Gott reagiert auf Israels Ungehorsam mit Gericht und Erbarmen - Jes 30:15-26

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aus HSA: Verkündiger von Gericht und Heil nach Jesaja (1-39) Bd.1


Gott reagiert auf Israels Ungehorsam mit Gericht und Erbarmen - Jes 30:15-26

Israel - speziell Jerusalem - befindet sich auf einem falschen Weg. Es wird zu Umkehr und Buße aufgefordert (Jes 30:15)- Was für eine falsche Unruhe gab es denn damals? - Ausleger sprechen von "Selbsthilfe, Selbstwirken, vielgeschäftigem Sorgen, stürmischem Drängen" (Delitzsch), von "kostspieliger Kriegsbereitschaft" und "mangelndem Vertrauen auf Jahwe" (Knautzsch); es gehe um eine neue "Hinwendung zu Jahwe", statt "nervös nach Ägypten zu laufen und dort um Unterstützung zu betteln" (Wildberger). Wer so "herumrennt" und auf Menschen statt auf den Herrn vertraut, wird erleben müssen, dass seine "Verfolger rennen", d.h. dass er im Krieg eine bittere Niederlage erleidet.

Auch Christen hat er Vers Jes 30:15 mit seiner Aufforderung zu Umkehr und Ruhe, Stillsein und Vertrauen viel zu sagen. Neigen nicht auch wir in schwierigen Situationen zur Selbsthilfe, zum Vertrauen auf die eigenen Möglichkeiten (die man so leicht überschätzt), zu nervösem Herumrennen? - Mit der Ruhe und dem Stillsein ist allerdings kein passives Abwarten gemeint, kein: "Bitte Ruhe bewahren - nur keine Panik!" Vertrauen auf den Herrn ist Aktivität des Glaubens, ist bewusste Abkehr von falschem Selbstvertrauen, ist Beten, Warten, Ausschau halten, Wachsamsein, und es verleiht innere Stärke.

Schon früher hatte Jesaja sein Volk immer wieder zum Vertrauen auf Jahwe aufgerufen, doch man hörte nicht auf ihn. "Aber ihr habt nicht gewollt!" Das ist ein schwerwiegender Vorwurf. Hören oder Nichthören, Gehorsam oder Ungehorsam entscheidet über den weiteren Verlauf der Dinge. Unser Verhalten kann zwar Gottes Wesen nicht beeinflussen und an seiner Zielsetzung nichts ändern. Doch es entscheidet darüber, ob wir unter Gottes Wohlgefallen stehen oder unter seiner Zucht, ob die Gnade freie Bahn hat oder Gericht kommen muss.

Wir finden in den Versen Jes 30:15-18 Folgendes: ein freundliches Angebot des Herrn - das "Nein" des Geschöpfes, -,drohendes Gericht - neue Gnade. das Gericht ist nicht das Letzte. Jahwe wartet darauf, wieder gnädig sein zu können. Er wird aufstehen, sich erheben, um sich zu erbarmen (Jes 30:18). - Man hat zwar Jes 30:18 auch schon in dem Sinne übersetzt und verstanden: "Und deshalb wird Jahwe damit zögern euch gnädig zu sein, und deshalb wird er sich (in die Höhe) zurückziehen, bis er euch begnadigt." Doch auch bei diesem Verständnis haben Gnade und Erbarmen das letzte Wort.

Eine wichtige Parallele zu Jes 30:15-18 sind die Worte Jesu, an Jerusalem gerichtet, in Mt 23:37.39. Auch hier ist die Reihenfolge die: ein freundliches Angebot der Liebe Jesu - das Nein Israels ("Ihr habt nicht gewollt") und der zweiteiligen Abwendung Jesu (er zieht sich in den Himmel zurück) - dann aber eine neue, Heil bringende Begegnung Jesu mit Israel. Nicht Gericht ist das Letzte in der Geschichte Gottes mit Israels, sondern Gnade (vgl. Mt 24:30 - Röm 11:25-27).

Dies bestätigt in unserm Abschnitt Jes 30:18b mit den Worten: "Ein Gott gerechten Gerichts ist Jahwe - glückselig alle, die auf ihn warten!" wäre sein Gericht nur ein Zerschlagen ohne Zweck und Ziel und Ende, so wären die auf ihn Wartenden nicht glückselig zu nennen, sie würden vielmehr bitter enttäuscht werden! Aber weil der "Gott des Gerichts" zugleich der "Gott aller Gnade" ist (1Petr 5:10), darum lohnt sich das Warten und Harren und Vertrauen sogar dann, wenn Gericht kommt.

Eine Auslegung von Jes 30:26 fällt schwer. Manche Ausleger greifen dann zur Methode der Vergeistigung, und so hat man etwa erklärt, es seien die Lehrer der Kirche gemeint, deren Licht siebenmal heller erstrahlen werde. Das wäre ja sicher nicht schlecht, aber daran kann Jesaja nicht gedacht haben. - Wäre es nicht furchtbar, wenn die Sonne - deren Glut schon jetzt in der Sommerzeit zuweilen schwer zu ertragen ist - noch siebenmal heller (und dann gewiss auch heißer) erstrahlen würde? Doch der Zusammenhang der Verse Jes 30:23-26 spricht von Belebung der Natur und nicht von ihrer Zerstörung, ja von Heilung der Wunden Israels. Für die Zeit des Friedensreiches des Messias (Jes 2:2-4) ist eine Zunahme sowohl der Leuchtkraft der Gestirne (Jes 30:26) als auch der Fruchtbarkeit des Erdbodens (Am 9:13) und des Lebensalters der Menschen verheißen (Jes 65:20-22). "Das Licht der sieben Tage der Weltwoche wird sich auf den siebenten konzentrieren. Himmel und Erde werden da ihr Sabbatkleid anlegen, denn es ist die Sabbatzeit der Weltgeschichte, der siebente Tag der Weltwoche. Der Anfang der Kreatur ist Licht und ihr Ende isst Licht. Die Finsternis ist nur mitten hineingekommen, um überwunden zu werden" (F. Delitzsch).