Zorniger Gott - ist Gott ambivalent?

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Von Daniel Muhl

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Wird Gott zornig?

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Sowohl die christliche, als auch die islamische Welt benutzt das Bild eines „zornigen Gottes“, um Ihn für ganz bestimmte Zwecke zu gebrauchen. Die katholische Kirche, aber auch evangelikale Kreise und ebenso muslimische Gemeinschaften reden vom Zorn Gottes! Wenn z. B. Dschihadisten Rache schwören, dann reden sie auch vom Zorn Allahs, den die Feinde zu spüren bekommen. Wer die Menschen in Angst versetzt, kann sie auch viel leichter manipulieren.

Die Angst vor dem Zorn Gottes steckt in vielen Menschen. In extremen Fällen führt diese Angst in eine schlimme Depression. Die meisten Menschen verdrängen jedoch die Befürchtung von einem zornigen Gott gestraft zu werden oder sie denken, sie seien genug anständig oder religiös, sodass sie der Zorn Gottes nicht betreffen wird. Für einen Atheisten gibt es natürlich keinen Zorn Gottes und für manche liberale Theologen ist der Zorn Gottes vielleicht nur eine alttestamentliche Gottesvorstellung, die sich mit einem „Gott der Liebe“ nicht mehr vereinbaren lässt. Sie weisen darauf hin, dass Jesus uns den himmlischen Vater als einen Gott der Liebe vor Augen gemalt hat. Damit sei das alttestamentliche Bild eines „zornigen Gottes“ eindeutig überholt.
Bei genauerer Betrachtung stellen wir jedoch fest, dass Jesus sich immer wieder auf das Alte Testament berief und sogar sagte, dass die Schrift – nämlich das ganze Alte Testament – von Ihm zeugt (Joh 5:39). Auch stellte Er die rhetorische Frage:

„Wenn ihr aber seinen Schriften nicht glaubt, wie werdet ihr meinen Worten glauben?“

Der Glaube an die alttestamentlichen Schriften und der Glaube an die Worte Jesu Christi lassen sich nicht trennen. Das ganze Leben des Messias basiert auf den Schriften des Alten Testamentes und wurde von diesen auch vorhergesagt. Ohne Zweifel hat uns Jesus Christus den allmächtigen Gott als einen liebenden himmlischen Vater vor Augen geführt, der die Sünden vergibt sowie gnädig und barmherzig ist.
Trotzdem spricht auch das Neue Testament vom Zorn Gottes! So sagt Johannes der Täufer zu den Pharisäern und Sadduzäern:

  • Mt 3:7b - Otternbrut! Wer hat euch gewiesen, dem kommenden Zorn zu entfliehen?

Auch die Apostel und Jesus selbst sprechen vom Zorn Gottes! Was Jesus über Zorn Gottes sagte, möchte ich zu einem späteren Zeitpunkt erwähnen. Zuerst darf ich auch noch den Apostel Paulus zitieren:

  • Röm 1:18 - Denn es wird offenbart Gottes Zorn vom Himmel her über alle Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit der Menschen, welche die Wahrheit durch Ungerechtigkeit niederhalten.

Die Tatsache, dass Gott auch heute noch zornig werden kann, dürfen wir deshalb nicht einfach ignorieren, nur weil es in uns ein gewisses Unbehagen auslöst! Wenn der gnädige und barmherzige Gott – der gleichzeitig auch die Liebe in Person ist – zornig werden kann, dann lässt das vielleicht das eigenartige Gefühl eines willkürlichen und ambivalenten Gottes zurück.
Der Umstand, dass Gott beide Eigenschaften besitzt, zeigt uns auch folgende Stelle:

  • Ps 86:15 - Du aber, Herr, bist ein barmherziger und gnädiger Gott, langsam zum Zorn und groß an Gnade und Wahrheit.

Ganz ähnliche Wortkombinationen, in denen bezeugt wird, dass Gott gnädig, barmherzig und langsam zum Zorn ist, finden wir ganze siebenmal in der Bibel (2Mo 34:6 / Neh 9:17 / Ps 86:15 / Ps 103:8 / Ps 145:8 / Joe 2:13 / Jon 4:2). Diese Stellen zeigen uns ganz klar, dass Gott groß an Gnade und nur langsam zum Zorn ist. Sie beseitigen aber nicht unbedingt das diffuse Gefühl eines willkürlichen und ambivalenten Gottes!
Von Ambivalenz sprechen wir ja dann, wenn nebeneinander gegensätzliche Gefühle, Gedanken und Aussagen existieren. Ein ambivalenter Gott könnte theoretisch gleichzeitig gut und böse sein. Dass Gott aber nicht böse, sondern nur gut ist, wird von der Bibel ganz klar bezeugt (Mt 19:17). Gott kann auch nicht manchmal die Wahrheit sagen und ein andermal lügen (Tit 1:2). Ebenso wenig ist Er einmal treu und ein andermal untreu, da Er sich selbst nicht verleugnen kann (2Tim 2:13). Gott ist nicht zwiespältig, sondern einfältig! Er spricht nicht mit „gespaltener Zunge“ wie die Schlange, sondern Er ist die Wahrheit, die in Jesus Christus erschienen ist! Darum sagt Jesus auch „ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben!“ (Joh 14:6).“
Wenn Gott groß an Gnade und Barmherzigkeit ist, aber nur langsam zum Zorn, dann zeigt uns das indirekt auch, dass Sein Zorn nur das „letzte Mittel“ ist. Wenn Gottes Gnade in einem Menschen keine Umkehr bewirken kann, dann wird diese durch den Zorn Gottes eingeleitet. Der Zorn Gottes führt dann zu einem Gericht, das ein Zerbruch des eigenen Stolzes zur Folge hat. Es kommt zu einem Prozess der Demütigung, der als Abschluss wahre Demut entstehen lässt. Demut ist aber auch immer die Voraussetzung für die Gnade (Jak 4:6). Weil Jakobus diesen ganzen Prozess erkennen konnte, durfte er auch schreiben, dass die Barmherzigkeit über das Gericht triumphiert (Jak 2:13).
Da in Gott gar keine Finsternis und Bosheit existiert und Er absolut gut ist, muss auch Sein Zorn gut sein! Dies ist auch dann der Fall, wenn die Geschöpfe Seinen Zorn zuerst einmal nicht als gut empfinden! Wenn ein Dieb und Betrüger ins Gefängnis kommt, dann empfindet er in den allermeisten Fällen die Gefängnisstrafe als böse. Deshalb zieht er unter Umständen den falschen Schluss, dass der Staat böse ist. Viele Verurteilte fluchen in ihrem Herzen über die Gerichtsinstanz und empfinden sie als böse, obwohl sie in vielen Fällen gar nicht böse ist. Die Tatsache, dass eine Gerichtsinstanz böse sein kann, ist eine andere Sache. Ich denke da z. B. an die deutschen Gerichte während der Nazizeit. Aber jeder normal denkende Mensch empfindet das Gericht nicht als böse, wenn es einen Millionenbetrüger oder Mörder zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Der Verurteilte bekommt jedoch den Zorn der Obrigkeit zu spüren und empfindet ihn aus seiner subjektiven Schau vielleicht als böse!
In diesem Zusammenhang möchte ich eine ganz einfache Frage stellen: „Warum verurteilt der Staat einen Betrüger zu einer Gefängnisstrafe?“ Diese Maßnahme kostet z. B. die Schweiz pro Monat und Gefangener beinahe 12'000 Fr. Ein Mörder, der 15 Jahre im Gefängnis sitzt, kostet den Staat rund 2,1 Mio. Fr. Dieses Geld könnte der Gefangene dem Staat in den seltensten Fällen zurückzahlen. Ein Strafgefangener belastet den Steuerzahler enorm und trotzdem vertreten die allermeisten Bürger die Ansicht, dass man solche Menschen einsperren und nicht exekutieren soll. Aber warum investiert man so viel Geld in einen Straftäter? Ganz einfach: Das Ziel und die Hoffnung bestehen darin, dass der Verurteilte irgendwann einmal einsichtig wird und erkennt, dass er durch sein Verhalten andere geschädigt oder verletzt hat und dass durch ein solches Agieren das friedvolle Zusammenleben von uns Menschen nicht möglich ist. Sobald ein Straffälliger einsichtig geworden ist, freut sich die Gesellschaft und in vielen Fällen kann dann ein Häftling auch vorzeitig entlassen werden. Der Staat hat dann das Gefühl, dass sich der Strafvollzug gelohnt hat, obwohl er sich buchhalterisch auf den ersten Blick vielleicht nicht lohnte.

Der Zorn Gottes ist deshalb gut, weil er die Menschen in einen Erziehungsprozess führt, der am Ende eine Heilung zur Folge hat. Deshalb vage ich die Behauptung, dass selbst der Zorn Gottes ein Ausfluss der Liebe Gottes ist, die nur ein Ziel hat: „Die Liebe Gottes verbrennt alles, was nicht Liebe ist, weil eine Ewigkeit nur dann erfüllend und vollkommen sein kann, wenn jedes Wesen mit der Liebe Gottes erfüllt ist!“ Die Liebe Gottes ist keine „menschliche Kuschelliebe“ die mit allen – egal ob gut oder böse – einfach nur „nett“ ist! Selbst die Kinder Gottes – die sich bemühen, aus der Liebe Gottes heraus zu leben – brauchen noch die Erziehungsmaßnahmen Gottes, die sie ebenfalls nicht immer als angenehm empfinden. Doch die liebevollen Erziehungsmaßnahmen Gottes geschehen nicht aus dem Zorn Gottes heraus, sondern bewirken bei denen, die durch sie geübt worden sind, die friedvolle Frucht der Gerechtigkeit (Hebr 12:11). Die Kinder Gottes sind nicht zum Zorn bestimmt, sondern zur Erlangung des Heils durch Jesus Christus (1Thes 5:9), der die Gnade in Person ist.
Die Tatsache, dass die Liebe Gottes auch zornig werden kann, wird direkt und indirekt aus mehreren Bibelstellen erkennbar. So lesen wir z. B. in Hos 14:5:

  • Ich will ihre Abtrünnigkeit heilen, will sie aus freiem Antrieb lieben. Denn mein Zorn hat sich von ihm abgewandt.

Israel wurde oft mit dem Zorn Gottes konfrontiert, aber immer mit dem Ziel der Umkehr, der Heilung und der Erneuerung. Selbst die Nationen sollen durch den Zorn Gottes gereinigt werden. Darum schreibt auch Zephanja:

  • Zeph 3:8-9 - Darum wartet auf mich, spricht der HERR, auf den Tag, an dem ich mich aufmache zur Beute! Denn mein Rechtsspruch ist es, die Nationen zu versammeln, die Königreiche zusammenzubringen, um mein Strafgericht über sie auszugießen, die ganze Glut meines Zorns, denn durch das Feuer meines Eifers wird die ganze Erde verzehrt werden. 9 Dann aber werde ich den Völkern andere, reine Lippen geben, damit sie alle den Namen des HERRN anrufen und ihm einmütig dienen. 

Auch Salomo hat im Lied der Lieder festgestellt, dass die Liebe ein leidenschaftliches Feuer ist:

  • Hl 8:6 - Leg mich wie ein Siegel an dein Herz, wie ein Siegel an deinen Arm! Denn stark wie der Tod ist die Liebe, hart wie der Scheol die Leidenschaft. Ihre Gluten sind Feuergluten, eine Flamme Jahs.

Doch Gott wünscht sich für uns alle, dass wir infolge Seiner Gnade und Barmherzigkeit umkehren und nicht wegen Seines Zornes. Glückselig jeder Mensch, der die wunderbare Liebe Gottes erkannt hat, die sich in Seinem Sohn Jesus Christus offenbart hat, indem Er für uns starb, um uns von der gesamten Sündenschuld zu befreien. Wer diese wunderbare und bedingungslose Liebe in seinem Herzen wirklich erkennen durfte, der kann gar nicht anders, als mit diesem Gott in eine Liebesbeziehung zu treten. Er möchte sich Gott nahen und mit Ihm verbunden sein.
Die Tatsache, dass eine vertrauensvolle und intime Liebesbeziehung zum Sohn Gottes, das einzig Entscheidende im Leben ist, wird schon aus Ps 2 deutlich:

  • Ps 2:12 - Küsst den Sohn, dass er nicht zürne und ihr umkommt auf dem Weg; denn leicht entbrennt sein Zorn. Glücklich alle, die sich bei ihm bergen!

Wer ehrlich die Lippen eines Menschen küsst, hat eine intime Liebesbeziehung zu dieser Person. Wer zum Schöpfer und Erlöser des Universums eine intime Liebesbeziehung hat, der hat Ihm auch die alles entscheidende und richtige Antwort gegeben (Spr 24:26). Die Liebesbeziehung zum Sohn Gottes hat dann zur Folge, dass man auf dem Weg nicht umkommt und dem Zorn Gottes ausgesetzt ist. Aber was bedeutet „nicht umkommen“? Es bedeutet nicht, dass unser Leib nicht sterben könnte, sondern es führt dazu, dass unsere Seele und unser Geist leben werden, auch wenn der Körper gestorben ist! Deshalb bezeugt Jesus auch:

  • Joh 11:25-26 - Ich bin die Auferstehung und das Leben; wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er gestorben ist; 26 und jeder, der da lebt und an mich glaubt, wird nicht sterben in Ewigkeit!

Der Geist und die Seele kommen nach dem Sterben des Körpers nicht in das Herrschaftsgebiet des Todes, sondern in das Herrschaftsgebiet dessen, der das Leben und die Liebe in Person ist! Der Tod selbst, kann in der Bibel auch als Person gesehen werden (Ps 49:15 / Offb 6:8 / Offb 20:14).
In Ps 2:12 haben wir auch gelesen, dass der Zorn des Sohnes „leicht entbrennt“. Diese Aussage erweckt den Eindruck, dass der Sohn sehr schnell in Zorn gerät und dies scheint den anderen Aussagen über den Zorn Gottes zu widersprechen, wenn es immer wieder heißt, dass Gott „langsam zu Zorn“ ist (4Mo 14:18 / Ps 103:8). Dieses „leicht entbrennt sein Zorn“ kann aber auch anders übersetzt werden:

- „kurze Zeit entbrennt sein Zorn“
- „ein wenig entbrennt sein Zorn“

oder

- „denn in Kürze wird sein Zorn entbrennen“

Die eben zitierten Übersetzungsvarianten treffen wohl eher zu, da Jesaja in Bezug auf den Zorn Gottes auch folgende Aussage machte:

  • Jes 54:7-8 - Einen kleinen Augenblick habe ich dich verlassen, aber mit großem Erbarmen werde ich dich sammeln. 8 Im aufwallenden Zorn habe ich einen Augenblick mein Angesicht vor dir verborgen, aber mit ewiger Gnade werde ich mich über dich erbarmen, spricht der HERR, dein Erlöser.

Diese Stelle zeigt uns auf sehr eindrückliche Weise, dass der Zorn Gottes nur eine vorübergehende Angelegenheit ist, die das Erbarmen, die Gnade und eine Sammlung zur Folge haben. Im Vergleich zur Ewigkeit dauert der Zorn nur einen Augenblick.
Alle diese biblischen Aussagen machen ganz klar deutlich, dass der Zorn Gottes einen Sinn hat, dass er ein Ziel verfolgt und nicht einfach nur eine Strafe um der „Bestrafung willen“ ist! Der Zorn verfolgt einen Zweck, der letztlich auch auf die Liebe Gottes zurückzuführen ist! Der Zorn Gottes ist an keiner Stelle der Bibel zweck-, sinn- und ziellos, sondern immer zielführend!

Wie fällt man unter den Zorn Gottes?

Durch Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit

Auch wenn diese Frage zum Teil schon beantwortet wurde, so möchte ich sie doch noch ein bisschen besser beleuchten. Es wurde deutlich, dass Menschen, die aus einer Liebesbeziehung zu Gott heraus leben, nicht zum Zorn bestimmt sind (1Thes 5:9)! Doch es gibt durchaus Menschen, die unter den Zorn Gottes kommen werden. Paulus macht uns dies im Römerbrief deutlich, wenn er schreibt:

  • Röm 1:18-19 - Denn es wird geoffenbart Gottes Zorn vom Himmel her über alle Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit der Menschen, welche die Wahrheit durch Ungerechtigkeit niederhalten, 19 weil das von Gott Erkennbare unter ihnen offenbar ist, denn Gott hat es ihnen offenbart.

Auch Jesus selbst, der uns die Feindesliebe lehrt, redet vom Zorn Gottes:

  • Joh 3:36 - Wer an den Sohn glaubt, hat ewiges Leben; wer aber dem Sohn nicht gehorcht, wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt auf ihm.

Paulus sieht die Ursache für den Zorn Gottes in der Gottlosigkeit und der Ungerechtigkeit sowie im „Niederhalten der Wahrheit“ durch die Ungerechtigkeit. Im Griechischen liegt die tiefere Bedeutung der Gottlosigkeit in der Verunehrung Gottes. Wer seinen eigenen Schöpfer verunehrt handelt äußerst lieblos. Diese Lieblosigkeit hat der Schöpfer bis aufs Äußerste ertragen! Er hat sie so weit ertragen, dass man Ihn schlug, anspuckte, lästerte, Ihn am Ende nackt auszog und ans Fluchholz nagelte. Nachdem diese maximale Verunehrung geschah, harrte die Langmut des Gottessohnes immer noch aus und Er schrie am Kreuz: „Vater vergib Ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“ Genau an dieser Stelle wird deutlich, wie sich das Wort Gottes „langsam zum Zorn“ auswirkte. Die unwissende Verunehrung Gottes hält Seinen Zorn zurück und eine unwissende Verletzung des Sohnes Gottes wird den Menschen vergeben (Lk 12:10)!
Doch der Zorn Gottes kommt da auf, wo man wissentlich und ganz bewusst den Vater und den Sohn verunehrt! Man verunehrt Gott auch da, wo man Seine Gebote der Nächstenliebe ignoriert und ein skrupelloses Leben führt. Dieser Lebensstil, der trotz besseren Wissens praktiziert wird, lässt dann die Ungerechtigkeit der Menschen sichtbar werden, die den Zorn Gottes heraufbeschwören.
Der dritte und letzte Aspekt, den Paulus erwähnt, ist das Niederhalten der Wahrheit durch die Ungerechtigkeit. Das geschieht vor allem da, wo man die Wahrheit ganz bewusst niederdrückt, weil sie nicht in das eigene Lebenskonzept hineinpasst. Auch dieses Niederhalten erregt den Zorn Gottes!

Das Paradebeispiel dazu, ist das Verhalten der Pharisäer. Sie kannten die Schriften, sie wussten, welches die Zeichen des Messias waren, wie z. B. die Heilung eines Blinden (Jes 42:7-8) und als es vor ihren eigenen Augen geschah (Joh 9:1-7 / Joh 9:32), wollten sie es nicht wahrhaben, weil es nicht in ihr Lebenskonzept passte. Sie genossen ihre gesellschaftliche Stellung und verachteten ihre Mitmenschen, die ihr Leben nicht so sehr „im Griff hatten“, wie sie. Sie definierten ihren Selbstwert über ihre (fromme) Leistung und waren froh darüber, etwas „Besseres“ zu sein! Und nun kommt ein armseliger Wanderprediger aus Nazareth, der ihnen keine Ehre gibt, der alles, was sie bis dahin erreicht hatten, infrage stellt und bemängelt. Er kritisiert ihr ganzes Sein und kündigt ihnen noch dazu das Gericht an. Für sie war klar: „Es kann doch nicht sein, dass sie sich ein ganzes Leben lang um ein frommes Leben bemühen und jetzt kommt da dieser ungebildete und ärmliche Wanderprediger aus Nazareth, der unsere ganze Identität infrage stellt und uns nur kritisiert, währenddem wir die Schriften eingehend studiert haben. Wir halten die Gebote, sind keine Ehebrecher und Zöllner (Lk 18:11); aber dieser Jesus anerkennt unsere Leistungen überhaupt nicht! Das kann doch unmöglich der Messias sein und an der Heilung des Blindgeborenen muss irgendetwas faul sein!“

Hier werden zwei Aspekte sichtbar:

  1. Das Wunder der Heilung eines Blindgeborenen sowie weitere Wunder und das vollmächtige Reden dieses Wanderpredigers waren eigentlich ganz eindeutige Hinweise und Zeichen für den Messias!
  2. Die Tatsache, dass Jesus das jüdisch religiöse Leben der Pharisäer nicht anerkannte, sprach gegen eine die Identität als Messias. Der „echte Messias“ würde sie für ihre frommen Bemühungen bestimmt wertschätzen und darum kann dieser Jesus von Nazareth nicht der Messias sein und darum ist auch an der Heilung des Blindgeborenen etwas faul!

Wenn wir Menschen mit zwei so gegensätzlichen Argumenten konfrontiert werden, dann müssen wir uns für das eine oder andere entscheiden. An dieser Stelle dürfen wir uns eine ganz spannende Frage stellen:

„Was sind die Gründe dafür, dass sich die meisten Pharisäer für das zweite Argument entschieden haben und nur einige wenige für das Erste?“

Die tiefste Ursache liegt letztlich in der Demut des Herzens! Wenn ein Pharisäer die Demut hatte und sich zugestehen konnte, dass er trotz seiner frommen Bemühungen ein verlorener Sünder war, der den Anforderungen Gottes niemals genügen konnte, dann fiel es ihm wesentlich einfacher, Jesus von Nazareth als den Messias anzunehmen, der zuerst einmal für die gesamte Schuld Seines Volkes sterben musste (Jes 53:8ff), bevor Er mit großer Macht und Herrlichkeit das messianische Friedensreich aufrichten wird.
Dieser Umstand zeigt uns auch, dass wir ohne ein demütiges Herz, früher oder später eine falsche Weichenstellung machen werden, die den Zorn Gottes heraufbeschwören wird. Wenn ein Mensch erkennen durfte, dass der Sohn Gottes unsere Strafe auf sich genommen hat, damit wir nicht unter den Zorn Gottes fallen müssen, er Ihn aber trotzdem verwirft und verachtet, dann lehnt er das Geschenk der Vergebung und des göttlichen Lebens ganz bewusst ab. Alle diejenigen, die ein solch wunderbares Geschenk bewusst ablehnen, weil sie es für unnötig erachten oder weil es nicht in ihr Lebenskonzept passt, werden schmerzhaft erfahren müssen, dass ihre eigene Gerechtigkeit nicht ausreichen wird, um nach dem Sterben in das ewige Reich der göttlichen Liebe eingehen zu können. In dieses Reich kommt man nur mit einer Liebesbeziehung zu Jesus Christus und dem himmlischen Vater! Darum kann Jesus auch sagen:

  • Joh 3:36b - „ ... wer aber dem Sohn nicht gehorcht (o. wer sich aber dem Sohn nicht folgsam fügt), wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt auf ihm.

Wie sollte man das wahre göttliche Leben sehen können, ohne in eine dankbare, vertrauensvolle Liebesbeziehung mit der Person zu treten, die das göttliche Leben ist und die alles Leben geschaffen hat? Nur der eigene Stolz – der von Satan geschürt wird – verharrt in der irrigen Meinung, den Lebensgeber nicht zu benötigen!

Durch Unbarmherzigkeit

Die Tatsache, dass Gott äußerst barmherzig ist, bezeugt Er in Seinem Wort immer wieder. Seine Barmherzigkeit ist viel größer als Sein Zorn und wir haben gesehen, dass Seine Barmherzigkeit über alles Gericht triumphieren wird und das, obwohl in Seinem Gericht u. a. auch der Zorn Gottes aktiviert wird.
Gerade die Unbarmherzigkeit, die nach einer erfahrenen Barmherzigkeit praktiziert wird, erzeugt einen großen Zorn Gottes! Jesus macht dies anhand einer Geschichte deutlich:

  • Mt 18:24-35 - Deswegen ist es mit dem Reich der Himmel wie mit einem König, der mit seinen Knechten abrechnen wollte. 24 Als er aber anfing, abzurechnen, wurde einer zu ihm gebracht, der zehntausend Talente schuldete. 25 Da er aber nicht zahlen konnte, befahl der Herr, ihn und seine Frau und die Kinder und alles, was er hatte, zu verkaufen und [damit] zu bezahlen. 26 Der Knecht nun fiel nieder, bat ihn kniefällig und sprach: Herr, habe Geduld mit mir, und ich will dir alles bezahlen. 27 Der Herr jenes Knechtes aber wurde innerlich bewegt, gab ihn los und erließ ihm das Darlehen. 28 Jener Knecht aber ging hinaus und fand einen seiner Mitknechte, der ihm hundert Denare schuldig war. Und er ergriff und würgte ihn und sprach: Bezahle, wenn du etwas schuldig bist! 29 Sein Mitknecht nun fiel nieder und bat ihn und sprach: Habe Geduld mit mir, und ich will dir bezahlen. 30 Er aber wollte nicht, sondern ging hin und warf ihn ins Gefängnis, bis er die Schuld bezahlt habe. 31 Als aber seine Mitknechte sahen, was geschehen war, wurden sie sehr betrübt und gingen und berichteten ihrem Herrn alles, was geschehen war. 32 Da rief ihn sein Herr herbei und spricht zu ihm: Böser Knecht! Jene ganze Schuld habe ich dir erlassen, weil du mich batest. 33 Solltest nicht auch du dich deines Mitknechtes erbarmt haben, wie auch ich mich deiner erbarmt habe? 34 Und sein Herr wurde zornig und überlieferte ihn den Folterknechten, bis er alles bezahlt habe, was er ihm schuldig war. 35 So wird auch mein himmlischer Vater euch tun, wenn ihr nicht ein jeder seinem Bruder von Herzen vergebt. 

Man stelle sich vor: Da gibt es einen Knecht, der schuldet seinem König 10'000 Talente und der König erlässt ihm seine gesamte Schuld. Hier steht nicht, ob es Gold- oder Silbertalente waren, aber wenn es Goldtalente waren, dann handelte es sich hier um eine Summe von umgerechnet etwa 800 Mio. Euro. Wenn es Silbertalente waren, dann waren es etwa 45 Mio. Euro. Der Mitknecht schuldete ihm lediglich 100 Denare! Das waren gerade mal 50-100 Euro. Man muss aber auch bedenken, dass ein Denar ein Tageslohn war. 100 Denare waren 100 Tageslöhne und 10'000 Talente waren mindestens 90 Mio. Tageslöhne. Da gibt es also ein Knecht, der schuldet seinem König 90 Mio. Tageslöhne und er bekommt einen Schuldenerlass, währenddem ihm ein anderer Knecht lediglich 100 Tageslöhne schuldete. Doch diese verhältnismäßig geringe Schuld erlässt er ihm aber nicht.
Wer versteht da nicht den Zorn des Herrn? So wird die Unbarmherzigkeit der Menschen immer auch den Zorn Gottes entfachen! Darum sagt Jesus auch:

  • Mt 5:7 - Glückselig die Barmherzigen, denn ihnen wird Barmherzigkeit widerfahren.

Und Er betet uns vor:

  • Mt 6:12 - und vergib uns unsere Schulden, wie auch wir unseren Schuldnern vergeben haben!

Der Knecht, der dann den Folterknechten übergeben wurde, empfindet den Herrn als unbarmherzig, obwohl der Herr zuvor bewiesen hatte, dass Er unsagbar barmherzig war!

Zusammenfassung

Der Zorn Gottes kann nicht mit einem menschlichen Jähzorn verglichen werden, der willkürlich „ausrastet“ und nach Lust und Laune bestraft, sondern er ist meist nur das allerletzte Erziehungsmittel, welches die Bestraften zur Einsicht bringen soll, dass niemand ohne die barmherzige Liebe Gottes das Ziel erreichen kann und es auch nur dann eine befriedigende Ewigkeit geben wird, wenn alle aus einer vertrauensvollen Liebesbeziehung zum Schöpfer heraus leben. Trotz des Zornes Gottes, der schmerzhafte Gerichte verordnet, wird am Ende Seine Barmherzigkeit über allen stehen, sodass Paulus schreiben kann:

  • Röm 11:32 - Denn Gott hat alle zusammen in den Ungehorsam eingeschlossen, damit er sich aller erbarmt. 


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