Das Herz des Menschen

Aus Bibelwissen
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Von Daniel Muhl

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Wie kann man das Herz definieren?

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Der Mensch wurde von Gott aus Leib, Seele und Geist erschaffen! Watchman Nee hat diese drei Teile mit drei konzentrischen Kreisen dargestellt, bei denen der innerste Kreis den Geist, der mittlere Kreis die Seele und der äußerste Kreis den Leib darstellte (mehr dazu: siehe hier). Dabei stellt sich natürlich die Frage: "Wo ist hier das Herz einzuordnen?"

Die Zuordnung des Herzens in Bezug auf Leib, Seele und Geist ist gar nicht so einfach. Tatsächlich gibt es für mich mehrere Möglichkeiten einer solchen Zuordnung. Die Definition des Herzens ist auch deshalb nicht ganz so einfach, weil das Herz im AT 860-mal (hier wurden die Wörter mit den hebr. Strong-Nr. +03820, +03824, +03825 sowie +03826 addiert) und im NT 160-mal vorkommt. Für eine genaue Definition des Herzens müsste man alle Stellen genau analysieren. Selbst dann ist eine grafische Zuordnung alles andere als einfach, da die drei konzentrischen Kreise nur ein Modell sind, die natürlich nicht der Realität entsprechen, jedoch die Zusammenhänge besser veranschaulichen.
Zurzeit sehe ich folgende Möglichkeiten das Herz grafisch in Leib, Seele und Geist zuzuordnen: Bitte hier klicken!
Aus meiner heutigen Sicht ist das Herz auf jeden Fall eine ganz zentrale Angelegenheit unseres Lebens, auf die wir mehr achthaben sollten, als auf alles andere (Spr 4:23). Man kann durchaus sagen, dass das Herz der Mittelpunkt unserer innersten Motive und unserer Gesinnung ist!
Das Herz kann man vielleicht mit einem Staatspräsidenten in einem Parlament vergleichen. Der Staatspräsident hat sich an die Verfassung zu halten und genauso sollte sich das Herz am Wort Gottes orientieren und sich vom Geist Gottes führen lassen. Das Parlament mit den verschiedenen Parteien von Links bis Rechts, ist ein Bild auf die verschiedenen Berater des Herzens. Da gibt es das Gewissen, den natürlichen Verstand, die Begehrlichkeiten des Leibes und der Seele, die Moral, die Tradition, die Gewohnheiten, die Gefühle usw. Sie alle wirken auf das Herz als eine Art Berater ein und das Herz lässt sich manchmal von diesem oder jenem Berater beeinflussen und fällt dann manchmal kluge oder ein andermal törichte Entscheidungen. Wenn der Präsident die Entscheidung gefällt hat, sich der Verfassung unterzuordnen, dann hat er die richtige Ausrichtung (ich rede hier natürlich von einer guten und gerechten Verfassung). Genauso ist es mit unserem Herzen! Wenn es die zentrale Entscheidung gefällt hat, sich dem Herrn zu übergeben (Spr 23:26), dann hat es die beste Entscheidung seines Lebens gefällt. Das beinhaltet auch eine Unterordnung unter das Wort Gottes und ein Sich-führen-lassen vom Heiligen Geist. So wie der Präsident immer noch Fehlentscheidungen fällen kann, obwohl er gewillt ist, sich der Verfassung unterzuordnen, so kann auch unser Herz im Einzelnen Fehlentscheidungen treffen, obwohl es dem Herrn Jesus gehorchen will.

Der Zustand des Herzens

Ist das Herz von Natur aus nur böse?

Was sagt uns die Bibel dazu? Folgende Stellen zeigen uns ein vernichtendes Urteil:

  • 1Mo 8:21 - Und der HERR roch den lieblichen Geruch und sprach in seinem Herzen: Ich will hinfort nicht mehr die Erde verfluchen um der Menschen willen; denn das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf. Und ich will hinfort nicht mehr schlagen alles, was da lebt, wie ich getan habe.
  • Mt 15:19 - Denn aus dem Herzen kommen böse Gedanken, Mord, Ehebruch, Unzucht, Diebstahl, falsches Zeugnis, Lästerung.

Paulus beschreibt das mit etwas anderen Worten, wenn er im Römerbrief feststellt:

  • Röm 3:9b-12 - Denn wir haben soeben bewiesen, dass alle, Juden wie Griechen, unter der Sünde sind, 10 wie geschrieben steht: »Da ist keiner, der gerecht ist, auch nicht einer. 11 Da ist keiner, der verständig ist; da ist keiner, der nach Gott fragt. 12 Sie sind alle abgewichen und allesamt verdorben. Da ist keiner, der Gutes tut, auch nicht einer (Ps 14:1-3).

Der normale Mensch empfindet dieses Urteil der Bibel zu einseitig. Jeder natürliche Mensch würde hier sagen: „Es steckt in jedem Menschen auch etwas Gutes!“ Es ist für uns normalerweise sehr schwer nachvollziehbar, dass da keiner sein soll, der Gutes tut!
Die Diagnose Gottes aus Ps 14 sowie Röm 3 entspricht eigentlich nicht unbedingt unserer Wahrnehmung. Aber das liegt einfach daran, dass unsere Wahrnehmung auf einem zwischenmenschlichen Vergleich basiert. Wir sehen die so genannt „Schlechteren“ und die „Besseren“. Den „Guten“ geben wir die Punktzahl 10 und den „Bösen“ die Punktzahl 1. Aber bei Gott ist Gut vielleicht 1'000 Punkte!
Jesus sagte einmal den interessanten Satz:

  • Mt 19:17 - Er aber sprach zu ihm: Was fragst du mich über das Gute? Einer ist der Gute.

Wir elenden Menschen maßen uns manchmal an, wir könnten sagen, was wirklich gut ist? Wenn die Sünder keinen anderen Maßstab für das Gute haben, als nur den gegenseitigen Vergleich unter uns Sündern, dann ist das erbärmlich! Ich studiere jetzt nun seit 37 Jahren die Bibel und je mehr ich das Wesen Gottes in seiner Liebe erkenne, desto unbedeutender und kleiner komme ich mir vor! Menschlich gesehen könnte ich einiges vorweisen:

  • Meine Frau sagte mir, ich sei ein guter Ehemann gewesen (äußerlich habe ich in meiner fast 32-jährigen Ehe nie einen Ehebruch begangen; im Herzen jedoch schon).
  • Meine Kinder sagen mir, ich sei ein guter Vater gewesen.
  • Ich habe kaum je böswillig ein falsches Zeugnis gegen meinen Nächsten abgelegt.
  • Ich habe auch nicht böswillig einen anderen Menschen betrogen.
  • Seit ich Christ bin, bemühe ich mich das Wort Gottes zu beachten.
  • Ich habe immer versucht, ehrlich zu sein und verkündige die frohe Botschaft Gottes.
  • Die Liebe und das Verständnis für andere waren mir auch immer wichtig!

Im Vergleich mit anderen Menschen mag ich vielleicht relativ gut mithalten. Wenn ich mich aber mit Jesus Christus vergleiche, dann bin ich ein absolutes Nichts! Er hat immer vollkommen geliebt, Er war immer von Herzen demütig, Er war nicht auf die Anerkennung anderer Menschen angewiesen, Er hat um der Liebe Willen alles loslassen können: Seine Ehre, Sein Ansehen, Sein Wohlbefinden, Sein Leben und Seine Seele!
Wie erbärmlich ist doch mein Leben im Vergleich mit meinem Herrn! Trotz alledem muss ich keine Minderwertigkeitsgefühle haben, weil Gott mir eine nicht zu übertreffende Identität geschenkt hat! Durch Seinen Geist darf ich ein Kind Gottes sein und durch den Geist der Sohnschaft ein Glied am Leib des Sohnes Gottes! Das ist höchste Identität durch Neuzeugung vonseiten Gottes und diese Identität habe ich einfach geschenkt bekommen, obwohl ich von Natur aus, ein unnützer Knecht bin (Lk 17:10).

Warum sind wir von Natur aus böse?

Diese Frage kann man aus unterschiedlicher Optik beantworten (wie so viele Dinge im Leben):

  1. Aus unseren Beobachtungen.
  2. Aus der Sicht der Bibel und somit aus der Sicht Gottes.

Aus unseren Beobachtungen

Aus unseren Beobachtungen stellen wir zuerst einmal fest, dass der Mensch gar nicht so schlecht ist und viele sagen auch gerne, dass jeder Mensch einen guten Kern hat. Aber stellen wir uns doch einmal folgendes Szenario vor: „Wir alle hätten an unserer Stirn einen Monitor, wo man ständig unsere aktuellen Gedanken sehen könnte! Jeder, der mit uns spricht und uns anschaut, könnte dann immer sofort sehen, was wir denken!“ Diese Vorstellung ist bei genauerer Überlegung grauenhaft, weil jeder gedankliche „Müll“ den wir produzieren, von den anderen gesehen würde und dies wiederum würde zu unsagbaren Verletzungen führen, die dann Wut und Hass produzieren.
Folgende Dinge habe ich bei mir selbst entdeckt: „Ich denke über eine Beziehung nach und stelle dann vielleicht fest, dass mein Mitmensch bei der letzten Begegnung etwas reserviert war. Sofort kommt die Frage hoch, warum er wohl so war? Während der gedanklichen „Antwortsuche“ fangen meine Gedanken zu spekulieren an:

„Vielleicht ist er von mir enttäuscht, wegen jener Sache, die kürzlich geschah - die aber wirklich ganz harmlos war - und wenn er sich jetzt darüber aufregt, dann ärgert mich das und überhaupt hat er selbst schon ganz andere Dinge gesagt, die mich verletzten usw.“

Plötzlich entwickeln sich in Bezug auf die entsprechende Person Gefühle der Wut und das nur deshalb, weil er bei der letzten Begegnung etwas „kurz angebunden“ war. Dabei war er vielleicht selber in einer notvollen Situation und deshalb so „kurz angebunden“. Wenn meine Seele sich dann manchmal grundlos in eine Wut hineinsteigert, dann muss der Geist sie wieder herunterholen und beruhigen. Das heißt auch; ich stelle meine Seele unter die Herrschaft des Geistes, sodass ich diesem Menschen bei meinem nächsten Kontakt unbelastet begegnen kann und nicht mehr die Gefühle in mir herumtrage, die sich in mir aus dem Nichts aufgebaut haben.
Würden meine Gedanken der Wut gleich für alle sichtbar sein, käme es sehr wahrscheinlich zu einer fortschreitenden Bitterkeit, die dann im Extremfall zu Hass führen könnte. Deshalb ist es so wichtig, dass sich unsere Seele vom Geist beherrschen lässt, damit wir lernen, uns in allen Situationen von der göttlichen Liebe bestimmen zu lassen und nicht von unseren Emotionen.
Bei der Entstehung unserer Gedanken haben unsere Veranlagungen und unsere ersten Erlebnisse eine zentrale Rolle gespielt. Jedes Kleinkind entwickelt seine eigene Überlebens-Strategie mit dem entsprechenden Gedankensystem. Letztlich wollen alle Kinder geliebt werden. „Liebe Kinder“ haben die Strategie entwickelt, so gut als möglich das zu tun, was die Eltern von ihnen erwarten, weil sie dann in der Regel die Liebe der Eltern besonders spüren. Es entwickelt sich bei ihnen die Grundtendenz der Harmoniebedürftigkeit. Letztlich ist das auch egoistisch, weil man ja selbst möglichst gut „über die Runden“ kommen will und mit ihrer Strategie des „Lieb-Seins“ sind sie erfahrungsgemäß nicht schlecht gefahren. Doch Gott führt auch die „Lieben“ irgendwann einmal an den Punkt, wo sie merken, dass ihr bisheriges „Lieb-Sein“ unter Umständen, im tiefsten Kern, ebenfalls egoistisch war. Denken wir an den Zuhause gebliebenen Sohn (Lk 15:29) oder auch an den Pharisäer, der scheinbar alle Gebote Gottes eingehalten hatte (Lk 18:11).
Die „bösen Kinder“ wollen sehr oft zum Ausdruck bringen, dass ihnen Unrecht widerfahren ist. Sie wollen auch unbewusst erkennen, ob sie bedingungslos geliebt werden oder ob die Liebe der Eltern nur an ihr „Lieb-Sein“ geknüpft ist. Wenn Kinder die Erfahrung machen, dass sie von ihren Eltern auch dann geliebt werden, wenn sie ungehorsam waren, dann ist das eine der kostbarsten Erfahrungen, die man machen konnte. Bedingungslose Liebe schließt aber die Bestrafung des Ungehorsams mit ein. Eine Liebe, die nicht straft, ist keine Liebe!
Egal ob wir Menschen grundsätzlich lieb oder aufmüpfig sind; wir sind von Natur aus, alles ausgekochte Egoisten und darum kann die Bibel auch sagen, dass wir von Grund auf böse sind. Jesus hat diesbezüglich kein Blatt vor den Mund genommen, als er sagte:

  • Mt 7:11 - Wenn nun ihr, die ihr doch böse seid, dennoch euren Kindern gute Gaben geben könnt, wie viel mehr wird euer Vater im Himmel Gutes geben denen, die ihn bitten!

Aus der Sicht der Bibel und somit aus der Sicht Gottes

Warum sind wir aus der Sicht Gottes böse? Wie bereits erwähnt, kann selbst der vorbildlichste Mensch auf Erden, den Anforderungen der Liebe Gottes nicht genügen! Dies ist unter anderem deshalb so, weil wir unter der Sünde geboren wurden. Darum stellt David, der Mann nach dem Herzen Gottes, Folgendes fest:

  • Ps 51:7 - Siehe, ich bin als Sünder geboren, und meine Mutter hat mich in Sünden empfangen.

Die Sünde wohnt in uns drin; auch in den gläubigen Christen (Röm 7:17). Denken wir nur daran, wie schnell in uns Gedanken der Wut oder Eifersucht entstehen und manchmal sogar ohne nennenswerten Grund, wie ich zuvor aufzeigen durfte. Doch durch den Geist Gottes in uns müssen wir uns von der Sünde nicht beherrschen lassen.
Aus der Sicht Gottes sind wir auch deshalb böse, weil Er uns alle in den Ungehorsam eingeschlossen hat (Röm 11:32). Diese kühne Aussage des Apostels Paulus lässt uns vielleicht denken: „Das ist doch unfair! So hatten wir doch von Anfang an gar keine Möglichkeit Gehorsam zu sein!“ Paulus begründet diese Feststellung mit folgenden Worten:

Das persönliche Erfahren der Barmherzigkeit Gottes ist viel mehr wert, als wenn wir alles richtig gemacht hätten und womöglich noch stolz darauf wären, sodass wir zu dem irrigen Schluss kommen und sagen würden:

„Ich habe alles richtig gemacht und deshalb habe ich jetzt das ewige Leben ohne Gottes Hilfe verdient. Meine eigene Gerechtigkeit steht mir jetzt zu, und zwar ganz unabhängig von Gott!"

In diesem Fall würde man sich eine Ewigkeit ohne eine Liebesbeziehung zum himmlischen Vater wünschen oder man würde sich eine Beziehung auf gleicher Ebene wünschen, was als Geschöpf oder Sohn völlig unangemessen wäre.
Das persönliche Erleben der Barmherzigkeit Gottes ist letztlich die beste Grundlage für das Erkennen der wunderbaren Liebe Gottes! Mit dieser Erkenntnis werden unser Herz und unsere Seele heil. Jeder, der die Barmherzigkeit Gottes selber erlebt hat, wird von der Liebe Gottes überwältigt sein und nichts mehr anderes wollen! Darum lesen wir im Römerbrief auch:

  • Röm 5:5b - denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben worden ist.

Das allein macht unser Herz ganz heil und erfüllt es mit Frieden und Freude!


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