Das Gleichnis vom treuen und untreuen Knecht

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von Daniel Muhl


Als MP3-Vorträge:
- Der treue und der böse Knecht nach Mt 24 und Lk 12 - Teil 1
- Der treue und der böse Knecht nach Mt 24 und Lk 12 - Teil 2
- Der treue und der böse Knecht nach Mt 24 und Lk 12 - Teil 3


Bibeltexte

Matthäus

ELB Mt 24:45 Wer ist nun der treue und kluge Knecht, den sein Herr über sein Gesinde gesetzt hat, um ihnen die Speise zu geben zur rechten Zeit ?
ELB Mt 24:46 Glückselig jener Knecht, den sein Herr, wenn er kommt, bei solchem Tun finden wird!
ELB Mt 24:47 Wahrlich, ich sage euch, er wird ihn über seine ganze Habe setzen.
ELB Mt 24:48 Wenn aber jener [als] böser Knecht in seinem Herzen sagt: Mein Herr lässt auf sich warten,
ELB Mt 24:49 und anfängt, seine Mitknechte zu schlagen, und isst und trinkt mit den Betrunkenen,
ELB Mt 24:50 so wird der Herr jenes Knechtes kommen an einem Tag, an dem er es nicht erwartet, und in einer Stunde, die er nicht weiß,
ELB Mt 24:51 und wird ihn entzweischneiden und ihm sein Teil festsetzen bei den Heuchlern: da wird das Weinen und das Zähneknirschen sein.

Lukas

ELB Lk 12:35 Eure Lenden sollen umgürtet und die Lampen brennend sein!
ELB Lk 12:36 Und ihr, seid Menschen gleich, die auf ihren Herrn warten, wann er aufbrechen mag von der Hochzeit, damit, wenn er kommt und anklopft, sie ihm sogleich öffnen.
ELB Lk 12:37 Glückselig jene Knechte, die der Herr, wenn er kommt, wachend finden wird! Wahrlich, ich sage euch: Er wird sich umgürten und sie sich zu Tisch legen lassen und wird hinzutreten und sie bedienen.
ELB Lk 12:38 Und wenn er in der zweiten Wache und wenn er in der dritten Wache kommt und findet sie so - glückselig sind jene!
ELB Lk 12:39 Dies aber erkennt: Wenn der Hausherr gewusst hätte, zu welcher Stunde der Dieb kommen würde, so hätte er gewacht und nicht erlaubt, dass sein Haus durchgraben würde.
ELB Lk 12:40 Auch ihr, seid bereit! Denn der Sohn des Menschen kommt in der Stunde, da ihr es nicht meint.
ELB Lk 12:41 Petrus aber sprach zu ihm: Herr, sagst du dieses Gleichnis zu uns oder auch zu allen?
ELB Lk 12:42 Der Herr aber sprach: Wer ist nun der treue und kluge Verwalter, den der Herr über sein Gesinde setzen wird, um [ihm] die zugemessene Speise zu geben zur rechten Zeit ?
ELB Lk 12:43 Glückselig jener Knecht, den sein Herr, wenn er kommt, bei solchem Tun finden wird!
ELB Lk 12:44 In Wahrheit sage ich euch, dass er ihn über seine ganze Habe setzen wird.
ELB Lk 12:45 Wenn aber jener Knecht in seinem Herzen sagt: Mein Herr lässt sich Zeit mit dem Kommen, und anfängt, die Knechte und Mägde zu schlagen und zu essen und zu trinken und sich zu berauschen,
ELB Lk 12:46 so wird der Herr jenes Knechtes kommen an einem Tag, an dem er es nicht erwartet, und in einer Stunde, die er nicht weiß, und wird ihn entzweischneiden und ihm sein Teil festsetzen bei den Ungläubigen.
ELB Lk 12:47 Jener Knecht aber, der den Willen seines Herrn wusste und sich nicht bereitet, noch nach seinem Willen getan hat, wird mit vielen [Schlägen] geschlagen werden;
ELB Lk 12:48 wer ihn aber nicht wusste, aber getan hat, was der Schläge wert ist, wird mit wenigen geschlagen werden. Jedem aber, dem viel gegeben ist - viel wird von ihm verlangt werden; und wem man viel anvertraut hat, von dem wird man desto mehr fordern.

Zwei unterschiedliche Knechte im Endzeitreich

Welche Zeit betrifft dieses Ereignis?

Diese beiden Texte beinhalten die Beschreibung von unterschiedlichen Verhaltensweisen vor der Wiederkunft Jesu Christi. Aus dem Gesamtkontext der Bibel geht klar hervor, dass der Herr Jesus Christus Seinen Leib von (a.Ü. vor, aus) dem kommenden Zorn rettet (1Thes 1:10) und vor der Bosheit zu sich entrückt (Jes 57:1). Persönlich bin ich davon überzeugt, dass der Leib Jesu nicht in die große Drangsal hineinkommen wird. Theoretisch könnte man dieses Gleichnis des treuen und untreuen Knechtes auf verschiedene Zeitpunkte innerhalb der Endzeit deuten. Man könnte dieses Geschehen vor der Entrückung der Gemeinde aus den Nationen einordnen, vor der Entrückung des männlichen Sohnes bei der siebten Posaune oder vor dem Wiederkommen des Herrn in großer Macht und Herrlichkeit, wenn ihn alle sehen werden. Die letztere Auslegung ist eher unwahrscheinlich. Die zeitliche Zuordnung will ich vorerst offen lassen. Zuerst soll uns der allgemeine Zustand der sogenannten Christenheit, sowie das Verhalten des treuen und des untreuen Knechtes interessieren. Ganz egal, wo wir dieses Gleichnis zeitlich in der Endzeit einordnen, der Zustand der Christenheit, bei der jeder auf irgendeine Art und Weise auf den Herrn wartet, sowie das Verhalten der unterschiedlichen Knechte, sind für uns in jedem Fall lehrreich.

Der Zustand der Christenheit

Wenn wir nach gemeinsamen Nennern der beiden Knechte suchen, dann kann man folgende Punkte nennen:

  1. Beide Knechte (o. Sklaven; +1401) warten auf den Herrn (Lk 12:36 / Lk 12:45). Vermutlich sagen beide, dass Jesus Christus ihr Herr ist.
  2. Für beide Sklaven kommt der Herr zu einer Zeit, wo sie es nicht erwarten (Mt 24:50 / Lk 12:40).
  3. Beide haben Mitknechte, d. h. solche, die ebenfalls dem Herrn dienen wollen oder sagen, dass sie dem Herrn dienen (Mt 24:49). Auch wenn beim treuen Knecht die Mitknechte nicht explizit genannt sind, so dürfte aus dem Gesamtkontext der Bibel klar sein, dass auch der treue Knecht Mitknechte hat.

Aufgrund dieser Gemeinsamkeiten kann man durchaus den Schluss ziehen, dass es sich hier um diejenigen handelt, die sich in der Endzeit Christen nennen! Es gibt wiedergeborene Christen und es gibt solche, die behaupten Christen zu sein. Mit anderen Worten: „Es gibt echte und unechte Christen und in der Endzeit wird sich die Spreu vom Weizen trennen!“

Die Christenheit wartet

Der allgemeine Zustand der Christenheit ist also ein Wartezustand. Letztlich warten alle auf den Herrn. Der wiedergeborene Christ – d. h. derjenige, der Jesus Christus auf seinem Herzensthron hat – wartet auf den Herrn, weil er sich auf seinen wunderbaren Herrn und Heiland freut. Er sehnt sich danach, mit dem Vater und dem Sohn in vollkommener und ungetrübter Liebesgemeinschaft zu leben.
Derjenige – der sagt, er sei ein Christ, ohne wiedergeboren zu sein – freut sich nur auf die Zeit, wenn er endlich keine Probleme und Schmerzen mehr hat, wenn er das ewige Leben als Belohnung empfängt und endlich „das Paradies“ genießen kann.
Hier sehen wir zwei Sklaven, die das Gleiche machen, aber mit einer unterschiedlichen Motivation. Beim Ersten geht es um die Liebesbeziehung zum Herrn, die sich auch auf die Beziehung zu seinen Mitmenschen auswirkt und beim Zweiten geht es um den persönlichen Vorteil.
Wir haben hier also eine christliche Gesellschaft, die zuerst einmal das Gleiche tut! Sie wartet auf den Herrn! Man kann nur dann auf den Herrn warten, wenn man an Seine Wiederkunft glaubt. Die gesamte Christenheit wartet auf den Herrn, weil sie an die Verheißungen des Wortes Gottes glaubt. Es stellt sich allerdings die Frage, ob der untreue Knecht nur deshalb auf den Herrn wartet, weil er sich auf Menschen stützt, die ihn beeindruckt haben, auf solche, die seine ganz persönlichen Idole geworden sind. Es ist sehr gut möglich, dass dieser Knecht von einer „charismatischen Führungspersönlichkeit“ beeindruckt und beeinflusst ist und sie in irgendeiner Form kopieren will (damit meine ich einzelne Führungspersönlichkeiten aus allen christlichen Kreisen). Seine christliche Existenz beruht auf einer Anhängerschaft von Menschen und nicht auf einer lebendigen Liebesbeziehung zu Jesus Christus.

Die Christen bezeichnen Jesus als ihren Herrn

Die Christen bezeichnen in der Endzeit Jesus Christus als ihren Herrn. Aber nicht jeder, der Jesus Christus als Herrn bezeichnet, ist auch ein Mensch, der aus einer lebendigen Liebesbeziehung zum Herrn heraus lebt. Das zeigt uns schon folgende Stelle:

  • Mt 7:21-23 - Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr, Herr! wird in das Reich der Himmel hineinkommen, sondern wer den Willen meines Vaters tut, der in den Himmeln ist. 22Viele werden an jenem Tage zu mir sagen: Herr, Herr! Haben wir nicht durch [deinen] Namen geweissagt und durch [deinen] Namen Dämonen ausgetrieben und durch [deinen] Namen viele Wunderwerke getan? 23Und dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch niemals gekannt. Weicht von mir, ihr Übeltäter!

Heute wird Vieles im Namen des Herrn gesagt und gemacht. Die Motive sind ganz unterschiedlich:

- Einige tun es im Auftrag und zur Ehre des Herrn.
- Andere tun es, weil sie damit ein Geschäft machen können.
- Etliche tun es, um Menschen zu gefallen und um für sich selbst Ehre zu suchen.

Wer mit welchen Motiven arbeitet, wird die Zeit vor der unmittelbaren Wiederkunft des Herrn offenbaren! Doch davon später.
Die Christenheit dient nach außen hin dem Herrn. Einige sind in ihrer Gemeinde total aktiv und lassen sich überall einspannen. Untreue Knechte setzen vmtl. ihre Hoffnung auch auf ihr großes Engagement und denken: „Wir haben in der christlichen Gemeinde alles gemacht, was uns der Pastor, Bischof oder Bezirksleiter gesagt hat und wir haben uns so sehr bemüht! Wir haben sogar bis zum Burnout gearbeitet. Jetzt muss Gott mit uns zufrieden sein und jetzt schuldet Er uns als Belohnung das ewige Leben!“
Treue Knechte lassen sich auch engagieren, aber sie fragen in der Gemeinschaft mit Gott immer wieder: „Was willst Du, dass ich tue?“ Manchmal lassen sie sich von der Gemeindeleitung einspannen und ein andermal merken sie: „Nein, das ist jetzt nicht meine Aufgabe! Würde ich das auch noch tun, würde meine "Stille Zeit" mit Gott darunter leiden und darum kommt das für mich nicht in Frage (es gibt natürlich auch noch andere gewichtige Gründe, um nicht alles zu machen, was der Pastor gerne hätte)!“

Der Herr kommt zu einer Zeit, in der beide Knechte nicht damit rechnen

Zu den Jüngern sagt Jesus (das sind mit Ausnahme von Judas Iskarioth eindeutig treue Knechte):

  • Lk 12:40 - Auch ihr, seid bereit! Denn der Sohn des Menschen kommt in der Stunde, da ihr es nicht meint.

Auch treue Knechte werden erleben, dass der Herr zu einem Zeitpunkt kommt, wo sie es nicht erwarten.
Genauso die untreuen Knechte (auch wenn hier im Gleichnis von je einem Knecht die Rede ist, so dürfte klar sein, dass jeder dieser Knechte ein Bild auf einen christlichen Typ in der Endzeit ist):

  • Lk 12:46a - so wird der Herr jenes Knechtes kommen an einem Tag, an dem er es nicht erwartet,

Alle werden überrascht sein! Hier gibt es keine Unterschiede. Der Unterschied besteht nur im Verhalten der beiden Knechte vor der Wiederkunft des Herrn. Die Frage stellt sich an dieser Stelle natürlich: „Warum rechnet zu diesem Zeitpunkt niemand mit der Wiederkunft des Herrn, wenn doch gleichzeitig alle auf den Herrn warten?“ Dieser Frage möchte ich weiter unten nachgehen.

Beide Knechte haben Mitknechte

Auch wenn in diesem Gleichnis nicht explizit von einem Mitknecht des treuen Knechtes die Rede ist, so dürfte doch klar sein, dass auch der treue Knecht Mitknechte hat. So bezeichnet Paulus Epaphras und Tychikus als Mitknechte (Kol 1:7 / Kol 4:7). Gleichzeitig werden sie auch als treue Diener bezeichnet. Somit hatte Paulus auch Mitknechte. Es waren Brüder, die ebenfalls dem Herrn Jesus dienten und mit Paulus mitarbeiteten.
Der untreue Knecht hat offensichtlich auch Mitknechte. Das geht aus dem Gleichnis deutlich hervor, wenn Jesus sagt:

  • ELB Mt 24:49 - und anfängt, seine Mitknechte zu schlagen, und isst und trinkt mit den Betrunkenen,

Es ist doch sehr anzunehmen, dass der untreue Knecht mit seinen Mitknechten bereits vor diesem Ereignis (wo er anfängt seine Mitknechte zu schlagen) eine Beziehung hatte. Vermutlich hat der untreue Knecht vor seiner Bosheit mit seinen Mitknechten zusammengearbeitet und mit ihnen vermeintlich gemeinsam „dem Herrn gedient“.
Ja, die untreuen Knechte kommen aus der Mitte der Gemeinde, so wie wir das ebenso an anderen Stellen lesen:

  • Apg 20:30 - Und aus eurer eigenen Mitte werden Männer aufstehen, die verkehrte Dinge reden, um die Jünger abzuziehen hinter sich her.
  • 1Jo 2:18-19 - Kinder, es ist die letzte Stunde, und wie ihr gehört habt, dass der Antichrist kommt, so sind auch jetzt viele Antichristen aufgetreten; daher wissen wir, dass es die letzte Stunde ist. 19 Von uns sind sie ausgegangen, aber sie waren nicht von uns; denn wenn sie von uns gewesen wären, würden sie wohl bei uns geblieben sein; aber sie blieben nicht, damit sie offenbar würden, dass sie alle nicht von uns sind.

An dieser Stelle fragt man sich, wie man die Echten von den Unechten unterscheiden kann. Ich glaube, dass wer geübte Sinne hat, mit der Zeit die echten von den unechten Mitknechten unterscheiden kann oder zumindest eine Ahnung bekommt, wer echt und wer unecht ist. Allerdings können wir keine abschließende Beurteilung durchführen, weil uns außerdem gesagt ist: „So verurteilt nichts vor der Zeit“ (1Kor 4:5). Sehr schnell beurteilen wir einen „Mitknecht“ völlig falsch. Jesus hat uns hierzu einen Hinweis gegeben:

  • Mt 7:16 - An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen. Liest man etwa von Dornen Trauben oder von Disteln Feigen?

Wenn man die Frucht des Geistes aus Gal 5:22 näher anschaut, wird man feststellen, dass diese neunfache Frucht ein Ausfluss der Liebe Gottes ist. Die Liebe zu den Brüdern (auch zu den anders denkenden Brüdern) war bei allen Aposteln fundamental wichtig (Röm 12:10 / 1Thes 4:9). Johannes konkretisiert die Liebe noch, wenn er schreibt:

  • 1Jo 3:18 - Kinder, lasst uns nicht lieben mit Worten noch mit der Zunge, sondern in Tat und Wahrheit!

Johannes zeigt uns auf, wie man einen untreuen Knecht auch erkennen kann:

  • 1Jo 4:20 - Wenn jemand sagt: Ich liebe Gott, und hasst seinen Bruder, ist er ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er gesehen hat, kann nicht Gott lieben, den er nicht gesehen hat.

Bezüglich der Lehre wird in der Endzeit folgendes Unterscheidungskriterium wichtig werden:

  • 2Jo 1:7 - Denn viele Verführer sind in die Welt hinausgegangen, die nicht Jesus Christus, im Fleisch gekommen, bekennen; dies ist der Verführer und der Antichrist.

Die Tatsache, dass Jesus Christus als der Sohn Gottes, als das Wort Gottes und als Messias auf die Erde gekommen ist und als Mensch aus Fleisch und Blut gestorben und auferstanden ist, wird von den unechten Brüdern ziemlich sicher ebenso geleugnet werden. Gerade an dieser Aussage werden sich die Geister in der Endzeit scheiden!

Der treue Knecht

Das Verhalten des treuen Knechtes

Folgendes Verhalten und folgende Eigenschaften finden wir beim treuen Knecht:

  1. Er ist treu (gr. pistos; +4103)
  2. In Lk 12:42 wird er auch als Verwalter bezeichnet (gr. oikonomos; +3623)
  3. Er ist klug (o. verständig / besonnen; gr. phronimos; +5429)
  4. Er ist über das Gesinde (w. Genesungswerk; gr. therapeia; +2322) des Herrn gesetzt
  5. Er gibt dem Gesinde (die zum Haus des Herrn gehören; d. h. der Gemeinde, dem Hauskreis) zur richtigen Zeit (gr. kairos; +2540) die zugemessene Speise (o. Getreidemaß; gr. sitometrion; +4620)
  6. Der treue Knecht tut diese Arbeit, bis der Herr kommt (auch wenn dann die Umstände dazu vielleicht alles andere als ideal sind: z.B. kein Pastorengehalt, keine Ehre, dafür Schande, Spott, Hohn und vielleicht zusätzlich Verfolgung)
Treue

Der gottwohlgefällige Knecht zeichnet sich also durch Treue aus. Er lebt aus einer Hingabe zum Herrn und er dient Ihm, ganz unabhängig davon, wie die Umstände sind. Er dient Jesus Christus sogar dann, wenn seine Erwartung, bezüglich der Wiederkunft des Herrn, enttäuscht wurden. Er hat vielleicht während einer gewissen Zeit mit Seiner Wiederkunft gerechnet und dann festgestellt, dass er sich täuschte.
Nebenbei bemerkt: Nach der Auferstehung Jesu Christi haben die Jünger ebenfalls einen ganz anderen Verlauf ihres Lebens erwartet. Wer die ersten Kapitel der Apostelgeschichte aufmerksam liest, wird feststellen, dass die Jünger teilweise mit der sichtbaren Aufrichtung des Reiches Gottes auf Erden gerechnet haben. Obwohl das Reich Gottes damals nicht für alle sichtbar gekommen ist, haben vmtl. alle Apostel bis an ihr Lebensende treu ihrem Herrn gedient und die meisten (vielleicht sogar alle) sind sogar für Ihn gestorben.
Der Gott wohlgefällige Knecht dient Gott bis zu seinem letzten Atemzug, ganz unabhängig davon, wie es ihm geht oder ob seine Erwartungen in Erfüllung gehen oder nicht. Das ist das Merkmal der Treue und des Ausharrens und dieses Ausharren bewirkt die Bewährung (Röm 5:4). Der treue Knecht wird sich durch sein Verhalten bewähren.

Ideale Verwaltung

Dieser treue Sklave hat aber nicht nur den Status eines Leibeigenen, sondern gemäß Lk 12:42 ebenso die Identität eines Verwalters. Er ist über die Hausdienerschaft gesetzt und soll ihr das geben, was sie benötigt. Der biblische Verwalter ist ferner jemand, der mit den Ordnungen der Wohngemeinschaft vertraut ist oder anders gesagt; mit den Gesetzen des Hauses und des Wohnens. Der Verwalter (w. Wohngesetz[hüter]; gr. oikonomos; +3623) kümmert sich also um die Hausgesetze. Es geht dabei um nichts Geringeres als um die Gesetze der Wohngemeinschaft, anders gesagt um die Ordnungen des Hauses Gottes!
Letztlich geht es darum, einen Wohnraum zu schaffen, wo sich die Anwesenden zuhause fühlen können. Durch einen treuen und klugen Verwalter im „Genesungswerk“ Gottes entsteht eine Atmosphäre der Liebe und der Geborgenheit. Hier soll sich jeder Hausgenosse angenommen und wertgeschätzt fühlen. Der Verwalter, beziehungsweise der Knecht, der über die Gesetze der Wohngemeinschaft wacht, kann durch seine Treue, sehr viel zur Genesung der Hausgenossen Gottes beitragen. Der treue und verständige Knecht hat auch die Eigenschaften eines Timotheus, von dem wir lesen:

  • ELB Phil 2:19-20 - Ich hoffe aber im Herrn Jesus, Timotheus bald zu euch zu senden, damit auch ich guten Mutes sei, wenn ich um euer Ergehen weiß. 20 Denn ich habe keinen [ihm] Gleichgesinnten, der aufrichtig für das Eure besorgt sein wird;

Der treue Verwalter ist ein Mensch, der mit großer Hingabe um die geistliche Auferbauung der ihm Anvertrauten bemüht ist. Dazu gehören natürlich ebenso praktische Hilfeleistungen, wo Not am Mann ist. Doch überwiegend soll sich der Verwalter um die geistliche Nahrung kümmern, damit der innere neue Mensch aufgebaut werden kann. Wenn sich ein Verwalter hauptsächlich um die irdischen Belange kümmert, dann ist er ein Sozialarbeiter geworden, der das Austeilen der geistlichen Nahrung vernachlässigt und so seine eigentliche Berufung verloren hat. Innerhalb des Hauses Gottes gibt es natürlich Geschwister, die in erster Linie den Dienst der praktischen Hilfeleistung haben, aber diese Geschwister haben weniger die Berufung „Verwalter“ zu sein. Ich denke da an Tabita, die reich an guten Werken war, viele Almosen gab und Kleider für die Witwen genäht hat (Apg 9:36-39). Eine solche Berufung ist wunderbar und wenn sie wie bei Tabita mit viel Liebe gelebt wird, dann ist sie von unschätzbarem Wert. Der Verwalter näht aber nicht Kleider für Witwen, sondern gibt vielleicht einer Näherin den Auftrag solche Kleider zu nähen. Wenn Pastoren und Lehrer innerhalb der Gemeinde zu Sozialarbeitern werden, haben sie ihre Berufung verfehlt, was natürlich nicht bedeutet, dass die Arbeit eines Sozialarbeiters weniger wertvoll wäre, aber jeder muss seiner Berufung gemäß leben!

Klug, verständig oder besonnen

Der treue Knecht zeichnet sich also desweiteren durch eine große Klugheit aus! Was aber ist klug, verständig oder wie andere übersetzen, besonnen?

  1. Jesus bezeichnet die Schlangen als klug (Mt 10:16). Ebenso erwähnt Er die Tatsache, dass die Söhne dieses Zeitalters klüger sind, als die Söhne des Lichts (Lk 16:8). Die Klugheit ist eine Eigenschaft, welche es dem Besitzer ermöglicht die Zusammenhänge und Gegebenheiten so zu erfassen, dass er mit einer bestimmten Aktion oder Reaktion, das bewirken kann, was er sich wünscht. Ob die Klugheit richtig angewendet wird, hängt vom Herzen des Betroffenen ab. Wenn ein Herz Gott und die Menschen liebt, dann wird ihm die Klugheit zum Segen. Wenn ein Herz hasst, dann bringt die Klugheit vielleicht kurzfristig Gewinn, aber längerfristig vergrößert sie die Schuld.
    Die Schlange war so schlau, dass sie ganz genau wusste, was sie sagen musste, damit Eva von der Frucht aß. Wenn sie zu Eva einfach gesagt hätte, „probiere diese Frucht doch einmal aus, sie schmeckt dir sicher auch ganz gut“ , dann wäre sie nicht klug gewesen! Weil sie aber sagte, „ihr werdet sein wie Gott“ , war die Versuchung „erfolgreich“! Sie war so klug, genau das zu sagen, was das von ihr Gewünschte bewirkte. So wie die Lüge, so hat auch der kluge Böse nur kurzen- oder mittelfristigen „Erfolg“! Der böse kluge Mensch, ist langfristig nicht klug, weil er den Worten Gottes nicht glaubt. Er weiß nicht, dass die Bosheit keinen Ewigkeitswert hat, und er glaubt nicht daran, dass am Ende nur noch die Treue und die Erwartung sowie die Liebe existieren werden und dass alle Bosheit vergehen wird. Weil er den Prophezeiungen Gottes nicht glaubt, denkt und handelt er nur kurz- und mittelfristig! Er hat also keine längerfristige, sondern nur eine kurzfristige Klugheit!
  2. Eine längerfristige Klugheit gibt es nur da, wo man die Worte Jesu hört und sie auch tut (Mt 7:24). Jesus vergleicht diesen Menschen mit einem Mann, der sein Haus auf den Felsen baut. Das gehörte Wort Gottes hat also ganz praktische Auswirkungen auf das Leben. Wer die Worte Jesu nur hört und sie als biblisches Wissen abspeichert, ohne dass sich diese Worte in seinem Leben auswirken, der hat eben keine längerfristige Klugheit.
  3. Die fünf klugen Jungfrauen haben genug Öl dabei. Dieser Umstand bezeichnet die Bibel als klug! Das Öl, das in der Bibel sehr oft für eine Salbung benutzt wurde und auch der Rohstoff für die Lampen war, dürfte hier ein Bild auf den Geist Gottes sein. Ohne näher darauf einzugehen, ist vor der Ankunft des Bräutigams entscheidend, ob man genug Geist hat oder nicht. Aus meiner Sicht haben die fünf klugen Jungfrauen dann genügend Geist, wenn sie aus einer lebendigen Beziehung zu Jesus Christus heraus leben. Mehr dazu siehe hier!

Abschließend darf gesagt werden, dass die Klugheit des treuen Knechtes aus folgenden Punkten besteht:

  1. Er vertraut auf die Worte Gottes.
  2. Er lebt aus einer lebendigen, vertrauenden Liebesbeziehung zum Herrn heraus, auch wenn er vielleicht annimmt, dass es noch lange dauern wird, bis sein Herr wiederkommt.
  3. Er setzt die Worte Gottes in seinem Leben um.
  4. Weil er ein liebendes Herz hat, verwendet er die Klugheit dafür, die ihm anvertrauten Menschen mit geistlicher Speise so zu versorgen, damit sie gottgemäß wachsen und zur Vollendung gelangen können.
Das "Gesinde"

Das griechische Wort therapeia (+2322) kommt von dem Wort therapeuō (+2323) und bedeutet so viel wie „heilen“, „ärztlich behandeln“, „genesen“ und „dienen“. Es handelt sich also um einen Dienst, der zur Heilung beiträgt. Der treue Knecht verrichtet einen Dienst an einer Gruppe Menschen, die geistlich gesunden soll. Man könnte ihn mit einem Therapieleiter einer Klinik vergleichen. Der treue Verwalter ist also über eine zu therapierende Gemeinschaft gesetzt. Die DaBhaR-Übersetzung gibt das gr. Wort "therapeia" mit "Genesungswerk" wieder. „Therapeia“ ist mit folgenden Worten verwandt:

  1. therapeuō (+2323; heilen, genesen, dienen, ärztlich behandeln)
  2. therapōn (+2324; Diener, Therapeut)
  3. Vermutlich auch mit theros (+2330; Sommer, was wiederum vom primären Wort thero {Wärme} stammt)

Mose wird in Hebr 3:5 als ein solcher Diener, resp. Therapeut (therapōn; +2324) erwähnt:

  • ELB Hebr 3:5 - Und Mose war zwar in seinem ganzen Hause als Diener treu - zum Zeugnis von dem, was verkündigt werden sollte -

Wenn wir die Briefe der Apostel unter diesem Aspekt näher betrachten, dann stellen wir fest, dass ihre Arbeit eigentlich darin bestand, dass die Gemeinden geistlich gesund werden konnten. Die einzelnen Glieder des Leibes Jesu haben da und dort immer noch ein krankhaftes und ungeistliches Denken. Zum Beispiel das weit verbreitete Denken, dass man nur so viel wert ist, wie man leistet. Oder die unbewusste Haltung, man müsse Gott zufriedenstellen, damit Er uns wirklich retten wird. Dieses Denken kann nur durch die gesunden Worte des Evangeliums therapiert, beziehungsweise geheilt werden.
Der treue Verwalter hat also in Besonderheit die geistliche Gesundung der ihm anvertrauen Menschen im Auge. Allerdings kann ihm das nur gelingen, wenn er aus der Abhängigkeit von Gott heraus lebt. Diese wiederum bedingt eine lebendige Liebesbeziehung zu Gott, dem Vater!

Er gibt Speise

Der treue und kluge Verwalter gibt dem „Genesungswerk“, zur richtigen Zeit, die zugemessene Speise, resp. das richtige Getreidemaß. Es kommt folglich auf den richtigen Zeitabschnitt an und ebenso auf das richtige Maß.
Leider habe ich den Eindruck, dass die Wortverkündiger und Prediger (ich mit eingeschlossen) zu viel das predigen, was die Zuhörerschaft gerne hört und zu wenig das, was sie wirklich benötigt. Das ermöglicht dem Prediger kurzfristig ein problemloseres Leben, weil er dadurch kaum Kritik einstecken muss, aber den Gläubigen hilft er nicht wirklich. Die Glieder des Leibes Jesu brauchen nicht nur Trost und Zuspruch, sondern genauso Ermahnung und Zurechtweisung. Aber das ist vielleicht nicht einmal das größte Problem! Was geistlich besonders ungesund wirkt, sind Predigtinhalte, die andere christliche Kreise denunzieren. Selbstverständlich muss man ab und zu vor gewissen Geistesströmungen warnen, aber das richtige Maß ist dabei gefragt. Als Anhaltspunkt dazu dienen die Briefe der Apostel! Ich habe es nicht wissenschaftlich analysiert, aber es würde mich wundern, wenn die Warnungen vor Menschen und Gruppierungen 5% eines Briefinhaltes übersteigt. Warnungen vor Trunksucht, Hurerei oder Habgier sind nicht Warnungen, wo spezielle Menschen oder Gruppen erwähnt werden, sondern allgemeine Warnungen, die wir beachten sollen. Paulus und die anderen Apostel warnen nur sehr vereinzelt vor namentlich erwähnten Personen oder Gruppen.
Was aber ist so gefährlich, wenn man andere christliche Kreise denunziert? Es bewirkt, ...

- dass man nicht auf die eigenen Probleme schauen muss
- dass man mit sich selbst zufrieden ist und sich dadurch in einer falschen Sicherheit wiegt
- dass man die anderen Geschwister verachtet
- dass man hochmütig wird und von sich denkt, zur geistlichen Elite zu gehören

Wie gerne hören doch nüchterne „Erkenntniskreise“, was bei den charismatischen Gemeinden alles falsch läuft und gleichzeitig sind sie dann so froh, nicht auf gleiche Weise verführt worden zu sein! Wortverkündiger, die in solchen Kreisen ständig vor den Gefahren in den charismatischen Gemeinden warnen – obwohl diese Gefahren in diesem Kreis gar nicht vorhanden sind – die sind mit Menschen zu vergleichen, die „Wasser in den Rhein tragen“. Gleichzeitig muss sich diese Gemeinde demzufolge nicht ernsthaft fragen, was bei ihr das wirkliche Problem ist und alle nicken dem Prediger wohlwollend zu.
Das ist eben nicht das, was gemeint ist! In diesem Fall gibt man dem „Gesinde“ nicht das richtige Getreidemaß zur richtigen Zeit! Jede Zeit erfordert die zugemessene Speise. Wenn die Wortverkündiger sich vom Geiste Gottes führen lassen, dann sagen sie genau die Dinge, welche die Zuhörerschaft braucht, dann hört ein „Erkenntniskreis“ plötzlich die Ermahnung, das Gehörte in die Tat umzusetzen und reich an guten Werken zu sein. Im Gegensatz dazu wird die evangelistisch aktive Gemeinde belehrt, dass Gott alles nach dem Rat Seines Willens bewirkt (Eph 1:11) und dass nur der Heilige Geist die Menschen verändern kann und nicht unsere evangelistischen Bemühungen. Der aktive und sich bemühende Christ wird darauf aufmerksam gemacht, dass Gott das Wollen und Vollbringen bewirkt, und der Gläubige der erfasst hat, dass Gott alles nach dem Rat Seines Willens bewirkt, vernimmt dann die Ermahnung für alle Menschen zu danken, zu flehen und Fürbitte zu tun.
Hören wir in unserem Kreis oder in unserer Gemeinde auch Dinge, die uns persönlich nicht gefallen, weil sie unser bisheriges ruhiges und frommes Leben aufrütteln oder hören wir nur die Dinge, die uns so richtig selbstzufrieden machen?
Die treuen und klugen Verwalter, die dem „Genesungswerk“ zur richtigen Zeit die zugemessene Speise geben wollen, merken außerdem, dass sie das nur durch die Leitung des Heiligen Geistes tun können. Aus diesem Grund ist ihnen bewusst, dass sie ganz von der Gnade Gottes abhängig sind!

Austeilen bis der Herr kommt

Der treue Knecht und Verwalter hat es auf dem Herzen, die ihm anvertrauten Menschen mit Speise zu versorgen. Jeder Einzelne soll zur richtigen Zeit das richtige Maß erhalten. Ihm ist das Wohlergehen der ihm Anvertrauten ein großes Anliegen. Er möchte, dass diese Menschen gestärkt werden, dass sie nach dem innwendigen Menschen wachsen, dass sie geistlich mündig werden (und somit auch unabhängig von seiner Person den Glaubenslauf vollenden können). Der treue und kluge Verwalter erstrebt, dass die Ihm Anvertrauten lernen, zur Ehre und Verherrlichung Gottes zu leben. Er wünscht sich, dass sie immer mehr aus dem Vertrauen zum himmlischen Vater heraus leben.
Diese Treue, die bis zur Wiederkunft Jesu Christi anhält, ist sehr lobenswert, weil hier ein besonderes Ausharren sichtbar wird. Dieser Knecht wird sich bewähren, wobei ihn diese Bewährung und das Ausharren einiges kosten wird. Es wird ziemlich sicher nicht so sein, dass man zu dieser Zeit ganz gemütlich seine Predigten und Bibelstunden vorbereiten und halten kann. Wahrscheinlich kann man in vielen Fällen für das Austeilen des Brotes des Lebens kein Pastorengehalt mehr beziehen. Ich vermute sehr stark, dass das Versorgen des „Gesindes“ mit geistlicher Speise, in der letzten Zeit mit sehr vielen Unannehmlichkeiten verbunden ist.
Trotz allen Widerständen, wird sich der treue Verwalter nicht abhalten lassen, geistliche Speise bis zur Wiederkunft des Herrn auszuteilen. Gerade in dieser Zeit wird sich die „Spreu vom Weizen trennen“. Jetzt, wo ich diese Zeilen schreibe, ist mir aber auch bewusst, dass ich diese hier beschriebene Treue nicht aus eigener Kraft an den Tag legen kann! Nur wenn der Herr selbst, in mir diese Treue bewirkt, kann ich mich als treuer Sklave Jesu Christi erweisen. Wenn ich auf meine eigene Treue bauen würde, käme es bei mir zu der gleichen Geschichte wie bei Petrus, der seinen Herrn dreimal verleugnete!
Es stellt sich die Frage: „Wie kann es soweit kommen, dass gegen Ende das Austeilen des Wortes Gottes so schwierig wird?“ Eine Möglichkeit wäre, dass in den christlichen Kreisen eine richtige Euphorie entsteht, was die Entrückung betrifft. Doch diese Euphorie erlischt dann wieder, weil die Erwartung der Wiederkunft des Herrn vielleicht enttäuscht wird. Dieses Erlebnis führt danach zu einer großen Frustration. Viele sagen infolgedessen: „Der Herr verzieht! Das kann noch Jahrhunderte dauern, bis er wiederkommt; wenn überhaupt!“ Es wäre sehr gut denkbar, dass gerade in dieser Zeit, nach etlichen Enttäuschungen, in vielen christlichen Kirchen und Freikirchen sowie in der Welt, der Spott über die Wiederkunft Jesu Christi sehr stark zunimmt. So wie uns das auch Petrus beschreibt:

  • ELB 2Petr 3:2-6 - damit ihr gedenkt der von den heiligen Propheten [schon] vorher gesprochenen Worte und des durch eure Apostel [übermittelten] Gebotes des Herrn und Heilandes 3und zuerst dies wisst, dass in den letzten Tagen Spötter mit Spötterei kommen werden, die nach ihren eigenen Begierden wandeln 4und sagen: Wo ist die Verheißung seiner Ankunft? Denn seitdem die Väter entschlafen sind, bleibt alles so von Anfang der Schöpfung an. 5Denn denen, die dies behaupten, ist verborgen, dass von jeher Himmel waren und eine Erde, die aus Wasser und durch Wasser Bestand hatte, [und zwar] durch das Wort Gottes, 6durch welche die damalige Welt, vom Wasser überschwemmt unterging.

Wie wird sich das auf die Gläubigen weltweit auswirken, wenn der Spott in Bezug auf die Wiederkunft Jesu Christi ein noch nie dagewesenes Maß erreichen wird? Ich bin überzeugt, dass dieser Spott den Glauben von vielen Christen bis aufs Äußerste strapazieren wird. Daraufhin entstehen innere Zweifel an der grundlegenden Verheißung der Wiederkunft Jesu Christi. Folgende Gedanken können dann immer mehr zum Ausdruck gebracht werden:

„Haben sich die Christen nicht schon seit bald 2'000 Jahren immer wieder darin getäuscht, an eine sichtbare und ganz reale Wiederkunft Jesu zu glauben? Müssten wir diese Verheißung nicht viel mehr auf die geistliche Ebene transferieren? Christus ist in unsere Herzen wiedergekommen und das ist damit gemeint, wenn das NT von der Wiederkunft Jesu Christi spricht!“

Dieses Anzweifeln der Verheißungen Gottes strapaziert natürlich auch die Arbeit des treuen Verwalters bis aufs Äußerste! Vermutlich wird zugleich seine Arbeit angezweifelt. Vielleicht hat er nur noch wenige, die ihm zuhören, weil viele Menschen sich von der wörtlichen Auslegung der Bibel distanzieren. Es wäre sehr gut möglich, dass in der Folge sogar der treue Knecht von Zweifeln geplagt ist und sich immer wieder fragt: „Macht meine Arbeit überhaupt noch Sinn? Ist sie nicht völlig zwecklos?“
Doch er empfängt vom Herrn die innere Kraft einfach weiter das Wort Gottes auszuteilen!

Warum rechnet er zum Zeitpunkt der Wiederkunft Christi nicht damit?

Der Kontext zeigt eindeutig, dass sowohl der treue als auch der böse Knecht zum Zeitpunkt der Wiederkunft des Herrn nicht damit rechnet (Lk 12:40 / Lk 12:46). Seit bald 2'000 Jahren sehnen sich die Christen nach der Entrückung! Immer wieder hört man den Ausspruch: „Ach wie schön wäre es doch, wenn der Herr heute noch kommen würde!“ Besonders für die bedrängten und verfolgten Christen wäre eine zeitnahe Entrückung ein ganz großer Segen und bestimmt überdies ein großer Wunsch!

Wenn man davon ausgeht, dass dieses Gleichnis nur die Gläubigen aus Israel betrifft, nachdem die Vollzahl aus den Nationen eingegangen ist (Röm 11:25), dann könnte man natürlich sagen, dass dieser Umstand der überraschenden Wiederkunft Jesu, nicht auf die Gläubigen aus den Nationen zutrifft. Nimmt man aber an, dass die Vollzahl aus den Nationen, vor den letzten sieben Jahren entrückt wird und danach viele aus dem Volk Israel durch die beiden Zeugen zum Glauben an Jesus Christus kommen, dann würde sich – bei dieser Auslegung – dieses Gleichnis auf die Gläubigen aus Israel beziehen. Allerdings lassen sich viele Ereignisse in den letzten 7 Jahren relativ genau berechnen, weil wir in der Bibel viele genaue Zeitangaben finden, was die letzten 7 Jahre betrifft. Hier gibt es Angaben auf den Tag genau.
Aus prophetischer Sicht bin ich der Überzeugung, dass sich die „Mitternacht“ vor den letzten sieben Jahren befindet. Da es in dem Gleichnis über die zehn Jungfrauen eine Wiederkunft des Bräutigams „um Mitternacht“ gibt (Mt 25:6) und der Herr sehr wahrscheinlich in der zweiten und dritten Nachtwache kommt (Lk 12:38), tendiere ich dazu, dass sowohl das Gleichnis mit den zehn Jungfrauen, als auch dieses Gleichnis, auch etwas mit den Gläubigen aus den Nationen zu tun hat. Mit großer Wahrscheinlichkeit hört die Verstockung Israels erst mit dem Auftreten der beiden Zeugen auf und diese wirken in den ersten 3½ Jahren des letzten Siebeners.
Die Tatsache, dass der Herr zu einem Zeitpunkt kommt, wo man es nicht vermutet, betrifft ziemlich sicher auch uns Gläubige aus den Nationen. Vor der Entrückung kommt die Christenheit in einen Zustand, in dem sie nicht mit der Wiederkunft ihres Herrn rechnet. Wenn der Herr sagt, dass Er zu einer Zeit kommt, wo wir es nicht meinen, dann können wir diesen Zeitpunkt weder berechnen, noch können wir die Ereignisse vor der Entrückung voraussagen. In vielen Endzeitstudien und prophetischen Forschungsarbeiten haben etliche Bibelforscher versucht, das Datum der Entrückung zu berechnen oder die Ereignisse vor der Entrückung zu erkennen, damit man dann weiß: „Jetzt ist es soweit!“ Aber genau das ist nicht möglich, weil der Herr sagt: „Denn der Sohn des Menschen kommt in der Stunde, da ihr es nicht meint (Lk 12:40)“. Würde man die Ereignisse vor der Entrückung voraussagen können, dann dürfte die Wiederkunft des Herrn keine so große Überraschung sein. Ebenso wäre sie keine große Überraschung, wenn man das Datum der Entrückung berechnen könnte.
Für mich ist klar: „Wir sollten weder das Entrückungsdatum noch die unmittelbaren Ereignisse vor der Entrückung herausfinden, sondern wir sollten wachsam sein, indem wir im Gebet anhalten und die gesunde Lehre des Evangeliums nicht aus den Augen verlieren.“ Was uns die Bibel sagt, ist, dass der Spott über die „Verheißung Seiner Ankunft“ zunehmen wird und vor der Entrückung vielleicht sogar seinen Höhepunkt erreicht, so dass der Glaube vieler, bis aufs Äußerste strapaziert wird.
Möglich wäre auch, dass alle Christen von einem spektakulären Ereignis so sehr eingenommen sind, dass sie dann zu keiner Sekunde mit der Wiederkunft Jesu rechnen. Der 11. Sept. 2001 war ein Ereignis, das praktisch alle Menschen in irgendeiner Weise gefesselt hat. Aber ich bin davon überzeugt, dass noch viel gewaltigere Dinge passieren werden, als das genannte Ereignis! Der „11. Sept. 2001“ ist dann im Vergleich nur ein kleiner Vorgeschmack! Solche Ereignisse lenken uns so sehr ab, dass wir nicht einmal merken, dass der Herr vor der Tür steht! Maria Magdalena war so sehr betrübt, dass der Leichnam ihres Herrn nicht mehr da war und dabei merkte sie nicht einmal, dass der Herr direkt vor ihr stand (Joh 20:15)!
Gerade weil die Ablenkung maximal groß sein wird, ist die Wachsamkeit so fundamental wichtig. Darum müssen wir uns darin üben, mit dem Herrn durch Gebet verbunden zu sein und Ihn in Seinem Wort anzuschauen. Wir sollten unbedingt allezeit Jesus Christus vor unseren Herzensaugen haben, damit wir allezeit bereit sind.

Was dem treuen Knecht verheißen ist

Als Jesus Mensch wurde, kam Er unter anderem auch, um zu dienen. So sagte Er selbst:

  • Mk 10:45 - Denn auch der Sohn des Menschen ist nicht gekommen, um bedient zu werden, sondern um zu dienen und sein Leben zu geben als Lösegeld für viele.

Nach der bevorstehenden Wiederkunft Jesu wird der Herr Jesus die Knechte, die gewacht haben, noch einmal bedienen. Wir lesen die erstaunlichen und unfassbaren Worte aus Lk 12:37:

  • Glückselig jene Knechte, die der Herr, wenn er kommt, wachend finden wird! Wahrlich, ich sage euch: Er wird sich umgürten und sie sich zu Tisch legen lassen und wird hinzutreten und sie bedienen.

Wer kann das fassen? Nachdem der Herr gekommen sein wird, gibt es ein Fest, welches alle unsere Vorstellungen, bei weitem übertreffen wird. Die Schönheit und Harmonie dieses Festes wird überwältigend sein. Und Jesus selbst wird Seine treuen und wachsamen Knechte bedienen. Was für ein unglaubliches Wunder und was für eine unfassbare Glückseligkeit wird das dann sein? Worte können nicht annähernd beschreiben, wie sich diese Glückseligkeit anfühlen wird.
Der treue Knecht hat aber noch eine andere Verheißung:

  • ELB Mt 24:47 - Wahrlich, ich sage euch, er wird ihn über seine ganze Habe setzen.
  • ELB Lk 12:43-44 - Glückselig jener Knecht, den sein Herr, wenn er kommt, bei solchem Tun finden wird! 44In Wahrheit sage ich euch, dass er ihn über seine ganze Habe setzen wird.

Der treue Knecht wird über die ganze „Habe“ des Herrn gesetzt. Er war im Kleinen treu und dann wird er zum Verwalter über alle Besitztümer des Herrn gesetzt. Eine große verantwortungsvolle und wunderbare Aufgabe wartet auf ihn. Diese künftige Arbeit ist dann nicht wie heute mit Stress und Ärger verbunden, sondern mit einer ganz großen Freude und Glückseligkeit. Unsere künftigen Aufgaben beim Herrn werden uns im positiven Sinn ganz erfüllen werden.
Die Verheißung, die Jesus hier ausspricht, erinnert uns vielleicht auch an das, was der Apostel Paulus schrieb:

  • 1Kor 3:21-22 - So rühme sich denn niemand im Blick auf Menschen, denn alles ist euer. 22Es sei Paulus oder Apollos oder Kephas, es sei Welt oder Leben oder Tod, es sei Gegenwärtiges oder Zukünftiges; alles ist euer,

Wie der treue Knecht über die ganze Habe des Herrn gesetzt wird, so ist uns mit Christus auch alles geschenkt (Röm 8:32).

Der böse Knecht und sein Verhalten

Der böse Knecht läuft eine Zeitlang richtig und irgendwann einmal fällt er eine eigenwillige und falsche Entscheidung! Diese eine Weichenstellung hat fatale Folgen. Wie alles andere auch, beginnt das Entscheidende in seinem Herzen. Lesen wir den Hergang noch einmal:

  • ELB Mt 24:48-49 - Wenn aber jener [als] böser Knecht in seinem Herzen sagt: Mein Herr lässt auf sich warten, 49und anfängt, seine Mitknechte zu schlagen, und isst und trinkt mit den Betrunkenen,
  • ELB Lk 12:45 - Wenn aber jener Knecht in seinem Herzen sagt: Mein Herr lässt sich Zeit mit dem Kommen, und anfängt, die Knechte und Mägde zu schlagen und zu essen und zu trinken und sich zu berauschen,

Die Schlussfolgerung des bösen Knechtes

Irgendwann hat der böse Knecht genug vom „Warten auf den Herrn“ und er entscheidet sich für ein egoistisches Leben. Offensichtlich hat dieser Knecht gut angefangen. Er hat erkannt, dass Jesus Christus der Herr ist. Er glaubt sogar an die Verheißung Jesu, dass Er wiederkommen wird. Es ist ein Glaube an den richtigen Herrn und an Seine Verheißungen vorhanden. Er hat sich also auch mit dem prophetischen Wort auseinandergesetzt und ist dabei zum Schluss gekommen: Jesus kommt wieder! In dieser Phase arbeitet er ziemlich sicher auch mit anderen Sklaven Jesu zusammen. Sehr wahrscheinlich geht er auch mit ihnen in eine Gemeinde oder in einen Bibelkreis. Nach Außen hin sieht fast alles ganz genau gleich aus, wie beim treuen Sklaven. Man kann die Beiden vor dem Herzensentschluss des üblen Knechtes wohl kaum unterscheiden.
Was aber geschieht, bevor der üble Sklave die entscheidende Weichenstellung in seinem Herzen vollzieht? Was könnte ihn dazu veranlasst haben? Die Beantwortung dieser Fragen dürfte äußerst aufschlussreich sein.
Zuerst könnte man natürlich gewisse Umstände als Ursache für seine Entscheidung erkennen! Aber das greift zu kurz! Trotzdem will ich zuerst einmal auf die Umstände hinweisen:
Offensichtlich kommt irgendwann der Zeitpunkt, an dem der böse Knecht nicht mehr warten will, wo er die Geduld verliert. Mit anderen Worten: „Die Erwartungen des bösen Knechtes wurden enttäuscht! Er hatte falsche Erwartungen und seine falschen Erwartungen verwechselte er womöglich mit den Verheißungen des Wortes Gottes.
Wenn wir uns über prophetische Aussagen des Wortes Gottes ganz bestimmte Vorstellungen machen, dann ist das ganz normal! Wir können wohl kaum über ein prophetisches Wort der Bibel nachdenken, ohne uns davon auch eine Vorstellung zu machen! Das Problem ist nur, wenn aus unseren Vorstellungen Erwartungen werden, die wir dann selbst als biblisch einwandfrei richtig deklarieren. In dem Augenblick, wo unsere Erwartungen dann nicht in Erfüllung gehen, kommt es zu einer herben Enttäuschung. Unter Umständen ist dann die Enttäuschung so groß, dass man generell an den Zusagen Gottes zu zweifeln beginnt. Das passiert vor allem da, wo die Erwartungen, die aus unseren Vorstellungen entstanden sind, mit den prophetischen Aussagen des Wortes Gottes gleichgesetzt werden. Unseren Vorstellungen zu den prophetischen Aussagen der Bibel sollten wir immer ein wenig misstrauen! Aber wir müssen nie den Zusagen des Wortes Gottes misstrauen.
Die Enttäuschung, die aufgrund einer falschen Erwartung entstanden ist, könnte also die Ursache für die falsche Weichenstellung des bösen Knechtes sein. Aber auch die fehlende Geduld oder der Umstand, nicht mehr länger ausharren zu wollen, könnte dazu führen, die Wiederkunft des Herrn auf den „St. Nimmerleinstag“ zu schieben. Es könnte viele verschiedene Ursachen haben, die zum Herzensentschluss des bösen Knechtes führen. Einige weitere seien hier nur erwähnt:

- Es macht keine Freude mehr, für den Herrn zu arbeiten.
- Der Glaube ist zu mühsam geworden.
- Die Verkündigung des Wortes Gottes bringt keinen Gewinn mehr.
- Man handelt sich beim Predigen nur noch Probleme ein.
- Als arbeitender Christ bekommt man kaum mehr Ehre.
- Alles ist so mühsam geworden und der Dienst für den Herrn ist so kräfteraubend.
- Der christliche Glaube bringt mehr Probleme als Lösungen
- usw.

Die nennenswerte Parallele im AT, zu dem Verhalten dieses Knechtes, finden wir bei Saul. So finden wir im ersten Samuelbuch folgende Begebenheit:

  • 1Sam 13:8-12 - Und er wartete sieben Tage bis zu der von Samuel bestimmten Zeit; aber Samuel kam nicht nach Gilgal. Und das Volk fing an, von ihm auseinanderzulaufen. 9Da sagte Saul: Bringt mir das Brandopfer und die Heilsopfer her! Und er opferte das Brandopfer. 10Und es geschah, als er eben fertig war, das Brandopfer zu opfern, siehe, da kam Samuel. Und Saul ging hinaus, ihm entgegen, um ihm den Segensgruß zu entbieten. 11Und Samuel sprach: Was hast du getan! Saul antwortete: Weil ich sah, dass das Volk von mir auseinanderlief, und du kamst nicht zur bestimmten Zeit, während die Philister sich schon bei Michmas versammelt hatten, 12da dachte ich: Jetzt werden die Philister zu mir nach Gilgal herabkommen, und ich habe das Angesicht des HERRN noch nicht gesucht. Da wagte ich es und opferte das Brandopfer.

Saul wartet auf den Propheten Samuel! Dummerweise kommt er nicht zu der erwarteten Zeit! Entweder hatte Samuel Verspätung oder Saul hat ihn einfach früher erwartet. Wie dem auch sei; die Lage wurde immer kritischer und das Volk lief auseinander! Das sind genau die Stellen im Leben, wo wir uns von Natur aus zum Handeln gezwungen fühlen! Nur der Glaube kann sagen: „Auch wenn die israelitische Armee immer kleiner wird und am Schluss nur noch aus 300 Mann existiert, so werden wir doch Gott auf unserer Seite haben. Das ist das Entscheidende und nicht der Umstand, eine möglichst große Armee zu haben! Aber die Erwartungen von Saul wurden enttäuscht, weil der Prophet verzog. Dabei geriet er vermutlich in Panik! Um das Volk beieinander zu halten, befahl Saul, die Opfer darzubringen!
Das war die große Fehlentscheidung seines Lebens! Er wartete nicht auf den Propheten, sondern wurde aufgrund einer Enttäuschung und den zunehmenden Problemen selber aktiv! Ich glaube, dass Gott dem Saul diese Sünde noch vergeben hätte, wenn er in der Demut geblieben wäre! Aber er wollte unbedingt vor dem Volk geehrt werden (1Sam 15:30) und weil ihm die Demut fehlte, war er später auch eifersüchtig auf David, der den größeren militärischen Erfolg hatte, als er selbst (1Sam 18:7-8). Wäre er demütig gewesen, hätte er sich wie Jonathan verhalten und akzeptieren können, dass nach ihm David König sein würde. Für Jonathan war klar, dass er an zweiter Stelle nach David stehen würde (1Sam 23:17).
Fehlende Unterordnung, fehlender Glaube, fehlende Demut und das fehlende Ausharren führten zu einem eigenmächtigen Handeln Sauls! Beim bösen Knecht wird die Situation ganz ähnlich sein! Der böse Knecht erwartet den Herrn. Der Herr lässt auf sich warten und kommt nicht zum erwarteten Zeitpunkt, wie auch der Bräutigam in (Mt 25:5)! Das führt zu einer Enttäuschung und vielleicht auch in eine Panik! Man wartet nicht weiter auf den Herrn, sondern beginnt eigenmächtig zu handeln, indem man anfängt, die Dinge zu tun, die wenigstens „Etwas bringen“.
Alle die erwähnten Probleme haben eine Grundursache. Sie gehen alle auf eine grundsätzlich falsche Herzenseinstellung zurück! Ab dem Zeitpunkt, wo die eigenen Erwartungen und die eigenen Wünsche wichtiger sind, als der Herr selbst, kommt es nur noch zu Fehlentscheidungen und falschen Weichenstellungen. Durch diese falsche Herzenseinstellung entstehen auch folgende Gedanken:

„Wenn der Herr nicht dann kommt, wann ich es erwarte oder brauche, dann interessiert sich dieser Herr nicht wirklich für mich und dann ist dieser Herr nicht wirklich „zu gebrauchen“.

An dieser Stelle wird deutlich, wer Gott liebt und dem Herrn Jesus um Seiner Liebe Willen dient oder wer dem Herrn nur gefolgt ist, weil Er bis anhin viele seiner Wünsche befriedigte.

„Wenn Jesus das Brot vermehrt und wir nicht hungern müssen und wenn Er uns vom römischen Joch befreit, dann ist dieser Jesus zu gebrauchen und dann soll dieser Jesus auch über uns herrschen! Aber wenn Er uns nicht das gibt, was wir uns wünschen oder brauchen, dann brauchen auch wir Ihn nicht und dann hinweg mit Ihm!“

Der böse Knecht zweifelt also an einer unmittelbar bevorstehenden Wiederkunft des Herrn! Er hat auch keine Lust oder keine Kraft mehr, dem Herrn zu dienen! Es verlangt zu viele Opfer, es ist zu mühsam und es „bringt in der aktuellen Situation zu wenig“! Nach dieser Weichenstellung beginnt dann das Verhalten, das sein Verderben zur Folge hat.

Das verwerfliche Verhalten des bösen Knechtes

Der Gedanke, dass die Wiederkunft des Herrn noch weit weg ist, führt dann zu einer falschen Schlussfolgerung! Der böse Knecht sagt sich: „Da es noch lange dauert bis der Herr kommt, muss ich es mit dem Dienen auch nicht so ernst nehmen. Ich kann mich vermehrt mit den schönen Seiten des Lebens beschäftigen!“ Diese Haltung ist auch dann verkehrt, wenn der Herr erst in 100 Jahren kommt, weil man nie weiß, wann unser letzter Tag gekommen ist. Jeder von uns kann schon morgen vor dem Herrn der Herrlichkeit stehen. Das macht ja auch die Aussage Jesu deutlich, als er vom reichen Toren sprach:

  • Lk 12:18-20 - Und er sprach: Dies will ich tun: Ich will meine Scheunen niederreißen und größere bauen und will dahin all mein Korn und meine Güter einsammeln; 19und ich will zu meiner Seele sagen: Seele, du hast viele Güter liegen auf viele Jahre. Ruhe aus, iss, trink, sei fröhlich! 20Gott aber sprach zu ihm: Du Tor! In dieser Nacht wird man deine Seele von dir fordern. Was du aber bereitet hast, für wen wird es sein?

Ganz unabhängig davon, wie lange es dauert, bis der Herr kommt; wir sollten allezeit den Liebesdienst ausführen, den uns der Herr aufgetragen hat und wir sollten allezeit aus der Liebesbeziehung mit dem Herrn heraus leben, so dass wir allezeit bereit sind, auch abberufen zu werden.
Der böse Knecht ändert jetzt also seinen Lebensstil!

  • ELB Mt 24:49 - und anfängt, seine Mitknechte zu schlagen, und isst und trinkt mit den Betrunkenen,
  • ELB Lk 12:45 - Wenn aber jener Knecht in seinem Herzen sagt: Mein Herr lässt sich Zeit mit dem Kommen, und anfängt, die Knechte und Mägde zu schlagen und zu essen und zu trinken und sich zu berauschen,

Der böse Knecht sagt dann zu sich und anderen: „Ach was sollen wir uns auf den Herrn Jesus konzentrieren, der kommt jetzt sowieso nicht! Lasst uns das Leben genießen. Lasst uns einkaufen und Feste feiern! Lasst uns betrinken und mit allerlei Vergnügungen berauschen. Lasst uns unterhaltsame Events organisieren und spannenden Filme anschauen!“ Es findet eine Berauschung aller Sinne statt! Der Genuss hat die oberste Priorität! Dann hört man vielleicht auch die Botschaft:

„Gott will, dass wir es schön haben und das Leben genießen! Er will doch nicht, dass wir uns mit so „uncoolen Texten“ wie dem Buch Hiob auseinandersetzen! Und überhaupt: Wir sollten aufhören die Bibel so wörtlich zu nehmen! Wie lange haben wir jetzt schon auf eine Entrückung gewartet und wie viel Mal waren wir schon davon überzeugt, dass Er jetzt kommen wird und jedes Mal haben wir uns getäuscht! Die Entrückung ist nur bildlich und symbolisch zu verstehen und alle die etwas anderes behaupten sollte man ‚schlagen’!“

Der Spott und die ‚Schläge’ der untreuen Knechte gegenüber ihren Mitknechten nehmen dann stetig zu! Das Vertrauen der treuen Knechte wird dann vermutlich bis aufs Äußerste strapaziert. Wahrscheinlich so sehr, dass die treuen Knechte zwar immer noch dem Wort Gottes vertrauen und es in ihrem Herzen bewahren, aber nicht mehr damit rechnen, dass der Herr demnächst kommt!

UND DANN KOMMT ER!

Doch zuvor fängt der böse Knecht an, seine Mitknechte, bzw. seine Knechte und Mägde zu schlagen. Dieser Verwalter wird also diejenigen unterdrücken und plagen, die ihm anvertraut sind. Als verantwortlicher Leiter einer Gemeinschaft fordert er von seinen ihm anvertrauten Menschen bedingungslose Unterordnung und Unterstützung. Vermutlich werden dann auch die Aufrufe, den Zehnten zu geben, entsprechend zunehmen. Dies geschieht dann nicht in erster Linie, um Gemeinde zu bauen und um das Evangelium hinauszutragen, sondern um seinen eigenen Lebensstil komfortabler finanzieren zu können. Dabei wird es in seiner Gemeinschaft auch einige Kritiker geben. Diese werden dann z. B. Folgendes beanstanden:

- Den verschwenderischen Lebensstil des „Verwalters“.
- Die Vernachlässigung des prophetischen Wortes.
- Das Infrage-Stellen der Bibel.
- Die Vernachlässigung des diakonischen Dienstes.
- Mangelndes Evangelisations- und Missionsbewusstsein.
- usw.

Diese zunehmende Kritik an seinem „Verwaltungsstil“ wird den bösen Knecht so sehr ärgern, dass er die ihm unterstellten Leute anfängt zu unterdrücken, zu moppen und zu schlagen; wie auch immer diese Schläge dann aussehen.
Vermutlich wird der böse Knecht, resp. Verwalter sich auch darüber aufregen, dass es in seiner Gemeinschaft immer noch Solche gibt, die an die wortwörtliche Erfüllung der Verheißung Seiner Wiederkunft glauben. Das wörtliche Festhalten an den biblischen Aussagen wird dann als intolerant, unzeitgemäß und rückständig deklariert. Diese „Fundamentalisten“ sollten dann auch geschlagen werden.
Das Schlagen der Knechte und Mägde führt dann vielleicht dazu, dass diese die Gemeinschaft verlassen oder dass sie dazu verhindert werden und zur Unterordnung gezwungen werden, wie das z. B. bei den Scientologen der Fall ist.
Sobald der böse Knecht dieses „Problem“ gelöst hat, indem er die Störenfriede mundtot gemacht hat oder diese seine Gruppierung verlassen haben, kann er sich dem Genuss widmen. Jetzt ist Essen, Trinken und Berauschen angesagt. Heute hat ja das Essen und Trinken schon einen sehr hohen Stellenwert. Fast alles dreht sich um den Genuss! Die diesbezüglichen Worte Jesu haben hier auch einen wichtigen Stellenwert:

  • Lk 17:26-29 - Und wie es in den Tagen Noahs geschah, so wird es auch sein in den Tagen des Sohnes des Menschen: 27Sie aßen, sie tranken, sie heirateten, sie wurden verheiratet bis zu dem Tag, da Noah in die Arche ging und die Flut kam und alle umbrachte. 28Ebenso auch, wie es geschah in den Tagen Lots: Sie aßen, sie tranken, sie kauften, sie verkauften, sie pflanzten, sie bauten; 29an dem Tag aber, da Lot von Sodom hinausging, regnete es Feuer und Schwefel vom Himmel und brachte alle um.

Interessanterweise sind die hier genannten Tätigkeiten gar nicht verwerflich. Diese Dinge tun die Christen ja auch! Das Problem sind nicht die Tätigkeiten als solches, sondern der Umstand, dass die Menschen nur noch diesen Dingen nachstudieren! Das ganze Denken ist nur noch auf den Konsum ausgerichtet. Es hat praktisch kaum noch Etwas anderes Platz! Das Leben besteht nur noch aus Konsumieren und Genießen.
Der böse Knecht hat sich nun ebenfalls auf diesen Lebensstil ausgerichtet. Als egoistischer Zeitgenosse ist er auch nicht mehr in der Lage dem Herrn und den Menschen in richtiger Weise zu dienen. Er hat kein Interesse mehr, die ihm Anvertrauten mit geistlicher Nahrung zu versorgen, da er in erster Linie genießen will.
Das Berauschen ist dann auch ein ganz wesentlicher Bestandteil seines Lebens. Die Berauschung fördert den Genuss! Dabei dürfte hier nicht nur die Berauschung mit Alkohol und Drogen gemeint sein. Heute können sich die Menschen mit allen möglichen Dingen berauschen. Ich denke da an:

- den Medienkonsum
- die Genuss- und Vergnügungssucht
- die sexuelle Ausschweifung
- betörende Lehren und Götzendienst
- den Narzissmus
- usw.

Die ganze Existenz des bösen Knechtes wird dann von diesen Dingen beherrscht. Die Fürsorge, die Nächstenliebe und die Barmherzigkeit werden dann „auf der Strecke bleiben“!

Warum rechnet er zum Zeitpunkt der Wiederkunft Christi nicht damit?

Wenn schon der treue Knecht den Zeitpunkt für das Kommen des Herrn nicht erkennt, wie viel weniger der böse Knecht, der sich dann mit allen möglichen weltlichen Dingen beschäftigt. Der treue Knecht dient dem Herrn – trotz vermutlich widerlichen Umständen – bis zu Seiner Wiederkunft. Er liebt den Herrn, ist im Gebet mit Ihm verbunden und er liebt seine Mitknechte!
Der böse Knecht denkt nur noch an sich, seine Gebete (wenn er überhaupt noch betet) kommen nicht mehr von Herzen und er liebt weder den Herrn Jesus noch seine Mitknechte. Diese Haltung macht in geistlich total blind und durch sein Verhalten hat er die Verbindung zum wahren Leben abgebrochen. Der wiederkommende Herr wird für ihn ein absoluter Schrecken sein, weil er sehr schnell realisieren wird, dass er dem Herrn des Universums in jüngster Vergangenheit, keine Beachtung mehr schenkte und dass er diejenigen geschlagen hat, die diesen Herrn lieben.
Auch wenn beide Knechte bei der Wiederkunft des Herrn nicht mit Seinem Kommen rechnen, so dürfte es bezüglich ihrer inneren Haltung trotzdem einen Unterschied geben. Der treue Knecht glaubt immer noch an eine Wiederkunft des Herrn, obwohl er sie nicht dann erwartet, wenn sie geschieht. Der böse Knecht zweifelt, je länger je mehr, ziemlich sicher generell an einer sprichwörtlichen Wiederkunft des Herrn und er rechnet vor dem Kommen des Herrn ganz bestimmt nicht damit.

Das Gericht für den bösen Knecht

Der böse Knecht wird entzwei geschnitten und wird seinen Teil bei den Ungläubigen und Heuchlern haben. Da wird er dann auch mit vielen Schlägen geschlagen und da wird das Weinen und Zähneknirschen sein. Dazu lesen wir:

  • Mt 24:51 - und wird ihn entzweischneiden und ihm sein Teil festsetzen bei den Heuchlern: da wird das Weinen und das Zähneknirschen sein.
  • Lk 12:46-47 - so wird der Herr jenes Knechtes kommen an einem Tag, an dem er es nicht erwartet, und in einer Stunde, die er nicht weiß, und wird ihn entzweischneiden und ihm sein Teil festsetzen bei den Ungläubigen. 47Jener Knecht aber, der den Willen seines Herrn wusste und sich nicht bereitet, noch nach seinem Willen getan hat, wird mit vielen [Schlägen] geschlagen werden;

Dieses Gericht ist sehr schwer! Ohne Zweifel beinhaltet es ein großes Leiden. Was aber bedeutet das „Entzweischneiden“? Vielleicht werden wir auch an eine Stelle aus dem Hebräerbrief erinnert:

  • Hebr 4:12 - Denn das Wort Gottes ist lebendig und wirksam und schärfer als jedes zweischneidige Schwert und durchdringend bis zur Scheidung von Seele und Geist, sowohl der Gelenke als auch des Markes, und ein Richter der Gedanken und Gesinnungen des Herzens;

Ich vermute, dass bei diesem „Entzweischneiden“ die Seele von dem abgetrennt wird, an dem sie hing. Wenn die Seele an der Selbstverwirklichung hängt und wenn sie vom Egoismus geprägt ist, ohne dass sie zu Lebzeiten umgekehrt ist, indem sie sich von diesen Dingen löste, dann muss sie durch Gericht davon gelöst werden. Diese Abtrennung ist äußerst schmerzhaft. In der DaBhaR-Übersetzung ist auch von einer „Weglösung“ die Rede:

  • DBR Mt 16:25 - Denn wer so seine Seele retten will, wird sie gänzlich weglösen; wer aber gleichsam gänzlich weglöst seine Seele um meinetwillen, wird sie finden.

Wer seine Seele in dieser Welt hasst (zurückstellt; Joh 12:25) und sie dadurch auch von dem Kosmos mit allen seinen Begierden löst, wird seine Seele finden. Wer aber seine Seele an die Selbstverwirklichung und an die Begierden haftet und sie dabei unversehrt erhalten will, wird sie verlieren, indem sie gerichtsmäßig von diesen Dingen weggelöst wird. Es könnte auch eine Teilung vom Geist beinhalten, die für die Seele ebenfalls sehr schmerzhaft ist.
In diesem Gericht ist man dann mit denen zusammen, die Gott nicht vertrauen und somit auch keine Verbindung zum wahren Leben haben. Man ist mit den Heuchlern zusammen und mit denen die nicht authentisch sind. Nur schon die Gemeinschaft mit diesen Personen ist an und für sich ein Gericht. Man stelle sich einfach eine Wohngemeinschaft mit Mördern, Verbrechern und Dieben vor. Über kurz oder lang, hat man hier immer das Gefühl betrogen zu werden und man fühlt sich auch nicht mehr sicher, weil man mit solchen Menschen kein Vertrauen aufbauen kann. Sehr schnell kann es hier zum Streit kommen und am Ende fühlt man sich seines Lebens nicht mehr sicher weil sich ja auch Mörder in dieser Wohngemeinschaft befinden! In einer egoistischen Gemeinschaft wird nicht geliebt und das macht die Gemeinschaft über kurz oder lang zu einer Hölle. Natürlich ist der Feuersee auch noch etwas anderes, als die Gemeinschaft mit Mördern. Im Feuersee verbrennt das Feuer der Liebe Gottes alles, was nicht Liebe ist und solches ist für die Heuchler und Verbrecher ungeheuer schmerzhaft. Da wird dann das Weinen und das Zähneknirschen sein wird.
Doch im Gericht gibt es unterschiedlich viele Schläge und Jesus sagt auch an anderer Stelle, dass das Gericht für die einen erträglicher sein wird als für andere (Lk 10:12). Es gibt unterschiedlich viele Schläge, aber keine endlosen Schläge, denn die Barmherzigkeit triumphiert über das Gericht (Jak 2:13) und Gott hat versprochen, dass Er sich über alle einmal erbarmen wird:

  • Röm 11:32 - Denn Gott hat alle zusammen in den Ungehorsam eingeschlossen, damit er sich aller erbarmt.