Welt- und Heilsgeschichte der Ekklesia: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Bibelwissen
Wechseln zu: Navigation, Suche
 
Zeile 7: Zeile 7:
 
''Siehe weitere [http://www.bibelwissen.ch/wiki/Abschriften <big>'''Abschriften'''</big>]''<br/>
 
''Siehe weitere [http://www.bibelwissen.ch/wiki/Abschriften <big>'''Abschriften'''</big>]''<br/>
 
''[https://www.bibelwissen.ch/wiki/Die_Gemeinde_Jesu_Christi <big> '''Inhaltsverzeichnis'''''</big>]<br/><br/>
 
''[https://www.bibelwissen.ch/wiki/Die_Gemeinde_Jesu_Christi <big> '''Inhaltsverzeichnis'''''</big>]<br/><br/>
 
<big>[[In Bearbeitung]]</big><br/><br/>
 
  
 
==II. Welt- und Heilsgeschichte der Ekklesia ==
 
==II. Welt- und Heilsgeschichte der Ekklesia ==
Zeile 15: Zeile 13:
 
Weltgeschichte berichtet den Verlauf des Heilsgeschehens; Heilsgeschichte berichtet den Verlauf des Heilsgeschehens. Beide Berichte sind voneinander nicht zu trennen, denn: die von Gott geschaffene Welt ist in Sünde gefallen und hat seit der Zeit eine Entwicklung in der Gottabwendung. Dieselbe Welt muss durch Gott erlöst werden und  hat zu gleicher Zeit, soweit sie schon erlöst ist, eine Entwicklung in der Gottzuwendung. Beide Entwicklungslinien durchkreuzen sich fortgesetzt und sind so miteinander verflochten und verwoben, dass sie nicht zu trennen sind.  
 
Weltgeschichte berichtet den Verlauf des Heilsgeschehens; Heilsgeschichte berichtet den Verlauf des Heilsgeschehens. Beide Berichte sind voneinander nicht zu trennen, denn: die von Gott geschaffene Welt ist in Sünde gefallen und hat seit der Zeit eine Entwicklung in der Gottabwendung. Dieselbe Welt muss durch Gott erlöst werden und  hat zu gleicher Zeit, soweit sie schon erlöst ist, eine Entwicklung in der Gottzuwendung. Beide Entwicklungslinien durchkreuzen sich fortgesetzt und sind so miteinander verflochten und verwoben, dass sie nicht zu trennen sind.  
  
Wie Fall und Rettung der Welt nicht zu leugnen und beide Ereignisse aufeinander bezogen zu bewerten sind, - denn die Verlorenheit sucht die Rettung, und die Rettung wird angeboten, solange die Verlorenheit besteht -, so sind die beiden Ereignisse auch  '''zeitlich''' nicht zu trennen. Wohl währt der Fall Jahrtausende; aber es ist nicht so, dass erst nach Jahrtausenden die Rettung erfolgt. Nein, die Rettung setzt im Augenblick des Falles ein! Wenn dann auch die folgen des Falles sich noch auf Jahrtausende erstrecken, so hat in der Zeit auch die Rettung ihr Werk erwiesen und läuft in derselben Dauer zielwärts, weil Überwindung des Falles offenbart ist. Weltgeschichte in der Blickrichtung des Falles, und Heilsgeschichte in der Blickrichtung des Falles, und Heilsgeschichte in der Blickrichtung der Rettung sind weder sachlich, noch örtlich, noch zeitlich zu trennen; sie gehören zusammen!
+
Wie Fall und Rettung der Welt nicht zu leugnen und beide Ereignisse aufeinander bezogen zu bewerten sind, - denn die Verlorenheit sucht die Rettung, und die Rettung wird angeboten, solange die Verlorenheit besteht -, so sind die beiden Ereignisse auch  '''zeitlich''' nicht zu trennen. Wohl währt der Fall Jahrtausende; aber es ist nicht so, dass erst nach Jahrtausenden die Rettung erfolgt. Nein, die Rettung setzt im Augenblick des Falles ein! Wenn dann auch die Folgen des Falles sich noch auf Jahrtausende erstrecken, so hat in der Zeit auch die Rettung ihr Werk erwiesen, und läuft in derselben Dauer zielwärts, weil Überwindung des Falles offenbart ist. Weltgeschichte in der Blickrichtung des Falles, und Heilsgeschichte in der Blickrichtung des Falles, und Heilsgeschichte in der Blickrichtung der Rettung sind weder sachlich, noch örtlich, noch zeitlich zu trennen; sie gehören zusammen!
  
 
Gesonderte Weltgeschichte ist darum Trennung vom Heil, und gesonderte Heilsgeschichte ist Trennung von der Welt.  Trennung der Weltgeschichte von der Heilsgeschichte führt zur Heilsverneinung,  und Trennung der Heilsgeschichte von der Weltgeschichte führt  zur Weltverneinung. Beides ist verhängnisvoll.  
 
Gesonderte Weltgeschichte ist darum Trennung vom Heil, und gesonderte Heilsgeschichte ist Trennung von der Welt.  Trennung der Weltgeschichte von der Heilsgeschichte führt zur Heilsverneinung,  und Trennung der Heilsgeschichte von der Weltgeschichte führt  zur Weltverneinung. Beides ist verhängnisvoll.  
Zeile 23: Zeile 21:
 
Ist es verwunderlich, wenn wir unter solchen Umständen heilsfremde Historiker und weltfremde Theologen haben? Einseitige Historik wird die natürliche Welt von der Heilswelt lösen und landet folgerichtig in der Evolutionstheorie. Einseitige Theologie wird in überweltlichen und übersinnlichen Spekulationen, in totem Dogmatismus und starrem Formalismus enden.
 
Ist es verwunderlich, wenn wir unter solchen Umständen heilsfremde Historiker und weltfremde Theologen haben? Einseitige Historik wird die natürliche Welt von der Heilswelt lösen und landet folgerichtig in der Evolutionstheorie. Einseitige Theologie wird in überweltlichen und übersinnlichen Spekulationen, in totem Dogmatismus und starrem Formalismus enden.
  
Das mag ein hartes Urteil sein, jedoch wird es von den nackten Tatsachen bestätigt. Woher kommt denn die Historik, die im Blick auf das unentbehrliche Heil Gottes nur mit Negativem operiert? Woher kommt die Theologie, die mit ihrer „Heilslehre“ dem natürlichen Menschen nicht dienst, sondern ihn verwirrt? Was ist die Ursache für den gegensätzlichen Verlauf der beiden Linien? Ist das nicht die in weiten Kreisen beider Richtungen viel gehegte und gepflegte Doppelheit? - Die Teile einer Sache können nur dann sich verlieren, wenn sie einer Ganzheit und Geschlossenheit nicht mehr angehören. Geschlossenheit ist immer Kraft, Getrenntheit dagegen Schwäche.
+
Das mag ein hartes Urteil sein, jedoch wird es von den nackten Tatsachen bestätigt. Woher kommt denn die Historik, die im Blick auf das unentbehrliche Heil Gottes nur mit Negativem operiert? Woher kommt die Theologie, die mit ihrer „Heilslehre“ dem natürlichen Menschen nicht dient, sondern ihn verwirrt? Was ist die Ursache für den gegensätzlichen Verlauf der beiden Linien? Ist das nicht die in weiten Kreisen beider Richtungen viel gehegte und gepflegte Doppelheit? - Die Teile einer Sache können nur dann sich verlieren, wenn sie einer Ganzheit und Geschlossenheit nicht mehr angehören. Geschlossenheit ist immer Kraft, Getrenntheit dagegen Schwäche.
  
Die Bibel spricht von der Weltgeschichte und von der Heilsgeschichte, und das in wechselseitiger Beziehung. Die Darstellung der Weltgeschichte in der bibel ist umfangreicher, als man gemeinhin annimmt. Und doch wird sie da nur im Rahmen der Heilsgeschichte gezeichnet. Weltgeschichte wird nur soweit dargestellt wie sie der Offenbarungsboden des Heilsgeschehens ist. Andererseits ist die Heilsdarstellung der Bibel sehr umfangreich, aber wiederum auf das Weltgeschehen begrenzt. Selbst die Darstellung im prophetischen Wort reicht bis auf die „neue Erde“. Heilsdarstellung ist an den Ort gebunden, wo das Heil in erster Linie zur Durchführung gelangt. Der Ort der Heilsoffenbarung ist aber diese Welt! (Nähere Ausführungen hierüber siehe meine Broschüre: [https://www.bibelwissen.ch/wiki/Jesus_Christus_im_Alten_Testament ''Jesus Christus im Alten Testament''].)
+
Die Bibel spricht von der Weltgeschichte und von der Heilsgeschichte, und das in wechselseitiger Beziehung. Die Darstellung der Weltgeschichte in der Bibel ist umfangreicher als man gemeinhin annimmt. Und doch wird sie da nur im Rahmen der Heilsgeschichte gezeichnet. Weltgeschichte wird nur soweit dargestellt wie sie der Offenbarungsboden des Heilsgeschehens ist. Andererseits ist die Heilsdarstellung der Bibel sehr umfangreich, aber wiederum auf das Weltgeschehen begrenzt. Selbst die Darstellung im prophetischen Wort reicht bis auf die „neue Erde“. Heilsdarstellung ist an den Ort gebunden, wo das Heil in erster Linie zur Durchführung gelangt. Der Ort der Heilsoffenbarung ist aber diese Welt! (Nähere Ausführungen hierüber siehe meine Broschüre: [https://www.bibelwissen.ch/wiki/Jesus_Christus_im_Alten_Testament ''Jesus Christus im Alten Testament''].)
  
 
Wir merken uns die Tatsache: Wesen und Umfang der biblischen Weltgeschichte entspricht der Dringlichkeit des Heilsgeschehens, Zeit und Ort der Heilsgeschichte der des heilsbedürftigen Weltgeschehens.  
 
Wir merken uns die Tatsache: Wesen und Umfang der biblischen Weltgeschichte entspricht der Dringlichkeit des Heilsgeschehens, Zeit und Ort der Heilsgeschichte der des heilsbedürftigen Weltgeschehens.  
  
Gigantisch ist der Aufriss der Weltgeschichte auf dem erste Blatt der Bibel. Die Profangeschichte kann nicht im entferntesten dieses aufzeigen. Mit welcher Deutlichkeit werden die sechs Umbruchsperioden gezeigt, die die Welt vor dem menschlichen dasein erlebt hat. Die modernen Geologen werden noch viel zu erforschen haben, um die Schichtung und Umschichtung der Erde in der gezeigten Reihenfolge festzustellen.  
+
Gigantisch ist der Aufriss der Weltgeschichte auf dem ersten Blatt der Bibel. Die Profangeschichte kann nicht im entferntesten dieses aufzeigen. Mit welcher Deutlichkeit werden die sechs Umbruchsperioden gezeigt, die die Welt vor dem menschlichen Dasein erlebt hat. Die modernen Geologen werden noch viel zu erforschen haben, um die Schichtung und Umschichtung der Erde in der gezeigten Reihenfolge festzustellen.  
  
 
Was die Geologen bis dahin mit Sicherheit festgestellt haben, ist die Tatsache der vielfachen geologischen Schichtung. Unsicher ist die Feststellung über die Reihenfolge dieser Umschichtung bis hin zum Anfang. Noch unsicherer ist die Feststellung über die Ursachen der geologischen Geschehnisse. Die Bibel bezeugt alles mit einer erstaunlichen Genauigkeit. Sie lässt uns weder über die Ursachen, noch die Folgen, noch die Reihenfolge im Unklaren. Die Bibel liefert uns im wahrsten Sinne des Wortes '''Geschichte''' des Weltgeschehens, und nicht Hypothesen.<br/><br/>
 
Was die Geologen bis dahin mit Sicherheit festgestellt haben, ist die Tatsache der vielfachen geologischen Schichtung. Unsicher ist die Feststellung über die Reihenfolge dieser Umschichtung bis hin zum Anfang. Noch unsicherer ist die Feststellung über die Ursachen der geologischen Geschehnisse. Die Bibel bezeugt alles mit einer erstaunlichen Genauigkeit. Sie lässt uns weder über die Ursachen, noch die Folgen, noch die Reihenfolge im Unklaren. Die Bibel liefert uns im wahrsten Sinne des Wortes '''Geschichte''' des Weltgeschehens, und nicht Hypothesen.<br/><br/>
Zeile 41: Zeile 39:
  
 
==='''2. Welt- und Heilsgeschichte zur Zeit der ersten Menschen'''===
 
==='''2. Welt- und Heilsgeschichte zur Zeit der ersten Menschen'''===
Im Blick auf die wechselseitige Beziehung der WElt- und Heilsgeschichte bestände kein Anlass, diese  Epoche gesondert zu behandeln. Diese Verwobenheit der beiden Geschichten  ist so gleichmäßig, dass eine Unterbrechung nur störend wirken könnte. Und doch setzen wir hier ein neues Kapitel, nicht um einen abgerissenen Faden zu verknoten, sondern um den ungebrochenen, uns näherrückenden, das menschliche Dasein durchziehenden Faden in seiner markanten Erscheinung deutlicher aufzeigen zu können. Es ist doch gewiss bedeutungsvoll, wenn die untrügliche Welt- und Heilsgeschichte, aus der grauen Vorzeit kommend, im Daseinskreis des Menschen erblickt wird. Wen sollte wohl nicht die Frage interessieren, wie sich die Weltgeschichte, durchwoben und beeinflusst von der Heilsgeschichte, im Bereich des Menschen entwickelte und gestaltete?
+
Im Blick auf die wechselseitige Beziehung der Welt- und Heilsgeschichte bestände kein Anlass, diese  Epoche gesondert zu behandeln. Diese Verwobenheit der beiden Geschichten  ist so gleichmäßig, dass eine Unterbrechung nur störend wirken könnte. Und doch setzen wir hier ein neues Kapitel, nicht um einen abgerissenen Faden zu verknoten, sondern um den ungebrochenen, uns näherrückenden, das menschliche Dasein durchziehenden Faden in seiner markanten Erscheinung deutlicher aufzeigen zu können. Es ist doch gewiss bedeutungsvoll, wenn die untrügliche Welt- und Heilsgeschichte, aus der grauen Vorzeit kommend, im Daseinskreis des Menschen erblickt wird. Wen sollte wohl nicht die Frage interessieren, wie sich die Weltgeschichte, durchwoben und beeinflusst von der Heilsgeschichte, im Bereich des Menschen entwickelte und gestaltete?
  
Hinsichtlich der Weltgeschichte kann hier mit wenigen  Sätzen folgendes festgestellt werden. Ehe der Mensch erschaffen wird, ist für seine irdische Existenz alles Notwendige vorhanden. Wasser, Luft und Erde sind erfüllt mit Lebewesen aller Art. Kosmisch, biologisch, geographisch und klimatisch ist die Welt so geordnet, dass sie dem Menschen eine gute Heimat werden kann. Alles ist da, um seinen Lebensunterhalt zu sichern. Sogar  Fürchte, die zu seiner Ernährung notwendig sind, werden ihm nicht in Aussicht gestellt, sondern sie sind vorhanden. Der Mensch hat kurz gesagt, einen reich gedeckten Tisch, an dem er sich sorg- und mühelos gütlich tun kann.  
+
Hinsichtlich der Weltgeschichte kann hier mit wenigen  Sätzen Folgendes festgestellt werden. Ehe der Mensch erschaffen wird, ist für seine irdische Existenz alles Notwendige vorhanden. Wasser, Luft und Erde sind erfüllt mit Lebewesen aller Art. Kosmisch, biologisch, geographisch und klimatisch ist die Welt so geordnet, dass sie dem Menschen eine gute Heimat werden kann. Alles ist da, um seinen Lebensunterhalt zu sichern. Sogar  Fürchte, die zu seiner Ernährung notwendig sind, werden ihm nicht in Aussicht gestellt, sondern sie sind vorhanden. Der Mensch hat kurz gesagt, einen reich gedeckten Tisch, an dem er sich sorg- und mühelos gütlich tun kann.  
  
Über den Vorgang der Erschaffung des Menschen sagt der biblische Weltgeschichtsbericht sehr wenig.* Und das mit gutem Recht. Wenn wir nach vielen Jahrtausenden mit unserer „Mikroskopen-Wissenschaft“ noch lange nichts begriffen haben, '''was''' das Erschaffene ist, wie sollten wir die '''Erschaffung''' erkennen können? Was uns wegen seiner Größe unbegreiflich ist, b,raucht uns erst nicht berichtet zu werden. Jeglicher Bericht ist der Aufnahmefähigkeit des Hörenden angepasst. Schöpfung des Menschen ist nicht mit ihm, sondern an ihm geschehen. Alles, was an ihm geschieht, ist ihm ein Geheimnis, und darum verborgen.
+
Über den Vorgang der Erschaffung des Menschen sagt der biblische Weltgeschichtsbericht sehr wenig.* Und das mit gutem Recht. Wenn wir nach vielen Jahrtausenden mit unserer „Mikroskopen-Wissenschaft“ noch lange nichts begriffen haben, '''was''' das Erschaffene ist, wie sollten wir die '''Erschaffung''' erkennen können? Was uns wegen seiner Größe unbegreiflich ist, braucht uns erst nicht berichtet zu werden. Jeglicher Bericht ist der Aufnahmefähigkeit des Hörenden angepasst. Schöpfung des Menschen ist nicht mit ihm, sondern an ihm geschehen. Alles, was an ihm geschieht, ist ihm ein Geheimnis, und darum verborgen.
  
:::<sup>''*Der biblische Bericht über die Erschaffung des Menschen bietet keinerlei Möglichkeit, an eine allmähliche Entwicklung aus einem Urzustand heran zu denken. Der Mensch steht im biblischen Blickfeld als vollverantwortlich vor Gott und sich selber. Klar muss es uns sein, dass mit einem gewaltigen Bilde. „Gott nahm einen Erdenklos“ angedeutet ist, was als Gotteswunder außer unserem Verstande liegt, und von uns nicht gedeutet werden kann.''</sup>
+
:::<sup>''*Der biblische Bericht über die Erschaffung des Menschen bietet keinerlei Möglichkeit, an eine allmähliche Entwicklung aus einem Urzustand her zu denken. Der Mensch steht im biblischen Blickfeld als voll verantwortlich vor Gott und sich selber. Klar muss es uns sein, dass mit einem gewaltigen Bilde. „Gott nahm einen Erdenklos“ angedeutet ist, was als Gotteswunder außer unserem Verstande liegt, und von uns nicht gedeutet werden kann.''</sup>
  
 
Der Zweck der Erschaffung des Menschen wird mit aller Deutlichkeit gesagt: '''„Herrsche!!“''' Weltgeschichtlich ist damit angedeutet, dass der Mensch nicht etwa zu irgend einer Zeit als Tierwesen mit anderen  Tieren ein bloßes Triebleben führte, und dann später einmal aus irgend einem Grunde hervortritt, sondern er ist das hochintelligente Geschöpf, über alle Geschöpfe gestellt zur '''Führung!'''  
 
Der Zweck der Erschaffung des Menschen wird mit aller Deutlichkeit gesagt: '''„Herrsche!!“''' Weltgeschichtlich ist damit angedeutet, dass der Mensch nicht etwa zu irgend einer Zeit als Tierwesen mit anderen  Tieren ein bloßes Triebleben führte, und dann später einmal aus irgend einem Grunde hervortritt, sondern er ist das hochintelligente Geschöpf, über alle Geschöpfe gestellt zur '''Führung!'''  
Zeile 58: Zeile 56:
 
Verknüpft ist damit auch die Heilsgeschichte. Der Mensch wird nach dem Willen Gottes der Beherrscher, d. h. der Überwinder einer in Sünde verdorbenen Welt. Im Blick auf die heilsbedürftige Welt ist seine „Herrschaft“ gleichbedeutend mit Erlösung! - Was hätte sonst seine „Herrschaft“ (= Unterordnung) der gegensätzlichen Welt für einen Zweck, wenn sie nicht Befreiung (= Erlösung) bedeutete? Der Mensch wird der Gestalter der Weltgeschichte, weil er der '''Gestalter der Heilsgeschichte werden soll!''' Mit dem Heilsauftrag tritt er in die heilsbedürftige Welt.
 
Verknüpft ist damit auch die Heilsgeschichte. Der Mensch wird nach dem Willen Gottes der Beherrscher, d. h. der Überwinder einer in Sünde verdorbenen Welt. Im Blick auf die heilsbedürftige Welt ist seine „Herrschaft“ gleichbedeutend mit Erlösung! - Was hätte sonst seine „Herrschaft“ (= Unterordnung) der gegensätzlichen Welt für einen Zweck, wenn sie nicht Befreiung (= Erlösung) bedeutete? Der Mensch wird der Gestalter der Weltgeschichte, weil er der '''Gestalter der Heilsgeschichte werden soll!''' Mit dem Heilsauftrag tritt er in die heilsbedürftige Welt.
  
Positive Bedeutung hätte der Mensch erlangt, wenn er im heilsmäßigen Sinne gelebt hätte. Das war im Anfang wohl der Fall. Später trat jedoch eine Änderung ein. Anstatt die Herrschaft gottes auszudehnen, gestattete er dem bösen Prinzip, in sein Herrschaftgebiet einzudringen. Sein Wirkungsgebiet wurde darum immer enger und immer kleiner. Schließlich war er in der „Enge“ (Paradies) und hat dort endlich sogar das böse Prinzip zum Lebensprinzip angenommen. Zu seinem Entsetzen und zu seiner Schande wurde das übernommene Prinzip ein Todesprinzip Das führt zu einem neuen Verhältnis das wir im nächsten Kapitel sehen werden.
+
Positive Bedeutung hätte der Mensch erlangt, wenn er im heilsmäßigen Sinne gelebt hätte. Das war im Anfang wohl der Fall. Später trat jedoch eine Änderung ein. Anstatt die Herrschaft Gottes auszudehnen, gestattete er dem bösen Prinzip, in sein Herrschaftgebiet einzudringen. Sein Wirkungsgebiet wurde darum immer enger und immer kleiner. Schließlich war er in der „Enge“ (Paradies) und hat dort endlich sogar das böse Prinzip zum Lebensprinzip angenommen. Zu seinem Entsetzen und zu seiner Schande wurde das übernommene Prinzip ein Todesprinzip. Das führt zu einem neuen Verhältnis, das wir im nächsten Kapitel sehen werden.
  
'''Merksatz:''' Der Mensch, der zum heilsmäßigen Faktor des Weltgeschehens bestellt ist, versagt. Die unter der bösen Herrschaft stehende Kreatur wird samt dem Menschen in  noch schwere Ketten gelegt. Das Leben, das durch den Lebensträger „Mensch“ die endgültige Überwindung erlangen soll, wird vom Tode noch einmal aufgehalten. Der Mensch fällt in eine unübersehbare Verschuldung weil er dem Auftrag seinen Schöpfers: '''H e r r s c h e !''' untreu geworden ist.<br/><br/>
+
'''Merksatz:''' Der Mensch, der zum heilsmäßigen Faktor des Weltgeschehens bestellt ist, versagt. Die unter der bösen Herrschaft stehende Kreatur wird samt dem Menschen in  noch schwerere Ketten gelegt. Das Leben, das durch den Lebensträger „Mensch“ die endgültige Überwindung erlangen soll, wird vom Tode noch einmal aufgehalten. Der Mensch fällt in eine unübersehbare Verschuldung, weil er dem Auftrag seinen Schöpfers: '''H e r r s c h e !''' untreu geworden ist.<br/><br/>
  
 
==='''3. Welt- und Heilsgeschichte zur Zeit des Sündenlebens'''===
 
==='''3. Welt- und Heilsgeschichte zur Zeit des Sündenlebens'''===
 
Mit wehem Herzen verfolgen wir die weitere Geschichtsdarstellung. Es ist das wahrlich eine tragische Angelegenheit, wenn man den majestätischen Menschen, der alles Weh und Leid der Welt überwinden soll, bald als einen elenden Sklaven antreffen muss.
 
Mit wehem Herzen verfolgen wir die weitere Geschichtsdarstellung. Es ist das wahrlich eine tragische Angelegenheit, wenn man den majestätischen Menschen, der alles Weh und Leid der Welt überwinden soll, bald als einen elenden Sklaven antreffen muss.
  
Wo sahen wir ihn zuletzt. An einem wunderschönen Ort, „Paradies“ genannt. Zwar war das schon eine beängstigende Einengung, die durch das gestattet Eindringen des Bösen entstanden war, jedoch war es immer noch der „Garten Eden“. Nun sagt uns aber der weitere Bericht, dass der bisherige Wohnort dem Menschen zum Gerichtsort gegeben wird.  
+
Wo sahen wir ihn zuletzt? An einem wunderschönen Ort, „Paradies“ genannt. Zwar war das schon eine beängstigende Einengung, die durch das gestattete Eindringen des Bösen entstanden war, jedoch war es immer noch der „Garten Eden“. Nun sagt uns aber der weitere Bericht, dass der bisherige Wohnort dem Menschen zum Gerichtsort gegeben wird.  
  
 
Im neuen Wohngebiet sind die Menschen auf sich selbst angewiesen. Das Gottesbewusstsein im Menschen schwindet und macht dem Selbstbewusstsein Platz. Selbstbewusstsein aber, ohne Kontrolle des Gottesbewusstseins, führt zum übersteigerten Ichbewusstsein!
 
Im neuen Wohngebiet sind die Menschen auf sich selbst angewiesen. Das Gottesbewusstsein im Menschen schwindet und macht dem Selbstbewusstsein Platz. Selbstbewusstsein aber, ohne Kontrolle des Gottesbewusstseins, führt zum übersteigerten Ichbewusstsein!
  
In selbstbewusster Weise fangen die Menschen an, die Lebensexistenz hart zu erringen. Es beginnt ein Lebenskampf, der den ganzen Einsatz der eigenen Persönlichkeit erfordert. Jeder in seiner Weise erwählt einen Beruf, der eine wird ein Hirt, der andere Ackersmann, um nach Maßgabe der persönlichen Fähigkeiten dem Lande das Lebensnotwendige abzuringen. Solches Ringen um die Selbst- und Icherhaltung kann keine anderen Folgen als die Unschädlichmachung, ja Beseitigung des Nächsten haben. Wo das „Ich“ den Vorrang erjagen will, da beginnt das Brudermorden. Neid und Leid sind fortan die ständigen Begleiter des Menschen.
+
In selbstbewusster Weise fangen die Menschen an, die Lebensexistenz hart zu erringen. Es beginnt ein Lebenskampf, der den ganzen Einsatz der eigenen Persönlichkeit erfordert. Jeder in seiner Weise erwählt einen Beruf; der eine wird ein Hirt, der andere Ackersmann, um nach Maßgabe der persönlichen Fähigkeiten dem Lande das Lebensnotwendige abzuringen. Solches Ringen um die Selbst- und Icherhaltung kann keine anderen Folgen als die Unschädlichmachung, ja Beseitigung des Nächsten haben. Wo das „Ich“ den Vorrang erjagen will, da beginnt das Brudermorden. Neid und Leid sind fortan die ständigen Begleiter des Menschen.
  
 
Aufs Ganze gesehen, bleibt auch fernerhin der Mensch der Geschichtsgestalter. Ist er nicht der epochemachende Handlanger des guten Prinzips, dann eben der des bösen. Es bleibt jedoch dabei, dass der Mensch nach außen hin die Geschichte macht!
 
Aufs Ganze gesehen, bleibt auch fernerhin der Mensch der Geschichtsgestalter. Ist er nicht der epochemachende Handlanger des guten Prinzips, dann eben der des bösen. Es bleibt jedoch dabei, dass der Mensch nach außen hin die Geschichte macht!
  
Was an dieser Stelle noch begriffen werden muss, ist die Tatsache, d,ass auch das böse Prinzip Leistungsfähigkeiten besitzt, die erstaunlich sind. Leistungsfähigkeit ist übrigens die Existenzmöglichkeit des bösen Prinzips. Hätte es keine Leistungen aufzuweisen, dann könnte es nicht existieren.
+
Was an dieser Stelle noch begriffen werden muss, ist die Tatsache, dass auch das böse Prinzip Leistungsfähigkeiten besitzt, die erstaunlich sind. Leistungsfähigkeit ist übrigens die Existenzmöglichkeit des bösen Prinzips. Hätte es keine Leistungen aufzuweisen, dann könnte es nicht existieren.
  
 
Das ist aber wiederum das furchtbar Verfängliche, dass das Böse mit seinen Leistungen den Menschen blenden und gefangen nehmen kann. Ichbefangene Menschen sind von den Leistungen des Bösen entzückt!
 
Das ist aber wiederum das furchtbar Verfängliche, dass das Böse mit seinen Leistungen den Menschen blenden und gefangen nehmen kann. Ichbefangene Menschen sind von den Leistungen des Bösen entzückt!
  
Erstaunlich sind die Leistungen, die schon die ersten Menschen  zu vollbringen vermögen. Sie bauen Städte. Was sind aber Städte in Anbetracht der damaligen Verhältnisse? Konzentrierte Wohnstätten selbstsüchtiger Kapitalisten und Ausbeuter. Der Fluch der bösen Tat fängt an sich auszuwirken. Noch andere Leistungen werden genannt: „Geiger und Pfeifer“. Kunst mach sich breit, freilich in erster Linie „gewinnbringende“ Kunst. Sensationsarbeiter erfinden eine Verdienstquelle. Weiter wird genannt das „Meisterwerk in allerlei Erz und Eisen“. Industrie kommt hoch. Wniger um zu beglücken, als vielmehr zu „bedrücken“, d. h. um habsüchtige Unternehmer reich z u machen. - Industrielle Errungenschaften haben selten  dem Menschen den tiefen Friede und die heilige Ruhe vermittelt. Sie machen ihn aber begierig nach Ansehen und Macht; sie machen ihn lüstern nach der industriellen „Herrschaft“. Nirgends hat sich der nackte Materialismus krasser ausgewirkt als auf dem industriellen Gebiet.  
+
Erstaunlich sind die Leistungen, die schon die ersten Menschen  zu vollbringen vermögen. Sie bauen Städte. Was sind aber Städte in Anbetracht der damaligen Verhältnisse? Konzentrierte Wohnstätten selbstsüchtiger Kapitalisten und Ausbeuter. Der Fluch der bösen Tat fängt an sich auszuwirken. Noch andere Leistungen werden genannt: „Geiger und Pfeifer“. Kunst macht sich breit, freilich in erster Linie „gewinnbringende“ Kunst. Sensationsarbeiter erfinden eine Verdienstquelle. Weiter wird genannt das „Meisterwerk in allerlei Erz und Eisen“. Industrie kommt hoch. Weniger um zu beglücken, als vielmehr zu „bedrücken“, d. h. um habsüchtige Unternehmer reich zu machen. - Industrielle Errungenschaften haben selten  dem Menschen den tiefen Frieden und die heilige Ruhe vermittelt. Sie machen ihn aber begierig nach Ansehen und Macht; sie machen ihn lüstern nach der industriellen „Herrschaft“. Nirgends hat sich der nackte Materialismus krasser ausgewirkt als auf dem industriellen Gebiet.  
  
Die weitere Entwicklung auf dieser Linie könnte auch ohne de Geschichtsbericht erraten werden. Das Resultat solcher Entwicklung kann nur Katastrophe und Untergang sein. Wenn die Menschen sich vom guten Prinzip, vom „Geiste Gottes, nicht mehr strafen lassen“, dann kann das Ende des bösen Dichtens und Trachtens der Menschen wahrlich nur Verderben sein. Und wenn die Bibel das berichtet, dann stellt sie nur in aller Wahrhaftigkeit dar, was nicht ausbleiben kann.
+
Die weitere Entwicklung auf dieser Linie könnte auch ohne den Geschichtsbericht erraten werden. Das Resultat solcher Entwicklung kann nur Katastrophe und Untergang sein. Wenn die Menschen sich vom guten Prinzip, vom „Geiste Gottes, nicht mehr strafen lassen“, dann kann das Ende des bösen Dichtens und Trachtens der Menschen wahrlich nur Verderben sein. Und wenn die Bibel das berichtet, dann stellt sie nur in aller Wahrhaftigkeit dar, was nicht ausbleiben kann.
  
Die Sintflut musste kommen! „Irret euch nicht, Gott lässt sich nicht spotten; denn was der Mensch säest, das muss er ernten.“ Wo der Geist zurücktreten muss, gewinnt das Fleisch die Oberhand. Alles, was aus dem Fleisch kommt, hat die Lebensdauer des Fleisches. Nie kann das Produkt des Fleisches ewig sein. Die Sintflut ist die Antwort auf die frage nach der Wertbeständigkeit der Fleischeswerke*.
+
Die Sintflut musste kommen! „Irret euch nicht, Gott lässt sich nicht spotten; denn was der Mensch sät, das muss er ernten.“ Wo der Geist zurücktreten muss, gewinnt das Fleisch die Oberhand. Alles, was aus dem Fleisch kommt, hat die Lebensdauer des Fleisches. Nie kann das Produkt des Fleisches ewig sein. Die Sintflut ist die Antwort auf die Frage nach der Wertbeständigkeit der Fleischeswerke*.
  
 
:::<sup>''*„Die großen Gerichte der Weltgeschichte waren in der Regel nichts anderes als die unabwendbaren Auswirkungen jener anormalen Kulturzustände, die ein Volk in seiner Selbstberauschung zu seinem Verderben missbraucht hat.“ - Jakob Kröker in seinem Buche: Noah und das damalige Weltgericht.''</sup>
 
:::<sup>''*„Die großen Gerichte der Weltgeschichte waren in der Regel nichts anderes als die unabwendbaren Auswirkungen jener anormalen Kulturzustände, die ein Volk in seiner Selbstberauschung zu seinem Verderben missbraucht hat.“ - Jakob Kröker in seinem Buche: Noah und das damalige Weltgericht.''</sup>
  
Dass viele Historiker die Sintflut anzweifeln, ist durchaus nicht verwunderlich, denn sie haben sie nicht „erlebt“. - Wer Gottes Gerichte, das konsequente „Nein“ zur Sünde anzweifelt, der ist blind für die Wirklichkeit und lebt im grenzenlosen Selbstbetrug. Die Kosmologie und Geologie, und auch die Mythologie, die sich in allen Völkern prizipiell gleichmäßig erhalten ahben, geben aber dem biblischen Bericht Recht.*
+
Dass viele Historiker die Sintflut anzweifeln, ist durchaus nicht verwunderlich, denn sie haben sie nicht „erlebt“. - Wer Gottes Gerichte, das konsequente „Nein“ zur Sünde anzweifelt, der ist blind für die Wirklichkeit und lebt im grenzenlosen Selbstbetrug. Die Kosmologie und Geologie, und auch die Mythologie, die sich in allen Völkern prinzipiell gleichmäßig erhalten haben, geben aber dem biblischen Bericht Recht.*
  
 
:::<sup>''*Man lese diesbezüglich die sehr wertvollen Werke von Urquhart.''</sup><br/><br/>
 
:::<sup>''*Man lese diesbezüglich die sehr wertvollen Werke von Urquhart.''</sup><br/><br/>
  
 
====<big> Heilsgeschichtlich gesehen</big>====
 
====<big> Heilsgeschichtlich gesehen</big>====
Heilsgeschichtlich gesehen, sind in dieser Epoche drei Tatbestände von Bedeutung. Zunächst ist es das Opfer, das nach dem Sündenfall den Menschen zur ständigen Übung verordnet ist. Mit dem Opfer sind die Menschen im heilsmäßigen Sinne zunächst auf Gott hingelenkt. Dem Menschen kann nur dadurch Heil widerfahren, dass Gott selbst das höchste Opfer bringt. Gottes Opfer ist Christus! (1Mo 3:15). Auf dieses vollgültige Opfer in Christus soll der Mensch im erzieherischen Sinne durch das vorbildliche Opfer hingewiesen werden. Denn Gott ist der Handelnde im Heilsgeschehen! Gottes Heilswirken vollzieht sich nicht mehr durch den Menschen, denn er ist gefallen, sondern am Menschen durch sich selbst in Christus! „Gott war in Christo,  und versöhnte die Welt mit ihm selber“ (2Kor 5:19).
+
Heilsgeschichtlich gesehen, sind in dieser Epoche drei Tatbestände von Bedeutung. Zunächst ist es das Opfer, das nach dem Sündenfall den Menschen zur ständigen Übung verordnet ist. Mit dem Opfer sind die Menschen im heilsmäßigen Sinne zunächst auf Gott hingelenkt. Dem Menschen kann nur dadurch Heil widerfahren, indem Gott selbst das höchste Opfer bringt. Gottes Opfer ist Christus! ([[1Mo 3:15]]). Auf dieses vollgültige Opfer in Christus soll der Mensch im erzieherischen Sinne durch das vorbildliche Opfer hingewiesen werden. Denn Gott ist der Handelnde im Heilsgeschehen! Gottes Heilswirken vollzieht sich nicht mehr durch den Menschen, denn er ist gefallen, sondern am Menschen durch sich selbst in Christus! „Gott war in Christo,  und versöhnte die Welt mit ihm selber“ ([[2Kor 5:19]]).
  
Auch sollte der Mensch belehrt werden, dass er ohne Opfer niemals errettet werden kann. Ihm ging nicht weniger als das reine Leben verloren, darum muss reines Leben zur Rettung eingesetzt werden.  Ihm ging nicht weniger als das reine Leben verloren; darum muss reines Leben  zur Rettung eingesetzt werden. Das verlorene volle Leben des Menschen ist’s, das durch das Opfer eines reinen Lebens erkauft werden soll. Es durfte darum der Mensch nie ein Opfer bringen lassen, sondern er musste es eigenhändig, durch „seiner Hände Werke“ bringen. Er ist es selber, der durch das Opfer das Heil empfangen soll.
+
Auch sollte der Mensch belehrt werden, dass er ohne Opfer niemals errettet werden kann. Ihm ging nicht weniger als das reine Leben verloren, darum muss reines Leben zur Rettung eingesetzt werden. Das verlorene volle Leben des Menschen ist’s, das durch das Opfer eines reinen Lebens erkauft werden soll. Es durfte darum der Mensch nie ein Opfer bringen lassen, sondern er musste es eigenhändig, durch „seiner Hände Werk“ bringen. Er ist es selber, der durch das Opfer das Heil empfangen soll.
  
Das zweite Heilsereignis ist die „Predigt des Namens Gottes“, die mit Seth und seinen Nachkommen beginnt. Welche Bedeutung gewinnt die Predigt? Ist doch das Opfer auch schon eine Predigt von den zwei weltbeherrschenden, elemtentaren Ereignissen: Fall und Rettung! Jedoch fehlt der „Predigt ohne Worte“ die theologische und dogmatische Deutung. Die Deutung ist mit dem Schwinden des Gottesbewusstseins erforderlich geworden. Die Menschen verloren, zufolge des ständigen Sündeneinflusse, das geistliche  Erkennungs- und Aufnahmevermögen, so  dass sie schließlich im Opfer nichts mehr als eine überlieferte Sitte, ein völlig entleertes traditionelles Ritual sahen. Darum muss die Predigt einsetzen, als Deutung des Opfers, das sinnbildlich als Klarstellung des Falles  und Darstellung der Rettung dient.<br/><br/>
+
Das zweite Heilsereignis ist die „Predigt des Namens Gottes“, die mit Seth und seinen Nachkommen beginnt. Welche Bedeutung gewinnt die Predigt? Ist doch das Opfer auch schon eine Predigt von den zwei weltbeherrschenden, elemtentaren Ereignissen: Fall und Rettung! Jedoch fehlt der „Predigt ohne Worte“ die theologische und dogmatische Deutung. Die Deutung ist mit dem Schwinden des Gottesbewusstseins erforderlich geworden. Die Menschen verloren, zufolge des ständigen Sündeneinflusses, das geistliche  Erkennungs- und Aufnahmevermögen, so  dass sie schließlich im Opfer nichts mehr als eine überlieferte Sitte, ein völlig entleertes traditionelles Ritual sahen. Darum muss die Predigt einsetzen, als Deutung des Opfers, das sinnbildlich als Klarstellung des Falles  und Darstellung der Rettung dient.<br/><br/>
  
 
====<big>Zweifacher Gottesdienst</big>====
 
====<big>Zweifacher Gottesdienst</big>====
Zeile 103: Zeile 101:
 
:::<sup>''*Diese ganze Abhandlung hat den Zweck, die biblische „Auswahl“ mit aller Deutlichkeit herauszustellen. Der geneigte Leser möge das beachten, wenn er von dieser Darstellung einen Gewinn haben will.''</sup>
 
:::<sup>''*Diese ganze Abhandlung hat den Zweck, die biblische „Auswahl“ mit aller Deutlichkeit herauszustellen. Der geneigte Leser möge das beachten, wenn er von dieser Darstellung einen Gewinn haben will.''</sup>
 
:::<sup>''**Die ursprüngliche Bedeutung des Wortes Ekklesia ist: „Die gesetzmäßige Versammlung aller im Besitz des Bürgerrechts sich befindender Männer einer freien griechischen Stadt zum Zweck der Verhandlung öffentlicher Angelegenheiten.“''</sup>
 
:::<sup>''**Die ursprüngliche Bedeutung des Wortes Ekklesia ist: „Die gesetzmäßige Versammlung aller im Besitz des Bürgerrechts sich befindender Männer einer freien griechischen Stadt zum Zweck der Verhandlung öffentlicher Angelegenheiten.“''</sup>
:::<sup>''Was sagt das Wort Ekklesia aus? 1. Die  Versammlungsberechtigten werden durch Herolde berufen (cf. Ekklesia von ekkaleoo, d. h. auf-heraus-rufen). 2. Diese Berufubg geschah aufrund von Auslese-Auswahl (cf. die Vorsilbe „ek“ = aus-heraus). Denn nicht die Periöken (Pöbel), die wohl frei waren, aber kein Bürgerrecht  besaßen, noch die Fremden, die Wohnrecht hatten ohne Bürgerrecht zu besitzen, noch die der bürgerlichen Rechte verlustig Gegangenen wurden zur „Ekklesia“ zugelassen.'' </sup>
+
:::<sup>''Was sagt das Wort Ekklesia aus? 1. Die  Versammlungsberechtigten werden durch Herolde berufen (cf. Ekklesia von ekkaleoo, d. h. auf-heraus-rufen). 2. Diese Berufung geschah aufgrund von Auslese-Auswahl (cf. die Vorsilbe „ek“ = aus-heraus). Denn nicht die Periöken (Pöbel), die wohl frei waren, aber kein Bürgerrecht  besaßen, noch die Fremden, die Wohnrecht hatten ohne Bürgerrecht zu besitzen, noch die der bürgerlichen Rechte verlustig Gegangenen, wurden zur „Ekklesia“ zugelassen.'' </sup>
  
Die ekklesiale Linie war auch schon in Abel, wenn auch in einer mehr verhülltenWeise, vorhanden. Darum wird Seth als der direkte Nachkomme Abels genannt (1Mo 4:25.26). Das Heil offenbart sich aber im Opfer und seiner Deutung (= „Wort vom Kreuz!, 1Kor 1:18). Abel ging darum den Opferweg im doppelten Sinne: a) opfernd für sich, b) selbst geopfert für die Heilswahrheit.
+
Die ekklesiale Linie war auch schon in Abel, wenn auch in einer mehr verhüllten Weise, vorhanden. Darum wird Seth als der direkte Nachkomme Abels genannt ([[1Mo 4:25]].26). Das Heil offenbart sich aber im Opfer und seiner Deutung (= „Wort vom Kreuz!, [[1Kor 1:18]]). Abel ging darum den Opferweg im doppelten Sinne: a) opfernd für sich, b) selbst geopfert für die Heilswahrheit.
  
Auch der spätere Nachkomme, Noah, ging den Auswahl- und Opferweg. Er hat viele persönliche und sachliche Opfer gebracht, um das Banner des Heils durch die sturmbewegte Sündenzeit zu tragen. Schließlich erlebte er ein besonderes Gericht, welches auch '''das dritte Ereignis des Heilsgeschehens''' wird. Das ist ein eigenartiges Gericht, denn es wird die ganze Welt dem Tode geweiht, um den Sieg des Heiles Gottes zu offenbaren. Mitten in diesem  ungeheuren Weltsterben trägt die rettende Arche die Frucht des Heils. Sie ist zahlenmäßig gering, aber wertmäßig groß, denn sie ist die '''„Erstlingsfrucht“''', eine Vollfrucht, die in der Sündenglut ausgereift ist. Dieses Heilsgeschehen in der Arche, die mitten in der untergehenden Welt steht und ihr doch nicht angehört, ist ein einzigartiges Symbol auf Christus (1Petr 4:20.21)!
+
Auch der spätere Nachkomme, Noah, ging den Auswahl- und Opferweg. Er hat viele persönliche und sachliche Opfer gebracht, um das Banner des Heils durch die sturmbewegte Sündenzeit zu tragen. Schließlich erlebte er ein besonderes Gericht, welches auch '''das dritte Ereignis des Heilsgeschehens''' wird. Das ist ein eigenartiges Gericht, denn es wird die ganze Welt dem Tode geweiht, um den Sieg des Heiles Gottes zu offenbaren. Mitten in diesem  ungeheuren Weltsterben trägt die rettende Arche die Frucht des Heils. Sie ist zahlenmäßig gering, aber wertmäßig groß, denn sie ist die '''„Erstlingsfrucht“''', eine Vollfrucht, die in der Sündenglut ausgereift ist. Dieses Heilsgeschehen in der Arche, die mitten in der untergehenden Welt steht und ihr doch nicht angehört, ist ein einzigartiges Symbol auf Christus ([[1Petr 3:20]].21)!
  
 
'''Merksatz:''' Zu der Zeit, in der der entsetzliche Sündenfall des Menschen Tatsache wird, und der Mensch alle Folgen des Falles auf sich nehmen muss, offenbart Gott das Heil, jedoch zunächst in vorschattender Weise. Opfer und Predigt sind für Auge und Ohr das Heilsangebot Gottes an die verlorene Welt, das letztlich in seinem Sohn, Jesus Christus, vollführt wird. Vorläufiger Träger des Heils in Opfer und Predigt ist die Ekklesia, die mit Abel im Dämmerlicht steht und mit Seth und den weiteren Nachkommen allmählich ins Morgenlicht geführt wird, um bei Paulus im vollen Tageslicht ruhmvoll zu erscheinen.<br/><br/>
 
'''Merksatz:''' Zu der Zeit, in der der entsetzliche Sündenfall des Menschen Tatsache wird, und der Mensch alle Folgen des Falles auf sich nehmen muss, offenbart Gott das Heil, jedoch zunächst in vorschattender Weise. Opfer und Predigt sind für Auge und Ohr das Heilsangebot Gottes an die verlorene Welt, das letztlich in seinem Sohn, Jesus Christus, vollführt wird. Vorläufiger Träger des Heils in Opfer und Predigt ist die Ekklesia, die mit Abel im Dämmerlicht steht und mit Seth und den weiteren Nachkommen allmählich ins Morgenlicht geführt wird, um bei Paulus im vollen Tageslicht ruhmvoll zu erscheinen.<br/><br/>

Aktuelle Version vom 28. September 2022, 15:21 Uhr

Abschrift des Heftes: Die Gemeinde Jesu Christi
in ihrer Bedeutung für Himmel, Erde, Zeit, Ewigkeit
Friedrich Malessa, Samplatten (Ostpr.)

Paulus Verlag Stuttgart

Siehe weitere Abschriften
Inhaltsverzeichnis

II. Welt- und Heilsgeschichte der Ekklesia

1. Welt- und Heilsgeschichte in ihrer Verflechtung von Anfang

Weltgeschichte berichtet den Verlauf des Heilsgeschehens; Heilsgeschichte berichtet den Verlauf des Heilsgeschehens. Beide Berichte sind voneinander nicht zu trennen, denn: die von Gott geschaffene Welt ist in Sünde gefallen und hat seit der Zeit eine Entwicklung in der Gottabwendung. Dieselbe Welt muss durch Gott erlöst werden und hat zu gleicher Zeit, soweit sie schon erlöst ist, eine Entwicklung in der Gottzuwendung. Beide Entwicklungslinien durchkreuzen sich fortgesetzt und sind so miteinander verflochten und verwoben, dass sie nicht zu trennen sind.

Wie Fall und Rettung der Welt nicht zu leugnen und beide Ereignisse aufeinander bezogen zu bewerten sind, - denn die Verlorenheit sucht die Rettung, und die Rettung wird angeboten, solange die Verlorenheit besteht -, so sind die beiden Ereignisse auch zeitlich nicht zu trennen. Wohl währt der Fall Jahrtausende; aber es ist nicht so, dass erst nach Jahrtausenden die Rettung erfolgt. Nein, die Rettung setzt im Augenblick des Falles ein! Wenn dann auch die Folgen des Falles sich noch auf Jahrtausende erstrecken, so hat in der Zeit auch die Rettung ihr Werk erwiesen, und läuft in derselben Dauer zielwärts, weil Überwindung des Falles offenbart ist. Weltgeschichte in der Blickrichtung des Falles, und Heilsgeschichte in der Blickrichtung des Falles, und Heilsgeschichte in der Blickrichtung der Rettung sind weder sachlich, noch örtlich, noch zeitlich zu trennen; sie gehören zusammen!

Gesonderte Weltgeschichte ist darum Trennung vom Heil, und gesonderte Heilsgeschichte ist Trennung von der Welt. Trennung der Weltgeschichte von der Heilsgeschichte führt zur Heilsverneinung, und Trennung der Heilsgeschichte von der Weltgeschichte führt zur Weltverneinung. Beides ist verhängnisvoll.

Weil aber die Trennung beider Geschichtsbetrachtungen vielfach vollzogen ist, darum hat man vielerorts eine „Heil-lose“ Weltgeschichte, die auf extrem materialistischen Anschauungen fußt, und eine „unnatürliche“ Heilsgeschichte, die sich mehr mit den „Sternen“ befasst, und nicht mit der heilsbedürftigen Welt.

Ist es verwunderlich, wenn wir unter solchen Umständen heilsfremde Historiker und weltfremde Theologen haben? Einseitige Historik wird die natürliche Welt von der Heilswelt lösen und landet folgerichtig in der Evolutionstheorie. Einseitige Theologie wird in überweltlichen und übersinnlichen Spekulationen, in totem Dogmatismus und starrem Formalismus enden.

Das mag ein hartes Urteil sein, jedoch wird es von den nackten Tatsachen bestätigt. Woher kommt denn die Historik, die im Blick auf das unentbehrliche Heil Gottes nur mit Negativem operiert? Woher kommt die Theologie, die mit ihrer „Heilslehre“ dem natürlichen Menschen nicht dient, sondern ihn verwirrt? Was ist die Ursache für den gegensätzlichen Verlauf der beiden Linien? Ist das nicht die in weiten Kreisen beider Richtungen viel gehegte und gepflegte Doppelheit? - Die Teile einer Sache können nur dann sich verlieren, wenn sie einer Ganzheit und Geschlossenheit nicht mehr angehören. Geschlossenheit ist immer Kraft, Getrenntheit dagegen Schwäche.

Die Bibel spricht von der Weltgeschichte und von der Heilsgeschichte, und das in wechselseitiger Beziehung. Die Darstellung der Weltgeschichte in der Bibel ist umfangreicher als man gemeinhin annimmt. Und doch wird sie da nur im Rahmen der Heilsgeschichte gezeichnet. Weltgeschichte wird nur soweit dargestellt wie sie der Offenbarungsboden des Heilsgeschehens ist. Andererseits ist die Heilsdarstellung der Bibel sehr umfangreich, aber wiederum auf das Weltgeschehen begrenzt. Selbst die Darstellung im prophetischen Wort reicht bis auf die „neue Erde“. Heilsdarstellung ist an den Ort gebunden, wo das Heil in erster Linie zur Durchführung gelangt. Der Ort der Heilsoffenbarung ist aber diese Welt! (Nähere Ausführungen hierüber siehe meine Broschüre: Jesus Christus im Alten Testament.)

Wir merken uns die Tatsache: Wesen und Umfang der biblischen Weltgeschichte entspricht der Dringlichkeit des Heilsgeschehens, Zeit und Ort der Heilsgeschichte der des heilsbedürftigen Weltgeschehens.

Gigantisch ist der Aufriss der Weltgeschichte auf dem ersten Blatt der Bibel. Die Profangeschichte kann nicht im entferntesten dieses aufzeigen. Mit welcher Deutlichkeit werden die sechs Umbruchsperioden gezeigt, die die Welt vor dem menschlichen Dasein erlebt hat. Die modernen Geologen werden noch viel zu erforschen haben, um die Schichtung und Umschichtung der Erde in der gezeigten Reihenfolge festzustellen.

Was die Geologen bis dahin mit Sicherheit festgestellt haben, ist die Tatsache der vielfachen geologischen Schichtung. Unsicher ist die Feststellung über die Reihenfolge dieser Umschichtung bis hin zum Anfang. Noch unsicherer ist die Feststellung über die Ursachen der geologischen Geschehnisse. Die Bibel bezeugt alles mit einer erstaunlichen Genauigkeit. Sie lässt uns weder über die Ursachen, noch die Folgen, noch die Reihenfolge im Unklaren. Die Bibel liefert uns im wahrsten Sinne des Wortes Geschichte des Weltgeschehens, und nicht Hypothesen.

Heilsoffenbarung in der Weltgeschichte

Die exakte Weltgeschichte auf dem ersten Blatt der Bibel weist aber auch auf den unverkennbaren Heilsgrund hin. Deutlich wird da gesagt von dem immer neuen Einbruch des „Tages“ mit seiner Licht- und Lebenswirkung. Lebenswesen gewinnt von Epoche zu Epoche die immer größere Herrschaft über das Todeswesen. Obgleich das Todeswesen alles umbricht, vermag es doch nicht die Neugestaltung des Lebens auf der Umbruchstelle zu verhindern. Das ist Heilsoffenbarung in der Weltgeschichte!

Nicht übersehen werden darf hier das Vorhandensein der beiden Prinzipien: Leben und Tod, Licht und Finsternis, Gut und Böse. Das ist der beste Beweis für die Heilsnotwendigkeit im Weltgeschehen. Solange diese beiden Prinzipien in dieser Welt sich kämpfend begegnen und ablösen, so lange benötigt diese Welt das Heil. Solange ist auch Heilsgeschichte in der Weltgeschichte und umgekehrt. -

Anmerkung: Erstes Heilsgeschehen ist durch den ersten Sündenfall bedingt. Heil setzt den Fall voraus. Tatsache ist, dass der erste Sündenfall nicht durch den Menschen im Paradiese eintraf, sondern schon vor vielen Äonen durch Luzifer (Lichtträger) vor Gott erfolgte. Folglich setzte das Heilsgeschehen nicht erst nach dem Sündenfall des Menschen ein, sondern schon nach dem Fall Luzifers. Die ersten Verse der Bibel sind somit die Darstellung des Heilsgeschehens im Weltgeschehen. Die Verpflechtung der beiden Geschichtsweisen ist konsequente Notwendigkeit.

2. Welt- und Heilsgeschichte zur Zeit der ersten Menschen

Im Blick auf die wechselseitige Beziehung der Welt- und Heilsgeschichte bestände kein Anlass, diese Epoche gesondert zu behandeln. Diese Verwobenheit der beiden Geschichten ist so gleichmäßig, dass eine Unterbrechung nur störend wirken könnte. Und doch setzen wir hier ein neues Kapitel, nicht um einen abgerissenen Faden zu verknoten, sondern um den ungebrochenen, uns näherrückenden, das menschliche Dasein durchziehenden Faden in seiner markanten Erscheinung deutlicher aufzeigen zu können. Es ist doch gewiss bedeutungsvoll, wenn die untrügliche Welt- und Heilsgeschichte, aus der grauen Vorzeit kommend, im Daseinskreis des Menschen erblickt wird. Wen sollte wohl nicht die Frage interessieren, wie sich die Weltgeschichte, durchwoben und beeinflusst von der Heilsgeschichte, im Bereich des Menschen entwickelte und gestaltete?

Hinsichtlich der Weltgeschichte kann hier mit wenigen Sätzen Folgendes festgestellt werden. Ehe der Mensch erschaffen wird, ist für seine irdische Existenz alles Notwendige vorhanden. Wasser, Luft und Erde sind erfüllt mit Lebewesen aller Art. Kosmisch, biologisch, geographisch und klimatisch ist die Welt so geordnet, dass sie dem Menschen eine gute Heimat werden kann. Alles ist da, um seinen Lebensunterhalt zu sichern. Sogar Fürchte, die zu seiner Ernährung notwendig sind, werden ihm nicht in Aussicht gestellt, sondern sie sind vorhanden. Der Mensch hat kurz gesagt, einen reich gedeckten Tisch, an dem er sich sorg- und mühelos gütlich tun kann.

Über den Vorgang der Erschaffung des Menschen sagt der biblische Weltgeschichtsbericht sehr wenig.* Und das mit gutem Recht. Wenn wir nach vielen Jahrtausenden mit unserer „Mikroskopen-Wissenschaft“ noch lange nichts begriffen haben, was das Erschaffene ist, wie sollten wir die Erschaffung erkennen können? Was uns wegen seiner Größe unbegreiflich ist, braucht uns erst nicht berichtet zu werden. Jeglicher Bericht ist der Aufnahmefähigkeit des Hörenden angepasst. Schöpfung des Menschen ist nicht mit ihm, sondern an ihm geschehen. Alles, was an ihm geschieht, ist ihm ein Geheimnis, und darum verborgen.

*Der biblische Bericht über die Erschaffung des Menschen bietet keinerlei Möglichkeit, an eine allmähliche Entwicklung aus einem Urzustand her zu denken. Der Mensch steht im biblischen Blickfeld als voll verantwortlich vor Gott und sich selber. Klar muss es uns sein, dass mit einem gewaltigen Bilde. „Gott nahm einen Erdenklos“ angedeutet ist, was als Gotteswunder außer unserem Verstande liegt, und von uns nicht gedeutet werden kann.

Der Zweck der Erschaffung des Menschen wird mit aller Deutlichkeit gesagt: „Herrsche!!“ Weltgeschichtlich ist damit angedeutet, dass der Mensch nicht etwa zu irgend einer Zeit als Tierwesen mit anderen Tieren ein bloßes Triebleben führte, und dann später einmal aus irgend einem Grunde hervortritt, sondern er ist das hochintelligente Geschöpf, über alle Geschöpfe gestellt zur Führung!

Damit ist zweierlei festgestellt:

  1. Die bisherige Welt ist in ihrer Haltung haltlos, weil sie der Führung bedarf. Ihr inneres Gefüge ist aus einem bösen Grunde zusammenhanglos geworden und benötigt eines von Gott geprägten Charakters.
  2. Als Bevollmächtigter Gottes tritt der Mensch in den Mittelpunkt und wird zum Gestalter des Weltgeschehens! Von hier ab erhält die Weltgeschichte ihr Gepräge vom Menschen. Es beginnt die Menschheits-Weltgeschichte! - Was muss das für eine gewaltige Zeit gewesen sein, als der Mensch majestätig durch die aus der Harmonie mit sich und Gott gefallenen Natur und Kreatur schritt, um sie nicht nur dem Namen, sondern auch dem Wesen nach unter seine Führung zu gewinnen!

Der Mensch als Herrscher

Verknüpft ist damit auch die Heilsgeschichte. Der Mensch wird nach dem Willen Gottes der Beherrscher, d. h. der Überwinder einer in Sünde verdorbenen Welt. Im Blick auf die heilsbedürftige Welt ist seine „Herrschaft“ gleichbedeutend mit Erlösung! - Was hätte sonst seine „Herrschaft“ (= Unterordnung) der gegensätzlichen Welt für einen Zweck, wenn sie nicht Befreiung (= Erlösung) bedeutete? Der Mensch wird der Gestalter der Weltgeschichte, weil er der Gestalter der Heilsgeschichte werden soll! Mit dem Heilsauftrag tritt er in die heilsbedürftige Welt.

Positive Bedeutung hätte der Mensch erlangt, wenn er im heilsmäßigen Sinne gelebt hätte. Das war im Anfang wohl der Fall. Später trat jedoch eine Änderung ein. Anstatt die Herrschaft Gottes auszudehnen, gestattete er dem bösen Prinzip, in sein Herrschaftgebiet einzudringen. Sein Wirkungsgebiet wurde darum immer enger und immer kleiner. Schließlich war er in der „Enge“ (Paradies) und hat dort endlich sogar das böse Prinzip zum Lebensprinzip angenommen. Zu seinem Entsetzen und zu seiner Schande wurde das übernommene Prinzip ein Todesprinzip. Das führt zu einem neuen Verhältnis, das wir im nächsten Kapitel sehen werden.

Merksatz: Der Mensch, der zum heilsmäßigen Faktor des Weltgeschehens bestellt ist, versagt. Die unter der bösen Herrschaft stehende Kreatur wird samt dem Menschen in noch schwerere Ketten gelegt. Das Leben, das durch den Lebensträger „Mensch“ die endgültige Überwindung erlangen soll, wird vom Tode noch einmal aufgehalten. Der Mensch fällt in eine unübersehbare Verschuldung, weil er dem Auftrag seinen Schöpfers: H e r r s c h e ! untreu geworden ist.

3. Welt- und Heilsgeschichte zur Zeit des Sündenlebens

Mit wehem Herzen verfolgen wir die weitere Geschichtsdarstellung. Es ist das wahrlich eine tragische Angelegenheit, wenn man den majestätischen Menschen, der alles Weh und Leid der Welt überwinden soll, bald als einen elenden Sklaven antreffen muss.

Wo sahen wir ihn zuletzt? An einem wunderschönen Ort, „Paradies“ genannt. Zwar war das schon eine beängstigende Einengung, die durch das gestattete Eindringen des Bösen entstanden war, jedoch war es immer noch der „Garten Eden“. Nun sagt uns aber der weitere Bericht, dass der bisherige Wohnort dem Menschen zum Gerichtsort gegeben wird.

Im neuen Wohngebiet sind die Menschen auf sich selbst angewiesen. Das Gottesbewusstsein im Menschen schwindet und macht dem Selbstbewusstsein Platz. Selbstbewusstsein aber, ohne Kontrolle des Gottesbewusstseins, führt zum übersteigerten Ichbewusstsein!

In selbstbewusster Weise fangen die Menschen an, die Lebensexistenz hart zu erringen. Es beginnt ein Lebenskampf, der den ganzen Einsatz der eigenen Persönlichkeit erfordert. Jeder in seiner Weise erwählt einen Beruf; der eine wird ein Hirt, der andere Ackersmann, um nach Maßgabe der persönlichen Fähigkeiten dem Lande das Lebensnotwendige abzuringen. Solches Ringen um die Selbst- und Icherhaltung kann keine anderen Folgen als die Unschädlichmachung, ja Beseitigung des Nächsten haben. Wo das „Ich“ den Vorrang erjagen will, da beginnt das Brudermorden. Neid und Leid sind fortan die ständigen Begleiter des Menschen.

Aufs Ganze gesehen, bleibt auch fernerhin der Mensch der Geschichtsgestalter. Ist er nicht der epochemachende Handlanger des guten Prinzips, dann eben der des bösen. Es bleibt jedoch dabei, dass der Mensch nach außen hin die Geschichte macht!

Was an dieser Stelle noch begriffen werden muss, ist die Tatsache, dass auch das böse Prinzip Leistungsfähigkeiten besitzt, die erstaunlich sind. Leistungsfähigkeit ist übrigens die Existenzmöglichkeit des bösen Prinzips. Hätte es keine Leistungen aufzuweisen, dann könnte es nicht existieren.

Das ist aber wiederum das furchtbar Verfängliche, dass das Böse mit seinen Leistungen den Menschen blenden und gefangen nehmen kann. Ichbefangene Menschen sind von den Leistungen des Bösen entzückt!

Erstaunlich sind die Leistungen, die schon die ersten Menschen zu vollbringen vermögen. Sie bauen Städte. Was sind aber Städte in Anbetracht der damaligen Verhältnisse? Konzentrierte Wohnstätten selbstsüchtiger Kapitalisten und Ausbeuter. Der Fluch der bösen Tat fängt an sich auszuwirken. Noch andere Leistungen werden genannt: „Geiger und Pfeifer“. Kunst macht sich breit, freilich in erster Linie „gewinnbringende“ Kunst. Sensationsarbeiter erfinden eine Verdienstquelle. Weiter wird genannt das „Meisterwerk in allerlei Erz und Eisen“. Industrie kommt hoch. Weniger um zu beglücken, als vielmehr zu „bedrücken“, d. h. um habsüchtige Unternehmer reich zu machen. - Industrielle Errungenschaften haben selten dem Menschen den tiefen Frieden und die heilige Ruhe vermittelt. Sie machen ihn aber begierig nach Ansehen und Macht; sie machen ihn lüstern nach der industriellen „Herrschaft“. Nirgends hat sich der nackte Materialismus krasser ausgewirkt als auf dem industriellen Gebiet.

Die weitere Entwicklung auf dieser Linie könnte auch ohne den Geschichtsbericht erraten werden. Das Resultat solcher Entwicklung kann nur Katastrophe und Untergang sein. Wenn die Menschen sich vom guten Prinzip, vom „Geiste Gottes, nicht mehr strafen lassen“, dann kann das Ende des bösen Dichtens und Trachtens der Menschen wahrlich nur Verderben sein. Und wenn die Bibel das berichtet, dann stellt sie nur in aller Wahrhaftigkeit dar, was nicht ausbleiben kann.

Die Sintflut musste kommen! „Irret euch nicht, Gott lässt sich nicht spotten; denn was der Mensch sät, das muss er ernten.“ Wo der Geist zurücktreten muss, gewinnt das Fleisch die Oberhand. Alles, was aus dem Fleisch kommt, hat die Lebensdauer des Fleisches. Nie kann das Produkt des Fleisches ewig sein. Die Sintflut ist die Antwort auf die Frage nach der Wertbeständigkeit der Fleischeswerke*.

*„Die großen Gerichte der Weltgeschichte waren in der Regel nichts anderes als die unabwendbaren Auswirkungen jener anormalen Kulturzustände, die ein Volk in seiner Selbstberauschung zu seinem Verderben missbraucht hat.“ - Jakob Kröker in seinem Buche: Noah und das damalige Weltgericht.

Dass viele Historiker die Sintflut anzweifeln, ist durchaus nicht verwunderlich, denn sie haben sie nicht „erlebt“. - Wer Gottes Gerichte, das konsequente „Nein“ zur Sünde anzweifelt, der ist blind für die Wirklichkeit und lebt im grenzenlosen Selbstbetrug. Die Kosmologie und Geologie, und auch die Mythologie, die sich in allen Völkern prinzipiell gleichmäßig erhalten haben, geben aber dem biblischen Bericht Recht.*

*Man lese diesbezüglich die sehr wertvollen Werke von Urquhart.

Heilsgeschichtlich gesehen

Heilsgeschichtlich gesehen, sind in dieser Epoche drei Tatbestände von Bedeutung. Zunächst ist es das Opfer, das nach dem Sündenfall den Menschen zur ständigen Übung verordnet ist. Mit dem Opfer sind die Menschen im heilsmäßigen Sinne zunächst auf Gott hingelenkt. Dem Menschen kann nur dadurch Heil widerfahren, indem Gott selbst das höchste Opfer bringt. Gottes Opfer ist Christus! (1Mo 3:15). Auf dieses vollgültige Opfer in Christus soll der Mensch im erzieherischen Sinne durch das vorbildliche Opfer hingewiesen werden. Denn Gott ist der Handelnde im Heilsgeschehen! Gottes Heilswirken vollzieht sich nicht mehr durch den Menschen, denn er ist gefallen, sondern am Menschen durch sich selbst in Christus! „Gott war in Christo, und versöhnte die Welt mit ihm selber“ (2Kor 5:19).

Auch sollte der Mensch belehrt werden, dass er ohne Opfer niemals errettet werden kann. Ihm ging nicht weniger als das reine Leben verloren, darum muss reines Leben zur Rettung eingesetzt werden. Das verlorene volle Leben des Menschen ist’s, das durch das Opfer eines reinen Lebens erkauft werden soll. Es durfte darum der Mensch nie ein Opfer bringen lassen, sondern er musste es eigenhändig, durch „seiner Hände Werk“ bringen. Er ist es selber, der durch das Opfer das Heil empfangen soll.

Das zweite Heilsereignis ist die „Predigt des Namens Gottes“, die mit Seth und seinen Nachkommen beginnt. Welche Bedeutung gewinnt die Predigt? Ist doch das Opfer auch schon eine Predigt von den zwei weltbeherrschenden, elemtentaren Ereignissen: Fall und Rettung! Jedoch fehlt der „Predigt ohne Worte“ die theologische und dogmatische Deutung. Die Deutung ist mit dem Schwinden des Gottesbewusstseins erforderlich geworden. Die Menschen verloren, zufolge des ständigen Sündeneinflusses, das geistliche Erkennungs- und Aufnahmevermögen, so dass sie schließlich im Opfer nichts mehr als eine überlieferte Sitte, ein völlig entleertes traditionelles Ritual sahen. Darum muss die Predigt einsetzen, als Deutung des Opfers, das sinnbildlich als Klarstellung des Falles und Darstellung der Rettung dient.

Zweifacher Gottesdienst

Seit der Zeit besteht der zweifache Gottesdienst: Altardienst und Kanzeldienst! Altardienst als sinnfällige, und Kanzeldienst als deutende Darstellung. Beide Dienste bedingen sich und erhalten nur in der Gemeinsamkeit ihre Bedeutung.

Worauf hier mit besonderem Nachdruck aufmerksam gemacht werden muss, ist die Tatsache, dass für die Predigt des Namens Gottes, die „Auswahl“ bestimmt wird.* Die Auswahl ist der Prediger, d. h. der Deuter Gottes. Mit der Berufung zur Predigt tritt die E k k l e s i a ** in die Erscheinung, von der wir in der weiteren Abhandlung noch viel zu sagen haben werden.

*Diese ganze Abhandlung hat den Zweck, die biblische „Auswahl“ mit aller Deutlichkeit herauszustellen. Der geneigte Leser möge das beachten, wenn er von dieser Darstellung einen Gewinn haben will.
**Die ursprüngliche Bedeutung des Wortes Ekklesia ist: „Die gesetzmäßige Versammlung aller im Besitz des Bürgerrechts sich befindender Männer einer freien griechischen Stadt zum Zweck der Verhandlung öffentlicher Angelegenheiten.“
Was sagt das Wort Ekklesia aus? 1. Die Versammlungsberechtigten werden durch Herolde berufen (cf. Ekklesia von ekkaleoo, d. h. auf-heraus-rufen). 2. Diese Berufung geschah aufgrund von Auslese-Auswahl (cf. die Vorsilbe „ek“ = aus-heraus). Denn nicht die Periöken (Pöbel), die wohl frei waren, aber kein Bürgerrecht besaßen, noch die Fremden, die Wohnrecht hatten ohne Bürgerrecht zu besitzen, noch die der bürgerlichen Rechte verlustig Gegangenen, wurden zur „Ekklesia“ zugelassen.

Die ekklesiale Linie war auch schon in Abel, wenn auch in einer mehr verhüllten Weise, vorhanden. Darum wird Seth als der direkte Nachkomme Abels genannt (1Mo 4:25.26). Das Heil offenbart sich aber im Opfer und seiner Deutung (= „Wort vom Kreuz!, 1Kor 1:18). Abel ging darum den Opferweg im doppelten Sinne: a) opfernd für sich, b) selbst geopfert für die Heilswahrheit.

Auch der spätere Nachkomme, Noah, ging den Auswahl- und Opferweg. Er hat viele persönliche und sachliche Opfer gebracht, um das Banner des Heils durch die sturmbewegte Sündenzeit zu tragen. Schließlich erlebte er ein besonderes Gericht, welches auch das dritte Ereignis des Heilsgeschehens wird. Das ist ein eigenartiges Gericht, denn es wird die ganze Welt dem Tode geweiht, um den Sieg des Heiles Gottes zu offenbaren. Mitten in diesem ungeheuren Weltsterben trägt die rettende Arche die Frucht des Heils. Sie ist zahlenmäßig gering, aber wertmäßig groß, denn sie ist die „Erstlingsfrucht“, eine Vollfrucht, die in der Sündenglut ausgereift ist. Dieses Heilsgeschehen in der Arche, die mitten in der untergehenden Welt steht und ihr doch nicht angehört, ist ein einzigartiges Symbol auf Christus (1Petr 3:20.21)!

Merksatz: Zu der Zeit, in der der entsetzliche Sündenfall des Menschen Tatsache wird, und der Mensch alle Folgen des Falles auf sich nehmen muss, offenbart Gott das Heil, jedoch zunächst in vorschattender Weise. Opfer und Predigt sind für Auge und Ohr das Heilsangebot Gottes an die verlorene Welt, das letztlich in seinem Sohn, Jesus Christus, vollführt wird. Vorläufiger Träger des Heils in Opfer und Predigt ist die Ekklesia, die mit Abel im Dämmerlicht steht und mit Seth und den weiteren Nachkommen allmählich ins Morgenlicht geführt wird, um bei Paulus im vollen Tageslicht ruhmvoll zu erscheinen.

Lies weiter:
4. Welt- und Heilsgeschichte zur Zeit der Einsamen