Das Seine und das der Anderen

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Von Daniel Muhl

IN BEARBEITUNG !

Bibeltext:

  • Phil 2:4 - ein jeder sehe nicht auf das Seine, sondern ein jeder auch auf das der anderen!

Das, was Paulus hier sagt ist einfach die logische Folge der gelebten Liebe. Eigentlich sollte es für einen Christen das Selbstverständliche sein, aber in der praktischen Umsetzung klappt es so oft nicht. Das war auch bei den Urchristen in Rom schon so; denn Paulus schreibt im gleichen Brief von Rom aus:

  • Phil 2:19-21 - Ich hoffe aber im Herrn Jesus, Timotheus bald zu euch zu senden, damit auch ich guten Mutes sei, wenn ich um euer Ergehen weiß. 20 Denn ich habe keinen [ihm] Gleichgesinnten, der aufrichtig für das Eure besorgt sein wird; 21 denn alle suchen das Ihre, nicht das, was Jesu Christi ist. 

Ist es nicht erschütternd, wenn Paulus feststellen musste, dass außer Timotheus alle das Eigene suchten? Die Selbstverwirklichung sitzt so tief in unseren Hinterköpfen, dass sie trotz einer Bekehrung zu Gott noch voll präsent ist. Bei der Umkehr zu Gott hat ein Mensch ganz bewusst die Entscheidung gefällt, von nun an Gott zu gehören. Dabei durfte praktisch auch jedem Gläubigen klar geworden sein, dass Jesus Christus dann der Herr über sein Leben geworden ist. Trotz diesem neuen Bewusstsein verhalten wir uns sehr oft noch nach den alten Denkmustern. Unsere alltäglichen Verhaltensweisen sind noch vorwiegend vom „Bauch“ gesteuert. Vieles machen wir reflexartig und aus dem Unterbewusstsein heraus.
Damit diese „Automatismen“ durchbrochen werden können, bedarf es der ständigen Erinnerung:

Ich gehöre nicht mehr mir selbst,
ich möchte auf Gott hören,
ich möchte zu Seiner Verherrlichung leben und ...
... ich möchte mich von der Liebe Gottes füllen und bestimmen lassen.“

Die Motive und das Denken müssen grundlegend verändert werden. Zu dieser grundlegenden Erneuerung ruft Paulus auch in Röm 12 auf:

  • Röm 12:2b - werdet verwandelt durch die Erneuerung des Sinnes, dass ihr prüfen mögt, was der Wille Gottes ist: das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene.

Es geht um eine totale Erneuerung des Denkens oder der Gesinnung. Es braucht die innere Umgestaltung, damit die Seele in den alles entscheidenden Heiligungsprozess hineinkommt. Sobald wir uns danach ausrichten und es erstreben, erleben wir einen inneren Kampf, der alles andere als leicht ist. Dieser innere und meist unsichtbare Kampf ist aber entscheidend. Vermutlich ist es der längste Kampf unseres Lebens und er hängt ganz stark mit einem ständigen Prüfen und Unterscheiden zusammen.
Jede Lebenssituation ist wieder ganz neu. Manche Situationen sehen zwar manchmal täuschend ähnlich aus, aber die Vorzeichen und der Hintergrund sind immer wieder anders. Wenn wir das Wohl des anderen suchen, dann brauchen wir auch immer wieder die Weisheit Gottes, die uns die richtige Einschätzung sowie Gewichtung vermittelt, sodass wir dem anderen auch in richtiger Weise dienen können. Darum bedarf es immer wieder einer Prüfung, was nun der Wille Gottes ist. Wenn wir den Willen Gottes suchen, dann sollten wir auch erkennen, was das Gute, Wohlgefällige und Vollkommene - bzw. das Vollständige, zum Ziel Führende – ist. Zuerst ist hier eine Steigerung erkennbar. Nicht alles, was gut ist, muss auch wohlgefällig und vollkommen sein.
Als Paulus z. B. davon sprach, einen Mann dem Satan zu übergeben, dann war das etwas Gutes, an dem er aber mit Sicherheit kein Wohlgefallen hatte. Es war deshalb gut, weil er diese Maßnahme als letzte Möglichkeit sah, den Geist eines gefallenen und uneinsichtigen Bruders zu retten. Im konkreten Fall ging es um einen Mann, der mit der Frau seines Vaters ins Bett ging (1Kor 5:1-5). Es ist anzunehmen, dass dieser sündige Bruder umgekehrt ist (2Kor 2) und an einer echten Umkehr hatte Paulus großes Wohlgefallen. Wenn nun dieser Bruder anschließend gelernt hat, aus der Liebe zu leben, dann entsprach das der vollkommenen Gesinnung.
Diese Dreiteilung kann man auch bei Golgatha entdecken:

  1. Dass die Menschen den einzig Sündlosen zum Tode verurteilten war nicht gut, sondern böse, ja sogar ein Gräuel! Für Gott war der Hass, der dies wollte, ein schrecklicher Gräuel. Trotzdem fand Gott es gut, dass dies geschehe, damit der Kosmos von der Sünde befreit werden konnte (Joh 1:29)! Es war in den Augen Gottes auch besser, dass ein Mensch für das Volk sterbe, als dass die ganze Nation umkommen würde (Joh 11:50-52). Kaiphas sagte dies aus Hass auf Jesus und Gott dachte dies aus Liebe zu Seiner Schöpfung! Hier sehen wir ein und dieselbe Aussage und zwei völlig unterschiedliche Motive. Das Gute verschlingt an dieser Stelle das Böse!
  2. Als die Soldaten den einzig Gerechten mit Verachtung misshandelten, missfiel das dem himmlischen Vater zutiefst. Aber der Vater hatte Wohlgefallen an der Tatsache, dass Sein Sohn diese Schmähungen aus Gehorsam Ihm gegenüber ertrug! Hier hat der Gehorsam die Verachtung verschlungen!
  3. Als die Menschen den Sohn Gottes kreuzigten, geschah die allergrößte Sünde in der gesamten Heilsgeschichte und an dieser Sünde waren „alle Menschen“ beteiligt, auch wenn wir das vielleicht nicht wahrhaben wollen! Diese größte Sünde war in etwa genau das Gegenteil eines vollkommenen Handelns. Aber genau an diesem Punkt hat Gott die vollkommenste Tat vollbracht, die es je gab, weil hier die allergrößte Liebe sichtbar wurde! Denn niemand hat größere Liebe, als wenn er sein Leben für seine Freunde lässt (Joh 15:13). An dieser Stelle wurde der Tod in den Sieg verschlungen. Der Tod ist die größte widergöttliche Macht im Universum!

Tiefster Hass traf hier mit der größten Liebe zusammen. Maximale Bosheit traf auf Golgatha mit der größten Güte zusammen. Tiefste Finsternis wurde dem größten Licht ausgesetzt und das Finsternis vermochte das Licht nicht zu erfassen (Joh 1:5). Irgendwie erinnert uns diese Begebenheit auch an Ps 139:

  • Ps 139:11-12 - Und spräche ich: Nur Finsternis möge mich verbergen und Nacht sei das Licht um mich her: 12 Auch Finsternis würde vor dir nicht verfinstern, und die Nacht würde leuchten wie der Tag, die Finsternis wäre wie das Licht. 

Auf Golgatha sind Finsternis und Licht verschmolzen und alle Finsternis wurde in der Gegenwart Gottes zu Licht. In der abscheulichsten Tat, die jemals geschah, offenbart Gott das Licht Seiner göttlichen Liebe!
An diesem Beispiel erkennen wir, wie man das Gute, Wohlgefällige und Vollkommene unterscheiden kann!

Wenn ich nicht mehr auf das Meine, sondern das auf das andere schauen möchte, dann braucht es zuerst einmal eine neue Blickrichtung! Heinz Schumacher gibt den Vers 4 wie folgt wieder:

  • Phil 2:4 - dabei habe ein jeder nicht [nur] die eigenen Interessen (o. Angelegenheiten) im Auge, sondern ein jeder auch die der anderen. 

Normalerweise haben wir fast ausschließlich die eigenen Angelegenheiten im Auge, da wir möglichst gut durchs Leben kommen wollen. Viele denken: „Wer fast nur die Interessen der anderen im Auge hat, kommt selbst zu kurz!“ Wenn wir ausschließlich das irdische Leben von Jesus betrachten, dann scheint sich das sogar zu bestätigen: „Jesus war arm, Er hatte kein eigenes Bett, Er war auf die Versorgung anderer angewiesen, Er wurde angefeindet, Er durchlitt Hunger, Kälte und Blöße und konnte nicht so viele materielle Dinge genießen! Wenn wir Sein Leben aus der Genuss-Perspektive anschauen, dann scheint es alles andere als begehrenswert! Bei den Aposteln sah es auch nicht gerade besser aus! Aber hören wir, was Jesus über Sein „Schicksal“ zu sagen hat:

  • Mt 11:29 - Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. 30 Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.

Wie oft habe ich schon über diese Aussage nachgedacht und mich gefragt: „Wie kann Jesus von einem sanften Joch und einer leichten Last sprechen, da Er selbst ein unsagbar schweres Joch getragen hat? Auch war Seine Last alles andere als leicht!“
Tatsächlich war die Last Jesu unsagbar schwer und Sein Joch alles andere als leicht, aber Jesus meint mit dieser Aussage vmtl. nicht, dass wir die Last tragen müssen, die Er getragen hat, sondern die Last, die Er uns aufträgt. Die Last, die Er uns auflegt, ist um einiges leichter, als die Lasten, die uns andere Herren auflegen. Satan und alle anderen Götter legen uns Lasten auf, die anfänglich gar nicht danach ausschauen! Die angebotene Selbstverwirklichung und das hochgepriesene Selbstvertrauen verspricht ein Leben des Genusses und der Freude. Wir denken vielleicht, dass diese Dinge der Garant eines erfüllten Lebens seien und gar keine Last! In Tat und Wahrheit endet die Selbstverwirklichung in der Einsamkeit und im Verderben! Wer auf sich selbst vertraut, endet irgendwann einmal an dem Punkt, wo er sich nicht mehr zu helfen weiß und in der Verzweiflung versinkt. Genau deshalb werden Selbstverwirklichung und Selbstvertrauen längerfristig zu einer nicht zu ertragenden Last! Letztendlich werden sie zu einem Mühlstein, der uns im Meer ertränkt!
Die göttliche Alternative zur Selbstverwirklichung ist die Christus-Verwirklichung in uns. Die Christus-Verwirklichung lässt die Gottesliebe in uns wachsen und diese bewirkt inneren Frieden und eine bleibende Freude! Auch wenn die Christus-Nachfolge uns nicht vor Leiden und Verfolgung bewahrt, so ist Seine Last, die Er uns auferlegt, verhältnismäßig klein und einfacher zu ertragen, als die anderen Lasten.
Wenn wir das Wohl unserer Mitmenschen suchen, dann ist das Leben nicht unbedingt genussreicher, aber es ist von mehr Freude erfüllt, weil ein Leben aus der Liebe längerfristig immer mehr erfüllt!


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