Bahnt dem Herrn einen Weg (Joh 1:19-28)

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Von Daniel Muhl

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Johannes der Täufer war in jeder Hinsicht ein guter und treuer Zeuge! Der folgende Abschnitt beinhaltet sein Zeugnis über sich selbst. Dazu lese ich aus Joh 1:19-28:
  • 19 Und dies ist das Zeugnis des Johannes, als die Juden aus Jerusalem Priester und Leviten zu ihm sandten, damit sie ihn fragen sollten: Wer bist du? 20 Und er bekannte und leugnete nicht, und er bekannte: Ich bin nicht der Christus. 21 Und sie fragten ihn: Was denn? Bist du Elia? Und er sagt: Ich bin es nicht. Bist du der Prophet? Und er antwortete: Nein. 22 Sie sprachen nun zu ihm: Wer bist du? Damit wir Antwort geben denen, die uns gesandt haben. Was sagst du von dir selbst? 23 Er sprach: Ich bin die "Stimme eines Rufenden in der Wüste: Macht gerade den Weg des Herrn", wie Jesaja, der Prophet, gesagt hat. 24 Und sie waren abgesandt von den Pharisäern. 25 Und sie fragten ihn und sprachen zu ihm: Was taufst du denn, wenn du nicht der Christus bist noch Elia noch der Prophet? 26 Johannes antwortete ihnen und sprach: Ich taufe mit Wasser; mitten unter euch steht, den ihr nicht kennt, 27 der nach mir kommt, vor dem ich nicht würdig bin, den Riemen seiner Sandale zu lösen. 28 Dies geschah zu Betanien, jenseits des Jordan, wo Johannes taufte.

Wie ich bereits aufzeigen durfte, war Johannes ein außerordentlicher Mann Gottes, der in einmaliger Weise auf Gott fokussiert war! Auch wenn es in der Bibel nicht wortwörtlich so steht, so darf man von ihm auch sagen, dass er mit ungeteiltem Herz seinem Gott diente. Ohne Zweifel hatte er eine tiefe Vertrauensbeziehung zum HERRN. Er kannte seinen Gott und wer Gott kennengelernt hat, der beurteilt sich selbst immer mehr auch aus der Sicht Gottes! Man könnte auch sagen, dass ein solcher Mensch, sich selbst aus einer "objektiven", bzw. göttlichen Schau sieht. Dabei kann man ganz generell feststellen, dass, je mehr ein Mensch Gott erkannt hat, desto demütiger er geworden ist. Genau das dürfen wir auch hier bei Johannes dem Täufer feststellen. Trotz des großen Zulaufs und trotz seiner Jüngerschar, die sich um ihn bildete, ließ er sich nicht dazu verleiten, sich als etwas anderes zu sehen, als das, was er in Wirklichkeit war. Er sah sich selbst nicht würdig, die Riemen der Sandale zu öffnen, vom dem, der nach ihm kommen würde (V.27). Gleichzeitig offenbarte ihm der Geist Gottes aber auch, dass er die verheißene Stimme in der Wüste ist, welche ruft: "Ebnet den Weg für den HERRN!" (V.23, NGÜ). Die Person 'Johannes des Täufers' wurde in der Heiligen Schrift prophezeit und das ist etwas ganz Besonderes. Im AT wurde meist der Messias prophezeit! Die Tatsache, dass auch andere Personen prophezeit wurden, die Gott wohlgefällig waren, finden wir im AT nicht so oft.

Ein Leben aus der Gemeinschaft mit dem HERRN, macht uns demütig, aber es schenkt uns auch eine ganz tiefe Gewissheit über unsere Identität! Wer aus dem Vertrauen zu Gott lebt, erkennt immer mehr, dass er ein unnützer Knecht ist (Lk 17:10) und dass in seinem 'Fleisch' nichts Gutes wohnt (Röm 7:18). Gleichzeitig erkennt er aber auch seine nicht zu übertreffende Identität in Christus! Er weiß um seine Gotteskindschaft und um seine überhimmlische Berufung (Phil 3:14 / Hebr 3:1).

Wer bist du?

Die religiöse Elite in Jerusalem hatte mittlerweile mitbekommen, dass die Volksmengen in die Wüste strömten und dass sich da 'etwas tut'. Sie 'hoffte', wie die meisten anderen auch, dass der Messias bald kommen, sie vom römischen Joch befreien und das messianische Friedensreich aufbauen würde. Gleichzeitig waren sie natürlich auch davon überzeugt, dass der Friedefürst Israels ihnen auf die Schulter klopfen und sagen würde, wie "stolz" er auf ihre Schriftkenntnisse und alle anderen frommen Bemühungen war. Möglicherweise war dieser erfolgreiche Prediger in der Wüste der Messias und das wollten sie damals natürlich unbedingt wissen. Deshalb sandten sie auch die theologischen Fachleute, die in der Thora von Gott als Mittler eingesetzt wurden. Die Leviten und Priester sollten feststellen, was es mit diesem Prediger aus der Wüste auf sich hat. Die NGÜ macht ein stückweit deutlich, welche Vorstellungen die jüdische Elite in Jerusalem hatten:

  • Joh 1:19-20 - In welcher Weise Johannes auf ihn hinwies, macht folgende Begebenheit deutlich: Die führenden Männer des jüdischen Volkes schickten aus Jerusalem Priester und Leviten zu Johannes und ließen ihn fragen, wer er selbst eigentlich sei. 20 Johannes wies alle falschen Vorstellungen zurück; unmissverständlich erklärte er: »Ich bin nicht der Messias.« –

Zuerst fällt auf, dass die führenden Männer von Jerusalem nicht selber zu Johannes gingen, um ihn persönlich kennenzulernen. Folgende Motive könnten dabei eine Rolle gespielt haben:

  1. Bequemlichkeit. Eine Reise in die Wüste konnte beschwerlich und mühsam sein und dass war nicht gerade das, was sie sich wünschten.
  2. Ihre Präsenz in der Machtzentrale Jerusalems schien ihnen wichtiger.
  3. Wenn die Priester und die Leviten ein Urteil über diesen Mann abgaben, dann konnten sie sich womöglich auch darauf berufen.

Trotzdem lesen wir in Mt 3:7, dass auch Pharisäer und Sadduzäer zu seiner Taufe an den Jordan kamen. Ob die Sendung der Priester und Leviten aus Joh 1 vor oder nach Mt 3:7 geschah, kann ich im Moment nicht sagen. Obwohl die Priester und Leviten lediglich fragten, wer er sei, erkannte Johannes sofort, dass sie falsche Vorstellungen von ihm hatten und antwortete sogleich: "Ich bin nicht der Messias!" Es wäre natürlich spektakulär gewesen, wenn Johannes diesen Abgesandten gesagt hätte, "ich bin der Messias"!

In Bezug auf Johannes sagte Jesus in Joh 5:35:

  • "Johannes war eine brennende Lampe, die einen hellen Schein gab; aber alles, was ihr wolltet, war, euch eine Zeit lang an ihrem Licht zu begeistern."

Durch die Erscheinung des Täufers, keimte in vielen Juden die Hoffnung, dass jetzt das messianische Zeitalter anbrechen würde und dadurch entstand auch eine gewisse Begeisterung. Nach der klaren Absage des Johannes, hofften die Fragenden auf andere, die ebenfalls im Tanach (AT) verheißen wurden. Deshalb fragten sie weiter:

  • 21 Und sie fragten ihn: Was denn? Bist du Elia? Und er sagt: Ich bin es nicht.

Ganz am Ende des Alten Testamentes wurde auch ein Wiederkommen des Elia prophezeit. So lesen wir in Mal 3:23:

  • "Siehe, ich sende euch den Propheten Elia, bevor der Tag des HERRN kommt, der große und furchtbare."

Der wiederkommende Elia deutete auf die bevorstehende Endzeit hin. Das wäre natürlich auch sehr spektakulär gewesen. Einige Ausleger gehen davon aus, dass einer der beiden Zeugen aus Offb 11:3 Elia sein wird. Da lesen wir:

  • "Und ich werde meinen zwei Zeugen Vollmacht geben, und sie werden 1 260 Tage weissagen, mit Sacktuch bekleidet. 4 Diese sind die zwei Ölbäume und die zwei Leuchter, die vor dem Herrn der Erde stehen. 5 Und wenn jemand ihnen schaden will, so geht Feuer aus ihrem Mund und verzehrt ihre Feinde; und wenn jemand ihnen schaden will, muss er ebenso getötet werden."

In Bezug auf Johannes sagte Jesus auch das interessante Wort:

  • Mt 11:14 - Und wenn ihr es annehmen wollt: Er ist Elia, der kommen soll.

Die Aussage Jesu' und das Selbstzeugnis des Johannes, scheinen sich an dieser Stelle zu widersprechen. Diesen scheinbaren Widerspruch könnte man auf zwei verschiedene Arten deuten:

  1. Dem Johannes war einfach verborgen, bzw. nicht bewusst, dass er der wiederkommende Elia war.
  2. Johannes kam im "Geist des Elia", aber er war nicht der wiedergekommene Elia selbst. Die Bemerkung Jesu, "wenn ihr es annehmen wollt", deutet auch darauf hin.

So wie Elia für eine Umkehr des Volkes kämpfte (1Kö 18:21), so tat dies auch Johannes der Täufer, als er rief:

  • "Tut Buße! Denn das Reich der Himmel ist nahe gekommen." (Mt 3:2)

Die Abgesandten von Jerusalem fragten Johannes weiter:

  • "Bist du der Prophet? Und er antwortete: Nein."

Die Bezeichnung "der Prophet" bezieht sich ziemlich sicher auf die Aussage von Mose aus 5Mo 18:15:

  • "Einen Propheten wie mich wird dir der HERR, dein Gott, aus deiner Mitte, aus deinen Brüdern, erstehen lassen. Auf ihn sollt ihr hören."

War nicht auch Elia oder Jesaja ein Prophet wie Mose? Was bedeutet das "wie mich"? Dazu gibt es vmtl. mehrere mögliche Antworten, aber eine dürfte wie folgt sein: "Mose legte die gesetzliche Grundlage für das Volk Israel! Durch die Thora bekam Israel den Bund des Gesetzes und die schriftliche Grundlage für ein Leben mit Gott und untereinander. Der "Prophet wie Mose" legt eine neue Grundlage, bzw. er führt einen ganz entscheidenden Schritt weiter. Diese neue Grundlage und diesen neuen Bund hat Jesus eingeführt. Dieser neue Bund prophezeite bereits Jeremia in Jer 31:31-33:

  • 31 "Siehe, Tage kommen, spricht der HERR, da schließe ich mit dem Haus Israel und mit dem Haus Juda einen neuen Bund: 32 nicht wie der Bund, den ich mit ihren Vätern geschlossen habe an dem Tag, als ich sie bei der Hand fasste, um sie aus dem Land Ägypten herauszuführen - diesen meinen Bund haben sie gebrochen, obwohl ich doch ihr Herr war, spricht der HERR. 33 Sondern das ist der Bund, den ich mit dem Haus Israel nach jenen Tagen schließen werde, spricht der HERR: Ich werde mein Gesetz in ihr Inneres legen und werde es auf ihr Herz schreiben. Und ich werde ihr Gott sein, und sie werden mein Volk sein."

Wir sehen: "der Prophet" ist derjenige, der eine neue Grundlage und einen neuen Bund einführte. Darum spricht Jesus auch von einem neuen Bund in Seinem Blut (Lk 22:20). In diesem Neuen Bund hat Jesus alles vollbracht, damit wir allein durch Seine Gnade und durch den Glauben freien Zugang zum himmlischen Vater haben. Allein durch das vollbrachte Werk auf Golgatha konnten wir mit der göttlichen Gerechtigkeit beschenkt werden. Den Juden von damals war offensichtlich vmtl. noch nicht klar, dass "der verheißene Prophet", auf den das Volk Israel hören sollte, gleichzeitig auch der Messias sein würde.

Die Priester und Leviten ließen nicht locker! Ab V.22 lesen wir dann weiter:

  • Sie sprachen nun zu ihm: Wer bist du? Damit wir Antwort geben denen, die uns gesandt haben. Was sagst du von dir selbst?

Das Wissen um die eigene Identität und auch die Identität der anderen ist sehr wichtig! Durch seine Verbundenheit mit Gott, wusste Johannes, wer er war und was für einen Auftrag er von Gott erhalten hat. Auch wir müssen wissen, wer wir sind, warum und wozu wir geschaffen sind! Ohne dieses Wissen sind wir einfach ein Produkt des evolutionistischen Zufalls, das versucht, möglichst gut "über die Runden" zu kommen, bevor es dann stirbt und für alle Zeiten die Bühne der Weltgeschichte wieder verlässt. Ohne die von Gott geschenkte Identität kommt man aus dem Nichts und verschwindet, nach ein paar Jahrzehnten, wieder im Nichts. Im Angesicht der Ewigkeit sind dann auch die paar Jahrzehnte ein Nichts! Ohne die göttliche Bestimmung sind wir eigentlich nur eine große Zahl von organischen Zellen, die gefüttert und befriedigt werden müssen, bis sie dann sterben und verwesen. Ohne Gott ist unsere Identität eine subjektive und relative Komponente innerhalb der menschlichen Gesellschaft, die ihren Wert über ihre Nützlichkeit definiert.

Nur der Erschaffer des Menschen kann uns die richtige Identität geben und die hat Er uns bei der Erschaffung des ersten Menschen gegeben, als Er sagte, "lasst uns Menschen machen in unserm Bild, uns ähnlich"! Somit haben wir die Bestimmung Ihm ähnlich zu sein! Vor dem Sündenfall war das auch der Fall und jetzt dürfen wir durch Jesus Christus, der durch den Glauben in uns Wohnung gemacht hat, Kinder Gottes sein! Als Kinder Gottes haben wir auch die Bestimmung, Wesen der vollkommenen göttlichen Liebe zu werden!

Ich bin die Stimme eines Rufenden

Wer war Johannes? In V.23 sagt er:

  • "Ich bin die 'Stimme eines Rufenden in der Wüste: Macht gerade den Weg des Herrn', wie Jesaja, der Prophet, gesagt hat."

In der Wüste aufzustehen und seine Stimme zu erheben, ist in etwa so das Ungeschickteste was man machen kann, um Menschen zu erreichen! Aus menschlicher Sicht wäre es viel klüger gewesen, in die Stadt oder in ein Dorf zu gehen, um in der Synagoge oder an wichtigen Plätzen das Wort des HERRN zu predigen. Da stellt sich schon die Frage, weshalb Johannes so einen Weg wählte? Aus der Sicht eines Marketing-Spezialisten machte Johannes "alles falsch":
• Er wählte den falschen Ort
• Er bekleidete sich unvorteilhaft
• Er lebte ein Leben, das niemand anders leben wollte
• Er rief die Menschen dazu auf, von ihrem bösen Weg umzukehren und Buße zu tun
Es ist klar: Nicht er wählte diesen Weg, sondern der Geist Gottes führte ihn so, dass er in der Wüste anfing, seine Stimme erschallen zu lassen und den Menschen zuzurufen. Der "Erfolg" des Johannes war ein Wunder und ein Wirken des Heiligen Geistes!

Auch der "Erfolg" des Jona war so ein ähnliches Wunder! Ein ausländischer Prophet, der vmtl. jahrelang erfolglos in seiner Heimat predigte kommt völlig demotiviert in eine Weltstadt und sagte lediglich einen zentralen Satz: "Noch vierzig Tage und Ninive wird umgewendet (Jon 3:4)!" Das genügte, damit 120'000 Menschen umkehrten! Das war auch nur deshalb möglich, weil der Geist Gottes die Menschen in ihren Herzen vorbereitete! Auch hier machte Jona, aus der Sicht eines Marketingspezialisten, alles falsch! Dies zeigt uns, dass nur das Wirken des Heiligen Geistes das Entscheidende ist, und nicht die Erfahrungswerte! Deshalb ist es auch so wichtig, dass wir lernen, dem HERRN gehorsam zu sein und auf die Führung des Geistes zu achten! "Wer von Geist Gottes geleitet ist, ist nicht unter dem Gesetz!" So schreibt der Apostel Paulus in Gal 5:18! Man könnte auch hinzufügen: "Wer durch den Geist geleitet wird, vertraut nicht auf Erfahrungswerte oder Erfolgsrezepte!" Ich habe schon einmal darauf hingewiesen, dass im NT meines Wissens, von keinem offensichtlichen Wunder des Johannes die Rede ist. Aber das Leben des Johannes und sein großer Wirkungskreis war das eigentliche Wunder Gottes.

Macht gerade den Weg des HERRN

Der Auftrag des Johannes bestand also darin, den Menschen zuzurufen: "Macht gerade den Weg des HERRN!" Aber was heißt das? Geht es nun darum, den Messias Jesus zu bejubeln? Soll man Ihm Kleider und Palmzweige auf Seinem Weg hinlegen, damit Er wie an Palmsonntag darüberschreiten kann? Soll man Ihn zum König ernennen, so wie das die Menschen nach der Brotvermehrung machen wollten (Joh 6:15)? Lesen wir zuerst einmal die Stelle aus Jes 40:1-8:

  • 1 Tröstet, tröstet mein Volk!, spricht euer Gott. 2 Redet zum Herzen Jerusalems, und ruft ihm zu, dass sein Frondienst vollendet, dass seine Schuld abgetragen ist! Denn es hat von der Hand des HERRN das Doppelte empfangen für all seine Sünden. 3 Eine Stimme ruft: In der Wüste bahnt den Weg des HERRN! Ebnet in der Steppe eine Straße für unseren Gott! 4 Jedes Tal soll erhöht und jeder Berg und Hügel erniedrigt werden! Und das Unebene soll zur Ebene werden und das Hügelige zur Talebene! 5 Und die Herrlichkeit des HERRN wird sich offenbaren, und alles Fleisch miteinander wird es sehen. Denn der Mund des HERRN hat geredet. 6 Eine Stimme spricht: Rufe! Und ich sage: Was soll ich rufen? - Alles Fleisch ist Gras, und all seine Anmut wie die Blume des Feldes. 7 Das Gras ist verdorrt, die Blume ist verwelkt, denn der Hauch des HERRN hat sie angeweht. Fürwahr, das Volk ist Gras. 8 Das Gras ist verdorrt, die Blume ist verwelkt. Aber das Wort unseres Gottes besteht in Ewigkeit.

Diese Stelle beginnt mit der Aufforderung, das Volk Gottes zu trösten und zum Herzen Jerusalems zu reden. Der Frondienst ist vollendet oder erfüllt.

Das hebr. Wort ZeBhaAH, das hier mit "Frondienst" wiedergegeben wurde, könnte man auch wörtlich mit "Heeresdienst" übersetzen. Der Dienst in einem Heer ist ein Dienst im Kampf. Dieser Frondienst des Kampfes ist nun erfüllt oder vollendet und die Schuld ist abgetragen. In welche Situation spricht hier Jesaja? Dazu möchte ich Heinz Schumacher zitieren, der in seinem Buch "Verkündiger von Gericht und Heil nach Jesaja (40-66) Band 2" Folgendes schrieb:

"Gott tröstet die nach Babylon Verschleppten durch die Aussicht auf ihre bevorstehenden Heimkehr, er tröstet aber auch das in Trümmern liegende Jerusalem mit den darin Zurückgebliebenen (2Kö 25:11-12). Jesaja steht immer beides vor seinem geistigen Auge: die ins Exil Weggeführten und Jerusalem und Juda."

Sehr fein schreibt auch Franz Delitzsch zu Jes 40:1:

"Der Wendepunkt vom Zorn zur Liebe ist gekommen. Der Zorn ist zwiefältig ergangen - in welcher Intensität wird nun die länge verhaltene Liebe hervorbrechen!"

Durch den kommenden Messias, kommt auch die Liebe und Gnade des HERRN zu Seinem Volk. Dadurch kommt auch die Zeit, wo der Frondienst und die Belastung der Sünde weggetan wird. Als diese Gnadenzeit gekommen war, ging es auch darum, dem HERRN einen Weg zu bahnen. Aber es ging eben nicht darum, Ihn als einziehenden König zu bejubeln, damit das Volk endlich von allen Unannehmlichkeiten befreit würde und das kommende Friedensreich genießen könnte, sondern darum, dass sie in ihren Herzen dem HERRN einen Weg bahnen! Jesus sollte als König in ihre Herzen einziehen und dazu sollten sie Ihm eine Bahn bereiten! Gerade die weiteren Verse machen deutlich worum es geht!

  • "Jedes Tal soll erhöht und jeder Berg und Hügel erniedrigt werden!"

Das Niedrige, das Tiefe, das, was unten ist, soll erhöht werden. Das hat auf mehreren Ebenen eine Bedeutung:

  1. Die Tiefen unseres Lebens, dürfen wir neu als eine Kostbarkeit erkennen, die uns Gott näher bringen.
  2. Die Demütigungen unseres Lebens sind deshalb so wertvoll, weil sie uns vor einem Irrweg bewahren (Ps 119:67).
  3. Die Schwachen, die Kranken und die Elenden sollen hochgehoben werden, damit ihnen Recht verschaffen wird. Wer sich auf den kommenden HERRN vorbereitet, hat ein Herz für die Elenden und übt Barmherzigkeit!
  4. Das was die Welt als unwert bezeichnet (Erfolglose und Arme) soll an Wert gewinnen.

Aber auch die Berge und die Hügel sollen erniedrigt werden. Auch hier gibt es mehrere Aspekte zu beachten:

  1. Irdischer Reichtum und weltliche Ehre sollen in unserem Leben klein und unbedeutend werden. Paulus achtete diese Dinge als Dreck (Phil 3:7-8).
  2. Unser Hochmut und jegliche Selbstgefälligkeit sollten in der Bedeutungslosigkeit versinken.
  3. Auch die Menschenverehrung und das Vertrauen auf irdische Stärke soll immer kleiner unbedeutender werden.

Gerade diese Aspekte werden durch die nachfolgenden Worte im Jesajatext unterstrichen, wo es dann heißt, dass alles Fleisch wie Gras ist, das verdorrt und vergeht, aber das Wort des HERRN besteht in Ewigkeit! Das zweite Kommen Jesu steht heute ebenfalls bevor und wie damals, so gilt auch heute, dem HERRN in unseren Herzen einen Weg zu bahnen! Die weltweite Corona-Pandemie war auch ein Weckruf an uns Christen! Sind wir bereit? Geben wir dem Herrn Jesus Raum in unseren Herzen? Haben wir auch eine Umkehr vollzogen? Haben die Dinge des Fleisches, wie Ansehen und Genuss, an Bedeutung verloren? Ist für uns die Liebe zum Herrn Jesus wichtiger als alles andere geworden? Haben die schwachen, elenden und kaum beachtenden Geschwister in unseren Augen an Bedeutung und Wert zugenommen oder beachten wir vor allem die Erfolgreichen und Angesehenen? Haben wir gelernt, unseren eigenen Hochmut zu verachten oder praktizieren wir nach wie vor die Selbstgefälligkeit? Haben wir Gefallen an den Wegen des HERRN mit uns oder hadern wir mit unserem Schicksal?

Auch wenn es Zeiten gibt, wo ich den Sinn meines Weges nicht verstehen kann, so darf ich trotzdem im Glauben daran festhalten, dass der HERR, bei all' Seinen Wegen mit mir, immer das Motiv der Liebe hat.

Bevor der Herr Jesus Christus für die Entrückung der Gemeinde wiederkommt, dürfen wir Ihm in unseren Herzen einen Weg bahnen. Dazu gehört auch, dass wir Ihn mehr ersehnen, als alles andere in dieser Welt. Das meint Paulus auch, als er in seinem letzten Brief schrieb:

  • 2Tim 4:7-8 - Ich habe den guten Kampf gekämpft, ich habe den Lauf vollendet, ich habe den Glauben bewahrt; 8 fortan liegt mir bereit der Siegeskranz der Gerechtigkeit, den der Herr, der gerechte Richter, mir als Belohnung geben wird an jenem Tag; nicht allein aber mir, sondern auch allen, die sein Erscheinen lieb gewonnen haben.

Statt zuzuhören wird Infrage gestellt

Die Priester und Leviten, die sich als Abgesandte der Pharisäer 'missbrauchen' ließen, kamen in die Wüste, um das ganze Geschehen zu 'analysieren'. Dazu lese ich den letzten Abschnitt noch einmal:

  • Joh 1:24-28 - Und sie waren abgesandt von den Pharisäern. 25 Und sie fragten ihn und sprachen zu ihm: Was taufst du denn, wenn du nicht der Christus bist noch Elia noch der Prophet? 26 Johannes antwortete ihnen und sprach: Ich taufe mit Wasser; mitten unter euch steht, den ihr nicht kennt, 27 der nach mir kommt, vor dem ich nicht würdig bin, den Riemen seiner Sandale zu lösen. 28 Dies geschah zu Betanien, jenseits des Jordan, wo Johannes taufte.

Es ist einfach entscheidend, zu erkennen, von wem man sich senden lässt. Wenn ich mich von Menschen senden lasse, dann werde ich auch von ihnen inspiriert und dann handle ich in ihrem Auftrag! Jeder Arbeitnehmer, der von seinem Chef gesandt wird, ist von ihm beauftragt und für seine "Mission", die er zu erfüllen hat, auch ein stückweit inspiriert. Natürlich gebraucht Gott auch Menschen, um andere Menschen zu beauftragen. Dieser Vorgang ist nicht 'Per se' schlecht, aber dabei gilt es Folgendes zu beachten:

  1. Bei einem Sendungsauftrag durch Menschen, bei dem wir für die Sache des HERRN arbeiten, sollten wir im Gebet immer auch den HERRN ganz persönlich fragen, ob das in Seinem Sinn ist.
  2. Gleichzeitig sollten wir uns auch fragen, was das für Leute sind, die uns einen Auftrag gegeben haben. Sind es solche, die ihre eigene Ehre suchen? Sind es Menschen, die gerne andere für ihre eigenen Zwecke benutzen? Oder sind es solche, die aus Liebe zu Gott und den Menschen leben? Können sie auch in Demut und Wertschätzung den Schwachen und Geringen dienen oder sind sie nur auf die Erfolgreichen fokussiert?

Wenn wir diese Fragen prüfen, dann wissen wir schon viel eher, wer uns sendet und ob sie das im Auftrag Gottes tun.

Es ist ziemlich offensichtlich, dass sich die Priester und Leviten von den Pharisäern instrumentalisieren ließen. Die Pharisäer kannten das AT sehr genau und waren peinlich genau darauf bedacht, das Gesetz einzuhalten. Dabei ging es ihnen vorwiegend um die äußere und sichtbare Einhaltung des Gesetzes und sie haben den wesentlichen Sinn des Gesetzes, nämlich die Liebe zu Gott und zu ihrem Nächsten, völlig aus dem Auge verloren! So sagte ihnen Jesus in Mt 23:23 auch:

  • Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr zahlt den Zehnten von Gartenminze, Dill und Kümmel und habt [dabei] das Schwerwiegende des Gesetzes [außer Acht] gelassen: das Recht schaffende Gericht, das liebende Erbarmen und den vertrauenden Glauben. Dieses hätte man tun und jenes nicht lassen sollen. (aus dem NT von H. Schumacher)

Hätten die damaligen Priester und Leviten aus einer Liebesbeziehung zu Gott gelebt, dann hätten sie sehr bald einmal gespürt, dass die Pharisäer, die Hauptsache des Gesetzes völlig vernachlässigt haben und sie hätten sich nicht von ihnen als Abgesandte missbrauchen lassen. Vielleicht wären sie trotzdem in die Wüste gegangen und hätten vor Gott und im Gebet geprüft, ob dieser Johannes ein von Gott Gesandter war. Dabei hätten sie klar erkennen können, dass Johannes ein Gesandter Gottes war und dass sie sich seine Worte zu Herzen nehmen sollten.

Die Priester und Leviten haben zu wenig darüber nachgedacht, was die "Stimme eines Rufenden in der Wüste" für sie persönlich bedeutet. Hätten sie es getan und hätten sie darüber nachgedacht, was Jesaja in diesem Zusammenhang sonst noch geschrieben hat, dann wäre ihnen klar geworden, dass es jetzt darum geht, dem HERRN im eigenen Herzen einen Weg zu bahnen! Stattdessen haben sich die Leviten an der sichtbaren Handlungsweise des Täufers gestoßen! Wenn Johannes weder der Messias, noch 'der Prophet', noch Elia war, dann war er in ihren Augen überhaupt nicht berechtigt, die Menschen mit Wasser zu taufen.

Warum sie das nur diesen drei, bzw. zwei Personen zugestanden haben, entzieht sich meiner Kenntnis. Eigentlich könnte man einem Propheten, der sogar in der Heiligen Schrift verheißen wurde, das Recht zu taufen, durchaus einräumen, aber vmtl. wollten die Priester den Auftrag des Johannes, mit dieser rhetorischen Bemerkung, einfach infrage stellen! Damit brachten sie auch zum Ausdruck: "Von dir lassen wir uns nichts sagen! Du bist für uns nicht von Bedeutung!" Das wiederum gab ihnen die Möglichkeit, ihr eigenes Gewissen zu beruhigen und die, für sie so dringend notwendige Buße und Umkehr von sich stoßen.

Johannes weist dann darauf hin, dass er (lediglich) mit Wasser taufe! Aus Mt 3:11 geht dann auch klar hervor, dass Johannes, die von Jesus vollzogenen Taufe mit "Geist und Feuer", als die eigentliche und wesenhafte Taufe erkannt hat. Die Wassertaufe war das sichtbare Zeichen dafür, dass der Täufling umkehren wollte und Buße getan hat. Mit der Wassertaufe bezeugen wir vor der Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit, dass wir unser altes Leben in den Tod gegeben haben!

Möge uns der HERR Gnade geben, dass wir in unseren Herzen, Jesus einen Weg bahnen, dass Er unser Herz ganz erfüllen kann und wir von Seiner Liebe erfüllt sind, damit wir uns Ihm ganz hingeben können!


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