Wenn sich der Himmel öffnet und Gott mir im Gebet begegnet

Aus Bibelwissen
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Von Daniel Muhl

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"Gott liebt seine Geschöpfe – und er möchte nichts lieber, als dass sie eine große Nähe zu ihm leben können. Dass sie sich öffnen für ihn, dass sie sich versöhnen lassen mit ihm und dass sie ihn kennen- und lieben lernen. Gott ist bereit, ein sehr hohes Maß an Nähe zuzulassen. Er ist bereit, Einblicke zu gewähren. Und aus diesem Grund hat er den Himmel für die Menschen geöffnet."
(ERF-Beschreibung zu diesem Vortrag)

Ein geöffneter Himmel! Was ist das?

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Wenn christusgläubige Menschen an einen geöffneten Himmel denken, dann kommen ihnen vielleicht etliche Bibelstellen in den Sinn, in denen sich der Himmel buchstäblich öffnete und die betroffenen Menschen in eine "andere Dimension" schauen durften.

Die Bibel berichtet uns an vielen verschiedenen Stellen von solchen Ereignissen. Da wird von Menschen berichtet, denen plötzlich ein Einblick in himmlische Welten geschenkt wurde (Mt 3:16 / Apg 7:56). Vielleicht werden Sie an Jesaja oder Hesekiel erinnert, die in den himmlischen Thronsaal sehen durften (Jes 6:1ff / Hes 1:1ff) oder an eine ähnliche Begebenheit in Offb 4.
Einige denken vielleicht an Elisa, der für seinen Knecht bat, damit dieser mit seinen Augen die himmlischen Heerscharen, bzw. die Engelheere, um die Stadt Dotan erkennen konnte (2Kö 6:17). Dabei wurde dem Knecht Elisas klar, wer in dieser "ausweglosen Situation" das Sagen hat. Nicht die sichtbare Armee war die entscheidende Macht, sondern die unsichtbare Armee Gottes! Das waren alles Einblicke, die nicht nur für die Augen spektakulär waren, sondern auch Erlebnisse, die ein ganz neues Bewusstsein hinterliessen.

Wenn wir von diesen einmaligen Geschehnissen lesen, dann regt sich in uns vielleicht die Sehnsucht, auch einmal so etwas Spektakuläres erleben zu dürfen. Wie wäre das für uns, wenn Gott uns heute einen Blick in Seine Welt schenken würde und wir erkennen könnten, wie es da oben im Himmel ausschaut? Das wäre ohne jeden Zweifel etwas tief Beeindruckendes! Vielleicht denken Sie: "Auch ich möchte einmal wie Johannes, mit eigenen Augen, den Thron Gottes sehen! Auch ich möchte einmal diese unbeschreibliche Realität Gottes sehen und von diesem Anblick überwältigt und fasziniert sein!" Natürlich würde uns das, was wir da sehen könnten, zutiefst beeindrucken und wir würden diese glanzvollen Bilder wohl kaum je vergessen. Vermutlich würden wir noch lange von diesem Erlebnis "zehren". Diese "Bilder" könnten wir dann aber nur noch in unserer Erinnerung anschauen und das wäre natürlich nicht mehr das Gleiche. Trotzdem würde es uns gefallen, so etwas erleben zu dürfen. Ein solches Erlebnis lässt nicht nur Bilder zurück, sondern vor allem auch eine Erkenntnis, die sich ganz tief in unser Bewusstsein einprägen würde:

  • Es würde uns das Wissen vermitteln, wo die wirkliche Machtzentrale dieses Universums ist! Gott hält das Zepter in Seinen Händen! Er regiert alles! Er bestimmt, was mit uns geschieht!

Wenn wir im Krankenhaus liegen, wenn wir Schmerzen oder Angst haben: Er wacht immer über unserem Leben! Wer das erkennen darf und daran festhält, kann auch in eine tiefe Ruhe kommen, denn er darf sagen:

  • "Herr, alles was Du in meinem Leben machst, ist wirklich gut für mich! Wenn ich Dich lieb habe, muss mir alles zum Besten dienen (Röm 8:28)!"

Wer einmal in den himmlischen Thronsaal Gottes sehen durfte, weiß, wer die Weltgeschichte lenkt! Mit diesem Wissen spielt es dann keine so große Rolle mehr, wer die Mächtigsten dieser Welt sind. Ob das irgendwelche Geheimbünde, Freimaurer, Illuminaten oder Superreiche sind, ist nicht mehr entscheidend! Alle diese mächtigen Personen, die ein gottloses Leben führen, sind von bösen Geisteswesen getrieben, die unter der Herrschaft Satans stehen und die gegen Gott streiten.

Doch Satan und seine Dämonen können auch nur das machen, was Gott zuvor genehmigte! So dürfen wir das eindeutig aus Hiob 1 und 2 erkennen. Und selbst da, wo die Finsternismächte den Sohn Gottes gekreuzigt haben, hatte Gott jederzeit "alles im Griff"! Der Böse kann uns kein Haar krümmen, ohne dass Gott es zulässt. Daran dürfen wir im Glauben immer wieder festhalten und ruhig darüber werden! Die Gegner Gottes, werden in der Endzeit so viel Macht erhalten, dass ganz viele Menschen den Eindruck gewinnen werden: "Gott steht auf verlorenem Posten!"

Aber das Gegenteil ist der Fall:

  • "Gott hält immer das Zepter in Seiner Hand; ganz egal, wie stark es hier auf der Erde 'drunter und drüber' geht."

Wer die Offenbarung (das letzte Buch der Bibel) liest, kann erkennen, dass es eine Zeit geben wird, wo "das Tier der Endzeit" (der Gesetzlose) so lästerliche Dinge sagen darf, dass fast jeder, der es hört, zu dem Schluss kommt: "Wenn es einen allmächtigen Gott gäbe, der über diesem Mann steht, dann würde Er ihn augenblicklich töten (Offb 13:1-6)!" Aber Gott lässt es zu, dass ein Mann über längere Zeit Lästerworte sagen kann, wo alle nur noch staunen und sagen: "Das muss Gott selbst sein!" Wir sehen also: Gott lässt dem Bösen durchaus für eine gewisse Zeit relativ viel Raum!

Das mag vielleicht eines der Motive sein, warum wir auch gerne einmal in den himmlischen Thronsaal hineinschauen würden. Wir dürfen aber durch das Wort Gottes und mit den Augen des Herzens, in den himmlischen Thronsaal hineinschauen. Die Bibel beschreibt uns genau die Dinge über den Himmel, die für uns wirklich wichtig und wertvoll sind! Wenn wir in den himmlischen Thronsaal hineinschauen könnten, müssten wir nicht mehr daran glauben, dass Gott "alles im Griff" hat, sondern wir wüssten es! Dann wären wir vom "Glauben zum Schauen" gelangt! Aber im Moment können wir das nur glauben und darauf vertrauen, dass Gott der Herrscher über das Universum ist! Für uns wäre es so schön, diese totale Gewissheit zu haben und wir würden nie mehr an der Allmacht Gottes zweifeln. Doch Jesus möchte, dass wir Ihm vertrauen, ohne ein solches Spektakel zu sehen. Wir wissen ja, was er zu Thomas sagte:

  • "Weil du mich (als Auferstandener) gesehen hast, hast du geglaubt. Glückselig sind, die nicht gesehen und doch geglaubt haben!" (Joh 20:29)

An dieser Stelle kann man sehen: "Der Glaube, bzw. das Vertrauen auf Gott – ohne Ihn zu sehen – hat eine ganz große Verheißung! Wer, ohne Gott zu sehen, darauf vertraut, dass Er alles in Seinen Händen hält, wird eine unvorstellbare Glückseligkeit erleben dürfen!" Jesus möchte, dass wir Ihm vertrauen, auch wenn wir seine Macht nicht so offensichtlich sehen. Aber selbst, wenn wir die Möglichkeit hätten, einmal in den Thronhimmel Gottes sehen zu können, wäre es dem Satan trotzdem noch möglich, uns an der Allmacht Gottes zweifeln zu lassen, indem er uns vielleicht weismachen würde, dass das, was wir gesehen haben, nur ein "Unterthron" war, so wie Herodes nur auf dem Unterthron des römischen Kaisers saß. Und schon wäre der Zweifel wieder da!

Wenn wir etwas Spektakuläres sehen, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass der Glaube dann felsenfest steht! Das beweist uns die Bibel immer wieder. Das Volk Israel hat beim Auszug aus Ägypten und in der Wüste, viele Wunder Gottes gesehen und doch haben diese Wunder nicht dazu geführt, dass sie zu einem unerschütterlichen Glauben kamen. Immer wieder murrten sie gegen Mose und misstrauten ihrem Gott, sobald es zu Problemen kam und ihnen etwas fehlte! Gott hätte sich auch dann das Vertrauen Seines Volkes zu Ihm gewünscht, als kein Wasser in Sicht war (2Mo 15:22)! Das Volk verharrte im Unglauben, trotz dem Sehen der vielen Wunder Gottes!

Zur Zeit Jesu war es auch nicht viel anders: Das Volk Israel sah die Wunder Jesu (so viele Wunder hat es noch nie gegeben) und doch führte das nicht dazu, dass das ganze Volk umgekehrt wäre, Buße getan und am Glauben festgehalten hätte! An diesen beiden Begebenheiten wird deutlich, dass der Glaube ein Geschenk Gottes ist, das Er uns durch den Heiligen Geist gibt! Den wahren göttlichen Glauben bewirkt Sein Geist in uns! Es ist nicht so – wie manche vielleicht denken – dass spektakuläre Wunder auch einen unerschütterlichen Glauben bewirken! Wir dürfen auf das vertrauen, was Gott uns in Seinem Wort sagt, weil Er sich als der einzig treue Gott erwiesen hat! Seine Treue erwies sich darin, dass Er für uns Sein Kostbarstes gegeben hat: Seinen Sohn Jesus Christus! Die Treue des Sohnes Gottes war so groß, dass Er aus Liebe zu uns alles loslassen konnte! Er konnte Sein Leben, Sein Ansehen, Seine Ehre, Seine Herrlichkeit und Sein Wohlbefinden aus Liebe zu uns abgeben! Niemand sonst hat sich als absolut treu erwiesen, weil der Sohn Gottes als einziger bedingungslos liebte und sogar für Treulose starb! Darum dürfen wir uns auf Ihn auch hundertprozentig verlassen.

Weil der Glaube – ohne zu sehen – so wertvoll ist, schreibt schreibt Johannes u. a. zu Beginn der Apokalypse auch Folgendes:

  • "Glückselig, der liest und die hören die Worte der Weissagung (o. Prophetie) und bewahren, was in ihr geschrieben ist! Denn die Zeit ist nahe." (Offb 1:3)

Alle diejenigen, welche diese Worte lesen, hören und bewahren, sind deshalb glückselig, weil sie durch diese Schrift erkennen können, wie Gott alles in Händen hält, auch wenn schreckliche Zeiten über diese Welt kommen werden. Das gilt auch dann, wenn der Gesetzlose über Gott lästert und das Wunder der Totenauferstehung imitiert, so dass die ganze Welt darüber staunen und glauben wird, dass es sich hier um Gott selbst handelt (Offb 13:3-5)! Der Leser der Offenbarung weiß dann, dass es sich hier um eine Verführung handelt und diese Dinge nicht das Letzte sein werden. Aber für unseren Trost braucht es nicht nur das Wissen, dass Gott das ganze Weltgeschehen in Seinen Händen hält, sondern auch die Erkenntnis, dass dieser Gott uns absolut und bedingungslos liebt. Ohne dieses Wissen, könnten wir keine Gewissheit haben, dass der allmächtige Gott es wirklich gut mit uns meint!

Das ist der große Vorzug, den wir Christen gegenüber den Muslimen haben dürfen. Sie haben in der Regel keine Heilsgewissheit und können nicht wirklich sicher sein, ob "Allah" sie annehmen oder ablehnen wird und ob sie einmal in den Himmel kommen dürfen! Sie leben in einer totalen Ungewissheit und können Allah auch gar nicht richtig einschätzen! Wir Christen haben das unglaubliche Vorrecht, dass Jesus uns den Vater im Himmel vor Augen gemalt hat! Als einen Vater, der sich nach uns sehnt, der auf uns wartet (Lk 15:20) und uns beschenken will! Er will uns bei sich haben und mit uns ein Fest feiern! Der Vater im Himmel möchte mit uns eine innige Liebesgemeinschaft haben und Er hat alles dafür getan, damit dies auch Wirklichkeit werden kann! Er hat uns von unserer Sünde befreit und Er schenkt jedem Glaubenden die Gerechtigkeit Seines Sohnes! Was für ein unbeschreibliches Vorrecht!

Was kann man ebenfalls als einen geöffneten Himmel sehen?

Unter einem geöffneten Himmel verstehe ich nicht nur den buchstäblichen Einblick in eine andere Dimension, sondern auch das Erkennen der göttlichen Realität! Aber auch hier gibt es mehrere Ebenen. Paulus redet in Röm 12 von einem guten, wohlgefälligen und vollkommenen Willen Gottes. Diesen gilt es zu prüfen und auch zu unterscheiden. Auch schreibt er von einem dritten Himmel (2Kor 12:2). Daraus lässt sich erkennen, dass es mindestens drei Himmel gibt und wir es vmtl. auch mit mehreren Ebenen, bzw. Dimensionen zu tun haben. Das Gleiche gilt für geistliche Erkenntnisse! Die Engel haben über Gott Kenntnisse, die wir nicht haben, aber ihnen fehlt der Einblick in das Vaterherz Gottes. Uns Gläubigen – die wir Seine Kinder sein dürfen und Ihn von ganzem Herzen lieben – offenbart Er Sein Herz! Wenn unser himmlischer Vater, uns durch Seinen Geist, einen Einblick in Sein Vaterherz gewährt, dann hat sich für uns die höchste Ebene, bzw. der höchste Himmel geöffnet. Der Einblick in das Vaterherz Gottes ist weit mehr als das Schauen in den Thronhimmel Gottes! Wenn wir in den Thronhimmel Gottes schauen könnten, würde uns das zwar tief beeindrucken, aber wenn uns der Geist Gottes einen Einblick in das Vaterherz Gottes schenkt, dann ist das noch weit mehr! Wer in das Herz des Vaters sieht, erkennt Seine Motive und Beweggründe! Die Engel können dies z. T. gar nicht sehen, denn sie selbst begehren, die (geheimen) Dinge des Evangeliums zu erkennen! So lesen wir in 1Petr 1:11-12:

  • "Sie forschten, auf welche oder auf was für eine Zeit der Geist Christi, der in ihnen war, hindeutete, als er die auf Christus ⟨zukommenden⟩ Leiden und die Herrlichkeiten danach vorher bezeugte. 12 Ihnen wurde es offenbart, dass sie nicht sich selbst, sondern euch dienten im Blick auf das, was euch jetzt verkündet worden ist durch die, welche euch das Evangelium verkündigt haben im Heiligen Geist, der vom Himmel gesandt ist, in welche Dinge Engel hineinzuschauen begehren."

Paulus macht den Korinthern auch deutlich, dass uns, die wir den Heiligen Geist haben dürfen, sogar die Tiefen Gottes geoffenbart wurden und noch werden. Diese Stelle ist so unfassbar herrlich, dass ich sie unbedingt vorlesen muss (1Kor 2:7b-12):

  • "Wir verkünden ein Geheimnis: den Plan, den Gott schon vor der Erschaffung der Welt gefasst hat und nach dem er uns Anteil an seiner Herrlichkeit geben will. Dieser Plan ist bisher verborgen gewesen. 8 Keiner von den Machthabern dieser Welt hat etwas von dem Plan gewusst; keiner von ihnen hat Gottes Weisheit erkannt. Sonst hätten sie den Herrn, dem alle ´Macht und` Herrlichkeit gehört, nicht kreuzigen lassen. 9 Es heißt ja in der Schrift: »Kein Auge hat je gesehen, kein Ohr hat je gehört, und kein Mensch konnte sich jemals auch nur vorstellen, was Gott für die bereithält, die ihn lieben.« 10 Uns aber hat Gott dieses Geheimnis durch seinen Geist enthüllt – durch den Geist, der alles erforscht, auch die verborgensten Gedanken (w. die Tiefen) Gottes. 11 Nur Gottes Geist ist dazu imstande. Denn genauso, wie die Gedanken eines Menschen nur diesem Menschen selbst bekannt sind – und zwar durch den menschlichen Geist –, genauso kennt auch nur der Geist Gottes die Gedanken Gottes; niemand sonst hat sie je ergründet. 12 Wir aber haben diesen Geist erhalten – den Geist, der von Gott kommt, nicht den Geist der Welt. Darum können wir auch erkennen, was Gott uns in seiner Gnade alles geschenkt hat."

Uns schwachen gläubigen Menschen gewährt Gott einen Einblick in Seine tiefen Herzensgedanken; in Gedanken, die vmtl. nicht einmal die Engel erkennen können, die sich vor dem Thron Gottes befinden.

Aus der Sicht der Engel musste es schon eine kleine 'Ungeheuerlichkeit' gewesen sein, als Jesus über seine Jünger betete:

  • "Und die Herrlichkeit, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben, dass sie eins seien, wie wir eins sind – (Joh 17:22)!"

Man muss sich das einmal auf der Zunge zergehen lassen! Wir kleinen 'Erdenwürmer', die wir über viel weniger Kraft, Intelligenz und Fähigkeiten verfügen als die Engel, sollen mit der Herrlichkeit des Sohnes Gottes beschenkt sein! Das können die Engelfürsten weder sehen, noch erkennen. Das ist für sie unfassbar, zumal wir von außen betrachtet so unvollkommen und fehlerhaft sind. Wenn solche Aussagen nicht im Wort Gottes stehen würden, müsste man eigentlich sagen: "Jeder, der das sagt oder behauptet, ist irgendwie übergeschnappt!" Aber weil uns der Sohn Gottes selbst bestätigt, dass Seine Schüler mit der Herrlichkeit beschenkt sind, die der Vater dem Sohn gegeben hat, dürfen wir das glauben! Die Herrlichkeit, die der Sohn hat, behält Er nicht für sich; Er gibt den Seinen Anteil daran! Wenn ich erkennen durfte, dass ich allein infolge der Liebe des himmlischen Vaters ein Kind Gottes sein darf und mich darüber unsagbar freue, dann hat sich für mein Herz der Himmel bereits ein stückweit geöffnet. Diese ganz "einfache Erkenntnis" haben viele Menschen nicht. Ihnen fehlt diese Erkenntnis nicht deshalb, weil sie zu schwer verständlich wäre, sondern einfach deshalb, weil ihnen der Glaube bis zu diesem Zeitpunkt, noch nicht geschenkt wurde! Nur durch den Glauben können wir diese einfache Tatsache fassen und uns unendlich darüber freuen. Der Glaube ist keine Sache des Intellekts, der Intelligenz oder des "Besser-Seins", sondern ein Geschenk Gottes. Darum schrieb Paulus den Ephesern auch:

  • "Denn aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es, nicht aus Werken, damit sich nicht jemand rühme." (Eph 2:8-9)

Der Glaube vermittelt uns ein göttliches Bewusstsein, eine ganz neue Identität, die man nicht sehen kann und dadurch hat sich für uns der Himmel ein stückweit geöffnet! Aber warum sage ich das und was hat das Ganze mit dem Gebet zu tun? Beten ist kein Monolog! Leider glauben wir das manchmal, weil wir im Gebet vielfach zu Gott reden, ohne eine Antwort von Ihm zu erhalten.

  • Gebet ist nicht in erster Linie ein Auflisten von Dingen, für die wir dankbar sind oder ein Bekanntmachen unserer berechtigten Bitten, sondern vielmehr eine ganz zentrale Tätigkeit, welche die liebevolle Vertrauensbeziehung zum himmlischen Vater intensiviert!

Zum Gebet gehört auch die Stille, in der wir über die Worte Gottes nachdenken können! Für die Vertiefung unserer Vertrauensbeziehung zum himmlischen Vater ist es von entscheidender Bedeutung, dass wir Ihn immer besser kennenlernen. Ich kann mit einem Menschen nur dann eine Beziehung aufbauen, wenn ich ihn gut kennenlerne! Gott lernt man dann gut kennen, wenn man Sein Wort studiert und mit Ihm darüber spricht! Gott redet in erster Linie und hauptsächlich durch Sein schriftliches Wort (die Bibel) zu uns! Es ist eine große Kostbarkeit, das Wort Gottes betend zu lesen und immer wieder darüber nachzudenken: "Was sagt mir dieses Wort über meinen himmlischen Vater und den Herrn Jesus Christus?" Darum war für den Apostel Paulus auch das Gebetsanliegen aus Kol 1:9-10 so wichtig:

  • "Deshalb hören auch wir nicht auf, von dem Tage an, da wir es gehört haben, für euch zu beten und zu bitten, auf dass ihr erfüllt sein möget mit der Erkenntnis seines Willens in aller Weisheit und geistlichem Verständnis, um würdig des Herrn zu wandeln zu allem Wohlgefallen, in jedem guten Werke fruchtbringend, und wachsend durch die Erkenntnis Gottes, ..."

Es war für den Apostel ein fundamentales Anliegen, dass seine Geschwister mit der Erkenntnis Seines Willens erfüllt würden. Durch die Erkenntnis Gottes können wir geistlich wachsen und wir werden immer mehr in das Bild Jesu Christi verwandelt (Kol 3:10 / Röm 8:29 / 2Kor 3:18). Das Wort Gottes darf aber nicht nur als "Kopfwissen" abgespeichert werden, sondern es soll auch verinnerlicht werden, es muss mit unserem Leben, mit unseren Motiven und unserem Denken verbunden werden! Es geht auch darum, dass wir mit unserem Gott leben und unseren HERRN in alle Dinge des Lebens miteinbeziehen! Das biblische Wissen muss Vertrauen erzeugen und eine Verbindung zu unserem Alltag und Gebetsleben herstellen! Auch Petrus betont diesen Aspekt in 1Petr 1:2:

  • "Gnade und Friede sei euch vermehrt in der Erkenntnis Gottes und Jesu, unseres Herrn!"

Meine Frau und ich haben uns das Hörbuch über "Bruder Andrew", den "Schmuggler Gottes" und Gründer von Open Doors angehört und dabei gespürt, wie er ganz konkret mit Gott gelebt hat. Das wirkte sich bis in die Kleinigkeiten des Alltags aus! Ihm ging es nicht nur um ein theoretisches Wissen, wie Gott ist, sondern er wollte Gott ganz persönlich erfahren und herausfinden, wie es ist, wenn man Gott in allen Dingen Vertrauen schenkt! Das Vertrauen auf Gott gehört mit dazu, wenn man Gott kennenlernen möchte. Wenn wir den himmlischen Vater mit den Augen unseres Herzens gesehen haben, dann sind wir von dieser "Schau" so erfüllt, dass alles andere in den Hintergrund tritt! Wer das Wesen des himmlischen Vaters im Geist erkennen durfte, empfindet alle 'großen Dinge dieser Welt' als bedeutungslos! Durch dieses geistliche Erkennen wird unser Gebet immer mehr zu einem Beziehungsgebet! Die Beziehung zu Gott ist viel wichtiger als die Erhörung unserer Bitten! Leider sind uns unsere Bedürfnisse manchmal wichtiger als die Beziehung zu Gott. Leider begehren wir die Gaben manchmal mehr als den Geber und dann hat sich etwas verschoben! Plötzlich steht etwas über der Liebesbeziehung zu Gott und dieses Etwas wird – ohne dass wir es zuerst merken – plötzlich zu einem Götzen! Gott ist nicht unser Verhandlungspartner, sondern unser liebender HERR und Erlöser! Im Beziehungsgebet zum Vater im Himmel geht es nicht darum, dass Gott uns das gibt, was wir uns wünschen, sondern darum, dass wir immer mehr auch die Motive und Ziele unseres Gottes erkennen und uns mit ihnen eins machen. Wir kennen vmtl. die Aussage von Jesus, wo er sagte:

  • "Und was ihr bitten werdet in meinem Namen, das werde ich tun, damit der Vater verherrlicht werde im Sohn." (Joh 14:13)

Im Namen Jesu können wir erst dann um etwas bitten, wenn es in Übereinstimmung mit Seinem Willen ist und somit auch Seinem Auftrag entspricht! Ich kann nur dann in Seinem Auftrag bitten, wenn ich Seinen Willen in irgendeiner Sache erkannt habe. Christen stellen sich immer wieder Frage: "Wie kann ich den Willen Gottes in meinem Leben erkennen? Wie wird mir klar, was Er in dieser oder jener Situation von mir möchte? usw." Diese Fragen werden in der Regel erst dann beantwortet, wenn ich zuvor auf Ihn gehört habe!

Damit kommen wir zur nächsten Frage:

Wie kann ich Gott hören?

Ich habe noch nie die akustische Stimme Gottes gehört! Nur die wenigsten Christen können von sich behaupten, die akustische Stimme des HERRN gehört zu haben.
Beim Reden mit Gott haben wir vor allem Sein schriftliches Wort und deshalb schließe ich die Bibel immer wieder in mein Reden mit Gott ein, indem ich z. B. 1-2 Verse aus den Psalmen lese und anschließend mit Gott darüber ins Gespräch komme. Gott spricht durch Sein Wort zu mir; ich denke darüber nach und versuche das, was ich gelesen habe, mit meinem Leben in Verbindung zu bringen. Dadurch erkenne ich oft, was Er verheißen hat, was Er zu sagen hat und was Ihm wichtig ist. Dadurch wird mein Denken auch am Denken Gottes 'geeicht'!

Auf Gott hören, lernen wir besonders dann sehr gut, wenn wir Gehorsam gelernt haben. Das hebr. Wort "shama", bedeutet sowohl hören als auch gehorchen. Auf Gott hören und Ihm gehorchen kann man nicht voneinander trennen. Wer Ihm nicht gehorcht, hat in Seinen Augen gar nicht richtig gehört! Darum gehören zum Beziehungsgebet sowohl das 'Hören-auf-Gott' als auch das 'Ihm-gehorchen' mit dazu. Das griechische Wort für Hören lautet "akouo" und ist sprachlich mit den Worten "akantha" (Dorn) und "ous" (Ohr) verwandt. Hören ist also im Neuen Testament ein "dorniges oder spitziges Ohr". Die deutsche Redewendung "spitze deine Ohren", hat somit durchaus einen biblischen Inhalt. Aber was sollen wir mit dem Begriff eines spitzigen Ohres anfangen? Das Hören beinhaltet nicht nur das Aufnehmen von akustischen Signalen, sondern auch das Selektieren dieser Signale und dabei wird unser Gehirn aktiv. Beispiel:

"Wir sitzen in einem Speisesaal mit vielen Gästen. Das Ohr nimmt ein Wirrwarr von Stimmen wahr. Theoretisch könnte ein Hörender, wenn es nur nach seinen Ohren ginge, bei vier bis vielleicht acht oder zehn Gesprächen zuhören. Aber weil das Gehirn die Laute richtig selektiert, hört man in der Regel nur einem Gespräch bewusst zu. Obwohl man andere Gespräche hört, werden diese vom Gehirn so ausgeblendet, dass man meist nur auf die Worte einer Person konzentriert ist. Das Gehirn fokussiert also eine Schallquelle. Würde ich von den beiden Ohren zu der Schallquelle (dem sprechenden Mund) zwei gerade Linien ziehen, dann ergibt sich die Form eines Spitzes oder eines Dornes, also so ">". Hören ist also ein spitzes Ohr! Richtiges Hören kommt nicht nur durch das Aufnehmen von akustischen Signalen zustande, sondern auch durch die bewusste Entscheidung, welcher Schallquelle man zuhören will."

Wir leben heute in einem Wirrwarr von tausenden Stimmen und meistens hören wir denen gut zu, die möglichst das sagen, was wir gerne hören möchten! Wir Menschen hören normalerweise nicht so gerne auf Gott, weil Er uns immer wieder Dinge sagt, die wir gar nicht hören möchten! Es gibt nur eine Stimme, die absolut zuverlässig ist und das ist das Reden Gottes in Seinem Wort und wir tun gut daran, wenn wir unsere Ohren auf diese eine Quelle "spitzen".

Im Beziehungsgebet, in dem Gott unser liebender Vater ist (und nicht unser Verhandlungspartner), werden wir immer mehr erleben, wie Gott unser Herz berührt, wie Er uns bewegt und uns begegnet! Dabei können wir erkennen, wofür das Herz Gottes schlägt, und unser Herz verbindet sich mit Seinem Herzen, so dass wir das wollen, was auch Er will. Nie können wir Gott besser hören als dann, wenn sich unser Herz mit Seinem Herzen verbindet und wir uns mit dem "Herzschlag Gottes" identifizieren! Dann ist es uns auch möglich, in Seinem Namen, bzw. Auftrag um etwas zu bitten und es wird geschehen! Jesus möchte, dass wir Seine Stimme hören. Dabei geht es Ihm aber nicht darum, dass wir Informationen oder Dienstanweisungen bei Ihm abholen, sondern Er möchte uns Sein Herz mitteilen! Ich ertappe mich immer wieder dabei, wie ich darauf hoffe, dass der HERR mir die Informationen gibt, die ich brauche, um zu wissen, was ich als Nächstes tun oder sagen soll. Ich hätte oft gerne einen "Zettel vom Himmel", aber Jesus sagt: "Es geht mir nicht darum, dass du immer nur meine Informationen entgegennimmst; ich möchte dein Herz und dir auch mein Herz schenken! Ich wünsche mir nichts sehnlicher, als dass dein Herz sich mit meinem Herzen verbindet!" Im Beziehungsgebet kommt es immer wieder dazu, dass Er uns ein stückweit den Himmel öffnet und uns Sein Herz mitteilt! Das sind die wunderbarsten Begegnungen, die wir mit unserem Herrn Jesus und unserem himmlischen Vater machen dürfen und das wünsche ich jedem einzelnen von ganzem Herzen!


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