Aufbau und Werdegang des Menschen

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Von Daniel Muhl

Der natürliche Mensch

Damit man Geist, Seele und Leib etwas besser auseinanderhalten kann und auch ihr unterschiedlichen Funktionen erkennen kann, habe ich folgende Grafiken erstellt. Die Grundidee dieser Grafik stammt von Watchman Nee. Für meine Ausführungen habe ich sie noch angepasst und erweitert:

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Dass die Gefühle ein Bestandteil der Seele sind, wird wohl kaum bestritten. Davids Geist spricht zu seiner Seele:

  • Ps 42:6 - Was bist du so aufgelöst, meine Seele, und stöhnst in mir?

Hier werden die Gefühlsschwankungen der Seele Davids sichtbar. Im Zusammenhang mit der Seele erklärt uns die Bibel:

  • 3Mo 17:11 - Denn die Seele des Fleisches ist im Blut,

Dass das Blut mit der Seele zusammenhängt, kann man auch daran erkennen, wie sich der Gefühlszustand verändert, wenn man entsprechende Medikamente einnimmt oder intravenös, gewisse Substanzen in den Blutkreislauf einfließen lässt. Der Verstand und der Wille wird oft als ein Bereich des Geistes angeschaut! Tatsache ist jedoch, dass der Apostel Paulus von einem „Willen des Fleisches“ spricht (Eph 2:3). Beim natürlichen Menschen ist die Seele fast ausschließlich auf die Bedürfnisbefriedigung des Leibes ausgerichtet. Dadurch entstand der „Wille des Fleisches“. Auch wenn der Geist über einen Willen und über einen Verstand verfügt, so gibt es doch auch einen Willen und einen Verstand der Seele. Nachfolgend möchte ich den Willen und Verstand der Seele, dem Willen und Verstand des Geistes gegenüberstellen:

  1. Der Wille und der Verstand der Seele:
    In Kol 2:18 ist von einem eigenem Willen die Rede. Der eigene Wille ist sehr stark von den körperlichen sowie seelischen Bedürfnissen geprägt. Der seelische Verstand unterordnet sich im nicht erneuerten Zustand diesem Willen. Dieser Verstand vertraut auf sich selbst und dadurch stützt sich die Seele auch auf den (eigenen) Verstand (Spr 3:5).
  2. Der Wille und der Verstand des Geistes:
    Der Wille, eines von Gott geprägten Geistes, sucht die Verherrlichung Gottes und agiert aus der Nächstenliebe. Der Verstand eines von Gott geprägten Geistes vertraut auf den Herrn (Spr 3:5). Die Aussage aus Spr 3:5 bedeutet nicht, dass der Vertrauende keinen Verstand hätte, sondern es bedeutet, dass der geistliche Verstand auf den Herrn vertraut, währenddem der seelisch, natürliche Verstand - von dem hier die Rede ist - auf die eigenen Kräfte vertraut.

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Der Geist des natürlichen Menschen könnte als „glimmender Docht“ gesehen werden (Jes 42:3), der kaum Leben in sich hat. Folgende Überlegungen sprechen für eine solche These:

  1. Als Gott dem Adam die Strafe für den Ungehorsam androhte, sagte Er: „... aber vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen, davon darfst du nicht essen; denn an dem Tag, da du davon isst, musst du sterben (w. wirst zu sterben du sterben)" 1Mo 2:17. Es wäre denkbar, dass der Geist des Adam, an dem Tag, als er von der Frucht aß, starb und zu einem glimmenden Docht reduziert wurde.
  2. Jesus bezeichnet Menschen, die nicht von Neuem geboren wurden, als Tote:
  • Mt 8:22 - Jesus aber spricht zu ihm: Folge mir nach, und lass die Toten ihre Toten begraben!

Der wiedergeborene Mensch

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Anhand dieser Grafik wird deutlich, dass der Gläubige, über einen neuen, innwendigen Menschen verfügt, der aus Gott geboren (1Jo 5:4) und gezeugt ist. So schreibt auch Paulus:

  • Röm 7:22 - Denn ich habe nach dem inneren Menschen Wohlgefallen am Gesetz Gottes.

Das göttliche Wollen in uns (Phil 2:13) kommt also durch diesen aus Gott geborenen, inneren Menschen zustande. Johannes schreibt uns:

  • 1Jo 3:9 - Jeder, der aus Gott geboren ist, tut nicht Sünde, denn sein Same bleibt in ihm; und er kann nicht sündigen, weil er aus Gott geboren ist.

Wie viele Gotteskinder kamen durch diesen Ausspruch in große Bedrängnis, weil sie sich eingestehen mussten, noch nicht sündlos zu sein? Das wiederum löste einen Zweifel an der Gotteskindschaft aus! Einige kamen vorübergehend zu dem Schluss: „Ich bin nicht aus Gott geboren, weil immer noch Sünde in meinem Leben ist!“ Dabei schreibt Johannes auch:

  • 1Jo 1:8: Wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns.

Auch wenn der neue, innwendige Mensch, der aus Gott geboren ist, nicht sündigen kann, so kann die Seele des Gotteskindes, sehr wohl noch sündigen!

  • 2Kor 4:16 - Deshalb ermatten wir nicht, sondern wenn auch unser äußerer Mensch aufgerieben wird, so wird doch der innere Tag für Tag erneuert.
  • Eph 3:16 - er gebe euch nach dem Reichtum seiner Herrlichkeit, mit Kraft gestärkt zu werden durch seinen Geist an dem inneren Menschen;

Wenn wir diese Grafik anschauen, dann stellt sich die Frage, wo das Herz einzuordnen ist? Ist das Herz, mit dem Geist identisch oder ist das Herz ein Bereich der Seele? Paulus schreibt:

  • 2Kor 4:6 - Denn Gott, der gesagt hat: Aus Finsternis wird Licht leuchten! er ist es, der in unseren Herzen aufgeleuchtet ist zum Lichtglanz der Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes im Angesicht JesuChristi.
  • Eph 1:18 - Er erleuchte die Augen eures Herzens, damit ihr wisst, was die Hoffnung seiner Berufung, was der Reichtum der Herrlichkeit seines Erbes in den Heiligen
  • Eph 3:17 - dass der Christus durch den Glauben in euren Herzen wohne und ihr in Liebe gewurzelt und gegründet seid,

Es dürfte nicht einfach sein, das Herz ganz klar zuzuordnen. Es wäre aber durchaus Folgendes denkbar: „So wie es ein Herz des Leibes gibt - die erstaunlichste Pumpmaschine, die es gibt - so gibt es auch ein Herz der Seele (vielleicht die Willenszentrale) und ein Herz des Geistes (das mit der Liebe Gottes gefüllt wurde; Röm 5:5). Mehr dazu siehe hier!

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Wie wir gesehen haben, kann der aus Gott geborene, innere Mensch nicht sündigen. Der Geist des Menschen ist wohl darum nicht mit dem neuen innwendigen Menschen identisch, weil Paulus einen Menschen, der sehr verheerend gesündigt hat, dem Satan übergibt, auf dass sein Geist gerettet werde (1Kor 5:5). Die Rettung des Geistes war Paulus, in diesem Fall, ein großes Anliegen. Hier kann wohl kaum der innwendige Mensch, der nicht sündigen kann, gemeint sein.

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Die Stelle aus dem Jakobusbrief könnte man auch mit etwas anderen Worten formulieren:

  • „Lasst das Wort Gottes, in euren Seelen und in euren Herzen, ohne Auflehnung, mit williger Bereitschaft wirken, indem ihr euch, durch das Wort Gottes ermahnen und korrigieren lasst“.

Wenn die Seele, das Wort Gottes, durch den Geist, an sich wirken lässt, dann wird auch sie, immer mehr mit göttlichem Leben erfüllt, doch gleichzeitig darf sie sich vom Leibe loslösen und dem Geiste anhangen, wie das in der nächsten Grafik deutlich wird.

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In langsamen Schritten löst sich die Seele vom Leib und haftet dem Geist an. Dort wo die Seele noch „ungehorsam“ ist, dort wo sie ihre alten egoistischen Verhaltensmuster aufrechterhält, dort haftet sie nach wie vor am Leib. Diese „Restbestände“, die noch am Leib haften, werden oft erst durch Schwachheit und Bedrängnis gelöst. Wenn sich die Seele durch Nöte, vom Leib löst und dem Geiste anhängt, dann kommt auch die Kraft Gottes durch den inneren neuen Menschen in der Seele zur Vollendung:

  • 2Kor 12:9-10: Und er hat zu mir gesagt: Meine Gnade genügt dir, denn meine Kraft kommt in Schwachheit zur Vollendung. Sehr gerne will ich mich nun vielmehr meiner Schwachheiten rühmen, damit die Kraft Christi bei mir wohne. 10 Deshalb habe ich Wohlgefallen an Schwachheiten, an Misshandlungen, an Nöten, an Verfolgungen, an Ängsten um Christi willen; denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark.

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Der menschliche Geist, sowie die Seele und dadurch auch das Herz des Menschen können Göttliches empfangen. Aus ihnen selbst kommt nichts, was Ewigkeitswert hätte (Pred 3:14). Wenn Geist, Seele und Herz nur Empfangende sind, so haben sie auch nichts zu rühmen:

  • DBR Röm 8:16: Er, der Geist, zusammenbezeugt unserem Geist, dass wir Kinder Gottes sind.

Es geht letztlich nicht darum, dass wir unsere eigene Gerechtigkeit suchen (Phil 3:9) und haben, sondern dass wir Solche werden, die sich in allen Teilen beschenken lassen. Und wenn wir uns in allem beschenken lassen und nach dem Willen Gottes suchen, dann lernt unser Geist und unsere Seele, sich dem Geiste Gottes unterzuordnen. Es geht um Unterordnung und Gehorsam und nicht um die eigene Anstrengung! Das Herz und die Seele dürfen lernen, absolut zu vertrauen und alles, was wir brauchen, um ans Ziel zu gelangen, von Gott zu erwarten und sich in allen Dingen beschenken zu lassen!