Joh 1:15-18 - Die Gnade des Ewigen

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Von Daniel Muhl

Bibeltext

Das Zeugnis von Johannes dem Täufer über Jesus ist sehr aufschlussreich und auch wunderbar. Lesen wir dazu aus Joh 1:15-18:

  • "15 Johannes zeugt von ihm und rief und sprach: Dieser war es, von dem ich sagte: Der nach mir kommt, ist vor mir geworden, denn er war eher als ich. - 16 Denn aus seiner Fülle haben wir alle empfangen, und zwar Gnade um Gnade. 17 Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben; die Gnade und die Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden. 18 Niemand hat Gott jemals gesehen; der eingeborene Sohn, der in des Vaters Schoß ist, der hat ihn kundgemacht."

Der Wegbereiter

Johannes war der Wegbereiter für den Messias Jesus. Dies tat er einerseits durch sein Leben und vor allem durch seine Verkündigung! Von Johannes wissen wir, dass Jesus ihn als den größten Menschen bezeichnet, der je von einer Frau geboren wurde. So lesen wir in Mt 11:11:

  • "Wahrlich, ich sage euch, unter den von Frauen Geborenen ist kein Größerer aufgestanden als Johannes der Täufer; der Kleinste aber im Reich der Himmel ist größer als er."

Dieser einsame Rufer in der Wüste, der so bescheiden lebte, wie kaum ein zweiter, wird von Jesus als der Größte bezeichnet! Warum? Gab es nicht auch andere, die ebenfalls herausragend waren? Denken wir nur an Elia, Elisa, Jesaja, Daniel, Hiob, Mose usw. Im Zusammenhang mit Johannes dem Täufer fällt etwas ganz besonders auf:

"Mir ist nicht bekannt, dass Johannes irgend ein besonderes Wunder tat oder eine Heilung vollbrachte! Ganz im Gegensatz zu anderen großen Gottesmännern, fehlen bei Johannes solche Wunder oder sie werden in der Schrift nicht erwähnt!"

Ich wage zu behaupten, dass die Person Johannes, selbst, das große Wunder Gottes ist! Unser Gott ist der absolute Herzenskenner und Sein Urteil lautet: "Johannes ist der Größte!" Warum das so ist, können wir nur anhand dessen erahnen, was Johannes tat und was er sagte!
Meine Vermutung geht dahin, dass Johannes in einer ganz einmaligen Weise auf Gott fokussiert war. Seine absolute Bescheidenheit basierte meines Erachtens nicht auf seiner großen Disziplin, sondern darauf, dass er durch den Heiligen Geist gelernt hat, sich an der Gegenwart Gottes zu genügen. Durch den Heiligen Geist war er so reich beschenkt, dass er ganz auf irdische Annehmlichkeiten verzichten konnte. Obwohl er wie Jesus auch in einem schwachen Leib lebte, war er ein geisterfüllter Mensch. Das zeigte sich auch daran, dass er in keiner Weise sich selbst suchte. Er suchte keine eigene Ehre; er wollte weder der religiösen noch der politischen Elite gefallen.
Seine knallharte Kritik an den Pharisäern in Mt 3:7 und seine Zurechtweisung gegenüber Herodes in Mt 14:3 machen deutlich, dass Johannes der Täufer frei von Menschenfurcht war. Ganz im Gegensatz zu Petrus. Mit seinem ganzen Sein war Johannes vollständig auf seinen Gott konzentriert und deshalb hatte er auch große Vollmacht und das vmtl. ohne nennenswerte Wunder!

Warum gehen die Menschen zu einem einsamen Eremiten, der ärmlich gekleidet war und sie weder heilte, noch sagte, wie gut sie seinen, sondern lediglich zur Buße und somit zur Umkehr aufrief? Dieses Phänomen kann man eigentlich nur mit dem unsichtbaren Wirken des Geistes Gottes erklären und das bestand unter anderem darin, dass Johannes eine ganz besondere Vollmacht hatte.
Wir reichen "Westler" können uns so ein bescheidenes Leben kaum vorstellen. Ein total anspruchsloses Leben, indem aber Gott alles ausfüllte. Durch die Inspiration des Heiligen Geistes hatte Johannes aber auch einen geistlichen Durchblick und er erkannte, dass der Messias unmittelbar vor der Tür steht! Dieses Wissen erzeugt natürlich eine glückselige Erwartung, in der man auch viel erdulden kann.

Freude oder Verdruss über den Messias

Dieses Wissen darf auch uns trösten und stärken! Auch wir erahnen, dass der Herr Jesus bald wiederkommt und diese Erwartung darf auch uns motivieren, ganz für den Herrn Jesus da zu sein. Das Beeindruckende seiner Geisterfüllung war auch seine Demut! Er konnte zurücktreten und geringer werden. So konnte er aus Freude darüber, dass er die Stimme des Bräutigams hörte auch sagen:

  • "Er muss wachsen, ich aber abnehmen." (Joh 3:30)

Doch auch Johannes erlebte seine Krise. Als er im Gefängnis saß, rechnete er vmtl. damit, dass ihn der Messias aus seiner misslichen Lage befreien würde und er vielleicht so glücklich sein durfte, ihm nachzufolgen. Doch der Messias kümmerte sich scheinbar nicht um den größten Propheten aller Zeiten, sondern liess ihm lediglich ausrichten:

  • "Geht hin und verkündet Johannes, was ihr hört und seht: 5 Blinde werden sehend, und Lahme gehen, Aussätzige werden gereinigt, und Taube hören, und Tote werden auferweckt, und Armen wird gute Botschaft verkündigt. 6 Und glückselig ist, wer sich nicht an mir ärgern wird!" (Mt 11:4b-6)

Bestand wirklich die Gefahr, dass Johannes an Jesus und an seinem Verhalten ihm gegenüber Anstoß nahm; dass er sich über Jesus ärgerte? Offensichtlich ja, denn als absolut treuer Knecht Gottes könnte man zu dem Schluss kommen:

"Gott, ich habe dir mit ganzer Kraft gedient und ich habe mich so sehr auf den Messias gefreut und jetzt darf ich nicht einmal bei ihm sein! Warum darf mein größter Wunsch nicht in Erfüllung gehen?"

Wahrscheinlich hätte sich Johannes ein anderes Ende gewünscht, als im Gefängnis zu warten, bis er dann von Herodes geköpft wurde. Wir dürfen auch mit großer Freude auf den bald wiederkommenden Jesus warten und trotzdem weiss keiner von uns, ob er die Entrückung erleben darf oder ob er vorher noch sterben muss!

Nach mir und trotzdem vor mir

Ein wichtiges Zeugnis des Täufers finden wir gerade hier in Joh 1:15:

  • Auf ihn wies Johannes die Menschen hin. »Er ist es!«, rief er. »Von ihm habe ich gesagt: Der, der nach mir kommt, ist größer als ich, denn er war schon vor mir da.« (NGÜ)

Aus irdischer Sicht stimmt das nicht, denn Johannes war ein halbes Jahr älter als Jesus. Das geht aus Lk 1 deutlich hervor. Das, was Johannes hier anspricht, ist die Präexistenz Jesu. Er war schon da, bevor die Welt erschaffen wurde. Durch ihn wurden sogar alle "Weltzeiten" (gr. Äonen) gemacht (Hebr 1:2). Er ist der Schöpfer aller Dinge; durch ihn wurden sowohl das Sichtbare wie auch das Unsichtbare geschaffen. So lesen wir in Kol 1:16:

  • "Denn in ihm ist alles in den Himmeln und auf der Erde geschaffen worden, das Sichtbare und das Unsichtbare, es seien Throne oder Herrschaften oder Gewalten oder Mächte: Alles ist durch ihn und zu ihm hin geschaffen;"

Weil die Pharisäer über die Präexistenz des Messias kaum Bescheid wussten, konnten sie die Frage Jesu auch nicht beantworten, die er ihnen in Mt 22:42ff stellte:

  • "Was haltet ihr von dem Christus? Wessen Sohn ist er? Sie sagen zu ihm: Davids. 43 Er spricht zu ihnen: Wie nennt David ihn denn im Geist Herr, indem er sagt: 44 'Der Herr sprach zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde lege unter deine Füße'? 45 Wenn nun David ihn Herr nennt, wie ist er sein Sohn? 46 Und niemand konnte ihm ein Wort antworten, noch wagte jemand von dem Tag an, ihn weiter zu befragen."

Diese Frage lässt sich nur mit der Präexistenz des Sohnes Davids erklären. Der Messias war schon immer da und er machte alle Weltzeiten. Mit dieser Erkenntnis, dürfen wir ganz zur Ruhe kommen, weil wir wissen, dass Jesus alle Zeiten in Seinen Händen hält! Wir haben gelesen, dass Johannes Zeugnis von Jesus ablegte. Zu Lebzeiten hatte Jesus 4 Zeugen für Seine Gottessohnschaft:

  1. Johannes der Täufer (Joh 1:15)
  2. Der Vater! Durch die Stimme aus dem Himmel, welche die Gegner Jesu aber nicht hörten, bzw. verstanden;
    1. Mt 3:17: Bei der Taufe Jesu
    2. Mt 17:5: Bei der Verklärung Jesu
    3. Joh 12:28: Als Gott die Verherrlichung Jesu verheisst
  3. Die Werke, die der Vater Ihm gegeben hat. Z. B. Die Wunderheilung der Blinden (Joh 9 / Jes 35:5 / Jes 42:7)
  4. Das Wort des Vaters! Das beinhaltete damals das ganze AT, welches von Jesus zeugte.

Gnade um Gnade

Der Evangelist Johannes zitiert in V. 15 Johannes den Täufer. Vmtl. stammte der V.16 nicht mehr vom Täufer! Der V.16 war sehr wahrscheinlich eine Feststellung des Evangelisten Johannes. Hier wird u. a. eine unerschöpfliche Gnade sichtbar:

  1. Gnade für die Vergebung, Errettung und Gnade für die Vergangenheit.
  2. Gnade für das Leben und die Gegenwart.
  3. Gnade für unsere Bestimmung und die Zukunft.

Wir lasen da:

  • "Denn aus seiner Fülle haben wir alle empfangen, und zwar Gnade um Gnade."

Im Griechischen lesen wir hier "charin anti charitos". Beide Wörter sind Formen des Grundwortes charis, also Gnade.

  • charin ist der Akkusativ (Wen-Fall) Singular Feminin = z.B. seiner Gnade
  • charitos ist der Genitiv (Wes-Fall) Singular Feminin = z.B. der Gnade, einer Gnade

Das Wort anti wird mit "gegenüber", "anstatt", "anstelle von", "für", "aus diesem Grund" übersetzt. Die wörtl. Übersetzung "Gnade anstatt (anstelle von) Gnade" empfinde ich verwirrend, weil es den Eindruck vermittelt, dass es hier um eine Gnade geht, die anstelle einer anderen Gnade gegeben wurde. Ich glaube, es geht hier vielmehr um eine doppelte Unterstreichung der Gnade.
Vielleicht könnte man das auch so interpretieren, dass Christus, der auch die Gnade in Person ist und es schon immer war, durch seine Ganzhingabe am Kreuz, seine Gnade auch auf einen rechtsgültigen Boden gestellt hat. Dadurch ist Gott nie ungerecht, wenn er sich den Gottlosen gnädig annimmt und ihn sogar rechtfertigt (Röm 4:5). Das ganze Wesen Gottes ist Gnade und Erbarmen, aber ohne die Schuldbeseitigung von Golgatha würde der Rechtfertigung des Gottlosen die rechtliche Grundlage fehlen! Das gnädige Wesen Gottes bewirkte auch das gnädige Handeln Gottes! Mit dem Ausdruck "Gnade um Gnade" oder "Gnade für Gnade" wird auch deutlich, ...

... dass wir in jeder Hinsicht Begnadigte sein dürfen
... dass die Gnade Gottes unsere einzige Hoffnung für unsere Rechtfertigung ist
... dass wir nur auf Seine Gnade vertrauen sollten
... und dass wir aus der Gnade denken, reden und handeln dürfen! Wenn wir so leben, dann sehen wir uns selbst, aber auch unsere Mitmenschen, immer aus der Perspektive der Gnade!

Diese Sichtweise vermittelt eine große Freude und einen tiefen Frieden, weil man sich und andere nur noch als geliebte, beschenkte und unendlich wertvolle Menschen sieht! Die Gnade Gottes darf und soll die Grundlage für unser ganzes Leben sein. Paulus erwähnte die Gnade sehr oft auch im Zusammenhang mit dem Frieden. Für ihn war dieses "Paar" fundamental wichtig. Vmtl. nicht zuletzt deshalb, weil wir dieses Wortpaar bereits in der Tora finden. Fast alle Christen und Juden kennen den aaronitischen Segen aus 4Mo 6:24-26:

  • "Der HERR segne dich und behüte dich! 25 Der HERR lasse sein Angesicht über dir leuchten und sei dir gnädig! 26 Der HERR erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden!"

Währenddem die Gnade die Grundlage unseres Lebens sein darf, ist der Friede Gottes einerseits ein unsagbares Geschenk und andererseits ein Bewahrer unserer Herzen und Gedanken (Phil 4:7). Im Weiteren leitet und führt uns der Friede Gottes im praktischen Alltag. So lesen wir in Kol 3:15:

  • "Und der Friede des Christus regiere (sei Schiedsrichter, Entscheider) in euren Herzen; zu ihm seid ihr ja auch berufen worden in einem Leibe, und werdet dankbar!"

Markus Rode (Leiter von OpenDoors Deutschland) betete einmal sinngemäss:

"Herr, wenn meine Pläne und Entscheidungen von dir sind, dann bestätige sie durch deinen Frieden und wenn sie nicht von dir sind, dann halte mich, durch einen Unfrieden in meinem Herzen, davon ab!"

Gesetz, Gnade und Wahrheit

Der Vers 17 zeigt uns, was durch Jesus Christus neu geworden ist. Durch ihn wurde die Gnade und Wahrheit Gottes sichtbar. Durch Mose kam zuerst einmal das Gesetz und dieses Gesetz hat eine ganz wichtige Funktion, die man nicht unterschätzen darf! Ohne das Gesetz käme ein Mensch nicht in die entscheidenden Prozesse hinein! Dabei ist es natürlich von zentraler Bedeutung, dass wir die Funktion des Gesetzes kennen! Eins muss ich gleich vorweg sagen:

"Das Gesetz kann uns niemals erlösen!

Der Versuch, sich selbst, durch die Einhaltung des Gesetzes, zu erlösen, ist immer und ohne Ausnahme zum Scheitern verurteilt! Ebenso kommt kein Mensch durch das Gesetz zu einer Gerechtigkeit, die vor Gott Gültigkeit hätte! Mit anderen Worten: das Gesetz kann uns niemals ans Ziel führen!" Die Funktionen des Gesetzes könnte man wie folgt zusammenfassen: Durch das Gesetz ...

  • ... wird deutlich, was die minimalen Anforderungen Gottes für unsere irdische Existenz sind (ich sage deshalb minimal, weil das Gesetz vom Sinai verlangt z. B. nicht, die Feinde zu lieben oder gar für Feinde zu sterben. Dies konnte nur Derjenige, der aus Gott geboren war und vollkommen göttlich liebte)
  • ... verstärkt sich das Bewusstsein, ein verlorener Sünder zu sein!
  • ... verliert man die Hoffnung – sofern man ehrlich zu sich selbst ist – aus eigener Kraft gerecht zu werden und deshalb ewig leben zu können.
  • ... wird das Bewusstsein immer größer, vollständig auf die Gnade Gottes angewiesen zu sein.

Darum schreibt Paulus, dass das Gesetz ein Zuchtmeister (Erzieher) auf Christus hin ist (Gal 3:24). Am Ende dieses Prozesses ist klar: "Nie kann ich durch das Gesetz eine eigene Gerechtigkeit erwerben, die vor Gott gilt!" Nur durch Seine große Gnade und durch das Vertrauen in das, was Christus für mich tat, werde ich mit göttlicher Gerechtigkeit beschenkt und gerechtfertigt, so dass ich in das Himmelreich Gottes eingehen kann! Mose brachte also das Gesetz, das die Israeliten und letztlich auch die Christen in das Bewusstsein der Verlorenheit hineingeführt hat!

Durch Jesus kam die Gnade Gottes zu uns, die größer als alle unsere Sünden ist. In Röm 5:20 aus der NGÜ lesen wir:

  • "Und das Gesetz? Es kam erst nachträglich hinzu. Seine Aufgabe war es, die ganze Tragweite der Verfehlung deutlich werden zu lassen. Und gerade dort, wo sich die Sünde in vollem Maß auswirkte, ist die Gnade noch unendlich viel mächtiger geworden."

Hier werden in einem Vers das Gesetz und die Gnade einander gegenübergestellt. Gleichzeitig macht Paulus auch deutlich, was stärker ist und was letztlich siegt: Die Gnade! So wie die Gnade siegt, so steht auch das Erbarmen Gottes über dem Ungehorsam (o. Unglauben) und über dem Gericht. Dazu lese ich aus Röm 11:32 und Jak 2:13:

  • "Denn Gott hat alle miteinander in den Unglauben verschlossen, damit er sich über alle erbarme."
  • "Denn das Gericht wird ohne Barmherzigkeit sein gegen den, der nicht Barmherzigkeit geübt hat. Die Barmherzigkeit triumphiert über das Gericht."

Warum aber sagt Johannes, dass durch Jesus nicht nur die Gnade, sondern auch die Wahrheit geworden ist? War das, was Mose sagte, nicht auch die Wahrheit? Natürlich entsprach das Gesetz der Wahrheit; natürlich war das Gesetz richtig und gut, aber es offenbarte nicht die alles überwältigende Liebe Gottes. Das Gesetz offenbarte noch nicht das innerste Wesen Gottes und somit auch die innerste Wahrheit! Durch das Gleichnis der verlorenen Söhne (Lk 15:11ff) offenbarte Jesus ein ganz wesentlicher Teil von Gottes Charaktereigenschaften. An dieser Stelle wurde ein Teil der innersten Wahrheit Gottes offenbar! Von Jesus wissen wir, dass Er die Wahrheit ist (Joh 14:6). Er allein konnte uns den Zugang zur innersten Wahrheit Gottes eröffnen!

Der einzig von Gott Gezeugte

In V.18 lesen wir in der Übersetzung von H. Schumacher:

  • "Niemand hat Gott je gesehen; der einziggezeugte Gott, der in der nächsten Nähe des Vaters sein Dasein hat, der hat [ihn] kundgemacht."

Das Wesen, bzw. die Charaktereigenschaften Gottes konnte nur derjenige offenbaren, der aus Gott geboren war! Er konnte es auch nur deshalb tun, weil er den Vater in seiner Wirklichkeit gesehen hat! Der aus Gott Geborene und der, der Ihn gesehen hatte, war Ihm gleich, und zwar, was das Wesen betrifft! Nur in Seiner Gottgleichheit konnte er so vollkommen lieben, wie auch der Vater liebte. Das Sehen und Erkennen Gottes ist die Grundlage dafür, Ihm gleich zu sein. Das macht Johannes auch in seinem ersten Brief deutlich:

  • "Doch eines wissen wir: Wenn Jesus in seiner Herrlichkeit erscheint, werden wir ihm gleich sein; denn dann werden wir ihn so sehen, wie er wirklich ist."

Das Sehen, wie Er ist, bewirkt dieses Gleich-sein! An dieser Stelle wird deutlich, wie wichtig das Erkennen Gottes und Jesu Christi ist. Je mehr Christen das Wesen und die Charaktereigenschaften Gottes erkennen und sich damit Eins-machen, desto mehr werden sie auch in das Bild Jesu Christi verwandelt! Darum schreibt Paulus auch in 2Kor 3:18:

  • "Wir alle aber schauen mit aufgedecktem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn an und werden so verwandelt in dasselbe Bild von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, wie es vom Herrn, dem Geist, geschieht."

Veränderung geschieht durch Anschauen! Das, was wir anschauen formt und gestaltet uns! Deshalb war auch das Gebetsanliegen des Apostels Paulus in Kol 1:9-10 wie folgt:

  • "Deshalb hören auch wir nicht auf, von dem Tag an, da wir es gehört haben, für euch zu beten und zu bitten, dass ihr mit der Erkenntnis seines Willens erfüllt werdet in aller Weisheit und geistlichem Verständnis, 10 um des Herrn würdig zu wandeln zu allem Wohlgefallen, fruchtbringend in jedem guten Werk und wachsend durch die Erkenntnis Gottes."

Wir sehen hier, dass wir dann geistlich wachsen können, wenn wir in der Erkenntnis Gottes fortschreiten. Damit ist keineswegs nur ein umfassendes Bibelwissen gemeint, sondern vor allem, ein "Sich-eins-machen" mit dem Herzen Gottes, mit Seinen Anliegen und Seinen Gedanken.
Das wiederum geschieht durch ein betendes Bibellesen und durch eine liebevolle Vertrauensbeziehung zu Jesus Christus! Die Erkenntnis Jesu Christi war für Paulus so wichtig, dass er den Philippern Folgendes schrieb:

  • "Ja wirklich, ich halte auch alles für Verlust um der unübertrefflichen Größe der Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn, willen, um dessentwillen ich alles eingebüßt habe und es für Dreck halte, damit ich Christus gewinne!" (Phil 3:8)

Das Erkennen Gottes und Jesu Christi, sollten wir mehr anstreben, als alles andere, was sonst noch erstrebenswert ist! Der Herr Jesus Christus möge uns dieses immer mehr schenken!


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