Der Epheserbrief - Kapitel 1: Unterschied zwischen den Versionen

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''Dank und Fürbitte des Apostels''  <br/>
 
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===Einleitung===
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Am Anfang eines neuen Jahres möchten wir alle unsere Leser von Herzen grüßen und ein recht gesegnetes Jahr wünschen. Der vorliegende Epheserbrief bietet uns ja die Möglichkeit, tief in Gottes Wort einzudringen; der Segen wird nicht ausbleiben.
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Den Epheserbrief kann man grob in zwei Hälften teilen:; die ersten drei Kapitel zeigen uns unsere "Stellung in Christus" auf, während die letzten drei Kapitel unseren Wandel beinhalten und  behandeln.
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Mit unserer "Stellung in Christus, zeigt uns Gottes Wort, was uns in der gnade alles geschenkt wird, was wir ohne eigenen verdienst erworben haben, was wir in unersem Hern und Haupt vor Gott, der Vater, sind. Nirgendwo anders in den uns betreffenden Briefen wird uns so deutlich und eindringlich gezeigt, wie gewaltig die Gnade an denen wirkt, die Gott zuvor erwählt hat.
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Wo solche gewaltigen geistlichen Wahrheit im Glauben erfasst werden dürfen, da muss auch im Alltag, in unserem Wandel etwas sichtbar werden. Auch sind wir, als die Begnadeten, den Mächten der Finsternis im besonderen ein Dorn im Auge. Hier dienen uns dann die letzten drei Kapitel, die uns für alle Lebenslagen Rat und Hilfe geben, die uns anspornen und immer wieder neue Kraft zufließen lassen, wenn wir verzagen sollten.
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An Tiefe und Herrlichkeit ist dieser Brief, der ja den Charakter eines Rundbriefes trägt, unübertroffen, offenbart doch der erhöhte Herr dem in Gefangenschaft befindlichen Apostel darin die tiefsten Aussagen über Seine Körpergemeinde.
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Mögen uns all diese Verse zutiefst beglücken und uns in der Beharrlichkeit stärken, beständig und jederzeit dem Herrn zu begegnen.<br/><br/>
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=='''Verfasser, Empfänger und Gruß''' ==
 
=='''Verfasser, Empfänger und Gruß''' ==
 
===Eph 1:1===
 
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:'''''"Paulus, Apostel Christi Jesu durch den Willen Gottes."'''''
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Wie damals üblich, stellt sich der Verfasser des Briefes gleich am Anfang vor, wobei wir in "Paulus" den römischen und in "Saulus" den hebräischen Namen sehen müssen. Interessant ist heute für uns, warum sich überhaupt der Name vom Hebräischen in das Ausländische geändert hat. Die Änderung vollzieht sich ja in Kap. 13 der Apostelgeschichte. In [[Apg 13:2]] lesen wir von der Absonderung des Saulus für den Dienst an den Nationen; diese Absonderung stellt den markantesten Punkt im Dienst des Paulus dar.
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Der Namenswechsel von Saulus in Paulus fand bei der Begegnung mit dem abgefallenen jüdischen Magier Bar-Jesus (verdolmetscht: "Elymas") statt. Dieser Elymas versuchte, den Prokonsul der Insel Cypern von dem abzuwenden, was er von Paulus zu hören bekam. Als strafe dafür, dass er Paulus in den Rücken fiel, fiel Blindheit auf den falschen Propheten "bis zum festgesetzten Zeitpunkt" ([[Apg 13:11]]).
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Elymas schattet damit Israel ab! Israel fällt Paulus in den Rücken, indem es verhindern will, dass ihr Evangelium auch die Nationen erreicht und diese gläubig werden. Man beachte u. a. nur in [[Apg 13:44]]-48, wo sich der Aufruhr unter den Juden genau dort entzündete, wo die aus den Nationen ins Spiel kamen. Das Evangelium wird folglich von Israel genommen und den Nationen gegeben. Israel muss in Blindheit ausharren, d. h. es ist ihm kein Erkennen der göttlichen Verheißung geschenkt, bis Paulus die aus den Nationen Berufenen erleuchtet hat, was die gegenwärtige Verwaltung des Geheimnisses betrifft.
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Mit Saulus ging die Botschaft des Evangeliums noch an Israel, sie beinhaltete reine Königreichsbotschaft; mit Einführung des ausländischen Namens Paulus wurde Israel mit Blindheit geschlagen und die Botschaft ging an die Nationen - und dies so lange, bis gemäß [[Röm 11:25]] die Zahl der Vervollständigung der Nationen erreicht ist.<br/><br/>
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Die Voraussetzung für das Apostelamt der zwölf Jünger Jesu finden wir in [[Apg 1:21]]-22, wo es um die Nachfolge des Judas ging. Alle diese Voraussetzungen, die auf den dort gewählten Matthias zutrafen, finden wir bei Paulus '''nicht'''! Seine Wahl und Berufung geschah auch nicht von und durch Menschen, sondern direkt und persönlich durch den erhöhten Herrn.
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Beachtenswert ist hier auch die Wortstellung "Christus Jesus". Bei den Aposteln der Beschneidung heißt es "Jesus Christus" (z.B. [[Jak 1:1]]; [[1Petr 1:1]] usw.). Jesus" ist hier der irdische Name und weist demgemäß auf die Zeit Seiner Erniedrigung auf Erden hin; Christus ist der Titel, den Er als der erhöhte Sohn Gottes innehat. Die Apostel der Beschneidung wurden von dem Herrn Jesus Christus berufen, hier steht der irdische Name am Anfang. Paulus wurde von dem erhöhten Herrn berufen, hier steht der Titel am Anfang.
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Obwohl Paulus im Verlauf des Briefes auch die umgekehrte Bezeichnung "Jesus Christus" benützt - wor allem in der Verbindung mit dem Wort "Herr" - sehen wir doch die Wichtigkeit der Sonderstellung des Apostels. Deutlich weist er im Brief an die Galater auf den Unterschied: "Denn ich mache euch bekannt, Brüder: Das von mir verkündigte Evangelium ist nicht menschengemäß. Denn ich erhielt es weder von einem Menschen noch wurde ich es gelehrt; vielmehr wurde es mir durch eine Enthüllung Jesu Christi zuteil" ([[Gal 1:11]]-12).
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Der Wille Gottes weist damit klar in eine neue Richtung: Nicht mehr Israel, sondern die Nationen treten in den Vordergrund, und damit ist auch ein neuer, von den zwölf Aposteln unabhängiger Apostel notwendig geworden.<br/><br/>
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:.'''''"an alle Heiligen, die auch Gläubige in Christus Jesus sind."'''''
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Vom Absender kommen wir heute zu den Empfängern des Briefes. "Heilige" sind immer von Gott Abgesonderte. Dies können solche aus Israel wie auch solche aus den Nationen sein. Das AT ist voll von solchen Bezeichnungen. Auch Gegenstände wie Berge, Wege oder eine Stadt können als "heilig" bezeichnet werden, wenn sie von Gott für eine Aufgabe abgesondert wurden (siehe J[[es 52:1]]; [[Jes 65:11]]; [[Ps 110:3]]; [[Ps 77:14]]ff. u.a.m.)
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Die Unterscheidung der Heiligen im Epheserbrief liegt hier im "gläubig sein in Christus Jesus". Hier wollen wir das Wörtchen "in" besonders hervorheben. Israel ist gläubig "an" Christus Jesus, wir, die aus den Nationen, sind Gläubige "in" Christus Jesus, und dies zeigt uns unsere besonders innige Verbindung mit dem Herrn. Man kann an Jesus Christus glauben und ist doch nicht in Ihm - welch großer Unterschied!
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In Röm 6:1ff wird uns gesagt, was es heißt, "in Ihm" zu sein: Wir sind in Christus Jesus getauft, d.h. wir sind mit Ihm gestorben und gleichzeitig in Ihm lebend für Gott (Röm 6:11).
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"Zusammen mit Christus bin ich gekreuzigt; ich lebe aber, doch nicht mehr ich, sondern in mir lebt Christus" ([[Gal 2:20]]). Möge uns allen diese innige Verbindung täglich vor Augen stehen u nd uns immer wieder Kraft geben zum Durchhalten in einer schweren Zeit, bis wir am Ende schauen dürfen, was wir im Glauben festgehalten haben.<br/><br/>
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===Eph 1:2===
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:'''''"Gnade euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus!"'''''
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Vom Empfänger kommen wir zum Eingangsgruß. Es ist uns allen bekannt, dass wir in dem gegenwärtig bösen Äon leben (Gal 1:4). In diesem Äon ist, wie uns die Weltlage immer wieder überdeutlich vor Augen stellt, unter den Menschen kein Frieden ohne Gnade möglich.
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Da der Mensch von sich aus nicht in der Lage ist, Frieden zu halten, handelt Gott und beschenkt uns mit Seiner überströmenden Gnade. Gnade ist das erste, womit ein Mensch, der zum Glauben kommt, konfrontiert wird. Sie beinhaltet buchstäblich alles, was ein Mensch in der heutigen Verwaltung braucht, um vor Gott bestehen zu können, um vor Ihm gerecht und gerettet zu sein.  Das Wissen, das uns [[Eph 2:8]] vermittelt, dass wir nämlich in der Gnade Gottes Gerettete sind, ist unser köstliches Glaubensgut, das wir durch alle Gefahren des Lebens hindurch festhalten müssen, auch dann, wenn wir an unserer alten, fleischlichen Natur fast verzweifeln.
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Erst nachdem wir uns dieser Gnade absolut gewiss sind, erst dann folgt der Friede und erfüllt unser Herz; er macht uns ruhig und gelassen, er beeinflusst auch nachhaltig unseren täglichen Wandel.  Ein Mensch, dessen Herz mit Friede erfüllt ist, strahlt diesen Frieden auch aus bzw. ab.
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Der Friede ist eine Folge der Gewissheit, dass wir in unserem Herrn Begnadete sind und dass uns nichts mehr von der Liebe Gottes trennen kann!
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Gnade und Friede, beides im Wandel zum Ausdruck zu bringen, ist einen Zubereitung für unseren zukünftigen Dienst in den überhimmlischen Gefilden.<br/><br/>
  
 
=='''Lobpreis Gottes''' ==  
 
=='''Lobpreis Gottes''' ==  
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===Eph 1:3===
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:'''''"Gesegnet sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus."'''''
  
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Es mag uns im ersten Moment schon merkwürdig berühren, dass wir Erden-Menschlein den großen Schöpfergott segnen sollen, zumal wir ja aus Gottes Wort wissen, dass Segnungen stets von Gott her kommen und diese Segnungen immer in einer positiven Vermehrung z.B. materieller Dinge bestanden. Das Volk Israel dient uns hierin als ein beredtes. Anschauungsobjekt.
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Wir Menschen können Gott in dieser obigen Weise des Segnens natürlich nie begegnen. Wenn wir aber das griechische Wort für Segen "eulogetos" untersuchen, so sehen wir, dass es auch mit "preisen" oder "loben" übersetzt werden kann. Damit gewinnt das "Gesegnet sei..." für uns eine ganz. praktikable Seite. Im Lob und Dank, im Preis und in der Anbetung darf sehr wohl auch von unserer Seite etwas zurückfließen, was wir in überströmender Weise vom Vater erhalten haben.
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Bewegt werden wir auch durch die Formulierung "Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus". In [[Gal 4:4]]-6 lesen wir: "Als aber die Zeit der Erfüllung kam, sandte Gott Seinen Sohn ... damit wir den. Sohnesstand erhielten. Weil ihr aber Söhne seid, schickte Gott in unsere Herzen den Geist Seines Sohnes aus, der laut ausruft: Abba, Vater!"
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Im unserem Herrn, liebe Geschwister, dürfen auch wir "Vater" sagen, weil wir in Ihm den Sohnesstand erlangt haben.
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Wie wunderbar wird uns noch diese innige Verbindung "in Ihm" durch dieser herrlichen Brief begleiten!<br/><br/>
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:'''''"....der uns mit jedem geistlichen Segen inmitten der Überhimmlischen in Christus segnet."'''''
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Wenn wir gestern ermuntert wurden, Gott zu segnen, d.h. Ihn zu loben und zu preisen, so sehen wir heute auch warum! Er ist es, der uns zuerst segnet, und dies in überwältigender Art und Weise. Aber, unsere Segnungen sind "geistlicher" Art und damit betreten wir, was die Art des Segnens betrifft, Neuland.
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Soweit wir vor Paulus in der Schrift zurückschauen, war Segen immer fleischlich-materieller Art, er war eng mit dem Volk Israel verbunden, wie wir es als Beispiel in [[3Mo 26:3]]-13 sehen. Es war und ist für jeden Menschen einfach, diese Art der Segnung zu verstehen und. zu erkennen, denn äußeres Wohlergehen, Reichtum und Gesundheit sprechen ja unsere Wahrnehmungssinne an.
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Im Gegensatz hierzu stehen die geistlichen Segnungen. Nicht mehr unsere. Sinne werden greif- und spürbar angesprochen, sondern unser Glaube! Geistliche Dinge sind nicht schau- und erlebbar, sondern nur mit unserem erneuerten Denksinn, also im Geist, in völligem Vertrauen auf den Vater zu fassen.
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Sicherlich merken wir den gewaltigen Unterschied, der sich hier mit Blick von Israel zu uns vollzogen hat! Herkommend von den sichtbaren, fleischlichen und materiellen Segnungen beginnt eine neue Periode, die alles Sichtbare und Erlebbare in die zweite Reihe stellt. Dies ist eine ganz unterschiedliche Aussage, denn der großen religiösen Masse steht eine kleine Minderheit gegenüber, die durch den innewohnenden heiligen Geist diese geistlichen Segnungen auch glaubensmäßig erfassen kann.
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Dieses "Erfassen können" ist aber kein eigener Verdienst, sondern beruht auf der Gnadenauswahl Gottes, wie wir später noch sehen werden.<br/><br/>
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Wir wollen heute noch unsere Aufmerksamkeit zuerst auf das Wort "jedem" lenken. "Jedem" geistlichen Segen heißt, dass der Segen in einer Fülle und Ganzheit ohne Ausnahme geistlicher Art ist, wobei wir nicht ausschließen möchten, dass Gott auch heute und unter uns in anderer Form segnet, wenn wir nur beispielsweise an die Heilung des Epaphroditus denken, eines Mitarbeiters Pauli ([[Phil 2:25]]-27).
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Weiter erregt unsere Aufmerksamkeit der Ort, an welchem diese Segnungen für uns zu haben sind: "inmitten der Überhimmlischen!" Wenn wir in der Luther-Übersetzung von "himmlischen Güter" lesen, so merken wir, wie gewaltig doch die genaue Übersetzung dieser Aussage Gottes ist und wie Martin Luther damals diese Aussage in seiner Tiefe noch gar nicht erfassen konnte. Der göttliche Wegweser zeigt also klar nach oben, nämlich dahin, wonach wir gemäß [[Kol 3:1]]ff unsere Gedanken ausrichten sollen: "Auf das droben sinnet, nicht auf das auf Erden!"
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Unsere geistlichen Segnungen sind für uns nur "in Christus" erhältlich. Wenn wir in den kommenden Tagen diese Segnungen betrachten, so steht die Verbindung "in Ihm" stets im Vordergrund und ist als Voraussetzung unübersehbar.
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Geschwister, freuen wir uns, dass wir Gläubige in Christus Jesus sind, dass wir nicht nur Seine Nachfolger, Seine Jünger sind, sondern "in Ihm", dass wir mit Ihm als Haupt einen Körper darstellen dürfen - die innigste Verbindung, die wir uns vorstellen können.<br/><br/>
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===Eph 1:4===
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:'''''"so wie Er uns in Ihm vor der Niederwurf der Welt auserwählt hat, damit wir Heilige und Makelloses vor Seinem Angesicht seien."'''''
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=='''Dank und Fürbitte des Apostels'''==
 
=='''Dank und Fürbitte des Apostels'''==
 
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Version vom 5. Juni 2023, 11:49 Uhr

Abschrift: Der Epheserbrief in täglichen Andachten: Band I - II
aus der Reihe "Christi unausspürbarer Reichtum"
von Gerhard Groß (+ 2022)

Mit freundlicher Erlaubnis von Gerhard Groß, Balingen
Band I und II vergriffen

siehe weitere Abschriften
Inhaltsverzeichnis

In Bearbeitung:

1. Der Epheserbrief - Kapitel 1

Verfasser, Empfänger und Gruß
Lobpreis Gottes
Dank und Fürbitte des Apostels

Einleitung

Am Anfang eines neuen Jahres möchten wir alle unsere Leser von Herzen grüßen und ein recht gesegnetes Jahr wünschen. Der vorliegende Epheserbrief bietet uns ja die Möglichkeit, tief in Gottes Wort einzudringen; der Segen wird nicht ausbleiben.

Den Epheserbrief kann man grob in zwei Hälften teilen:; die ersten drei Kapitel zeigen uns unsere "Stellung in Christus" auf, während die letzten drei Kapitel unseren Wandel beinhalten und behandeln.

Mit unserer "Stellung in Christus, zeigt uns Gottes Wort, was uns in der gnade alles geschenkt wird, was wir ohne eigenen verdienst erworben haben, was wir in unersem Hern und Haupt vor Gott, der Vater, sind. Nirgendwo anders in den uns betreffenden Briefen wird uns so deutlich und eindringlich gezeigt, wie gewaltig die Gnade an denen wirkt, die Gott zuvor erwählt hat.

Wo solche gewaltigen geistlichen Wahrheit im Glauben erfasst werden dürfen, da muss auch im Alltag, in unserem Wandel etwas sichtbar werden. Auch sind wir, als die Begnadeten, den Mächten der Finsternis im besonderen ein Dorn im Auge. Hier dienen uns dann die letzten drei Kapitel, die uns für alle Lebenslagen Rat und Hilfe geben, die uns anspornen und immer wieder neue Kraft zufließen lassen, wenn wir verzagen sollten.

An Tiefe und Herrlichkeit ist dieser Brief, der ja den Charakter eines Rundbriefes trägt, unübertroffen, offenbart doch der erhöhte Herr dem in Gefangenschaft befindlichen Apostel darin die tiefsten Aussagen über Seine Körpergemeinde.

Mögen uns all diese Verse zutiefst beglücken und uns in der Beharrlichkeit stärken, beständig und jederzeit dem Herrn zu begegnen.


Verfasser, Empfänger und Gruß

Eph 1:1

"Paulus, Apostel Christi Jesu durch den Willen Gottes."

Wie damals üblich, stellt sich der Verfasser des Briefes gleich am Anfang vor, wobei wir in "Paulus" den römischen und in "Saulus" den hebräischen Namen sehen müssen. Interessant ist heute für uns, warum sich überhaupt der Name vom Hebräischen in das Ausländische geändert hat. Die Änderung vollzieht sich ja in Kap. 13 der Apostelgeschichte. In Apg 13:2 lesen wir von der Absonderung des Saulus für den Dienst an den Nationen; diese Absonderung stellt den markantesten Punkt im Dienst des Paulus dar.

Der Namenswechsel von Saulus in Paulus fand bei der Begegnung mit dem abgefallenen jüdischen Magier Bar-Jesus (verdolmetscht: "Elymas") statt. Dieser Elymas versuchte, den Prokonsul der Insel Cypern von dem abzuwenden, was er von Paulus zu hören bekam. Als strafe dafür, dass er Paulus in den Rücken fiel, fiel Blindheit auf den falschen Propheten "bis zum festgesetzten Zeitpunkt" (Apg 13:11).

Elymas schattet damit Israel ab! Israel fällt Paulus in den Rücken, indem es verhindern will, dass ihr Evangelium auch die Nationen erreicht und diese gläubig werden. Man beachte u. a. nur in Apg 13:44-48, wo sich der Aufruhr unter den Juden genau dort entzündete, wo die aus den Nationen ins Spiel kamen. Das Evangelium wird folglich von Israel genommen und den Nationen gegeben. Israel muss in Blindheit ausharren, d. h. es ist ihm kein Erkennen der göttlichen Verheißung geschenkt, bis Paulus die aus den Nationen Berufenen erleuchtet hat, was die gegenwärtige Verwaltung des Geheimnisses betrifft.

Mit Saulus ging die Botschaft des Evangeliums noch an Israel, sie beinhaltete reine Königreichsbotschaft; mit Einführung des ausländischen Namens Paulus wurde Israel mit Blindheit geschlagen und die Botschaft ging an die Nationen - und dies so lange, bis gemäß Röm 11:25 die Zahl der Vervollständigung der Nationen erreicht ist.

Die Voraussetzung für das Apostelamt der zwölf Jünger Jesu finden wir in Apg 1:21-22, wo es um die Nachfolge des Judas ging. Alle diese Voraussetzungen, die auf den dort gewählten Matthias zutrafen, finden wir bei Paulus nicht! Seine Wahl und Berufung geschah auch nicht von und durch Menschen, sondern direkt und persönlich durch den erhöhten Herrn.

Beachtenswert ist hier auch die Wortstellung "Christus Jesus". Bei den Aposteln der Beschneidung heißt es "Jesus Christus" (z.B. Jak 1:1; 1Petr 1:1 usw.). Jesus" ist hier der irdische Name und weist demgemäß auf die Zeit Seiner Erniedrigung auf Erden hin; Christus ist der Titel, den Er als der erhöhte Sohn Gottes innehat. Die Apostel der Beschneidung wurden von dem Herrn Jesus Christus berufen, hier steht der irdische Name am Anfang. Paulus wurde von dem erhöhten Herrn berufen, hier steht der Titel am Anfang.

Obwohl Paulus im Verlauf des Briefes auch die umgekehrte Bezeichnung "Jesus Christus" benützt - wor allem in der Verbindung mit dem Wort "Herr" - sehen wir doch die Wichtigkeit der Sonderstellung des Apostels. Deutlich weist er im Brief an die Galater auf den Unterschied: "Denn ich mache euch bekannt, Brüder: Das von mir verkündigte Evangelium ist nicht menschengemäß. Denn ich erhielt es weder von einem Menschen noch wurde ich es gelehrt; vielmehr wurde es mir durch eine Enthüllung Jesu Christi zuteil" (Gal 1:11-12).

Der Wille Gottes weist damit klar in eine neue Richtung: Nicht mehr Israel, sondern die Nationen treten in den Vordergrund, und damit ist auch ein neuer, von den zwölf Aposteln unabhängiger Apostel notwendig geworden.

."an alle Heiligen, die auch Gläubige in Christus Jesus sind."

Vom Absender kommen wir heute zu den Empfängern des Briefes. "Heilige" sind immer von Gott Abgesonderte. Dies können solche aus Israel wie auch solche aus den Nationen sein. Das AT ist voll von solchen Bezeichnungen. Auch Gegenstände wie Berge, Wege oder eine Stadt können als "heilig" bezeichnet werden, wenn sie von Gott für eine Aufgabe abgesondert wurden (siehe Jes 52:1; Jes 65:11; Ps 110:3; Ps 77:14ff. u.a.m.)

Die Unterscheidung der Heiligen im Epheserbrief liegt hier im "gläubig sein in Christus Jesus". Hier wollen wir das Wörtchen "in" besonders hervorheben. Israel ist gläubig "an" Christus Jesus, wir, die aus den Nationen, sind Gläubige "in" Christus Jesus, und dies zeigt uns unsere besonders innige Verbindung mit dem Herrn. Man kann an Jesus Christus glauben und ist doch nicht in Ihm - welch großer Unterschied!

In Röm 6:1ff wird uns gesagt, was es heißt, "in Ihm" zu sein: Wir sind in Christus Jesus getauft, d.h. wir sind mit Ihm gestorben und gleichzeitig in Ihm lebend für Gott (Röm 6:11).

"Zusammen mit Christus bin ich gekreuzigt; ich lebe aber, doch nicht mehr ich, sondern in mir lebt Christus" (Gal 2:20). Möge uns allen diese innige Verbindung täglich vor Augen stehen u nd uns immer wieder Kraft geben zum Durchhalten in einer schweren Zeit, bis wir am Ende schauen dürfen, was wir im Glauben festgehalten haben.

Eph 1:2

"Gnade euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus!"

Vom Empfänger kommen wir zum Eingangsgruß. Es ist uns allen bekannt, dass wir in dem gegenwärtig bösen Äon leben (Gal 1:4). In diesem Äon ist, wie uns die Weltlage immer wieder überdeutlich vor Augen stellt, unter den Menschen kein Frieden ohne Gnade möglich.

Da der Mensch von sich aus nicht in der Lage ist, Frieden zu halten, handelt Gott und beschenkt uns mit Seiner überströmenden Gnade. Gnade ist das erste, womit ein Mensch, der zum Glauben kommt, konfrontiert wird. Sie beinhaltet buchstäblich alles, was ein Mensch in der heutigen Verwaltung braucht, um vor Gott bestehen zu können, um vor Ihm gerecht und gerettet zu sein. Das Wissen, das uns Eph 2:8 vermittelt, dass wir nämlich in der Gnade Gottes Gerettete sind, ist unser köstliches Glaubensgut, das wir durch alle Gefahren des Lebens hindurch festhalten müssen, auch dann, wenn wir an unserer alten, fleischlichen Natur fast verzweifeln.

Erst nachdem wir uns dieser Gnade absolut gewiss sind, erst dann folgt der Friede und erfüllt unser Herz; er macht uns ruhig und gelassen, er beeinflusst auch nachhaltig unseren täglichen Wandel. Ein Mensch, dessen Herz mit Friede erfüllt ist, strahlt diesen Frieden auch aus bzw. ab.

Der Friede ist eine Folge der Gewissheit, dass wir in unserem Herrn Begnadete sind und dass uns nichts mehr von der Liebe Gottes trennen kann!

Gnade und Friede, beides im Wandel zum Ausdruck zu bringen, ist einen Zubereitung für unseren zukünftigen Dienst in den überhimmlischen Gefilden.

Lobpreis Gottes

Eph 1:3

"Gesegnet sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus."

Es mag uns im ersten Moment schon merkwürdig berühren, dass wir Erden-Menschlein den großen Schöpfergott segnen sollen, zumal wir ja aus Gottes Wort wissen, dass Segnungen stets von Gott her kommen und diese Segnungen immer in einer positiven Vermehrung z.B. materieller Dinge bestanden. Das Volk Israel dient uns hierin als ein beredtes. Anschauungsobjekt.

Wir Menschen können Gott in dieser obigen Weise des Segnens natürlich nie begegnen. Wenn wir aber das griechische Wort für Segen "eulogetos" untersuchen, so sehen wir, dass es auch mit "preisen" oder "loben" übersetzt werden kann. Damit gewinnt das "Gesegnet sei..." für uns eine ganz. praktikable Seite. Im Lob und Dank, im Preis und in der Anbetung darf sehr wohl auch von unserer Seite etwas zurückfließen, was wir in überströmender Weise vom Vater erhalten haben.

Bewegt werden wir auch durch die Formulierung "Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus". In Gal 4:4-6 lesen wir: "Als aber die Zeit der Erfüllung kam, sandte Gott Seinen Sohn ... damit wir den. Sohnesstand erhielten. Weil ihr aber Söhne seid, schickte Gott in unsere Herzen den Geist Seines Sohnes aus, der laut ausruft: Abba, Vater!"

Im unserem Herrn, liebe Geschwister, dürfen auch wir "Vater" sagen, weil wir in Ihm den Sohnesstand erlangt haben.

Wie wunderbar wird uns noch diese innige Verbindung "in Ihm" durch dieser herrlichen Brief begleiten!

"....der uns mit jedem geistlichen Segen inmitten der Überhimmlischen in Christus segnet."

Wenn wir gestern ermuntert wurden, Gott zu segnen, d.h. Ihn zu loben und zu preisen, so sehen wir heute auch warum! Er ist es, der uns zuerst segnet, und dies in überwältigender Art und Weise. Aber, unsere Segnungen sind "geistlicher" Art und damit betreten wir, was die Art des Segnens betrifft, Neuland.

Soweit wir vor Paulus in der Schrift zurückschauen, war Segen immer fleischlich-materieller Art, er war eng mit dem Volk Israel verbunden, wie wir es als Beispiel in 3Mo 26:3-13 sehen. Es war und ist für jeden Menschen einfach, diese Art der Segnung zu verstehen und. zu erkennen, denn äußeres Wohlergehen, Reichtum und Gesundheit sprechen ja unsere Wahrnehmungssinne an.

Im Gegensatz hierzu stehen die geistlichen Segnungen. Nicht mehr unsere. Sinne werden greif- und spürbar angesprochen, sondern unser Glaube! Geistliche Dinge sind nicht schau- und erlebbar, sondern nur mit unserem erneuerten Denksinn, also im Geist, in völligem Vertrauen auf den Vater zu fassen.

Sicherlich merken wir den gewaltigen Unterschied, der sich hier mit Blick von Israel zu uns vollzogen hat! Herkommend von den sichtbaren, fleischlichen und materiellen Segnungen beginnt eine neue Periode, die alles Sichtbare und Erlebbare in die zweite Reihe stellt. Dies ist eine ganz unterschiedliche Aussage, denn der großen religiösen Masse steht eine kleine Minderheit gegenüber, die durch den innewohnenden heiligen Geist diese geistlichen Segnungen auch glaubensmäßig erfassen kann.

Dieses "Erfassen können" ist aber kein eigener Verdienst, sondern beruht auf der Gnadenauswahl Gottes, wie wir später noch sehen werden.

Wir wollen heute noch unsere Aufmerksamkeit zuerst auf das Wort "jedem" lenken. "Jedem" geistlichen Segen heißt, dass der Segen in einer Fülle und Ganzheit ohne Ausnahme geistlicher Art ist, wobei wir nicht ausschließen möchten, dass Gott auch heute und unter uns in anderer Form segnet, wenn wir nur beispielsweise an die Heilung des Epaphroditus denken, eines Mitarbeiters Pauli (Phil 2:25-27).

Weiter erregt unsere Aufmerksamkeit der Ort, an welchem diese Segnungen für uns zu haben sind: "inmitten der Überhimmlischen!" Wenn wir in der Luther-Übersetzung von "himmlischen Güter" lesen, so merken wir, wie gewaltig doch die genaue Übersetzung dieser Aussage Gottes ist und wie Martin Luther damals diese Aussage in seiner Tiefe noch gar nicht erfassen konnte. Der göttliche Wegweser zeigt also klar nach oben, nämlich dahin, wonach wir gemäß Kol 3:1ff unsere Gedanken ausrichten sollen: "Auf das droben sinnet, nicht auf das auf Erden!"

Unsere geistlichen Segnungen sind für uns nur "in Christus" erhältlich. Wenn wir in den kommenden Tagen diese Segnungen betrachten, so steht die Verbindung "in Ihm" stets im Vordergrund und ist als Voraussetzung unübersehbar.

Geschwister, freuen wir uns, dass wir Gläubige in Christus Jesus sind, dass wir nicht nur Seine Nachfolger, Seine Jünger sind, sondern "in Ihm", dass wir mit Ihm als Haupt einen Körper darstellen dürfen - die innigste Verbindung, die wir uns vorstellen können.

Eph 1:4

"so wie Er uns in Ihm vor der Niederwurf der Welt auserwählt hat, damit wir Heilige und Makelloses vor Seinem Angesicht seien."



bis 14

Dank und Fürbitte des Apostels

15-23