Ein Lehrer Israels erhält einen nächtlichen Einzelunterricht – Teil 3 (Joh 3:17-21)

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Von Daniel Muhl

Bibeltext

Licht in der welt.png
Nachdem Jesus (in V. 16) dem Nikodemus die Liebes Gottes wunderbar vor Augen geführt hat, fährt er wie folgt weiter:
  • Joh 3:17-21 - Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richte, sondern damit die Welt durch ihn errettet werde. Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er nicht geglaubt hat an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes. Dies aber ist das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen haben die Finsternis mehr geliebt als das Licht, denn ihre Werke waren böse. Denn jeder, der Böses tut, hasst das Licht und kommt nicht zu dem Licht, damit seine Werke nicht bloßgestellt werden; wer aber die Wahrheit tut, kommt zu dem Licht, damit seine Werke offenbar werden, dass sie in Gott gewirkt sind.

Unser Zustand der Verlorenheit hatte das Liebeshandeln Gottes zur Folge

Aus dem vorangehenden Text wird ersichtlich, dass jeder, der von "der Schlange" gebissen wurde, nur noch eine Möglichkeit hatte, diesen tödlichen Biss zu überleben:

"Er musste die kupferne Schlange, die an einem Holzstab befestigt war, anschauen. Nur der Blick auf diese Schlange ermöglichte ein Überleben!"

Da alle Menschen gesündigt haben, sind auch alle mit dem Gift des Todes infiziert. Ein Überleben gibt es nur dann, wenn die Menschen auf Den schauen, der sich am Schandpfahl wie eine Schlange präsentierte. Aber warum ist das so? Weil Jesus aus Liebe zu allen Menschen, die Schuld der ganzen Welt auf sich lud und sich am Kreuz für uns zur Sünde machen ließ (2Kor 5:21), ist jetzt das Gift des Todes für jeden Glaubenden unwirksam geworden. Das darf nun jeder Glaubende für sich in Anspruch nehmen. Wir können bei diesem Geschehen aber auch die überwältigende Liebe des himmlischen Vaters erkennen! Wer diese Liebe mit dem Herzen (nicht nur mit dem Verstand) erkennen durfte, ist mit dieser Liebe erfüllt und will nichts anderes mehr, als Gott und seine Mitmenschen auch zu lieben!
Dass ihm das oft noch nicht gelingt, ist eine andere Sache und hängt mit dem geschilderten Problem aus Röm 7 zusammen!

Das Liebeshandeln Gottes und seine Auswirkungen auf die Menschen

Jesus hatte also dem Theologie-Professor die Liebe Gottes vor Augen gemalt und anschließend zeigte er auf, was das für weitere Auswirkungen hat:

  1. Es kommt zur Rettung anstelle des Gerichtes
  2. Der biblische Glaube verhindert eine Verurteilung
  3. Der Wahrhaftige kommt zum Licht und muss sich nicht weiter in der Finsternis verstecken
  4. Nur in Gott können Werke mit Ewigkeitswert entstehen!

Das sind die positiven Auswirkungen, wenn man den Sohn Gottes angenommen hat. Doch eine Mehrheit nimmt Ihn nicht an und deshalb wirkt sich die Gegenwart des Sohnes Gottes bei ihnen anders aus:

  1. Wer Gott nicht vertraut, ist schon gerichtet, bzw. verurteilt
  2. Viele Menschen wollen das Licht nicht und lieben die Finsternis mehr als das Licht, weil ihre Werke böse sind
  3. Sie hassen das Licht, damit ihre (bösen) Werke nicht aufgedeckt werden
  4. Dadurch sind sie außerhalb der Wahrheit und befinden sich weiterhin im finsteren Lügengebäude dieser Welt

Das einzige Mittel gegen diese negativen Auswirkungen ist den Worten Gottes Vertrauen zu schenken und wahr zu werden, um so zum Licht zu gelangen. Wer zum Licht gekommen ist, tut Werke, die in Gott gewirkt sind.

Nicht Gericht, sondern Rettung

Die Aussage Jesu in V. 17 wird dann etwas ganz Besonderes, wenn wir unser christliches Denken etwas ausblenden und uns sowohl in das Denken der damaligen Zeit als auch in das weltliche Denken hineinversetzen. Sowohl die Welt von damals als auch die von heute, ist ein Raum der großen Ungerechtigkeit. Wir leben in einem Kosmos der Lüge, des Betrugs und der Rücksichtslosigkeit! Die Reichen werden immer reicher und die Armen immer ärmer. Fast alle schreien bewusst oder unbewusst nach Gerechtigkeit und viele würden sich einen gerechten Richter wünschen, der alle Ungerechtigkeiten verurteilt – und das ohne Rücksicht auf die Person – damit die "Bösen" endlich der gerechten Strafe zuführt werden!

Wie viele Juden hätten sich damals die Bestrafung der römischen Besatzungsmacht gewünscht und wie viele empörten sich über die Ungerechtigkeiten des Königs Herodes (Mk 6:17)? Viele litten unter der ständigen Korruption der Zöllner oder unter der Überheblichkeit der Pharisäer. Aus Sicht der Menschen, müsste diesen vielen Ungerechtigkeiten endlich einmal Einhalt geboten werden. So gab es damals viele Leute, die meinten:

"Wenn der Messias kommen wird, dann wird er diesen „Sauladen“ endlich aufräumen und ein gerechtes Gericht durchführen! Ein gerechtes Gericht über die Welt war und ist nach wie vor dringend notwendig!"

Aber aus der Sicht Gottes sah das alles ein bisschen anders aus! In Seinen Augen gibt es nicht nur ein paar korrupte Zöllner und Regenten, die es zu beseitigen gilt; nein, aus Seiner Sicht waren alle Menschen ungerecht und alle verdienten eine Bestrafung! Alle müssten gerichtet und abgeurteilt werden!
Wenn Gott den "Sauladen" damals aufgeräumt hätte, dann hätte keiner überlebt! Doch das Aburteilen und Verdammen war und ist nie der Herzenswunsch Gottes! Sein Wille ist und bleibt, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen (1Tim 2:4). Sein Wunsch und Seine tiefste Absicht waren seit je her das Retten! Der Name "Jesus" heißt nichts anderes als "Jahweh ist Rettung"!

Vielleicht hatte sich Nikodemus vom Messias auch gewünscht, dass dieser endlich einmal die Bösen dieser Welt verurteilt und richtet, damit in Israel endlich "Gerechtigkeit und Frieden" Einzug halten können. Doch für Gott stand die Rettung der Welt im Fokus! Eine Rettung der Welt war aber nur möglich, wenn Gott selbst, das größte Problem dieser Welt löste! Er wusste von Anfang an:

"Die Schuldfrage, bzw. das Schuldproblem muss zuerst gelöst werden und dieses Problem kann nur Er allein lösen! Kein einziges Geschöpf, auch kein Engelfürst, ist dazu in der Lage!"

Jesus macht also klar: "Nicht das Gericht über die Welt ist jetzt dran, sondern die Rettung der Welt!"
Die Welt retten wollten schon viele, aber praktisch alle wollten dies, indem sie zuerst das taten, was in ihren Augen gerecht war und nicht Wenige meinten, sie müssten dabei zuerst alle ihre Gegner ausschalten!
Wie anders ist doch Gott! Er befreit Seine Gegner (die Ihm feindlich gesinnte Welt) von ihrer Schuld, indem Er sie selbst trägt und allen das Angebot einer uneingeschränkten Versöhnung macht!

Gott wusste von Anfang an, dass eine Welt nicht in erster Linie durch ein gerechtes Gericht gerettet wird, sondern durch eine grundlegende Veränderung aller Herzen! Damit dies geschehen konnte, musste Er zuerst die Schuldfrage lösen, indem Er alle Schuld auf Seinen Sohn lud! Dadurch kam es zu einer umfassenden Vergebung und bedingungslosen Beschenkung mit der göttlichen Gerechtigkeit! Gleichzeitig kann ein Mensch dadurch die vergebende Liebe Gottes erfahren und auch erkennen. Allein durch diesen Vorgang und durch das Wirken des Heiligen Geistes kommt es zu der Veränderung, bzw. Erneuerung des menschlichen Herzens!

Das Vertrauen auf Gottes Tat und Zusage bewahrt vor dem Gericht

Vers 18 zeigt uns den Weg aus der Verurteilung:

  • Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er nicht an den Namen des einziggezeugten Sohnes Gottes geglaubt hat.

Wer auf das Wirken Gottes am Kreuz und auf Seine Zusage der Vergebung vertraut, kommt nicht in das Gericht, in das er eigentlich kommen müsste. Auch wird er nicht zu der gerechten Strafe verurteilt, die er eigentlich verdient hätte!
Zu seiner Rettung muss ein Mensch gar nichts tun, außer, dem Handeln und den Zusagen Gottes Vertrauen schenken! Wer auf Gott vertraut, wird nicht gerichtet! Was für ein Geschenk der Liebe Gottes! Es gibt keine Verurteilung und keine Verdammnis mehr für alle, die Ihm vertrauen und für alle, die sich in Jesus Christus bergen. Darum schreibt Paulus so wunderbar:

  • Also ist jetzt keine Verdammnis (w. nicht eine Verurteilung) für die, die in Christus Jesus sind. (Röm 8:1)

Den Beginn von Vers 18 könnte man auch wie folgt übersetzen: "Der in Ihn hinein Vertrauende, wird nicht gerichtet". Diese Übersetzung zeigt dann an, welche Auswirkungen eine gelebte Vertrauensbeziehung zu Gott hat, nämlich; das Hinein-versetzt-werden in den Christus! In Christus wird niemand gerichtet!

In Bezug auf das Richten sagt uns Paulus noch etwas sehr Aufschlussreiches:

  • "Wenn wir uns aber selbst beurteilten, so würden wir nicht gerichtet." (1Kor 11:31)

Meines Erachtens geht es hier um ein "selbstkritisches Beurteilen" der eigenen Einstellung, aufgrund des Wortes Gottes. Wer dies tut, wird sein eigenes Denken je länger, je mehr so beurteilen, wie auch Gott es beurteilt. Dadurch verurteilt man sein egoistisches Denken und gleichzeitig gewinnt das "Denken der Liebe" immer mehr an Gewicht. Die Betreffenden lernen aus der Gnade zu leben und werden dadurch auch nicht mehr gerichtet.

"Schon gerichtet"?

Der Vers 18 wirft natürlich sofort auch eine Frage auf: "Warum ist derjenige, der den Zusagen Gottes nicht vertraut, schon gerichtet?" Wir sehen viele Ungläubige, die scheinen sehr erfolgreich und "glücklich" zu leben. Wir sehen vielleicht etwas Ähnliches wie Asaph in Ps 73:3:

  • Denn ich beneidete die Übermütigen, als ich das Wohlergehen der Gottlosen sah.

Was meinte Jesus mit "schon gerichtet"? Unter "gerichtet" verstehen wir oft fälschlicherweise "sich in einem Strafgericht befinden". Wer das Gnadenangebot Gottes und die Vertrauensbeziehung zu Ihm ablehnt, wird entweder nach dem bekannten Gesetz Gottes gerichtet oder aber durch seinen eigenen Mund (2Sam 1:16 / Röm 2:1)!
Sollte ein Mensch das Gesetz Gottes nicht kennen, dann ist er sich selbst Gesetz! Immer dann, wenn er sich über das Verhalten seiner Mitmenschen ärgert, hat er bewusst oder unbewusst dieses Verhalten als nicht akzeptabel deklariert und somit eine Verhaltensregel gesetzt, die man seiner Meinung nach einhalten sollte. Dadurch hat er ein ungeschriebenes Gesetz erstellt.
Wenn ein Mensch meint, er habe nie die Fehler begangen, die andere machten und über die er sich ärgerte, dann irrt er sich gewaltig! Fast jedes Mal, wenn wir andere verurteilt haben, haben wir theoretisch auch uns selbst verurteilt, weil wir schon Ähnliches in einer anderen Form getan haben (wenn nicht buchstäblich, so doch im Herzen). Leider ist uns das oft gar nicht bewusst.

Wie oft habe ich mich schon über das Verhalten eines Autofahrers geärgert, weil er z. B. wie eine Schnecke durch eine Ortschaft fuhr. Gleichzeitig war mir dabei nicht bewusst, wie ich das auch schon tat, als ich in einer fremden Stadt nach der richtigen Straße suchte. Da kann ich nur sagen: "Wehe uns, wenn wir Menschen durch unsere eigenen Worte gerichtet werden!"
Jeder Mensch, der die Vergebung Gottes und das Geschenk Seiner Gnade bewusst ablehnt, der ist schon verurteilt, bzw. gerichtet, und kommt irgendwann in das Erziehungsgericht Gottes! David, der mehrheitlich ein gerechter König war, verurteilte einen reichen Mann, der seinem armen Nachbarn sein einziges Schaf wegnahm, um es einem Gast zuzurichten (2Sam 12:5)! Keine Sekunde dachte er daran, dass er der Mann war! Sein eigener Mund hat ihn verurteilt und gerichtet und wäre da nicht Gott gewesen, der ihm diese Schandtat vergeben hätte, dann wäre David verloren gewesen! Nur das Vertrauen auf Gottes Gnade und Vergebung rettete David vor der Verlorenheit! Es ist sehr weise, wenn wir niemanden verurteilen und wenn wir mit allen Menschen barmherzig sind! Das bedeutet aber nicht, dass wir auch die Sünde nicht verurteilen sollen! Die Menschen brauchen Barmherzigkeit, aber nicht deren Sünden! Wer aber keine Barmherzigkeit übt, wird auch bei Gott kaum Erbarmen bekommen! Wer sich in der Barmherzigkeit übt, wird auch Barmherzigkeit erlangen! Darum sagt Jesus auch:

  • Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. (Lk 6:36)

und:

  • Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet! (Mt 7:1)

Eigentlich wäre es logisch, wenn böse Menschen mit anderen Menschen sehr nachsichtig wären, da sie ja selbst so viele Fehler machen; aber in den meisten Fällen ist das Gegenteil der Fall! Böse Menschen sind häufig Weltmeister im Verurteilen und im "Sich-empören"! Sie sind in den allermeisten Fällen sehr unbarmherzig und erwarten von allen anderen Rücksicht auf ihre Bedürfnisse, währenddem sie selbst völlig rücksichtslos durch das Leben marschieren. Je böser ein Mensch ist, desto verurteilender ist er auch!

Wer die Gnade und die Vergebung Jesu bewusst ablehnt, wird entweder durch das ihm bekannte Gesetz oder durch seinen eigenen Mund verurteilt! Obwohl ich im Vergleich mit anderen Menschen viel Verständnis für die Fehler anderer habe, so wäre es trotzdem eine große Katastrophe für mich, wenn Gott mich nach meinem eigenen Mund richten würde! Zum Glück darf ich eine Vertrauensbeziehung zu Gott haben und daran glauben, dass Er mir durch Jesus Christus Gnade und Vergebung geschenkt hat! Zu V. 18 schreibt H. Schumacher in seinen Anmerkungen noch eine andere Übersetzungs- bzw. Auslegungsvariante:

  • "... wer aber nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er im Blick auf den Namen des einziggezeugten Sohnes Gottes Glauben und Vertrauen verweigert hat!"

Zu Vers 18 möchte ich aber noch einen anderen Aspekt aufzeigen! Wer eine Vertrauensbeziehung zu Gott hat, der hat eine Verbindung zu Gott und somit auch zum wahren göttlichen Leben hergestellt! Durch diese Verbindung gehöre ich zu Gott und zum wahren Leben! Ich bin ein Teil von Ihm geworden; ein Glied am Leibe des Herrn Jesus Christus! Ich bin Teilhaber der göttlichen Lebensgemeinschaft!
Ohne diese Verbindung bin ich auf mich alleine gestellt und habe keinen "Draht" zum göttlichen Leben! Fehlt mir eine liebevolle Vertrauensbeziehung zu Gott, bin ich vom göttlichen Leben getrennt und darum bin ich in den Augen Gottes auch tot, obwohl ich vielleicht noch quicklebendig über die Erde springe (Mt 8:22)! Wer das Liebesangebot Gottes bewusst ablehnt, ist faktisch schon gerichtet und kann dem "Strafvollzug" nicht mehr ausweichen! Graphisch könnte man das so darstellen:
Joh 3 18.png

Die Liebe zur Finsternis → Das gegenwärtige Gericht

Die Liebe zur Finsternis ist die Ursache für das (gegenwärtige) Gericht. Die Liebe zur Finsternis resultiert aus den bösen Werken, die verborgen bleiben sollen. So lesen wir in den nächsten 2 Versen folgende Aussage Jesu:

  • Das aber ist das Gericht: Das Licht ist in die Welt gekommen, doch die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht, denn ihre Werke waren böse. Jeder nämlich, der Schlechtes treibt, hasst das Licht und kommt nicht zum Licht, damit seine Werke nicht aufgedeckt werden. (Joh 3:19-20)

Bevor das Licht in die Welt kam, konnte man zwar einigermaßen zwischen gut und böse unterscheiden; man konnte feststellen, welches Verhalten böse war und alle, die ehrlich zu sich selbst waren, konnten auch erkennen, dass sie es nicht fertigbringen, durchwegs gut zu sein!

Aber es war so ziemlich allen Menschen verborgen, wie es zu einer Befreiung von Schuld kommen kann und wie man Besitzer des göttlichen Lebens werden kann. Die Darbringung von Sündopfern nahm die Schuld zwischenzeitlich weg; aber es bewirkte keine bleibende Befreiung der gesamten Lebensschuld. Es bewirkte lediglich ein Erinnern an die Sünden (Hebr 10:3-4), Wer die Erscheinung des Sohnes Gottes wahrnehmen sowie das große Vergebungsangebot Gottes erkennen durfte und dieses Liebesangebot bewusst ablehnt, ist schon gerichtet und bleibt in der Finsternis. Die mögliche Lebensverbindung bleibt unterbrochen und das göttliche Gerichtsurteil ist bereits ausgesprochen. Dieses Verharren in der Finsternis beinhaltet bereits auch ein gegenwärtiges Gericht, weil sich die betroffenen Menschen selbst einer Befreiung entziehen. Zu V. 19 schreibt H. Schumacher:

"Johannes kennt ein gegenwärtiges Gericht: Wer sich bewusst gegen Jesus und für die Finsternis entscheidet, steht damit auf der Seite derer, die "verloren gehen" (Joh 3:18,19). – Davon zu unterscheiden ist der zukünftige Gerichtsvollzug (Joh 5:28,29 - Joh 12:48 - Offb 20:11-15)."

Das Problem, das Jesus hier anspricht, möchte ich anhand einer kleinen Geschichte erläutern:

Stellen wir uns einen Gefangenen vor, der in einem dunklen Kerker sein Dasein fristet. Nach Jahren der Isolationshaft, in einem schrecklichen Verließ, hat er zerrissene Kleider, die nach Kot und Urin stinken. Er ist zu einer ganz erbärmlichen "Kreatur" geworden! Doch dann kommt ein Rechtsanwalt in seine Zelle, der zu ihm Folgendes sagt: "Deine Schuld wurde von jemand anderem bezahlt! Du kannst den Kerker jetzt verlassen!" Doch der Gefangene lehnt ab, weil er seine schmutzigen Kleider sieht und sich schämt, damit ans Tageslicht zu treten. "Ich kann den Gedanken nicht ertragen, wenn alle anderen sehen, wie dreckig und stinkend ich bin! Auch werde ich zum Gespött der Leute, wenn sie meine zerrissenen Kleider sehen. Da bleibe ich lieber in dieser Finsternis sitzen." Aus lauter "Sorge um sein Ansehen" hat der Gefangene dem Rechtsanwalt nicht mehr weiter zugehört, als dieser zu ihm sagte, dass man für ihn ein Wasserbad zubereitet hat und auch neue Kleider für ihn bereit liegen. Ebenso hörte er nicht mehr, wie der Anwalt von seinen Freunden sprach, die ihm draußen einen freudigen Empfang vorbereitet haben. Alle diese guten Dinge kann der Gefangene jetzt nicht in Anspruch nehmen, weil er das Angebot des Anwalts nicht annehmen wollte, sodass er weiter unter seinem ursprünglichen Gerichtsurteil leben muss. Er kommt nicht in die Freiheit, weil er sich um sein Ansehen sorgt und weil er nicht genau bis zum Schluss dem Rechtsanwalt zugehört hat!

Diese Geschichte verdeutlicht ein stückweit die Aussage Jesu, dass die Menschen, welche das Liebesangebot Gottes bewusst ablehnen, schon gerichtet sind und nicht ans Licht treten wollen.
Natürlich beinhaltet die Aussage Jesu noch viel mehr als das eben Gesagte! Eins ist völlig klar: "Alle Menschen haben Schlechtes getan und alle haben es auch schon mehr oder weniger bewusst getan!" Einige haben das 'Glück', dass ihnen nicht wohl dabei ist und sich von ihrem üblen Verhalten am liebsten befreien würden. Sie merken aber, dass sie sich selbst nicht davon befreien können und so haben sie den Mut, bzw. die Demut, sich Hilfe zu suchen! Manche suchen sie in irgendeiner Religion oder Philosophie. Andere suchen ihre Befreiung in der Esoterik oder vielleicht sogar in okkulten Praktiken oder anderen Dingen. Doch irgendwann einmal schenkt Gott die wunderbare Gnade, wo Er ihnen in Jesus Christus begegnet und ihnen eine umfassende, bleibende Befreiung schenkt.

Leider gibt es auch solche, die mit ihrem üblen Verhalten 'gute Erfahrungen' gemacht haben, weil sie damit reich geworden sind und sich viele irdische Annehmlichkeiten leisten können. Sie leiden nicht unter ihrem egoistischen und betrügerischen Verhalten, weil sie den 'kurzzeitig materiell positiven Auswirkungen' mehr Gewicht geben als einem gerechten Verhalten. Die lustvolle Begierde, die den Menschen zu einem Verbrauchsartikel degradiert, rechtfertigen sie in aller Öffentlichkeit und den Betrug, der in der Gesellschaft geächtet ist, verheimlichen sie! Den Mord im Mutterleib bezeichnen sie als das "gute Recht" jedes einzelnen, aber die praktizierte Pornographie mit Kindern müssen sie (noch) in der Finsternis verbergen!

Manchmal fällt eine Gesellschaft so tief, dass man nicht mal mehr solche Gräueltaten verbergen muss. In Sodom und Gomorra musste man die Massenvergewaltigung von fremden Männern nicht mehr verbergen; da konnte das sogar in aller Öffentlichkeit praktiziert werden! Wenn es so weit gekommen ist, hat eine Gesellschaft buchstäblich ihr Ende erreicht und ist für das Feuergericht Gottes überreif geworden!

Gewisse Bosheiten müssen nur so lange verborgen bleiben, wie sie gesellschaftlich geächtet sind und wenn sie nicht mehr geächtet sind, dann hat eine Gesellschaft ihren Tiefpunkt erreicht!

Solange man das Böse tun will, muss man das Böse, das geächtet wird, in der Finsternis verbergen! Genau deshalb liebt man die Finsternis und hasst gleichzeitig das Licht! Doch das ist ein kurzsichtiges Denken, denn vor Gott liegt alles offen und bloß! Er sieht auch das, was in der tiefsten Finsternis verborgen ist! Er sieht die dunkelsten Gedanken eines jeden Menschen!

Wohl einem Menschen, der das Böse nicht mehr tun will und der den Mut, die Demut hat, seine bösen Taten vor Gott und den Menschen zu bekennen, weil das der erste Schritt in die wahrhaftige Befreiung ist!

Wenn wir unsere bösen Werke und Gedanken vor Gott bekennen, dann sind diese Dinge am Licht! Durch das Vertrauen in das reinigende Blut Jesu werden wir dann von diesen üblen Dingen befreit! Darum schreibt Johannes in seinem ersten Brief ganz einfach:

  • "Doch wenn wir unsere Sünden bekennen, erweist Gott sich als treu und gerecht: Er vergibt uns unsere Sünden und reinigt uns von allem Unrecht, ´das wir begangen haben`. Wenn wir behaupten, wir hätten nicht gesündigt, machen wir Gott zum Lügner und geben seinem Wort keinen Raum in unserem Leben." (NGÜ1Jo 1:9-10)

Die Wahrheit tun und Gewirktes in Gott

In V. 21 lesen wir den allerletzten Satz, den Jesus zu Nikodemus spricht:

  • wer aber die Wahrheit tut, kommt zu dem Licht, damit seine Werke offenbar werden, dass sie in Gott gewirkt sind.

Nikodemus wird von Jesus mit einem Satz entlassen, der in ihm das entscheidende Bewusstsein für seinen weiteren Weg vermittelt.

Nicht alle Grundtexte enthalten hier diesen ganzen Satz! So lesen wir im Sinaiticus nur noch:

  • "da in Gott Gewirkte sind!"

Den längeren Vers finden wir im Codex Alexandrinus und im Codex Vaticanus. Man könnte sich deshalb auf den Standpunkt stellen, dass Jesus nur mit der Bemerkung schließt: "In Gott ist alles Gewirkte!" Das ist theologisch auch absolut richtig! Alles was Ewigkeitswert hat, hat Gott allein gewirkt und wir können nur dann Dinge mit Ewigkeitswert bewirken, wenn wir in den Werken wandeln, die Gott zuvor bereitet hat (Eph 2:10). Kein einziges Geschöpf kann irgendetwas aus sich selbst bewirken, das Ewigkeitswert besitzen würde! Darum hat schon Salomo geschrieben:

  • "Ich habe erkannt, dass alles, was Gott tut, für ewig sein wird: Es ist ihm nichts hinzuzufügen und nichts davon wegzunehmen; und Gott hat es so gemacht, damit man sich vor ihm fürchte." (Pred 3:14)

Diese Erkenntnis ist für Selbstsüchtige und Ehrsüchtige ein Ärgernis oder eine Torheit, weil damit alles, was sie aus sich selbst gewirkt haben, in den Augen Gottes wertlos sein soll oder, weil sie es einfach nicht glauben können!
Für Menschen, die auf Gott vertrauen, ist es unglaublich befreiend, weil sie nicht mehr unter dem Druck stehen, etwas aus sich selbst tun zu müssen, um bei Gott oder bei den Menschen angenommen zu werden.

Der erste Satzteil "... wer aber die Wahrheit tut, kommt zu dem Licht, damit seine Werke offenbar werden, ..." war ursprünglich vielleicht gar nicht vorhanden. Möglicherweise hat dies Jesus gar nie gesagt. Auch wenn ich nicht mit Sicherheit sagen kann, ob dieser Satzteil wirklich dazu gehört, so möchte ich trotzdem noch ein paar Gedanken dazu äußern. Was heißt hier "die Wahrheit tun"?
"Die Wahrheit tun", im absoluten Sinne, konnte eigentlich nur einer! Nur Derjenige, der auch die Wahrheit in Person ist (Joh 14:6), kann die Wahrheit, im absoluten Sinne, tun! Wenn wir in Christus sind und in den, von Gott vorbereiteten, Werken wandeln, dann tun wir ebenfalls die Wahrheit! Aus dem Textzusammenhang wird deutlich, dass diejenigen, die das tun, zum Licht kommen, weil sie vor Gott (und den Menschen) nichts verbergen müssten, was sie gedacht oder getan haben.

Wenn ich meinen Bruder mit meinem Mund segne und gleichzeitig in Gedanken über ihn fluche, ihn verachte und ihm dadurch seine Würde, bzw. Wert raube, dann kann ich nicht mit einem unbeschwerten und reinen Gewissen vor Gott treten! Dann ist es immer noch so, dass ich mein Herz und meine Gedanken verstecken möchte. Es trifft immer noch zu, dass ich die Finsternis dem Licht vorziehe, damit niemand sieht, wie ich meinem Bruder geflucht habe! Wenn ich aber sowohl mit dem Herzen als auch mit dem Mund meine Mitmenschen und auch die Obrigkeit segne, dann könnte Gott mein Herz allen offenbaren, ohne dass ich mich dafür schämen müsste! Wenn ich für die Regierung bete und sie auch von ganzem Herzen segne, dann heißt das nicht automatisch, dass ich alles gutheiße, was die Regierung tut, aber es existiert weder Verachtung noch Hass in meinem Herzen und genau da möchte Gott mich haben!

Er möchte aus uns Wesen Seiner Liebe machen! Er möchte nicht nur, dass wir gelernt haben, nett und anständig zu sein; nein, Er möchte, dass wir durch und durch mit Seiner Liebe gefüllt sind, sodass wir nur noch aus dieser Liebe denken, reden und handeln! Wer so mit und aus Gott lebt, kommt gerne zum Licht und damit zu Jesus Christus! Er scheut die Wahrheit nicht und ist mit Gott völlig d'accord!

Ein Mensch kann nur dann wirklich wahrhaftig und authentisch sein, wenn sein Herz ganz mit der göttlichen Liebe erfüllt ist. Ohne diese Liebe fallen wir immer wieder in die Heuchelei und hätten auch Mühe ganz frei und unbeschwert zum Licht Gottes zu kommen! Dem HERRN sei Dank, dass Er uns Seine Liebe in unsere Herzen ausgegossen hat (Röm 5:5)!


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