Vom Skeptiker zum Zeugen - Joh 1:43-51

Aus Bibelwissen
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Von Daniel Muhl

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Im Prolog beschreibt Johannes zuerst die Identität Jesu, dann die des Täufers und anschließend die Stellung aller derer, die an Seinen Namen glauben!

Jesus wurde das fleischgewordene Wort, um damit auch zum Lamm Gottes zu werden! Er ist das Leben und Er ist Gott! Durch Ihn empfangen die Menschen Gnade um Gnade!

Der Täufer war der treue Zeuge und alle, die an den Namen Jesu glauben, bekommen das Recht, Kinder Gottes zu werden (Joh 1:12)! Bevor wir im Johannesevangelium vom ersten Wunder Jesu lesen, bei dem Jesus Wasser in Wein verwandelte, werden die ersten Nachfolger Jesu erwähnt!

Zuerst ist von 2 Jüngern des Täufers die Rede, die Jesus zu Seinem Wohnort begleiteten. Einer davon war Andreas, der Bruder von Simon Petrus, und der andere wird namentlich nicht genannt. Andreas sagte zu Simon:

  • "Wir haben den Messias gefunden (Joh 1:41)!"

Möglicherweise sah Andreas noch kein Wunder Jesu, aber er erkannte durch das Zeugnis des Täufers, dass Jesus als das Lamm Gottes auch der Messias war. Gegen Ende des ersten Kapitels werden auch noch Philippus und Nathanael als die ersten Jünger erwähnt. In diesem Bericht finden wir noch einmal ein ganz großes Zeugnis über die Identität Jesu. Ich lese aus Joh 1 die Verse Joh 1:43-51:

  • 43 Am nächsten Tag wollte Jesus nach Galiläa aufbrechen; da findet er Philippus und spricht zu ihm: Folge mir nach!
    44 Philippus stammte aber von Bethsaida, aus der Stadt des Andreas und Petrus.
    45 Philippus findet Nathanael und spricht zu ihm: Wir haben [den] gefunden, von dem Mose im Gesetz und die Propheten geschrieben haben: Jesus, Josefs Sohn, von Nazareth!
    46 Da sagte Nathanael zu ihm: Kann aus Nazareth etwas Gutes kommen? Philippus erwidert: Komm und sieh!
    47 Jesus sah den Nathanael auf sich zukommen; da sagt er über ihn: Sieh, wahrhaftig ein Israelit, in dem keine Falschheit ist!
    48 Nathanael fragte ihn: Woher kennst du mich? Jesus gab ihm zur Antwort: [Noch] ehe Philippus dich rief, sah ich dich, wie du unter dem Feigenbaum warst.
    49 Nathanael erwiderte ihm: Rabbi, du bist der Sohn Gottes, du bist [der] König Israels!
    50 Jesus gab ihm zur Antwort: Glaubst du [deswegen], weil ich dir sagte, dass ich dich unter dem Feigenbaum sah? [Noch] Größeres als das wirst du sehen!
    51 Und er spricht zu ihm: Amen, amen, ich sage euch: Ihr werdet den Himmel geöffnet sehen und die Engel Gottes hinauf- und herabsteigen [sehen] auf den Menschensohn.

Dieser Text beginnt mit den Worten: "Am folgenden Tag ...". Das war der 4. Tag nach dem Zeugnis des Täufers (V. 19-28). Die Hochzeit in Kana fand dann 3 Tage später statt! Diese Hochzeit fand also am siebten, bzw. am dritten Tag statt. Das dürfte auch eine heilsgeschichtliche Bedeutung haben! Aus Ps 90:4 und 2Petr 3:8 wissen wir, dass bei Gott ein Tag wie tausend Jahre sind.

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Nach 6'000 Jahren Menschheitsgeschichte kommt ein Sabbat-Jahrtausend, nämlich das Millennium! Das tausendjährige Reich findet auch im dritten Jahrtausend nach Jesu Auferstehung statt. Der Beginn des Millenniums ist nur noch eine Frage von Jahren. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es bis dahin weniger als 20 Jahre sind.

Jesus lud Andreas und den anderen Jünger dazu ein, mitzukommen, um zu schauen, wo er wohnt! Als Simon durch Andreas zu Jesus kam, gab Jesus ihm den Namen Kephas, bzw. Petrus. Dadurch erhielt er auch eine neue Bestimmung. Philippus war der nächste Jünger, den Jesus ansprach. Ohne große Umschweife forderte Er ihn auf: "Folge mir nach!" (V. 43)

Wahre Christen sind einerseits Jünger, bzw. Schüler Jesu und sie sind auch Seine Nachfolger. Ich möchte kein Follower auf Twitter oder sonst wo sein; sondern nur ein "Follower Jesu"! Nachfolge bedeutet ja nicht, Jesus zu kopieren, sondern vielmehr Ihn nachzuahmen! Aber was heißt "nachahmen"? Ein Nachahmer Jesu Christi kann ich nur dann sein, wenn ich Seine Beweggründe, Motive und Ziele erkannt habe. Alle wahren Nachahmer Jesu führen ein ganz individuelles Leben. Keiner lebt die Kopie eines anderen! Aber alle Nachfolger Jesu lassen sich von dem zentralsten Motiv Jesu leiten: Von der göttlichen Liebe! Diese Liebe sucht nur die Ehre Gottes und das Wohl der Menschen; wobei nur Gott selbst weiß, was für uns Menschen wirklich gut ist! Je mehr ich im Herzen das Wesen Jesu und Seine Liebe erkannt habe, desto besser kann ich Ihm nachfolgen und Seinen Willen tun. Wahre Nachfolge ist nur möglich, wenn man den Herrn Jesus wirklich kennengelernt hat und Ihn immer besser kennenlernen will.

Philippus kommt der Aufforderung Jesu ohne "Wenn und Aber" nach! Er spürt intuitiv, dass dies der richtige Weg ist! Natürlich hatte der Heilige Geist das Herz des Philippus vorbereitet! Philippus hört die Aufforderung und folgt. Diese Entscheidung machte ihn zu einem wertvollen Werkzeug Gottes! Kurz nach seiner Entscheidung für Jesus, lebte er seine Berufung, ohne dass er dazu aufgefordert wurde. Von Anfang an, lebte er seine Berufung als einer, der die Menschen auf Jesus hinwies; wahrscheinlich auch deshalb, weil sein Herz ganz mit Jesus erfüllt war! Er verhielt sich ähnlich wie sein "Namensvetter" aus der Apostelgeschichte, der sich als fleißiger Evangelist auszeichnete (Apg 8). Trotzdem beschäftigte den Apostel Philippus auch die sichtbare Realität sehr stark, so dass er sein Reden und Handeln danach richtete. Das wird aus drei Stellen ersichtlich:

  • In unserem Abschnitt lädt er Nathanael ein, zu kommen, um "zu sehen" (Joh 1:46).
  • In Joh 6:7 sieht Philippus den Geldbetrag, der ihnen fehlt, um 5'000 Männer zu sättigen.
  • Und in den Abschiedsreden Jesu bittet er Jesus: "Herr, zeige uns den Vater, und es genügt uns (Joh 14:8)."

Die Antwort Jesu kennen die meisten:

  • "So lange Zeit bin ich bei euch, und du hast mich nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen. Und wie sagst du: Zeige uns den Vater?"

Nach diesem Gespräch mit Jesus, berichtet uns die Bibel keine weiteren Aussagen oder Handlungen des Apostels Philippus (nur eine Erwähnung seines Namens in Apg 1:13).

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Galiläa heißt "Kreis" oder "Bezirk" und umfasst das Gebiet, das sich zwischen dem Jordan, der Jesreel-Ebene, dem Mittelmeer und Libanongebirge befindet.

Philippus stammt wie Andreas und Petrus aus der Stadt Bethsaida (ü. Jägerhaus; damit dürfte "Fischerhaus" gemeint sein). Drei Apostel stammen also aus dieser Stadt am Nordufer des Sees Genezareth. Damit bekam diese Stadt eigentlich eine große Bedeutung. Doch trotz dieser besonderen Stellung, prophezeite Jesus dieser Stadt schwerste Gerichte Gottes voraus. So sagte er in Mt 11:21-22:

  • 21 Wehe dir, Chorazin! Wehe dir, Betsaida! Denn wenn in Tyrus und Sidon die Wunderwerke geschehen wären, die unter euch geschehen sind, längst hätten sie in Sack und Asche Buße getan. 22 Doch ich sage euch: Tyrus und Sidon wird es erträglicher ergehen am Tag des Gerichts als euch.

Ähnliches sagte Jesus über Kapernaum. Da bezeugte er sogar, dass es dem Sodomer Land im Gericht erträglicher ergehen wird, als der Stadt Kapernaum (Mt 11:24)! Wenn wir an die Bosheit und Verdorbenheit von Sodom erinnert werden, dann erstaunt diese Aussage doch sehr! In Kapernaum herrschte wohl kaum die gleich große Gesetzlosigkeit und sexuelle Abartigkeit wie in Sodom, aber ihre große Schuld bestand vor allem darin, dass sie trotz aller messianischen Zeichen und Wunder, die Jesus tat, nicht an Ihn glauben wollten. Sie haben mit ihren eigenen Augen gesehen, was Jesus tat, aber sie wollten nicht umkehren und Jesus als Messias annehmen. Diese bewusste Ablehnung hat ein schwerwiegenderes Gericht zur Folge, als die große Gesetzlosigkeit eines Volkes, das nicht weiß, wer der allmächtige Gott oder wer der Messias ist. Aus der Stadt, die so viel Schuld auf sich lud, berief Jesus drei Seiner zwölf Apostel! Diese Tatsache ist doch sehr bemerkenswert.

Philippus wird zuerst von Jesus gefunden und anschließend "findet" Philippus den Nathanael. Als einer, der von Jesus gefunden wurde, findet er einen anderen und bezeugt:

  • "Wir haben [den] gefunden, von dem Mose im Gesetz und die Propheten geschrieben haben: Jesus, Josefs Sohn, von Nazareth!" (Joh 1:45)

Jeder gläubige Christ wurde letztendlich von Jesus gefunden! Daraufhin ist es dem "Gefundenen" ein großes Bedürfnis andere Menschen zu suchen und zu finden. Philippus war von seiner ersten Begegnung mit Jesus so sehr bewegt und ergriffen, so dass er gar nicht anders konnte, als das Erlebte jemandem weiterzugeben. Seine subjektive Wahrnehmung war dann: "Wir haben den 'gefunden', ...". Obwohl Jesus uns gefunden hat, sieht es aus unserer Sicht so aus, wie wenn wir Ihn gefunden hätten. In einem gewissen Sinne ist das ja auch richtig! Es gibt nichts Schöneres, als wenn wir Jesus gefunden haben; aber wir können ihn nur finden, wenn Er uns zuvor gefunden hat.

Wir haben gesehen: Als Philippus dem Nathanael von Jesus erzählte, wies er auf die Bibel hin! Wir wissen nicht, was Philippus vor dieser Begebenheit, mit Jesus schon erleben durfte. Hier wird diese eine Begegnung mit Jesus beschrieben, in der Jesus den Philippus in Seine Nachfolge berief. Aufgrund Seiner Erlebnisse mit Jesus, hatte er die tiefe Gewissheit, dass es sich bei Jesus um denjenigen handelt, den Mose und die Propheten verheißen hatten. Da stellt sich natürlich die Frage: Was gab ihm diese Gewissheit? Wohl kaum die Aufforderung, Jesus nachzufolgen! Auch Seine Herkunft aus Nazareth, sprach nicht für den Messias und König Israels. Die Aussage aus Joh 2:11 legt auch nahe, dass Philippus bis zu diesem Zeitpunkt, noch kaum größere Wunder Jesu gesehen hatte. Deshalb gehe ich davon aus, dass der Heilige Geist dem Philippus diese tiefe Gewissheit in sein Herz gab.

Das Zusammenspiel zwischen dem Heiligen Geist und dem menschlichen Herzen ist eines der ganz großen Geheimnisse unserer Existenz. Ohne das Einwirken des Heiligen Geistes kann kein Herz die Realität Gottes und Seinen Sohn erkennen. Da der Heilige Geist aber so zart und sanft wie eine Taube ist, drängt Er sich auch keinem Herzen auf, das der Selbstverwirklichung eine höhere Priorität einräumt als dem Finden der Wahrheit. Für die Pharisäer und Schriftgelehrten war ihre Stellung und ihr Ansehen in der Gesellschaft wichtiger als das Finden der Wahrheit Gottes! Hinzu kam, dass sie durch ihre Schriftkenntnisse davon überzeugt waren, die Wahrheit bereits gefunden zu haben. Menschliche Herzen, deren oberstes Motiv die Ehre, der Genuss, die Macht oder die eigene Selbstverwirklichung ist, werden die Wahrheit praktisch immer irgendwie verdrängen! Warum? Weil die göttliche Wahrheit, dass wir Menschen ohne Gott verlorene Sünder sind, ihrer Lebenseinstellung diametral entgegensteht. Die Motive ihres Herzens lassen sich auch nicht mit echter Demut vereinbaren, weshalb sie sich selbst den Zugang zur göttlichen Gnade verbauen. Darum spielt das Herz, das die innersten Motive des Denkens beinhaltet, im Leben eines Menschen eine ganz entscheidende Rolle. Deshalb lesen wir in Spr 4:23:

  • Behüte dein Herz mehr als alles, was zu bewahren ist; denn von ihm aus sind die Ausgänge des Lebens. –

Die Motive unseres Herzens beinhalten unseren Verantwortungsbereich! Auch das wird aus den Sprüchen ersichtlich:

  • Beim Menschen sind die Überlegungen des Herzens, aber vom HERRN [kommt] die Antwort der Zunge (Spr 16:1).

Diese Aussage macht gleich mehrere Dinge deutlich:

1. Die Überlegungen des Herzens und somit auch die innersten Beweggründe, beinhalten den Verantwortungsbereich des Menschen.

Wir Menschen sollten uns immer wieder einmal fragen, was unser oberstes Ziel ist und welche Bedeutung dieses Ziel auf unserem Sterbebett noch hat?

2. Dieser Vers sagt aber auch, dass jedes gesprochene Wort, nur durch eine Zulassung und Genehmigung Gottes zustande kam, weil Er bei allem was geschieht, immer Seine guten Ziele verfolgt.

Ganz egal, ob 10 Männer aus Hass und Eifersucht ihren Bruder Joseph als Sklave verkaufen oder ob die Menschen aus Hass den Sohn Gottes kreuzigen; Gott macht immer das Beste daraus (1Mo 50:20 / 1Kor 2:7-8)!

Das Herz des Philippus war bereit und der Heilige Geist offenbarte ihm, dass dieser einfache Mann aus Nazareth derjenige ist, von dem das ganze AT sprach! Ihm wurde also bewusst, dass Jesus nicht irgendein Prophet ist, der auch einige Wunder vollbringen kann – wie das z. B. bei Elisa der Fall war – sondern er hatte die Gewissheit, dass der Bauhandwerkersohn aus Nazareth der Gesalbte Gottes ist! Das widersprach jeglicher menschlichen Vorstellung vom Messias und dem großen König Israels! Darum sollte es uns auch nicht wundern, dass Nathanael sagte:

  • "Kann aus Nazareth etwas Gutes kommen?" (Joh 1:46)

Nazareth war damals nur ein kleines unbedeutendes Dorf und die Leute wussten von keiner Prophezeiung, wonach der Messias aus Nazareth stammen könnte. Im AT gibt es einen sehr versteckten Hinweis darauf; aber den kannte vmtl. damals niemand. In Mt 2:21-23 lesen wir folgende Aussage:

  • Josef ... mit Maria und dem Kind ... kam und wohnte in einer Stadt, genannt Nazareth; damit erfüllt wurde, was durch die Propheten geredet ist: »Er wird Nazoräer genannt werden.«

Heinz Schumacher schreibt dazu:

"Nazoräer ist gleichbedeutend mit Nazarener: Mk 1:24 - Mk 10:47 - Mk 14:67 - Mk 16:6 - Lk 4:34 - Lk 24:19. - Wieso spricht aber hier Mt. von erfüllter Prophetie? Er mag an Stellen wie Jes 11:1 gedacht haben, wo Jesus prophetisch "Spross“ (nezer) aus dem Hause Isais genannt wird."

Man kann also sagen; der alttestamentliche Hinweis, dass der Messias aus Nazareth kommen würde, war sehr verborgen. Die Schriftgelehrten wussten, dass der König Israels aus Bethlehem stammen musste (Mt 2:6); aber Nazareth war damals für alle eigentlich ohne Bedeutung! Die hebr. Wortverwandtschaft zu "nezer" ist aber auch sehr aufschlussreich:

  1. Der Begriff hängt mit dem Wort "nazir" bzw. Nasiräer zusammen und zeigt, dass es sich hier um einen "Geweihten" Gottes handelt. Vielleicht werden wir auch an das Nasiräer-Gelübde aus 4Mo 6:18ff erinnert. Simson, zum Beispiel, war von Geburt an ein "Nazir Gottes" (Ri 13:5).
  2. "Nazir" kann auch mit "Fürst" übersetzt werden.

Abschliessend könnte man fast sagen, dass der Messias zwar in Bethlehem geboren wurde; Gott dies aber, vor der Mehrheit des Volkes, ganz bewusst verborgen hat. Der offizielle Heimatort Nazareth, war für die meisten ein Hinweis darauf, dass Jesus nicht der Messias sein konnte. Aber aus dem Namen Nazareth geht hervor, dass Jesus aus dem "Spross" Isais stammt, dass Er ein "Geweihter" und "Fürst" Gottes ist.

Zurück zum Text: Philippus versucht gar nicht, Nathanael mit theologischen Argumenten davon zu überzeugen, dass Jesus derjenige ist, den Mose und das Gesetz prophezeit hat, sondern sagt ganz einfach:

  • "Komm und sieh!"

Die wenigsten Menschen erkennen Jesus als den Messias aufgrund einer theologischen Argumentation. Die meisten sehen Jesus dann als Messias, wenn sie zu Ihm "kommen" und Ihn "anschauen"! Menschen, die ihr Herz Jesus öffnen, zu Ihm kommen, sich Ihm anvertrauen und Sein göttliches Wesen kennenlernen, indem sie Sein Handeln und Seine Aussagen studieren, erkennen Jesus als ihren Retter und Erlöser! Evangelisten sagen u. a. auch:

"Komm und sieh! Schau dir Jesus an, vergleiche Ihn mit allen anderen Menschen, schau Seine bedingungslose Liebe, Seine Sanftmut und Güte an; erkenne, dass Er der Einzige ist, der deine Schuld vor Gott weggenommen hat, Der dir vergeben und dich mit Seiner göttlichen Gerechtigkeit beschenkt hat!"

Das ist unser Auftrag! Paulus benutzt dazu andere Worte. Ich zitiere aus 2Kor 5:20 und lese aus der NGÜ:

  • "Deshalb treten wir im Auftrag von Christus als seine Gesandten auf; Gott selbst ist es, der die Menschen durch uns ´zur Umkehr` ruft. Wir bitten im Namen von Christus: Nehmt die Versöhnung an, die Gott euch anbietet!"

Das Nächste was passiert, ist doch sehr erstaunlich: Jesus sah den Nathanael auf sich zukommen; da sagt er über ihn:

  • "Sieh, wahrhaftig ein Israelit, in dem keine Falschheit ist!" (Joh 1:47)

Dieser Jesus, der zu den Menschen auch sagte, "... ihr, die ihr böse seid, ..." (Mt 7:11), bezeichnet Nathanael als einen wahrhaftigen Israeliten, in dem keine Falschheit ist! Was bedeutet das Urteil Jesu? Heinz Schumacher schreibt als Kommentar dazu:

"(Das ist) wirklich ein Israelit ohne List und Trug und Tücke (so wie Gott Israel sehen will, aufrichtig und gerecht und geraden Herzens)!"

Fehlerhafte und sündige Menschen können trotzdem wahrhaftig und ehrlich sein! Gott wünscht sich von uns Menschen keine Fehlerlosigkeit – weil das im jetzigen Zustand gar nicht möglich ist – aber Er wünscht sich Aufrichtigkeit! Letztlich ist das nur mit Demut möglich, denn die Aufrichtigkeit bedeutet auch das Eingestehen der eigenen Sündhaftigkeit und Unvollkommenheit! Hochmütige Menschen können nie ganz ehrlich sein, weil sie sich immer besser darstellen müssen, als sie wirklich sind! Nathanael (ü. Gott gibt, Gott hat gegeben) dürfte ein aufrichtiger und ehrlicher Israelit gewesen sein, der nichts beschönigte. Wir können davon ausgehen, dass Nathanael bemüht war, nur das zu sagen, was er selbst als wahr anschaute. Dazu gehört auch, dass man nicht über- oder untertreibt! Übertreibung ist Lüge im Sonntagsgewand!

Es ist eine ganz große Herausforderung, nur das weiterzugeben, das man als vertrauenswürdig erkannt hat. Heute sagen wir oft Dinge, die wir vom Hören-Sagen vernommen haben und die unsere eigene Meinung unterstreichen. Ob die Quelle, von der wir etwas vernommen haben, auch wirklich zuverlässig ist, konnten oder wollten wir nicht prüfen. Eigentlich erstaunt es, dass Nathanael nicht zum Apostel berufen wurde. Aufgrund seiner positiven Eigenschaft wäre Nathanael als Apostel doch wesentlich geeigneter gewesen als z. B. ein Judas! Zumindest aus unserer Sicht! Aber wie wir wissen, hatte Gott andere Pläne!

Die Aussage Jesu war so treffend (wie das bei Ihm immer der Fall ist), dass sich Nathanael wunderte und Jesus fragte:

  • "Woher kennst du mich?"

Als Sohn Gottes hätte ich vielleicht gesagt: "Ich kannte dich schon vor Grundlegung der Welt!" Aber Jesus sagte dann einfach:

  • "Noch ehe Philippus dich rief, sah ich dich, wie du unter dem Feigenbaum warst (Joh 1:48)."

Für uns klingt das vielleicht weniger spektakulär. Man könnte meinen, dass Nathanael sich unter einem Feigenbaum aufhielt und sich unbeobachtet fühlte. Jesus ging zufälligerweise vorbei und beobachtete den Nathanael unter dem Feigenbaum. Doch für Nathanael war das viel mehr! Er wusste noch genau, was er unter dem Feigenbaum tat und vor allem, was er an dieser Stelle dachte. Die Wortkombination "unter dem Feigenbaum" hat in der Bibel vor allem die Bedeutung, des "Zur-Ruhe-Kommens" und des "Sich-Ausruhens". Logischerweise macht man sich dann auch viele Gedanken und Menschen des Glaubens nutzen eine solche Zeit auch oft für das Gebet.

Die Bibel verschweigt uns, was Nathanael unter dem Feigenbaum tat; bzw. was er dachte, aber es ist sehr gut möglich, dass er da auch über das Wort Gottes nachdachte, dass er betete, vielleicht seine Sünden bekannte und Gott um Vergebung bat oder dass er darüber nachdachte, wann der in der Bibel verheissene Messias kommen würde. Vielleicht hatte er eine ganz intensive Zeit mit Gott; eine Zeit, die für ihn so beeindruckend war, dass er ganz genau wusste: "Außer Gott, weiß kein Mensch über meine ganz persönliche Zeit mit dem HERRN Bescheid! Auch dann nicht, wenn einer mich unter dem Feigenbaum beobachtete!"

Die Aussage über die Aufrichtigkeit des Nathanael und die Bemerkung über seine Position unter dem Feigenbaum, war auf jeden Fall eine Kombination, die Nathanael überwältigte. Sollte er unter dem Feigenbaum vor Gott ganz ehrlich seine Sünden bekannt und vielleicht auch geweint haben, dann wären die beiden Aussagen Jesu, für ihn einfach nur überwältigend gewesen! Jesus machte ja nur zwei Aussagen:

  1. Er beschreibt 'punktgenau', wer Nathanael war!
  2. Mit dem Hinweis auf eine äußere Begebenheit, bringt Jesus indirekt zum Ausdruck, dass Er genau weiß, was Nathanael da im Innersten bewegte!

Wenn Jesus einen Menschen direkt anspricht, dann wird jeder, der um Ehrlichkeit bemüht ist, sofort wissen, wen er vor sich hat. So erzeugten auch die Worte Jesu bei Nathanael die ganz tiefe Gewissheit:

  • "Rabbi, du bist der Sohn Gottes, du bist [der] König Israels!"

Als Petrus sagte; "Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes!" (Mt 16:16b), antworte ihm Jesus:

  • "Glückselig bist du, Simon, Bar Jona; denn Fleisch und Blut haben es dir nicht offenbart, sondern mein Vater, der in den Himmeln ist."

Ich bin überzeugt, das gilt auch für Nathanael. Durch die Worte Jesu und das Wirken des Heiligen Geistes hat der Vater im Himmel dem Nathanael die Identität Jesu geoffenbart.

Hier sehen wir – wie an etlichen anderen Stellen auch – wie die Aufrichtigkeit (die nur mit Demut gelebt werden kann) und das gnädige Wirken Gottes zu der alles entscheidenden Erkenntnis führen. Bei Nathanael hat sich die Erkenntnis auch mit Glauben verbunden. Er war fest davon überzeugt, den Sohn Gottes vor sich zu haben und es führte auch dazu, dass er ein Schüler Jesu wurde und sich Seiner Führung anvertraute. Jünger Jesu, folgen Jesus nach und das kann nur dann geschehen, wenn man sich Ihm und Seiner Führung anvertraut.

Die Antwort Jesu nimmt noch einmal auf die äußere Begebenheit Bezug:

  • "Glaubst du [deswegen], weil ich dir sagte, dass ich dich unter dem Feigenbaum sah?" (Joh 1:50b)

Möglicherweise signalisiert Jesus hier indirekt Folgendes:

"Ich weiß, dass nicht nur die Feststellung deiner Position unter dem Feigenbaum dich zu diesem Zeugnis bewegte, sondern das, was da in dir abgelaufen ist. Vielleicht willst du mit mir einmal unter vier Augen darüber sprechen!"

Die tiefsten Gedanken Nathanaels waren nicht für die Öffentlichkeit bestimmt, sondern nur für seine intime Beziehung zu Jesus! Dass ich damit nicht an eine sexuelle Intimität denke, sollte jedem klar sein!

Die Begegnung mit Jesus, sein Glaube und sein Zeugnis war erst der Anfang seines Weges mit Jesus! Nathanael wird am Ende dieser Begebenheit etwas ganz Grandioses verheißen:

  • "Amen, amen, ich sage euch: Ihr werdet den Himmel geöffnet sehen und die Engel Gottes hinauf- und herabsteigen [sehen] auf den Menschensohn."

Aber was ist damit gemeint? Im Kommentar von Rudolf Schnackenburg lesen wir:

Von dem auf Erden weilenden „Menschensohn“ gehen die Engel mit Wünschen oder Gebeten zu Gott empor und steigen zu seinem Dienst herab. Unbildlich drückt Jesus den gleichen Gedanken vor dem geöffneten Lazarusgrab aus: „Vater, … ich wusste, dass du mich allezeit hörst“ (Joh 11:42), und im Anschluss daran geschieht das größte Wunder des Johannesevangeliums. Jesus, die Erweckung des Lazarus, bei der der Glaubende „die Herrlichkeit Gottes schauen“ kann (Joh 11:40)."

Das Sehen eines "geöffneten Himmels" ist auf jeden Fall etwas Überwältigendes! Es zeigt die Herrlichkeit Gottes! Wenn wir das erleben, dann sehen wir die unsichtbare Realität und somit auch eine höhere Dimension. Wer einen "geöffneten Himmel" gesehen hat, beurteilt das irdische Geschehen ganz anders! Das irdische Geschehen ist dann nur noch ein vergängliches Schattenspiel! Stephanus sah vor seinem Tod einen geöffneten Himmel. Gerade in ganz notvollen Zeiten schenkt Gott manchmal solche einmaligen Erlebnisse. Alle gläubigen Christen werden das spätestens bei der Entrückung erleben, wenn der HERR Jesus wiederkommt! So schliesse ich mit den Worten aus 1Thes 4:16-17:

  • Denn der Herr selbst wird beim Befehlsruf, bei der Stimme eines Erzengels und bei ⟨dem Schall⟩ der Posaune Gottes herabkommen vom Himmel, und die Toten in Christus werden zuerst auferstehen;
    17 danach werden wir, die Lebenden, die übrig bleiben, zugleich mit ihnen entrückt werden in Wolken dem Herrn entgegen in die Luft; und so werden wir allezeit beim Herrn sein. So ermuntert nun einander mit diesen Worten!


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