Der Mensch und seine Beziehungen

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Die Beziehungen

Allgemeine Gedanken

Unter dem Wort "Beziehung" verstehen wir den Bezug zwischen zweier Wesen oder zwischen einem Wesen und einer Sache. In der Bibel finden wir den Begriff "Beziehung" kaum. Das liegt aber nicht daran, dass das Wort Gottes nichts über Beziehungen zu sagen hätte, sondern daran, dass die Bibel andere Worte dazu gebraucht. Wenn ein Mensch mit Gott redet, indem er betet, dann pflegt er seine Beziehung zu Gott. Wenn Christen miteinander Gemeinschaft haben, dann vertiefen sie ihre Beziehung zueinander. Wenn jemand gerne mit seinem Hund zusammen ist, dann geniesst er seine Beziehung zum Hund.
Letztlich hat jedes Gespräch, das wir in der Bibel finden, auch etwas mit einer Beziehung zu tun. Jede Auseinandersetzung, jedes Wort, aber auch sehr viele Handlungen, haben immer irgendeine Auswirkung auf eine oder mehrere Beziehungen. Wer z. B. Liebe übt, baut längerfristig eine positive Beziehung auf.
Der Mensch wurde für die Gemeinschaft geschaffen und wenn er dann auch noch von Neuem geboren wird, dann darf er zu seinem Schöpfer eine "Sohn-Vater-Beziehung" haben. Unsere eigentliche Bestimmung ist es, mit Gott in diese Sohn-Vater-Beziehung hineinzuwachsen. Wer vollständig in diese Beziehung hineingewachsen ist, lebt auch in der vollkommenen Liebesbeziehung. Diese Beziehung ist dann die einzig richtige Grundlage, für jede andere bleibende Beziehung, die wir sonst noch aufbauen dürfen.
Jeder von uns, steht in ganz verschiedenen Beziehungen. Die Beziehungen könnte man in 3 Gruppen einteilen:

  1. Postitive Beziehungen.
  2. Neutrale (keine) Beziehungen.
  3. Negative Beziehungen.

Zu welcher Gruppe eine Beziehung gehört, hängt ganz stark davon ab, welche Erfahrungen wir innerhalb einer Beziehung gemacht haben. Wer in einer Beziehung vorwiegend freudige Erfahrungen gemacht hat, wird diese Beziehung mit grosser Wahrscheinlichkeit als "positiv" einstufen. Es sind aber nicht nur freudige Erfahrungen, die dabei eine Rolle spielen, sondern - und das ist noch viel entscheidender - von welchem Geist zwei Wesen bestimmt oder geprägt sind. Wer den Geist Jesu Christi hat, wird auch immer mehr von diesem Geist geprägt. Jener Mensch wird vom Geist dieser Welt nicht verstanden. Daher erklärt uns die Bibel auch:

  • Joh 14:17 - den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht noch ihn kennt. Ihr kennt ihn, denn er bleibt bei euch und wird in euch sein.

Die unterschiedlichen Geistesprägungen haben natürlich auch ganz entscheidende Auswirkungen auf jede Beziehung.

  • 1Kor 1:18-20 - Denn das Wort vom Kreuz ist denen, die verlorengehen, Torheit; uns aber, die wir errettet werden, ist es Gottes Kraft. 19 Denn es steht geschrieben: «Ich werde die Weisheit der Weisen vernichten, und den Verstand der Verständigen werde ich verwerfen.» 20 Wo ist ein Weiser? Wo ein Schriftgelehrter? Wo ein Wortstreiter dieses Zeitalters? Hat nicht Gott die Weisheit der Welt zur Torheit gemacht?

Wenn wir also über Beziehungen nachdenken, dann dürfen wir die Geistesprägungen auch nicht ausser Acht lassen. Auf der einen Seite sollte es uns ein Anliegen sein, soviel es an uns liegt, mit allen Menschen eine positive Beziehung zu haben (Röm 12:18), aber auf der anderen Seite können wir nicht erwarten, von den Ungläubigen wirklich verstanden zu werden (1Kor 2:14).

Die Bedeutung von Beziehungen

Eine positive Beziehung hängt auch untrennbar mit Gemeinschaft zusammen! In der Regel ist es so: je höher die Qualität der Gemeinschaft ist, desto besser ist auch die Beziehung! Eine gute Gemeinschaft bedingt aber nicht zwingend auch ein ständiges Zusammensein. Wie fast überall ist hier nicht die Quantität das Entscheidende, sondern die Qualität.
Beziehungen sind in jeder Hinsicht wichtig! Eine der grundlegenden Bestimmung des Menschen ist, dass er für die Gemeinschaft geschaffen wurde. Der Mensch wurde für die Gemeinschaft mit Gott geschaffen. Die Frau wurde für die Gemeinschaft mit dem Mann geschaffen.
Gemeinschaft und von der Liebe geprägte Beziehungen sind also auch grundliegende Anliegen unseres Gottes. Dass die Beziehungen das A und das O sind, hat die Welt längst erkannt. Ob das nun in der Politik, in der Wirtschaft, in der Berufswelt oder im privaten Umfeld ist; vieles läuft über gute Beziehungen. Leider werden die Beziehungen vielfach nur deshalb gepflegt, weil man sich daraus eigene Vorteile verspricht. Es geht also meist um das Ich, statt um das Du! Der natürliche Mensch pflegt seine Beziehungen in der Regel nur deshalb, weil er sich dadurch Vorteile verspricht. So funktioniert die menschliche Gesellschaft mehr oder weniger. Jesus drückt dies mit anderen Worten aus, wenn er sagt:

  • Mt 5:46-47 - Denn wenn ihr liebt, die euch lieben, welchen Lohn habt ihr? Tun nicht auch die Zöllner dasselbe? 47 Und wenn ihr allein eure Brüder grüßt, was tut ihr Besonderes? Tun nicht auch die von den Nationen dasselbe?

Vieles, was wir Menschen tun, tun wir deshalb, um unsere Beziehungen zu verbessern und unsere Beziehungen verbessern wir oft deshalb, weil wir uns daraus Vorteile für uns selbst erhoffen. Auch die Pharisäer erhofften sich Solches:

  • Mt 6:2-4 - Wenn du nun Almosen gibst, sollst du nicht vor dir her posaunen lassen, wie die Heuchler tun in den Synagogen und auf den Gassen, damit sie von den Menschen geehrt werden. Wahrlich, ich sage euch, sie haben ihren Lohn dahin. 3 Wenn du aber Almosen gibst, so soll deine Linke nicht wissen, was deine Rechte tut; 4 damit dein Almosen im Verborgenen sei, und dein Vater, der im Verborgenen sieht, wird dir vergelten.

Wie die Welt, so müssen auch wir sagen, dass die Beziehungen etwas sehr wichtiges sind, aber im Gegensatz zu der Welt, sollten gute Beziehungen nicht aus selbstsüchtigen Motiven heraus gepflegt werden, sondern aus der Liebe heraus. Wer aus egoistischen Motiven seine Beziehungen pflegt, braucht die Menschen nur als Mittel zum Zweck.
Wenn für uns die Beziehungen dazu da sind, die eigene Stellung zu optimieren, dann haben wir noch eine falsche Einstellung zu den Beziehungen. Es ist eine ganz grosse Herausforderung, einerseits, zu den Menschen eine positive Beziehung aufzubauen und andererseits nicht als Menschengefällige zu leben (Eph 6:6). Es geht bei den Beziehungen also nicht darum, dass wir vor Menschen gut dastehen, sondern darum, dass unser Gegenüber aufgebaut wird! Beziehungen sind fundamental wichtig, aber sie sollten gerade bei uns Christen nicht aus dem Motiv des Selbstzweckes gepflegt werden. Der wohl einzige Selbstzweck der in der Beziehung auferbauend sein dürfte, ist der: "Was kann ich von meinem Bruder in Bezug auf mein geistliches Wachstum lernen? Wo ist mir die Schwester ein geistliches Vorbild? usw?" Für einen Christen sollten die Beziehungen nicht dazu verwendet werden, einen materiellen Vorteil zu erzielen oder die eigene Ehre zu vergrössern, sondern um eine geistliche Auferbauung zu erzielen. Das kann in vielen Fällen auch bedeuten, dass wir andere materiell unterstützen, ohne dass wir etwas von ihnen erwarten.

Was mit den Beziehungen zusammenhängt?

Auch wenn das Wort "Beziehung" in den deutschen Übersetzungen kaum zu finden ist, so wird man bei näherer Betrachtung doch erkennen, dass die Beziehungen mit ganz vielen Dingen unseres Lebens zusammenhängen! Letztlich hat jeder Gedanke, der gepflegt wird, d. h. immer wieder gedacht wird, einen nicht geringen Einfluss, auf eine oder mehrere Beziehungen. Wie wir alle wissen: Aus Gedanken entstehen Worte oder Handlungen und diese beeinflussen die Beziehungen.
Jede Begebenheit, die wir in der Bibel finden, hat auch irgend einen Einfluss auf eine oder mehrere Beziehungen. Deshalb ist es auch hochinteressant die Geschichten der Bibel aus Sicht der Beziehungen näher anzuschauen und sich z. B. auch folgende Fragen zu stellen:

- Wie hat sich eine Begebenheit auf die Beziehung ausgewirkt?
- Welches Denken oder welche Worte wirken sich positiv oder negativ auf eine Beziehung aus und warum?
- Was waren die Motive, um eine Beziehung entstehen zu lassen und mit welchen Mitteln hat man eine Beziehung hergestellt?

Es gibt wohl kaum eine Begebenheit, die nicht auch auf eine Beziehung eine Auswirkung hätte. Deshalb hängen die meisten Dinge, die gedacht, gesprochen oder getan werden, mit einer oder mehreren Beziehungen zusammen. Praktisch alle Begebenheiten der Bibel, machen uns gewisse Aspekte einer Beziehung deutlich. Die Bibel zeigt uns, was die Beziehung zu Gott fördert und was sie hemmt oder sogar abbricht. Sie macht uns auch deutlich, welches Verhalten nur eine vorübergehende Beziehung erzeugt und welche Gesinnung eine dauernde Beziehung entstehen lässt. Für mich ist es eine ganz neue Herausforderung, die Begebenheiten der Bibel, vom Aspekt der Beziehung her zu beleuchten.
Die Beziehung zu Gott kann z. B. nicht von der Beziehung zu den Mitmenschen getrennt werden. Zwei Stellen darf ich dazu zitieren:

  • Mt 5:23-24 - Wenn du nun deine Gabe darbringst zu dem Altar und dich dort erinnerst, daß dein Bruder etwas gegen dich hat, 24 so laß deine Gabe dort vor dem Altar und geh vorher hin, versöhne dich mit deinem Bruder; und dann komm und bring deine Gabe dar!

Und Johannes erklärt:

  • 1Jo 4:20-21 - Wenn jemand sagt: Ich liebe Gott, und haßt seinen Bruder, ist er ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er gesehen hat, kann nicht Gott lieben, den er nicht gesehen hat. 21 Und dieses Gebot haben wir von ihm, daß, wer Gott liebt, auch seinen Bruder lieben soll.

Keiner kann eine wirklich gute Beziehung zu Gott haben, wenn er gleichzeitig seinen Bruder hasst oder wenn er seinen Mitmenschen verachtet.

  • ELB Spr 17:5 - Wer den Armen verspottet (o. verhöhnt), verhöhnt (o. schmäht) den, der ihn gemacht hat; wer sich über Unglück freut, bleibt nicht ungestraft.

Wer über arme Menschen spottet oder sie verhöhnt, verhöhnt den Schöpfer. Menschen, die Geringschätzung im Herzen tragen, haben keine oder eine getrübte Beziehung zu Gott. Viele Christen leiden unter geistlichem Hochmut, weil sie sich als bessere Christen sehen, sind aber gleichzeitig erstaunt darüber, dass ihre Beziehung zu Gott nicht so positiv ist, wie sie sich das wünschen. Dann ist das Gebet eine Pflichtübung und kein Vorrecht mehr. Bei diesen Menschen sieht man kaum mehr Geistesfrucht! Das Einzige, was sie vorweisen können, ist ein grosses Bibelwissen! Ihr Bibelwissen mag einen beträchtlichen Umfang aufweisen, aber das Wissen hat sich nicht mit dem Glauben und mit der Treue verbunden. Es kam zu keiner Verbindung zwischen dem Bibelwissen und dem eigenen Leben.

Eine seltsame Geschichte und ganz unterschiedliche Beziehungen

Siehe hier unter Der Mann Gottes und der alte Prophet

Die Beziehung zwischen Gott und Mensch

Wie ist die Beziehung von Gott zum Menschen?

Das Wort Gottes sagt uns, dass Gott eine Beziehung zu uns Menschen sucht und wir wissen, dass er sie auch genau geplant hat. Lange Zeit war eine Menschheit von der Unwissenheit geprägt und auch heute ist das zu einem grossen Teil noch der Fall; sie versucht mit allen möglichen Mitteln, den Gott oder "die Götter" ausfindig zu machen, um mit ihm oder mit ihnen, in Kontakt zu treten. Die Menschheit baut sich Götzenbilder und hofft so, eine Beziehung zu den unsichtbaren Wesen oder eben zu Gott herstellen zu können. Diesbezüglich sagte Paulus:

  • Apg 17:29-31 - Da wir nun Gottes Geschlecht sind, sollen wir nicht meinen, daß das Göttliche dem Gold und Silber oder Stein, einem Gebilde der Kunst und der Erfindung des Menschen, gleich sei. 30 Nachdem nun Gott die Zeiten der Unwissenheit übersehen hat, gebietet er jetzt den Menschen, daß sie alle überall Buße tun (w. mitdenken) sollen, 31 weil er einen Tag festgesetzt hat, an dem er den Erdkreis richten wird in Gerechtigkeit durch einen Mann, den er dazu bestimmt hat, und er hat allen dadurch den Beweis gegeben, daß er ihn auferweckt hat aus den Toten.

Gott hat die ideale Grundlage für seine Beziehung zu den Menschen geschaffen. Er lastet den Menschen ihre Unwissenheit nicht an, sondern er sendet seinen Sohn, der als Lamm, die Schuld einer ganzen Welt hinwegträgt (Joh 1:29). Gleichzeitig schenkt er allen Glaubenden seine eigene Gerechtigkeit und dadurch kommt es auch zu einer Rechtfertigung derer, die von Natur aus Gottlose waren (Röm 4:5). Die Beziehung Gottes zum Menschen ist von einer unendlichen Liebe geprägt und aus dieser Liebe heraus, tat Gott alles, damit auch der Mensch wieder mit Gott in eine Liebesbeziehung treten darf.
Wenn wir aber die Menschen anschauen, dann stellen wir fest, dass es zwar eine Mehrheit gibt, die von der Existenz eines Gottes überzeugt sind, aber dass es doch eine kleine Minderheit ist, die auch davon überzeugt ist, mit dem allmächtigen Gott und Vater eine Beziehung zu haben. Man hat fast ein wenig den Eindruck, dass Gott mit seinen Bemühungen, mit uns Menschen eine Beziehung aufzubauen, bisher nicht so erfolgreich war.
Doch das ist Absicht und entspricht auch Gottes Plan. Zuerst wirkt er in einem Menschen, ohne dass er es bemerkt und erst nach einer gewissen Zeit, wenn der Mensch wichtige Prozesse durchlaufen hat, offenbart sich Gott dem Menschen. In den allermeisten Fällen offenbart sich Gott erst dann, wenn der Mensch für eine Begegnung mit Gott "reif" ist. Menschen, die von sich selbst überzeugt sind, sind noch nicht in der "richtigen Verfassung", um dem allmächtigen Gott begegnen zu können, ohne dabei Schaden zu nehmen. Menschen, die immer noch auf ihre eigene Gerechtigkeit, auf ihre Religiosität und ihre eigene Frömmigkeit bauen, werden es schwer haben, eine lebendige Beziehung mit Gott aufzubauen. Bei Menschen, die aus einer solchen Haltung heraus leben, zieht sich Gott zurück. In solchen Fällen wartet Gott mit dem Aufbau einer Liebesbeziehung. Vielleicht stellt sich hier die Frage, warum das so sein soll? Wer meint, er könne mit seinen eigenen Leistungen, seinen Zugang zu Gott ermöglichen, der verbaut sich seinen Zugang zu Gott, weil er auf sich selbst, statt auf Gott vertraut. Solange sich der Mensch noch in diesem Zustand befindet, wartet Gott in den meisten Fällen, bevor er eine Beziehung mit einem solchen Menschen aufbaut. Erst wenn jene Menschen durch ihren Lebensweg erkannt haben, dass sie mit ihrer eigenen Gerechtigkeit Gott niemals genügen können, erst dann sind sie auch "reif", nur auf das Wirken Gottes und nicht mehr auf sich selbst zu vertrauen. Wenn Menschen nur noch auf das Wirken Gottes vertrauen, dann glauben sie so, wie es uns die Bibel deutlich macht und dann stehen sie auch im Wohlgefallen Gottes.

  • ELB Hebr 11:6 - Ohne Glauben aber ist es unmöglich, ihm wohlzugefallen; denn wer Gott naht, muß glauben, daß er ist und denen, die ihn suchen, ein Belohner sein wird.

Die grundsätzliche Haltung, die Gott zu den Menschen hat, beschreibt Paulus sehr trefflich:

  • 2Kor 5:18-19 - Alles aber von Gott, der uns mit sich selbst versöhnt hat durch Christus und uns den Dienst der Versöhnung gegeben hat, 19 nämlich daß Gott in Christus war und die Welt mit sich selbst versöhnte, ihnen ihre Übertretungen nicht zurechnete und in uns das Wort von der Versöhnung gelegt hat.

Gott rechnet der Welt ihre Übertretungen also nicht zu! Obwohl er das nicht tut, so kann er trotzdem nicht, die Menschheit von heute auf morgen in sein Reich einführen. Solange eine Menschheit nicht nach Gott fragt und sich nur vom Egoismus leiten lässt, solange ist sie auch noch nicht "reif", ins Reich Gottes einzugehen.

Wie ist die Beziehung von uns Menschen zu Gott?

Von Natur aus, haben alle Menschen ein gestörtes Verhältnis zu Gott. Weil wir alle in die Unfügsamkeit (o. den Ungehorsam) eingeschlossen sind (Röm 11:32), steckt auch in uns allen grundsätzlich eine innere Abwehrhaltung gegen Gott. Jeder Mensch ahnt bewusst oder unbewusst, dass er mit seiner Sünde und seiner eigenen Unfähigkeit konfrontiert wird, wenn er sich mit dem Allmächtigen auseinandersetzen will. Eine solche Konfrontation ist für jede Seele schmerzhaft und deshalb ist jeder Mensch zuerst einmal froh, wenn er Solches verdrängen oder vor sich her schieben kann.
Hinzu kommt die Angst, dass Gott von uns Menschen Dinge erwartet, von denen wir berechtigterweise spüren, dass wir nie die Kraft dazu haben. Nicht wenige Menschen spüren oft unbewusst: "Wenn ich mich mit Gott beschäftige, dann könnte deutlich werden, dass er Dinge von mir erwartet, die mich total überfordern! Besser, ich verdränge das Thema Gott aus meinem Leben oder ich beschäftige mich mit einem Gott, dessen Forderungen überschaubar sind!"
Durch die Sünde und die eigene Unvollkommenheit ist Beziehung des natürlichen Menschen zu Gott unterbrochen. Die Sünde hat den Tod zur Folge (Röm 6:23) und der Tod ist letztlich ein "Getrennt-Sein" vom Leben. Weil die Menschen in den Fallstricken des Todes verhaftet sind, können sie auch nicht aus eigener Kraft, eine Beziehung zu Gott dem Vater herstellen. Eine Verbindung zum himmlischen Vater kommt nur durch den folgenden Ablauf zustande:

  1. Der Vater zieht einen Menschen (oft auch ohne dass er es selber merkt) zum Sohn (Joh 6:44). Um eine Beziehung zu Jesus Christus herstellen zu können, benötigt es zuvor das Ziehen des Vaters. Gott lenkt das Herz eines Menschen auf den Sohn. Wenn Gott die Herzen der Könige zu lenken vermag (Spr 21:1), dann vermag er auch einen Menschen zum Sohn zu ziehen. Das "Ziehen" zum Sohn ist also die Voraussetzung, um auch zu Jesus Christus zu kommen.
  2. Wenn ein Mensch den Sohn gefunden hat, dann hat er auch Zugang zum Vater (Joh 14:6). Durch das Finden von Jesus Christus, kommt es also auch zu einer lebendigen Beziehung zum himmlischen Vater.

Durch die Sünde hat also der Mensch keine wirkliche Beziehung zu Gott und er ist auch nicht in der Lage - ohne das Einwirken Gottes - eine lebendige Beziehung zu Gott herstellen zu können.

Warum gestaltet sich unsere Beziehung zu Gott manchmal so schwer?

Aus dem Gesamtzeugnis der Schrift geht ganz klar hervor, dass Gott mit seinen Geschöpfen in eine wundervolle Beziehung treten will! Die Qualität dieser Beziehung beinhaltet aber viel mehr, als wir das in unseren kühnsten Träumen vorstellen können. Die Beziehung, die er mit uns anstrebt, übertrifft jede andere Beziehung. Es geht um nichts Geringeres, als um eine göttliche "Liebesbeziehung".

Diese vollkommene Liebesbeziehung zu Gott - die wir noch viel zu wenig kennen - überragt jedes Glück, das es geben könnte und das wir uns erdenken könnten.

Die meisten Gläubigen, die ihr Leben dem Herrn Jesus Christus geschenkt haben, könnten diesen Satz vmtl. unterstreichen. Doch trotz dieser Zustimmung, empfinden viele Gläubige ihr Verhältnis zu Gott nicht so. Viele empfinden ihre Beziehung zu Gott, als eine Pflichtbeziehung. "Ich muss sein Wort lesen, weil sich das als Christ so gehört! Ich muss beten, damit der Kontakt zum Schöpfer nicht abbricht usw."
Ich persönlich kenne diese Gefühle, weil ich nicht selten auch so gedacht habe - wenn auch mehrheitlich unbewusst. Ich glaube, es ist sehr wichtig, dass wir uns an dieser Stelle fragen, warum das so ist? Warum empfinden wir unsere Beziehung zu Gott, immer wieder als Pflicht? Was geht hier in unserer Seele vor?

Vielleicht lohnt es sich an dieser Stelle, einmal darüber nachzudenken, warum das bei uns manchmal so ist? Vielleicht macht es auch Sinn, die Gründe dafür aufzuschreiben, damit wir dieses Problem auch richtig angehen können.

Die Gründe dafür sind bestimmt sehr unterschiedlich. Einige mögliche Ursachen möchte ich an dieser Stelle erwähnen.

Falsche Vorstellungen, wie man mit Gott reden soll

Längst nicht allen Gläubigen ist auch bewusst, dass man mit Gott wirklich alles besprechen kann. Das Sprechen mit Gott, muss nicht nach einer ganz bestimmten Formel ablaufen. Die Bibel berichtet uns von vielen Gebeten und jedes Gebet ist wieder anders. Das "Vaterunser" ist eine Richtschnur für ein Gebet. Jesus hat dieses Gebet nicht deshalb gegeben, damit wir zu Gott immer diese gleichen Sätze sagen, sondern damit wir erkennen, was ein Gebet beinhalten soll (Mt 6:9-13):

  1. Unser Vater: Die ganz persönliche Ansprache, die uns deutlich machen soll, dass wir immer und überall einen direkten Zugang zum himmlischen Vater haben dürfen. Es zeigt uns, dass wir zum allmächtigen Gott durch Jesus Christus ein Vater-Sohn-Verhältnis haben dürfen. Dieser "Zugang" ist weit mehr, als eine Audienz bei einem König!
  2. der du bist in den Himmeln: Wir sollen uns im Gebet immer wieder daran erinnern, dass der Vater in den Himmeln ist, dass er "oben" ist und dass er über allen steht, denn er ist grösser als alle und als alles (Joh 10:29)! Er steht über jeder Situation unseres Lebens. Er gebietet den Geistern und für ihn ist gar nichts unmöglich!
  3. geheiligt werde dein Name: Sein Name soll auch in unserem Leben geheiligt werden. Dazu gehört, dass wir ihm in allen Dingen die Ehre geben, dass sein Name durch unser Leben nicht verunglimpft wird, dass durch unser Reden und Handeln deutlich wird: Gott ist ein Geweihter, einer, der sich vom Prinzip dieser Welt abgesondert hat, indem er die liebt, die ihn hassen und indem er die segnet, die ihm fluchen.
  4. dein Reich komme: Wir heissen deine Gegenwart willkommen, wir möchten, dass du unter uns regierst, dass du die Massstäbe für unser Leben setzt. Schenk, dass wir uns deinem Regieren unterordnen. Wir wollen nicht selbst über unser Leben bestimmen. Die Gesetze deiner Königsherrschaft (die aus der Liebe entspringen) sollen unser Leben bestimmen.
  5. dein Wille geschehe: Der Beter möchte, dass sein Wille geschieht, weil er weiss, dass nur sein Wille, das absolut Beste für uns alle ist. Er ist auch dann der Beste, wenn es bedeuten sollte, dass wir schwach werden oder mit Bedrängnissen konfrontiert werden. Haben wir tatsächlich ein "JA" zu seinem Willen und das in allen Teilen unseres Lebens?
  6. wie im Himmel so auch auf Erden: Sein Wille soll sich überall auswirken, weil nur sein Wille auch das Beste für Himmel und Erde ist. Der geheime Wille Gottes (siehe hier) geschieht überall, aber der geoffenbarte Wille Gottes (siehe hier) wird erst dann in allen Teilen Realität, wenn sich die Geschöpfe, dem Willen Gottes freiwillig unterordnen.
  7. Unser tägliches Brot gib uns heute: Mit dieser Bitte wird dem Beter bewusst, dass Gott der Geber aller guten Gaben ist. Es liegt an seinem Segen, ob wir das irdische Brot essen können und er gibt uns auch das wahre Lebensbrot aus dem Himmel (Joh 6:41). Wir sind von ihm abhängig. Wer also diese Bitte ausspricht, erwartet die Nahrung von Gott, der uns die Frucht des Feldes wachsen lässt.
  8. und vergib uns unsere Schulden: Es muss dem Beter immer auch bewusst sein, dass er vor Gott schuldig ist. Wer meint, er sei vor Gott nicht schuldig geworden, der ist verblendet und kennt die Anforderungen Gottes nicht. Mit diesem Satz wird auch klar, dass wir vor Gott, aus uns selbst, nicht bestehen können, sondern dass wir ganz von seiner Gnade und Barmherzigkeit abhängig sind. Vor Gott können wir nur mit seiner Vergebung leben.
  9. wie auch wir unseren Schuldnern vergeben haben: Auch hier soll dem Beter klar werden, dass er seinen Schuldnern zu vergeben hat. Man kann Gott nicht um seine Vergebung und Gnade bitten und gleichzeitig seinem Mitmenschen nicht vergeben. Der Beter soll ein Vergebender sein.
  10. und führe uns nicht in Versuchung: Auch hier wird dem Beter bewusst, dass er aus eigener Kraft nicht in der Lage ist, in einer Versuchung treu zu bleiben. Die Selbstüberschätzung des Petrus (Mt 26:35), dürfte mitunter auch ein Grund für die Versuchung gewesen sein, den Herrn zu verleugnen (Mt 26:73-75).
  11. sondern errette uns von dem Bösen!: Nur Gott allein kann uns vor dem Bösen erretten! Ohne seine Rettung kommen wir unweigerlich in die Fänge des Bösen und dadurch auch in den Tod! Er ist der einzig bleibend rettende Gott (Jes 45:21).
  12. Den folgenden Satz finden wir nur im Byzantinischen Text: Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.: Nur sein Reich und seine Kraft und Herrlichkeit, hat auch in künftigen Zeitaltern bestand. Alle anderen Reiche und alle andere Herrlichkeiten werden vergehen, aber sein Reich hat vergeht nicht!

Beim "Vaterunser" geht es also darum, dass der Beter sich den Inhalt bewusst macht und danach lebt. Wer um diesen Inhalt weiss, kann dafür auch ganz andere Worte gebrauchen, wenn er betet. Für Gott sind diese Inhalte also sehr wichtig und wir tun gut daran, wenn wir diese Inhalte in unseren Gebeten nicht aus den Augen verlieren. Im Gebet geht es also um folgende Aspekte:

  1. Um die Ehre Gottes.
  2. Darum, dass unser Wille mit seinem Willen in Übereinstimmung kommt.
  3. Um das Bewusstsein, in allen Teilen vom ihm abhängig zu sein.
  4. Darum, dass nur bei ihm allein die ewige Zukunft liegt.

Diese Aspekte sollten in jedem Gebet oberste Priorität haben. Das bedeutet aber nicht, dass wir mit Gott nicht auch alles besprechen könnten, was uns bewegt. Es gibt kein Gefühl, kein Gedanke, den wir ihm nicht sagen könnten, aber wenn wir vor lauter Bitten und Jammern nicht mehr an die Ehre Gottes denken und nicht nach seinem Willen fragen, dann sind die Prioritäten falsch gesetzt.
Sowohl für die Propheten als auch für die Psalmisten gab es vor Gott keine Tabu-Themen, denn sie wussten, dass Gott über alle ihre Gefühle und Bedenken genauestens Bescheid weiss.
Jona brachte vor Gott seinen ganzen Ärger über die Barmherzigkeit Gottes zum Ausdruck (Jon 4:1-2).
Jeremia hatte den Eindruck, dass er von Gott für einen sehr undankbaren Auftrag betört wurde und er sagte es ihm auch (Jer 20).
Der Psalmist aus Ps 43 fragt Gott, warum er ihn verstossen habe?
Wir dürfen alles, wirklich alles mit unserem Gott bereden! Ob das unsere Freude, der Frust, die Traurigkeit, das Unverständnis oder unser Glück betrifft; alles dürfen wir mit Gott teilen. Wer solches tut, kommt in ganz wichtige Denkprozesse hinein, die uns ganz neue Sichtweisen erschliessen. Der Apostel Paulus empfiehlt uns dabei folgendes:

  • Phil 4:6-7 - Seid um nichts besorgt, sondern in allem sollen durch Gebet und Flehen mit Danksagung eure Anliegen vor Gott kundwerden; 7 und der Friede Gottes, der allen Verstand übersteigt, wird eure Herzen und eure Gedanken bewahren in Christus Jesus.

Ein verzerrtes Gottesbild

Weil viele Menschen und auch Gläubige ein falsches Gottesbild haben, fällt es ihnen auch schwer, mit ihren Vorstellungen über Gott, eine Beziehung zu ihm aufzubauen. Weil alle irgendwie wissen, dass Gott hoch erhaben ist und weit über uns kleinen Menschen steht - was ja auch stimmt - ziehen nicht wenige den falschen Schluss, dass man als sündiger Mensch bei Gott gar nicht vorstellig werden darf. Grundsätzlich ist es ja richtig, dass uns die Sünde von Gott trennt, aber es ist nicht richtig, dass man als sündiger Mensch Gott nicht anrufen könnte, im Gegenteil; die Bibel zeigt uns immer wieder, wie Sünder zu Gott rufen und ihn um Hilfe bitten. Dieses Gefühl, mit Gott nicht in Kontakt treten zu können, weil man ein Sünder ist, hatte vmtl. auch Petrus, als er zu Jesus sagte:

  • Lk 5:8b - Geh von mir hinaus! Denn ich bin ein sündiger Mensch, Herr!

Petrus brachte damit zum Ausdruck: "Wie sollte ich in deiner Gegenwart leben können, Herr? Ich bin voller Fehler und meine Erfahrung zeigt auch, dass ich nicht besser werde, so sehr ich mich auch bemühe! Unter solchen Umständen ist doch eine Gemeinschaft mit Dir, von Anfang an zum Scheitern verurteilt!"
Auch diese Einschätzung des Petrus wäre grundsätzlich richtig, aber sie berücksichtigt das Wirken Gottes nicht. Diese Einschätzung geht davon aus, dass der heilige und gerechte Gott von uns Menschen erwartet, dass wir zuerst einmal selber heilig und gerecht werden, bevor wir mit Gott Gemeinschaft haben können. Im Weiteren gehen viele Menschen auch davon aus, dass sie diesen Zustand der Heiligkeit aus eigener Kraft erreichen müssen, um dann mit Gott Gemeinschaft haben zu können.
Doch weil Gott unsere Schuld getilgt hat und weil er uns mit seiner Gerechtigkeit und Heiligkeit durch den Glauben Jesu beschenkt, existieren absolut keine Hindernisse mehr, wenn ein Mensch mit Gott in Gemeinschaft treten möchte.
Auch Menschen, die in Gott einen unbarmherzigen Zuchtmeister sehen, der jede Sünde mit einer harten Strafe belegt, haben es schwer, mit Gott eine Beziehung aufzubauen, weil jede Kontaktaufnahme zu Gott, mit einer kaum auszuhaltenden Angst verbunden wäre. Unter solchen Voraussetzungen ist es sehr verständlich, wenn Menschen das Thema "eine Beziehung mit Gott" aus ihrem Bewusstsein verdrängen. Doch dieser wunderbare Gott gibt den seinen ein wunderbares Geschenk:

  • Röm 8:15 - Denn ihr habt nicht einen Geist der Knechtschaft empfangen, wieder zur Furcht (+5401), sondern einen Geist der Sohnschaft habt ihr empfangen, in dem wir rufen: Abba, Vater!

Durch diesen Geist eröffnet sich uns die Möglichkeit, mit dem allmächtigen in eine Vater-Sohn-Beziehung zu kommen. Durch diesen Geist und durch das Wort Gottes haben wir immer mehr die Möglichkeit in Gott einen liebenden Vater zu sehen, der es nur gut mit uns meint. Er meint es immer gut mit uns, auch dann, wenn er uns zuweilen schwere Wege führt. Diejenigen Menschen, die einen guten Vater hatten, können wahrscheinlich alle bezeugen, dass ihr Vater manchmal Erziehungsmassnahmen getroffen hat, die ihnen als Kind nicht gefielen, aber aus der Sicht eines Erwachsenen, gut und notwendig waren. Das Gleiche gilt auch für unseren Gott und Vater!

Mangelndes Vertrauen

Wer nicht glauben kann, dass Gott es wirklich gut mit uns meint, der kann ihm auch nie ganz vertrauen. Menschen, die noch davon ausgehen, dass sie der Willkür Gottes ausgesetzt sind, können natürlich nie ganz sicher sein, ob Gott ihnen wohlgesinnt ist. Dieser Zweifel hängt vmtl. auch sehr stark mit der Welterfahrung zusammen. Jeder Mensch, der mit offenen Augen durch diese Welt läuft, muss auch feststellen, dass einigen Menschen ein ganz schweres Schicksal zugemutet wird. Diese Beobachtung erzeugt verständlicherweise Zweifel am "Gutmeinen" Gottes. Als junger und gesunder Mensch sieht man in Krankheit, Unfall, Schwachheit und Leid nur Umstände, die dazu führen, dass man todunglückich wird. Deshalb existiert auch die weit verbreitete Meinung, man müsse das eigene Schicksal selbst in die Hand nehmen, schliesslich ist ja jeder seines eigenen Glückes Schmid, so wie das der Volksmund sagt. Auch bei Christen haftet dieses Denken noch an. Hier wird es dann noch etwas mehr mit dem frommen Gedankengut vermischt. Hier findet man dann oft die Einstellung:

"Den gehorsamen und Gott treu ergebenen Christen geht es gut, weil sich Gottes Segen in ihrem Leben auswirkt."

Durch diese Haltung kommt man unter Umständen - ohne es laut zu sagen - auch zu dem Schluss: "Der Christ ist des eigenen Glückes Schmid!"
Es stimmt natürlich, dass wenn Gläubige im Gehorsam gegenüber dem Wort Gottes und im Vertrauen auf Gott ihr Leben führen, dass sie dann auch einen besonderen Segen in ihrem Leben erfahren dürfen, aber es wäre eine völlig falsche Vorstellung, wenn man dann davon ausgeht, nicht mehr mit Bedrängnis konfrontiert zu werden. Mit Ausnahme Salomos (wobei dies auch noch fraglich ist), finde ich keinen Mann Gottes in der Bibel, der nicht mit Bedrängnis konfrontiert wurde, zumal die Bedrängnis eine ganz wichtige Auswirkung hat:

  • Röm 5:3-4 - Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch in den Bedrängnissen, da wir wissen, daß die Bedrängnis Ausharren bewirkt, 4 das Ausharren aber Bewährung, die Bewährung aber Hoffnung.

Wer mit den Nöten der Menschen konfrontiert wird, hat automatisch - auch als Christ - den Eindruck, man könne durch eigene Vorsorge, sein Schicksal optimieren. Diese Haltung führt dazu, dass wir uns ständig Sorgen machen müssen. "Durch Sorgen wird mein Leben sicherer und berechenbarer", denken auch nicht wenige Christen. Sie denken das vielleicht nicht so bewusst, aber unbewusst sitzt das ganz tief in uns drin. Wer auf Gott vertraut, der kann auch folgende Hinweise viel besser umsetzen:

  • Mt 6:34 - So seid nun nicht besorgt um den morgigen Tag! Denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen. Jeder Tag hat an seinem Übel genug.
  • 1Petr 5:6-7 - Demütigt euch nun unter die mächtige Hand Gottes, damit er euch erhöhe zur rechten Zeit, 7 indem ihr alle eure Sorge auf ihn werft! Denn er ist besorgt für euch.

Durch das mangelnde Vertrauen zweifeln wir am "Gutmeinen" Gottes und das wirkt sich auf die Beziehung mit Gott wie folgt aus:

  1. Wir haben keinen unbekümmerten Zugang zu Gott, so wie das ein Kind zu seinem Vater haben darf. Die Beziehung zu Gott ist durch Zweifel und Misstrauen getrübt und solches führt dazu, dass die Beziehung zu Gott immer mehr zu einer Pflichtbeziehung wird.
  2. Wer sich viele Sorgen macht, hat kaum mehr Zeit mit Gott eine Liebesbeziehung zu unterhalten. Die Gedanken sind von den Sorgen und von den eigenen Vorkehrungen so beherrscht, dass man sich sogar während der Gebetszeit gedrängt fühlt, das Gebet möglichst schnell zum Abschluss zu bringen. Als Folge davon, leidet natürlich auch die Beziehung zu Gott.

Wer auf Gott vertraut, wer biblisch glaubt, der kommt auch immer mehr zur Ruhe, er lebt immer mehr in der Gegenwart und erfährt dadurch auch immer bessere Lebensqualität, die sich vor allem auch in der Seele auswirkt.

Die Angst, das Leben nicht mehr so führen zu können, wie man will

Wer sich mit dem Worte Gottes auseinandersetzt und dann erkennt, dass er infolge der Anweisungen Gottes, einiges in seinem Leben verändern sollte, fragt sich vielleicht sehr schnell einmal, ob nicht die eigene Lebensqualität darunter zu leiden hat. Auf den ersten Blick erscheint die Haltung Ich-kann-machen-was-ich-will, der Schlüssel für ein glückliches Leben zu sein. Doch dieses "glückliche Leben" dauert in den meisten Fällen nur sehr kurz und ganz bewusst geniessen, können es sowieso die wenigsten, da die Befriedigung nicht lange anhält und man darum immer nach neuen Vergnügungen Ausschau halten muss. Die Sicherung des Lebensstandards bewirkt dann noch zusätzlichen Stress.
Die Anweisungen Gottes für unser Leben erfordert kurzfristig manchmal eine grosse Überwindung, aber längerfristig und aus Sicht der Ewigkeit, bewirken sie eine unübertreffliche Lebensqualität und Glückseligkeit. Die Angst, die sogenannte Lebensqualität zu verlieren, wenn man auf die Gebote Gottes achtet, kann man wahrscheinlich nur mit dem Glauben überwinden. Wer im Luxus lebt, muss glauben können, wenn die Bibel folgende Gewichtung macht:

  • ELB Spr 15:17 - Besser ein Gericht Gemüse, und Liebe ist da, als ein gemästeter Ochse und Haß dabei.

Wenn der Wohlhabende solche Worte hört, dann sagt er wahrscheinlich sehr schnell: „Ich hätte gern den gemästeten Ochsen und die Liebe!“ Es ist zwar durchaus möglich, dass es Zeiten des üppigen Wohlstandes und der Liebe gibt, aber jeder Mensch, der von der göttlichen Liebe geprägt ist, kann alles, was ihm lieb und teuer ist, loslassen. Wer loslassen kann, befindet sich in einer nie da gewesenen Freiheit und diese Freiheit vermittelt eine echte Lebensqualität, die vom wahren Leben bestimmt ist. Als ich das grösste Vermögen losgelassen habe, hatte ich den grössten Frieden. Der göttliche Frieden und die göttliche Freiheit übersteigt jede andere Lebensqualität, die wir uns hier vorstellen können.
Der Gehorsam Gott gegenüber, kann aber durchaus auch bedeuten, dass wir auf bisherige Freuden verzichten müssen und ein solcher Verzicht fällt uns schwer. Es ist wie mit dem Essen: Wer eine Ernährungsumstellung macht und sich auf die gesunden Lebensmittel konzentriert, gleichzeitig auf leckere Cremetorten und dergleichen verzichtet, hat es zwischendurch auch nicht einfach, aber nach einer gewissen Zeit fühlen sich die entsprechenden Personen viel besser. Ihr Wohlbefinden hat deutlich zugenommen. Wer sein Leben mit Gott führt und in einer Liebesbeziehung mit ihm lebt, macht auch eine Art „Ernährungsumstellung“, die mit Verzicht verbunden ist, aber gleichzeitig nimmt das geistliche Wohlbefinden eindeutig zu. Der Gehorsam Gott gegenüber, ist aber kein Garant für ein körperlich und seelisch schmerzfreies Leben. Auch wenn wir trotzdem noch leiden und seufzen (Röm 8:23), so dürfen wir doch einen Frieden haben, der alles Denken übersteigt (Phil 4:7).

Zu müde, um ein konzentriertes Gespräch zu führen

Es ist klar; wenn wir mit Gott reden, dann sollten wir uns auch ganz auf dieses Gespräch konzentrieren, damit wir auch die entsprechenden Impulse bekommen können. Ein konzentriertes Gespräch mit Gott, offenbart auch die Liebe zu Gott. Doch im Gegensatz zu anderen Gesprächen, die oft ermüdend sind, bewirkt ein konzentriertes Gespräch mit Gott, nicht selten eine Stärkung. Dies durfte vmtl. auch der bedrängte David erleben, denn wir lesen folgendes:

  • ELB 1Sam 30:6 - Und David war in großer Bedrängnis, denn das Volk sprach davon, ihn zu steinigen. Denn die Seele des ganzen Volkes war erbittert, jeder war erbittert wegen seiner Söhne und wegen seiner Töchter. Aber David stärkte sich in dem HERRN, seinem Gott.

Trotz alledem, gibt es Zeiten, wo man so erschöpft ist, dass man kaum einen Gedanken fertig denken kann. In einem solchen Zustand ist es sehr schwer oder kaum möglich, ein konzentriertes Gespräch zu führen. In einer solchen Situation dürfen wir uns jedoch daran erinnern, dass Gott unseren Zustand kennt und auch weiss, dass wir keine klaren Gedanken mehr zustande bringen. Auch hier dürfen wir wie ein kleines Kind, ganz einfache Dinge sagen, wie z.B.

-Herr, du weißt.
-Herr, du siehst.
-Herr, ich ruhe in deiner Hand.
-Lieber Vater, wie ein Kind will ich jetzt auf deinem Arm schlafen und meine Seele dir ganz anbefehlen.
-Vater, habe Dank für dein Wachen über mir!
-usw.

Unser liebender himmlische Vater erwartet von uns keine konzentrierten Höchstleistungen, wenn wir uns erschöpft und ausgelaugt fühlen. Er freut sich darüber, wenn wir einfach beten:

"Lieber Vater, du siehst meine Erschöpfung! Lass mich in Gedanken trotzdem bei dir verweilen!"

Gott macht sowieso, was er will

Dieses fatalistische Denken macht sich vor allem da breit, wo man aus den biblischen Aspekten "Vorherbestimmung und Auserwählung" zu einseitige Schlüsse zieht. Wer aus dem Wissen, "Gott wirkt alles nach dem Rat seines Willens " (Eph 1:11), den Schluss zieht, dass jegliche Bitte an Gott sinnlos sei, verzerrt die Aussagen der Bibel. Es gibt dutzende, wenn nicht hunderte von Bibelstellen, die uns ganz deutlich aufzeigen, dass wir mit Bitten vor unseren Gott treten dürfen und sollen. Denken wir nur an Aussagen wie:

  • Joh 14:14 - Wenn ihr mich etwas bitten werdet in meinem Namen, so werde ich es tun.
  • 1Tim 2:1-2 - Ich ermahne nun vor allen Dingen, daß Flehen, Gebete, Fürbitten, Danksagungen getan werden für alle Menschen, 2 für Könige und alle, die in Hoheit sind, damit wir ein ruhiges und stilles Leben führen mögen in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit.

Gott möchte, dass wir ihm unablässig danken, dass wir bitten und flehen und uns ihm immer wieder nahen um mit ihm in Kontakt zu treten. Unser Vater im Himmel wünscht sich nichts so sehr, wie dass wir mit ihm in eine unablässige Beziehung treten. Die Gott wohlgefälligen Männer, haben nicht selten auch mit ihm "verhandelt":

  • 1Mo 18:23-33 - Und Abraham trat hinzu und sagte: Willst du wirklich den Gerechten mit dem Ungerechten wegraffen? 24 Vielleicht gibt es fünfzig Gerechte innerhalb der Stadt. Willst du sie denn wegraffen und dem Ort nicht vergeben um der fünfzig Gerechten willen, die darin sind? 25 Fern sei es von dir, so etwas zu tun, den Gerechten mit dem Ungerechten zu töten, so daß der Ungerechte wäre wie der Gerechte; fern sei es von dir! Sollte der Richter der ganzen Erde nicht Recht üben? 26 Da sprach der HERR: Wenn ich in Sodom fünfzig Gerechte in der Stadt finde, so will ich um ihretwillen dem ganzen Ort vergeben. 27 Und Abraham antwortete und sagte: Siehe doch, ich habe mich erdreistet, zu dem Herrn zu reden, obwohl ich Staub und Asche bin. 28 Vielleicht fehlen an den fünfzig Gerechten nur fünf. Willst du wegen der fünf die ganze Stadt vernichten? Da sprach er: Ich will sie nicht vernichten, wenn ich dort 45 finde. 29 Und er fuhr fort, weiter zu ihm zu reden, und sagte: Vielleicht werden dort vierzig gefunden. Und er sprach: Ich will es nicht tun um der Vierzig willen. 30 Und er sagte: Der Herr möge doch nicht zürnen, daß ich noch einmal rede! Vielleicht werden dort dreißig gefunden. Und er sprach: Ich will es nicht tun, wenn ich dort dreißig finde. 31 Da sagte er: Siehe doch, ich habe mich erdreistet, zu dem Herrn zu reden; vielleicht werden dort zwanzig gefunden. Und er sprach: Ich will nicht vernichten um der Zwanzig willen. 32 Da sagte er: Der Herr möge doch nicht zürnen, ich will nur noch dieses Mal reden. Vielleicht werden dort zehn gefunden. Und er sprach: Ich will nicht vernichten um der Zehn willen. 33 Und der HERR ging weg, als er mit Abraham ausgeredet hatte; und Abraham kehrte zurück an seinen Ort.

Nebst der interessanten Tatsache, dass hier Abraham mit Gott verhandeln durfte, finden wir hier noch andere sehr aufschlussreiche Aspekte:

- Die Geduld, die der Herr hier dem Abraham gegenüber gezeigt hat, zeigt indirekt, dass der Herr am Verhalten Abrahams vmtl. Wohlgefallen hatte. Abraham verwendete sich stellvertretend für eine ganze Stadt. Er suchte nach einer Möglichkeit, dass die Menschen der Stadt Sodom verschont blieben und dass nicht auch Gerechte mit ihr umkammen.
- Zehn Gerechte in einer Stadt, können dazu führen, dass eine ganze Stadt nicht komplett vernichtet wird. Wenn sich also nur wenige Gottesfürchtige vor Gott, für eine Stadt verwenden, kann das einen sehr bewahrenden Charakter haben.

Auch Mose hat mit Gott verhandelt. Die nachfolgende Textstelle bringt mich immer wieder aufs Neue ins Staunen.

  • 2Mo 32:9-14 - Weiter sagte der HERR zu Mose: Ich habe dieses Volk gesehen, und siehe, es ist ein halsstarriges Volk. 10 Und nun laß mich, damit mein Zorn gegen sie entbrenne und ich sie vernichte, dich aber will ich zu einer großen Nation machen. 11 Mose jedoch flehte den HERRN, seinen Gott, an und sagte: Wozu, o HERR, entbrennt dein Zorn gegen dein Volk, das du mit großer Kraft und starker Hand aus dem Land Ägypten herausgeführt hast ? 12 Wozu sollen die Ägypter sagen: In böser Absicht hat er sie herausgeführt, um sie im Gebirge umzubringen und sie von der Fläche des Erdbodens zu vertilgen? Laß ab von der Glut deines Zornes und laß dich das Unheil gereuen, das du über dein Volk bringen willst! 13 Denke an deine Knechte Abraham, Isaak und Israel, denen du bei dir selbst geschworen und denen du gesagt hast: Ich will eure Nachkommen so zahlreich machen wie die Sterne des Himmels, und dieses ganze Land, von dem ich gesagt habe: «ich werde es euren Nachkommen geben», das werden sie für ewig in Besitz nehmen. 14 Da gereute den HERRN das Unheil, von dem er gesagt hatte, er werde es seinem Volk antun.

Sowohl Hiob, als auch Jeremia klagten Gott ihr ganzes Leid; nicht zuletzt deshalb, weil sie hofften, dass Gott ihre Situation verändern würde. Sie haben nicht einfach gesagt: "Es nützt nichts, wenn wir Gott sagen, was wir empfinden, denn er macht mit uns sowieso, was er will!"
Auch Paulus erachtete es für notwendig, den Herrn darum zu bitten, dass er ihm den Satansengel wegnehmen soll. Er hätte auch sagen können: "Wenn es der Herr so fügt, dann hat das seinen Grund und deshalb muss ich diesen Zustand ertragen, bis Gott ihn beendet!" Durch die dreimalige Bitte von Paulus, kam es auch zu der Antwort Gottes auf seine Frage. Ob Paulus die Antwort bekommen hätte, wenn er eine einseitig fatalistische Einstellung gehabt hätte, muss bezweifelt werden.

Die Bedeutung und die Auswirkungen der Mensch-Gott-Beziehung

Eine Zielvorstellung Gottes für die Mensch-Gott-Beziehung wird in Ps 2 definiert:

  • Ps 2:10-12 - Und nun, ihr Könige, handelt verständig; laßt euch zurechtweisen, ihr Richter der Erde! 11 Dienet dem HERRN mit Furcht, und jauchzt mit Zittern! 12 Küßt den Sohn, daß er nicht zürne und ihr umkommt auf dem Weg; denn leicht entbrennt sein Zorn. Glücklich alle, die sich bei ihm bergen!

Ein verständiges Handeln ist eigentlich erst dann vorhanden, wenn man sich zurechtweisen lassen kann. Wer Gott fürchtet, ist weise und lässt sich auch von Gott zurechtweisen. In Ps 2 wird ja besonders deutlich, wie die Könige der Erde sich gegen Gott stellen. Sie wollen absolut keine Bindung an Gott und dadurch auch keine Beziehung zu Gott. Dies wird deutlich, wenn wir lesen:

  • Ps 2:2-3 - Es treten auf Könige der Erde, und Fürsten tun sich zusammen gegen den HERRN und seinen Gesalbten : 3 «Laßt uns zerreißen ihre Bande und von uns werfen ihre Stricke!»

Gott bittet nun die Könige der Erde, sich zurechtweisen zu lassen, damit sie auf dem Weg nicht umkommen. "Küßt den Sohn", lautet die Aufforderung. Aber was heisst das? Wie sollen die Könige der Erde den Sohn küssen? Wer eine intime Liebesbeziehung mit dem Sohn Gottes aufbaut, kommt auf dem Weg nicht um, sondern er wird leben, auch wenn er gestorben ist! Deshalb sagt Jesus:

  • Joh 11:25 - Jesus sprach zu ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben; wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er gestorben ist;

Gott empfiehlt den Königen der Erde auch: "Dienet dem HERRN mit Furcht, und jauchzt mit Zittern!" Die meisten Regenten wollen dem Herrn nicht dienen, weil sie denken, dass das Vertrauen auf den Herrn eine viel zu unsichere Sache ist. Ihre Überlegungen gehen dahin, dass sie sagen: "Ich muss meine Konkurrenten und meine Feinde beobachten - sprich fürchten - damit ich mich gegen sie vorsehen kann! Ich vertraue nur auf mich selbst und die Zurechtweisungen Gottes passen nicht in meinen Lebensstil!"
Wer den Herrn fürchtet, achtet in erster Linie nur auf ihn und wer vor ihm zittert, steht nicht in der Gefahr, sich selbst zu überheben, sondern er weiss um eine totale Abhängigkeit von Gott. Wer aber ganz auf Gott vertraut, befindet sich aber auch in grösster Sicherheit! Nicht zuletzt deshalb lesen wir:

  • Spr 14:26 - In der Furcht des HERRN (liegt) ein starkes Vertrauen (w. Sicherheit der Stärke), auch seine Kinder haben eine Zuflucht.

Die Beziehung zum Bruder oder zur Schwester

In diesem Abschnitt geht es primär um die Beziehung zu den Brüdern im Herrn. Es geht also um die geistliche Bruderschaft. Die Beziehung zum Bruder und zur Schwester ist fundamental wichtig und sie hängt auch sehr stark mit der Beziehung zu Gott zusammen. Der Apostel Johannes zeigt uns sogar auf, dass die Liebe und somit auch die Beziehung zu Gott, untrennbar mit der Liebe zum Bruder verbunden ist.

  • ELB 1Jo 4:20 - Wenn jemand sagt: Ich liebe Gott, und haßt seinen Bruder, ist er ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er gesehen hat, kann nicht Gott lieben, den er nicht gesehen hat.

Der Stellenwert der geistlichen Verwandtschaft

Aus dem Neuen Testament geht deutlich hervor, dass die geistliche Verwandtschaft einen ganz zentralen Stellenwert hat. Jesus macht dies schon deutlich, wenn er sagt:

  • Mt 12:50 - Denn wer den Willen meines Vaters tut, der in den Himmeln ist, der ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter.

Der gemeinsame Nenner der geistlichen Verwandtschaft geht auf das Tun des Willens des himmlischen Vaters zurück. Wer sich mit dem Willen des Vaters identifiziert und diesen Willen tut, gehört zur himmlischen Familie. An dieser Stelle kann man einen Bruder oder eine Schwester erkennen. Selbstverständlich können wir den Willen des himmlischen Vaters nicht aus uns selbst tun; dies kann nur der Heilige Geist in uns. Es wäre natürlich ein völlig falscher Schluss, wenn man die Matthäus-Stelle so interpretieren würde, dass der Mensch sich zuerst anstrengen muss, den Willen des Vaters zu tun, damit er dann als Bruder in die Familie Gottes aufgenommen wird. Paulus sagt unmissverständlich:

  • Phil 2:13 - Denn Gott ist es, der in euch wirkt sowohl das Wollen als auch das Wirken zu seinem Wohlgefallen.

Zuerst zeugt Gott in einem Menschen den neuen innwendigen Menschen, der aus Gott geboren ist und dann tut dieser innere Mensch, der zur Familie Gottes gehört, den Willen des Vaters! Dieses sanfte innere Wirken dringt aber nicht immer nach aussen, weil sich die Seele noch oft nicht leiten lässt, weil sie immer wieder ihren eigenen Willen durchsetzen will. Erst im Laufe der Zeit, wird die Seele so gefügig gemacht, dass auch sie sich einmal ganz mit dem Willen des Vaters identifiziert. Dieser "Lernprozess" beschreibt der Hebräerbrief mit anderen Worten:

  • Hebr 12:11 - Alle Züchtigung scheint uns zwar für die Gegenwart nicht Freude, sondern Traurigkeit zu sein; nachher aber gibt sie denen, die durch sie geübt sind, die friedvolle Frucht der Gerechtigkeit.

Jesus will also, dass die Menschen in diese geistliche Verwandtschaft hineinkommen und macht deutlich, dass dies nur über eine Identifizierung mit dem Willen des Vaters möglich ist.

Unterschiedliche Glieder eines Leibes

Auch für Paulus war die Verbindung und Beziehung zu den Geschwistern von grosser Bedeutung! Unsere Verbindung und Beziehung zu den Geschwistern vergleicht er mit Verbindnung der Glieder eines Leibes. Geistlich gesehen, sind wir mit den Brüdern das, was der Mann mit der Frau ist, nämlich "ein Fleisch".
Ein Leib ist nur dann vollkommen, wenn alle Glieder vorhanden, wenn sie gesund und schön gebildet sind. Würde am Ende "ein Bruder" fehlen, wären die Gläubigen Glieder eines unvollkommenen Leibes. Wäre am Ende "eine Schwester" bleibend krank, wären wir Glieder eines fehlerhaften Leibes. Wäre am Ziel ein Glied nicht geistlich schön ausgebildet, wären wir Glieder eines Leibes, der einen Schönheitsfehler aufweist. Aus dieser Erkenntnis geht klar hervor, dass wir mit allen Gliedern des Leibes Jesu untrennbar verbunden sind und dass uns der geistliche Zustand unserer Geschwister genauso oder eigentlich noch mehr beschäftigen sollte, wie der Zustand unseres Körpers. Solches ist aber nur möglich, wenn wir innige Gemeinschaft haben und wenn wir mit den Geschwistern eine geistliche Liebesbeziehung pflegen. Ohne Gemeinschaft mit den Geschwistern können wir nicht richtig wachsen!

Ohne die anderen Glieder kommen wir nicht an das Ziel

Ein Text aus dem 1. Korintherbrief führt uns auf eindrückliche Art und Weise vor Augen, wie wir auf einander angewiesen sind:

  • 1Kor 12:14-26 - Denn auch der Leib ist nicht ein Glied, sondern viele. 15 Wenn der Fuß spräche: Weil ich nicht Hand bin, gehöre ich nicht zum Leib: gehört er deswegen nicht zum Leib? 16 Und wenn das Ohr spräche: Weil ich nicht Auge bin, gehöre ich nicht zum Leib: gehört es deswegen nicht zum Leib? 17 Wenn der ganze Leib Auge wäre, wo wäre das Gehör? Wenn ganz Gehör, wo der Geruch? 18 Nun aber hat Gott die Glieder bestimmt, jedes einzelne von ihnen am Leib, wie er wollte. 19 Wenn aber alles ein Glied wäre, wo wäre der Leib? 20 Nun aber sind zwar viele Glieder, aber ein Leib. 21 Das Auge kann nicht zur Hand sagen: Ich brauche dich nicht; oder wieder das Haupt zu den Füßen: Ich brauche euch nicht; 22 sondern gerade die Glieder des Leibes, die schwächer zu sein scheinen, sind notwendig; 23 und die uns die weniger ehrbaren am Leib zu sein scheinen, die umgeben wir mit größerer Ehre; und unsere nichtanständigen haben größere Wohlanständigkeit; 24 unsere wohlanständigen aber brauchen es nicht. Aber Gott hat den Leib zusammengefügt und dabei dem Mangelhafteren größere Ehre gegeben, 25 damit keine Spaltung im Leib sei, sondern die Glieder dieselbe Sorge füreinander hätten. 26 Und wenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit; oder wenn ein Glied verherrlicht wird, so freuen sich alle Glieder mit.

Kaum an einer anderen Stelle wird so deutlich, wie stark wir aufeinander angewiesen sind. Jeder braucht den anderen um vollendet zu werden. Ich brauche die Gabe meines Bruders, meiner Schwester um so auszureifen, wie Gott das vorgesehen hat. Wir dürfen froh und dankbar sein, für die Glieder, die Hände sind und die dann etwas anpacken können, wenn etwas gemacht werden muss. Wie schön ist es doch, dass der Leib Augen hat, damit die Hände sehen, wo sie anpacken müssen. Wie gut ist es doch, dass es Solche gibt, die genau hinhören können, damit die anderen Anweisungen für ihr Leben erhalten können.
Heute leben wir in einer Zeit, wo praktisch jede Gemeinschaft und jede Beziehung immer häufiger und stärker in eine Zerreissprobe geführt wird. Ehen, Familien und Gemeinden zerstreiten sich immer mehr. Die Gründe dafür sind vielfältig, aber die meisten Probleme gehen auf eine Ursache zurück: "Eine stetig steigende Zahl von Leuten innerhalb einer Gemeinschaft, denen das eigene Wohlergehen und die eigene Ehre wichtiger ist, als die Ehre Gottes und die Auferbauung der Gemeinde Jesu. Dieses Phänomen ist nicht neu, denn auch Paulus hatte damit zu kämpfen, wenn er schrieb:

  • Phil 2:19-21 - Ich hoffe aber im Herrn Jesus, Timotheus bald zu euch zu senden, damit auch ich guten Mutes sei, wenn ich um euer Ergehen weiß. 20 Denn ich habe keinen ihm Gleichgesinnten, der aufrichtig für das Eure besorgt sein wird; 21 denn alle suchen das Ihre, nicht das, was Jesu Christi ist.

Heute ist die "Profilierungssucht" innerhalb der Gemeinden vielleicht noch etwas stärker. Es kommt noch erschwerend hinzu, dass wir in der westlichen Welt, während der Freizeit so viele Beschäftigungsmöglichkeiten haben, die wir zum Teil gerne wahrnehmen wollen, dass man einfach zuwenig in die geistliche Gemeinschaft investiert. Dadurch werden die geistlichen Beziehungen zu den Geschwistern, innerhalb des Leibes Jesu, vernachlässigt und diese Kontakte kosten immer mehr Kraft, als dass sie uns stärken. Denn eine Gemeinschaft der ungeheuchelten Liebe wäre eigentlich eine Quelle der Freude und der Stärkung.

Welche Bedeutung hatten die Brüder für die Apostel?

  • 1Kor 15:31 - Täglich sterbe ich, so wahr ihr mein Ruhm seid, Brüder, den ich in Christus Jesus, unserem Herrn, habe.
  • 2Kor 1:14 - wie ihr auch uns zum Teil erkannt habt, daß wir euer Ruhm sind, so wie auch ihr der unsrige seid am Tag unseres Herrn Jesus.
  • 1Kor 9:2 - Wenn ich für andere kein Apostel bin, so bin ich es doch für euch; denn das Siegel meines Apostelamtes seid ihr im Herrn.
  • Phil 2:1-4 - Wenn es nun irgendeine Ermunterung in Christus gibt, wenn irgendeinen Trost der Liebe, wenn irgendeine Gemeinschaft des Geistes, wenn irgendein herzliches Mitleid und Erbarmen, 2 so erfüllt meine Freude, daß ihr dieselbe Gesinnung und dieselbe Liebe habt, einmütig, eines Sinnes seid, 3 nichts aus Eigennutz oder eitler Ruhmsucht tut, sondern daß in der Demut einer den anderen höher achtet als sich selbst; 4 ein jeder sehe nicht auf das Seine, sondern ein jeder auch auf das der anderen!

Die Grundlagen für eine biblische Beziehung unter Brüdern

  • Röm 12:10 - In der Bruderliebe seid herzlich zueinander, in Ehrerbietung einer dem anderen vorangehend;
  • 1Tim 1:5 - Das Endziel der Weisung aber ist Liebe aus reinem Herzen und gutem Gewissen und ungeheucheltem Glauben.
  • Phil 2:3 - nichts aus Eigennutz oder eitler Ruhmsucht tut, sondern daß in der Demut einer den anderen höher achtet als sich selbst;
  • Kol 3:16 - Das Wort des Christus wohne reichlich in euch; in aller Weisheit lehrt und ermahnt euch gegenseitig! Mit Psalmen, Lobliedern und geistlichen Liedern singt Gott in euren Herzen in Gnade!
  • Jak 1:19 - Ihr wißt doch, meine geliebten Brüder: Jeder Mensch sei schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn!
  • Phil 4:8 - Übrigens, Brüder, alles, was wahr, alles, was ehrbar, alles, was gerecht, alles, was rein, alles, was liebenswert, alles, was wohllautend ist, wenn es irgendeine Tugend und wenn es irgendein Lob gibt, das erwägt!

Die Auswirkungen der geistlichen Verwandtschaft

Durch die Neuzeugung von oben sind wir Glieder am Leibe des Christus und dadurch entsteht auch eine ganz innige Beziehung zueinander. Weil wir durch Neuzeugung, die Brüder von Jesus sein dürfen, sind und werden wir auch mit der Herrlichkeit Jesu Christi beschenkt. Durch diese geistliche Verwandtschaft und die geschenkte Herrlichkeit entsteht auch eine Einheit, die eine bleibende Freude zur Folge hat.

  • Joh 17:22 - Und die Herrlichkeit, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben, daß sie eins seien, wie wir eins sind.
  • Apg 4:32 - Die Menge derer aber, die gläubig geworden, war ein Herz und eine Seele; und auch nicht einer sagte, daß etwas von seiner Habe sein eigen sei, sondern es war ihnen alles gemeinsam.
  • Phil 1:27 - Wandelt nur würdig des Evangeliums des Christus, damit ich, sei es, daß ich komme und euch sehe oder abwesend bin, von euch höre, daß ihr fest steht in einem Geist und mit einer Seele zusammen für den Glauben des Evangeliums kämpft.

David und Jonatan - eine tiefe geistliche Beziehung

David und Jonatan waren keine leiblichen Brüder, aber sie waren durch eine so tiefe freundschaftliche Liebe verbunden, dass diese Beziehung eine wunderbare Darstellung für eine echte geistliche Bruderschaft ist. Diese beiden Männer konnten nicht so oft beieinander sein, aber sie hatten die gleiche geistliche Gesinnung und das machte ihre Beziehung so einmalig. Wie David war Jonatan ein Mann des Glaubens. Er lebte aus dem Vertrauen auf Gott heraus. Er traute seinem Gott alles zu. Dies wird aus einer wunderbaren Begebenheit deutlich:

  • 1Sam 14:6-10 - Und Jonatan sprach zu dem Waffenträger, der seine Waffen trug: Komm, laß uns hinübergehen zu dem Posten dieser Unbeschnittenen! Vielleicht wird der HERR etwas für uns tun, denn für den HERRN gibt es kein Hindernis, durch viele oder durch wenige zu helfen. 7 Und sein Waffenträger antwortete ihm: Tu alles, was du vorhast! Geh nur hin! Siehe, ich bin mit dir in allem, was du vorhast. 8 Und Jonatan sagte: Siehe, wir wollen zu den Männern hinübergehen und uns ihnen zeigen. 9 Wenn sie dann zu uns sagen: Halt, bis wir zu euch gelangt sind! - so wollen wir stehenbleiben, wo wir sind, und nicht zu ihnen hinaufgehen. 10 Wenn sie aber so sprechen: Kommt zu uns herauf! - so wollen wir hinaufsteigen, denn der HERR hat sie in unsere Hand gegeben. Das soll uns zum Zeichen sein.

Für Jonatan war klar: "Der Herr kann durch viele oder wenige helfen!" Er vertraute nicht auf seine eigene Kraft noch auf die Grösse eines Heeres, sondern ganz allein auf den Herrn. Das Zeichen, auf das Jonatan wartete, ist in jeder Hinsicht sehr interessant. Ein normaler Heerführer hätte sich gesagt: "Wenn die Wachen sagen, bleibt unten, dann ist das ein Zeichen der Schwäche und dann ist das die beste Voraussetzung für einen Sieg! Wenn sie sagen 'Komm hoch', dann fühlen sie sich uns eindeutig überlegen und dann ist die Operation sehr gefährlich!" Jonatan dachte anders! Vielleicht überlegte oder spürte er: "Wenn sich die Philister überlegen fühlen, dann sind wir zwar menschlich gesehen unterlegen, aber dann wird Gott sich umso mehr, als herrlich erweisen und der Hochmut der Philister könnte auch ihren Fall herbeiführen. Wenn sie also sagen 'Komm hoch', dann ist das, das Zeichen, dass Gott sie uns in die Hände gegeben hat!"
Jonatan, war wie David treu! Er war gegenüber seinem Vater Saul und gleichzeitig gegenüber seinem Freund David treu. Als Jonatan bemerkte, dass sein Vater David töten wollte, warnte er seinen Freund (1Sam 19:2). Gleichzeitig unterordnete sich Jonatan den Anweisungen seines Vaters so sehr, dass er sogar bereit war, ohne Widerrede zu sterben (1Sam 14:43). Nachdem David Goliat besiegte, sind sich David und Jonatan vmtl. das erste Mal begegnet und sogleich entstand eine ganz tiefe Beziehung.

  • 1Sam 18:1-4 - Und es geschah, als er aufgehört hatte, mit Saul zu reden, verband sich die Seele Jonatans mit der Seele Davids; und Jonatan gewann ihn lieb wie seine eigene Seele. 2 Und Saul nahm ihn an jenem Tag zu sich und ließ ihn nicht wieder in das Haus seines Vaters zurückkehren. 3 Und Jonatan und David schlossen einen Bund, weil er ihn liebhatte wie seine eigene Seele. 4 Und Jonatan zog das Oberkleid aus, das er anhatte, und gab es David, und seinen Waffenrock und sogar sein Schwert, seinen Bogen und seinen Gürtel.

Hier wird die tiefe freundschaftliche Beziehung zwischen David und Jonatan sichtbar. Jonatan liebte David, wie seine eigene Seele. Hier stellt sich die Frage: "Warum fühlten sich diese Männer gleich auf Anhieb so verbunden? Heute würde man wahrscheinlich sagen, 'die Chemie hat gestimmt' oder 'sie spürten sofort eine Seelenverwandtschaft'! Aber was waren die Gründe für eine solche Seelenverwandtschaft?"
Ich denke, die Beantwortung dieser Frage, könnte für uns sehr aufschlussreich sein! Ich vermute, dass diese Männer die gleiche Geisteshaltung hatten. Sie waren Männer des Glaubens, Männer, die sich in der Gottesfurcht übten. Beide waren demütig, aufrichtig und auf das Wohl des anderen bedacht. Ihre gemeinsame Herzenshaltung hat sie tief verbunden. Diese beiden Männer lassen uns erkennen, welche Wesenseigenschaften einer tiefen Liebesbeziehung dienlich sind.
Sowohl David als auch Jonatan ging es nicht um die eigene Macht, sondern darum, dass sie ihr Leben nach dem Willen Gottes führen können. David war bereit, sich als treuer Diener Sauls, dem König unterzuordnen. David wollte dem König mit reinem Herzen dienen, konnte es aber bald nicht mehr, weil Saul David umbringen wollte. Jonatan sagte als Königssohn zu David etwas ganz Erstaunliches

  • 1Sam 23:16-17 - Da machte sich Jonatan, der Sohn Sauls, auf und ging zu David nach Horescha und stärkte seine Hand in Gott. 17 Und er sagte zu ihm: Fürchte dich nicht! Denn die Hand meines Vaters Saul wird dich nicht finden. Du wirst König über Israel werden, und ich werde der Zweite nach dir sein. Und auch mein Vater Saul hat erkannt, daß es so ist.

Als Königssohn war Jonatan bereit, unter David an zweiter Stelle zu stehen. Ihm machte das ganz offensichtlich nichts aus. Wahrscheinlich wusste Jonatan um die göttliche Berufung Davids und deshalb stand es für ihn ausser Frage, die Nachfolge seines Vaters anzutreten. Saul dachte hier ganz anders:

  • 1Sam 20:30-31 - Da entbrannte der Zorn Sauls über Jonatan, und er sagte zu ihm: Du Sohn einer entarteten Mutter! Ich habe wohl erkannt, daß du den Sohn Isais erkoren hast, dir und deiner Mutter, die dich geboren hat, zur Schande. 31 Denn all die Tage, die der Sohn Isais auf Erden lebt, wirst weder du noch deine Königsherrschaft Bestand haben. Und nun schicke hin und laß ihn zu mir bringen, denn er ist ein Kind des Todes!

Saul wollte, dass Jonatan seinen Thron übernehmen sollte und nicht der Sohn Isais. Saul sah nur noch eine Möglichkeit: David musste sterben, ansonsten geht das Königtum Sauls verloren.
Jonatan hatte also die Haltung: "Lieber an zweiter Stelle stehen und unter dem Wohlgefallen des Herrn zu sein, als an erster Stelle zu regieren und unter dem Missfallen Gottes zu leben!" Wenn die Gläubigen diese Haltung einnehmen würden, dann gäbe es in den Gemeinden keine Machtkämpfe mehr, dann würde die Eifersucht wohl kaum mehr eine Rolle spielen. Es ist so wichtig, dass wir uns in die von Gott gegebene Stellung einfügen und ein volles Ja dazu haben, damit die geschwisterlichen Beziehungen auch immer mehr von der Liebe geprägt werden.
David und Jonatan hatten in ihrem Leben die gleiche Grundlage, die gleiche Gesinnung und das gleiche Ziel und das führte zu tiefster Gemeinschaft und Einheit! Diese Aspekte dürften auch der Schlüssel für eine brüderliche Liebesbeziehung sein. Deshalb darf ich diese drei Punkte auch noch etwas näher beleuchten:

  1. Der Glaube, d. h. das feste Überzeugtsein, dass Jesus Christus das vollkommene Erlösungswerk für eine gesamte Schöpfung vollbracht hat, stellt die Grundlage dar. Gleichgesinnte Brüder bauen nicht auf ihre eigene fromme Leistung, sondern nur auf die Erlösungstat Jesu Christi. Das ist ihre Grundlage, ihr Fundament!
  2. Die gleiche Gesinnung von Brüdern in Christus beinhaltet folgende Aspekte:
    - Gott, der Vater und Jesus Christus sollen in allen Dingen verherrlicht und gross gemacht werden.
    - Die Geschwister und somit die Gemeinde soll auferbaut und im Glauben gestärkt werden.
    - Jeder achtet den anderen höher als sich selbst.
    - Eine ungeheuchelte Bruderliebe ist in allen geschwisterlichen Beziehungen, das ganz grosse Anliegen.
  3. Das Ziel lautet:
    - Den Glauben bis ans Ende zu bewahren.
    - In Christus vollendet zu werden und dadurch seinem Bilde gleichgestaltet werden.

Je mehr diese Aspekte in einer Gemeinde beachtet werden, desto mehr entstehen brüderliche Liebesbeziehungen, die ganz im Sinne Gottes sind. David und Jonatan hatten eine solche Beziehung. Als sie dann ganz abrupt durch den Tod Jonatans abgebrochen wurde, sagte David die ergreifenden Worte:

  • 2Sam 1:26 - Mir ist weh um dich, mein Bruder Jonatan! Über alles lieb warst du mir. Wunderbar war mir deine Liebe, mehr als Frauenliebe.

Die Beziehung zur Familie

Die Familie ist praktisch bei allen ein ganz "heisses Thema". Es gibt wohl kaum eine Familie, wo es gelegentlich nicht ganz grosse Spannungen gibt und dort wo keine ersichtlich sind, liegen sie meist tief in den Seelen der Einzelnen verborgen. Jede Familie ist von Gott gesetzt und jedes innerfamiliäre Problem ist ein Lernpunkt, und zwar für alle Betroffenen. Auch wenn ein familiäres Problem nicht auf unser Verschulden zurückzuführen ist, so löst es doch auch in uns einen Lernprozess aus, der nicht unwichtig ist.
Ich unterscheide zwei familiäre Bereiche:

  1. Der engere Familienkreis (Verwandte im gleichen Wohnbereich)
  2. Der weitere Familienkreis (Verwandte ausserhalb des gleichen Wohnbereiches)

Diese Unterscheidung ist vor allem deshalb wichtig, weil es etliche Bibelstellen gibt, wo vom "eigenen Haus" die Rede ist, wie z. B.:

  • 1Tim 3:2-5 - Der Aufseher nun muß untadelig sein, Mann einer Frau, nüchtern, besonnen, sittsam, gastfrei, lehrfähig, 3 kein Trinker, kein Schläger, sondern milde, nicht streitsüchtig, nicht geldliebend, 4 der dem eigenen Haus gut vorsteht und die Kinder mit aller Ehrbarkeit in Unterordnung hält 5 - wenn aber jemand dem eigenen Haus nicht vorzustehen weiß, wie wird er für die Gemeinde Gottes sorgen? -

Wir sehen also, dass das gute Vorstehen im eigenen Haus eine Voraussetzung ist, um auch in der Gemeinde vorstehen zu können. Ein verantwortungsvolles Verhalten im engeren Familienkreis ist also wichtig und das kann nur da geschehen, wo die Betroffenen auch die Beziehungen zu den Hausgenossen pflegen und entsprechend Liebe üben. Seien das die Eltern, der Ehepartner, die Kinder oder auch die Pflegekinder. Das Familienoberhaupt eines engeren Familienkreises (Verwandte im gleichen Wohnbereich), muss also diesbezüglich ein gutes Zeugnis haben, bevor er der Gemeinde vorstehen kann.
Wir sollten uns zwar auch um die Verwandten ausserhalb unseres Wohnbereiches kümmern, insbesondere wenn da eine Not vorhanden ist und wir können auch da mal ein mahnendes Wort aussprechen, aber grundsätzlich stehen diese Verwandten nicht in unserem "Verantwortungsbereich". Das gilt meines Erachtens auch für Kinder, die ausgezogen sind. Gott erwartet also ganz eindeutig von uns, dass wir uns verantwortungsvoll und mit grosser Fürsorge um unser "Haus" kümmern.
Wir müssen aber auch wissen, dass die irdische Verwandtschaft nicht mit der himmlischen Verwandtschaft identisch ist und dass die irdische Verwandtschaft ein Übungsfeld ist, das zeitweise sehr schmerzvoll ist. Es kommt da oft und immer wieder zu sehr leidvollen Trennungen! Gerade in der Endzeit werden diese Scheidungen zunehmen. Jesus bestätigt uns das, wenn er sagt:

  • Mk 13:12 - Und es wird der Bruder den Bruder zum Tod überliefern und der Vater das Kind; und Kinder werden sich gegen Eltern erheben und sie zu Tode bringen.

Auch die nächste Stelle macht uns deutlich, dass es innerhalb der irdischen Verwandtschaft zu Trennungen kommt. Viele an Christus Gläubige machen die Erfahrung, dass gerade ihr Glaube Grund dafür ist, dass Verwandte sich von ihnen abwenden.

  • Mt 10:34-38 - Meint nicht, daß ich gekommen sei, Frieden auf die Erde zu bringen; ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert. 35 Denn ich bin gekommen, den Menschen zu entzweien mit seinem Vater und die Tochter mit ihrer Mutter und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter; 36 und des Menschen Feinde werden seine eigenen Hausgenossen sein. 37 Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig; und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig; 38 und wer nicht sein Kreuz aufnimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht würdig.

Die Familienverhältnisse im Alten Testament

Auch aus den Geschichten des Alten Testamentes wird deutlich, wie gross das Spannungsfeld in den Familien war.

Bei Adam

Bereits in der zweiten Generation der Menschheit kommt es zu einem Brudermord.

  • 1Mo 4:2-8 - Und sie gebar noch einmal, und zwar seinen Bruder, den Abel. Und Abel wurde ein Schafhirt, Kain aber wurde ein Ackerbauer. 3 Und es geschah nach einiger Zeit, da brachte Kain von den Früchten des Ackerbodens dem HERRN eine Opfergabe. 4 Und Abel, auch er brachte von den Erstlingen seiner Herde und von ihrem Fett. Und der HERR blickte auf Abel und auf seine Opfergabe; 5 aber auf Kain und auf seine Opfergabe blickte er nicht. Da wurde Kain sehr zornig, und sein Gesicht senkte sich. 6 Und der HERR sprach zu Kain: Warum bist du zornig, und warum hat sich dein Gesicht gesenkt? 7 Ist es nicht so, wenn du recht tust, erhebt es sich ? Wenn du aber nicht recht tust, lagert die Sünde vor der Tür. Und nach dir wird ihr Verlangen sein, du aber sollst über sie herrschen. 8 Und Kain sprach zu seinem Bruder Abel. Und es geschah, als sie auf dem Feld waren, da erhob sich Kain gegen seinen Bruder Abel und erschlug ihn.

Das erste Menschenpaar, das eine längere Zeit in völliger Harmonie mit Gott zusammenlebte, musste miterleben, wie ein Sohn, einen anderen Sohn ermordet! Was für eine Tragödie und was für ein unsagbarer Schmerz. Die Schmerzen, welche Adam und Eva erlitten, können wir nur dann etwas nachvollziehen, wenn wir uns einmal vorstellen würden, wie es wäre, wenn eines unserer Kinder, einen Bruder oder eine Schwester umbringen würde. Stellen wir uns das nur für eine kurze Zeit vor und wir können erahnen, wie die Herzen von Adam und Eva zerrissen wurden. Es war eine weitere Station auf ihrem Sterbensweg.
Vermutlich wurde ihnen schmerzhaft bewusst, dass auch dieses Geschehen eine Folge ihres Ungehorsams war. Welche Trauer musste dieses Ereignis ausgelöst haben? Zwei Söhne gingen durch dieses Geschehen verloren. Der eine musste beerdigt werden und war dadurch unwiederbringlich von seinen Eltern getrennt und der andere war flüchtig! Wir können nicht sagen, wie oft es noch zu einer Begegnung zwischen Kain und seinen Eltern kam, aber wenn es Begegnungen gab, dann waren die mit Sicherheit von einer ungeheuren Spannung geprägt. Man stelle sich vor, wie das sein muss, wenn man dem Sohn in die Augen schauen muss, der den anderen geliebten Sohn ermordete. Das zerreisst einem das Herz! Man kann die Gefühle der Eltern wohl kaum mit Worten beschreiben.
David beschrieb seine Not, als er seinen Sohn Absalom verlor:

  • 2Sam 19:1 - Da schrak der König zusammen, und er stieg hinauf ins Obergemach des Torgebäudes und weinte. Und so rief er im Gehen: Mein Sohn Absalom! Mein Sohn, mein Sohn Absalom! Wäre ich doch an deiner Stelle gestorben! Absalom, mein Sohn, mein Sohn!

Obwohl Absalom seinem Vater viel Herzeleid zugefügte und obwohl Absalom seinen Vater umbringen wollte und ihm das Königtum entreissen wollte; David litt unheimliche Schmerzen, als er von seinem Tod erfuhr. Er wünschte sich, anstelle seines Sohnes gestorben zu sein.
Viele familiäre Beziehungen verursachen irgendwann einmal einen grossen Trennungsschmerz und jede Trennung leitet einen Loslösungsprozess ein. Jeder Loslösungsprozess befreit unsere Seele auch ein stückweit von einer Bindung, die uns daran hindert, ganz frei zu werden. Die totale Freiheit gibt es nur da, wo wir uns von allem gelöst haben und gleichzeitig nur von Gott abhängig sind. Deshalb ist der Sterbeweg so kostbar, weil er uns in die totale Freiheit hineinführt, obwohl sich der Leib oft eingeengt fühlt. Der Aktionsradius von alten Geschwistern wird immer kleiner, bis man am Schluss nur noch im Bett liegen kann und gleichzeitig darf die Seele immer freier werden.
Wenn die familiären Beziehungen harmonisch und intakt sind, dann sind auf der einen Seite ein ganz grosser Segen, aber auf der anderen Seite, sind sie auch der Boden, für ganz schmerzliche Loslösungsprozesse. Familiären Beziehungen können sehr schön und wertvoll sein, aber in den allermeisten Fällen, kommt auch eine Zeit, wo es sehr schwer und schmerzvoll wird.
Doch die Loslösungsprozesse sind nicht nur die Grundlage für die Freiheit, sondern sie sind auch die Saat für eine wunderbare Vereinigung in der Herrlichkeit. In der Herrlichkeit schenkt uns der himmlische Vater eine Vereinigung, die alle unsere Vorstellungen bei weitem übertrifft und die eine unsagbare Freude auslösen wird! Was muss das für Eva bedeuten, wenn sie ihre Söhne wieder in den Arm schliessen kann?

Bei Noah

Mit seiner Frau, drei Söhnen und drei Schwiegertöchtern bestieg Noah die Arche und dadurch wurde seine Familie vor der Flut gerettet. Es ist anzunehmen, dass die Söhne und vielleicht auch deren Frauen tatkräftig an der Arche mitgebaut haben. Aber kaum war die Flut vorbei, begann die nächste Familientragödie:

  • 1Mo 9:20-27 - Und Noah, ein Landmann, begann auch, Weinberge zu pflanzen. 21 Und er trank von dem Wein und wurde betrunken und lag entblößt im Innern seines Zeltes. 22 Und Ham, der Vater Kanaans, sah die Blöße seines Vaters und berichtete es seinen beiden Brüdern draußen. 23 Da nahmen Sem und Jafet das Obergewand und legten es beide auf ihre Schultern und gingen damit rückwärts und bedeckten so die Blöße ihres Vaters; ihre Gesichter aber hielten sie so rückwärts gewandt, daß sie die Blöße ihres Vaters nicht sahen. 24 Und Noah erwachte von seinem Wein-Rausch und erkannte, was sein jüngster Sohn ihm angetan hatte. 25 Und er sprach: Verflucht sei Kanaan! Ein Knecht der Knechte sei er seinen Brüdern! 26 Und er sprach: Gepriesen sei der HERR, der Gott Sems; und Kanaan sei sein Knecht! 27 Weiten Raum schaffe Gott dem Jafet, und er wohne in den Zelten Sems; und Kanaan sei sein Knecht!

Noah macht eine erste Erfahrung mit Alkohol. Er trank vielleicht soviel, wie er sonst Wasser trank und vielleicht entblösste er sich um sich zu erleichtern, aber er war so betrunken, dass er sich nicht mehr anziehen konnte. Ham entdeckt seinen Vater und denkt vielleicht: "Wie beschämend und lächerlich, dass mein Vater so daliegt! Wie soll ich da meinen Vater noch achten? So etwas ist einfach nur verabscheuungswürdig! Ständig hat er die Gerechtigkeit gepredigt (2Petr 2:5) und jetzt so etwas! Das müssen meine Brüder sehen."
Sem und Jafet hatten vor ihrem Vater so viel Achtung, dass sie die Blösse ihres Vaters sofort zudeckten, ohne seine Blösse anzuschauen. Sie ehrten ihren Vater weiterhin, trotz dieses Missgeschickes, das auch nur durch Unerfahrenheit zustande kam. Vor diesem Ereignis, kannte noch niemand die Auswirkungen des Alkohols.
Das äussere Erscheinungsbild, gab Anlass zur Verachtung! Es ist naheliegend, dass Ham ein Mann war, der dem äusseren Erscheinungsbild mehr Gewicht gab, als dem, was er an geistlichen Werten von seinem Vater vermittelt bekam. Vielleicht dachte er: "Mein Vater kann nicht achtungswürdig sein, wenn ihm solch peinliche Missgeschicke passieren!"
Wer dem Sichtbaren mehr Gewicht verleiht, als den inneren Werten, wird fallen! Irgendwann sollte der Mensch erkennen, dass es nicht um das Äussere, um das Materielle geht, ansonsten geschieht das was Paulus erklärt:

  • Gal 6:8-9 - Denn wer auf sein Fleisch sät, wird vom Fleisch Verderben ernten; wer aber auf den Geist sät, wird vom Geist ewiges Leben ernten. 9 Laßt uns aber im Gutestun nicht müde werden! Denn zur bestimmten Zeit werden wir ernten, wenn wir nicht ermatten.

Sem und Japhet übten sich in der Wertschätzung gegenüber ihrem Vater und sie liessen sich nicht von einem "Fehltritt" ihres Vaters, zur Verachtung hinreissen.

Bei Abraham

  • 1Mo 16:1-12 - Und Sarai, Abrams Frau, gebar ihm keine Kinder. Sie hatte aber eine ägyptische Magd, deren Name war Hagar. 2 Und Sarai sagte zu Abram: Siehe doch, der HERR hat mich verschlossen, daß ich nicht gebäre. Geh doch zu meiner Magd ein! Vielleicht werde ich aus ihr erbaut werden. Und Abram hörte auf Sarais Stimme. 3 Da nahm Sarai, Abrams Frau, ihre Magd, die Ägypterin Hagar, nachdem Abram zehn Jahre im Land Kanaan gewohnt hatte, und gab sie Abram, ihrem Mann, ihm zur Frau. 4 Und er ging zu Hagar ein, und sie wurde schwanger. Als sie aber sah, daß sie schwanger war, da wurde ihre Herrin gering in ihren Augen. 5 Und Sarai sagte zu Abram: Das Unrecht an mir liegt auf dir! Ich selbst habe meine Magd in deinen Schoß gegeben; und nun, da sie sieht, daß sie schwanger ist, bin ich gering in ihren Augen. Der HERR richte zwischen mir und dir! 6 Und Abram sagte zu Sarai: Siehe, deine Magd ist in deiner Hand. Mache mit ihr, was gut ist in deinen Augen! Als Sarai sie aber demütigte, da floh sie vor ihr. 7 Und der Engel des HERRN fand sie an einer Wasserquelle in der Wüste, an der Quelle auf dem Weg nach Schur. 8 Und er sprach: Hagar, Magd Sarais, woher kommst du, und wohin gehst du ? Und sie sagte: Vor Sarai, meiner Herrin, bin ich auf der Flucht. 9 Da sprach der Engel des HERRN zu ihr: Kehre zu deiner Herrin zurück, und demütige dich unter ihre Hände! 10 Und der Engel des HERRN sprach zu ihr: Ich will deine Nachkommen so sehr mehren, daß man sie nicht zählen kann vor Menge. 11 Und der Engel des HERRN sprach weiter zu ihr: Siehe, du bist schwanger und wirst einen Sohn gebären; dem sollst du den Namen Ismael geben, denn der HERR hat auf dein Elend gehört. 12 Und er, er wird ein Mensch wie ein Wildesel sein; seine Hand gegen alle und die Hand aller gegen ihn, und allen seinen Brüdern setzt er sich vors Gesicht.
  • 1Mo 21:5-14 - Abraham aber war hundert Jahre alt, als ihm sein Sohn Isaak geboren wurde. 6 Und Sara sagte: Gott hat mir ein Lachen bereitet; jeder, der es hört, wird mir zulachen. 7 Und sie sagte: Wer hätte je dem Abraham verkündet: Sara stillt einen Sohn! Denn ich habe ihm in seinem Alter einen Sohn geboren. 8 Und das Kind wuchs und wurde entwöhnt; und an dem Tag, als Isaak entwöhnt wurde, bereitete Abraham ein großes Mahl. 9 Und Sara sah den Sohn der Ägypterin Hagar, den diese dem Abraham geboren hatte, scherzen. 10 Da sagte sie zu Abraham: Vertreibe diese Magd und ihren Sohn, denn der Sohn dieser Magd soll nicht mit meinem Sohn Erbe werden, mit Isaak! 11 Und dieses Wort war sehr übel in Abrahams Augen um seines Sohnes willen. 12 Aber Gott sprach zu Abraham: Laß es nicht übel sein in deinen Augen wegen des Jungen und wegen deiner Magd; in allem, was Sara zu dir sagt, höre auf ihre Stimme! Denn nach Isaak soll dir die Nachkommenschaft genannt werden. 13 Doch auch den Sohn der Magd werde ich zu einer Nation machen, weil er dein Nachkomme ist. 14 Und Abraham machte sich früh am Morgen auf, und er nahm Brot und einen Schlauch Wasser und gab es der Hagar, legte es auf ihre Schulter und gab ihr das Kind und schickte sie fort. Da ging sie hin und irrte in der Wüste von Beerscheba umher.

Bei Isaak

  • 1Mo 25:20-23 - Und Isaak war vierzig Jahre alt, als er sich Rebekka zur Frau nahm, die Tochter des Aramäers Betuel aus Paddan-Aram, die Schwester des Aramäers Laban. 21 Und Isaak bat den HERRN für seine Frau, denn sie war unfruchtbar; da ließ der HERR sich von ihm erbitten, und Rebekka, seine Frau, wurde schwanger. 22 Und die Kinder stießen sich in ihrem Leib. Da sagte sie: Wenn es so steht, warum trifft mich dies? Und sie ging hin, den HERRN zu befragen. 23 Der HERR aber sprach zu ihr: Zwei Nationen sind in deinem Leib, und zwei Volksstämme scheiden sich aus deinem Innern; und ein Volksstamm wird stärker sein als der andere, und der Ältere wird dem Jüngeren dienen.
  • 1Mo 25:27-34 - Und die Jungen wuchsen heran. Esau wurde ein jagdkundiger Mann, ein Mann des freien Feldes; Jakob aber war ein gesitteter Mann, der bei den Zelten blieb. 28 Und Isaak hatte Esau lieb, denn Wildbret war nach seinem Mund; Rebekka aber hatte Jakob lieb. 29 Einst kochte Jakob ein Gericht. Da kam Esau vom Feld, und er war erschöpft. 30 Und Esau sagte zu Jakob: Laß mich doch schnell essen von dem Roten, dem Roten da, denn ich bin erschöpft! Darum gab man ihm den Namen Edom. 31 Da sagte Jakob: Verkaufe mir heute dein Erstgeburtsrecht! 32 Esau sagte: Siehe, ich gehe ja doch dem Sterben entgegen. Was soll mir da das Erstgeburtsrecht? 33 Jakob aber sagte: Schwöre mir heute! Da schwor er ihm und verkaufte sein Erstgeburtsrecht an Jakob. 34 Und Jakob gab Esau Brot und ein Gericht Linsen; und er aß und trank und stand auf und ging davon. So verachtete Esau das Erstgeburtsrecht.
  • 1Mo 27:7 - Bring mir ein Wildbret und bereite mir einen Leckerbissen, daß ich esse und daß ich dich vor dem HERRN segne, bevor ich sterbe!

Anschliessend wird Isaak von Rebekka und Jakob betrogen.

  • 1Mo 27:31-43 - Und auch er bereitete einen Leckerbissen, brachte ihn zu seinem Vater und sagte zu seinem Vater: Mein Vater richte sich auf und esse von dem Wildbret seines Sohnes, damit deine Seele mich segne! 32 Da sagte sein Vater Isaak zu ihm: Wer bist du? Er sagte: Ich bin dein erstgeborener Sohn Esau. 33 Da erschrak Isaak mit großem Schrecken über alle Maßen und sagte: Wer war denn der, der ein Wildbret erjagt und mir gebracht hat, daß ich von allem gegessen habe, bevor du kamst, und ich ihn gesegnet habe? Er wird auch gesegnet bleiben. 34 Als Esau die Worte seines Vaters hörte, da schrie er mit lautem und erbittertem Geschrei über alle Maßen und sagte zu seinem Vater: Segne mich, auch mich, mein Vater! 35 Er aber sagte: Dein Bruder ist mit Betrug gekommen und hat deinen Segen weggenommen. 36 Da sagte er: Heißt er darum Jakob, weil er mich nun schon zweimal betrogen hat? Mein Erstgeburtsrecht hat er genommen, und siehe, jetzt hat er auch meinen Segen genommen! Und er sagte: Hast du mir keinen Segen aufbehalten? 37 Da antwortete Isaak und sagte zu Esau: Siehe, ich habe ihn zum Herrn über dich gesetzt und alle seine Brüder ihm zu Knechten gegeben, und mit Korn und Most habe ich ihn versehen, und nun, was kann ich da noch für dich tun, mein Sohn? 38 Da sagte Esau zu seinem Vater: Hast du nur diesen einen Segen, mein Vater? Segne mich, auch mich, mein Vater! Und Esau erhob seine Stimme und weinte. 39 Da antwortete sein Vater Isaak und sagte zu ihm: Siehe, fern vom Fett der Erde wird dein Wohnsitz sein und fern vom Tau des Himmels oben. 40 Von deinem Schwert wirst du leben, und deinem Bruder wirst du dienen. Doch wird es geschehen, wenn du dich losmachst, wirst du sein Joch von deinem Hals wegreißen. 41 Und Esau war dem Jakob feind wegen des Segens, mit dem sein Vater ihn gesegnet hatte; und Esau sagte in seinem Herzen: Es nahen die Tage der Trauer um meinen Vater, dann werde ich meinen Bruder Jakob erschlagen. 42 Als nun der Rebekka die Worte ihres älteren Sohnes Esau berichtet wurden, da sandte sie hin, rief ihren jüngeren Sohn Jakob und sagte zu ihm: Siehe, dein Bruder Esau will an dir Rache nehmen und dich erschlagen. 43 Und nun, mein Sohn, höre auf meine Stimme, und mache dich auf, flieh zu meinem Bruder Laban, nach Haran;

Bei Jakob

  • 1Mo 29:15-26 - Und Laban sagte zu Jakob: Solltest du, weil du mein Neffe bist, mir umsonst dienen? Sag mir, was soll dein Lohn sein? 16 Laban aber hatte zwei Töchter; der Name der älteren war Lea und der Name der jüngeren Rahel. 17 Leas Augen waren matt; Rahel aber war schön von Gestalt und schön von Aussehen. 18 Und Jakob liebte Rahel; so sagte er: Ich will dir sieben Jahre für deine jüngere Tochter Rahel dienen. 19 Da sagte Laban: Besser, ich gebe sie dir, als daß ich sie einem andern Mann gebe. Bleibe bei mir! 20 So diente Jakob für Rahel sieben Jahre; und sie waren in seinen Augen wie einige wenige Tage, weil er sie liebte. 21 Und Jakob sagte zu Laban: Gib mir nun meine Frau! Denn meine Tage sind erfüllt, daß ich zu ihr eingehe. 22 Da versammelte Laban alle Männer des Ortes und veranstaltete ein Mahl. 23 Und es geschah am Abend, da nahm er seine Tochter Lea und brachte sie zu ihm; und er ging zu ihr ein. 24 Und Laban gab ihr, seiner Tochter Lea, seine Magd Silpa als Magd. 25 Und es geschah am Morgen, siehe, da war es Lea. Da sagte er zu Laban: Was hast du mir da angetan? Habe ich nicht für Rahel bei dir gedient? Warum hast du mich betrogen? 26 Laban aber sagte: Das tut man an unserm Ort nicht, die Jüngere vor der Erstgeborenen zu geben.
  • 1Mo 29:30-31 - Da ging er auch zu Rahel ein. Und er liebte auch Rahel, mehr als Lea. Und er diente bei ihm noch weitere sieben Jahre. 31 Und als der HERR sah, daß Lea zurückgesetzt war, da öffnete er ihren Mutterleib; Rahel aber war unfruchtbar.
  • 1Mo 30:1-5 - 1Mo 30:1 Und als Rahel sah, daß sie dem Jakob nicht gebar, da war Rahel auf ihre Schwester eifersüchtig und sagte zu Jakob: Gib mir Kinder! Und wenn nicht, dann sterbe ich. 2 Da entbrannte Jakobs Zorn gegen Rahel, und er sagte: Bin ich an Gottes Stelle, der dir Leibesfrucht vorenthalten hat? 3 Sie sagte: Siehe, da ist meine Magd Bilha. Geh zu ihr ein, daß sie auf meinen Knien gebäre und auch ich aus ihr erbaut werde! 4 Und sie gab ihm ihre Magd Bilha zur Frau; und Jakob ging zu ihr ein. 5 Da wurde Bilha schwanger und gebar Jakob einen Sohn.
  • 1Mo 30:22-24 - Und Gott dachte an Rahel, und Gott hörte auf sie und öffnete ihren Mutterleib. 23 Und sie wurde schwanger und gebar einen Sohn. Da sagte sie: Gott hat meine Schmach weggenommen. 24 Und sie gab ihm den Namen Joseph und sagte: Der HERR füge mir einen anderen Sohn hinzu!

Bei Mose

Bei David

Die Beziehung zum Mitmensch

Die Beziehung zu Geisteswesen

Die Beziehung zur Schöpfung