Vertraust du oder empörst du dich noch? (Ps 37)

Aus Bibelwissen
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Von Daniel Muhl

Wenn ich den Psalm 37 einmal ganz durchlese, dann habe ich wie so oft den Eindruck, dass David sich selbst und uns allen zusprechen muss! Sowohl das Sichtbare, als auch das Gegenwärtige, beeinflusst unser Denken immer wieder in eine ungute Richtung!
Auf der einen Seite sehnen wir uns nach Frieden und Gerechtigkeit und auf der anderen Seite sehen wir im Alltag, wie unsere Gesellschaft immer respektloser und gleichgültiger wird. Wir beobachten, wie skrupellose und egoistische Menschen immer mehr Macht gewinnen und sich ständig mehr Besitz anhäufen. Wir beobachten, wie die Unverschämtheit und Rücksichtslosigkeit immer mehr salonfähig wird.
Wir gläubigen Christen, die wir z. T. einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn haben, neigen dann dazu, sich darüber zu empören und zu ärgern. Wir beobachten den neuen Kommunikationsstil der Politiker, die Zunahme an Verlogenheit, die Häufung der Fake News und die stärker werdende Respektlosigkeit. Dies alles verängstigt und beunruhigt uns! Gleichzeitig erregt es unseren Zorn und schürt die Empörung! Da das Wort Gottes die Lüge, die Ungerechtigkeit und Lieblosigkeit ganz klar verurteilt, haben wir auch das Gefühl, uns mit Recht über die Bösen zu erzürnen, bzw. zu empören!
David, der ebenfalls mit vielen bösen Menschen konfrontiert wurde, rät davon aber ab! Warum? Ganz einfach: „Es tut uns nicht gut und es verändert uns zum Negativen!“ Warum das so ist, möchte ich weiter unten aufzeigen!

Ein Überblick

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Dieser Psalm beschreibt indirekt den scheinbaren Erfolg des Gottlosen und erinnert dabei auch ein stückweit an Ps 73. David spricht hier die Gerechten und die Gottesfürchtigen an, die in der Gefahr standen, die Bösen zu beneiden, weil sie ungehindert ihren bösen Lebensstil praktizieren konnten und dabei scheinbar auch noch „erfolgreich“ waren. Sie konnten sich Besitz anhäufen und waren vermutlich zum Teil auch Großgrundbesitzer, d. h. sie besaßen „das Land“, währenddem viele Gottesfürchtigen vielleicht nur ein kleines oder gar kein Grundstück besaßen!

Die Gerechten sahen den Segen, der ihnen verheißen war vielleicht nicht, und gleichzeitig sahen sie, wie die Gottlosen ein materiell gesegnetes Leben führten, obwohl ihnen eigentlich ein „Fluch“ prophezeit war! Sowohl der verheißene Segen, als auch der prophezeite Fluch, ließ vorderhand auf sich warten! Warum? Weil Gott sich wünscht, dass wir Ihm vertrauen und an Sein Wort glauben, auch wenn wir es noch nicht sehen können!
David prophezeit den Untergang der Bösen und einen kommenden Segen für die Gerechten! David verheißt durch den Heiligen Geist, dass die Bedrängten, die Elenden und die Gedemütigten das Land erben werden; und das mehrfach (Vers 9, 11, 22, 29 und 34). Wer wird da nicht an die Seligpreisungen Jesu in Mt 5:5 erinnert? Ich kann mir fast nicht vorstellen, dass Jesus während Seiner Predigt in Mt 5 nicht auch an Ps 37 gedacht hat. Der Unterdrückte sieht, wie der Böse das Land an sich reißt und in dieser Situation braucht es viel Gottvertrauen, dass gerade die Unterdrückten und Gedemütigten künftig einmal das Land erben werden.
Diesen Psalm könnte man in 4 Abschnitte aufteilen, wobei so eine Aufteilung oft auch mit dem persönlichen Empfinden zusammenhängt, da sich etliche Bibeltexte nicht so eindeutig in ganz klare Abschnitte aufteilen lassen:

  1. Verse 1-8: Ratschläge Davids: Empöre dich nicht über den Bösen, sondern vertraue auf den Herrn und habe deine Lust an Ihm! 
  2. Verse 9-22: Die Eigenschaften und die Wege der Gottlosen und Gerechten. Die prophezeiten Auswirkungen von Gottlosigkeit und Gerechtigkeit. 
  3. Verse 23-29: Die Segnungen Gottes für die Gerechten! 
  4. Verse 30-40: Was der Gerechte, der Gottlose und der HERR tut. 

Die Ratschläge Davids

Entrüste dich nicht

  • ELB Ps 37:1-8 - [Von David.] Entrüste dich nicht über die Übeltäter, beneide nicht die, welche Böses tun! 2 Denn wie das Gras werden sie schnell verdorren und wie das grüne Kraut verwelken. 3 Vertraue auf den HERRN und tue Gutes; wohne im Land und hüte Treue; 4 und habe deine Lust am HERRN, so wird er dir geben, was dein Herz begehrt. 5 Befiehl dem HERRN deinen Weg und vertraue auf ihn, so wird er handeln 6 und wird deine Gerechtigkeit aufgehen lassen wie das Licht und dein Recht wie den Mittag. 7 Sei still dem HERRN und harre auf ihn! Entrüste dich nicht über den, dessen Weg gelingt, über den Mann, der böse Pläne ausführt! 8 Lass’ ab vom Zorn und lass’ den Grimm! Entrüste dich nicht! [Es führt] nur zum Bösen.

Wenn wir die Nachrichten hören und auch miterleben, was in unserem Umfeld tagtäglich geschieht, dann sind wir sehr schnell entrüstet und empört. Das Unrecht, das überhandnimmt, lässt uns dann auch hitzige Debatten führen. In solchen Situationen rät uns David aber: „Entrüste (w. erhitze) dich nicht über die Übeltäter, beneide nicht die, welche Böses tun (Ps 37:1)!“ Statt der Empörung Raum zu geben und uns selbst zu „erhitzen“, dürfen wir uns mit etwas viel Erbaulicherem beschäftigen, zumal die Übeltäter so schnell vergehen, wie das Gras verdorrt! „Entrüste“ könnte man wörtlich auch mit „erhitze“ oder „entbrenne“ übersetzen. Unrecht verursacht nicht selten einen „feurigen Zorn“ und das Bedürfnis nach Rache. Unser Zorn verursacht in den allermeisten Fällen ein Fehlverhalten! So lesen wir in:

  • Spr 29:22 - Ein zorniger Mann erregt Streit, und ein Hitziger ist reich an Vergehen.

Auch Jakobus schreibt:

  • Jak 1:20 - Denn eines Mannes Zorn wirkt nicht Gottes Gerechtigkeit.

In gewissen Fällen mag unser Zorn eine gewisse Berechtigung haben. So kann es geschehen, dass Eltern über das Verhalten ihrer Kinder zornig werden, wenn sie eine ganz üble Sache veranstaltet haben. Auch wenn im eigenen Verantwortungsbereich nachweislich eine ganz böse Sache geschehen ist, bei der sich die Täter im Anschluss uneinsichtig zeigen. Wenn z. B. ein reicher Bruder in der Gemeinde, einer armen Witwe nachweislich noch das „letzte Hemd vom Leib reisst“, dann hat der Zorn eines Gemeindeleiters durchaus seine Berechtigung. Denken wir z. B. auch an Neh 5:6. Bei alledem ist aber die Anweisung des Apostels Paulus in besonderer Weise zu beachten:

  • Eph 4:26b - Die Sonne gehe nicht unter über eurem Zorn

In allen anderen Fällen sollten wir unseren Zorn zurückhalten und wir müssen uns auch nicht über die Bösen empören, die nicht in unserem Verantwortungsbereich agieren. Wenn wir uns über die Weltpolitik empören und erhitzen, dann haben wir die falsche Blickrichtung! Wir neigen dann zur Verurteilung von Menschen, die wir nicht einmal persönlich kennen und vergessen plötzlich, dass Paulus uns - auch für den genannten Fall - ermahnte:

  • 1Kor 4:5 - So verurteilt nichts vor der Zeit, bis der Herr kommt, ...

Auch neigen wir dann zur Selbstgefälligkeit, die immer im Hochmut endet! Die „Rache“ steht uns sowieso nicht zu! Die Rache gab es zwar im Volk Israel und auch die Obrigkeit hat die Vollmacht zu bestrafen, aber für einen Christen gilt ein ganz klares Racheverbot:

  • Röm 12:19b - "Mein ist die Rache; ich will vergelten, spricht der Herr."

Für uns gilt vielmehr:

  • Lk 6:27b-28 - Liebt eure Feinde; tut wohl denen, die euch hassen; 28 segnet, die euch fluchen; betet für die, die euch beleidigen!

Vertraue auf den Herrn

  • Ps 37:3 - Vertraue auf den HERRN (w. sichere dich in Jahweh) und tue Gutes; wohne im Land und hüte Treue

Ohne das Vertrauen auf den HERRN kann man zwar gute Dinge tun; aber aus der Sicht Gottes sind sie nicht wirklich gut, weil sie ohne eine Liebesbeziehung zum alles regierenden König getan werden. Ein Geigenspieler kann zwar sehr talentiert sein, aber wenn er innerhalb eines Orchesters nicht auf den Dirigenten Acht gibt, dann kann im Konzert sehr schnell eine Disharmonie entstehen und die Zuhörer empfinden diesen Geigenspieler alles andere als begabt. Wenn ich mich im Herrn sichere, dann suche ich meine Sicherheit in Ihm und nicht bei Menschen, Versicherungen oder anderen Vorkehrungen. Wer sich im Herrn sichert, der vertraut auch automatisch auf Ihn! Das Vertrauen auf den Herrn ist auch deshalb so wichtig, weil dem Glaubenden dadurch bewusst wird, dass das Gute nur dann wirklich gelingen kann, wenn der HERR dazu Seinen Segen schenkt. Oft erkennen wir zwar, was in einer Angelegenheit gut wäre, aber gleichzeitig melden sich in uns auch viele Bedenken. Da kommen z. B. Fragen wie: „Haben wir wirklich die Kraft das Gute zu tun oder laufen wir nicht Gefahr, dass unsere Aktionen misslingen?“ Wenn wir z. B. den Flüchtlingen helfen wollen, dann merken wir sehr schnell, wie viel Vertrauen auf den Herrn es braucht, damit diese Hilfe auch gelingen kann und wir uns nicht umsonst bemühen. Zuerst müssen wir auf den HERRN vertrauen, mit Ihm im Gebet verbunden sein und dann können wir auch das Gute tun, weil wir nur so in den von Gott bereiteten Werken wandeln können (Eph 2:10). In dieser Grundhaltung ist dann auch die Treue gefragt. Es geht nicht darum, ganz unverbindlich Gutes zu tun, sondern auch aus einer Treue heraus. Auch da realisieren wir sehr schnell, dass dies nur mit einem großen Gottvertrauen möglich ist.

Die Lust am Herrn

Der Vers 4 ist auch etwas ganz Besonderes:

  • Ps 37:4 - ... und habe deine Lust (o. Behagen, Vergnügen, spezielle Freude) am HERRN, so wird er dir geben, was dein Herz begehrt (o. erfragt, erbittet).

Viele Menschen können sich nicht wirklich vorstellen, wie man seine Lust am HERRN haben kann. Nicht wenige Menschen empfinden das Gebet, die Bibellese und das 'Stille-werden' vor Gott als eine Pflichtübung, die keinen Spaß macht und deshalb empfindet man in Bezug auf Gott auch keine Lust. Wir haben dann auf etwas Lust, wenn wir es begehren, es genießen und uns daran erfreuen können. Für mich ist das Gebet und die stille Zeit vor Gott oft auch mit viel Kampf verbunden und den begehre ich nicht unbedingt! Und weil ich diesen Kampf nicht begehre, fehlt es manchmal auch an der „Lust am HERRN“.
Darum stellt sich natürlich die entscheidende Frage: „Wie komme ich soweit, dass der HERR zum Inhalt meines Vergnügens wird? Wie kann es geschehen, dass das Gebet kein Pflichtprogramm mehr ist, das täglich abgespult werden muss, damit man einen ‚gnädigen Gott’ bekommt?“
An diesen Punkt möchte ich eine Zwischenfrage stellen: „Kann ich die Liebe Gottes zu mir vergrößern, indem ich Ihm gegenüber ‚meine Pflicht’ erfülle? Wird Gott in Seinem ureigenen Wesen gnädiger, wenn ich Ihm gehorsamer bin?“ Kein Mensch ist in der Lage - mit irgendeiner Aktion - die Liebe Gottes zu vergrößern! Auch die Gnade Gottes, die für mich ein Ausfluss der Liebe Gottes ist, können wir nicht vergrößern! Allerdings wird die Gnade Gottes bei den Menschen zu unterschiedlichen Zeitpunkten aktiv. Die Gnade Gottes wird dann aktiv, wenn das geschieht, was wir an drei Stellen lesen:

  • Spr 3:34 - Den Spöttern gegenüber spottet er, den Demütigen (o. Gedemütigten) aber gibt er Gnade.
  • Jak 4:6b - "Gott widersteht den Hochmütigen, den Demütigen (w. Niedrigen) aber gibt er Gnade."
  • 1Petr 5:5 - Ebenso ihr Jüngeren, ordnet euch den Ältesten unter! Alle aber umkleidet euch mit Demut (w. Niedrigkeitsgesamtgesinnung) im Umgang miteinander! Denn "Gott widersteht den Hochmütigen, den Demütigen (w. Niedrigen) aber gibt er Gnade".

Aus diesen Stellen wird deutlich, dass die Gnade Gottes nach erfolgter Demütigung und der daraus entstandenen Demut aktiviert wird, bzw. erfahrbar wird. Erst wenn eine Niedrigkeitsgesinnung entstanden ist, wie sie in Phil 2:3-5 beschrieben wird, erlebt man die wunderbare Gnade Gottes, obwohl sie vorher schon absolut vorhanden war!
Durch diesen Prozess erfährt ein Mensch die Liebe Gottes ganz persönlich und diese Liebeserfahrung lässt ihn so sehr über die Herrlichkeit Gottes staunen, dass alle anderen und begehrenswerten Lustobjekte verblassen. Seine einmalige Liebe, Gnade und Barmherzigkeit erfreut mich immer wieder von Neuem so sehr, dass die Lust am HERRN ständig zunimmt. Dabei mache ich gleichzeitig die wunderbare Erfahrung, dass die irdischen Lüste immer mehr an Reiz verlieren. Vieles, was ich vor 20 Jahren noch begehrte, begehre ich heute nicht mehr. Da kann es dann passieren, dass ich einen Gebetsabend mit meinen Geschwistern mehr begehre, als das Anschauen eines spannenden Filmes. Durch die Lust am Herrn – die auch durch ein Sich-behaglich-fühlen im Herrn zum Ausdruck kommt – will ich auch immer mehr das, was der Herr will und sobald ich das will, was der HERR will, habe ich mich mit Seinem Willen eins gemacht, so dass ich auch immer mehr die Erfüllung dieser Verheißung erleben darf: „ ... so wird er dir geben, was dein Herz begehrt“.
Allerdings unterliegt der Zeitpunkt der Erfüllung meines Begehrens der Souveränität Gottes! Abraham erwartete die Stadt, die Grundlagen hat, deren Baumeister und Schöpfer Gott ist (Hebr 11:10). Aus dieser Stelle kann man durchaus auch ableiten, dass Abraham den Aufenthalt in dieser Stadt begehrte! Auch wir begehren die Erlösung unseres Leibes und den Einzug in die himmlische Heimat; aber Gott allein, hat den Zeitpunkt festgelegt, wann die Erfüllung dieses Begehrens zustandekommt!

Befiehl dem Herrn deine Wege

David empfiehlt weiter:

  • Ps 37:5 - Befiehl dem (w. wälze auf den) HERRN deinen Weg und vertraue auf ihn, so wird er handeln.

Oft sehen wir einen vor uns liegenden Weg, den wir kaum zu betreten wagen, weil er so viele 'spitzige Steine' und andere Hindernisse aufweist. Dieser Weg erzeugt in uns normalerweise eine Menge Sorgen. Er scheint uns unsagbar schwer. Wenn ich eine Last auf jemand anderen abwälze, dann muss ich sie selbst nicht mehr tragen und fühle mich entsprechend leichter. Das „Abwälzen“ kann man aber nur dann, wenn man sich dazu entschieden hat. Wälzen wir doch die Last unseres Weges auf die Schultern des Herrn und lassen wir sie da liegen! Wie oft versuchen wir die Last bei Ihm abzulegen, um sie im Anschluss gleich wieder auf uns zu nehmen. Haben wir unseren Weg auf den HERRN gewälzt, dürfen wir wieder erneut am Vertrauen auf den HERRN festhalten und darum fährt David fort „und vertraue auf ihn, so wird er handeln!“
Ja, unser HERR Jesus Christus wird zu Seiner Zeit handeln. Manchmal wird es später sein, als wir hoffen, aber dann gilt: „Sei still dem HERRN und harre auf ihn (Ps 37:7)!“

Verheißung der Gerechtigkeit und des Rechtes

Wenn wir die nachfolgende Verheißung lesen, dann sind wir vielleicht etwas erstaunt:

  • Ps 37:6 - ... und wird deine Gerechtigkeit aufgehen lassen wie das Licht und dein Recht wie den Mittag.

Wenn ich auf den Herrn meinen Weg wälze und Ihm vertraue, erhalte ich eine Verheißung, die geradezu unglaublich ist! „Meine Gerechtigkeit“ und „mein Recht“ wird aufgehen wie der Mittag!
Die Bibel sagt uns aber auch:

  • „Keiner ist gerecht, auch nicht einer (Röm 3:10)!“

und

  • „ ... indem ich nicht meine Gerechtigkeit habe, die aus dem Gesetz ist, ... “. (Phil 3:9b)

So geht es auch in Ps 37 nicht um die „eigene Gerechtigkeit, die aus dem Gesetz ist“, sondern um die Gerechtigkeit, die durch den Glauben Christi entstanden ist (Phil 3:9).
„Meine Gerechtigkeit“, ist die mir geschenkte Gerechtigkeit Jesu Christi! Weil Er sie mir durch den Glauben schenkt, gehört sie jetzt mir! Diese Gerechtigkeit geht auf wie „die Sonne am Morgen“. Für uns ist das Licht des Tages nicht so etwas Besonderes, weil wir uns schon daran gewöhnt haben. Aber stellen wir uns einmal vor, wir hätten unser ganzes Leben immer nur in der Nacht verbracht und wir würden das allererste Mal in unserem Leben sehen, wie die Sonne aufgeht. Das wäre ein total überwältigendes Ereignis, ja, ein atemberaubendes Erlebnis. Wir kämen aus dem Staunen nicht mehr heraus.
So ähnlich wird es sein, wenn wir den Herrn Jesus zum ersten Mal - von Angesicht zu Angesicht - sehen werden. Das wird absolut berauschend sein! Gleichzeitig wird dann, die uns geschenkte Gerechtigkeit, wie die Sonne aufgehen und erstrahlen.
Das gleiche gilt auch für unser Recht! Unser Recht kommt hervor wie der Mittag! Plötzlich erfahren wir ein wunderbares Recht, nachdem wir so viel Unrecht erleben mussten.
Das hebr. Wort „mischpath“ kann man wörtlich auch mit „Richtigung“ übersetzen. Dieses Wort wird nicht nur mit „Recht“, sondern auch mit „Gericht“ wiedergegeben! Durch Gericht kommt es zu einer Wiederherstellung des Rechts. Es findet eine „Richtigstellung“, beziehungsweise „Richtigung“ statt.
Wenn durch mein Vertrauen auf Gott, mein Recht wiederhergestellt wird, dann bedeutet das auch, dass ich zuvor unter Unrecht gelitten habe. David erlitt durch Saul und viele andere, sehr viel Unrecht, und das über Jahrzehnte. In dieser schweren Zeit vertraute David seinem Gott und als David König über ganz Israel wurde, hatte Gott sein Recht hergestellt. Diese Begebenheit ist auch ein Bild für die Wiederherstellung des Rechts.

Sei Stille zum Herrn

Das Stille-werden zum Herrn beinhaltet ein Schweigen, bei dem es nicht nur darum geht, nichts mehr zu sagen, sondern auch darum, das eigene geschäftige Denken zu beenden. Normalerweise denken wir fast ununterbrochen an das, was wir noch tun sollten und wie wir es tun, damit wir den „gewünschten Zustand“ erreichen. Wenn wir dann in diesem geschäftigen Denken drin sind, überlegen wir uns kaum oder gar nicht, ob der „angestrebte Zustand“ wirklich auch eine Erfüllung beinhaltet. In den allermeisten Fällen stillt der „gewünschte Zustand“ nicht die tiefste Sehnsucht des Herzens.
Wie viele Menschen wünschen sich materiellen Reichtum und erkennen dabei nicht, dass dadurch das innerste Vakuum nicht ausgefüllt wird!
Wie Viele gibt es, die sich großen Erfolg und Ansehen wünschen und trotzdem nicht verstehen, dass diese Dinge den Selbstwert nur vorübergehend erheben. Jeder Selbstwert, der sich über Erfolg und weltliches Ansehen definiert, verwelkt wie die Blume des Feldes! Das schreibt schon Jakobus:

  • Jak 1:9-10 - Der niedrige Bruder aber rühme sich seiner, 10 der reiche aber seiner Niedrigkeit; denn wie des Grases Blume wird er vergehen.

Wie viele Menschen wünschen sich endlose Vergnügungen und immerwährender Genuss und begreifen nicht, dass das alles mit der Zeit totlangweilig wird.
Darum ist es so wichtig, dass wir uns ganz grundsätzlich fragen, ob der von uns gewünschte und erstrebte Zustand auch tatsächlich die Erfüllung bringt? Am besten finden wir das heraus, wenn wir „stille zu Gott“ werden! Aber vielfach fällt es uns schwer, das eigene geschäftige Denken abzuschalten. Wie können wir das? Wie können wir so etwas überhaupt erlernen, wenn unser Denken bis dato nur zweckgebunden war? Aus dem zweckgebundenen Denken kommen wir nur dann heraus, wenn wir uns in der Anbetung Gottes üben. Wer anbetet, schaut nur auf Gott und auf Sein wunderbares Wirken. Bei der Anbetung beschäftigt man sich ausschließlich mit dem Wesen und dem Denken des allmächtigen Gottes, der auch die Liebe in Person ist. Durch die Anbetung wird unser Denken göttlich geeicht. Erst dann sind wir in der Lage, zu beurteilen, ob unser gewünschter Zustand auch tatsächlich eine bleibende Erfüllung bringt. Die Anbetung lässt unser geschäftiges Denken zur Ruhe kommen, so dass wir wirklich still zu Gott werden. Letztlich führt die 'Stille zu Gott', zu einer bleibenden Erfüllung und zu einer Stillung unserer innersten „Herzens-Sehnsucht“.
Auch in Vers 7 ermahnt David wieder dazu, sich nicht über den zu entrüsten, der (böse) Pläne ausführen kann. Die erfolgreichen und selbstverliebten Egoisten, denen so viel Unternehmungen gelingen, verursachen in uns immer wieder einen nicht geringen Zorn (w. Entbrennen). Das sollten wir auch deshalb nicht tun, weil es uns selbst nicht gut tut und weil wir noch nicht in der Lage sind, die Personen richtig zu beurteilen. Wir müssen uns immer wieder daran erinnern, dass wir nicht vor Seiner Zeit richten sollen (1Kor 4:4) und dass die Rache allein Gottes Sache ist (Hebr 10:30).
Wenn wir uns über die Bösen entrüsten, werden wir anfällig auf Bitterkeit und Hass, so dass wir dann leicht in die Sünde fallen. Darum schreibt David am Ende von Vers 8, dass dies nur zum Bösen führen wird.

Weiter zu:

📕 1. Vertraust du oder empörst du dich noch? (V. 1-8)
📕 2. Die Eigenschaften und Wege der Gottlosen und Gerechten (V. 9-22)
📕 3. Die Segnungen Gottes (V. 23-29) 
📕 4. Was der Gerechte, der Gottlose und der HERR tut (V. 30-40)


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