewiss es bei Gott gerecht ist, euren Bedrängern als Vergeltung Bedrängnis darzureichen, ..."

Die Bedrängnis bewirkt bei einem echten Glauben Geduld und Ausharren (w. Darunter-bleiben). Das Ausharren bewirkt ein "Stählen" und Wachstum des Glaubens. Daraus entstehen ein vollkommenes Werk sowie eine vollkommene Ausreifung. Mit dem vollkommenen Werk (Jak 1:4) dürften weniger vollbrachte Werke gemeint sein als vielmehr die Gläubigen selbst, die zu einem vollkommenen und heiligen Werk Gottes heranreifen dürfen. Durch das Feuer – wie Petrus die Verfolgung beschreibt – wird das "Gold des Glaubens" geläutert und von den "Schlacken" der Ichsucht befreit! In der Folge kommt es zu einer Bewährung des Glaubens. Dies hat wiederum eine Erwartung (o. Hoffnung) zur Folge, die nicht enttäuscht, bzw. zuschanden wird (Röm 5:5). Als krönenden Abschuss bekommen die Bewährten Anteil an der Königsherrschaft Gottes (2Thes 1:5).

Wenn nun die Bedrängten dieses wunderbare Ziel vor Augen haben dürfen, dann können sie sich in der Erprobung freuen, obwohl wir normalerweise keine Versuchungen mögen. Nachdem Jakobus die positiven Auswirkungen der Versuchungen aufzeigen durfte, fährt er wie folgt fort:

  • 5 Wenn aber jemand von euch Weisheit mangelt, so bitte er Gott, der allen willig gibt und keine Vorwürfe macht, und sie wird ihm gegeben werden.
    6 Er bitte aber im Glauben, ohne irgend zu zweifeln; denn der Zweifler gleicht einer Meereswoge, die vom Wind bewegt und hin und her getrieben wird.
    7 Denn jener Mensch denke nicht, dass er etwas von dem Herrn empfangen werde,
    8 [ist er doch] ein wankelmütiger Mann, unbeständig in allen seinen Wegen."

Damit wir ausharren können, brauchen wir den Glauben Jesu Christi (Jak 2:1).

Der scheinbare Themenwechsel von Vers 4 zu Vers 5, hängt vermutlich damit zusammen, dass es die göttliche Weisheit benötigt, um richtig ausharren zu können. Möglicherweise braucht es auch Weisheit, damit der Glaube Jesu Christi in unseren Herzen Raum gewinnen kann. Auf jeden Fall ist die Weisheit für unsere Ausreifung sehr wichtig und wenn sie uns fehlt, dürfen wir um sie bitten. Das Wort Gottes verheißt uns an dieser Stelle, dass wir sie auch bekommen werden.

Oft fragen wir uns, ob die Bitten, die wir vor unserem HERRN aussprechen, auch Seinem Willen entsprechen. Die ehrliche Bitte um göttliche Weisheit, entspricht auf jeden Fall dem Willen Gottes! Weil wir, im Bezug auf das Erhalten der göttlichen Weisheit, eine absolute Zusage haben, müssen wir auch nicht den kleinsten Zweifel daran haben, dass wir sie erhalten werden! Gott wünscht sich aber, dass wir Ihn darum bitten! Warum? Weil uns dadurch folgende Dinge bewusst werden:

  1. Wir besitzen diese Weisheit nicht aus uns selbst.
  2. Wir können uns diese Weisheit auch nicht durch Intelligenz und intellektuelle Anstrengungen erarbeiten.
  3. Wir können uns diese Weisheit nur von Gott selbst schenken lassen.
  4. Diese Weisheit widerspricht in vielen Teilen der menschlichen Vernunft. Zu dieser Weisheit gehört u. a. auch die "Torheit" der Predigt, die die Gläubigen erretten kann. Das wird aus 1Kor 1:21 ersichtlich.

Aus dem Kontext wird auch deutlich, dass wir die göttliche Weisheit brauchen, damit wir geduldig ausharren und vollkommen ausreifen können. Die Weisheit verhindert, dass wir geistlicherweise an Bedürftigkeit leiden (V.4).

Was aber beinhaltet die göttliche Weisheit?

Selbstverständlich könnte man zu dieser Frage mehrere Vorträge halten, da uns die Bibel dazu sehr viele Aussagen macht (Mehr dazu: Siehe hier!). Aber an dieser Stelle möchte ich nur ganz kurz einige wesentliche Aspekte dazu weitergeben:

"Göttliche Weisheit schenkt uns die Fähigkeit, geistliche Zusammenhänge zu erkennen. Sie macht auch deutlich, welche langfristigen Auswirkungen Entscheidungen nach sich ziehen und welche Entschlüsse Bestand haben!"

Die meisten Bibelleser kennen ja die Aussage:

  • "Die Furcht des HERRN ist der Weisheit Anfang!" (Ps 111:10a)

Wer den HERRN fürchtet und auf Ihn in allen Entscheidungen achtet, schaut auf Denjenigen, der alles bestimmt. Wer Ihn fürchtet, lernt in allen Dingen auf Ihn zu vertrauen und trifft dadurch Entscheidungen, die Bestand haben! Wer den HERRN nicht fürchtet, ignoriert den allmächtigen Gott und ist mit einem Menschen zu vergleichen, der meint, er brauche die Gesetze der Gravitation bei seiner Planung nicht zu berücksichtigen!

Gott macht uns keine Vorwürfe, wenn es uns an Weisheit mangelt. Er wünscht sich jedoch, dass wir Ihn darum bitten und somit auch zum Ausdruck bringen, dass wir ohne Ihn keine wirkliche Weisheit haben können. Wenn wir Gott mit ehrlichem Herzen um Weisheit bitten, dann müssen wir absolut nicht daran zweifeln, dass Er sie uns gibt! Ganz einfach deshalb, weil Er sie uns versprochen hat und Er als einziger absolut treu ist. Es gibt andere Dinge, um die wir bitten, wo der Zweifel eine gewisse Berechtigung hat. Wenn ich den HERRN darum bitte, mich aus einer bestimmten Not zu befreien, dann könnte es sein, dass der Herr mich nicht aus dieser herausholen will, sondern wie damals zu Paulus sagen möchte:

  • "Meine Gnade genügt dir, denn ⟨meine⟩ Kraft kommt in Schwachheit zur Vollendung." (2Kor 12:9)

In diesem Fall musste Paulus nicht daran zweifeln, dass Gott ihm diesen unerwünschten Zustand, auch zum Guten zusammenwirken lässt. Zweifel ist immer dann fehl am Platz, wenn Gott uns etwas ganz eindeutig versprochen hat. Vor seinem dreifachen Gebet versprach Gott dem Paulus nicht, dass er ihn zeitnah vom Satansengel befreien würde. Paulus zweifelte wohl kaum daran, dass Gott es gut mit ihm meinte, aber solange er von Gott keine Zusage hatte, konnte er auch nicht mit absoluter Gewissheit sagen, dass seine Not schnell verschwinden würde.

Wenn Gott uns Weisheit verspricht, nachdem wir Ihn darum gebeten haben, dann wäre es Ihm gegenüber, ein böses Misstrauen, wenn wir daran zweifeln, diese Weisheit zu bekommen. Die Weisheit Gottes wirkt sich in unserem Leben allerdings nicht so aus, dass wir anschliessend völlig problemlos unseren Lebensweg gehen könnten oder dass wir ab sofort immer die Entscheidungen treffen werden, die uns ein erfolg- und genussreiches Leben ermöglichen! Sollten wir mit einer solchen Erwartung Gott um Weisheit bitten, dann würde unsere Erwartung zwangsläufig enttäuscht. Möglicherweise würde die betroffene Person dann zu dem Schluss kommen, dass sie "die versprochene Weisheit" gar nicht bekam!

Der Mann, der an den Zusagen Gottes zweifelt, wird von Jakobus mit einer Meereswoge verglichen, die vom Wind bewegt, ständig hin und her geworfen wird (V.6). Ein Zweifel an Gottes Zusage, ist letztlich immer mit Unglauben gleichzusetzen. Wenn ich Gott misstraue, dann zweifle ich auch daran, dass Er es wirklich gut mit mir meint! Im Extremfall unterschiebt man Ihm sogar böse Motive! Aus menschlicher Sicht hätte Paulus Gott auch böse Motive unterschieben können, als Er ihm den Satansengel, der ihn mit Fäusten schlug, nicht wegnahm. Ein Zweifel an der Liebe Gottes lässt uns unbeständig werden! Wer an der Liebe Gottes zweifelt, nur weil Gott seine Nöte nicht wegnimmt, lebt in einer ständigen Ungewissheit. Er ist unbeständig auf allen seinen Wegen, weil er kein Lebensfundament hat. Ganz nach dem Motto: "Alles ist relativ!" Diese Aussage bezieht er dann auch auf die Liebe Gottes. Nichts ist so beständig, wie die Liebe Gottes! Wir Gläubigen dürfen mit absoluter Gewissheit wissen, dass wir immer mit der Liebe Gottes verbunden sind! Ganz egal was passiert. Darum schreibt Paulus:

  • "Denn ich bin überzeugt, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, noch Mächte, weder Höhe noch Tiefe, noch irgendein anderes Geschöpf uns wird scheiden können von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn." (Röm 8:38-39)

Wer das – wie Paulus – in jeder Situation glaubt, der ist beständig und steht auf einem unerschütterlichen Felsen; ganz im Gegensatz zur Meereswoge. Der Zweifler ist eine traurige Existenz, weil er von Gott nichts empfängt (V.7). Er ist mit dem Volk Israel in der Wüste zu vergleichen, das immer wieder daran zweifelte, dass Gott es wirklich gut mit ihnen meinte! Viele haben Gott sogar böse Motive unterschoben, als sie sagten:

  • "Wozu bringt uns der HERR in dieses Land? Damit wir durchs Schwert fallen und unsere Frauen und unsere kleinen Kinder zur Beute werden? Wäre es nicht besser für uns, nach Ägypten zurückzukehren?" (4Mo 14:3)

Diejenigen, die Gott böse Motive unterschieben, empfangen den verheißenen Segen nicht. Das Volk sagte zu Mose, und damit letztlich auch zu Gott, dass er sie nur deshalb in die Wüste führte, um in der Wüste vor Hunger sterben zu müssen (2Mo 16:3). Dieses ungläubige und widerspenstige Volk ist zwar nicht verhungert, aber es musste in der Wüste sterben, weil sie – im Gegensatz zu Josua und Kaleb – nicht daran glaubten, dass Gott ihnen im Kampf gegen die Riesen helfen würde, um ihnen das verheißene Land zu schenken!

Der Herr Jesus Christus möge uns Gnade und Weisheit schenken, dass wir nie an Seinen Zusagen und an Seiner Liebe zweifeln werden!

Weiter zu: 📕 Das Verwelken und der Lohn der Bewährung (Jak 1:9-12) (D. Muhl)


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