Wo stehst du im Blick auf den Guten Hirten?

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Von Daniel Muhl

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Bereits David durfte erkennen, wer der Gute Hirte ist und in Ps 23 beschreibt er in wenigen Sätzen die wunderbaren Eigenschaften seines Guten Hirten:
  • 1 Ein Psalm Davids. Der HERR ist mein Hirte; mir wird nichts mangeln.
    2 Er weidet mich auf grüner Aue und führet mich zum frischen Wasser.
    3 Er erquicket meine Seele; er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.
    4 Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und dein Stab trösten mich.
    5 Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.
    6 Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar.

Gemeindeleiter und Führer eines Volkes hätten auch die Aufgabe, die ihnen Anvertrauten im Sinne Gottes zu weiden. In Israel und auch in allen anderen Völkern gab es nicht viele gute Hirten. Die Mehrzahl der Hirten weideten vor allem sich selbst. So wird es z. B. in Hes 34 beschrieben. Doch der HERR verkündete in Hes 34:11:

  • Denn so spricht der HERR HERR: Siehe, ich will mich meiner Herde selbst annehmen und sie suchen.

Jesus Christus hat sich dann als diesen Guten Hirten "geoutet", als Er sagte:

  • Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für seine Schafe. (Joh 10:11)

Damit hat Er aber auch den Maßstab für einen guten Hirten gesetzt! Ein Hirte, der in den Augen Gottes wirklich gut ist, lässt sein Leben für die Schafe! Welcher normale Hirte würde so etwas tun? Aus der Geschichte Davids kann man sehen, wie er sein Leben riskierte, als er den Löwen und den Bären schlug, um ihnen das geraubte Schaf zu entreissen (1Sam 17:34). Doch Jesus Christus hat noch viel mehr getan: "Als der Gute Hirte, nahm er die Schuld einer ganz Welt auf sich (Joh 1:29) und starb am Kreuz von Golgatha einen furchtbaren Tod!" Es gibt keinen besseren Hirten als der Hirte Jesus Christus. Wer Ihn nicht als seinen Hirten haben will, wird von anderen Hirten geweidet, von solchen, die in irgendeiner Weise Macht über sie ausüben; sei es ganz real, sei es psychisch oder geistlich. Diejenigen, die davon überzeugt sind, dass sie von gar niemandem geweidet werden, die weiden sich selbst. Sie sind ihr eigener Hirte.

Ich bin überaus dankbar, dass ich nicht von irgendeiner unbekannten Geistesmacht geweidet werde, sondern einzig und allein von meinem Guten Hirten Jesus Christus. Ich bin auch so froh, dass ich mich nicht selbst weiden muss! Das wäre höchst problematisch, weil nur mein Erschaffer wirklich weiß, was gut für mich ist!
Mein Guter Hirte ...

• ... hat den perfekten Überblick (über meinen gesamten Lebensweg).
• ... wacht vollkommen über meinen Leib, meine Seele und meinen Geist.
• ... führt mich an das göttliche Ziel, das ich nie und nimmer alleine erreichen könnte.
• ... ist voller Gnade! Seine Gnade ist immer größer als mein Unvermögen.
• ... ist die sanftmütigste Person im ganzen Universum.
• ... hat für mich den höchsten Preis bezahlt.
• ... versteht mich so gut, wie sonst niemand! Er versteht mich besser als ich mich selbst.
• ... ist voller Barmherzigkeit und Güte.
• ... führt mich oft anders, als ich möchte; aber immer besser, als ich mir das vorstellen kann!

Mein wunderbarer Hirte ...

• ... ist von Herzen demütig und darum gibt Er mir größte Wertschätzung, obwohl ich mich oft verachtungswürdig verhalten habe.
• ... ist voller Wahrheit und Treue. Trotz meiner zeitweiligen Untreue bleibt Er mir treu.
• ... ist vollkommen gerecht.
• ... kennt absolut keine Selbstgefälligkeit (Röm 15:3).

Bei meinem Hirten ...

• ... haben die Ärmsten und Schwächsten genauso großen Wert, wie die Erfolgreichen. In der Heilungsgeschichte Gottes haben sie sogar den Vorrang! Deshalb sagte Jesus u. a.: "Glückselig die Armen im Geist, denn [ihrer] ist das Reich der Himmel." und "Glückselig, die nach der Gerechtigkeit hungern und dürsten, denn [sie] werden gesättigt werden."
• ... ist die vollkommene Liebe! Mehr noch: Er ist die Liebe in Person!

Diesem Hirten möchte ich so nah wie nur irgend möglich sein! In einer Schafherde gibt es ganz unterschiedliche Standorte, die ich etwas näher anschauen möchte. Dabei gehe ich von Außen nach Innen. Zuerst möchte ich die Position beschreiben, die am Weitesten vom Guten Hirten entfernt ist.

Außerhalb der Herde

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Manchmal geschieht es, dass ein Schaf sich ablenken ließ, weil es von irgendetwas fasziniert wurde. Vielleicht sah es eine verheissungsvolle Weide oder einen interessanten Weg, den es in seiner Neugierde gehen wollte! Möglicherweise sah es einen Tümpel, der vielleicht den aktuellen Durst löschen konnte. Doch der Hirte hat seine Herde nicht dahin geführt, weil Er wusste, dass dieser Tümpel verschmutztes Wasser enthält.

Heute gibt es für Christen viele tausend Angebote, die zuerst einmal attraktiver erscheinen als die Herde und der Weg, den der Gute Hirte führt! Wer sich von diesen Dingen weglocken lässt und ihnen immer mehr Zeit widmet, befindet sich dann ganz plötzlich außerhalb der Herde. Zuerst mag es Spaß bereiten, alleine auf weiter Flur die Welt zu erkunden, aber plötzlich drohen Gefahren, die einem die pure Angst einjagen, weil man sich ganz alleine und verloren vorkommt. Jeder weiß, dass ein Schaf, das ganz alleine in der Wildnis umherirrt, innert kurzer Zeit großen Gefahren ausgesetzt ist, auch wenn es diese Gefahr anfänglich selbst gar nicht bemerkt. Doch spätestens, wenn das Schaf den Wolf erblickt hat, ist es vorbei mit dem Spaß!

Wer sich beim Guten Hirten befindet, braucht den Anblick eines Wolfes nicht zu fürchten! Mehr davon später! Wenn wir eine Bedrohung, Krankheit oder materielle Not vor Augen haben, dann bekommen wir es mit der Angst zu tun. Vielleicht sehen wir auch, wie unsere demokratischen Rechte sowie Freiheiten bedroht sind und wir verspüren eine aufsteigende Panik! Je näher wir beim Hirten sind, desto weniger brauchen wir uns zu fürchten! Es ist zwar nicht gesagt, dass die Schafe Jesu von diesen Dingen verschont bleiben, aber wer am Herz Jesu verweilt, hat viel weniger Furcht, weil er weiß, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Guten zusammenwirken müssen (Röm 8:28)! Zum Glück sind die verlorenen Schafe dem Guten Hirten nicht egal. Es kommt die Zeit, wo Er auch das letzte verlorene Schaf noch finden wird (Lk 15:4)! Die Frage ist nur: "Was muss dieses Schaf durchmachen, bis es vom Guten Hirten gefunden wird?"

Am Rande der Herde

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Die Schafe am Rande der Herde haben mehr Bewegungsfreiheit und einen größeren "Weitblick".

Sie haben den Vorteil, nach frischen Kräutern Ausschau zu halten, wo noch niemand anders darüber gestapft ist. Sie können die Umgebung besser erkunden. Doch sie stehen auch in der Gefahr, den Kontakt zur Herde zu verlieren. Für sie gilt unbedingt, die Herde im Auge zu behalten. Aber das allein ist zu wenig! Wenn sie einen Teil der Herde im Blickfeld haben und dieser Teil auf Abwege gerät, stürzen sie mit ins Unglück. Der Blickkontakt zum Hirten ist an dieser Stelle überlebenswichtig. Ebenso müssen die Schafe die Stimme ihres Hirten kennen, damit sie Ihm folgen können, wenn er ruft (Joh 10:27). Am Rande der Herde gibt es aber auch Stress! Zum einen tauchen da plötzlich die Hirtenhunde auf, um die Schafe in eine Richtung zu treiben. Gut möglich, dass die Schafe bei solchen Aktionen immer wieder mal aufschrecken. Doch dieses "Treiben der Hirtenhunde" ist immer wieder mal notwendig. Kritischer wird es dann, wenn plötzlich ein Raubtier auftaucht! Dann haben die Schafe am Rand der Herde wesentlich mehr Stress, als diejenigen, die unmittelbar neben dem Hirten stehen.

Christen, die am "Rande" der christlichen Gemeinschaft leben, fühlen sich vielleicht auch freier, autonomer und sie scheinen mehr von der Welt zu haben. Vielleicht haben sie sich ihr Leben ganz bequem eingerichtet; gerade so, wie es für sie am passendsten zu sein scheint. Die Angebote der Welt sind jedoch so vielfältig und verlockend, dass man die Gemeinschaft der Christen und möglicherweise auch den Guten Hirten aus dem Auge verliert. Vielleicht wird das Interesse an der Stimme Jesu ebenfalls kleiner. Wenn dann allerdings die Hirtenhunde auftauchen, werden sie immer wieder einmal aufgeschreckt. Was aber können wir uns unter einem Hirtenhund vorstellen? Paulus erwähnt in seinen Briefen die sogenannten Zuchtmeister, die eine Erziehungsfunktion innehaben. Dabei wird das Gesetz als Zuchtmeister (gr. 'paidagogos') genannt (Gal 3:24) und in 1Kor 4:15 redet der Apostel von zehntausend Zuchtmeister. Man kann davon ausgehen, dass hier die "Moralapostel", die Gesetzeslehrer, die Kritiker und Wächter gemeint sind. Es sind solche, die uns auf unser Fehlverhalten aufmerksam machen. Solche Kritiker schrecken die Schafe da und dort auf und tragen dazu bei, dass man sich nicht zu weit von der Herde entfernt; es sei denn, man verlässt die Herde, weil man sich nicht mehr zurechtweisen lassen will!

Am Rande der Herde können die Schafe aber auch plötzlich von einem Raubtier aufgeschreckt werden. Jesus bezeichnete falsche Propheten als reißende Wölfe, die in Schafskleider daherkommen (Mt 7:15). Paulus warnte die Epheser in Apg 20:29 davor, dass gefährliche und grausame Wölfe in die Gemeinde kommen und verkehrte Dinge reden werden. Dadurch ziehen sie die Jünger von der gesunden Lehre (des Evangeliums) weg (2Tim 4:3). Wahrscheinlich befand sich jeder Gläubige schon einmal am Rand der Herde und etliche sind es heute noch. Aber das sollte kein Dauerzustand sein, weil er längerfristig problematisch ist und immer gefährlicher wird! Am Rande der Herde lauern eindeutig mehr Gefahren!

Inmitten der Herde

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Schafe, die sich mitten in der Herde befinden, sind sehr gut in die Gemeinschaft eingepackt. Man ist von anderen Schafen umgeben und da fühlt es sich so richtig "kuschelig" an. Theoretisch ist man inmitten der Herde relativ gut aufgehoben. Aber dieser Standort hat auch seine Nachteile!

Entweder kommt man nicht so richtig zum Fressen oder viele fressen da, wo schon etliche andere darüber gestapft sind. Wenn sich die Herde ruhig verhält, fühlt sich das Schaf sicher, aber wenn sie aufgeschreckt wird, dann werden alle unruhig und aufgeregt. Das Schaf inmitten der Herde wird unter Umständen von Panik angesteckt und rennt in die gleiche Richtung wie alle anderen auch; ganz unabhängig davon, ob die Richtung stimmt oder nicht. Wenn die Schafe der Stimme des Hirten gehorchen, dann läuft die Gruppe normalerweise in die richtige Richtung. Wenn sich die Herde aber von der Panik leiten lässt, dann zerstreut sie sich und jeder rennt inmitten der Menge in die gleiche Richtung; aber ohne ein klar erkennbares Ziel! Wie die toten Fische schwimmen sie mit dem Strom!

Manche Gläubige sind so stark in die Gemeinschaft eingebunden, dass sie kaum mehr Zeit haben, das Wort Gottes selbst zu studieren und in der Stille zu beten. Sie fressen nur noch die 'niedergetrampelten Kräuter'. Dabei handelt es sich um geistliche Speise, die andere 'vorgekaut' haben. Es sind solche, die nicht für sich selbst das Wort Gottes studieren, sondern sich nur von den Predigten, Andachten und Auslegungen anderer ernähren. Das führt dann zu einer geistlichen Mangelernährung. Christen, die sich inmitten der Herde befinden, laufen praktisch immer in der vorgegebenen Richtung. Auch sie brauchen unbedingt den Blickkontakt zum Guten Hirten, damit sie in der Panik nicht vom "christlichen Mainstream" fortgerissen werden.

In der Coronakrise gibt es eine "Herde", die große Panik vor dem Virus hat und sich fast ausschliesslich von der Angst leiten lässt, ihre Gesundheit verlieren zu können. Diese Herde braucht den Ruf des Hirten: "Lasst eure Gesundheit nicht zu einem Götzen werden! Ihr bleibt genau solange gesund, wie ich das will und ihr sterbt allein am Willen Gottes und nicht wegen Corona! Euer Leben dauert keine Sekunde länger oder kürzer, als ich das geplant habe!"

Eine andere Herde hat Panik vor einem Freiheitsverlust und sie sieht den Abbau der Demokratie sowie die Einführung einer neuen Weltordnung. Diese Entwicklung sehe ich auch! Aber nicht nur deshalb, weil etliche Indizien dafür sprechen - wie z. B. der "Great Reset" - sondern ganz einfach deshalb, weil die Bibel eine kommende Weltdiktatur, inklusive Total-Überwachung prophezeit hat (Offb 13). Auch hier ist Panik fehl am Platz! Es ist nicht unser Auftrag, diese Entwicklung um jeden Preis zu verhindern, indem wir gegen "Fleisch und Blut" kämpfen. Natürlich dürfen wir unsere demokratischen Rechte benutzen und z. B. eine Petition unterschreiben, aber wenn wir in dieser Sache einen erbitterten Kampf führen, dann kämpfen wir an der falschen Front. Paulus hat die Front in Eph 6:11ff ganz klar definiert! Wir kämpfen mit einer geistlichen Waffenrüstung gegen unsichtbare Geistesmächte und nicht gegen Politiker! Auch hier dürfen wir ganz getrost sein, dass unser Hirte, uns nur so viel Freiheit wegnimmt, wie Er das für gut erachtet. Die Gefängnisaufenthalte des Apostels Paulus führten beispielsweise zu ganz wichtigen Briefen, von denen wir bis heute profitieren! Die Briefe der Apostel hatten mindestens so große Auswirkungen, wie ihr Gemeindedienst, währenddem sie sich frei bewegen konnten. Wer der christlichen Gemeinschaft wegen der Maskenpflicht fernbleibt, verlässt unmerklich die Herde und das ist gefährlich!

Wir müssen bedenken, dass der christliche Mainstream oft nicht dem Willen Gottes für unser Leben entspricht. Auch die Christen, die sich in der Mehrheit einer christlichen Bewegung befinden, müssen unbedingt der Stimme des Guten Hirten gehorchen, damit sie rechtzeitig umkehren können, wenn Er ruft! Ob eine christliche Herde in die Irre geleitet wird oder nicht, hängt in besonderer Weise von den Lehrern und Gemeindeleitern ab, denen die Herde Gehör schenkt und "nachfolgt".

Heute hat man viele Möglichkeiten, auch Verkündigern zuzuhören, die außerhalb der eigenen Gemeinde predigen. Das hat den Vorteil, dass man nicht zu einseitig geprägt wird und auch von Begabungen profitieren kann, die in der eigenen Gemeinde vielleicht nicht zu finden sind. Damit will ich aber nicht zu einer Unverbindlichkeit gegenüber der eigenen Gemeinde motivieren! Wer von anderen Lehrern profitieren möchte, sollte aber nur denen zuhören, die die Bibel als das vollgültige Wort Gottes anerkennen. Vom Wort Gottes darf nichts weggenommen und auch gar nichts hinzugefügt werden, indem z. B. gesagt wird, dass wir Christen nur dann an das göttliche Ziel kommen können, wenn man dieses Buch oder jene zusätzliche Lehre auch noch beachtet (z. B. die Überlieferungen der kath. Kirche oder das Buch Mormon, die Publikationen des Wachtturms usw.). Gute Hirten und Lehrer lassen sich allezeit vom Wort Gottes korrigieren, sie lieben Jesus von ganzem Herzen und wollen den Brüdern und Schwestern uneigennützig dienen!

Neben dem Hirten

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Die Schafe, die sich unmittelbar neben dem Hirten befinden, wissen immer, wo der Hirte ist!

Sie berühren regelmässig Seine Beine oder Seinen Mantel. Auch werden sie von Seinem 'Stecken und Stab' geführt. Vielleicht riechen sie den Geruch des Hirten! Durch ihre Nähe zum Hirten hören sie aber immer Seine Stimme. Ein Schaf, das unmittelbar neben dem Hirten steht und sich in Reichweite Seines Stabes befindet, kann vielleicht auch mal einen Wolf in der Ferne erblicken; aber es wird sich nicht fürchten! Es hat die tiefe Gewissheit: "Solange ich bei meinem Guten Hirten bin, kann mir kein Wolf irgendetwas anhaben. Wenn ich mich verletze, dann kümmert sich mein Hirte sogleich um meine Wunde und manchmal nimmt Er mich sogar auf Seine Schultern! Er führt mich zum besten Weideplatz und so bekomme ich auch immer die optimale Nahrung! Er weiß, wo die besten Wasserquellen sind und wo ich meinen Durst stillen kann!"

Wie schön wäre es doch, wenn ich ständig neben meinem Hirten gehen könnte! Ich möchte durch Seinen Stab geleitet und getröstet werden und immer Seine Stimme hören! Leider werde ich oft von anderen Dingen abgelenkt. Persönliche Probleme, To-Do-Listen, Sorgen und die rasend schnellen Veränderungen unserer Gesellschaft lenken mich immer wieder mal ab, sodass ich innerlich plötzlich nicht mehr an dem Ort stehe, wo sich mein Guter Hirte befindet. Dann muss ich mich neu orientieren und umschauen, um herauszufinden, wo ich im Moment stehe und wo sich mein HERR befindet. Vielleicht befinde ich mich dann mitten in der Herde, wo es mir schwerfällt, mich zu orientieren und auch nicht sehen kann, wo der HERR in diesem Augenblick steht. Erst wenn Er dann ruft, weiß ich wieder, in welche Richtung es geht! David schrieb:

  • "... denn du bist bei mir; dein Stecken und dein Stab, die trösten mich." (Ps 23:4b)

Sein Stab dient dazu, mich in Seiner Nähe zu halten. Besonders im finsteren Tal bin ich auf diesen Stab angewiesen, weil ich dann um Seine Nähe weiß. Das griech. Wort 'parakaleo' beinhaltet sowohl ein Trösten, als auch ein Ermahnen sowie Bitten und müsste wörtlich mit "nahe-herbei-rufen" übersetzt werden. Wer sich nahe zum Hirten rufen lässt, wird ermahnt und durch die Gegenwart des HERRN getröstet! Wenn ich bei Ihm bleiben will, dann muss ich eine Sensibilität für den Frieden Gottes entwickeln. Da wo ich auf Seinen Frieden in mir achte, kann ich in Seiner Nähe bleiben. Es dürfte klar sein, dass dabei das 'anhaltende Gebet' eine zentrale Rolle spielt. Unter einem anhaltenden Gebet verstehe ich Folgendes:

  1. Regelmässige und wenn möglich feste Gebetszeiten, in denen auch das laut ausgesprochene Gebet eine wichtige Rolle spielt. Zu diesem Gebet gehört auch das Hören auf Gottes Wort, indem ich die Bibel lese und sie mit meinem persönlichen Leben in Verbindung bringe.
  2. Ein inneres stilles Beten, wann immer ich daran erinnert werde.
  3. Das Bewusstsein, immer in der Gegenwart Jesu leben zu dürfen. Das brauche ich vor allem dann, wenn meine Gedanken durch berufliche oder andere Herausforderungen in Beschlag genommen werden. In diesen Herausforderungen kann ich kaum bewusste 'Gebetssätze' formulieren, aber ich kann mir in diesen Situationen immer mehr das Bewusstsein aneignen: "Ich denke und handle jetzt vor dem Angesicht Gottes, bzw. in der Gegenwart des HERRN!"

Da wo dies geschieht, wird auch mein Unterbewusstsein immer mehr mit der Gegenwart meines guten Hirten gefüllt. Durch dieses anhaltende Gebet bekomme ich eine Sensibilität für den Frieden Gottes, der mich dann auch Schritt für Schritt führen wird. Wenn ich darüber nachdenke, was Sein 'Geruch' sein könnte, dann werde ich an die Wohlgefälligkeit unseres Gottes erinnert (1Mo 8:21). Dazu gehört eine Opferbereitschaft aus tiefer Dankbarkeit. Jesus Christus war der wohlgefällige Sohn Gottes, der den ganzen Willen Seines Vaters tat! Sein Wesen der Liebe, des Erbarmens, der Gnade, der Sanftmut und Seine Demut beinhaltet diesen 'geistlichen Geruch'! Wer diesen Geruch immer um sich haben darf, kann eine große Glückseligkeit verspüren!

Der Aufenthalt in Seiner Nähe, bedeutet nicht, ein schmerz- oder problemloses Leben führen zu können – denken wir nur an Paulus in 1Kor 11 + 12 – sondern es hat zur Folge, dass wir uns allezeit "im HERRN" freuen können (Phil 4:4). Es bewirkt auch die Gewissheit, dass uns alle Dinge zum Guten mitwirken müssen (Röm 8:28). Auch brauchen wir uns dann nicht mehr vor dem Wolf, bzw. dem Feind zu fürchten! In Seiner Gegenwart werden unsere "Wunden" heil; auch wenn es manchmal längere Zeit dauert. In Seiner Gegenwart bekomme ich das Brot und Wasser des Lebens. Unser Herz und unsere Seele werden nur bei IHM wirklich bleibend satt!

Auf den Armen oder der Schulter des Guten Hirten

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Auf den Armen oder auf der Schulter des Guten Hirten, muss es wohl am allerschönsten sein!

Kein Schaf ist dem Hirten näher als in diesem Augenblick! Aber wie kommt ein Schaf dahin? "Dahin" kommt ein Schaf nur, wenn sich der Hirte dafür entscheidet! Er allein bestimmt, wer auf seinen Arm oder auf seine Schulter kommen darf. Kein Schaf kann das "machen"! Aber wann nimmt der Gute Hirte ein Schaf auf Seine Arme? Ganz einfach: "Wenn es allein nicht mehr gehen kann; wenn es erschöpft oder ganz schwach ist! Aber vielleicht will er einem Schaf auch zeigen, wie sehr er es liebt!" An der Brust oder auf der Schulter des Hirten ist das Schaf so sicher, wie sonst nirgends! Hier kann es sich nicht verirren! Hier muss es sich nicht mehr mit anderen vergleichen! Hier kann ihm kein Raubtier etwas anhaben! Auf Seinen Armen hört das Schaf den Herzschlag des Hirten! Hier wird das Schaf liebevoll umarmt Auf dem Arm und der Schulter des Hirten wird das Schaf vollständig getragen. Auf der Schulter des Hirten hat das Schaf den größten "Weitblick" und da ist es dem 'Kopf' des Hirten ganz nah!

Jeder Christ, der den HERRN Jesus liebt, wünscht sich eigentlich diese einmalige und nicht zu überbietende Lage. Wie gerne würde ich immer den Herzschlag Jesu hören und Seine Gedanken für mich und meine Mitmenschen in jeder Situation kennen. Wie sehr würde ich mir wünschen, zu jeder Zeit Sein sanftes Flüstern zu hören. Wir durften sehen, dass allein der Hirte darüber entscheidet, wen Er auf die Arme oder Seine Schulter nehmen will und Er entscheidet sich für diejenigen, die alleine nicht mehr gehen können! Währenddem der natürliche Hirte in der Regel nur ein Schaf aufnehmen kann, wird Jesus jedes Schaf tragen können, das dazu bereit ist! Bin ich wirklich bereit, diese Position einzunehmen?

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Kann ich wirklich in jeder Situation das sagen, was auch Julie von Hausmann gedichtet hat:
  • "Ich mag allein nicht gehen,
    nicht einen Schritt:
    wo du wirst gehn und stehen,
    da nimm mich mit."?

Möglicherweise bin ich noch nicht soweit, weil ich noch zu kleingläubig bin, weil ich noch zu wenig gelernt habe, aus der totalen Abhängigkeit vom Guten Hirten zu leben! Zwar bin ich seit bald 16 Jahren – was das Finanzielle betrifft – vollständig vom HERRN abhängig, aber da gibt es noch andere Bereiche in meinem Leben, wo ich noch nicht gelernt habe, aus dieser totalen Abhängigkeit zu leben!

Nachfolger Jesu, die sich auf ihrer letzten Wegstrecke befinden, lernen das fast zwangsläufig, weil sie ihr Vertrauen nicht mehr auf ihr Vermögen, auf die Ärzte oder Medikamente setzen können. Wenn es auf ihrer 'Zielgeraden' richtig läuft, dann lernen sie dem HERRN in allen Dingen zu vertrauen und dürfen die Erfahrung machen, auf den Armen Jesu getragen zu werden. An dieser Stelle möchte ich all' denjenigen zurufen, die sich jetzt auf ihrer letzten Wegstrecke befinden:

  • Da seid ihr dann eurem Guten Hirten so nahe, wie nie zuvor! Da werdet ihr Sein Umarmen und Trösten in ganz einmaliger Weise erleben!

Wenn ich aber bereits vor meiner letzten Wegstrecke lernen durfte, dass ich ohne Ihn keinen einzigen Schritt gehen kann und Ihm trotzdem vollkommen vertraue, dass Er mich Schritt für Schritt führt, dann kann ich vorher schon erfahren, wie es ist, von Ihm vollständig getragen zu werden. Ich glaube, dass Männer wie Georg Müller oder Bruder Andrew, der Gründer von Open Doors, dieses 'fast vollkommene Vertrauen' schon vor dem eigentlichen Sterbeprozess lernen durften. Sie wurden von Jesus vollständig getragen, obwohl sie von Aussen betrachtet, äußerst aktiv waren! Wer auf den Schultern Jesu getragen wird, darf alles mit den Augen Jesu sehen und hat den größten Weitblick. Wenn wir unsere, z. T. schwierige Situation, mit den Augen Jesu sehen, dann kann uns das ruhig machen und eine große Gelassenheit vermitteln. Wenn wir unsere Mitmenschen mit den Augen Jesu sehen, dann empfinden wir größte Liebe für jeden Sünder; ganz egal, wie schrecklich seine Vergangenheit aussieht! Wenn wir mit den Augen Jesu schauen können, dann sehen wir in jedem Menschen eine unbezahlbare Kostbarkeit, für die es nur einen möglichen Preis gab: Das Blut des Sohnes Gottes! Durch den Blick, mit den Augen Jesu, haben wir für jeden Menschen tiefstes Verständnis und empfinden größtes Erbarmen! Wenn ich auf den Schultern Jesu getragen werde, darf ich auch durch Seine Augen geleitet werden. Ich realisiere, wohin Er schaut! Ich lerne Seine Gedanken kennen. Wer auf den Schultern Jesu liegt, hat den größten Weitblick. Er sieht das Ziel der Heilsgeschichte Gottes. Im Glauben darf er fassen, dass Gott einmal alles neu machen wird. Er darf sich jetzt schon darüber freuen, dass einmal kein Schmerz, kein Tod und kein Leid mehr sein wird (Offb 22 + 22)! Den größten Weitblick darf derjenige haben, der das Wort aus 1Kor 15:28 wirklich verstanden hat:

  • Wenn dann alles unter die Herrschaft von Christus gestellt ist, wird er selbst, der Sohn, sich dem unterstellen, der ihn zum Herrn über alles gemacht hat. Und dann ist Gott alles in allen. (NGÜ)


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